Das Überirdische
1938
Paragrafen 602-955.
eine Fülle neuer Möglichkeiten haben. Die Heuchler sagen, daß Ungerechtigkeit ein relativer Begriff sei. Entgegnet ihnen, daß Ungerechtigkeit in jedem einzelnen Fall eine offenkundige Erscheinung ist und ein feinfühliges Herz die Grenze der Ungerechtigkeit ausgezeichnet wahrnimmt.
Der Kampf gegen Ungerechtigkeit ist eine reine Erscheinung, frei von Selbstsucht, und ihr, Unsere Freunde, helft den Kämpfern gegen die Ungerechtigkeit, wobei ihr mit Uns im Handeln eins sein werdet, stellt doch jede harmonische Tat bereits die Entstehung von Macht dar.
Das heute Gesagte ist eine Seite Unseres inneren Lebens. Die Fürsorge um selbstaufopfernde Tatmenschen und die Hilfe für die Streiter gegen Ungerechtigkeit erweist sich als Unsere Lieblingsbeschäftigung. Diese beiden Arten von Tatmenschen sind besonderen Angriffen der Finsternis ausgesetzt. Viele von ihnen ertragen diesen Kampf nicht, da sie Gewohnheiten haben, die sie schwächen.
Mitunter bitten Wir um den höchsten Grad des Vertrauens, der eine rettende Ruhe schafft. Der Kämpfer sollte ruhig sein, da er um die Makellosigkeit seiner Ziele weiß. Er kennt die böswilligen Absichten der Finsteren, und er weiß, daß die Schlacht unausweichlich ist. Doch möge er auch wissen, daß starke Freunde bei ihm sind. Möge er dies in ganzer Unerschütterlichkeit wissen. Jedes Schwanken seinerseits fügt dem Freunde Schmerz zu.
Denkt über diesen Schmerz nach, und erinnert euch der Schweißtropfen.
Der Denker sprach: "Lernt es, euer Denken mit den überirdischen Welten zu vereinigen."
602. Urusvati weiß, daß im Wechsel der Arbeit Erholung besteht. Doch laßt uns inmitten verschiedener Arbeiten jene gedankliche Arbeit nicht vergessen, die die Vorstellungskraft, die Phantasie entwickelt. Wir Selbst sind ständiger gedanklicher Übung nicht enthoben. Ein oberflächlicher Beobachter würde vielleicht denken, Wir befänden Uns im Schlaf, wenn Wir inmitten der Arbeit die Augen schließen und das Denken im Reich der Phantasie wandern lassen. Dieser Augenblick hat eine große Bedeutung, denn die vorgestellten Bilder werden Realität werden. Wir vermögen nicht zu entscheiden, wann diese Realisierung eintreten wird, doch sie wird sein und wird der Menschheit helfen.
Glaubt nicht, daß diese gedankliche Arbeit nur besonderen Wesen obliege. Jeder vermag seine Vorstellungskraft, seine Phantasie zu entwickeln, doch auch hierbei muß eine wichtige Bedingung beachtet werden. Es ist gut, wenn ein Mensch schöne Vorstellungen hegt; wenn er jedoch Häßlichkeit erzeugt, so wird unnennbarer Schaden entstehen. Daher muß man in schöner Weise denken. Die Natur vermittelt uns dazu ausgezeichnete Bilder, doch wenn jemand nicht imstande ist, die Natur zu betrachten, möge er sich in Kunstwerke vertiefen, da die Künstler in ihnen eine Synthese ihrer Beobachtungen zum Ausdruck gebracht haben.
Lernt es auch, euch auf die besten Werke zu konzentrieren, da ihr anderenfalls auf Häßliches stoßen werdet, ja sogar auf Erzwungenes!
Wir bemühen Uns, den Künstlern zu helfen. Nicht selten geraten sie unter den Einfluß von unsichtbaren Spöttern, die sich über jede Häßlichkeit freuen. Studiert die Kunst in verschiedenen Epochen. Mögen die Menschen verstehen, wie sehr das künstlerische Schaffen in Blütezeiten auf Synthese beruhte.
Der Denker zeigte Begeisterung angesichts von genialer Skulpturen und sprach: "Im irdischen Leben haben wir solche vollkommenen Formen nicht angetroffen, doch hat der Bildhauer sie seiner Phantasie entnommen und für die Zukunft geschaffen."
603. Urusvati weiß, daß der Erfolg der Medizin vor allem in einer rechten Prophylaxe besteht. Es ist erstaunlich, daß man mit der medizinischen Vorbeugung bis heute nur die physische Seite im Blick gehabt und den psychischen Aspekt vollkommen ignoriert hat. Doch wissen alle, daß besonders dieser Aspekt wesentliche Bedeutung für den Erhalt der Gesundheit besitzt. Bekannt sind Erbkrankheiten, Infektions- und Berufskrankheiten; in all diesen Fällen ist psychische Einflußnahme unerläßlich, da sie die Entwicklung einer Krankheit verhindern kann.
Allein rechtzeitige Hilfe mittels Suggestion kann den Keim einer Krankheit in seiner Entwicklung zurückhalten oder gar auflösen. Laßt uns nicht hoffen, die Menschen könnten dafür Autosuggestion erfolgreich anwenden. Nur sehr wenige Organismen sind in der Lage, selbst die ersten Andeutungen einer Erkrankung wahrzunehmen und mit ihrem Willen deren Entwicklung zu verhindern. Für die Mehrheit der Menschen ist eine von außen kommende Suggestion unerläßlich, doch nur in wissenschaftlicher Weise und unter staatlicher Aufsicht darf eine solche Einimpfung von Gesundheit vorgenommen werden.
Es müssen besondere Institute geschaffen werden, in denen ein ganzes Heer von Ärzten in der Wissenschaft der Suggestion ausgebildet wird. Hierbei muß streng auf die ethische Seite geachtet werden, da die Suggestion anderenfalls zum Verbrechen wird. Doch werden so oder anders solche Einrichtungen Wirklichkeit werden. Die Menschen werden verstehen, daß selbst hygienischste Verhältnisse nicht imstande sind, das Problem der Heilung zu lösen. Die größte Epidemie droht von psychischer Seite.
Ihr wißt, wie sehr die Kriminalität ansteigt. Man kann sie unmöglich mit Pülverchen und Spritzen überwinden, nötig sind energische, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen. Selbst einige Geißeln der Menschheit wie der Krebs bedürfen einer rechtzeitigen psychischen Vorbeugung.
Der Denker lehrte: "Verehrt die Hygieia. Sie vermag euch zu lehren, wie man die Gesundheit des Volkes verbessern kann."
604. Urusvati weiß von Unserer Freude, wenn Wir einem würdigen Tatmenschen helfen und ihm einen guten Rat erteilen können. Doch müssen zwei Erschwernisse genannt werden, die dabei oft auftreten. Das erste ist darin begründet, daß die Menschen jeden Rat gern auf ihre eigene Weise deuten. Achtet darauf, daß auch der einfachste Rat dem Verständnis des Empfangenden gemäß ausgelegt werden kann. Es wurde zwar gesagt, man solle dem Bewußtsein des anderen gemäß sprechen, doch ist dies nicht leicht. Das Bewußtsein stellt sich mitunter als ein einziges Konglomerat dar, und der eine Teil des Ratschlages entspricht dem Verständnis des Empfangenden, der andere wird jedoch nicht angewandt. So muß man die Folgen eines Ratschlages überwachen. Die Menschen sind individuell geartet. Wahrlich, sie folgen keinem Gesetz, selbst dem klarsten nicht.
So wollen die Menschen nicht anerkennen, daß Gedanke und Wort einen mächtigen Sender darstellen. Hierin besteht die zweite Erschwernis. Einige nehmen zwar an, daß das Wort, wie der Ton, schon eine gewisse räumliche Ausbreitung erfährt, was man der Gedankenenergie jedoch nicht zugesteht. Kann man einen Menschen davon überzeugen, daß jedes seiner Worte auch Zuhörer hat und der Gedanke, als ein feinstoffliches Phänomen, in viel weiterem Umkreis aufgefangen wird als ein Wort? Wem sollte dies denn wichtig sein, wenn die Existenz unsichtbarer Welten kaum aufgenommen wird!
Es muß darauf hingewiesen werden, daß gewisse Gedanken verschlossen werden können, doch muß für einen solchen Erfolg der feinstoffliche Zustand verstanden werden. Denkt daran, wieviele Ratschläge verzerrt oder vorzeitig ausgeplaudert werden können.
Der Denker sprach: "Der Hirte Theokles versicherte, er sei heimlich auf die Höhe des Olymp gedrungen und habe dort nichts angetroffen. Vielleicht nahm er an, eine prunkvoll gedeckte Tafel vorzufinden, an der man ihm berauschenden Nektar und eine besonders große Scheibe Ambrosia reichen würde."
605. Urusvati weiß, daß Wir alles gutheißen, was im Menschen das Gefühl von echtem Rhythmus erweckt. Das Gefühl für Rhythmus ist angeboren, doch wird es leicht von chaotischen Elementen überwuchert. Auch wenn die Menschen rhythmisch handeln, sind sie größtenteils noch weit davon entfernt, die große Bedeutung des Rhythmus zu verstehen. Mitunter wünscht ein Tatmensch seiner Entscheidung etwas Rhythmisches vorauszusenden, was ihm sein Gefühl richtig eingibt und womit der Tatmensch Harmonie sucht. Selbst ein schwacher Versuch bewirkt wohltuende Folgen.
Wir haben die sehr einfachen Rhythmen Mahavan und Chotavan gegeben, doch kann man auch zu sehr komplizierten Rhythmen gelangen. Erinnern wir uns der im Sanskrit, in Griechenland und Rom gegebenen Rhythmen, in denen wohldurchdachte Klangformen zu finden sind. Im Altertum wußte man bereits von der Notwendigkeit, eine Verbindung mit dem Kosmos zu suchen.
In bestimmten Perioden irdischer Anspannung muß man intensiv über den Rhythmus nachdenken. Durch ihr Klagegeschrei des Entsetzens stürzen die Menschen sich in einen chaotischen Strudel. Glaubt nicht, Wir billigten große Gelage in Pestzeiten. Doch wenn ein Hindu die Bhagavad Gita singt, handelt er weise, und diese Harmonie wird heilsam wirken. Rhythmus stellt Flügel dar und dient der Zementierung des Raumes.
Die Menschen suchen die Verbindung zu Uns, doch wird dazu die klare Erkenntnis des inneren Rhythmus der erste Schlüssel sein. Mit tauben Ohren kann man die beste Musik und den schönsten Gesang hören, ohne daß etwas im Herzen widerhallt, doch ein feinfühliges Herz wird im Rhythmus der Harmonie erbeben. Der Mensch wird dadurch besser, tapferer und stärker, er macht sich dadurch zu einem würdigen Mitarbeiter im Irdischen wie Überirdischen, und er erkennt die Freude.
Erinnern wir uns daran, daß die Erde unter einer ungewöhnlichen Anspannung leidet. Kann man sich zur Zeit des Harmagedon dem Chaos anheimgeben? Denkt an diese Erinnerung bei kleinen wie bei großen Taten. Der Mensch lernt das Nachdenken nicht im Wohlergehen,
sondern im Kampf. Wird er ein Kämpfer sein, wenn er gleich in der ersten schweren Stunde den führenden Stern verliert? Wodurch wird er sich dann von dem letzten Dummkopf unterscheiden, der über nichts nachdenkt? Solch ein Mensch denkt nicht über die Stunde der Entscheidung nach, und die erschreckendsten Erscheinungen sind für ihn purer Zufall. Doch der Kluge nähert sich in solchem Moment den kosmischen Rhythmen und nimmt in solcher Rüstung tapfer den Kampf an. Dann ist er mit Uns.
Der Denker sprach: "Herrliche Musen, in eurem harmonischen Chor verleiht ihr dem Menschen den rettenden Rhythmus."
606. Urusvati weiß, daß Wir oft vom Kampf sprechen. In der Tat ist Kampf, als Überwindung des Chaos, immer herrlich und schön. Für den Fortschritt gibt es keinen anderen Weg, doch auch dieser einfache Begriff erfährt die unterschiedlichsten Auslegungen. Die Scheinheiligen erheben sich gegen ihn, indem sie ihre auf Gedankenlosigkeit und Tatenlosigkeit gegründete Welt preisen. Die Heuchler werden sagen, daß ihr Gezänk und ihre Raufereien bereits Kampf seien. Und schließlich werden noch die Hinterlistigen die absurdesten Vergleiche anstellen, nur um ihre eigenen bösen Vorhaben zu rechtfertigen.
In der Tat muß man zum Verständnis des großen Kampfes vergleichen können. Möge der Mensch all seine Meßinstrumente nehmen, um herauszufinden, wo das Kleine und wo das Große ist. Man muß in der Lage sein, das Kleine im Hinblick auf das Große zu bestimmen. Möge eine einzelne Biene ruhig versuchen, ohne ihr Volk weiterzuexistieren. Ist es nicht aufschlußreich zu beobachten, wie kleine Quecksilberkügelchen einander anziehen und ein Ganzes bilden? Ähnlich verhält es sich mit verstreutem Sand, der sich unter der Einwirkung eines bestimmten Rhythmus in bestimmte Formen legt. Die Natur gibt Vorbilder von Anziehung, und in diesen Formen des Zusammenwirkens drückt sich der Kampf gegen das Chaos aus . Auf die gleiche Weise muß man die weltweiten Ereignisse ansehen, da man anderenfalls die großen Perioden der Geschichte nicht erkennt.
Viele wertvolle Begriffe werden entstellt. Die Menschen verstehen die hohe Bedeutung der Liebe nicht, dieses Magneten der Welt. Sie urteilen von sich selbst aus und unterstellen ihre egoistischen Deutungen. Sie begreifen Liebe als Zwang, womit sie sich jedoch die Flügel der herrlichen Liebe selbst abschneiden.
Der Denker wies auf die geflügelte Siegesgöttin und sprach: "Haltet eure Augen rein und offen, sonst werdet ihr nicht erkennen, wo das Licht ist."
607. Urusvati weiß, wie schwer die Menschen die sogenannte innere Tapferkeit verstehen. Es ist nicht leicht zu erklären, daß äußere Tapferkeit trügerisch sein kann. Ein Mensch kann sich als tapfer zeigen, dabei jedoch innerlich zittern. Man könnte eine Vielzahl von Beispielen anführen, in denen gerade das Fehlen innerer Tapferkeit Ursache für einen Untergang war. Doch verwechselt diese Eigenschaft nicht mit vielen ähnlichen. Die Menschen werden sagen: "Ihr sprecht wahrscheinlich von der Ruhe". Nicht ganz, da die Tapferkeit nur einer von mehreren Aspekten der Ruhe ist. Auch Gleichgewicht ist nur ein Nachbar der Tapferkeit. Es ist schwer zu sagen, wie innere Tapferkeit, als ständige Bereitschaft zu kühnem Denken und Tun, aufzunehmen ist.
Ein Mensch ist in der Lage, Freude zu empfinden, wenn nichts ihn hindert, eine schöne Tat zu vollbringen. Gewöhnlich stören viele Überlegungen schon beim Nachdenken über eine Heldentat. Möge der Mensch in Gedanken Heldentaten vollbringen; aus solchen Heldentaten bildet sich eine strahlende Aura. Wenn dieses Licht sich festigt, kann der Mensch seine Träume in die Tat umsetzen.
Es ist nicht ohne Grund gesagt worden, daß jeder Traum irgendwann Wirklichkeit werden wird. Doch muß man einen großen Vorrat an Kühnheit besitzen. Innere Tapferkeit verleiht die Möglichkeit, kühn zu streben, und dies sollte man nicht nur für die Überirdische Welt, sondern auch für die Erde lernen. Versteht es, daß alles für die Überirdische Welt Nützliche auch für die Erde nützlich ist. So muß man in Ruhe über die größten Heldentaten nachdenken. Es mag sein, daß ihr euch dabei auch an etwas aus vergangenen Leben erinnert. Jeder hat eine Heldentat entweder vollbracht oder davon geträumt. Eine Heldentat kann man unter jeglichen irdischen Umständen vollbringen.
Der Denker sprach: "Krieger ist nicht allein derjenige, der einen Helm trägt."
608. Urusvati weiß, daß ein großer Meister der Musik geboren werden müßte, der der Menschheit den Widerklang der Sphärensymphonien gibt. Es kommt eine Zeit, da die Menschen der Symphonien des Raumes besonders bedürfen und die Harmonie der Klänge ein echtes Allheilmittel darstellt. Nicht nur einmal kamen Botschafter des Klanges, doch gelang es ihnen
nur in geringem Maße, das von ihnen in den feinstofflichen Sphären Gehörte festzuhalten.
In Meinem Land gab es ein starkes Talent, das den Wert der Harmonie kannte, doch nahm er sich nicht in acht und ging, ohne die besten Errungenschaften übergeben zu haben. Wahrlich, Menschen, die eine gute Botschaft in sich tragen, müssen sich schützen. Sie befinden sich unter dem Druck zweier Arten von Belastungen. Oftmals können sie Gefahren und dem Druck von Personen ausgesetzt sein. Glaubt nicht, daß Wände über sie niederstürzen müßten. Nein, kleine Versuche können es sein, aus denen sich eine Vergiftung bildet. Diese Botschafter dürfen sich nicht durch Unvorsicht im Leben verausgaben. Mögen sie verstehen, daß ihre Botschaft eine bedeutende ist und sie einen Kelch tragen, der unverschüttet zu den anderen gelangen muß. So verfolgen Wir aufmerksam solche Botschafter nicht nur auf der Erde, sondern auch in der Überirdischen Welt, wo sie die Sphärensymphonien erfahren. Einiges bringen sie dann mit zur Erde, doch auch dieses Wenige wird dem Fortschritt der Menschheit dienen.
Urusvati hat die Sphärenmusik gehört. Sie weiß, daß deren hauptsächliche Macht in der Harmonie und im Rhythmus liegt. Auf der Erde gibt es noch keine Instrumente, um die ganze Erhabenheit der Rufe des Raumes auszudrücken. Dies ist nun eine weitere Seite Unseres inneren Lebens. Ohne Klänge würden Wir Uns langweilen, und Wir wundern Uns, daß einige Menschen ohne Musik auskommen.
Der Denker lehrte: "Das Schöne hören und das Schöne betrachten bedeutet, besser zu werden."
609. Urusvati weiß, auf welch wunderschöne Weise sich das Bewußtsein eines denkenden Menschen augenblicklich wandelt, wenn er in die Überirdische Welt übergeht. Die Bedeutung der Lebensereignisse wird nun offenbar; die einen erscheinen nun größer, die anderen kleiner. Die wichtigsten Alltagserrungenschaften erweisen sich als nichtig, doch alles von Selbstaufopferung und Dienst an der Menschheit Bestimmte erreicht strahlende Dimensionen.
Freude lebt gerade in diesen intensiven Erlebnissen, doch die vergänglichen irdischen Auszeichnungen verwandeln sich zu Kehricht. Der Mensch erreicht die Grenzen von Denkbereichen, denen er vorher keine Bedeutung beimaß. Gewöhnlich hat er kostbare Errungenschaften vergessen und sich in den Lärm des Marktlebens sinken lassen. Nehmt dies nicht für eine moralische Belehrung. Wir wollen nur an die Wirklichkeit erinnern, die auf den verschiedenen Stufen des Aufstieges Wandlungen
unterworfen ist.
Einige kehren nicht mehr zu prunkvollen Verkörperungen zurück, sondern stellen sich ihr irdisches Dasein lieber sehr bescheiden und sehr schwer vor. Stärkste Bestrebung kam immer in viel Arbeit und Mühen zum Ausdruck; so vollzieht sich eine Umbewertung des irdischen Aufenthaltes. Auch ihr könnt euch mitunter an äußerst kurze Begegnungen erinnern, in denen eine Art Stromstoß erfolgte. Solche Funken können bedeutsam sein, und man erinnert sich ihrer gern mit Dankbarkeit. Wer kann denn behaupten, diese Begegnungen seien zufällig gewesen? Vielleicht war es ein alter Freund, der gekommen ist!
Der Denker sprach: "Da ruft ihr 'Platon, Platon', und vielleicht ist sein Name ein ganz anderer."
610 . Urusvati weiß von Unserem Erlaß: "Seid gerecht!" Von welcher Gerechtigkeit jedoch sprechen Wir? Die Menschen bringen es zuwege, viele "Gerechtigkeiten" zu erfinden. Sie kennen eine persönliche Gerechtigkeit, eine Familien-, Sippen-, Stammes- und Rassengerechtigkeit. Sie verstecken sich hinter einer dienstlichen, schulischen und beruflichen Gerechtigkeit. Es ist nicht möglich, alle menschlichen Gerechtigkeiten aufzuzählen! Vergessen hat man jedoch die menschliche Gerechtigkeit. Die Menschen urteilen aufgrund einer Vielzahl von Gesichtspunkten, doch der hauptsächliche - weltumfassende Gerechtigkeit - wird nirgends angenommen .
Wir haben bereits von ungerechten Richtern als einer Schande der Menschheit gesprochen, doch darf man nicht allein von den Richtern, sondern muß von all den Menschen sprechen, die in Lüge versunken sind. Jeder Mensch spricht jeden Tag irgendeine Verurteilung aus. Er nimmt die Verantwortung auf sich, einen Pfeil der Lüge in den Raum geschossen zu haben, denn gewöhnlich urteilt er aufgrund von Bedingtheiten und von Unwissenheit. Überdies ist der Mensch von Drohungen erfüllt und empfindet sogar Schadenfreude, wenn er Gift aussendet.
Es gibt viele physische Gifte, doch noch mehr psychische. Die Kinder werden von ihren frühesten Tagen an vergiftet. Sie spüren die Böswilligkeit der Erwachsenen, und ihr Organismus wird dadurch bereits früh für die schlimmsten Krankheiten geöffnet. Man darf nicht nur Maschinen und Roboter erfinden, sondern auch eine allmenschliche Gerechtigkeit. Wenn dies nicht geschieht, wohin wird dann der Mensch in der Überirdischen Welt gehen, und wie wird das Gespräch mit Uns gestaltet sein?
Wir werden aufgrund von Menschlichkeit urteilen, doch der Gesprächspartner wird sich auf seine engen Überzeugungen beschränken und meinen, er spreche über Gerechtigkeit.
Menschliche Gerechtigkeit muß man lernen. Man muß sich überprüfen, ob sich nicht ein voreingenommenes Urteil eingeschlichen hat. Und man muß sich im Alltagsleben prüfen. Glaubt nicht, Gerechtigkeit habe etwas mit staatlichen Einrichtungen zu tun - jeder ist ein Richter.
Der Denker sprach: "Lernt die Gerechtigkeit, denn an jedem Tag sprecht ihr Verurteilungen aus."
611. Urusvati weiß, wie aufmerksam man gegenüber augenblicklich aufkommenden Gedanken und Gefühlen sein muß. Es ist nicht möglich, die Ursachen ihrer Entstehung zu verfolgen. Weder die Vergangenheit noch Zufälliges helfen zu erkennen, wie diese Einwirkungen sich gebildet haben, doch sind solche Gedanken überaus bedeutsam und auf das Gemeinwohl gerichtet.
Wir befinden Uns natürlich in einem harmonischen Zustand, um solche unerwarteten Boten zu empfangen. Möge jeder Mensch darüber nachdenken, wie dem Gemeinwohl zu dienen ist. Jeder Erdbewohner sät und erntet nicht allein für sich, sondern auch für andere, ihm Unbekannte. Möge er darüber nachdenken, daß das von ihm gezogene Korn irgend jemandem Gutes bringe. Jeder dieser Gedanken trägt zu allgemein menschlichem, gegenseitigem Verständnis bei. Eine jede Arbeit bringt jemand anderem Hilfe, besonders wenn sie von guten Gedanken begleitet wird.
Möge jeder an die ganze Menschheit denken. Viele bedingte Hindernisse werden sich unter Einwirkung dieser guten Ströme verwischen. Wir horchen auf gedankliche Sendungen. Wir freuen Uns, wenn Wir den Gedanken des Gemeinwohls vernehmen. Wir sind traurig, wenn Wir spüren, daß der gesandte Gedanke von Voreingenommenheit gefärbt ist. Man muß versuchen, solche abscheulichen Motive auszumerzen. Wie Schlangen winden sie sich um das Herz und würgen es.
Habt ihr nicht einmal bemerkt, wie eine plötzliche Atemnot auftrat? Vielleicht war von irgendwoher ein würgender Gedanke herbeigeflogen. Laßt uns alle Zeichen sammeln, die zum Gemeinwohl und zu den Unbekannten Freunden führen.
Der Denker lehrte: "Wir bauen dem Unbekannten Gott Altäre; wollen wir nicht unsere Arbeiten den Unbekannten Freunden weihen?"
612. Urusvati weiß, daß ein einziger Gesichtspunkt eine Weltanschauung verändern kann. Nicht nur äußere Einwirkungen setzen die Anschauungen in Bewegung, sondern auch viele Chemismen des menschlichen Organismus nehmen auf seelische Vorgänge Einfluß. Ein Anhalten des Atems oder seine Beschleunigung lassen stark wirksame Substanzen entstehen. Durch sie entstehen wiederum psychische Stimmungen, der Blutdruck wird verändert, die Gehirntätigkeit verlangsamt oder beschleunigt, und sämtliche Gefühle empfangen außergewöhnliche Impulse. Ein und derselbe Gegenstand kann auf diese Weise Freude wie Traurigkeit erregen. Nicht allein die Atmung, auch die Umgebungstemperatur wirkt auf den Zustand der psychischen Energie ein. Alles wird in Schwingung und Bewegung versetzt, weshalb der Mensch bewußt das Gleichgewicht hüten muß.
Man muß das Volk mit den Grundlagen des psychischen Lebens bekannt machen. Wer dazu ein leicht verständliches Wort findet, wird eine große Tat vollbringen. Es ist die Zeit gekommen, da das Volk Aufklärung erfahren muß. Dies kann nur auf wissenschaftliche Weise geschehen, ohne Verurteilung und Verneinung. Laßt uns auf dem Feld des heutigen Tages ein neues Korn auslegen, dessen Ernte erprobt ist.
Laßt uns nicht streiten, da in wahrer Wissenschaft nur unbestreitbare Erkenntnisse zur Geltung kommen. Wenn jemand Realist sein möchte, so möge er den Erkenntnisweg gewissenhaft gehen. Es ist ein schlechter Realist, der sich eine schwarze Brille aufsetzt und die Ohren zustopft. Welche Wirklichkeit wird er denn damit erkennen? Sogar Offensichtliches wird er nur entstellt wahrnehmen.
Mögen die Gelehrten Bücher für das Volk vorbereiten und auf wissenschaftliche Weise über das Irdische und das Überirdische sprechen. In den Laboratorien möge die Einheit des Prinzips der Wissenschaftlichkeit bewiesen werden. Wenn schon ein Tropfen flüssigen Goldes einen ganzen Kosmos darstellt, wieviel allgemein verständliche Experimente könnten da durchgeführt werden.
Das Jahrhundert des Volkes muß von wahrer Aufklärung gekennzeichnet sein. Dieses wird Großes Dienen sein, und jeder vermag daran teilzunehmen. Bei eiliger Bewegung müssen weitgreifende Maßnahmen geführt werden. Es gibt weder Altes noch Neues, sondern nur den ewigen Erkenntnisprozeß. Man kann alte Überlieferungen studieren und sie verehren, doch die Evolution ist mit solchen Schritten vorangekommen, daß sie in ein Gleichgewicht gebracht werden muß. Die gewundene Evolution ermöglicht nie dagewesene Sprünge, von Steinzeitverhältnissen bis zu höchsten Erkenntnissen. Groß ist die Zeit und
groß die Verantwortung! Laßt uns nicht durch Gegensätze in Furcht geraten. Kampf ist das Los des Fortschritts.
Der Denker bat Seine Schüler, den Kampf nicht zu fürchten: "Man muß es lernen, mit dem Denken zu fliegen."
613. Urusvati weiß, wie sorgfältig man Unsere Ratschläge anwenden muß. Ein Seefahrer, der alle Schiffstaue zwar aufzuzählen, aber nicht zu benutzen vermag, wird beim ersten Sturm untergehen. Viele lesen Unsere Weisungen, ohne sie jedoch im Leben anzuwenden, woraus sich nur geringer Nutzen ergibt. Heuchler rechtfertigen sich damit, ihnen sei die Überirdische Welt nicht gezeigt worden. Sie sehen jedoch den gestirnten Himmel und sind bereits darauf gekommen, daß überall ein Leben eigener Art herrscht. Und schließlich arbeiten in vielen Ländern Gesellschaften an psychischen Forschungen, bei denen man sich dem Überirdischen zu nähern sucht. Selten nur läßt sich beobachten, daß ein Mensch im Leben keine Berührung mit überirdischen Erscheinungen hatte.
Die Wissenschaft hat bereits viele Analogien aufgestellt, die bei der Erkenntnis der Feinstofflichen Welt hilfreich sind. Man muß es unterstreichen, daß wissenschaftliche Schlußfolgerungen den Errungenschaften psychischer Forschungen nicht widersprechen. Es wird sichtbar, daß die nächste Zukunft der Menschheit die Möglichkeiten eröffnen wird, volle Verbindung mit der realen Überirdischen Welt aufzunehmen. Viele Lügen werden durch ein strenges wissenschaftliches Herangehen zerstreut werden.
Man kann sich davon überzeugen, daß schon jetzt eine vernünftige Revision alter Überlieferungen vorgenommen wird. Man erkennt, daß viele Buchstaben wichtiger sind als einige bisher angenommene Texte. Wir erschüttern nicht, sondern führen eine Berichtigung der Weltanschauung durch. Man muß jede nachgewiesene Bestätigung verehren. Leichenhafte Enge des Denkens ist ein Zustand, den man nur als Tod bezeichnen kann. Wir senden Arbeiter der Wahrheit aus, die unermüdlich von den künftigen Schritten der Evolution reden.
Der Denker lehrte: "Verehrt jene, die euch auf den richtigen Weg führen. Erst in der Zukunft werden ihre Errungenschaften gewertet werden, doch jetzt schon können wir spüren, wo der herrliche Weg liegt."
614. Urusvati weiß, mit welcher Beharrlichkeit das menschliche Denken befreit werden muß. Man darf sich nicht damit beruhigen, der Gedanke sei von seiner Natur her schon frei, denn der Denkprozeß ist mit vielen Vorurteilen verbunden. Heute verbrennt man keine Hexen mehr, doch viele wissenschaftliche Bereiche hält man nahezu für Zauberei.
Jeder von uns kann eine Vielzahl von Menschen nennen, die sich für kultiviert halten, viele wissenschaftliche Errungenschaften jedoch nicht anzuerkennen imstande sind. Es können Bücher herausgegeben werden, neue Fachrichtungen an Universitäten gebildet und anerkannt glaubwürdige Experimente durchgeführt werden, doch angesehene Repräsentanten des öffentlichen Lebens bleiben dennoch in ihren altersschwachen Vorurteilen stecken. Sie schämen sich nicht, sich Zyniker und leidenschaftliche Skeptiker zu nennen, wo es doch einfacher wäre, sich als Dummkopf zu bezeichnen. Es ist nicht schlimm, wenn irgendein Dummkopf die Wirklichkeit verneint, doch viele von ihnen nehmen Regierungspositionen ein und behindern somit den Aufklärungsprozeß.
Es ist unmöglich aufzuzählen, mit welchen Ketten das Volksdenken gebunden ist! Wundert euch nicht, daß das psychische Niveau der Massen sich wenig von dem des Mittelalters unterscheidet. Damals trachteten die Unwissenden Leonardo da Vinci nach dem Leben, doch heute läßt sich gleiches beobachten. Ein Lehrer, der von der Disziplin des Denkens sprechen will, wird sich davon überzeugen, wie unmöglich es ist, von einfachsten Wahrheiten zu reden. Regierende und hochgestellte Lehrpersonen bringen es fertig, den Mund eines solchen mutigen Menschen, der über die Freiheit des Denkens nachdenkt, zu schließen.
Der Denker sprach: "An jedem von uns klirren schwere Ketten."
615. Urusvati weiß, wie behutsam man die Last auswählen muß, die der Überirdischen Welt ziemt. Ich will an dieser Stelle einige Zeilen aus dem Traktat "Über die große Grenze" eines griechischen Philosophen anführen: "Stellt euch ein Schiff vor, das einen Sturm durchfährt. Der Steuermann gibt Befehl, sofort die Boote zu besteigen. Die Menschen zeigen deswegen Entsetzen, weil sie darin gehindert sind, ihre Kostbarkeiten mit sich zu nehmen. Sie haben vorher nicht darüber nachgedacht, was das Bedeutsamste aus ihrer Habe ist. Sie quälen sich und ergreifen in der Eile die unnötigsten Dinge. Viele kommen um, da sie nicht entscheiden können, was ihnen am nötigsten ist.
Doch einer der Reisenden nimmt unverzüglich ein kleines Kästchen unter sein Gewand, und es gelingt ihm, sich zu retten. Seit langem schon hatte er über das Wichtigste nachgedacht, da er sich auf die Große Grenze vorbereitete. Doch die Lehre vom Überirdischen kann jeden davon überzeugen, daß man in der Lage sein muß, die Grenze
mit einer würdigen Last zu überschreiten. Es ist zu spät, daran zu denken, wenn man das letzte Schiff schon betreten hat."
Ich führe diese Zeilen an, um erneut daran zu erinnern, daß Denker seit alten Zeiten die Menschen von der Notwendigkeit zu überzeugen suchten, das Dasein klar zu erkennen. Sie wußten, daß das herrliche ewige Leben voller Grenzen ist, die man würdig überschreiten muß. Von diesen Grenzen gibt es so viele, daß man ständig lernen muß, sie zu überschreiten. Doch Wir sehen, daß sogar belesene Menschen sich dies nicht zu Herzen nehmen. Urteilt selbst - kann man sich selbst für wissend halten und zum Schaden von Mitarbeitern übel reden? Ich sehe nicht, daß diese dünkelhaften Menschen die Grenze erkennen würden.
Der Denker sprach: "Glücklicherweise brauchen wir für die wichtigste Last keine Helfer."
616. Urusvati weiß, daß sich psychische Wechselbeziehungen weitaus leichter zwischen Menschen einstellen, die sich bereits in vergangenen Leben begegnet sind. Dies beweist die Stabilität und Dauerhaftigkeit der Energie und ihres einmal hergestellten Rhythmus. Doch erkennen die Menschen solche Begegnungen selten und halten es vor allem nicht für möglich, daß ganze Gruppen von Verkörperten sich erneut an einem bestimmten Ort einfinden können. Dies ist jedoch völlig natürlich; die einen streben zu dem Ort, an dem sie bereits lange gelebt haben, andere werden von einem Magneten eigener Art dorthin gezogen.
Einheimische erkennen einander oft an einem bestimmten Ort, da sie von einer Rückkehr zur Erde wissen. Sie sagen: "Ich gehe fort, mich zu erholen, um dann wieder zurückzukehren." Natürlich wollen sie auf eine ihnen bekannte Erde zurückkehren. Auch bei entwickelten Bewußtseinen ist die Neigung vorhanden, eine noch nicht beendete Arbeit fortzusetzen; daher begegnen sich auch oft frühere Mitarbeiter und Feinde. Der Magnet der Feindschaft ist sehr stark. Nur wenige verstehen, daß der Weg der Feindschaft nicht nützlich ist.
Erklärte Feinde streben danach, rasch wieder auf die Erde zurückzukehren, um ihre düsteren Vorhaben zu beenden. Die überirdischen Führer erfahren mit solchen gehässigen Menschen große Erschwernisse. In anderer Hinsicht sind sie Überzeugungsversuchen zugänglich, doch die Rache ist ihr wunder Punkt. Sie sind mit ihren Absichten sehr zudringlich
und finden ihre früheren Gegner. Sie streben sogar danach, sich in derselben Familie zu verkörpern, um ihr Opfer leichter zu erreichen.
Der einmal hergestellte Rhythmus unterstützt die feindlichen Versuche. So beobachten Wir den Rhythmus von Freundschaft und Feindschaft. Wir suchen die besten Worte, um vor den feindlichen Versuchen dahingehend zu warnen, daß man sich nicht tiefer in deren Karma einmischen solle. Nur selten jedoch achten die Menschen auf die freundschaftlichen Ratschläge.
Der Denker sprach: "Ein und dieselbe Posaune verkündet Niederlage wie Sieg."
617. Urusvati weiß, daß eine ganz gewöhnliche, banale Erwägung einen sehr feinstofflichen und herrlichen Gedanken für immer vertreiben kann. Man wird sagen: "Kann denn das möglich sein? Und was für eine grobe Kraft sollte es denn sein, die einen überirdischen Gedanken vertreibt?" Dies beweist nur sehr anschaulich den Gegensatz von Grobstofflichem und Überirdischem.
Man kann sehr erstaunt sein, wenn ein überirdischer Gast vor einer groben Berührung fortfliegt. Doch schätzen die Menschen überirdische Briefe wenig. Sie stellen sich nicht vor, wieviel Arbeit es für die Überirdischen Freunde bedeutet, einen Gedanken durch die grobstofflichen Hüllen hindurchzubringen. Die Überirdischen Freunde haben die besten atmosphärischen Bedingungen ausgesucht, damit nichts Ihre Sendung störe. Sie haben auf die Stunde gewartet, da die Irdischen frei von Gereiztheit ihr psychisches Ohr öffnen. Alle Bedingungen scheinen vorausbedacht und bewältigt, doch dann geht ein Marktschreier vorbei, und der gewobene Gedanke wird vertrieben.
Der Mensch läßt einen solchen Gedanken leichtfertig unbeobachtet wie eine lästige Fliege. Er beklagt sich, daß irgendeine Phantasterei sich in seinen Kopf eingeschlichen habe. Er denkt nicht darüber nach, daß ein Überirdischer Freund ihn vor Unglück bewahren wollte. Er stellt nicht anheim, daß sich jemand darum bemüht, für ihn eine schwere Lebensaufgabe zu lösen. Ein im Alltagsleben befangener Geist vermag kein Vorstellungsvermögen über eine Zusammenarbeit jenseits der irdischen Grenzen zu bekunden.
Es ist den Überirdischen Freunden schwer, Briefe zur Erde zu senden, besonders wenn sie dringend sind. Zudem eilen böse Spötter, eine gute Botschaft zu verhindern. Sie versuchen, ihr zuvorzukommen, und der Mensch ist leider oft geneigt, der hinterlistigen Stimme zuzuhören. Das Bewußtsein eines Menschen ist selten derart erweitert und hochstehend, daß es die Qualität der Sendungen unterscheiden könnte. Der Mensch ist in Alltagssorgen befangen, und
die Stimme des Schweigens wurde nicht gehört. So ist es für die Überirdischen Freunde und Uns schwer, wenn ein taubes Ohr gegeben ist und Marktgeschwätz vorgezogen wird.
Der Denker bat seine Schüler: "Seid Tag und Nacht auf der Wacht. Ihr wißt den Moment nicht, da eine überirdische Botschaft herbeifliegen wird. Werdet ihr sie etwa zurückweisen?"
618. Urusvati weiß, daß der auf dem Turm Stehende mehr sieht als derjenige, der im Keller sitzt. Muß man diese einfache Wahrheit wiederholen? Wenn Ich jedoch davon spreche, heißt dies, daß dafür Notwendigkeit besteht. Die Menschen unterscheiden nicht zwischen Turm und Keller. Trotz aller Offensichtlichkeit schenken sie der Stimme vom Turm keine Beachtung.
In Tagen größter Anspannung werden die Menschen in der üblichen Weise denken, doch stellt eine solche Denkweise eine verbrecherische Unterlassung dar. Geht es den Menschen nicht ein, daß jedes Ereignis von einer ihm würdigen Denkweise begleitet werden muß?
Menschen, die aus einem brennenden Haus laufen, kümmern sich nicht darum, ob jemand sie zu einem weitaus bedeutenderen Ziel zu bewegen sucht. Selten stellen sie sich die wahre Lage der Dinge vor, und daher klingen ihre Stimmen, als kämen sie aus einem tiefen, dunklen Keller. Sie tanzen sogar in ihrem Keller, sind gereizt und streiten sich, selbst zu vorgerückter Stunde.
Bei den Menschen herrscht die verblüffende Gewohnheit, alles durch ihre Brille zu sehen, dabei aber viel von objektiver Beurteilung zu sprechen. Es ist Zeit, die Zivilisation um die Fähigkeit, die Ereignisse richtig einzuschätzen, zu erweitern. Eine vernünftige Einschätzung könnte manch finstere Ereignisse verhindern. Die Menschen haben vom Harmagedon gehört, rechnen aber nicht mit seiner Wirklichkeit. Man muß entschieden die einfachen Wahrheiten wiederholen, weil gerade die einfachsten Wahrheiten abgelehnt werden - und mit welchen Zweifeln! Genauso muß wiederholt vom Vertrauen gesprochen werden - ein Vertrauen, das vom Turm aus weithin sichtbar ist!
Der Denker sprach: "Wenn ich auf das Dach meines Hauses steige, wird mich Pallas Athene von der Akropolis aus noch unvergleichlich besser sehen."
619. Urusvati weiß, wie herrlich die Ausstrahlung des Vertrauens ist. Aus Felsen des Vertrauens setzt sich der Berg der Treue zusammen, der das Weltall verschönert. In
dem Begriff der Treue vereinigen sich die besten Lebensgrundlagen: Liebe, Schönheit, Hingabe, Tapferkeit und Weisheit. Treue ist die Folge vieler in Besonnenheit durchschrittener Existenzen. Antipoden der Treue sind Treulosigkeit und Verrat, anders gesagt, die größte Schande der Menschheit. Im Gegensatz dazu bildet die Treue wahrlich den Gipfel des Berges. Unter einem Antipoden muß man sich einen Verfolger vorstellen.
Treue muß als ein großer Schatz gewertet werden. Die kosmische Gerechtigkeit erweist sich für bezeugte Treue als freigebig. Doch die Belohnung erfolgt zur Frist. Nur wenige können diese fristgemäße Belohnung verstehen. Um die Frist zu verstehen, muß man eine hohe Stufe des Vertrauens offenbaren. Für eine solche Stufe des Vertrauens werden Wir dankbar sein. Gegenseitige Dankbarkeit ist der Schlüssel zur Harmonie. Diese einfache Bestätigung erscheint vielen als unsinnig. In solchen Herzen lebt weder Dankbarkeit noch Treue. Urusvati kennt die Kraft dieser Eigenschaften. Sogar bei großen Arbeiten erleuchten sie den Lebensweg. Es muß ein rohes Herz sein, das Vertrauen und Dankbarkeit nicht kennt.
Die Schlauen auf dem Marktplatz lächeln und zählen auf, wie oft sie das Vertrauen eines anderen betrogen haben. Sie haben damit ihren Geldbeutel gefüllt und sich einen schweren Buckel geschaffen. Es ist besser, daß ein Mensch betrogen wird als selbst der Betrüger zu sein. Die Eigenschaft des Vertrauens läßt viele Erfolge entstehen. Doch möge diese gesegnete Eigenschaft nicht auf ungewöhnliche Zufälle warten, um sich zu offenbaren. Das alltägliche Leben gewährt die besten Möglichkeiten, um diese hervorragende Eigenschaft zu bekunden. So wird die feste Verbindung zu Uns geschmiedet.
In einem einzigen Augenblick vermag der herrliche Purpur des Vertrauens zu erstrahlen. Welch mächtiges Sperrnetz entsteht! Nicht selten haben Wir von Freunden gesprochen, doch muß man dabei die wahren Freunde im Sinne haben. Es kann leichtfertige und unbesonnene Freunde geben, was durch unzureichende Treue verursacht ist. Wenn wir etwas sehr schätzen, so hüten wir es auch. So stehen der Fels des Vertrauens und der Berg der Treue unerschütterlich.
Der Denker sprach: "Wenn ich auf den Markt gehe, wer wird mich dort betrügen? Der Betrügende weiß jedoch nicht, daß er mir damit einen Passierschein zum besten Ufer des Styx ausstellt."
620. Urusvati weiß, daß man zu allem Überirdischen eine natürliche Einstellung haben muß. Hört gut zu - solange das Überirdische für euch etwas Verbotenes oder Außergewöhnliches darstellt, wird sich euer Bewußtsein nicht erweitern. Man kann bereits feststellen, daß einige, die sich dem Überirdischen zuwenden, das Gleichgewicht verlieren. Bei diesen Menschen schließen irdische Erwägungen jeglichen Verkehr mit dem Überirdischen aus.
Man wird fragen, wie man sich denn dem Überirdischen zuwenden solle, ohne daß die irdische Hülle dabei Schaden erleidet. Würde die Vermischung irdischer Emanationen mit feinstofflichen Energien für den gewöhnlichen Menschen nicht zerstörerisch wirken?
Eine solche Einschätzung ist falsch. Das Irdische und das Überirdische sind durch feinste Bande miteinander verflochten. Es wäre unvorstellbar, würden diese Verbindungen gestört, denn eine solche Erschütterung würde den Untergang der Erde bedeuten. Man darf sich nicht einbilden, daß die Erkenntnis des Überirdischen nur exklusiven Organismen eigen sei. Jeder, der über das Überirdische nachzudenken beginnt, wird unausweichlich lichtvolle Erkenntnisse über die herrliche Seite des Lebens erfahren.
Fragt jene, für die das Überirdische etwas Normales geworden ist. Sie werden sagen, daß sie bereits von klein an über den herrlichen Himmel nachdachten, über die Sterne und einen geheimnisvollen Lehrer, der irgendwo lebt. Solche Gedanken sind diesen Kindern auf die Erde zugetragen worden, da sie aus ihren Familien keine Impulse erhielten. Und so beginnt ein großer Prozeß der Harmonisierung der beiden Welten.
Manche lösen sich ab dem siebten Lebensjahr von den Keimen der Bewußtseinserweiterung und versinken ab dem zweiten Siebenerzyklus in eine niedere Natur. Doch andere vermögen die Verbindung mit dem Überirdischen zu bewahren, und dann nehmen die feinstofflichen Zeichen zu. Wo sich eine natürliche Einstellung dazu ausgebildet hat, sind keine erzwungenen Übungen die Ursache gewesen. Allein solch ein natürliches Verhältnis wird der Evolution entsprechen.
Der Denker sprach, als Er zu einem herrlichen Stern aufblickte: "Wenn unsere Wünsche in Erfüllung gehen, werde ich eines Tages auf jener herrlichen Welt sein können."
621. Urusvati weiß, daß einige Bewohner der Feinstofflichen Welt bewußt eine schwierige Verkörperung auswählen. Ich spreche von jenen, deren Karma auch eine leichtere Existenz erlauben würde, doch ein verfeinertes Bewußtsein weiß, daß ein schwieriges Leben
mehr wert ist als viele leichte. Überdies nehmen diese zur Selbstaufopferung bereiten Wanderer gern einen Auftrag an, den Kleinmütige eiligst von sich weisen.
So versteht ihr auch Narada, genannt der Streitsüchtige. Er hatte die nicht leichte Aufgabe, mittels Streit eine vernunftbegründete Urteilsfähigkeit zu erwirken, womit viele Schlummernde aufgeweckt wurden. Ebenfalls haben nicht wenige Geistesstarke die Aufgabe übernommen, die Menschen von altersschwachen Überbleibseln der Vergangenheit zu befreien. Man kann sich vorstellen, wie schwer das Leben solcher Reiniger war! Sie ertrugen wütende Angriffe, und erst die ferne Zukunft wird ihnen ein gerechtes Urteil widerfahren lassen. Doch viele solcher Arbeiter haben ihren Namen nicht hinterlassen; in der Geschichte ist nur auf einige Bewegungen hingewiesen worden, die eine Erneuerung des Denkens förderten.
Man darf nun nicht meinen, solcher Kämpfer habe es wenige gegeben. In verschiedenen Epochen gab es Geistesstarke, die mit ihrem Leben vom rechten Weg des Fortschritts zeugten. Mögen die Freunde über solche Arbeiter nachdenken, die um so wertvoller sind, als sie ein nahezu sorgenfreies Leben hätten erwählen können, sich aber für mühevolle Arbeit entschieden. Mögen diese Arbeiten Stufen lichten Aufstieges bilden.
Der Denker legte den Schülern nahe, ein schwieriges Leben zu wählen: "Allein in mühevoller Arbeit werdet ihr erfolgreich voranschreiten."
622. Urusvati weiß, daß hohe, verfeinerte Einfachheit ein guter Weg zum Überirdischen ist. Einfachheit bedeutet Erkenntnis und erfolgreiches Voranschreiten. Luxus bedeutet Fäulnis und Zersetzung. Die Geschichte gibt dafür Beispiele in verschiedenen Epochen. Unermüdlich Schaffende sind einfach in ihrem Alltagsleben, doch haben sie nichtsdestoweniger Einfluß auf die gesamte Umgebung.
Jeder Tatmensch gibt ungewollt die Ausstrahlung seiner Bestrebungen ab, doch muß man es lernen, ein weises Maß seiner Bedürfnisse zu finden. Fanatismus jeglicher Art ist nicht die richtige Lösung. Man darf niemanden mit Gewalt von der Notwendigkeit der Einfachheit im Leben zu überzeugen suchen. Sie muß mit dem Gefühl der Harmonie einhergehen.
Man muß es tiefgreifend verstehen, daß es nicht nützlich ist, mit seiner Einfachheit zu prahlen. Sie muß sich ganz natürlich ergeben. Wir erinnern oft an die Natürlichkeit der Errungenschaften. Sie verleiht Ruhe, abseits jeglichen Neides und der Nachahmung unsinniger
Gewohnheiten. Mögen gewisse Völker auch annehmen, Luxus sei ihre Bestimmung - oder besser gesagt - ihr Schandmal. Ein Leben voller Fäulnis kann nicht lange währen. Nicht nur einmal war es nur einer einzigen Generation vergönnt, solche vergiftete Luft einzuatmen. So wurden nicht Luxus, sondern letzten Endes die Leichenwagen bestätigt!
Der Denker sprach: "Wenn das Gewand zerrissen und verschmutzt ist, kann man das Einfachheit nennen? Wenn die Worte grob und beleidigend sind, kann man das Einfachheit nennen? Wenn das Denken Böses und Hinterlist birgt, kann man das Einfachheit nennen?"
623. Urusvati weiß, wie oft die Menschen unfähig sind, verwandte Begriffe miteinander zu verbinden. So erscheinen Beweglichkeit und Unerschütterlichkeit dem Erdbewohner als widersprüchliche Begriffe. Sie halten Beweglichkeit für Schwanken und Unerschütterlichkeit für Erstarrung; daraus entsteht eine Art schwankender Baum, der einen Vorbeigehenden bedroht und dabei ganz gefährlich knarrt. Der Vergleich von Beweglichkeit und Unerschütterlichkeit geht den Menschen nicht ein.
Der Mensch muß beweglich sein und bereit zur Heldentat, doch muß er sich ebenfalls auf den Stab der Unerschütterlichkeit stützen. Allein in dieser Verbindung wird der Wanderer erfolgreich voranschreiten. Man darf nicht meinen, das Überirdische sei von völlig unirdischen Gesetzen bestimmt; auch dort ist ein Stab erforderlich, und auch dort wird der Drang zur Heldentat empfunden. Nicht wenige überirdische Bewohner träumen von herrlichen Flügen und bedauern die Last, die sie daran hindert. Wahrlich, eine solche Last wird nicht nur durch völlig unzulässige Verbrechen, sondern auch durch jegliches Schwanken und jegliche Verwirrung angehäuft.
Vermengt das Schwanken nicht mit dem Suchen, das eine fortschreitende Bewegung in sich birgt. Eine solche Beweglichkeit nennen Wir edel. So bezeichnen Wir auch die Unerschütterlichkeit in der klaren Erkenntnis der Grundlagen als segensreich.
Der Denker lehrte die Erkenntnis verwandter Begriffe. Er sprach: "Wir selbst sind es, die den erhabenen Leib des Seins zerschneiden."
624. Urusvati weiß, daß wütendste Verneinung neben begeisterter Anerkennung wohnt. Stellen wir uns einen Kreis vor, in der Art des geschlossenen Ringes einer Schlange, und setzen fest, der Kopf sei das Zeichen höherer Anerkennung; wir sehen dann,
wie das Anerkennen sich verringert und schließlich in Gleichgültigkeit übergeht, die die Schwelle zur Verneinung bildet. Die Verneinung lebt im Schwanz der Schlange und ist derart wütend und leidenschaftlich, daß man den Verdacht hegen könnte, in ihr verberge sich Anerkennung. Es gibt viele Beispiele, da sich wütendste Verfolger in ergebenste Anhänger verwandelten.
Man muß sich daher besonders vor Gleichgültigkeit, dem Vorläufer der Verneinung, hüten. Nach der Gleichgültigkeit verläuft der Weg zu den schändlichsten Formen der Verneinung. Doch hier beginnt in der Tiefe des Bewußtseins schon der Sturm, und die Polarität schafft eine Anspannung, in der bereits die Wahrheit erklingt. Das Chaos kämpft und zeigt sich stürmisch, doch die angespannte psychische Energie überwindet die Finsternis und vermag eine herrliche Apotheose hervorzurufen.
Daher beobachtet, in welchem Stadium sich die Verneinung befindet. Möge sie einer Verfluchung auf dem Wege nur voraneilen; in den frühen Stadien wird sie nämlich noch nicht die Energie zur Erleuchtung bringen. Doch möge die Explosion eintreten, in der das Strahlen des Lichts eine Annäherung an die Wahrheit bewirkt. Ein solches lebendiges Beispiel kann man heute oft beobachten, da die Erdbewohner sich geradezu unversöhnlich entzweit haben und hier nur noch eine Explosion eine merkliche Wandlung herbeizuführen vermag.
Der Denker sprach: "Leonid verfolgt und beschimpft mich so sehr, daß ich allmählich denke, in ihm entstünde Freundschaft. Doch nein, ich irre mich, seine Wut ist noch nicht leidenschaftlich genug."
625. Urusvati weiß, wie falsch das Chaos und der Kampf mit ihm verstanden werden. Der Begriff des Chaos selbst wurde im fernen Altertum erkannt. Die klassischen Denker definierten das Chaos als grobe Materie, die sich einer Überwindung nicht ohne Widerstand ergibt. Später entstand die symbolische Darstellung des offenbarten Punktes im Kreis des Ungeoffenbarten. Die Definition und die Zeichnung sind richtig, und dennoch rufen sie Irrtümer hervor. Man könnte aus ihnen schließen, das Ungeoffenbarte oder Chaos und das Geoffenbarte seien völlig voneinander getrennt. So denken viele und beruhigen sich damit, daß sie ja außerhalb des Chaos lebten.
Tatsächlich ist jedoch jeder den Wirkungen des Chaos ausgesetzt, welches wie eine Art Chemismus in das menschliche Herz eindringt. Man darf nicht sagen, daß solche Einwirkungen allein von niederen Organismen gefühlt würden. Alle befinden sich unter dem Druck dieses
unsichtbaren Feindes. Der Unterschied besteht nur darin, daß niedere Organismen solche Einwirkungen leicht anziehen, ein hochstehendes Bewußtsein sich den unerbetenen Einflüssen jedoch widersetzt.
Wir haben davon gesprochen, daß Grausamkeit, Grobheit und Unwissenheit Brutstätten des Chaos sind. Im Umkreis solcher Herde entstehen gefährliche Epidemien. Ihr könnt beobachten, wie sich in Kriegszeiten das Selbstbewußtsein der Menschen verändert. Die Tore geistiger Festigkeit sind geöffnet, und die Wellen des Chaos vermögen ungehindert einzudringen und den Organismus zu vergiften. Das Denken verändert sich, die Logik entschwindet, und die Ehrenhaftigkeit zersetzt sich. Einzelne Helden versinken in den Wellen des Chaos. Die Menschheit ist es, die diesen verderblichen Prozeß hervorrief.
Es ist bedauerlich, daß die Menschen nach Millionen von Jahren immer noch nicht verstehen, welche Gefahren sie aus dem Raume hervorrufen können! Doch selbst in den Tagen des Harmagedon kann man die nützliche Selbstvervollkommnung beginnen. Wenn die Energie nicht ausreicht, Boshaftigkeit, Grausamkeit und Grobheit zu vertreiben, so kann man sie dennoch zügeln und zurückhalten. Jeder ist in der Lage, bei diesem Tun mitzuarbeiten. Die Anspannung ist sehr groß, und es ist an der Zeit, die Leichtfertigkeit hinter sich zu lassen, denn sie stellt verhängnisvolle Unwissenheit dar.
Der Denker lehrte: "Jeder kann seiner Unwissenheit den Krieg erklären. Dieser Krieg ist ein ehrenvoller, er ist das Unterpfand des Erfolges und stellt die Verteidigung des Vaterlandes dar."
626. Urusvati weiß, daß einige Menschen zu behaupten suchen, Wir existierten überhaupt nicht. Solche Menschen sind von einer derartigen Wut erfüllt, daß man den Verdacht hegen könnte, sie wollten sich selbst davon überzeugen. Keinerlei Argumente wirken auf sie. Eine Person, die Uns begegnet ist, bezeichnen sie als Lügner und behaupten, sie habe unter Hypnose gestanden.
Die wissenschaftlichen Analogien des drahtlosen Telegraphen und der Television überzeugen die Verneiner nicht. Die Menschen glauben, was sie wollen. Keinerlei Fakten überzeugen sie. Sie sagen, sie seien bereit zu glauben, wenn sie sich persönlich vergewissert hätten, doch wenn die Bestätigung einer Sache eintritt, werden sie sagen, es sei nur Schein. Dafür ließen sich Beispiele anführen.
Ich bestätige, daß solche Verneiner Kräften dienen, von denen sie gar keine Vorstellung haben. Weshalb behaupten sie, was sie nicht wissen? Mögen sie doch beweisen, daß Unsere Existenz unmöglich ist.
Kann denn ein gewissenhafter Forscher behaupten, in seinem Bereich sei alles entdeckt und erklärt? Nur ein dummer, beschränkter Geist wagt zu behaupten, ihm sei alles bekannt. Jede neue Entdeckung ist nur ein weiterer Zugang zum bisher Unbekannten. Noch vor kurzem kannte man nur das Nordlicht, doch nun bemerkt man auch ein Leuchten im Himalaya. Doch niemand kann die Ursache solchen Leuchtens aufzeigen. Man könnte von Energieanspannung, von elektrischen Erscheinungen reden, doch diese Annahmen sind unklar.
Warum herrscht denn irgendwo jenseits des Mount Everest eine ungewöhnliche Energieanspannung? Warum ist solche Erscheinung mit verschiedenen Einwirkungen verbunden? Es können viele Fragen aufkommen, doch das Wesentliche blieb bisher ungeklärt. Möge jemand darüber nachdenken. Möge ebenfalls jemand Kenntnisse über verschiedene seltsame Begegnungen sammeln; in den Literaturen finden sich viele Erinnerungen daran.
Der Denker sprach: "Viele unbekannte Feuer leuchten den Wanderern."
627. Urusvati weiß, daß der Mensch die feinstofflichen Energien nicht nur anerkennen, sondern sie auch unterstützen muß. Muß der Mensch etwa irgendein Gigant sein, um über Zusammenarbeit nachzudenken? In einer gut konstruierten Maschine hat jedes Teilchen seine unersetzliche Funktion. Möge sich der Mensch des öfteren als Teilchen des Weltenalls verstehen. Er ist imstande, seine Energie wahrhaftig mit dem großen Weltall zu verbinden.
Der Gedanke ist des Menschen beste Energie, er kann sie unerschöpflich in die Gewölbe des Universums verströmen. Wie eine Lichtsäule kann das Denken sich emporschwingen und an dem großen energetischen Apparat teilhaben. Die Pflicht des Menschen wird aus seiner Bestimmung deutlich, doch die beste Pflicht kommt seiner Gedankenenergie zu. Gerade die bewußt strebende Energie kann der Verbindung mit der Höchsten Welt dienen; dies ist wahrer Yoga. Oft haben Wir über die Bedeutung der Bewußtheit gesprochen, sie wirkt nur belebend. Selbst das Prana muß bewußt eingeatmet werden.
Der Denker sprach: "Jeder von uns, der in den Schlaf geht, möge einen schönen Gedanken, einen Gruß an die Kräfte der Natur aussenden."
628. Urusvati weiß, daß ein Tatmensch einem fürsorglichen Gärtner gleichen sollte. Es ist nicht leicht, die schönsten und nützlichsten Pflanzen zu schützen, doch muß man ebenso verstehen, wie nützlich auch einige einfache Blumen sind. Unwissende könnten sie für Unkraut halten und sie zertreten. So muß man im gesamten Leben besonders die Bedeutung der kleinen, unscheinbaren Arbeiter erkennen, aus denen feste Mitarbeiter werden können. Man darf nicht über ihr geringes Wissen bekümmert sein, denn dafür sind sie in der Lage, Durchschnittswissen beiseite zu lassen und zum Höchsten zu streben.
Wir und Unsere Nächsten haben das Streben zu den Kleinen, Einfachen, noch nicht von Hinterlist Berührten sehr entwickelt. Mag deren Denken zunächst auch noch durch eine gewisse Primitivität getrübt sein, doch dafür fällt man bei ihnen nicht in einen Morast von Sophisterei. So vermag auch Unser Volk unvermittelt vom Kleinen zum Hohen überzugehen, ohne aber sich dieses Hohen zu brüsten. Selbst seine Helden konnten nicht hochmütig werden. Sie verstanden, daß selbst die größte irdische Arbeit nur die Schwelle zum überirdischen Dasein ist.
Sie kannten das Feuer und die leuchtende Flamme, doch ließen diese Zeichen sie nicht hochmütig werden. Eine solche Einfachheit war weder Demut noch Erniedrigung, sondern stellte das Leben des Herzens dar, das Leben von Selbstaufopferung. Sie erwarteten keine besondere Anerkennung, da sie wahre Arbeiter waren. Sie vermochten zu reden und zu schweigen.
Der Denker sprach: "Laßt uns schweigen, die Gedankenblitze löschen. Möge aus dem tiefen Inneren das Wichtigste, das Verborgenste aufsteigen."
629. Urusvati weiß, wie entschieden die Stimme aus den Tiefen unseres Bewußtseins erklingt. Klar ist, daß sich im Menschen zwei Arten psychischer Arbeit vollziehen. Die eine ist den grobstofflichen, irdischen Bedingungen unterworfen, die andere tritt bereits an die Feinstoffliche Welt heran.
Man kann sich davon überzeugen, daß das Ergebnis dieser zweiten Arbeit weitaus begründeter ist und höher steht als das Ergebnis der ersteren.
Nicht selten erwächst aus den Tiefen des Bewußtseins eine Stimme, die eine irdische Entscheidung wieder aufhebt. Es ist sehr aufschlußreich, diese sich im Menschen abspielenden Zweikämpfe zu beobachten. "Erkenne dich selbst" sagten die Philosophen, und sie hatten recht. Nur wer die Stimme aus den Tiefen des Bewußtseins anerkennt, kann sich als auf dem Weg der Erkenntnis befindlich erachten.
Es ist erstaunlich, wie bedacht und unerschütterlich das Bewußtsein in seinen Tiefen tätig ist.
Man könnte fragen, wozu diese zwei einander oftmals entgegengesetzten Arten psychischer Arbeit überhaupt existieren. Doch Wir antworten - dies bestätigt nur den Unterschied zwischen den irdischen und überirdischen Bedingungen. Natürlich wird das feinstoffliche Bewußtsein auch gerechter und weitsichtiger als das von Verwirrung und Angst bestimmte irdische sein.
Glücklich ist, wer es gelernt hat, der Stimme aus der Tiefe des Bewußtseins zuzuhören. Er wird neue Mittel für den irdischen Kampf finden. Er wird mit guten und gerechten Augen um sich blicken. Er wird die richtige Bestimmung vieler Eigenschaften finden und Tapferkeit bezeugen. Mag man diese Stimme auch als Unterbewußtsein, kleines oder großes Bewußtsein bezeichnen; doch ist dies nicht gleichgültig? Wesentlich jedoch ist, daß sich im Menschen eine große psychische Arbeit vollzieht.
Der Denker sprach: "Hört die ermutigende und warnende Stimme. Der Richter und Freund ist immer bei euch."
630. Urusvati weiß, wie unterschiedlich Unsere Antworten ankommen. Manchmal ist die Frage noch nicht beendet, doch die Antwort ist bereits da. Ebenso geschieht es, daß eine Antwort erst nach einigen Tagen eintrifft, was nur die Lebendigkeit des Prozesses beweist. In solchen Fällen, da die Antwort die Frage überholt, erweist sich, daß auch die Frage selbst schon durch einen vorher gesandten Gedanken hervorgerufen war.
Stellt euch eine Vielzahl von Ursachen vor und denkt darüber nach, weshalb eine Antwort verzögert werden könnte. Nicht nur die Unentschiedenheit gegebener Umstände, auch von außen kommende Ursachen kann es geben, die eine Verzögerung bewirken. So kann man in allem die Lebendigkeit solcher Übertragungen beobachten.
Nicht selten möchten die Menschen von solchen Umständen erfahren, die besondere Aufmerksamkeit erfordern, doch eilige Angelegenheiten erlauben keine sofortige Änderung des Stromes. So wie ihr im irdischen Leben nicht selten sagt: "Wartet eine Weile", so ist es im gesamten Dasein. Doch die Menschen sind Egoisten, wenn sie etwas nötig haben, und ziehen selbst kosmische Bedingungen nicht in Betracht. Man muß sich zu einer Übereinstimmung mit diesen Prinzipien erziehen und auch die Ausmaße Unserer Tätigkeit
verstehen. Wir können Uns in eiliger Tätigkeit befinden, wobei es unmöglich ist, den Strom zu unterbrechen. Jeder unterbrochene Strom gleicht einem zerbrochenen Pfeil.
Der Denker lehrte, wie notwendig die Achtung fremder Arbeit sei. Er sprach: "Wie kann man den Fluß des Denkens kennen? Weise wird es sein abzuwarten, bis der Freund das angespannte Denken beendet."
631. Urusvati weiß, daß viele den Begriff des Rhythmus einschränken. Ihrer Meinung nach kommt Rhythmus in Musik, Gesang, Tanz und Dichtung zum Ausdruck, doch vergessen sie den hauptsächlichen Rhythmus, der sich im gesamten Universum ergießt und das gesamte Leben nährt. Vor diesem uranfänglichen Rhythmus erweisen sich unsere irdischen Erscheinungen als langweilig. Für eine ungeordnete Lebensweise wird bereits jede rhythmische Handlung heilsam sein, doch ist dies nur die Schwelle zum erhabenen Rhythmus des Weltenalls.
Mögen die Menschen darüber nachdenken, weshalb die einen Handlungen überzeugend sind, andere indessen die Saiten des Herzens nicht berühren. Wir antworten: Der innere Rhythmus wirkt überzeugend und bereitet die Anwesenden auf eine Aufnahme des Gesagten und Getanen vor, ohne daß sie diesen Vorgang bemerken würden.
Die Tätigkeit der großen Spirale ist eine der Ausdrucksformen des großen Rhythmus. Ein Leser Unserer Gespräche rief aus: "So windet sich das Wissen des Lebens!" Er hat diesen Vergleich richtig gezogen. Wenn man das System der Gespräche analysiert, wird man eine Spirale als besten Zugang zu den Lebensgesetzen vorfinden. Man kann keine These abschließend definieren; ihre Erklärung ergibt sich nicht allein aus dem Gesagten, sondern auch aus dem Bewußtseinszustand des Gesprächsteilnehmers. Doch das Bewußtsein verändert sich, und es ist nützlich, ein neues Urteil zu vermitteln, damit die Empfangenden sich erneuern. So läßt sich der Rhythmus des Weltalls im gesamten Leben feststellen.
Der Denker vermochte das Bewußtsein des Rhythmus zu erwecken: "Nicht in Tänzen, sondern im Pochen des Herzens haben wir das beste Beispiel des universalen Rhythmus."
632. Urusvati weiß, welches der Unterschied zwischen den eigentlichen, wahren Fristen und den augenscheinlichen Fristen ist. Das Beispiel der ärztlichen Tätigkeit wird besonders aufschlußreich sein. Ein erfahrener Arzt versteht, daß
eine Krankheit nicht unmittelbar vor ihrem Ausbruch entstanden ist, sondern früher. Er wird nach den eigentlichen Ursachen forschen und das gesamte Leben des Kranken erneuern. So verhält es sich auch mit der Frage der Fristen. Die Menschen halten für Frist, was sie als offenkundiges Ereignis vor sich sehen. Doch dieses wird nicht der Beginn des Ereignisses sein, wo bereits der Kurzsichtige das Geschehen erblickt. Man kann davon überzeugt sein, daß die Entstehung des Ereignisses früher erfolgt ist. Weise ist es, gerade die Entstehung von Ereignissen zu erkennen, nur dann ist man in der Lage, ihre Entwicklung und Lösung zu beobachten.
Die Entstehung der Ereignisse zu erforschen ist nicht nur um der Wahrheit willen nützlich, sondern auch, um sein Denken zu prüfen. Man muß sich jeglicher Voreingenommenheit enthalten können. Möge das Denken ruhig und frei sein wie das Wasser in einem sauberen Brunnen, wo man bis auf den Grund sehen kann. Ein solches ruhiges Denken ist allerdings nicht leicht zu erreichen. Der Mensch möchte seine vorsätzliche Entscheidung unterstellen oder doch wenigstens den Weg zu dem Urteil bestimmen.
Wichtig ist jedoch auch, die karmischen Folgen zu bemerken. Dafür muß man die Geschichte der Völker kennen. Allein durch solche dokumentarischen Vergleiche kann man zu einer gerechten Entscheidung gelangen. Man muß wie ein echter Gelehrter werden, dem eine wahre Schlußfolgerung wertvoll ist, auch wenn sie seiner bisherigen Auffassung widerspricht. Man muß es lernen, persönliche Auffassungen um der Wahrheit willen freiwillig aufzugeben.
Der Denker wies darauf hin und sprach: "Nicht meine zerbrechliche Meinung, sondern der Marmor der Jahrhunderte wird unsere Schlußfolgerungen bestätigen."
633. Urusvati weiß, daß jede aus der Überirdischen Welt herankommende Aufgabe durch die irdischen Bedingungen einen gewissen Schaden erleidet. Darüber darf man nicht bekümmert sein, da der Unterschied zwischen den feinstofflichen und den irdischen Bedingungen frappierend ist. Man möge sich jedoch Unserer Weisungen erinnern: "Weiter als das Weite". Auf diese Weise erinnern Wir an die in der Feinstofflichen Welt festgesetzten ursprünglichen Aufgaben.
Jeder Bewohner der Feinstofflichen Welt erhält einen Auftrag, der seinen Fähigkeiten entspricht. Es werden nicht nur große Aufträge erteilt, sondern auch solche, die im Alltagsleben erfüllt werden müssen, wo man auch einen bestimmten Nutzen erbringen kann. Doch nur wenige tragen noch eine Erinnerung an solche Aufgaben in sich, die auch das Karma miterleichtern sollten.
Oft bedauern es die Menschen, nichts ausführen zu können, und wissen selbst nicht
weshalb ihr Herz schmerzt. Sie versuchen, sich an etwas zu erinnern, doch im grobstofflichen Zustand verhält sich ein feinstofflicher Gedanke wie ein schreckhafter Vogel. Solange die Menschen sich der Überirdischen Welt nicht zuwenden, können sie den richtigen Weg nicht fortsetzen.
Desgleichen muß man den im Volk entstandenen plötzlichen Erleuchtungen Aufmerksamkeit widmen. Sie können aus tiefgründigster Quelle herrühren. Ihr tut recht, wenn ihr die Prophezeiungen aus dem Volk aufmerksam wahrnehmt. Man kann sich davon überzeugen, daß über solche Hinweise innerhalb einer gewissen Frist überall im Volke gesprochen wird und darüber staunen, weshalb die unterschiedlichsten Stimmen ein und dasselbe zu bestätigen anfangen. Dabei werden überzeugende Fristen genannt. Es läßt sich hinzufügen, daß solche Aussagen ebenso zuverlässig sind wie die Angabe, daß unter dem Fels des Gum eine Prophezeiung liegt. Man muß die Verbindungen des Irdischen mit dem Überirdischen genau beobachten.
Der Denker sprach: "Lernt es, die Stimme des Volkes zu verstehen; in ihr erklingt ein überirdischer Befehl."
634. Urusvati weiß, wo die Wahrheit liegt. Eine solche Synthese ist ein ganzes Buch wert. In der Tat ist es nicht leicht, alle irdischen Schalen zu entfernen und zu erkennen, wo die Wahrheit ist, die am Grunde der Ereignisse ruht. Eine solche Prognose ist auch für die Überirdische Welt von Nutzen.
Es ist gut, wenn ein Mensch von seiner Aufgabe für das Gemeinwohl so sehr erfüllt ist, daß er in der Überirdischen Welt seine lichte Arbeit unverzüglich fortsetzen kann. Wundert euch nicht, wenn solche harmonische Weiterführung der Arbeit nicht leicht ist, denn in ihr vereinigen sich irdische und überirdische Bedingungen. Man braucht einen festen Willen, der keine Hindernisse kennt und muß solchen Mut fassen, daß er selbst einer Erholung im Schlafe nicht bedarf.
Der Mensch vermag alle Hindernisse zu überwinden, wenn ihm das Ziel der Reise klar ist. Es mag sogar sein, daß er die Reise als solche gar nicht wahrnimmt, wenn er in der Ferne bereits das Licht sieht. Er wird dann die Schritte zu diesem Licht nicht zählen, da das Licht bereits in seinem Herzen leuchtet. So laßt uns die Verbindung zum Überirdischen finden, möge es den Menschen zur Freude führen. Möge der Mensch sich befehlen, unbeugsam zu gehen, um bei seinem Flug neue Bedingungen gar nicht erst zu spüren.
Das Märchen des Lebens ist groß, und jeder ist imstande, über die Strahlen der Himmelskörper nachzudenken, das die Erde nach Millionen von Jahren erreicht. Beflügelt solche Berührung der Ewigkeit
den Menschen nicht? Schafft sie ihm keine Erneuerung des Denkens? Er kann die Wirklichkeit lieben lernen und in sich das Bewußtsein finden, welches ihm ermöglicht, das Überirdische wahrzunehmen, als wäre es genau hier. Die Lehre vermag solche Wahrnehmung nicht zu vermitteln, solange der Mensch die Überirdische Welt nicht annehmen will.
Der Denker sprach: "Lernen wir zu erkennen, wo die Wahrheit liegt. Sie existiert, auch wenn sie von vielen Hüllen bedeckt ist."
635. Urusvati weiß, daß Haß übelsten Wahnsinn erzeugt. Glücklicherweise ist voll ausgebildeter Haß nicht oft anzutreffen. Im Haß wachsen die Kräfte, und es treten unsichtbare, hinterlistige Gefährten hinzu. Solch ein Wahnsinn kann überaus gefährlich werden, doch ist das Karma des Hasses entsetzlich. Auch in der Überirdischen Welt bleiben solche Wahnsinnigen in ihrem wütenden Haß befangen. Das daraus entstehende Karma kann wahrlich als höllisch bezeichnet werden, und das Denken ist dann nur noch auf die Befriedigung des Bösen ausgerichtet.
Die Tapferkeit eines Führers stumpft an der Feindseligkeit solcher Wahnsinnigen ab. Es ist daher unmöglich, sie zur Vervollkommnung zu bekehren. Wer sich daran versucht, wird, weil erfolglos, falsch handeln und rasch frühere Aufspeicherungen verlieren. Ein Hassender vermag nicht im Evolutionsprozeß zu bleiben. Ihr könnt es euch gut selbst vorstellen, daß der Weg eines von der Evolution Ausgestoßenen entsetzlich genannt werden kann. Mögen die Menschen es nur recht bald verstehen, daß Haß ein schlechter Führer ist.
Haß ist unstillbar. Anhand dieser Eigenschaft kann man ihn von anderen Erscheinungen abgrenzen. Mitunter verwechselt man ihn mit Strenge. Die Menschen sprechen von den wütenden Taten großer Umgestalter, doch waren solche Taten in Wirklichkeit Taten der Strenge und weit entfernt von Haß. Wir wollen hier nicht über die Gründe solcher Strenge urteilen. Man kann sich den Strudel von Unwissenheit und Feindseligkeit vorstellen, der jedem Umgestalter des Lebens begegnete! Verwunderlich ist allenfalls, daß ein großer Tatmensch nicht selbst in Haß verfällt, doch dies ist großen Tatmenschen nicht eigen.
Am Kriterium des Hasses läßt sich die Stufe eines Tatmenschen erkennen. Nur ein unentwickelter und dünkelhafter Mensch, der alles ihm Unbekannte mißachtet, wird durch sein Tun zum Opfer eines Strudels von Haß. Zum Hassenden wird man nicht in einem einzigen Augenblick. Statt
Tropfen heilsamen Arbeitsschweißes hat solch ein Mensch sich viele Tropfen Imperil aufgespart. Ein strenger Umgestalter grämt sich insgeheim über jede im Zorn begangene Handlung, doch der Hassende empfindet Triumph in jeder seiner Grausamkeiten.
Die Evolution setzt voraus, daß der Haß als eine Schande der Menschheit erkannt wird; dann werden auch viele Hindernisse verschwinden, die durch Unwissenheit errichtet wurden. Der Haß ist ein besonderer Aspekt der Unwissenheit. Der gebildete Mensch weiß, daß Haß seinen Fortschritt behindert.
Glaubt nicht, Hasser seien unbedingt Giganten des Bösen; es gibt auch scheinbar unbedeutende Hasser, die dennoch das Karma des Hasses voll tragen. Hierbei sind irdische Gerichte nicht anwendbar. Und weiß denn ein solcher Hassender, was er behindert und was er zu zerstören träumt? Viele Hassende wissen nicht, was sie bekunden sollen. Sie ähneln hilflosen Steinchen in einem Strom, über die eine mächtige Strömung hinweg verläuft. Doch auch diese Steine können ein Hindernis bilden.
Der Denker sprach: "Ich bitte das Schicksal, die Menschen vor dem Wahnsinn des Hasses zu bewahren."
636. Urusvati weiß, daß eine Vielzahl von Menschen mit falschem Denken in die Feinstoffliche Welt hinübergeht. Die einen gehen in Angst und Schrecken hinüber, andere in Feindseligkeit und Gereiztheit, dritte in Anhänglichkeit an irdische Personen, und vierte bilden sich ein, jenseits der irdischen Schicht sei nichts mehr.
Viele nicht nützliche Gedanken fügen der feinstofflichen Existenz Schaden zu. Unter den nicht nützlichen Aufgaben gibt es auch solche, die zwar einen guten Kern haben, aber dennoch nicht anwendbar sind. So versprechen einige ihren irdischen Nächsten, ihnen später im feinstofflichen Körper zu erscheinen. Zum einen binden sie sich mit diesem Versprechen und enttäuschen zum anderen diejenigen, denen sie das Versprechen gegeben haben. Der Mensch muß die Schwelle frei und zur Vervollkommnung bestrebt überschreiten. Vielleicht ergibt es sich bei seinen Aufgaben auch, im feinstofflichen Körper zu erscheinen, doch soll sich eine solche erlaubte Möglichkeit natürlich und inmitten der übrigen Erfahrungen und Erkenntnisse ergeben.
Zudem kann der Mensch nicht im voraus wissen, wem er wann erscheinen wird. Es kann beispielsweise sein, daß die Schwingungen einer ins Auge gefaßten Person sich nicht verändern, die einer anderen jedoch zugenommen haben; solche Veränderungen lassen sich nur von der Feinstofflichen Welt aus beurteilen, und es wäre nicht weise, eine Realisierung vorwegzunehmen. Möge alles natürlich und ohne vorgefaßte Absichten
verlaufen. In voller Bereitschaft sein heißt nicht, sich an vorgefaßte Absichten zu binden. Es ist sehr gut möglich, daß jemand im feinstofflichen Körper erscheint, um damit Menschen einen Nutzen zu bringen, doch wird dies kein furchterregendes Gespenst, sondern ein lichter Bote sein. Auf eine solche Erfahrung muß man sich vorbereiten und den Führer anerkennen.
Der Denker sprach: "Wir brauchen keine furchterregenden Gespenster, doch möge ein lichter Bote anklopfen."
637. Urusvati weiß, daß der menschliche Organismus auf alles Umgebende weitaus mehr reagiert als gemeinhin angenommen wird. Bis heute gehen die Menschen davon aus, sie lebten in einem leeren Raum, in dem es keine Verbindungskanäle gäbe. Selbst die Entdeckung der Radioübertragungen hat die Weltanschauung nicht erneuert. Doch möchte Ich nun an einen überaus realen Umstand erinnern, nämlich die Übernahme fremden Schmerzes über Entfernung.
Ihr wißt bereits, daß Schmerzen unter Suggestion auf Anwesende übertragen werden können. Doch auch ohne Suggestion ist ein starker Wille in der Lage, Schmerzen anderer über allergrößte Entfernung auf sich zu nehmen. Nicht selten denkt ein Mensch aus Gutherzigkeit, das Leiden eines anderen erleichtern zu wollen und übernimmt die Krankheit selbst. Eine solche Übernahme von Krankheit kann keine physische Ansteckung sein, sondern ist ein psychischer Vorgang mit allen körperlichen Folgen.
Es ließe sich eine ganze Reihe solcher psychischen Übertragungen nennen. Sie beweisen, wie feinfühlig der menschliche Organismus ist und wie sehr man auf solche feinen Erscheinungen achten muß. Die Wissenschaft hilft den meisten Menschen nicht, da sie selbst im Falle bester Erkenntnis im engbegrenzten Kreise der Gelehrten bleibt. Es ist jedoch unerläßlich, die Schlußfolgerungen der Wissenschaft den breiten Massen zu übergeben. Laßt uns keine Popularisierung fürchten, da viele neue Entdeckungen Besitztum des Volkes werden müssen.
Der Denker sprach: "Ich sehe nicht, weshalb der Bauer weniger wissen sollte als der Städter."
638. Urusvati weiß, daß lebendige Erkenntnis immer erweiternd ist,
nie jedoch begrenzend. An diesem Merkmal läßt sich wahre Wissenschaft erkennen. Die Menschen möchten in allem die Materie sehen, und sie sind auch nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn sie der gesamten Materie eine Vielfalt von Eigenschaften zuschreiben. Das Wort "Materie" selbst ist ein gutes Wort und verwandt mit dem erhabenen Begriff der Mutter. Jetzt, im Zeitalter der Mutter der Welt, muß man gegenüber allem, was an diese herrliche Grundlage gemahnt, besonders aufmerksam sein. Überdies muß man verstehen, daß gerade der Begriff der Materie die unterschiedlichen Eigenschaften dieses gebärenden Stoffes in sich faßt.
Es wurde gesagt, daß Materie kristallisierter Geist ist, doch kann man dies auch umgekehrt sagen, da alles, von den feinsten Energien angefangen, Materie ist. Wenn jemand sich gegen das energetische Urprinzip erhebt, so wird dies ein ärmliches Urteil darstellen, da er damit gleichzeitig auch die Materie verneint. Was bleibt solchen Unwissenden dann noch? Es ist an der Zeit, die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs wiederherzustellen. Wer sich für einen Materialisten hält, sollte die Materie in all ihren vielfältigen Aspekten verehren. Es ist unstatthaft, sich als Materialist zu bezeichnen und das Wesen der Materie zu leugnen.
Wie herrlich ist es indessen, die Materie zu studieren und mit dem Evolutionsprozeß zu vergleichen! Ein solcher Weg wird wissenschaftlich sein. Doch muß man sagen, daß auch diese Definition Entstellungen ausgesetzt ist. Ein positiv ausgerichtetes Studium wird niemals etwas Begrenztes sein. Im Gegenteil, es muß Symbol ständiger Erkenntnisgewinnung sein. So denkt über die Bedeutung vieler Begriffe nach, und es wird auch klar werden, wie sehr Wir wünschen, daß man an alles von wissenschaftlicher Seite herangeht. Für Uns widerspricht eine solche Grundlage der Freiheit des Forschers nicht, sondern sie weist nur auf die herrliche Materie hin, die die Mutter selbst ist.
Der Denker sprach: "Lernen wir, die Mutter zu verehren! Dann werden wir auch das Wesen der Natur verstehen."
639. Urusvati weiß, daß man beim Übergang in die Überirdische Welt und bei einem Besuch in ihr in sich die freudigsten Erinnerungen wachrufen muß. Wir haben oft von dieser Brücke der Freude gesprochen, doch die Menschen hören selbst besten Ratschlägen kaum zu. Einige sagen: "Unser Leben war düster und freudlos." Doch sie vergessen,
daß jeder Mensch Augenblicke der Freude gehabt hat. Gerade diese Augenblicke muß man aus dem Archiv des "Kelches" hervorrufen .
Man darf nicht glauben, daß irgendwelche Siegesposaunen oder allgemeine Anerkennung im Volk erforderlich seien. Reine Freude kommt auch im intimsten Arbeitsleben zum Ausdruck. Jeder vollbringt selbstaufopfernde Handlungen, und man muß fähig sein, alles Beste zu sammeln. Der Mensch weiß es selbst, ob er menschenwürdig gehandelt hat. Man muß solche Augenblicke in seinem Bewußtsein hüten, denn sie werden ein kostbares Gepäck darstellen. Die Brücke der Freude kann so von einer Vielzahl heller Feuer erleuchtet sein. Jeder kann verstehen, daß ein solcher Hinweis auf das Beste im Leben auch das Leichteste sein wird.
Man darf sein Denken nicht an düstere und schwere Erinnerungen hängen, sonst werden einem diese das Leben wie Blutegel aussaugen. Die Mißerfolge muß man vergessen, da sie im Leben jedes Tatmenschen vorkommen. Weshalb unnötig einen Schwanz von Schicksalsschlägen hinter sich herschleppen? Mögen sie nur das kosmische Lehrgeld sein. Doch Freude wird das Unterpfand künftigen Erfolges sein. Der Führer vermag dort besser zu helfen, wo die Funken der Freude erglühen. Dieser Aspekt Unseres inneren Lebens kann jedem nähergebracht werden.
Der Denker sprach: "Man muß sämtliche Funken der Freude sammeln können, dann kann man auch ohne das Boot des Charon auskommen."
640. Urusvati weiß, daß viele Unsere wiederholten Weisungen über die Ruhe nicht verstehen. Ihr Irrtum geht so weit zu denken, Wir wiesen auf Untätigkeit hin. Wir sprechen jedoch niemals über Untätigkeit, und der Hinweis auf die Ruhe hat die innere Ruhe im Sinne. Leider ist sie schwer erreichbar. Mitunter meint der Mensch, er sei ruhig, doch in seinem Inneren rumort ein wahrer Vulkan. Solcher Zustand des Nervensystems kann eine extreme Erschöpfung zeitigen.
Wird es denn ein Widerspruch sein, wenn Wir von Scharfsicht und Wachsamkeit sprechen und gleichzeitig auf irgendeiner inneren Ruhe bestehen? In diesen Begriffen liegt jedoch kein Widerspruch, sondern voller Zusammenklang. Die Wacht wird erfolgreich sein, wenn sie mit Ruhe vereint ist. So muß der Mensch verstehen, daß die Mehrzahl der Umstände,
die Beunruhigung schaffen, bereits in die Vergangenheit entschwunden ist. Wir aber schlagen vor, in die Zukunft zu streben. Bei solchem Streben wird der Mensch in feinen Zusammenklängen schwingen und braucht sich nicht zu beunruhigen.
Nur von den Türmen aus kann man weit sehen und verstehen, wie wertvoll die Zukunft ist. Man kann von einer angeblichen Notwendigkeit der Gegenwart lesen, und es existieren ganze Theorien darüber, daß man nur in der Gegenwart leben solle. Mögen diese Philosophen aber begreifen, daß die Gegenwart nicht existiert. Diese Mahnung muß wiederholt werden, da die Menschen anderenfalls nicht in der Zukunft leben wollen.
Der Denker sprach: "Wir können uns der Vergangenheit erinnern und uns auf die Zukunft vorbereiten, doch die Gegenwart ist unendlich klein und unfaßbar."
641. Urusvati weiß, wie unvorsichtig und geringschätzig die Menschen sich allem gegenüber verhalten, was die Überirdische Welt berührt. Ich spreche noch nicht einmal von den feinsten Berührungen, doch schon bei Materialisierungen stellen die Menschen Fragen solcher Art, daß man sich wundert, wie gebildete Menschen keine vernünftigeren Überlegungen anstellen! Die Menschen versammeln sich scheinbar wegen einer ernsten Angelegenheit, doch in der Art ihres Herangehens kann man sowohl Mißtrauen als auch unpassenden Spott erblicken.
Ihr wißt zur Genüge, wie vorsichtig Wir gegenüber den sogenannten spiritistischen Sitzungen sind. Die Menschen verstehen nicht, daß sich außerhalb dieses Verkehrs im gesamten Leben eine Vielzahl von Berührungen mit dem Überirdischen vollzieht. In solchen Berührungen ist nichts Widernatürliches oder Erzwungenes. So kann jeder die Verbindung mit einem weiten Bereich feststellen, die seine gesamte Weltsicht umwandeln kann.
Ganz und gar nicht heißen Wir die Wahnsinnigen gut, die sich von ihren irdischen Verpflichtungen lösen und nur Verwirrung um sich herum verbreiten. Sie sprechen von höheren Harmonien und vergessen gleichzeitig, daß Harmonie zwischen der irdischen und der überirdischen Welt herrschen muß. Wenn die Wahnsinnigen die irdischen Aufgaben für unter ihrer Würde erachten, so erweisen sie sich nur als unwissend. Sie sind auf die Erde zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe gekommen. Sie sollten ihre Aufgabe lieben lernen. In der Hingabe an eine irdische Arbeit können sie auch die Berührungen des Überirdischen wahrnehmen. Eine solche Vereinigung wird auch die natürliche Verbindung der Welten sein.
Nach komplizierten Überlegungen muß man wieder zum Einfachsten zurückkehren. Der Mensch
kann die Evolution nicht bestimmen. Er muß an ihr teilnehmen. Er muß mit ihr in eine harmonische Verbindung treten. Erneut gelangen wir zum Rhythmus der Arbeit und verstehen, daß alle Müßiggänger das Leben nur belasten. In der Zeit angespannter Umgestaltung der Welt ist es besonders unzulässig, sich als Müßiggänger oder Scheinheiliger zu erweisen.
Ihr mögt fragen, ob in der Unbegrenztheit ein solches Maß angespannter Arbeit etwa nötig und ob die Unbegrenztheit mit der Arbeit des einzelnen vergleichbar sei. Zum Erstaunen vieler sage Ich: Sie ist vergleichbar. Der Mensch ist ein lebendiges Teilchen der Menschheit, die die stärkste Energie des Planeten darstellt. Der Machtnehmer des Planeten darf kein Müßiggänger sein, denn es liegt unerhörte Verantwortung auf ihm. Und er kann sich ihrer nirgendwohin entziehen - und es bleibt ihm nur, sich die Überirdische Welt zum Freund zu machen.
Der Denker sprach: "Jeder hat eine Vielzahl von Freunden, doch sollte er sie lieben lernen. Es kann keine Freundschaft ohne Liebe geben."
642. Urusvati weiß, daß einige den Unterschied zwischen der Feinstofflichen und der Überirdischen Welt nicht verstehen. Ihnen scheint es, daß beide Begriffe in den Gesprächen abwechselnd gebraucht würden, nur um Wiederholungen zu vermeiden. Doch muß daran erinnert werden, daß die Feinstoffliche Welt ein bestimmter und eingrenzender Begriff ist, während im Begriff des Überirdischen nicht nur verschiedene Schichten, sondern auch die Gedankenenergie enthalten sind, derer sich auch die Erdbewohner bedienen. So muß man unterstreichen, daß die Überirdische Welt vor allem die Welt des Denkens ist. Sie herrscht sowohl in der Feurigen wie auch in der grobstofflichen Welt.
Man muß wissen, daß Wir die Charakteristik Unseres Lebens nicht zufällig mit der Überirdischen Welt verbinden. Mögen die Menschen sich an das Bewußtsein gewöhnen, daß sich die genaueste Definition des inneren Lebens der Bruderschaft in einem Denkprozeß darstellt. So ist auch in jedem Leben das Denken der Prüfstein. Es wurde gesagt, daß der Mensch sich selbst erkennt, wenn er den Fluß seiner Gedanken verfolgt. Dieser Strom ist vielfältig, verläuft ohne Unterbrechungen und ist selten harmonisch. Es ist nicht leicht, seine eigenen Gedankengänge zu verfolgen!
Eine richtige Lebensbeschreibung muß weniger die äußeren Taten eines Menschen vermerken als vielmehr den Strom seines Denkens, nur dann kann man das Wesen des Menschen erforschen. Oftmals sehen Wir den betrüblichen Irrtum, daß sogar erfahrene Tatmenschen
meinen, sie hätten eben nur gedacht und seien daher für die in ihnen verborgenen Gedanken nicht verantwortlich. Sie irren sich, wenn sie meinen, ein Gedanke bleibe ohne Folgen. Es ist schwer vorherzusehen, wann solche Folgen in Erscheinung treten werden, und es kann sein, daß sie sich überhaupt nicht in der grobstofflichen Hülle vollziehen. Eine Vielzahl karmischer Bedingungen kann auf eine Beschleunigung oder Verlangsamung von Fristen hin wirken, doch bedeutsam ist das Gesetz, daß jeder Gedanke Folgen trägt. Solche Prozesse beziehen sich gerechterweise auf die Überirdische Welt. Sie sind auf die psychische Energie gegründet, die die uranfängliche Kraft darstellt und alles Existierende erfüllt.
Der Denker wies darauf hin: "Retten wir uns durch unsere Gedanken. Sie stellen sowohl unsere Segel als auch unseren Anker dar."
643. Urusvati weiß, daß es ein geöffnetes und ein verschlossenes Erinnerungsvermögen gibt. Viele beklagen das Vorhandensein dieses verschlossenen Gedächtnisses. Doch sie stellen sich nicht das ganze Entsetzen vor, das entstünde, wenn die Menschen sich ständig ihrer früheren Existenz erinnerten. Wahrlich, es ergäbe sich ein ganzes Konglomerat von Dissonanzen, unter dem ein Vorankommen unmöglich würde. Weise ist das Gesetz, das alles aussondert, was der Vervollkommnung nicht dienlich ist.
Unerfahrene Menschen bilden sich ein, bei Kenntnis alles Vergangenen bessere Fortschritte machen zu können, doch tatsächlich sind nur sehr wenige in der Lage, ihre früheren Beobachtungen nutzvoll anzuwenden. Überdies haben sie diese keineswegs verloren, sondern bewahren in ihrem Kelch lebendige Aufspeicherungen. Nicht selten gemahnt die Stimme der Stille an die Notwendigkeit, alte Erfahrungen hervorzurufen und zu nutzen. So kann man dem Gesetz über das verborgene Gedächtnis dankbar sein.
Hört zu, kann sich ein Mensch heute im Zeitalter der Mechanisierung in die Psychologie längst vergangener Zeiten versenken? Solches Herangehen würde nur den Weg erschweren. Man kann die Kulturen des Altertums studieren und die Lösung früherer Probleme in gerechter Weise schätzen, doch darf man sich nicht in die Haut der Ahnen zurückversetzen. Solche Versenkungen in Vergangenes sind auch keineswegs notwendig. Jetzt haben wir das Zeitalter frappierender Entdeckungen, und der Mensch sollte sich nicht an die Vergangenheit anpassen, sondern an die Zukunft, um die psychische
Energie vernünftig anzuwenden.
Der Denker sah voraus: "Es wird eine Zeit kommen, da die Menschen nicht nur fliegen, sondern auch zu fernen Welten streben werden."
644. Urusvati weiß, wie wenig die Menschen die Bewußtseinserweiterung werten. Sie gleichen sich kleinen Kindern an, die für eine kleine Süßigkeit bereit sind, eine Lektion auswendig zu lernen, doch ohne Süßigkeiten sich noch nicht einmal das Wesentlichste aneignen mögen. Das gleiche läßt sich auch unter den Erwachsenen beobachten. Für die Seligkeit des Paradieses sind sie bereit, irgend etwas durchzulesen, doch ohne Entgelt werden solche Tagelöhner sich nicht vervollkommnen. Für sie ist es ein unzureichender Trost, ein neues Bewußtsein zu erhalten. Sie werden sagen: "Wozu dient uns irgendein unbekanntes Bewußtsein; es wäre besser, der Tageslohn würde erhöht". Auf diese Weise findet sich der Führer in der Lage eines Wohltäters, der Altersheime bauen läßt.
Man kann sich unmöglich vorstellen, daß die Zahl derjenigen Menschen äußerst gering ist, die sich der Vervollkommnung nicht wegen einer Lohnerwartung, sondern um der Bewußtseinserweiterung willen widmen. Bemühe sich jeder, sich zu erinnern, ob ihm im Leben viele wahre Arbeiter an der Erkenntnis begegnet sind. Doch dafür wird er viele finden, die die Lehre des Lebens gelesen haben und dabei ihre eigenen Bedingungen einer würdigen Entlohnung stellten. Der eine erwartete den Lohn nach drei Jahren, ein anderer nach sieben, und ein dritter nach zehn Jahren.
Es ist aufschlußreich, diese geheimen Verträge zu betrachten, die der Führer erfüllen sollte. Hierbei hat der Mensch selbst den Lohn nach seinem Geschmack bestimmt, ohne die wahre Lage zu beachten. Seine Irrtümer und Vergehen zieht er nicht in Betracht, doch dafür steht der Führer unter dem ständigen Verdacht, den Lohn vielleicht zurückhalten zu wollen, und was sei denn von der Aussage über die Überirdische Welt zu halten, wenn noch nicht einmal der irdische Lohn erhöht werde? Man kann an viele ähnliche irdische, geheime Überlegungen erinnern.
Der Denker sprach: "Der Schild ist von außen ganz blank geputzt, doch was bedeckt er?"
645. Urusvati weiß, daß viele entrüstet sind, wenn Wir von ständigen Prüfungen sprechen. Das alte Sprichwort, daß sich alle Welten in Prüfung befinden, wird als Metapher aufgefaßt,
die unanwendbar sei. Prüfungen werden als leidige Bestrafung angesehen. Doch mögen die Menschen das Wort Prüfung durch das Wort Prüfstein ersetzen. Jeder weiß, wie notwendig ein solcher Stein bei vielen Experimenten ist.
Man sollte meinen, daß es den Menschen leicht falle, Vergleiche aus dem wissenschaftlichen Leben heranzuziehen und sie auf ihr eigenes psychisches Erleben anzuwenden. Doch bei der ersten ungewohnten Erscheinung geraten die Menschen in Streit, ohne zu überlegen, daß sich eine nützliche Übung für die bisher angesammelten Kräfte vollzieht. So sagt man, einige Lehrer würden schwierige Situationen zulassen, damit der Mensch seine Findigkeit erproben könne und den besten Ausweg finde. Wir richten alle Aufmerksamkeit auf die menschlichen Erlebnisse, da man nur an ihnen erkennen kann, in welch kluger Weise Erkenntnis angewendet wird.
Ich erachte es als Tatsache, daß die Evolution von einer kleinen Minderheit vollbracht wird. Wundert euch nicht, daß das gleiche Verhältnis auch zwischen dem Geordneten und dem Chaos besteht. Dennoch vollzieht sich die kosmische Evolution unermüdlich. So muß man auch bei der Menschheit sehen, daß nur eine Minderheit bereit ist, die Umgestaltung des Lebens anzunehmen, und dennoch vollzieht sie sich. So kann man sagen, daß nur wenige bereit sind, dem Weg der Evolution zu folgen, doch ihr klares Bewußtsein erbringt genügend Energie.
Der Denker sprach: "Mögen nur wenige bleiben, denn die Hauptsache liegt nicht in der Quantität."
646. Urusvati weiß, daß Untrennbares nicht getrennt werden darf. Dies muß wiederholt werden, wenn vom Irdischen und Überirdischen die Rede ist. Aufgrund welchen unverständlichen Starrsinns trennen die Menschen zwei in ihrem Wesen verbundene Begriffe voneinander? Ist denn irgendeine Handlung vorstellbar, die im benachbarten Bereich keinen Reflex hervorruft? Alles ist eins und untrennbar. Selbst der kleinste psychische Vorgang ruft physische Folgen hervor. Ebenso spiegelt sich jeder physische unausweichlich im psychischen Vorgang wider.
All das sollte einfach und logisch erscheinen, es stößt nichts um, doch die Menschheit läßt in ihrem gegenwärtigen Zustand diese Wahrheit nicht zu. Man kann sogar über eine Schwelle stolpern. Als eine solche winzig kleine Schwelle erweisen sich Widersprüche,
die ungeachtet wissenschaftlicher Beweise geradezu gezüchtet werden. Doch läßt sich erahnen, welch finsteren Kräften solche Uneinigkeit dienlich ist. Sie behindert die Umwandlung des Lebens. Die Menschen sind nicht abgeneigt, Erörterungen über das neue Leben zu führen, doch die meisten solcher Erörterungen erfolgen in einer Atmosphäre der Verantwortungslosigkeit.
Wenn die Menschen aus dem Theater, der Kirche oder wissenschaftlichen Versammlungen kommen, versenken sie sich sofort wieder in den Staub des Alltagslebens. Gerade erst haben sie Tränen des Entzückens vergossen, sich im Geist emporgeschwungen, um all dies gleich danach wieder zu vergessen. Einer Unserer Mitarbeiter führte ein aufschlußreiches Experiment durch. Er stellte sich an einem Theaterausgang nach einer sehr hochstehenden Vorstellung auf, ebenso an einem Kirchenausgang und nach dem Vortrag eines bekannten Wissenschaftlers. Ihr werdet erstaunt sein, daß von hundert Menschen nur acht, von ihren Eindrücken erschüttert, herauskamen. Die übrigen offenbarten bereits an den Türen ihr gewohntes Alltagsverhalten, und die erhabenste Tragödie prallte an ihren steinernen Herzen ab.
Genau das gleiche kann man anhand der Gespräche über das Überirdische beobachten, doch wie Wir sagten - die Evolution wird durch eine kleine Minderheit vollzogen. Bei all dem bleibt jedoch eine bemerkenswerte Beobachtung übrig, nämlich, daß die Überirdische Welt für die Menschen augenscheinlich gar nicht existiert. Sie wollen all die Erscheinungen nicht bemerken, die wie ein Regenbogen über dem Strudel des Alltagslebens strahlen. Wozu solcher Widerstand, wenn Wissensdurst zu unermeßlichen überirdischen Bereichen führen könnte!
Der Denker bat Seine Schüler: "Schaut doch zum Sternenhimmel auf! Nur Schweine sind nicht imstande, ihren Kopf zu erheben."
647. Urusvati weiß, wie leicht es ist, nützliche Maßnahmen im Alltagsleben zu ergreifen. So ist es richtig, vor dem Schlafengehen Ruhe zu pflegen, doch die Menschen lassen gerade zu dieser Zeit Streit und Zweifel Platz ergreifen. Sie stellen sich nicht vor, daß sie sowohl ihrer Gesundheit als auch ihrem Aufenthalt in der Feinstofflichen Welt damit schaden. Jeder gelangt in die Sphäre, die seinem psychischen Zustand gleicht. Überdies geht er der wohltuenden Folge des Schlafes verlustig, wenn er in Streit und Gereiztheit einschläft.
Nicht ohne Grund wird schwangeren Frauen geraten, an Schönes zu denken und Schönes in ihrem Umkreis zu haben. Das gleiche muß auch denen geraten werden, die sich
in den Schlaf begeben. Es ist nicht schwer, während der letzten Minuten die Gedanken auf etwas Ernstes zu richten. Glaubt nicht, dies sei Heuchelei. Der Mensch sollte fähig sein, sein Denken zu lenken. Selbst wenn er mit schweren Erlebnissen belastet ist, kann er sich einige Minuten der Erholung davon gewähren und einem schönen Traum zustreben. Das gleiche gilt auch für die Gespräche bei den Mahlzeiten. Erfahrene Leute wissen, wie schädlich es ist, bei unangenehmen Unterhaltungen Speise zu sich zu nehmen. Jeder Arzt wird dies bekräftigen. So läßt sich in allem eine psychische Prophylaxe durchführen; sie wird nützlicher sein als viele Vitamine.
So ist es auch weise, die Freunde zu bitten, nicht in Verzweiflung zu geraten, da sie in einem solchen Zustand allem möglichen Unheil die Türen öffnen. Es gibt bestimmte Krankheitsformen, die durch Kummer und Verzweiflung entstehen. Diese Krankheiten zu heilen ist schwierig, da die angegriffenen Nerven kein klar bestimmbares Bild liefern und physische Arzneien die Lage nur verschlimmern können.
Der Denker sprach: "Bevor Aeskulap uns zürnt, laßt uns lieber die Musen rufen."
648. Urusvati weiß, daß die wissenschaftliche Forschung der nächsten Zukunft sich den Drüsen und ihrer Tätigkeit widmen sollte. Die Menschen haben zwar noch nicht einmal genügend Kenntnisse über die Tätigkeit des Herzens und der Nervenzentren, doch besteht die dringende Notwendigkeit, das Leben der Drüsen zu studieren. Noch vor kurzem brachte man ihnen dermaßen wenig Aufmerksamkeit entgegen, so daß man sie eiligst entfernte, ohne sich zu fragen, weshalb denn der gesamte Organismus von einem ganzen System von Drüsen durchzogen ist.
Inzwischen bekundet man eine gewisse Vorsicht bei der Entfernung von Drüsen, doch ihre lebenswichtige Aufgabe ist bisher nicht klargelegt. Indessen besitzen die Drüsen in der Verbindung mit der Feinstofflichen Welt eine überaus tiefe Bedeutung. Sämtliche Absonderungen der Drüsen unterstützen den Verkehr mit der Feinstofflichen Welt. Wesen der Feinstofflichen Welt machen sich die Drüsenabsonderungen nicht nur für Materialisationen zunutze, sondern ernähren sich auch von Drüsensubstanzen. So werden die Gelehrten bei der Erforschung der Drüsen unerwartet auf die Verbindung mit der Feinstofflichen Welt stoßen.
Es ist nicht leicht, die Drüsenabsonderungen zu beobachten, da sie vielfältig sind und keinen irdischen Maßstäben unterliegen. Doch selbst die schwersten Aufgaben müssen gelöst werden. Man muß
nicht nur Physiologen und Biologen, sondern auch Ärzte hinzuziehen. Solche Beobachtungen müssen nicht allein in Krankenhäusern, sondern auch an Gesunden, die eine feinfühlige Natur besitzen, durchgeführt werden. Bestimmte Beobachtungen bei einer sich ergebenden Krankheit sollten daher begrenzt werden, da sich Erscheinungsformen daraus auf das ganze Leben auswirken, weshalb nur ein wahrer Gelehrter diese eigenartigen Auswirkungen bemerken kann. Darum lenken Wir die Beobachtung auf die Alltagserscheinungen. Wir sagen: "Wartet nicht auf irgendeine in Erstaunen setzende Offenbarung, sondern beobachtet aufmerksam den Alltag, der mit sogenannten Wundern ausgefüllt ist."
Der Denker lehrte die Schüler, die Alltagserscheinungen zu beobachten. Er sagte: "Wir sind von den verblüffendsten Wundern umgeben, doch wollen wir sie nicht bemerken."
649. Urusvati weiß, wie falsch und schädlich das Urteil über eine vollständige Trennung der drei grundlegenden Welten ist. Viele Leitern und Brücken bestehen zwischen allen Sphären. Im grobstofflichen Zustand trägt der Mensch das Korn der Feurigen Welt und den feinstofflichen Körper in sich, den er oftmals auch spüren kann. Ist denn ein einziges Unteilbares vorstellbar, wenn wir unüberwindbare Schwellen voraussetzen?
Jede Verfeinerung der Gefühle und Erweiterung des Bewußtseins eröffnet neue Möglichkeiten für Verbindungen. Das Weltall ist nicht schuld, wenn die Menschen nicht darauf achten wollen, wie die Tür in das nächste Gemach zu öffnen ist. Nicht nur in einer Minute höherer Ekstase, sondern auch mitten im Alltagsleben erfährt der Mensch feinstoffliche Berührungen. Doch anstatt sie lieben zu lernen, verscheucht der Mensch sie wie eine lästige Fliege.
Auch die Feinstoffliche Welt ist mit ihren Schichten mit der Feurigen Welt verbunden. Und im irdischen Zustand empfangen die Menschen mitunter einen feurigen Pfeil. Nicht ohne Grund wohnt jedem Menschen ein feuriges Korn inne. Dank seiner Anwesenheit töten die feurigen Pfeile nicht, sondern rufen angespannte Schwingung hervor.
Man muß sich diese Wahrheit aneignen, da die meisten Menschen sie nicht zulassen. Indessen wurde bereits in den bekannten Religionen mit Nachdruck auf die grundlegenden Welten hingewiesen, und es wurden Möglichkeiten des Verkehrs mit ihnen angedeutet. Die Religionen sprechen über dasselbe, doch die Menschen
halten es für etwas Abstraktes. Sie unterstellen auch nicht die Möglichkeit, daß die Wissenschaft in ihrer eigenen Sprache über genau dasselbe sprechen könnte. Dies ist die große Tragödie der Menschheit!
Der Denker sprach: "Oh Mensch! Fühlst du dich so übermäßig begabt, daß es dir leicht fällt, deinen Besitz zu verleugnen?"
650. Urusvati weiß, daß eine aufrichtige Wohltat dem Karmagesetz nicht widerspricht. Es existiert die fanatische Auffassung, nach der man einem Nächsten nicht helfen dürfe, um sich nicht in sein Karma einzumischen. Welch schädlicher Irrtum! Die Fanatiker wollen sich nicht vorstellen, daß jeder Helfende bereits im Rahmen des Karma handelt. Der Mensch sollte jedoch jegliche Hilfe erweisen, ohne dabei an Karma zu denken.
Die Hilfe äußert kostbare Emanationen, doch muß die Wohltat natürlich aufrichtig sein, darin ist jeder sein eigener Richter. Wir schätzen Hilfe, wenn sie aus intuitivem Antrieb erwiesen wird. Der Mensch darf nicht darüber nachdenken, warum er jemandem hilft. Viele helfen einem in Not befindlichen Wanderer, ohne zu überlegen, welch schöne Tat sie damit vollbringen. Und diese Einstellung ist richtig, denn Eigennutz vernichtet sämtliche guten Folgen.
Wenn Hilfe erwiesen wird, ist es von Bedeutung, ob man auch rechtzeitig Mut zuspricht. Die Ermutigung ist wertvoller als viele andere Arten von Hilfe. Der Ermutigende übergibt einen Teil seiner Energie, und solche Abgabe aus dem besten Besitztum ist kostbar. Mögen alle, die über das Überirdische nachdenken wollen, vor allem die Freude des Helfens kennenlernen. Solche Freude ist herrlich, und sie kommt ganz gewiß nicht nur einigen Reichen zu. Ein Rat vermag einen Notleidenden zu heben, und jeder kann von seinem Wissen abgeben. In solch wohltätiger Anspannung eignet sich der Helfende Findigkeit an und empfängt neue Kraft. Möge herzliche Hilfe gesegnet sein!
Der Denker lehrte: "Lernt es zu helfen, diese Wissenschaft ist gesegnet."
651. Urusvati weiß, daß Nachdenken über das Überirdische von den bösesten Giftschlangen befreit - der Mutlosigkeit und der Gekränktheit. Vor langem wurde bereits gesagt, wie häßlich der Garten der Gekränktheit ist. Finster ist der Keller der Mutlosigkeit, doch lassen sich die Menschen derart oft in diesen Keller fallen und pflanzen nichts als Disteln an, so daß an die heilsamste Medizin gegen solche Vergiftungen erinnert werden muß, nämlich
das hohe Denken an das Überirdische. Man darf die Flamme hohen Denkens nicht einmal für eine Stunde in sich löschen. Der Weiseste verliert seine Waffe, wenn er das Denken an die zukünftigen Häuser unterbricht. Er wird unbewaffnet sein, und vom Grund des "Kelches" werden unangenehme Gefühle aufsteigen.
Man wird fragen, ob das Denken an das Überirdische nicht die irdische Tätigkeit beeinträchtige. Doch möge dieses Denken den Menschen sogar bei der angespanntesten Tätigkeit begleiten. Bereits vor langem wurde gesagt, daß das Bildnis des Lehrers sich dem Gedächtnis für immer einprägen sollte. Und so wird auch das tiefe Nachdenken über das Überirdische kein Hindernis sein, sondern eine lebendige Brücke zu künftiger Errungenschaft.
Herrlich ist es, wenn jemand hohes Denken unter allen Umständen in sich zu hüten vermag. Möge dies keine bloße Überlegung sein, sondern gerade tiefes Nachdenken ohne Übertragung in irdische Worte. Ihr versteht, was Ich sagen will. Vor zwanzig Jahren war die Erkenntnis der Begriffe noch nicht klar, doch war der Grundstein klar herausgearbeitet, und nun sind die Grundlagen des höheren Weltverständnisses bereits verhältnismäßig sichtbar.
Der Denker verglich die Gedankenarbeit mit der Bildhauerei.
652. Urusvati weiß, daß Wir, Bildhauern gleich, die Grundlagen der Bewußtseinserweiterung herausmeißeln. Urusvati weiß auch, daß es einer bedeutenden Zeit bedarf, sich diese Grundlagen anzueignen. Man kann sich nicht hin und wieder einzelne Worte oberflächlich aneignen, sondern muß das gesamte Wachstum der Weisungen in seinem Bewußtsein halten.
Ein unerfahrener Anhänger nimmt an, daß ein vereinzeltes Auflodern von Aufmerksamkeit bereits genüge. Der ungeduldige Anhänger wird bekümmert sein, wenn er von dem planmäßigen Anwachsen des Wissens erfährt. Der Selbstsüchtige wird nicht verstehen, wozu ein Führer notwendig sein sollte. Der Rhetoriker weiß nicht, mit welchen Worten man die Bewußtseinserweiterung zum Ausdruck bringen sollte. Doch ihr habt sogar Weisungen über den Verlauf von zwanzig Jahren erhalten. Ihr könnt die damalige Aufnahmefähigkeit eures Bewußtseins mit der heutigen vergleichen.
Bewußtsein ist nicht durch Worte definierbar, es führt durch Gefühle, die ebenfalls nicht in Worte zu kleiden sind. Wenn Ich von Feierlichkeit spreche, so werden jene dies nicht verstehen, die sie nicht in sich aufzunehmen vermögen. Doch möge jeder Gedenktag von freudiger Feierlichkeit
begleitet werden. Je schwerer ein Tag ist, um so feierlicher muß man ihn annehmen.
Seit Unserem ersten Aufruf sind noch mehr Jahre vergangen, und Zeichen wurden schon vor mehr als einem halben Jahrhundert gegeben - ist es nicht so, Urusvati? Und die längst vergangenen Zeichen standen wie ein Banner des Sieges da. Wenn man zu rasch vorangeht, hält das Herz nicht stand, doch Bewußtseinserweiterung setzt vor allem voraus, daß das Herz nicht zerstört wird. Ein feinfühliges Herz muß beschützt werden. Es schlägt nicht für sich, sondern für das Gemeinwohl. Dieses Wort muß zu diesem Gedenktag ausgesprochen werden.
Ihr erinnert euch, welche Andeutungen vor zwanzig Jahren gegeben wurden. Jeder Begriff wurde vom Standpunkt der Feierlichkeit her untersucht und erklärt. Wir scheuten Uns nicht, darauf hinzuweisen, daß sogar die höchsten Begriffe erforscht werden könnten. Wir wiesen darauf hin, daß für die Bewußtseinserweiterung auch die Wissenschaft notwendig sei. Wir gaben Züge der Psychologie Unserer Bruderschaft. Die Überirdischen Welten, Unsere Bruderschaft und die Erweiterung des Bewußtseins sind die Fundamente der veröffentlichten Gespräche. Ein Buch über die Erweiterung des Bewußtseins wird auch ein Buch über das Überirdische und die Bruderschaft sein. Man kann unmöglich aufzeigen, wo eine Grenze des Unteilbaren wäre.
Mögen alle Freunde verstehen, wie sehr man den kostbaren Stein hüten muß. Mögen sie einen Bergkristall zum Gedenken an den Feiertag auf ihren Arbeitstisch stellen. So laßt uns das Gedenken an die besten Fristen bewahren.
Der Denker sprach: "Laßt uns durch einen weißen Stein auf einen Gedenktag hinweisen."
653. Urusvati weiß, daß viele veraltete Begriffe nicht mehr verwendet werden sollten. Sie haben nicht nur ihren ursprünglichen Sinn verloren, sondern führen die Menschen auch in Irrtümer hinein. Einer dieser Begriffe, die man künftig entfallen lassen sollte, ist derjenige des Okkultismus. Die Geschichte selbst beweist, wie bedingt er im Mittelalter aufkam. Besonders jetzt aber klingt er sinnlos. Die Wissenschaft erobert Schritt für Schritt neue Bereiche, und der Begriff des Geheimwissens klingt bereits wie eine Provokation. Die Erkenntnisgewinnung schreitet eilig voran, und die Scheiterhaufen der Inquisition gehören bereits der Vergangenheit an.
Zudem erscheinen die sogenannten Okkultisten meistens als lächerlich. Sie bilden sich irgendwelche geheimen Entdeckungen ein, doch
bei dem ersten unverständlichen Geschehnis laufen sie ängstlich davon. Mögen echte, aufrichtige Forscher den Platz der eitlen Okkultisten einnehmen. Möge auch der Bereich der feinstofflichen Energien von Gelehrten erforscht werden. Wenn man in den Mauern der Universitäten beginnt, den feinstofflichen Energien Aufmerksamkeit zu widmen, so sind keine Beinamen erforderlich, die nur Verwirrung stiften.
Ebenso veraltet ist der Begriff der Metaphysik. Die gesamte Natur von ihren niedersten bis zu den höchsten Erscheinungen gehört dem Bereich der Physik an. Man darf unmöglich dort Trennungen und Gegensätze einführen, wo eine einzige, unteilbare Grundlage herrscht. Auch die Metaphysik hat sich während der Zeit der geheimen Alchimie ausgebildet. Damals waren die Forscher leider gezwungen, sich vor den Angriffen von Unwissenheit und Scheinheiligkeit zu verbergen. Nun aber besteht keine Notwendigkeit mehr, die Wissenschaft in den Keller zu verbannen.
Der Denker sprach: "Arzt, eile dorthin, wo die Gesundheit in Gefahr ist. Warte nicht erst auf den Ruf, sondern eile schon selbst. Auch du, Erbauer von Brücken, baue sie dort, wo das Volk ihrer besonders bedarf."
654. Urusvati weiß, daß einige unschlüssig darüber sind, weshalb in einer neuen Lehre bereits seit langem Bekanntes zu finden ist. Das Neue besteht vor allem aus neuen Verbindungen von Elementen, unter denen sich auch bekannte antreffen lassen werden. Man kann sich nur darüber freuen, wenn die Menschen eine ethische Grundlage wiederentdecken, die bereits Fundament ihres Lebens war. Handelte es sich jedoch um echte Grundlagen oder nur um Buchstabengeplapper? Wenn es so war, dann ist es an der Zeit, diese Trugbilder in Wirklichkeit zu verwandeln. Nur dann kann man die neuen Verbindungen verstehen.
Jeder hat Sterne gesehen, doch hat er sie mit einer Vorstellung von Unbegrenztheit verbinden können? Oft entdecken Wir, daß die heutige Art der Himmelsbetrachtung sich wenig von den Vorstellungen der Alten unterscheidet. So werden auch sämtliche erhabenen Chemismen ohne richtiggehendes Nachdenken über das Überirdische nicht ihre volle Bedeutung erhalten. Auch die Bedeutung des Gedankens wird ohne ein Verständnis der feinstofflichen Energien nicht erkannt werden. Natürlich, das Wort "Gedanke" existiert seit langem, doch muß man über sein Wesen nachdenken.
Man kann die wahre Bedeutung des Neuen nur verstehen, wenn man frühere Wissensgehalte mit dem neuerworbenen vergleicht. Wer wird darauf beharren, seine früheren Vorstellungen seien weitergefaßt gewesen als die neuen? Es ist nicht leicht, frühere Vorstellungen mit dem neuen Bewußtsein in Einklang zu bringen. Gewöhnlich vergißt der Mensch seinen früheren Bewußtseinszustand, und es scheint ihm nun, daß er bereits vieles wußte, was er dennoch nicht begriff. Es ist nützlich, über das neue Bewußtsein nachzudenken. Wir sagten, daß es mitunter aufschlußreich sei, einen längst vergessenen Ort wieder einmal aufzusuchen, um zu spüren, wie wenig die alte Vorstellung den neuen Anschauungen entspricht.
Der Denker sprach: "Torhüter, öffne schnell! Torhüter, ich kenne Dich nicht, doch ich weiß, weshalb dieses Tor geöffnet werden muß."
655. Urusvati weiß, daß über den Begriff der Vorstellungskraft viel Unschlüssigkeit besteht. So sagt man: Wenn die Phantasie für den Fortschritt so sehr notwendig ist, wie verhält es sich dann mit böser und häßlicher Vorstellungskraft? Man muß verstehen, daß solche Unschlüssigkeit schon begründet ist und die Arten des Vorstellungsvermögens sehr genau voneinander zu unterscheiden sind.
Es ist nicht leicht, mit einer bösen Vorstellungskraft zu kämpfen, da sie in der Regel von einer wütenden Leidenschaft bestimmt ist. Helfen kann man nur, indem man eine solche Person zum Schönen hinlenkt. Allein auf diese Weise ist eine böse Phantasie überwindbar, doch dies ist nicht leicht und erfordert viel Zeit. Eine böse Phantasie entsteht durch Atavismus. Ihr wißt, daß Atavismus, ebenso wie Gewohnheiten, fest wurzelt. Der Mensch befindet sich dann unter dem Druck der Allgemeinheit und kann sich oft selbst nicht in irgendwelchen verworrenen geistigen Strömungen zurechtfinden. Ein solcher Mensch kann kein tiefes Nachdenken über das Überirdische pflegen, da es unmöglich ist, sich diesem Bereich in Bosheit zu nähern.
Wir haben viele Beobachtungen an starken Persönlichkeiten durchgeführt, die von einem bösen Vorstellungsvermögen beherrscht waren. Sie verursachen viel Schaden, und oftmals ist ihre Vorstellungskraft stärker als die Phantasie der vom Guten bestimmten Menschen. Die Heilung solcher Personen ähnelt der Heilung von Alkoholikern. Es ist auch schwer, eine Suggestion durchzuführen, doch die Hinführung zum Schönen läßt das Eis des Bösen tauen. Mögen die Schöpfer des Schönen sich erinnern, welche Bedeutung ihr Schaffen für sie hatte. Ich erachte das Schöne als einen Schild gegen das Böse.
Der Denker sprach: "Möge sich jeder mit einem sicheren Schild versehen. Er wird ihn von den Musen empfangen."
656. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die nächtliche psychische Tätigkeit ist. Grob gesagt wird sie mit Träumen bezeichnet, doch ist sie eine Widerspiegelung mehrerer Lebensumstände. So kann es sich um Reflexe handeln, die von der Vorstellungskraft bekundet werden. Es kann sich um Erinnerungen handeln, die aus der Tiefe des Bewußtseins aufsteigen. Es kann sich um Einwirkungen aus der Feinstofflichen Welt handeln. Es kann sich um Eindrücke von Aufenthalten in den feinstofflichen Sphären handeln. Und schließlich kann es sich um eine ferne Botschaft handeln, die in Bildern zum Ausdruck kommt.
Es wäre ein unmöglicher Zustand, die sich bei Beobachtung des Traumes eröffnenden ungewöhnlichen Möglichkeiten nicht zu nutzen. Einige Menschen behaupten, gar nicht zu träumen. Dies ist falsch, denn sie erinnern sich des Geträumten nur nicht. Man muß die gesamte Menschheit auch in dieser Hinsicht in zwei Arten einteilen. Die einen können sich ihrer nächtlichen Tätigkeit erinnern, die anderen erinnern sich nicht nur nicht, sondern beharren sogar hartnäckig darauf, daß eine Tätigkeit im Traum überhaupt nicht möglich sei.
Eine besondere Situation nehmen die sogenannten Mondsüchtigen ein. Sie bekunden ihre nächtlichen Tätigkeiten auf physische Weise, ohne sich des Vorgefallenen jedoch irgendwie zu erinnern. Sie haben eine ungesunde Natur, und an ihnen angestellte Beobachtungen ergeben keine zu verallgemeinernden Schlußfolgerungen. Es handelt sich um Anomalien des Verhältnisses zwischen den Welten, die nur vom Standpunkt physischer Koordination her von Interesse sind. Beobachtungen jedoch, die an Gesunden während des Schlafes durchgeführt werden, können zu unersetzlichen Schlußfolgerungen führen.
Beim Studium der Überirdischen Welt laßt uns vor allem nicht die Traumerscheinungen vergessen. Die Wissenschaft sollte sich dem Zustand, der der Feinstofflichen Welt am nächsten steht, sehr aufmerksam gegenüber verhalten.
Der Denker sprach: "Wir dürfen über die Träume nicht in grober Weise reden. Ein feinstofflicher Zustand erfordert auch feinfühligste Beachtung."
657. Urusvati weiß, wie sorgfältig die sogenannten elektromagnetischen Erscheinungen studiert werden müssen. Erst kürzlich verbreiteten sich solche Stürme, doch wieder wurden keine Beobachtungen durchgeführt. Indessen ist es notwendig, nicht nur die atmosphärischen Vorgänge zu beobachten, sondern auch ihre Einwirkungen auf den menschlichen Organismus.
Selbstverständlich werden auch das Tier- und das Pflanzenreich aufschlußreiche Hinweise liefern. Und überdies werden die Gegner der energetischen Prinzipien wieder einmal bloßgestellt werden. Es ist zu wenig, wenn man beschreibt, die Übertragungen von Radio, Telefon und Telegraph seien gestört worden, denn dies ist noch keine Beobachtung, sondern nur eine Feststellung grober Folgen.
Mögen Ärzte, die große Krankenhäuser betreuen, erzählen, in welchem Ausmaß der Mensch verschiedene Anomalien während solcher atmosphärischen Stürme zeigt. Die Dauer der Stürme war lang genug, so daß für Beobachtungen ausreichend Zeit vorhanden gewesen wäre. Man hätte wenigstens Puls und Temperatur verfolgen können. Man hätte feststellen können, wie der ganze Organismus auf solche ungewöhnlichen Bedingungen erbebte. Es ist unzureichend, Veränderungen der Sonnenflecken zu bemerken. Und wer vermag zu behaupten, daß diese Explosionen die Ursache der kosmischen Stürme waren? Vielleicht handelte es sich dabei um die Einwirkung einer bestimmten Energie.
Möge man die Quelle kosmischer Energien nicht in irdischen Kräften suchen, jedoch ihre Einwirkungen auf die gesamte Umwelt studieren. Solche Beobachtungen stellen bereits ein Erforschen des Überirdischen dar.
Der Denker bat die Menschen schon vor langer Zeit, alle Naturerscheinungen zu beobachten: "Nicht nur besondere Gelehrte, sondern das gesamte Volk kann zu einem zuverlässigen Beobachter werden."
658. Urusvati weiß, welche Gefahren aufkommen, wenn Wissensfragmente in unsichere Hände gelangen. Ich spreche von unsicheren Händen, da Nichtwissen nicht so schädlich ist wie Verrat.
Man muß verstehen, welche Vorbereitung erforderlich ist, um Kenntnisse in ein geordnetes System zu fassen. Manche Führer ließen die Vorbereitungszeit absichtlich lange dauern. Sie sagten: "Wenn ein Bewußtsein noch nicht bereit ist, so möge die Vorbereitungszeit anstrengend gestaltet werden, und die Unreife des Bewußtseins wird schwinden."
Es ist richtig, wenn Wissen mit allen Maßnahmen gehütet wird. Ergreifen die Menschen doch die allerbesten Maßnahmen, wenn ein explosiver Stoff aufbewahrt werden soll. Dies tun sie nicht etwa, um ein Geheimnis zu wahren, sondern um eine Verwüstung zu vermeiden. So erweist sich auch Wissen in den Händen von Schadenbringern als ein hochexplosiver Stoff.
Wir achten immer auf eine angemessene Zunahme des Wissens und raten dazu, ungeordnetes Denken zu vermeiden, da es in Chaos übergehen kann. Wenn sich jemand enttäuscht zeigt und geht, braucht man ihm keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken; er ist noch nicht bereit, und man darf ihm einen richtigen Verlauf des Denkens nicht mit Zwang vermitteln. Doch selbst kleine Samenkörner des Wissens werden nicht verlorengehen, sondern eines Tages ihre Wirkung zeigen.
Der Denker sprach, als man Ihn nach etwas fragte, was noch nicht erkannt werden konnte: "Ein Jüngling bat einen Weisen, ihn die Staatsführung zu lehren. Der Weise sagte daraufhin: Gern, doch vorerst ernenne ich dich zum Regenten deines Herzens. Wenn du dieses Reich beherrschst, so komm wieder zu mir."
659. Urusvati weiß, daß das Maß der Arbeit für das Gemeinwohl das Kriterium zur Beurteilung eines Tatmenschen ist. Um diese Wahrheit näher zu beschreiben, erinnern Wir an eine einfache Erzählung aus dem alten Indien.
Am Rande eines Dorfes ließ sich ein unbekannter Mensch nieder. Der Fremdling bemerkte, daß die Bauern schädliches Wasser aus einem trüben Kanal nutzten. So begann er, einen Brunnen auszuheben. Ein guter Platz war bald gefunden, und eine unterirdische Quelle füllte den Brunnen. Böse Nachbarn jedoch, statt Anerkennung auszusprechen, flüsterten: "Er hat sich nicht für uns so abgearbeitet. Für sich hat er diese Quelle geöffnet!"
Der Fremdling sagte: "Wenn ihr davon ausgeht, werde ich für mich selbst das Wasser von weit her holen." Da dachten sich die Nachbarn eine neue Verleumdung aus, nämlich daß das Wasser des Brunnens vergiftet oder verzaubert sei, um das ganze Dorf zu töten. Als der Fremdling dies hörte, verließ er diesen bösen Ort für immer.
Die Leute mieden den Brunnen, doch das Vieh trank das herausfließende Wasser und gedieh prächtig. Nach längerer Zeit trank ein krankes Mädchen, vom Durst geplagt, aus dem Brunnen und genas rasch. Da vergaß die herangewachsene Generation die Lügengeschichten und entdeckte die Heilkraft der Quelle. Der verleumdete Fremdling wurde zu einem Heiligen ernannt, und um seine Person begannen sich Legenden zu ranken. Doch um von einem Vergifter zum Heiligen zu werden, brauchte es eine ganze Generation. Man kann sehen, wie das Volksgewissen über die Mühen für das Gemeinwohl urteilt.
Der Denker kannte eine ähnliche Erzählung aus dem Leben Griechenlands, doch war in ihr, anstelle eines Brunnens,
vom Pflanzen eines Baumes die Rede. Jedes Volk kennt ungerechte Richter und wahre Anerkennung.
660. Urusvati weiß, daß Beobachtungsfähigkeit sich unter ständiger Bestrebung, Scharfsicht und Bereitschaft ausbildet. Als Wir von unaufhörlicher Wacht sprachen, nahmen einige an, die Rede sei von irgend etwas Ungewöhnlichem unter besonderen Umständen gewesen. Sie vermochten es nicht zu fassen, daß Beobachtungsfähigkeit eine überaus gewöhnliche Eigenschaft ist; zumindest sollte sie es sein. Schon der einfachste Aufbau erfordert hohe Aufmerksamkeit. Man darf nicht denken, solch eine Eigenschaft bedürfe irgendeiner höheren Eingebung.
Die Menschen suchen gern für jeden beliebigen Fehler eine Rechtfertigung. So sagen sie: "Heute bin ich zerstreut", ohne jedoch über die Bedeutung solch eines bedauernswerten Zustandes nachzudenken. Zerstreut zu sein bedeutet, äußerst zerstörerische Einflüsse in sich zuzulassen. Man kann unmöglich über das Überirdische nachdenken, wenn das Denken zerstreut ist. Einen zerstreuten Führer erwartet eine Niederlage. So kann Tapferkeit niemals zerstreut sein. Man spricht von der Klinge der Tapferkeit, doch mit einer Handvoll Sand ist Tapferkeit nicht zu vergleichen.
Beobachtungsfähigkeit muß man erlernen. Ohne Beobachtungsvermögen kann man sich keinerlei Wissen aneignen. Einem Zerstreuten können Wir kein Zeichen geben. So muß gerade in den Gesprächen über das Überirdische die grundlegende Eigenschaft der Beobachtungsfähigkeit bekräftigt werden. Man kann Menschen begegnen, die versichern, infolge von Ermüdung die Beobachtungsfähigkeit verloren zu haben.
Der Denker sagte dazu: "Ein Vogel verlernt auch im Käfig das Fliegen nicht."
661. Urusvati weiß, daß eine Gedankenübertragung am besten von Menschen aufgenommen wird, mit denen bereits eine Grundschwingung hergestellt wurde. Des weiteren werden Sendungen auch von der Masse aufgenommen, wo jedoch die Schwingungen überhaupt in keiner Weise organisiert sind. Überaus schwierig ist es jedoch, in Verkehr mit einer kleinen Gruppe zu treten, die zwar mit einer gemeinsamen Angelegenheit beschäftigt ist, in der jedoch keine Harmonie herrscht.
Solche Gruppen können eine Aufnahme vollkommen verhindern. Dabei bilden sie sich
noch ein, in einer gemeinsamen Tätigkeit auch einmütig verbunden zu sein. Doch in Wirklichkeit erweisen sich solche Menschen nicht selten als Heuchler. Diese Eigenschaft kann bei ihnen absichtlich und bewußt oder unbewußt vorhanden sein. Besonders schwierig ist es, wenn eine einmütige Tätigkeit vermutet wird, statt dessen jedoch unsichtbare Pfeile die Herzen gegenseitig durchbohren.
Ist daher voller Erfolg zu erwarten, wenn die Hauptvertreter solcher Gruppen sich über gegenseitige Niederlagen freuen? Man kann ihnen unmöglich beweisen, daß sie damit nur ihre eigene Niederlage heraufbeschwören. Beispiele dafür lassen sich aus der Geschichte aller Völker und aus allen Jahrhunderten anführen. Auch jetzt, ungeachtet vieler Bücher der Lehre, kann man solche disharmonischen Vorgänge beobachten. Solch ein ungeordneter Zustand ruft Folgen hervor, wie sie die Teilnehmer gar nicht ahnen.
Der Mensch ist imstande, mit einer einzigen Handbewegung eine vernichtende Feuersbrunst zu erzeugen. Vielleicht wird er danach seine Unvorsicht bereuen, doch was nützt ein solches Bedauern dann noch? Es ist an der Zeit, die alte Heuchelei hinter sich zu lassen, die da flüstert: "Versündige dich nicht, tue Buße".
Der Denker sagte zu den Bürgern, die das Andenken des Perikles schmähten: "Mißgestaltete Zwerge, ihr habt Perikles wohl in der Dunkelheit gesehen, wenn ihr ihn euch als eine ebensolche Mißgeburt vorstellt, wie ihr es selbst seid!"
662. Urusvati weiß, daß Biologie und Ethik voneinander untrennbar sind. Früher hat man dieses gefühlt, dann wieder vergessen, und nun beginnt man, sich dessen erneut zu erinnern. Wir haben vom Gefühlswissen gesprochen; in diesem Begriff sind sowohl die Biologie wie die Ethik enthalten. Die Biologie darf keine trockene Wissenschaft sein, denn sie schließt auch das Verstehen des psychischen Lebens mit ein. Gerade dieses muß erforscht werden, erst dann kann man über die Ganzheit des Lebens sprechen.
Einige Wissenschaftszweige fordern für sich eine Begrenzung, andere dagegen werden nicht eingeschränkt, und darin liegt ihre Anziehungskraft. Auch der primitivste Materialist kann die wissenschaftliche Bedeutung der Biologie nicht leugnen und nimmt daher an weitgefaßten Erkenntnisaufgaben teil. Es ist unmöglich, Teile der Biologie herauszulösen, jeder ihrer Aspekte ist unlösbar mit
den folgenden verknüpft. Für unvoreingenommene Gelehrte besteht ein besonderer Reiz darin, daß dieser Bereich unbegrenzt ist. Wieviel benachbarte Bereiche dienen der Wissenschaft vom Leben!
Einer Unserer Freunde bezeichnete sich als Biologen, wies jedoch darauf hin, daß er gleichzeitig auch Psychologe bleibe. Doch diese richtige Definition ist selten anzutreffen. Meist suchen die Biologen sich vom Leben abzusondern und sich in Laboratorien einzuschließen. Kann aber ein echter Biologe ohne weitgefaßte Beobachtungen im Leben existieren? Wir möchten allen Freunden sagen, daß sie sich nicht scheuen mögen, sich als Biologen zu bezeichnen. Die Menschen bedürfen allgemein anerkannter Bezeichnungen.
Irgend jemand wird meinen, man müsse denjenigen, der über das Überirdische nachdenkt, passender als Astronomen bezeichnen, doch ist diese Überlegung unbefriedigend. Bis zum heutigen Tag verneinen gewisse Astronomen die Bewohnbarkeit der Planeten, und auf diesem Wege sind Wir nicht mit ihnen. Doch die Biologie berührt sehr leicht den Bereich der Ethik und wird von dort natürliche Zusammenarbeit erfahren. Freie Beobachtung führt zu wissenschaftlicher Erkenntnis.
Viele sind der Auffassung, der Begriff des Gefühlswissens setze den Wert des Wissens irgendwie herab, was wiederum ein Irrtum ist. Die besten Gelehrten erkennen das Element der Intuition an, und so treffen wir uns. Wir rüsten Unsere Freunde für weite Reisen aus. Sie können dabei allen möglichen Einwänden begegnen und müssen eine Antwort darauf bei sich haben. Auf der einen Seite werden die Abergläubischen sie auf den Scheiterhaufen zerren, und auf der anderen stehen die Dienstgelehrten, die erst einmal das Diplom sehen wollen. Man braucht Standhaftigkeit, die sich durch Wissen bildet. Hilfreich ist auch das Bewußtsein ferner Mitarbeiter. Der Beobachter des Lebens ist nicht allein.
Der Denker begriff die Bewohnbarkeit der Planeten. Er sprach: "Ich möchte nicht dem Wahnsinn verfallen, mir einzubilden, nur die Erde sei bewohnt."
663. Urusvati weiß, wie nutzlos eine Auseinandersetzung mit voreingenommenen Gegnern ist. Man muß verstehen, wo die Grenze einer nützlichen Verbreitung der Wahrheit ist. Man darf unmöglich dort beharrlich sein, wo das Herz versteinert und einer Aufnahme nicht zugänglich ist.
Es ist schwer zu fühlen, wo die Aufnahmefähigkeit endet. Wiederum ist nur
das Gefühlswissen in der Lage zu flüstern: "Geh fort, hier kann es kein Verstehen geben." Man muß die richtige Erkenntnis hüten, daß es besser ist, nicht zu Ende zu sprechen, als einen Gedanken weiterzuführen. Einige werden darauf bestehen, das ihnen übergebene Wissen müsse auch weitergeführt werden. Darin haben sie grundsätzlich recht, doch trägt jemand anders die Verantwortung für sie. Der Lehrer darf das Bewußtsein des Schülers nicht vorzeitig belasten, da dies eine Überbelastung bedeuten würde.
Möge alles zielgerichtet gestaltet werden. Hierfür macht die Kinder bereits von frühem Alter an mit der Größe und Erhabenheit des Weltalls bekannt. Mögen den Kleinen Mikroskop und Teleskop gezeigt werden. Noch besser ist es, sie in ein Observatorium zu führen. Ein solches Erlebnis wird sich tief und für immer in ihnen einprägen und eine besondere Ausrichtung des Denkens zeitigen. Man darf nicht befürchten, die Kinder verstünden das Gezeigte nicht. Sie werden das Gesehene nicht nur irgendwann verstehen, sondern auch Freude erfahren. Ebensowenig darf man fürchten, daß die Kleinen von dem Erlebnis erschüttert würden. Im Gegenteil, was ihre Weltanschauung erschüttert, sind die familiären Streitigkeiten.
Ebenfalls auf ein hohes Niveau heben muß man den Begriff des Volkslehrers, und zwar dahingehend, daß er eine der ersten Persönlichkeiten des Lebens in einem Staate ist. Wir sind sehr betrübt, die Erniedrigung des Lehrers sehen zu müssen. Mögen in allen Ländern die Lehrer wahre Erzieher des Volkes sein. Sie sollten ihm so viel geben, daß das Volk ihnen ein Leben voller Errungenschaften aufbaue. Kann aber ein erniedrigter und unterdrückter Mensch vom Überirdischen sprechen, auf die Schönheit des Himmels weisen und das Bewußtsein seiner kleinen Zuhörer erweitern?
Überdies sollte die Bekanntschaft mit dem Teleskop bereits vor dem Schulalter beginnen. Man darf den Kleinen die erhabensten Beobachtungen keineswegs vorenthalten. Natürlich, wenn wir den Zustand vieler ländlicher Gebiete sehen, ist der Rat bezüglich des Teleskops noch Utopie. Doch muß man dennoch damit beginnen, um des Gemeinwohls willen.
Der Denker sprach: "Bald wird das menschliche Auge nicht mehr genügen, um das bereits Vorbestimmte sehen zu können."
664. Urusvati weiß, daß Heldentum vielgestaltig ist. Man sagt, die Umstände machten jemanden zu einem Helden, doch ist es besser zu sagen, daß die Umstände den Helden erwecken. Viele verstehen diese Erscheinung überhaupt nicht, andere jedoch wissen von dem ihnen Vorbestimmten und tragen die Aufgabe von frühen Jahren an in sich. Einige spüren, daß sie etwas vollbringen müssen,
doch das Bewußtsein trug noch keine klare Weisung an sie heran. Gerade für diese, die von ihrer Natur her das Heldentum in sich tragen, werden die Umstände der Schlüssel sein. Diese lassen tiefliegende Saiten erklingen und tragen die Ausführung der Heldentat herbei. Die heutigen Menschen sprechen nicht gern von Helden und Heldentaten. Wenn die Geschichte von Heldentaten erzählt, zucken sie mit den Schultern und sagen: "Uns ist es nicht gegeben, eine Heldentat zu vollbringen." Darf man aber seine Unwissenheit derart offen bekunden?!
Jede Epoche räumt dem Heldentum einen Platz ein, vom Familienleben bis zu weltweiten Angelegenheiten. Man muß über die Grenzen des Alltagslebens hinaus auf die Belange des Gemeinwohls blicken können. Es tritt eine Vielzahl bedeutsamster Möglichkeiten auf, mögen die Menschen sich nur nicht vor dem Wort Heldentat schämen. Man könnte die aufschlußreiche, vergleichende Beobachtung anstellen, in welchem Volk das Wort Heldentum öfter verwendet wird. Bitten wir die Kleinen, Helden zu nennen, sie werden nicht in Verlegenheit geraten. Möge es ihnen gelingen, auch in der Zukunft ebenso feinfühlig die geliebten Helden zu bekunden.
In Indien gab es ein Spiel, bei dem man die allergrößten Heldentaten nennen mußte. Ein kleiner Junge nannte Krishna. Man begann, ihm Vorwürfe zu machen und sagte, Krishna sei ein Gott. Doch der Junge bestand darauf, daß Krishna vor allem ein Held sei, da er zum Nutzen des Volkes gearbeitet habe. Er wies auch darauf hin, daß Krishna die Sprache der Tiere kenne. Darauf sagte man ihm, Krishna habe mit wilden Raubtieren gespielt und sie verzaubert. Der Junge beharrte darauf, daß gerade dies bedeute, Krishna habe auch die Sprache der Tiere gekannt.
Der Denker erinnerte wiederholt an den Mythos von Orpheus und wies darauf hin, daß Orpheus ein Mensch gewesen sei.
665. Urusvati weiß, daß ein besonderer Anlaß vorliegt, wenn Wir an Krishna, Orpheus, Zarathustra und andere Lehrer der Menschheit erinnern. Die Lehrer gaben ihre Unterweisungen, verschieden in der Sprache und im Ausdruck der Lebensbräuche, doch das Wesen des Gelehrten blieb unverändert eines.
Die Arbeit einer vergleichenden Gegenüberstellung wurde bisher nicht durchgeführt. Man spricht von vergleichbaren Religionen, doch haben Wir in diesem Moment eine Auswahl der von den Lehrern gegebenen Grundlagen im Sinn. Wenn ein fleißiger Gelehrter alle Besonderheiten der Völker und Jahrhunderte auswählt, wird er
an ihrem Grund Vermächtnisse finden, wie von einer einzigen Persönlichkeit gegeben. Unterscheiden kann man mehrere Individualitäten, die fortschreitend ihre Aufgabe erfüllten, die in ständiger Vervollkommnung der Menschheit bestand.
In verschiedenen Jahrhunderten sprachen Lehrer, die einander nicht kannten, ähnliche Worte aus, ähnlich nicht nur dem Sinne, sondern auch dem Temperament nach. Selbst ein unkundiger Mensch kann auf den Gedanken kommen, ein Einziger habe diese Vermächtnisse gegeben. Kundige werden natürlich ihre Schlußfolgerungen ziehen.
Nützlich wird eine Arbeit sein, die das Allgemeinmenschliche dieser Vermächtnisse aufzeigt. Solch eine Arbeit wird schwierig sein, da nur allgemein anerkannte Quellen verwendet werden können, anderenfalls würde man dem nicht glauben wollen. Es wird nicht gelingen, äußerst wertvolle Literaturwerke anzuführen, da man ihnen nicht glauben wird. Doch allgemein anerkanntes, historisches Material wird es gestatten, einen aufschlußreichen Vergleich zu ziehen. Die Wahrheit muß man mit anerkannten Beweisen belegen.
Ungeachtet dessen, daß viele Materialien vernichtet sind, wird man genügend Aufzeichnungen finden können. Man muß die Aufzeichnungen der Schüler des Apollonius von Tyana und des Pythagoras verwenden. Aus ganzen Erzählungen lassen sich nur einige Wörter herauskristallisieren, doch diese Fragmente werden das Wesen der Lehre hinreichend beschreiben. Es wird sich erweisen, daß die verschiedenen Religionen zugehörigen Lehrer etwas Einheitliches bestätigt haben. Origenes sprach mit Worten aus mehreren Jahrhunderten, die er nie gehört haben konnte, doch bei eifrigem Studium ergäbe sich auch das Bild eines individuellen Weges. Solche Forschungen wären nützlich.
Der Denker sprach: "Wenn ich die Erzählungen der Fremden höre, scheint es mir mitunter, als spreche ein einziger Mensch. Ich sehe unterschiedliche Kleidung, höre verschiedene Sprachen, doch das Herz erkennt einen einzigen Menschen."
666. Urusvati weiß, wie der Weg der Vorausbestimmung verläuft. Die Technik der Prognose kann mit einem Boot verglichen werden, das steinige Stromschnellen durchfahren muß. Das Boot muß eine bestimmte Richtung einnehmen und die Last an ihren Bestimmungsort bringen. Die Richtung der Stromschnellen ändert sich jedoch ständig, und gefährliche Steine kommen immer wieder in den Weg. Der Steuermann muß während der Fahrt die am wenigsten gefährliche Strömung erfühlen.
Die Uferbewohner freuen sich und denken, das Boot strebe lustig seinem Bestimmungsort entgegen.
Sie sagen: "Der Steuermann kennt den Weg". Sie sehen aber nicht, wieviele Gefahren bereits mit einer einzigen Ruderbewegung umgangen werden. Der Steuermann darf in keine stille Seitenbucht einbiegen, da er von dort nicht mehr in die Strömung zurückfindet. Vieles muß geopfert werden, nur um nicht die richtige Richtung zu verlieren. Wasserspritzer vermischen sich mit Schweißtropfen, doch für die Zuschauer ist dieser Kampf nicht mehr als ein lustiges Treiben.
So ist es auch mit den Vorausbestimmungen. Nur wenige verstehen die ganze Schwingung der Anspannung. Jeder möchte seine Gewohnheit zur Vorschrift machen und die Anlegestelle auf seine eigene Weise festsetzen. Wenn er die Gefahren nicht sieht, heißt es für ihn, daß es sie auch nicht gibt. Er strickt sich seine eingebildeten Umstände zurecht und versteht nicht, welche Gefahren er damit heraufbeschwört. So versuchen die Zuschauer auch oft, den Steuermann zu verwirren. Doch je gefährlicher der Ort des Geschehens ist, desto behutsamer müssen sich die Zuschauer verhalten. Wahrlich, nur sehr wenige vermögen Prognosen in vernünftiger Weise, abseits von Selbsttäuschung, zu verstehen.
Man kann von einer Vielzahl Lichtstrahlen lesen, die von jedem Organismus abgegeben werden. So ist es auch. Dies ist nicht neu, doch jede solcher Überlegungen sollte auch auf gewisse Schlußfolgerungen stoßen. Die Wege von Gedankensendungen sind aufgrund unzähliger benachbarter Ausstrahlungen sehr gewunden. Auch die Schwingungen der Verbindungen sind sehr angespannt.
Urusvati hat die Dringlichkeit richtig bemerkt, zu den bereits aufgezeigten Themen zurückzukehren. Es handelt sich jedoch nicht um eine Wiederholung, sondern es vollzieht sich eine fortschreitende Erweiterung des Bewußtseins. Man kann sehen, wie innerhalb kürzester Abstände eine neue Prognose erfolgt. Es darf nicht erstaunen, daß die Vorausbestimmungen bei aller scheinbaren Verschiedenartigkeit innerlich doch verbunden sind. Gerade jetzt, bei den weltweit sich vollziehenden Ereignissen, läßt sich eine äußerliche Verschiedenartigkeit bei innerer Verbindung bemerken. Man muß verstehen, daß das Boot über gefährliche Stromschnellen getragen wird, seine Bestimmung fest ist, doch viele Klippen umfahren werden müssen. Dies wird keine Abweichung vom Wege sein, sondern kluge Zielgerichtetheit.
Wir sagen dies nicht in Untätigkeit, sondern inmitten angespannter Bestrebung - eine weitere Seite Unseres inneren Lebens.
Der Denker sprach: "Ich kann mir einen Steuermann in reißender Strömung gut vorstellen. Die Sonne strahlt, ringsherum völlige Stille, doch in seinem Herzen spüre ich den Sturm."
667. Urusvati weiß, daß die Großen Lehrer der Menschheit grausamen Verfolgungen ausgesetzt waren. Diese Wahrheit ist den Menschen in solchem Maße bekannt, daß sie sich ihrer nicht erinnern wollen. Gleichzeitig sind sie jedoch bereit, mit jedem Träger des Guten ebenso zu verfahren. Überdies ertragen sie es nicht, daran erinnert zu werden, daß die von ihnen Verfolgten eben diese Verfolgung in Freude aufnahmen, geradezu als sei sie eine Bestätigung ihrer Heldentat.
So können Wir auch auf einen Großen Tatmenschen hinweisen, den Wir den Unvergleichlichen Sänger nennen. Diese Bezeichnung kommt Ihm zu, da Er als erster auf die Macht des Tones hinwies. Natürlich legten die Menschen dies später falsch aus. Man muß darauf hinweisen, daß Er die Bedeutung der Einigkeit verstand. Er erklärte jede Zwistigkeit als Folge von Unwissenheit. Seine Arbeit am Begriff der Einheit und Einigkeit hinderte Ihn jedoch nicht, die Rüstung anzulegen, als Gefahr für die Menschheit aufkam.
Viele verstehen nicht, warum der genannte Sänger sich ebenfalls als Krieger erweisen konnte. Auf solche Weise tragen die Menschen überall Begrenzungen hinein. Doch der Mensch ist ein vollkommener Mikrokosmos; er trägt auch Blitze in sich, für den Fall, daß eine Entladung räumlicher Spannung erforderlich sein sollte. Man darf sich nicht verkleinern, wenn das Leben eine aktive Heldentat erfordert. So läßt sich verfolgen, wie große Tatmenschen die unterschiedlichsten Eigenschaften in sich aufzunehmen vermochten. Leider haben die Menschen die inneren Beweggründe der Helden nicht bemerkt, wodurch die Taten oftmals als einseitig erschienen und sogar Verurteilung hervorriefen.
Der Denker sprach: "Ich bin kein Krieger gewesen, doch wenn die Posaune mich ruft, werde ich in mir auch die Kraft finden, der Welt zu helfen."
668. Urusvati weiß, daß das Gedankenschaffen unzerstörbar ist. Es hängt von vielen Bedingungen ab, verwirklicht sich jedoch auch in der grobstofflichen Welt. Wir erinnern daran, da manche darüber in Verwirrung geraten sind, daß sich in Unseren Archiven viele unausgeführte Vorschläge befinden. In dem Gesagten liegt kein Widerspruch. Wenn eine Aufgabe heute nicht verwirklicht wurde, heißt dies nicht, daß sie nicht morgen sogar in viel besserer Weise Anwendung finden kann.
So sind die Menschen nach wie vor nicht in der Lage, vergleichende Gegenüberstellungen vorzunehmen. Es läßt sich
auf viele Beispiele verweisen, da die Menschen sich selbst eingrenzten, der Gedanke jedoch schon eine grobstoffliche Folge erzeugt hatte. Erneut berühren wir die Frage des Vertrauens, es ist wie ein Zement, das einen feinstofflichen Aufbau mit seiner grobstofflichen Verkörperung vereint.
Man muß die ethischen Grundlagen als überaus praktische, verwirklichbare Lösungsvorschläge erkennen. Weisheit ist nichts Märchenhaftes, sondern entsteht vor allem durch Vertrauen, das einen auch vor dem Schwanken bewahrt. Auch Zielgerichtetheit entsteht aus der Anwendung höchster ethischer Maßstäbe. Nur so ist es möglich, vergleichende Gegenüberstellungen zu begreifen. Nicht ohne Grund erkannte Buddha Seine Schüler an der unterschiedlichen Ausprägung dieser Gabe der Aufnahmefähigkeit.
Der Denker lehrte: "Es ist unmöglich, nur in einer einzigen Richtung den Pfad entlangzugehen; man muß auch nach Haus zurückkehren können."
669. Urusvati weiß, daß der Gedanke schafft und zerstört. Gleichzeitig sprechen Wir von der Unzerstörbarkeit des Gedankens. Darin liegt keinerlei Widerspruch. Zerstörung ist keine Vernichtung. Die von der Gedankenenergie geschaffene Substanz kann nicht vernichtet werden. Ein Baumeister kann sein Baumaterial nicht vernichten. Er kann die Hülle zerstören. Er kann den Zustand des Materials verändern, nicht jedoch vernichten. Dieser Grundsatz erlegt dem Denkenden eine besondere Verantwortung auf.
Es ist richtig, daß es unter den feinstofflichen Bildungen viel Häßliches gibt, das jedoch der Notwendigkeit zur Umwandlung unterliegt. Wieviel Energie aber ist erforderlich, aus unvollkommenem Material etwas Schönes zu gestalten! Unsere Beobachtungen bringen Uns nicht wenig Kümmernisse, wenn Wir sehen müssen, wie unüberlegt und geschmacklos kostbarste Energie vergeudet wird. Dabei muß man sehen, daß ein energischer und dabei vorurteilsvoller Geist viel Häßliches schaffen kann. Ihr wißt, daß das Vorurteil auch im irdischen Leben ein schlechter Ratgeber ist.
Es ist erstaunlich, wie sehr manche Denker vom Gefühl des Schönen entfernt waren! Auf anderen Gebieten bewiesen sie Logik des Denkens, doch im Bereich des Schönen blieb ihr Auge vollkommen geschlossen. Eine solche Mißbildung läßt sich nicht selten antreffen, und solche Verunstalter zeichnen sich durch großen Dünkel aus. Gewöhnlich
ist es mit ihnen in diesem Leben bereits hoffnungslos, und in der Feinstofflichen Welt erweisen sie sich dann als echte Schädlinge. Im irdischen Leben kann man mit ihnen unmöglich über das Überirdische sprechen, und in der Feinstofflichen Welt werden sie die Schönheit des Kosmos nicht sehen können.
Der Denker sprach: "Mensch, du schleppst eine lange Kette nichtswürdiger Gedanken hinter dir her. Willst du in der Überirdischen Welt etwa von denselben abscheulichen Begleitern umgeben sein?"
670. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen sich aus ihrer Natur her zum Ungewöhnlichen hinziehen lassen, gleichzeitig jedoch alles fürchten, was an das Ungewöhnliche erinnert. Man muß diese menschliche Eigenheit im Blick haben und darf von außergewöhnlichen Erscheinungen daher nur sehr vorsichtig sprechen. Es ist deshalb am besten, darauf hinzuweisen, man habe etwas von Zeugen erfahren, nicht aber sich selbst mit einzubringen. Anderenfalls werden die Menschen in Furcht geraten, auch wenn sie dies nicht gleich zeigen.
Als Beispiel läßt sich wiederum der Unvergleichliche, Vollkommene Sänger nennen. Er besaß viele außergewöhnliche Eigenschaften, vermochte jedoch nicht, über sie zu sprechen, so daß es den Anschein hatte, sie vollzögen sich ohne Seine Teilnahme in Seinem Umkreis. Er brachte mächtigste Klangeinwirkungen zum Vorschein, ohne zu verstehen zu geben, daß gerade Er die Ursache für die geschaffenen Stimmungen war.
Seine Unterweisungen wurden als dem Altertum entnommen erklärt. Er besaß hinreichend Geduld, den Menschen Seine Macht nicht zu zeigen, doch als einige Neider Ihn verdächtigten, die Quelle der außergewöhnlicher Fähigkeiten zu sein, setzten sie eine Verfolgung in Gang, die zu Seiner Ermordung führte. So kann man sehen, daß die Menschen einerseits alles Ungewöhnliche verbieten, es auf der anderen Seite jedoch selbst besitzen möchten. Man muß so feinfühlig sein, sogar das Wort "Überirdisch" nur im geeigneten Moment auszusprechen.
Der Denker sprach: "Gebt acht, daß das Überirdische sich nicht in Unterirdisches verkehrt."
671. Urusvati weiß, daß die Kosmologie an allen Schulen eingeführt werden sollte, als eines der anziehendsten Fächer. Gerade sie sollte
alle Bereiche des Weltwissens mit einschließen. Wenn die Menschen das Bewußtsein des Volkes umwandeln wollen, sollten sie es mit den Grundlagen des Weltalls vertraut machen und dies in wissenschaftlicher und anziehender Weise tun.
Mögen solche Einführungen in die Beschreibung des Weltalls in Form von Gesprächen erfolgen, ohne Prüfungen, die die Liebe zum Fach stören könnten. Wenn das Bewußtsein eines Schülers Splitter des Gegebenen bewahrt, wird er die Liebe zur Erkenntnis der Grundlagen leicht in sich entfachen. Wahrlich, Kosmographie muß in anziehender Weise unterrichtet werden. Hierbei müssen fortwährend neue wissenschaftliche Entdeckungen miteinbezogen werden. Mögen auch die Lehrbücher so gestaltet werden, daß neue Erkenntnisse leicht eingefügt werden können.
In einer umfassenden Betrachtung des Kosmos werden viele Einzelfächer zu einer Synthese zusammenkommen. Astronomie, Astrochemie, Astrologie und Volksglauben werden alle in wissenschaftlicher Erklärungsweise hierin Platz finden. Wahrscheinlich wird die ältere Generation ein solches Fach für undurchführbar erachten, doch haben Wir die Jungen im Blick. Auf solche Weise geht das Überirdische in ein feinfühliges Bewußtsein ein.
Der Denker erinnerte daran, daß einzelne Wissenschaften dereinst wahre Mitarbeiterinnen würden.
672. Urusvati weiß, wie beharrlich Unsere Gedankensendungen sind. Der Unkundige könnte sich wundern, weshalb Wir mitunter das Gesagte nahezu wiederholen. Doch der Erfahrene wird verstehen, daß eine solche Vertiefung ihre Ursache in einer Bestätigung von Energie im Raume hat. Man muß verstehen, daß es im Umkreis Unserer Mitteilungen viele Gründe für bestimmte Erscheinungsweisen gibt. In ihrem Egoismus meinen die Menschen, alles werde nur für sie, für einzelne Personen gemacht, vergessen dabei jedoch das Gemeinwohl.
Es läßt sich ebenso beobachten, wie verschieden Unsere Mitteilungen im Rhythmus und im Klang sind. Manchmal bewegen sie sich in Gedankenschnelle, dann wiederum sind sie derart klar und deutlich artikuliert und so beharrlich im Ausdruck, daß sie eine starke Schwingungsreaktion bewirken.
So läßt sich auch beim Aussprechen eines Mantrams bemerken, daß entweder ein Rhythmus überwiegt, in dem einzelne Worte untergehen, doch dann wieder eine laute, deutliche Aussprache
jedes einzelnen Wortes erforderlich ist. So wißt ihr, daß ein um Hilfe rufender Mensch sich bemüht, jede Silbe einzeln auszusprechen. Überdies kommen Unsere Mitteilungen entweder überaus schnell oder langsam herbei. Unsere komplizierte Arbeit erfordert viele Methoden.
Der Denker sprach: "Glaubt nicht, es sei etwas nur für euch bestimmt. Es kann sein, daß viele Wege um höherer Gedanken willen begangen werden müssen."
673. Urusvati weiß, daß bei jedem bedeutenden Ereignis außer vielen kosmischen Einflüssen vier Schichten menschlichen Denkens teilnehmen. Die erste Schicht wird von Personen gebildet, die unmittelbar an der Schlacht teilnehmen, denn jedes Ereignis ist eine Schlacht. Jene Kräfte der Feinstofflichen Welt, die nicht weniger als die Verkörperten kämpfen, bilden die zweite Schicht. Die dritte Schicht wird von Teilnehmern gebildet, die nicht körperlich, sondern im Geiste kämpfen. Die vierte Schicht wird von sichtbaren wie unsichtbaren Führern gebildet.
Die ersten beiden Schichten wurden von Uns bereits mehrfach erwähnt, doch über die dritte Schicht muß gesprochen werden, da sie immer mehr Teilnehmer gewinnt. Die Menschen nehmen bewußt und unbewußt an komplexesten Ereignissen teil. Man kann sehen, daß die Gedanken dieser vielen Menschen eine mächtige Kraft bilden, die durch ihre Ungeordnetheit gefährlich ist.
Menschen, die unverantwortlich und unbewußt denken und handeln, sich jedem beliebigen Einfluß unterwerfen, zu jeglichem Verrat bereit und von Bosheit erfüllt sind, diese Menschen füllen den Raum fortwährend mit ihrem unratvermehrenden Denken an. Es macht ihnen nichts aus, jeden Tag ein anderes Geschrei von sich zu geben, und sie erweisen sich als Quellen psychischer Epidemien.
Damit nicht genug, schaden sie den Gedankensendungen bewußter Mitarbeiter des Guten. Sie vergiften oftmals die Atmosphäre, so daß viel Energie erforderlich ist, um solche finsteren Sendungen unschädlich zu machen. Sie verstehen den ganzen angerichteten Schaden gar nicht und möchten nicht wissen, welche Hindernisse sie auf dem Weg der Evolution schaffen.
Man könnte fragen, was hieran neu sei, da doch die böswillige Unwissenheit schon seit langem als das Verderblichste erkannt wurde. Doch gerade jetzt, zur Zeit des Harmagedon, nehmen
die Legionen der Schädlinge zu. Sie vernichten nützliche Arbeiten von Helfern des Wohls in einem solchen Maße, daß vor solchem Wahnsinn besonders gewarnt werden muß. Solche Störung von Schwingungen ist ungehörig. Die träge Volksmasse unterwirft sich auch leicht der Lüge.
Der Denker wies wiederholt darauf hin, daß Unwissenheit eines der aktivsten Prinzipien ist und deshalb gefährlich.
674. Urusvati weiß, daß das Fehlen von Angemessenheit als psychische Blindheit zu bezeichnen ist. Die Menschen wollen mitunter eine verheerende Feuersbrunst nicht bemerken, nur um in ihrem gewohnten Alltagstrott zu bleiben, geraten jedoch gleichzeitig über eine durchs Fenster hereinkommende Fliege in Entsetzen. Es ist notwendig, in allem Handeln die vielfach verlorene Scharfsicht zu entwickeln, da der Mensch anderenfalls in eine Primitivität eigener Art fällt.
Ist es nicht befremdlich, daß die Menschen ihre grundlegenden Eigenschaften nicht entwickeln und sich sogar bemühen, nicht über die psychische Seite des Lebens nachzudenken? Um so schwerer ist es, das menschliche Denken zum Überirdischen zu lenken. Es ist unmöglich, den Stadtbewohnern von einem weitgefaßten Verstehen der überirdischen Bereiche zu reden. Sie meinen, sich die wissenschaftlichen Begriffe bereits angeeignet zu haben, ohne aber geistige Erkenntnisse in die Wissenschaft miteinbeziehen zu können.
Glaubt nicht, Wir sähen viele Mitarbeiter, die Überirdisches ins physische Leben umsetzen könnten. So erhieltet ihr einen Brief, in dem Unsere Weisungen als nicht konkret bezeichnet werden. In solchen unüberlegten Urteilen birgt sich eine wahre Tragödie. Haben die Personen, die von einer angeblichen Abstraktheit Unserer Lehre schreiben, denn selbst überhaupt nachgedacht, wo die Grenze zwischen Realität und Abstraktheit verläuft?
Wir weisen darauf hin, daß Realitätssinn gerade jetzt äußerst notwendig ist, da die Welt eine gefährliche Stufe der Umgestaltung durchläuft. In einer solchen Zeit wäre es unzulässig, sich in Abstraktheiten zu ergehen, wenn jede Stunde eine realistische Entscheidung erfordert. Die psychisch Blinden vermögen jedoch nicht zu unterscheiden, wo unaufschiebbare, arbeitsreiche Realität ist und wo schädliche Abstraktheit. Sie selbst füllen das Leben mit Abstraktheiten an und sehen nicht, welchen Schaden sie verursachen. Urusvati erinnert sich, wie die herausgeputzte Menge zu dem Schauspiel eilte, während das Gebäude bereits einstürzte.
Der Denker lehrte: "Erkennt die Wirklichkeit, und befreit euch dadurch von den Ketten der Sklaverei."
675. Urusvati weiß, daß einige darauf bestehen werden, die körperliche Teilnahme an einem Kampf sei kraftvoller und schwieriger als ein psychischer Kampf. Solch ein Irrtum resultiert aus einem völligen Nichtverstehen des psychischen Lebens. Es ist sogar unmöglich, körperliche und psychische Anspannung zu vergleichen, um so bedeutsamer ist die zweite in jeder Hinsicht.
Feinstoffliche Energien sind stärker als alle von Muskeln erzeugten, doch die Menschen können infolge ihrer falschen Lebensführung auch dieses Axiom nicht aufnehmen. Man muß es oft wiederholen, daß eine körperliche Niederlage mit den Leiderfahrungen der feinstofflichen Hüllen nicht zu vergleichen ist. Die größten körperlichen Gefahren können nicht mit psychischen Gefahren verglichen werden. Und die bedrohlichsten körperlichen Veränderungen sind nichts im Vergleich mit den psychischen Wechseln zwischen den Welten.
Auch nun, da die Menschheit im Kampf um die Gestaltung der Welt angespannt ist, muß man der psychischen Seite des Lebens Aufmerksamkeit widmen. Es gibt jedoch auf solch einem natürlichen Evolutionsweg viele Hindernisse. Die Menschen werden mit aller Kraft widerstreben, um nützliche Kenntnisse nicht in ihr ärmliches Bewußtsein eindringen zu lassen. Es wird besondere Aufstände gegen die Erweiterung des Bewußtseins geben. Statt dessen werden unwürdigste Maßnahmen ergriffen, um eine Verbreitung notwendigen Wissens zu verhindern.
Es ist aufschlußreich, den Geisteszustand solcher Aufständischen zu beobachten. Sie werden verschiedene Schlußfolgerungen erfinden, um über die psychische Energie zu spotten und sie herabzusetzen.
Freunde, jeder von euch kann Beispiele aus seinen Beobachtungen anführen, als er Widersprüchen gegen Offensichtliches begegnen mußte.
Der Denker lehrte: "Fürchtet die Unwissenden nicht, sondern eilt nur schneller auf dem Weg zur Erkenntnis voran."
676. Urusvati weiß, daß jede bedeutende Eröffnung, jede Verkündung nur von einer Minderheit, einer überaus kleinen Minderheit aufgenommen und im Leben ausgeführt wird. Dem Wesen der besten Verkündungen begegnet die Mehrheit mit Haß. Nicht nur Widerstand, sondern geradezu wütender Haß schleicht den nützlichsten Eröffnungen hinterher.
Jemand wird denken, man müsse die Ursache dafür im Neid suchen, doch liegt die Ursache tatsächlich viel tiefer. Die Ursache ist der Widerstand des Chaos gegenüber allem Schöpferischen. Man kann die Nützlichkeit von Verkündungen sogar daran messen, wieviel Haß dagegen ausgespien wird. Nicht allein böser Spott, sondern verderblichster Haß folgt allem nach, was einer Erneuerung des Lebens dient. Bemerkt, wie nahe solche Hasser dem Verrat stehen. Sie sind zu raffiniertesten Taten bereit, um einer Sache zu schaden, die ihnen keineswegs zum Nachteil gereichen würde.
Die Hasser sind in zwei Arten einzuteilen. Die einen dienen nützlichen Verkündigungen als Megaphon. Es wurde richtig bemerkt, daß starke Menschen sich mitunter mit der ausgeprägten Bestimmung verkörpern, einer ganzen Bewegung als Megaphon zu dienen. Man muß verstehen, daß das Karma bei einer solchen festgelegten Bestimmung nicht belastet wird. Doch muß daran erinnert werden, daß die zweite Art der Hassenden sehr schädlich ist, da sie versuchen, der Menschheit auf dem Wege ihres Fortschritts Lügen zu vermitteln.
Nicht nur einmal sind euch solche Schädlinge begegnet. Man darf sie unmöglich damit rechtfertigen, daß sie besessen seien. Sonst fände jeder willensschwache Mensch seine Rechtfertigung. Wir sind gegenüber solchen, verderblicher Besessenheit Unterworfenen sehr vorsichtig.
Man muß verstehen, daß der überirdische Bereich die Wut solcher Hasser besonders weckt. Sie wollen lieber in ihrem alten Plunder verbleiben, bemühen sich jedoch, eine Maske der Vernunft aufzusetzen. Viele Wege werden durch solche Heuchler versperrt. Möge die Wissenschaft in weitgefaßter Weise zu uneingeschränkter Erkenntnis führen.
Der Denker kämpfte bereits mit solchen Hassern. Er warnte die Schüler, keine philosophischen Abhandlungen offen liegenzulassen: "Vergeßt nicht, daß sich unter den sogenannten Verwandten Haßerfüllte befinden können."
677. Urusvati weiß, daß sogar eine kleine Unpäßlichkeit eines Heerführers einen entscheidenden Einfluß auf wichtige Ereignisse ausüben kann. Die Historiker nennen dies Zufall, doch in Wirklichkeit lassen sich viele Ursachen erkennen. Außer den verschiedenen menschlichen Einflüssen können besondere kosmische
Bedingungen herrschen und, über allem, das unerbittliche Rad des Gesetzes.
Man sollte nicht denken, daß ein besonders bedeutendes Ereignis ebenso große Einwirkungen erfordere. Es läßt sich sehen, daß das Schicksal eines Volkes von kleinen Umständen abhing. Solche Beobachtungen sind überaus aufschlußreich, da sie aufzeigen, daß die Wechselbeziehung der Dinge nicht von ihrem physischen Ausmaß, sondern von feinstofflichen Wechselbeziehungen bestimmt ist. Es ist besonders bedeutsam zu sehen, wie große Ereignisse des Harmagedon ihr Gleichgewicht in unwägbaren kosmischen Bedingungen haben.
Es ist offensichtlich, wie gut das Karma diejenigen erreicht, die Ungerechtigkeiten vollbracht haben. Dabei läßt sich erkennen, wie gewunden die Wege des vollkommenen Gesetzes sind. Gewöhnlich erkennen die Menschen solche feinstofflichen Entsprechungen nicht an. Ihnen erscheint sogar die gerechteste Entscheidung als unzulässig, derart sind die überirdischen Bedingungen von den irdischen verschieden. Man muß jedoch die überaus komplizierten Aufspeicherungen, in denen sowohl die irdischen als auch die überirdischen Wechselbeziehungen zum Ausdruck kommen, in Betracht ziehen. Durch persönliche Vertiefung des Denkens läßt sich das erkennen. Niemand vermag dasjenige in Worten wiederzugeben, wohin nur das Gefühlswissen vordringen kann.
Der Denker lehrte Seine Schüler, das Wesen der Ereignisse zu erkennen. Gewöhnlich ähnelt ihr Äußeres nicht ihrer inneren Bedeutung.
678. Urusvati weiß, daß eine Voraussage und ihre Verwirklichung von vielen Umständen abhängig ist. Möge ein schwacher Mensch keine Voraussagen berühren. Er wird aus seinem bedingten Verständnis heraus über sie urteilen und dadurch nur den Fluß wichtiger Ereignisse erschweren. Jeder kann auf seine Weise einen Prozeß erschweren. Dabei kann sich auch ein Mensch, der ansonsten wenig nachdenkt, in bestimmter Hinsicht als Fanatiker erweisen und alles Existierende mit seiner Voreingenommenheit überziehen. Eine Voraussage erfolgt gewöhnlich frühzeitig, und es ist gefährlich, sie mit einer erdachten Frist einzuengen.
Ebenso muß man verstehen, daß eine Voraussage vor ihrer Verwirklichung bereits den Raum psychisch anspannt und dadurch, wenn auch unsichtbar, schon bei vielen weltweiten Ereignissen mitwirkt. Es ist lehrreich zu beobachten, wie Unsere Voraussagen sich verwirklichen.
Der Denker sprach: "Glaubt nicht, etwas existiere nur deshalb, weil ihr es mit irdischen Augen seht. Es kann sein, daß es schon früher im Raum geboren wurde."
679. Urusvati weiß, daß das Überirdische von jedem beliebigen Gesichtspunkt aus studiert werden kann, wenn der Erkenntnisprozeß nur nicht eingegrenzt und von Vorurteilen bestimmt ist. Auf diese Weise kann sich jeder Wissenschaftsbereich den Zugang zum Überirdischen öffnen. Die Astronomie wird eine Wandlung hin zur Erkenntnis von der Bewohntheit der Welten vollziehen. Die Physik wird der Astrophysik einen Platz einräumen. Die Chemie wird sich der Astrochemie erinnern. Das Überirdische wird die Philosophie und die Psychologie verschönern. Die Physiologie wird die Verbindung des menschlichen Organismus mit dem Kosmos aufzeigen. Die Geschichte wird sich bemühen, wertvolle Hinweise in alten Schriften zu finden.
Es läßt sich bereits erahnen, daß die Radioübertragung und die Television neue Aussagen über das Überirdische ermöglichen werden. Auf solchem Wege werden sogar die sogenannten positiven Wissenschaften, die nur vorgeblich reale Tatsachen gelten lassen, der Bewußtseinserweiterung dienen.
Man braucht nicht erst irgendeinen ungewöhnlichen Epochenwechsel erwarten, wenn doch jeder unbeschränkte Geist sein Verständnis unmittelbar jetzt vertiefen kann. Hierbei werden dann auch verleumdete Wissenschaften, wie die Astrologie, Alchimie und das übrige Wissen über die feinstofflichen Energien, wieder aus ihrer Asche emporsteigen. Wenn die Menschheit frühere Errungenschaften nicht verwirft, kann sie das Leben erneuern. Möge nur jeder anstelle des Wortes "es darf nicht sein" das Wort "es kann sein" sagen. Nur in solcher Selbstöffnung werden die Menschen an das Studium lebenswichtiger Bereiche herangehen können. Selbst die Geologie kann Hinweise auf die Bildung von Erdschichten geben, die sich unter Einfluß überirdischer Ursachen vollzogen hat.
Der Denker wies auf die Erde und sprach: "Auch du, Erde, gemahne uns an die Überirdische Erhabenheit."
680. Urusvati weiß, daß die Stufe der Bereitschaft der beste Maßstab für den Erfolg ist. Von welcher Bereitschaft sprechen Wir? Man kann ein örtlich geltendes Gesetz kennen und bereit sein, ihm aufs Wort Folge zu leisten, doch wird die Folge solcher Bereitschaft gering sein. Man muß sich wahre Bereitschaft erringen. Wenn Wissen und Gefühlswissen miteinander im Einklang stehen, wird der Mensch durch viele Sendungen erstarken, die er behutsam und bewußt aufnimmt.
Die Menschen werden oftmals durch Zwang zu einer bestimmten Arbeit hingezogen, die ihnen als Verpflichtung auferlegt wird, doch führt solcher Zwang nicht zum Guten. Der Mensch ist noch nicht bereit, die Bedeutung der ihm auferlegten Arbeit zu erfassen. Es ist an der Zeit, daß die Menschheit begreift, worin wahre Bereitschaft besteht. Bei wahrer Bereitschaft werden die Menschen zu Helden. Ein solch hoher Zustand wird eintreten, wenn der Mensch auf natürliche Weise die Schönheit angespannter Bereitschaft erkennt.
Der Denker sprach: "Wer die Speise nicht zum Munde führt, wird auch nicht satt werden."
681. Urusvati weiß, daß Schweigen ein Zeichen von Anspannung ist. Vor langem wurde gesagt, daß Stille lauter sei als Gewitter und Wirbelsturm. Aber waren es viele, die diese kosmische Wechselbeziehung verstanden? Gewöhnlich verstehen die Menschen Schweigen in der Weise, daß jemand etwas Wichtiges nicht sagen will.
Die Menschen verstehen alles durch die Brille ihrer Selbstsucht; sie möchten etwas erfahren, was vielleicht überaus alltäglich ist, ohne aber die Überlegungen und Beweggründe des Gesprächspartners in Betracht zu ziehen. Sie vergessen jedoch, daß große Anspannungen in der Welt herrschen können, besonders im Überirdischen Bereich. In solcher Zeit sollte sich jeder vernünftige Beobachter feierlichem Schweigen hingeben, dagegen versucht Unvernunft aus etwas Erhabenem ein eigennütziges Alltagsgeschehen zu machen. Daher ist es oftmals schwierig, vom Überirdischen zu sprechen, wenn jemand das Gespräch ins Persönliche zu wenden sucht. Wer über das Überirdische nachdenkt, möge es seinen persönlichen Erfordernissen gegenüberstellen, vergleichen und verstehen, daß das Große auch dem Kleinen hilft.
Der Denker forderte Seine Schüler dazu auf, sich die Bedeutung des Schweigens ganz bewußt zu machen und sich davon durchdringen zu lassen.
682. Urusvati weiß, weshalb Wir oft an die Ruhe erinnern. Über sie muß dasselbe wie über das Nirvana gesagt werden. Für gleichgültige Menschen bedeutet Ruhe Gedankenlosigkeit, Willenlosigkeit und Gleichgültigkeit, doch für starke Menschen ist sie höchste Anspannung, in der eine Erweiterung des Bewußtseins, Weisheit und Tapferkeit zum Ausdruck kommen. Auf solche Weise ist Ruhe die Offenbarung erhabener Größe und Stärke. Auf solche eine Ruhe muß man sich bewußt vorbereiten und verstehen, daß Sendungen psychischer Energie unumgänglich sein werden.
Urusvati versteht es richtig, daß die Weltereignisse eine besondere Abgabe psychischer Energie erfordern. Je verfeinerter ein Organismus ist, in um so stärkerem Maße
gibt er diese Energie ab. Man kann daher eine unverstandene Müdigkeit bemerken, die die Mehrheit der Menschen ergreift. Es entsteht daraus eine Epidemie eigener Art, die von der Wissenschaft noch nicht verstanden wird. Erst später werden die Menschen begreifen können, wo ihre Energie erforderlich war und welcher Magnet sie dorthin zog.
Zur Zeit lassen sich ähnliche Erscheinungen beobachten, in denen die Verbindung des Irdischen mit dem Überirdischen klar zum Ausdruck kommt. Werdet fähig, echte Ruhe zu bewahren.
Der Denker sprach: "Ich weiß nicht, wohin meine Kraft fliegt. Möge sie zum würdigsten Geschehnis eilen."
683. Urusvati weiß, daß ein in Unruhe geratener Mensch die gesunden Schwingungen verliert und in einen Zustand zerstörerischer Schwingungen gerät. Doch wird er dadurch nicht nur selbst leiden, sondern auch zu einem psychischen Infektionsherd werden. Solche Menschen, die zur Ausbreitung von Epidemien führen, müssen unter medizinischer Beobachtung stehen, doch müssen die Ärzte natürlich vorher die Ursache solcher Erkrankungen erkennen. Sie dürfen den Organismus des Kranken nicht mit Narkotika vergiften. Diese vermögen das Bewußtsein nur vorübergehend zu betäuben, ohne daß die Ursache beseitigt würde. Im Gegenteil, wenn die Narkotika ihre Kraft verlieren, nehmen Erregung und Unruhe wieder zu. Sie akkumulieren sich geradezu, um dann mit doppelter Kraft über den ungeschützten Organismus herzufallen.
Man kann beobachten, daß allein psychische Einflußnahme das beste Heilverfahren sein wird. Man kann die Energie aus weiter Entfernung auf den Kranken richten, doch nur, wenn er nicht dagegen handelt. Viele Manien entwickeln sich aus einer ständigen Unruhe. Aus der Feinstofflichen Welt kann man beobachten und staunen, aus welch geringfügigen Anlässen die Menschen aus dem Gleichgewicht geraten.
Die Zeit selbst beweist, daß das Gespenst gar nicht so fürchterlich war und die Menschen die unruhige Stunde ausgezeichnet durchstanden. Der Hauptschaden besteht jedoch darin, daß der in Unruhe Geratene nicht über das Überirdische nachzudenken vermag.
Der Denker sagte einem erkrankten Nachbarn: "Freund, hat es sich denn gelohnt, durch ständiges Darüberreden eine Krankheit heraufzubeschwören?"
684. Urusvati weiß, daß jeder von Uns irgendwann einmal seine psychische Energie den grobstofflichen Bedingungen der Erde angepaßt hat. Ein solch schwieriges Herangehen ist nicht schnell durchführbar. Es muß auch daran erinnert werden, daß solche Prozesse mit irdischen Mitteln vollbracht werden müssen.
Glaubt nicht, daß irgendeine Magie oder Zauberkunst bei diesem ersten Herangehen an das Irdische hätten helfen können. Wir mußten vor allem Beobachtungsvermögen entwickeln, um die Berührung mit den kosmischen Kräften wahrzunehmen. Es vollzog sich genau dasselbe, wie Wir es auch euch allen raten.
Man darf sich nicht über angeblich seltene überirdische Offenbarungen beklagen; es sind ihrer viele, doch man muß ihre Einwirkungen verspüren. Ebensowenig darf man natürlich in Übertreibungen verfallen. Ihr wißt, daß manche neu Herantretenden bereit sind, jede flüchtige Berührung als etwas Gigantisches zu erklären. So darf man nicht erwarten, daß der Prozeß der Bewußtseinserweiterung schnell verlaufen könne. Der Mikrokosmos bedarf planmäßiger, ständiger Aufspeicherungen, sonst wäre er dem Makrokosmos nicht ähnlich.
Die wesentliche Eigenschaft besteht jedoch darin, daß jede Aufspeicherung unauslöschlich ist und nichts die Qualität der psychischen Energie zerstört. Dies bedeutet, daß es nützlich ist, solche Energie anzusammeln. Und jeder kann sich jederzeit die gute Aufgabe stellen, die Qualität der psychischen Energie zu steigern. Dies wird eine Arbeit zur Erkenntnis des Überirdischen sein.
Beginnt die Beobachtungen mit dem Einfachsten, mit dem Kleinsten. In jeder beliebigen Umgebung kann man kosmische Zeichen wahrnehmen. Wenn meteorologische und seismographische Beobachtungen möglich sind, so sind es kosmische ebenfalls, von Uns überirdische Beobachtungen genannt.
Jeder kann ein Tagebuch anfangen mit Aufzeichnungen über Vorgefühle, Wahrnehmungen im Zusammenhang mit Ereignissen, so wie allen ungewöhnlichen Erscheinungen. Mit der Zeit wird man viele frühere Fehler bemerken können. Sie sind unvermeidlich, da das Zusammenwirken von Strömen schwer wahrzunehmen ist. Seid über Unsere vorbeugenden Hinweise nicht betrübt. Wir selbst haben solche Beobachtungen unter schwierigen Bedingungen gesammelt.
Ein Umstand jedoch bildet einen besonderen Reiz, nämlich, daß bei kosmischen Beobachtungen Begriffe wie reich oder arm, berühmt oder einfach keine Gültigkeit haben. Allen Menschen ist der Weg zu uneingeschränkter Erkenntnis
geöffnet. Selbst die Erkenntnis der eigenen Fehler führt zu neuem Verstehen. Wie herrlich ist es, sich fortschreitend anhand von Erfahrungen zu erproben, jeder neue seelische Zustand ist dann besser als der vorherige.
Das Vorgefühl ist eine Stufe des Gefühlswissens, doch möge physischer Überfluß das feinstoffliche Gefühlswissen nicht verdrängen. So denkt daran, daß jeder einen unbeugsamen Wunsch in sich entfachen muß, sein Gefühlswissen zu verfeinern. Wünscht und strebt.
Der Denker sprach: "Aus meinem kleinen Fenster kann ich die gestirnte Erhabenheit schauen."
685. Urusvati weiß, daß sich die heutige Wissenschaft vor einem Jahrhundert zu entwickeln begann. Eine jede Neubildung solcher Art hat den Auftrag, früher gewonnene Erkenntnisse in die Tat umzusetzen, ist aber auch von einer Aufteilung in viele verschiedene Wege geprägt, was eine schädliche Eingrenzung verursacht. Auch ist die Menschheit jetzt auf eine neue Stufe gelangt, auf der alte Wahrheiten in Erscheinung treten und die Notwendigkeit einer Synthese zu spüren ist.
Was aber ruft solche Merkmale der Erneuerung hervor? Man darf nicht glauben, daß die Schulbildung befriedigend sei. Ebensowenig darf man sich damit beruhigen, daß unabänderliche Fristen eintreten und karmische Ströme schon irgendwie auf die Menschheit einwirken würden. Man muß auch nach weiteren Ursachen forschen, die eine Wandlung des Denkens unterstützen. Unter diesen Ursachen befinden sich die verstärkte Einbeziehung ungewöhnlicher Kräfte der Elektrizität wie auch die verstärkte Produktion chemischer Stoffe. Auf solche Weise können durchaus physische Ursachen Einfluß auf das Denken auszuüben. Genau diese Ursachen bewirken auch Entzündungen der Drüsen.
Der Mensch bemerkt nicht, wie sehr er sich auf seinen engbegrenzten Wegen materiellen Zweckmäßigkeitsdenkens dennoch einer Verfeinerung des Bewußtseins annähert. Natürlich dürfen wir nicht glauben, daß ein derartiges Zweckdenken bereits eine neue Epoche schaffen würde, doch wenn die Djin Tempel erbauen können, so wird auch die durch chemische Substanzen erzeugte Anspannung die Menschheit zu verbessertem Suchen drängen. So können selbst die Tage des Harmagedon Samenkörner fortschrittlicher Erscheinungen schaffen.
Der Denker sah das Stöhnen der Menschheit bereits lange voraus, doch sah Er auch, daß sich dieses Stöhnen in einen feierlichen Siegesruf verwandeln würde.
686. Urusvati weiß, daß man Unsere Hinweise auf die Notwendigkeit kosmischer Beobachtungen mit skeptischen Bemerkungen bedenken wird. So wird man sagen: "Welche Bedeutung könnten solche nichtigen menschlichen Versuche vor der Unbegrenztheit haben? Doch nicht mehr, als ein Schmetterlingsflug zum Mond." Solche Vergleiche darf man jedoch nicht anführen, denn die psychische Energie des Menschen besitzt eine große Macht.
Nicht alle Diamanten wurden durch berühmte Gelehrte gefunden. Erinnern wir uns, welch ausgezeichnete Entdeckungen durch ganz einfache Menschen gemacht wurden. Laßt uns hierbei nicht auf die Ursachen schauen, denn ohne Ursache geschieht nichts, sondern laßt uns nur daran denken, daß sich selbst Kinder als ausgezeichnete Beobachter und Entdecker erwiesen. Es sind kosmische Fristen gekommen, unter denen sich viele originelle Denkweisen entwickeln.
In diesem Zusammenhang muß man sich vor Personen vorsehen, die sich als erleuchtet bezeichnen. Kein Philosoph hat je einen solchen Dünkel zugelassen. Keiner Unserer Mitarbeiter wird sich hochmütig seines Wissens rühmen. Jeder von Uns verfügt über eine gewisse Erfahrung, wobei er sich jedoch dessen bewußt ist, daß sein Wissen im Vergleich mit anderen auch nur relativ ist. Allein auf solche Weise kann man Kraft für den Fortschritt schöpfen. Räumliches Forschen kann nicht enttäuschen, da jeder Augenblick die Freude einer Entdeckung herantragen kann. Möge man die Folgen solcher Entdeckungen nicht voreilig abwägen, dann werden der Entdeckende und der Interpretierende sich auf überirdischen Wegen treffen.
Der Denker begriff die Schönheit solch überirdischer Begegnungen. Sie erfolgen nicht zufällig, und ihre Ursachen sind von herrlicher Art.
687. Urusvati weiß, daß Nichtwissen leicht in Wissen umgewandelt werden kann, wenn wenigstens eine geringe Neigung zur Erkenntnis besteht. Träger des Wissens werden als Lichtträger bezeichnet. Diese Bezeichnung ist keineswegs symbolisch, sondern definiert einen wirklichen Zustand. Wahrlich, wenn der Wunsch entsteht, sein Wissen zu übergeben, wächst und verschönert sich die Ausstrahlung. Eine solche Ausstrahlung ist einer heldenhaften Aura ähnlich. Bei jeder Vermittlung von Wissen vollzieht sich eine gewisse Heldentat. Und wenn das Wissen mit ebensolchem Feuereifer aufgenommen wird, entzündet sich ein wechselseitiges, herrliches Feuer. So kann man sehen, daß
Unsere Definitionen stets auf der Wirklichkeit gründen.
Wenn wir jedoch davon sprechen, daß die Unwissenheit Finsternis ist, so ist dies leider eine traurige Wirklichkeit. Ein Mensch, der sich mit Unwissenheit und Verneinung beschmutzt, löscht seine Ausstrahlungen. Er öffnet sich den gefährlichsten Krankheiten, da sein Sperrnetz geschwächt wird. Solche Lichtlöscher können während desselben Lebens nicht geheilt werden, denn erst neu zu machende Erfahrungen in der Feinstofflichen Welt können ihnen ihren weiteren Weg eröffnen. Früher oder später werden solche Menschen verstehen, daß ihr Vorgehen dem Leben nicht förderlich war.
Stellt in den Gesprächen mit Freunden die genaue Bedeutung der Begriffe klar, an die erinnert wird. Unterschiedliches Verstehen führt zu Zwietracht. Viele philosophische Systeme zerfielen infolge ungenauen Verstehens. So verstehen viele den Unterschied zwischen Nichtwissen und Unwissenheit nicht. Sie sind der Auffassung, daß beide Begriffe synonym seien, woraus sich traurige Mißverständnisse ergeben können.
Man muß daran denken, daß man besonders bei Erörterungen über das Überirdische in Mißverständnisse geraten kann. Der eine könnte aus kirchlicher Sicht urteilen, der andere aus astronomischer, ohne daß dabei der wahre, weitgefaßte Begriff berührt würde.
Der Denker bemerkte nach mehreren Disputen: "Es ist traurig, wenn die Menschen mit ein und denselben Worten über Gegensätzliches sprechen."
688. Urusvati weiß, daß jeder menschliche Organismus auf seine Weise auf kosmische Erschütterungen reagiert. Feinfühlige Organismen reagieren noch stärker. Man darf solchen Reaktionen nicht auszuweichen versuchen, da dies unnatürlich wäre, doch ist es erforderlich, seine Kräfte solchen Anspannungen anzupassen.
Zur Zeit durchschreitet die Menschheit ungewöhnliche Prüfungen. Man kann feststellen, daß die übergroße Mehrheit nicht bereit ist, die Bedeutung der Ereignisse zu erfassen. Die einen stecken nach Straußenart den Kopf in den Sand, andere vergiften sich mit Haß und schaffen damit ein neues schweres Karma, dritte wiederholen überkommene Beschwörungsformeln. Man könnte eine lange Liste befremdlicher und unzeitgemäßer Handlungen der Menschen aufstellen, über die wahre Bedeutung der Ereignisse wird jedoch nicht gründlich nachgedacht. Jene wahren Wege, die der Menschheit helfen würden, werden jedoch wieder einmal vergessen.
Viele empfinden Unsere Gespräche über das Überirdische als unpassend und unzeitgemäß. Indessen kann nur das rechte Verstehen des Überirdischen eine Lösung der Verwirrung geben. Im Sturm muß man eine Vorstellung vom ersehnten Hafen haben.
Eine allgemeine starke Bestrebung wird auch eine entsprechende Festigkeit verleihen. Es reicht jedoch nicht allein allgemeine Bestrebung, jeder einzelne muß sich bewußte Einheit vorstellen. Ihr wißt, daß jenes Heer stark ist, in dem jeder Krieger sich einen bewußten, unerschrockenen Sturm vorstellt.
Wir haben viel über Einheit und Einigkeit gesprochen, und alles darüber Gesagte bleibt in Kraft. Denkt jedoch darüber nach, aus welchen Elementen sich nützliche Einigkeit zusammensetzen muß. Eine erzwungene, mechanische Einigkeit trägt keine Früchte, weshalb Wir nicht selten darauf hinweisen, daß unnütze Elemente sich entfernen sollen. Zersetzung kann sowohl körperlich als auch psychisch auftreten, weshalb ein infiziertes Glied entfernt werden muß. Es lassen sich viele Erkrankungen feststellen, bei denen keine Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen wurden.
Es ist eine festgesetzte, gefahrvolle Stunde eingetreten. Man kann sehen, wie falsch die Prognosen derjenigen sind, die in selbstsüchtiger Weise denken.
Der Denker sprach: "Wir meinen, es vollziehe sich etwas Wichtiges, wenn tausend Bürger auf dem Marktplatz lärmen. Was jedoch wird sein, wenn Millionen in Verwirrung geraten!"
689. Urusvati weiß, wie oft man die grundlegendsten Wahrheiten wiederholen muß, damit sie in das menschliche Bewußtsein eingehen. Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit bilden sich nicht auf irdische Weise, doch fordern die Menschen irgendwelche, auf ihrem Alltagsleben gründende Vorschriften. Eines kann gesagt werden: Nehmt aufmerksam und scharfsinnig jedes Aufblitzen feinstofflicher Empfindungen wahr.
Man darf solche Erscheinungen nicht erwarten, muß aber für ihre Aufnahme offen sein. Eine menschlich - irdische, gezwungene Erwartungshaltung kann die höheren Annäherungen nur erschweren. Es ist hinreichend bekannt, daß die klarsten Erscheinungen unerwartet eintreten und nur gestört werden, wenn die Stimme des Vorurteils erklingt. Man darf die feinstoffliche Natur nicht zwingen, muß jedoch jede ihrer Äußerungen begrüßen.
Laßt uns nicht abwägen, welche Erscheinung gerade die allerwichtigste ist. Mitunter sind scheinbar kleine Lichtblitze von größerer Bedeutung als solche, die einen erschüttern. Lernt es, die Erscheinungen zu fühlen. Welche wird tiefer im Herzen erklingen? Die Wahrheit liegt im Herzen, das Wissen liegt im Herzen, die Erleuchtung erfolgt im Herzen. Es wurde darauf hingewiesen, daß der Yoga der Liebe der kürzeste Weg sei, doch kann man ihn auch ganz richtig den Yoga des Herzens nennen.
Sämtliches Erkennen des Überirdischen bildet sich im Herzen. Der Gedanke wird im Herzen geboren und dem Gehirn nur übertragen. Möge jeder, der sich dem Überirdischen zuwenden möchte, die Macht des Herzens herbeirufen, nur das Herz erklingt auf die Unbegrenztheit.
Der Denker lehrte: "Jeder Lehrer muß ein Schüler seines Herzens sein. Ohne das Herz werden unsere sämtlichen Bestrebungen in Zerstörung enden. Kummer haben die Herzlosen!"
690. Urusvati weiß, wie unterschiedlich Unser Aufenthaltsort gedeutet wird. Die einen halten ihn für ein ganz gewöhnliches Kloster, andere bezeichnen ihn als Hexenhaus; die einen behaupten, Wir lebten in herrschaftlichem Überfluß, andere vermuten bei Uns strenges Asketentum; die einen verneinen Unsere Existenz, andere meinen, Unsere Ashrams seien überall verteilt.
Man könnte eine Vielzahl verschiedener Auffassungen anführen, erwähnt werden muß jedoch eine ganz bestimmte, die nicht ganz ohne Bedeutung ist: Sie spricht davon, daß Wir nicht in einem physischen Körper lebten. Im Himalaya gebe es einen bestimmten Ort, erfüllt von Emanationen vieler Mineralien, wo ein ständiger Wirbel überirdischer Energien herrsche, der besondere Verbindungen mit der Überirdischen Welt ermögliche. So spricht man Uns zwar den physischen Körper ab, bestätigt damit aber wenigstens den überirdischen Wirbel, der die Verbindung besonderer Chemismen ermöglicht. Möge man also an die Verbindung mit dem Überirdischen erinnern, auch wenn es auf solche Weise geschieht.
Besteht nicht auf der ganzen Formel, wenn jemand nützliches Verständnis einbringt, auch wenn es erst noch gering ist. Mögen sich die Wege des Wissens dann eben auf solche Weise gestalten. Erinnert euch, daß Wir kein Wissen verurteilen, auch wenn es zunächst noch gering und bruchstückhaft ist, das Wichtigste aber nicht verneint wird.
Lacht nicht darüber, wenn jemand in seinem Nichtwissen Uns Attribute zulegt, die Uns fremd sind, wie beispielsweise herrschaftlicher Überfluß und Luxus. Gewöhnlich reden so einfache Menschen, für die Luxus die höchste Errungenschaft darstellt. Auf ihre Weise möchten sie Unser Dasein ausschmücken, ohne jedoch
zu wissen, daß es Besseres als herrschaftlichen Überfluß gibt. Sie schmücken heilige Darstellungen mit kostbaren Steinen und meinen, damit richtig zu handeln. Sie meinen, überirdische Chemismen müßten der Verschönerung von Luxus dienen.
Der Denker sprach: "Mensch, wenn du in einem Brunnen ein klares Bild sehen willst, so warte, bis die Oberfläche sich beruhigt hat. Ruhe ist das Gewand der Weisheit."
691. Urusvati weiß, daß auch bei klarstem Denken bestimmte unerwartete Gedanken eindringen können. Bei angespanntem Denken können sie jedoch nicht aus der Tiefe des Bewußtseins kommen. In der Tat sind solche Erscheinungen der beste Beweis für räumliche Sendungen. Glaubt nicht, daß solches Eindringen eine Unvollkommenheit des Denkens zeige. Die Botschaften können eiliger Natur sein und sowohl von hochstehender als auch ganz alltäglicher Art. Das letztere weist auf einen Zusammenklang der Schwingungen zwischen Personen hin.
Jeder erfahrene Beobachter weiß, daß es einander ähnliche Schwingungen sowohl bei hohen, weitgefaßten Gedanken als auch bei einfachen, alltäglichen Gedanken geben kann. Wenn also räumliche Gedanken eindringen, muß man ihnen aufmerksam zuhören. Es mag sein, daß jemand um Hilfe bittet oder ein nützlicher Rat gesandt wird, woraus sich neue überirdische Zusammenarbeit bilden kann.
Große Folgen entstehen aus kleinen Funken. Feinfühligste Zusammenarbeit wird nicht durch Nötigung, sondern durch Freude gewoben. Was würde aus Unserer Arbeit ohne freiwillige Zusammenarbeit werden? Ein einsamer Tatmensch kann nicht in allen Welten erfolgreich voranschreiten. Es ist schön, wenn ein Freund, ohne gerufen worden zu sein, zu Hilfe herbeieilt und eine dringende Arbeit mit weiterführt. Urusvati erinnert sich, daß Schwester O. ärztliche Hilfe erwies. Niemand hatte sie gebeten oder dazu veranlaßt, doch wahre Zusammenarbeit ist hundertäugig und hundertarmig.
Wer über das Überirdische nachdenken kann, wird auch die Bedeutung feinfühligster Zusammenarbeit verstehen. Wozu hat man ganze Jahrzehnte über Zusammenarbeit geredet, wenn der erste nichterfaßte Umstand die zarte Zusammenarbeit wieder zerstören kann? Wozu hat man die Worte gelesen, wenn das erste Schwanken gleich
in Zweifel übergeht? Man muß es erfühlen, wie sehr gerade die Erkenntnis des Überirdischen zu besonnener Zusammenarbeit verpflichtet.
Wir sind bereit zu wiederholen, da Wir den Raum sättigen, doch mögen Abtrünnige darüber nachdenken, ob ihr Tun zweckmäßig ist.
Der Denker fragte, als ihn ein Schüler verließ, die übrigen, ob sie sich nicht zu dem Fortgehenden gesellen wollten: "Möge die Spreu vom Weizen getrennt werden."
692. Urusvati weiß, daß Uns einige in ihrer Vorstellung Allmacht zukommen lassen, doch sehr Nachdenkliche verstehen, daß jede Macht eine relative Erscheinung ist. Niemand wird eine bestimmte Macht bekunden, wenn er weiß, wieviele Bedingungen dafür in Betracht gezogen werden müssen. Jeder versteht, daß eine Einflußnahme vorbereitet werden und jeder ihrer Aspekte Wohlwollen widerspiegeln muß.
Man darf nicht denken, kosmische Ströme stellten kein bedeutendes Hindernis dar; man muß im Gegenteil unter ihnen die angemessenen auswählen. Nicht ohne Grund werden sie auch als Harfe des Raumes bezeichnet. Ein altbekannter Dichter sagte: "Ihr könnt meine Saiten verstimmen, nicht aber auf mir spielen." So sind die Menschen imstande, jede beliebige Harmonie zu stören, ohne darüber nachdenken zu wollen, wieviel Mühe aufgewandt werden muß, um eine große Harfe zu stimmen.
Ebensowenig können die Menschen verstehen, wenn Ich von Unserer relativen Macht spreche. Ihrer Natur gemäß halten sie dies für Schwäche und Kraftlosigkeit. So muß man fähig sein, in vielem das Goldene Gleichgewicht zu wahren, nur dann werden die Menschen nicht enttäuscht sein.
Der Denker sprach: "Die Kraft selbst des Stärksten wird angesichts der Unbegrenztheit beschränkt sein."
693. Urusvati weiß, daß Unsere Gerechtigkeit von vielen nicht anerkannt wird. Unvermeidliche Folgen werden nicht in Betracht gezogen. Nur einige wenige werden sich erinnern, wie genau Unsere Weisungen waren. Doch es ist nicht leicht, die Lehre des Guten zu verbreiten, wenn sie nicht im Leben angewandt wird. Wer kann denn die ganze Bedeutung
des Überirdischen verstehen, wenn er sogar die gewöhnlichsten Hinweise ablehnt? Man sollte meinen, es sei nicht schwer, einen nützlichen Rat zur rechten Zeit anzuwenden, doch offensichtlich hindert etwas daran, sich seiner überhaupt zu erinnern. Vielleicht ist dieses Etwas ein böser Wille, doch gewöhnlich ist der Grund viel nichtiger, und man kann ihn mit Disziplinlosigkeit bezeichnen. Die Menschen lieben es jedoch vor allem nicht, wenn man ihnen solche Eigenschaften vor Augen führt. Sie versichern, auf ständiger Wacht zu stehen. Daher fordert nichts, was die Menschen aufgrund ihres derzeitigen Bewußtseins überhaupt nicht verstehen können.
Besonders schädlich ist ein Mensch, der viel gelesen, sich aber nichts zu eigen gemacht hat. Oft ist es besser, etwas mit Nichtwissenden zu unternehmen, die jedoch einen guten Willen haben. Mögen gewisse Leser sich nicht ärgern, wenn Wir auf ihre schwächste, durch Disziplinlosigkeit entstandene Stelle aufmerksam machen. Das Überirdische erfordert eine klare Bestrebung, doch Disziplinlosigkeit ermöglicht keinen Flug.
Der Lehrer weist darauf hin, daß man in den Tagen des Harmagedon angespannteste Aufmerksamkeit in sich finden muß. Ihr lest in den vorhergehenden Büchern viele dringende Weisungen, doch hat man sie beachtet?
Der Denker sprach: "Fegt mit dem Unrat nicht auch die Perlen hinaus."
694. Urusvati weiß, wie behutsam man sich den Besitzlosen gegenüber verhalten muß. Die Mehrheit der Bevölkerung ist arm, doch nur hier vollzieht sich die Erneuerung der Energien, weshalb es besonders unwürdig ist, die Armen zu verachten und für etwas Niedriges zu halten. Jeder vermag sich an Hand der Geschichte der Menschheit davon zu überzeugen, wie unbeständig sogenannter Reichtum ist.
Überdies muß daran erinnert werden, daß es unter den Armen solche Menschen gibt, die freiwillig den Auftrag angenommen haben, mitten im Volke zu sein, um dessen Schicksal zu teilen. Äußerlich gesehen unterscheiden sich solche Boten nicht von der Masse. Man muß nahe an sie herankommen, um ihren inneren Reichtum zu spüren. Der Überirdischen Welt gegenüber werden solche Menschen sehr aufgeschlossen sein. Vielleicht müssen sie unter den Unglücklichsten als Vermittler lebensnotwendigsten Wissens dienen? Ein wichtigtuerischer Reicher findet keinen Zugang zu den Armen, und wenn doch, so nicht eine gemeinsame Sprache.
Wir lenken Unsere Freunde beständig zu den Armen, da dort die Quelle der Zukunft liegt. Ein bestimmtes Volk hat schon die gemeinsame Bestimmung verstanden und beginnt, in die Zukunft zu streben - darin liegt Macht. In den Gesprächen über das Überirdische bestätigen Wir die lebendige Menschlichkeit. Sie wird eine Stufe zur Erkenntnis sein.
Der Denker sprach: "Für die Armen die Zukunft, für die Reichen die Vergangenheit."
695. Urusvati weiß, daß die Berührung mit feinstofflichen Energien in vielerlei Hinsicht einer Berührung mit Radium ähnlich ist. Es läßt sich sehen, daß Radium nur bei behutsamem Umgang keine zerstörerischen Folgen zeitigt. Ebenso können die feinstofflichen Energien heilsam oder zerstörerisch wirken. Sie sättigen die gesamte Atmosphäre, doch sind die Menschen nicht immer fähig, die gesunden Wirkungen aus ihnen zu schöpfen. So sind Wir veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Menschen vorsichtig dosiert mit diesen Energien umgehen wollen.
Unwissende schlagen vor, mit gefährlichen Energien nicht in Verbindung zu treten, doch wie sollte dies möglich sein, wenn der Mensch von chemischen und anderen mächtigen Einwirkungen umgeben ist? So bleibt nur zu studieren, wie die überirdischen Sendungen aufzunehmen sind. Jeder kennt bereits den Wert reiner Luft und trifft dafür im Alltag entsprechende Maßnahmen. Genauso muß man darüber nachdenken, welche verfeinerten Zustände des Organismus solchen Energien entsprechen.
Wir haben hinreichend über das Imperil gesprochen, und jeder sollte verstehen, welch zerstörerische Kräfte er damit in sich selbst trägt. Das Herz kann keine feinstofflichen Energien aufnehmen, wenn es von zerstörerischen Pfeilen verletzt ist. Ebensowenig ist der Mensch fähig, sich die überirdischen Gaben anzueignen, wenn in ihm bereits ein Krankheitskeim nistet; deshalb haben Wir von rechtzeitiger Prophylaxe gesprochen. Wahrlich, jeder kann bei entsprechendem Wohlwollen die überirdischen Energien in sich aufnehmen.
Der Denker sprach: "Ein Arzt kann sich kein besseres Heilmittel ausdenken als Wohlwollen."
696. Urusvati weiß, daß auch Wir bei einer Berührungsaufnahme mit besonders starken Energieströmen eine angespannte Harmonie wahren. Außer der Tatsache, daß Wir ein inneres Streben hegen, lassen Wir Uns in einer bestimmten Sitzordnung nieder. Unser Kreis ist in sehr weitgehender Harmonie gestaltet, und Wir
wechseln die gewohnten Plätze nicht. Jeder hat vor sich auf einem kleinen Tisch einen Handapparat stehen, der einer Verdichtung von Strömen dient. Dieser kann auch als Megaphon dienen, wenn die atmosphärischen Bedingungen ungünstig sein sollten.
Wir achten ebenfalls darauf, daß Unsere Mitarbeiter in solchen Momenten keine Sendungen einbringen, wenn Wir mächtigen Energien zustreben. Die Bedingungen müssen sehr genau beachtet werden, da jede Strömung sich zerstörerisch auswirken kann. Dies darf man nicht als Zeichen Unserer Schwäche ansehen, sondern als Merkmal besonderer Stärke der Ströme. Daher sprechen Wir wiederholt von der Bedeutung der Harmonie, die nur über einen langen Zeitraum hinweg geschaffen, jedoch augenblicklich zerstört werden kann.
Viele werden an dem Gesagten zweifeln, da sie selbst die Harmonie gestört haben, ohne daß sie danach irgendwelche Folgen wahrgenommen hätten. Diese Auffassung ähnelt der eines Verbrechers, der glaubt, die Folge seines Tuns gehe an ihm vorüber; doch er vergißt, daß jede Ursache ihre Folge hat, wobei dieses Gesetz sich nicht nach irdischen Erwägungen vollzieht.
So können auch innere Schwankungen nicht leicht erkennbar sein. Wir können bestätigen, daß Unser oben beschriebener Verkehr keine Risse aufweist, da Wir ihn mit selbstaufopferndem Bemühen absichern. Man darf diese harmonischen Zusammenkünfte auch nicht für Zauberei halten. Wir versammeln Uns wegen unaufschiebbarer Taten für das Gemeinwohl.
Der Denker sprach: "Sogar ein Fehltritt wird vergeben, wenn er um des Gemeinwohles begangen wird."
697. Urusvati weiß, wie schädlich die willkürliche Begrenzung von Begriffen ist. So sprechen die Menschen von Menschlichkeit und verstehen darunter nur Barmherzigkeit und Mitleid, doch ist Menschlichkeit die Bekundung aller Qualitäten eines würdigen Mikrokosmos.
Der Mensch kann nicht ohne eine Vorstellung von der Überirdischen Welt leben, sei sie auch von eigentümlicher Art. Hierzu läßt sich an ein Gleichnis erinnern, das von einem Menschen handelt, der die Überirdische Welt nicht anerkannte.
Ein gewisser aufgeblasener Dummkopf behauptete, sein Leben stehe allein zur Erde in Beziehung. Ein Rishi sagte zu ihm: "Kannst du behaupten, daß dir außer der Erde nichts Überirdisches notwendig sei?" Der Dummkopf bestand hartnäckig darauf, so daß der Rishi
eine Probe durchführte:
"Lege dein Gesicht ganz dicht auf die Erde und sage mir dann, wie lange du allein an der Erde Genüge hast." Der Dummkopf fuhr wütend auf und fragte: "Willst du mich etwa ersticken lassen?" Doch der Rishi lächelte und sprach: "Es ist also offenkundig, daß du ohne das Überirdische nicht einmal kurze Zeit leben kannst." So wurde in wenigen Worten die Gegenwart der Überirdischen Welt bestätigt.
Überdies erinnern die Erzählungen des Ostens an die Lebensnotwendigkeit des Schlafes. Selbst der machtvollste Regent könne ohne Schlaf nicht auskommen.
So muß Menschlichkeit auch in der Lage sein zu erkennen, wenn sich etwas Bedeutsames vollzieht. Gewöhnlich erkennen die Menschen eine wichtige, entscheidende Stunde nicht. Sie trennen willkürlich die Folgen von der Ursache, die sie ganz vergessen. Es ist daher unmöglich, von Fristen zu sprechen, da die Menschen die Entstehung von Ereignissen nicht verstehen.
Selbst nachdenkliche Menschen lassen mitunter unnütze Begrenzungen von Begriffen zu. Sie sagen: "Meine psychische Energie und besonders meine uranfängliche Energie kann niemand in Besitz nehmen. Sie schwingt und verändert sich ständig im kosmischen Sinne. Wenn sie verausgabt ist, erneuert sie sich nicht von innen wieder, sondern von außen."
Das Geisteskorn ist mit strahlender psychischer Energie umkleidet. Dieses Gewand kann ärmlich oder herrlich schön sein, doch weniger noch als alles andere ist sie Eigentum des Menschen. Er ist in großzügiger Weise mit ihr begabt, da der Mikrokosmos einen Verdichter psychischer Energie darstellt. Doch ist es unerlaubt, ein Geschenk, das zur Erkenntnis des Überirdischen verliehen wurde, sein Eigentum zu nennen.
Ebenso falsch verstehen die Menschen den hohen Begriff der Gerechtigkeit. Meist erkennen sie die Gerechtigkeit als einen bedingten Richterspruch, doch ist der Mensch zu glaubwürdiger Erkenntnis aufgerufen und muß sein Herz zur Wahrheit wenden. Die Überirdische Welt kann das Bewußtsein erweitern. Wie eine Rute unterirdische Gewässer und Mineralien anzeigen kann, so kann das Zepter des Geistes die Wahrheit zeigen.
Viele Eigenschaften dürfen nicht in bedingten Begrenzungen verstanden werden, sondern von ihrem inneren Wesen her. Der einfache Ausdruck "vom Wesen her" wird aber selten von den Menschen verstanden. Der Erkenntnisprozeß bedarf eines bedeutenden Maßes an Synthese, und dafür wiederum muß man vor allem die Bedeutung der Überirdischen Welt anerkennen.
Der Denker lehrte Seine Schüler, die Einwirkungen des Überirdischen auf alle Lebenserscheinungen aufmerksam zu beachten. Gerade das Überirdische sei nicht nur eine Sphäre, sondern auch ein Bewußtseinszustand.
698. Urusvati weiß, daß Unser Buch, ebenso wie Meine Fürsorge um euch, unerschöpflich ist. Doch kann jegliche Fürsorge nur dann Früchte tragen, wenn sie auf Zusammenarbeit trifft. Wie wunderbar wächst Zusammenarbeit bei ungeteilter Bestrebung! Wenn die Energien einander begegnen, erzeugen sie fruchtbringende Gedanken. Diese Funken sind wie Meilensteine des Erfolges; jegliche Arbeit gründet auf solche Feuer. Erneut bestätigen Wir die Bedeutung der Arbeit.
Besonders traurig ist, wenn Menschen von vergeblich geleisteter Arbeitsmühe sprechen, da keine Arbeit verlorengeht und ohne Ernte bleibt. Bestimmt jedoch die Frist solcher Ernte nicht im vorhinein, denn um Ernte zu erbringen, muß ein Korn in der Erde ruhen.
Möge die Erkenntnisarbeit hoch geschätzt werden, denn jede Erkenntnis dient der Erweiterung des Bewußtseins. Es ist ein Fehler zu meinen, nur geistige, philosophische Arbeit zeitige ein Wachstum des Bewußtseins. Denkt daran, daß jede Erkenntnisarbeit eine Bewegung darstellt, und in dieser erweitert sich das Bewußtsein.
Der Kosmos entfaltet sich, so auch das Bewußtsein des Mikrokosmos. Wahrlich, man kann sagen: "Auf jedem beliebigen Weg zum Überirdischen werde Ich dir begegnen." Es läßt sich nicht erahnen, wer von den sich Nähernden andere bei ihrer Erkenntnissuche überholt. Wir werden für jeden ein Wort der Ermutigung finden; wenn er es abweist, um so schlimmer für ihn.
Heuchler und Hinterlistige nehmen immer mehr zu, da sie keine Vorstellung vom Überirdischen besitzen. Sie verstehen nicht, daß sie in ihrer Lüge vor allem sich selbst betrügen. Man muß sich der Physiologie zuwenden, um der sogenannten Tugend eine wissenschaftliche Begründung zu verschaffen. Das Volk darf nicht mit Abstraktheiten in Unwissenheit gehalten werden. Eine Epoche tritt ein, da selbst die höchsten Begriffe wissenschaftlich begründet werden müssen.
Man darf nicht befürchten, daß geisteswissenschaftliche Begriffe durch eine Berührung mit allen anderen Wissenschaftsbereichen leiden würden. Im Gegenteil, es läßt sich nur eine weiterführende Bewußtseinserweiterung voraussehen. Man kann es nur begrüßen, wenn Gelehrte die Grundlagen der Ethik vom Standpunkt der Physiologie und übriger Wissenschaften erforschen, die die Funktion des Mikrokosmos darlegen. Auf solche Weise wird der Mensch endlich über die wahren Grundlagen des Staates nachdenken.
Vergessen wir nicht, daß schon im fernen Altertum Stimmen ertönten, die dazu aufriefen, das Leben nach Gemeinschaftsprinzipien zu ordnen. Natürlich erhob sich die Unwissenheit gegen jeden Versuch einer Erneuerung des Bewußtseins.
Nun läßt sich feststellen, daß die Völker zu einer bedeutenden Umgestaltung der Welt gelangen. Viele Dinge werden mit neuen Worten beschrieben, doch ist ihr Wesen dasselbe geblieben. So eilt die Umgestaltung der Welt voran. Sie hätte sich unblutig vollziehen
können, doch hat das Bewußtsein der Völker die Menschlichkeit noch nicht angenommen.
Der Denker sprach: "Da ein Volk aus Gemeinschaftswesen besteht, muß es über den Aufbau eines guten Staates nachdenken." Es ist wahrlich schön zu sehen, wie der Denker von einem Staat träumte, der auf den besten Prinzipien gründet.
699. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, dem Volk Kenntnisse über die Errungenschaften der Wissenschaft, der Kunst und der gesamten Kultur zu vermitteln. Die Regierungen sollten Publikationen herausgeben, die nicht allzu umfangreich sind, aber auch in das entlegenste Dorf gelangen. In ihnen muß auch von Helden und Führern des Volkes, von Volksheilkunde, Beobachtungen und Erzählungen des Volkes berichtet werden. Ein solcher "Freund des Volkes" sollte monatlich erscheinen und wird allen Generationen Freude bringen.
Wir haben oftmals auf die Freude an der Arbeit hingewiesen, doch muß sie noch durch einen gesunden Wettbewerb verstärkt werden. Gerade ein solcher "Freund des Volkes" wird berichten können, wo und wie Findigkeit im Volke arbeitet. Bis in die entlegensten Regionen eines Landes verstreute Autodidakten werden so eine lebendige Verbindung mit Handwerksgefährten haben. Jeder Handwerker wird verstehen, daß er ein Meister seines Faches werden und sich unbegrenzt vervollkommnen kann. Ihr wißt, wie oft Autodidakten nützliche Verbesserungen zutage bringen.
In Standfestigkeit und Freude kann sich unbegrenzte Zusammenarbeit ergeben. Doch muß die Standfestigkeit auf ein weises Gleichgewicht gegründet sein. Dieses wird in Erscheinung treten, wenn die irdische Arbeit durch klare Erkenntnis des Überirdischen einen Aufschwung erfährt. So schlagen Wir vor, daß die irdischen Forschungen mit der Erkenntnis des Überirdischen verbunden werden. Zur Zeit stehen diese Bereiche einander noch konträr gegenüber, doch müssen sie in freundschaftlicher Zusammenarbeit miteinander verbunden werden. Der Begriff der Zusammenarbeit wird oft entstellt. Die Menschen bilden sich ein, bereits Zusammenarbeit zu pflegen, wenn sie sich unter einem Dach befinden oder körperlich an einer gemeinsamen Angelegenheit teilnehmen, doch lassen sie die Hauptbedingung, nämlich die Harmonie der psychischen Energie, ihrer Aufmerksamkeit entgehen. Gesunde Zusammenarbeit eröffnet jedoch jedem Beteiligten Möglichkeiten des Fortschrittes und der Vervollkommnung .
Ihr werdet Einwänden gegen einen "Freund des Volkes" begegnen. Die einen werden sagen, daß eine zusammenfassende Publikation nicht wissenschaftlich sei, andere werden hervorheben, das Volk verstehe keine wissenschaftlichen Ausdrücke. Doch viele werden auch sagen, daß solche Einwände überholt seien. Synthese
ist immer nützlich. Die höchsten wissenschaftlichen Gedankengänge können in leichtverständliche Form gefaßt werden. Überhaupt müssen Gelehrte ausgezeichnet werden, die sich in leichtverständlicher Sprache äußern können.
Der Denker sprach: "Mitbürger, seid Sammler, doch ohne Eigentümer des Gesammelten zu werden." Niemand verstand diesen Rat, und man hielt ihn für einen Widerspruch in sich selbst.
700. Urusvati weiß, daß jeder Aufruf zu einer Erneuerung des Lebens die Hinwendung zur Frau und zur jungen Generation miteinschließen muß. Einige meinen, diese Bewegungen stünden bereits fest und entwickelten sich erfolgreich, doch in der Tat befinden sich die Lage der Frau und die Erziehung der jungen Generation in einem unbefriedigenden Zustand. Nur eine kleine Zahl von Frauen bezieht das Prinzip der Gleichberechtigung auf sich selbst, und in den meisten Schulen werden die Grundlagen eines gesunden Lebens nicht unterrichtet. Die Evolution kann jedoch nicht erfolgreich verlaufen, wenn zwei ihrer wichtigsten Grundlagen keine Anwendung finden. Man darf nicht glauben, die Evolution verlaufe unter beliebigen Bedingungen. Sie wird verzögert, und kostbare Energie wird ungenutzt verfließen.
Die Welt erschaudert bereits vor den entsetzlichen Erscheinungen des Harmagedon, und dennoch wird das Leben noch mißgestalteter und widernatürlicher. Die Menschen nehmen an, sie arbeiteten für irgendwelche höheren Ideen, doch beweist ihr Tun das Gegenteil. Man kann im heutigen Leben genau dieselben, noch nicht verheilten Wunden wiederfinden, welche die Menschheit bereits vor Tausenden von Jahren belastet haben. Dies darf keinesfalls mit unerträglichen Daseinsbedingungen gerechtfertigt werden, wenn sich nicht jeder einzelne Mensch selbst bemüht, in sein Alltagsleben Vervollkommnung, wenn auch erst teilweise, einzubringen. Kleine Gruppen mögen ihre nützlichen Erfolge aufzählen, doch hier haben Wir keine Ausnahmen, sondern die Masse der Menschheit im Sinne. Indessen sind es gerade die Massen, die die Evolution bewegen werden.
Der Denker sprach: "Weise Männer, eure Mühen werden vergeblich sein, wenn die Frau euch nicht die Hand entgegenstreckt und ihr gemeinsam ein Geschlecht von Helden aufzieht."
701. Urusvati weiß, wie leichtfertig die Menschen Bereitschaft auslegen. Man könnte meinen, es existiere eine Vielzahl von Helden, bereit zu selbstaufopfernder Heldentat.
Tatsächlich jedoch kann die Bereitschaft flammend oder kühl sein. Menschen mit kühler Bereitschaft betrügen nicht nur ihre Umgebung, sondern auch sich selbst. Sie merken es nicht, welche Lüge sie ständig aussprechen und dabei ihre eigene Situation nur verschlimmern. Wahrlich, besser ist der Zustand desjenigen, der offen seine Nichtbereitschaft bekennt, denn er kann sich wenigstens vervollkommnen. Doch der Hinterlistige und der Prahler verschließen sich den Weg des Fortschritts selbst. So müssen Wir an die Eigenschaft der Bereitschaft erinnern, nur sie verleiht den Mut zur Überwindung.
Viele sprechen von ihrer Bereitschaft, mit Uns zusammenzuarbeiten, doch bei der kleinsten Schwierigkeit weichen sie ängstlich zurück. Einer der Hauptgründe dafür liegt darin, daß sie den Sinn des Lebens nicht verstehen. Sie denken nicht über die überirdische Unbegrenztheit nach, sondern ketten sich an ein irdisches Trugbild. Wie ein Pferd in einer Umzäunung langsamer läuft, so büßen die im Irdischen Gefangenen die Fähigkeit zu echtem Voranschreiten ein. Wenn Ich von der Bereitschaft spreche, erinnere Ich gleichzeitig auch an das Voranschreiten. Man muß zur Heldentat bereit sein. Man muß es lernen, über Heldentat nachzudenken, bevor sie dann im Irdischen manifestiert wird. Man muß sich bereits gedanklich vervollkommnen und dabei die Heldentat mit einer solchen Unerschütterlichkeit durchdenken, daß ihre Ausführung im Leben bereits unvermeidlich wird. Nur so wird lebendige Zusammenarbeit geschaffen, über die schon so viele Worte gesagt worden sind.
Der Denker sprach: "Meint ihr nicht, daß kühle Bereitschaft einem Tropfen Nektar gleicht, der in einem ganzen Meer aufgelöst wurde?"
702. Urusvati weiß, wie sehr die Menschheit von den Gespenstern der Widersprüche gequält wird. Der Mensch selbst hat diese Phantome entwickelt und vertieft. Sogar der grundlegende Begriff der uranfänglichen Energie ist von Überlegungen umgeben, die sich wenig vereinbaren lassen. So sagen Wir, die Energie sei unerschöpflich und sprechen gleichzeitig davon, in jeder Hinsicht behutsam mit ihr umzugehen. Doch der Mensch schreit bereits von Widerspruch. Jeder fürsorgliche Hausherr aber weiß, daß alles Wertvolle gehütet werden muß. So sprechen Wir auch von der Beständigkeit der Energie, und die Menschen klagen gerade über ihre Unbeständigkeit. Ihr Wesen liegt jedoch nicht in einer Unbeständigkeit, sondern in ihrer Mannigfaltigkeit. Genauso suchen die Menschen
irdische Fristen und Eigenschaften anzusetzen, vergessen dabei jedoch, daß das Leben der Feinstofflichen Welt nicht nach dem irdischen Kalender verläuft.
Nicht ohne Grund wurde im Altertum gefordert, daß man Widersprüche verarbeiten müsse. Ein Schüler, der in Widersprüchen steckenblieb, hielt sich lange hinter dieser Schwelle zurück. Er vermochte nicht nur nicht über das Überirdische nachzudenken, sondern verlor sogar seinen irdischen Weg. Verstand er die Bedeutung der Zweckmäßigkeit und Zielgerichtetheit, konnte er die Lösung finden, doch wenn er sich in den Widersprüchen verirrte, ging ihm sogar der Sinn für die Zweckmäßigkeit verloren.
Der Denker sprach: "Wenn alles Gelesene uns an Zweckmäßigkeit erinnern könnte, so würden wir den Drachen der Widersprüche vertreiben."
703. Urusvati weiß, daß zum Nachdenken über das Überirdische Feierlichkeit notwendig ist, doch entflammt sie nur aus Vorstellungen über das Überirdische. Die Verurteiler werden sagen: "Schon wieder ein Widerspruch!" verstehen jedoch nicht, daß bei feuriger Bestrebung vieles nahezu augenblicklich in Erscheinung tritt und dabei sogar die Lichtgeschwindigkeit übertrifft. Wahrlich, Entflammtheit ist ein Born sämtlicher Möglichkeiten.
Ebensowenig möchten die Menschen verstehen, daß sich etwas in der Feinstofflichen Welt vollziehen kann, bevor es im Irdischen Verwirklichung findet. Urusvati weiß, daß eine solche Abweichung zwischen der feinstofflichen und der grobstofflichen Welt recht bedeutend sein kann. Diese Divergenz kann in bezug auf eine Handlung in fernerer Zukunft normal sein, doch können auch Begleitumstände zur Auswirkung kommen, die gewaltsam in einen Prozeß eindringen und die Reihenfolge der Ereignisse ändern. Ein brausendes Meer ist das beste Beispiel für die komplexen Rhythmen der verschiedenen Welten.
Die Menschen sind unfähig, eine Vorstellung von der Feinstofflichen Welt im Leben umzusetzen, womit sie jedoch die Evolution behindern. Es ist schwierig, einem irdischen Bewußtsein zu zeigen, in welch weitem Maße die Feinstoffliche Welt die Ereignisse der grobstofflichen Welt einleitet. Ganze Jahrzehnte können zwischen einem Ereignis in der Feinstofflichen und demselben in der grobstofflichen Welt liegen, und dennoch hat sich das Ereignis bereits vollzogen und ist unabänderlich geworden.
Man könnte erstaunt sein, weshalb manche Ereignisse geradezu wie Leuchttürme auf gute Folgen hinweisen. Vergessen wir jedoch nicht, daß die Aufschichtung von Ereignissen überaus komplex verläuft. Sie ist einer einfachen Vorstellungsweise nicht zugänglich, und wer will entscheiden,
welches Ereignis das bedeutsamste ist? Wo sind die Ursachen und wo die Folgen? Man muß sich im Nachdenken über das Überirdische üben.
Der Denker sprach: "Das Auge hat nichts gesehen, das Ohr nichts gehört, doch das Herz weiß, daß sich etwas vollzogen hat.
704. Urusvati weiß, daß Begeisterung, von den Menschen auch Enthusiasmus genannt, bewußt aufrechterhalten werden muß. Doch auch Geduld, Aufnahmevermögen und die ganze große Duldsamkeit ergeben sich nur bewußt. Es ist falsch anzunehmen, die Gaben der Vervollkommnung kämen von außen - der flammende Herd lebt in der Tiefe des Bewußtseins. Der Mensch muß ihn erkennen, liebevoll hüten und seine Kräfte herbeirufen, dann kann auch von außen Hilfe hinzukommen.
Selbst ein einfacher Mechaniker versteht die Grundlagen der Anwendung von Energie, um so mehr muß der Denkende lernen, seine Qualitäten anzuwenden. So sprechen Wir vom Überirdischen, das den Eigenschaften der menschlichen Natur entspringt. Wendet in den Gesprächen über die Vervollkommnung des Lebens die alltäglichsten Vergleiche an. Das Volk kann der beste Zuhörer sein, wenn man in einfachen Worten zu ihm redet. Das einfache Wort ist eine hohe Gabe.
Der Denker sprach: "Findet das einfachste Wort über das Große. Die Liebe schreitet allein durch das Tor der Einfachheit herein."
705. Urusvati weiß, wie behutsam man die psychische Energie verwenden muß. Sogar sehr erfahrene Tatmenschen wurden schuldig, indem sie die psychische Energie in übermäßiger und gar in gewissem Sinne verbrecherischer Weise verausgabten. Man darf sich nicht wundern, daß die unerschöpfliche psychische Energie einer sehr behutsamen Einstellung ihr gegenüber bedarf. Man muß verstehen, daß die Unerschöpflichkeit der räumlichen Energie mit den Energien des Menschen in Übereinstimmung gebracht werden muß. Einmal verausgabt, kann sie nicht so bald mit der Höchsten Lenkung vereint werden. So muß man bei jedem Prozeß an Angemessenheit und Zweckmäßigkeit denken. Gewöhnlich suchen die Menschen diese Begriffe als abstrakt zu bezeichnen, wobei sie vergessen, daß es im Weltall nichts Abstraktes geben kann. Mögen die Menschen daran denken, daß sie nicht nur in ständiger Gefahr leben, sondern auch ihre Teilnahme am Überirdischen nichts Abstraktes ist. Solch einfacher Erinnerungen bedarf es nicht nur auf
den ersten Stufen, sondern ständig.
Der Denker riet an, sich nicht frei von Gefahren zu sehen, denn jeder, der sich auf den Lehrer verlasse, höre bereits auf, ein wahrer Mitarbeiter zu sein. "Schönheit lebt in bewußter Zusammenarbeit."
706. Urusvati geht zu Recht davon aus, daß Wissen der Vorhof zur Arbeit ist. Die Qualität der Arbeit wird durch Wissen entwickelt. Ohne Wissen ist hohe Qualität nicht möglich. Jede Arbeit setzt vorheriges Wissen voraus. Solches Wissen kommt nicht nur von außen, sondern taucht auch von innen heraus auf.
Im Menschen ist viel inneres Wissen vorhanden. Das eine ist leicht zu erkennen, das andere erfordert bereits schwierige Konzentration, um zum Bewußtsein zu gelangen. Scharfsinnige Konzentration muß an sämtlichen Lebenserscheinungen entwickelt werden, weshalb man sich nur zeitweise vom irdischen Leben entfernen darf.
Geist ist eine bestimmte Eigenschaft der Materie. Daher wiederholen Wir - entfernt euch nicht vom irdischen Leben, auch in ihm könnt ihr geistige Freude finden, und Freude ist für überirdische Empfindungen notwendig. Besonders sorgen muß man für die Arbeitenden, damit ein rechter Arbeitsrhythmus in ihnen Freude des Herzens erzeugt. Der kleinste Arbeiter kann ein großes Gefäß der Freude sein, wenn er überirdische Schwingungen berührt. Klagt nicht, wenn einfache Begriffe wiederholt werden müssen. Viele Herzen warten auf einfache Worte. Sie möchten sich an einem Herzensfeuer erwärmen - so werden sie sich zum Überirdischen emporschwingen.
Der Denker lehrte: "Beobachtet den Lauf der Gestirne. Alles Irdische strebt zum Überirdischen."
707. Urusvati erhebt sich zu Recht gegen Vorurteile und Begrenzungen des Wissens. Die Menschen lieben es besonders, von der Freiheit der Wissenschaft zu reden, bemühen sich aber gleichzeitig, wissenschaftliche Zusammenarbeit zu unterbinden. Man muß unbedingt an die so hohe Bedeutung der Synthese erinnern, da die Menschen diese überhaupt nicht verstehen möchten.
In den Schulen muß wiederholt werden, wie weitgehend sämtliche Wissenschaftsbereiche miteinander verbunden sind. Man muß vor Vorurteilen warnen, da selbst Gelehrte
an dieser widerwärtigen Krankheit leiden.
Man darf nicht vergessen, daß Vorurteile das gefährlichste Hindernis zum Verstehen des Überirdischen sind. Doch es tritt die Stunde ein und ist bereits eingetreten, da die Erkenntnis des Überirdischen eine überaus reale Wissenschaft darstellt, dazu führen die Ereignisse des Harmagedon die Menschen bereits.
Die Menschen sind nicht so dumm, um über viele auffallende Erscheinungen, die das heutige Leben erfüllen, nicht nachzudenken. Nicht zufällig vollzieht sich eine Verbindung psychischer und physischer Bedingungen; nie hat es eine solche Wirrnis in der Natur gegeben. Wahrlich, der Mensch ist König der Natur, denn er vermag Erschütterungen hervorzurufen, und sein Gedanke ist ein feuriger Pfeil. Daher beobachtet die Folgen des menschlichen Denkens. Erinnert euch, daß ein Gebet über Zerstörung keine Eigenschaft wahren Wissens zeigt.
Der Denker sprach: "Das Symbol des Wissens ist die Unbegrenztheit."
708. Urusvati weiß von dem Wert freiwilliger Heldentat. Jede Lehre stellt ein Geleitwort dar, nicht jedoch Zwang. Man muß daran denken, daß bereits der geringste Zwang für die Evolution nicht nützlich ist.
Man könnte fragen: "Welche Beziehung hat denn der Begriff der Heldentat zum Überirdischen?" Doch ohne Heldentat wird es kein Voranschreiten geben. Man muß sich ein Verständnis des Überirdischen als eine nützliche Realität aneignen. Es ist zu wenig, das Überirdische nur zu unterstellen, es aber nicht in das Leben eines jeden Tages einzuführen. So muß man dafür Sorge tragen, daß die junge Generation von frühen Jahren an über das Überirdische nachdenkt.
Mögen solche Gedanken bei der Betrachtung der Gestirne oder auf der Grundlage der Philosophie gedeihen. Es gibt viele Wege zu den überirdischen Höhen. Doch muß inmitten der Arbeit und der Schwierigkeiten unverrückbar der Leuchtturm der Höheren Welt stehen.
Es ist nicht leicht zu erwarten, daß die von den Geschehnissen des Harmagedon ergriffenen Menschen verstehen, wie dringlich es ist, über das Überirdische nachzudenken, doch kann jeder in seinem Rahmen nützliches Wissen aussäen. Möge es vielgestaltig sein. Möge jedes Volk das Wissen in seiner Lieblingsfarbe zum Ausdruck bringen. Und schließlich, möge man sich an Aufnahmefähigkeit und Geduld erinnern. Möge man liebevoll über das gemeinsame menschliche Schicksal nachdenken und diesen Gedanken nicht vertreiben. Nur dieses gemeinsame Schicksal verhilft, über den Fortschritt der Menschheit nachzudenken.
Der Denker lehrte: "Ich habe meinen Weg freiwillig gewählt, und nichts wird mich von der Erkenntnis des Überirdischen abhalten."
709. Urusvati weiß, was segensreiche Beständigkeit ist. Das Herz schlägt beständig. Jede Stockung ist bereits eine unnatürliche, krankhafte Erscheinung. So ist auch die Unterbrechung des Strebens zum Überirdischen ein unnatürlicher Zustand. Man wird sagen: "Aber die meisten Menschen denken doch überhaupt nicht an das Überirdische!" Darauf läßt sich antworten, daß der psychische Zustand der meisten Menschen ja auch nicht natürlich ist.
Desgleichen muß man lebendige von toter Ruhe unterscheiden. Nicht selten wandelt sich eine sogenannte Bestrebung in eine tote Gewohnheit, und solche Beständigkeit ist nicht segensreich. Jeder vernünftige Aufbau muß auf Zweckmäßigkeit gründen. Allein in solchem lebendigen Verstehen findet man Bestätigung und kann vorankommen. Erneut muß daran erinnert werden, wieviele scheinbare Widersprüche miteinander vereint werden müssen.
Wir haben bereits mehrfach davon gesprochen, daß die Erkenntnis des Überirdischen in jedem menschlichen Zustand vertieft werden kann. Nicht nur ruhige Betrachtung, sondern auch heftige Schlachten können die notwendigen Impulse zum Voranschreiten geben. Dasselbe läßt sich über sämtliche äußeren Bedingungen sagen. Bei allem ist es für die Menschen notwendig, sich segensreiche Beständigkeit anzueignen. Man muß diesen Ausdruck so einfach wie möglich verstehen. Segen ist der Empfang überirdischer Energie. Sie wird jedem zuteil werden, der sich ihr zuzuwenden wünscht. Dabei entwickelt sich auch die Entsprechung, die es erlaubt zu unterscheiden, wo das Wichtigste und Unaufschiebbare liegt.
Der Denker riet: "Nehmt den Befehl des Herzens an, doch erinnert euch vor allem, wo das Herz sitzt und wodurch es lebt."
710. Urusvati weiß verschiedene Schichten des Denkens zu unterscheiden. Gewöhnlich wird angenommen, die äußere Schicht sei die vollkommenste, da sie sich leichter in Worten ausdrücken läßt, doch das ist unrichtig. Weitaus bedeutsamer ist die tiefe Schicht des Denkens, die in Gefühlen zum Ausdruck kommt. Sie beherrscht den Menschen in viel stärkerem Maße; aus ihr erwachsen die Handlungen, die auf das Karma einwirken. Ein feinfühliges, hochstehendes Bewußtsein vermag dem tiefliegenden Denken zuzuhören, bedarf dazu keiner wörtlichen Ausformungen und weiß, daß in der Esse der Stille der Aufstieg geschmiedet wird.
Konzentration ist der Begleiter wahren Verstehens. Geduldig und zartfühlend wird dieser stetige Gefährte herbeigerufen. Zufällige äußere Ströme können das Auftauchen des tiefliegenden Denkens unterbinden. Ihr habt festgestellt, daß das Denken der Massen primitiv ist, doch nicht deshalb, weil die Masse aus Dummköpfen besteht, sondern weil zufällige äußere, sich kreuzende Ströme und unterschiedliche Rhythmen die höchsten Ausdrucksformen niederschlagen.
Die Masse wird sich über das Überirdische nicht äußern. Die besten Worte werden unter einem Berg von Worten begraben. Selten, sehr selten ist das Denken der Masse aktiv. In der Geschichte der Menschheit gibt es nahezu keinen Hinweis auf Entdeckungen durch die Masse. Die Masse schreit ja oder nein, äußert jedoch keine höheren Begriffe. Seid daher nicht betrübt, wenn die Masse nichts vom Überirdischen hören will. Einzelne Denkende vereinigen sich zu besonderen Strömen, und ihr mächtiger Chemismus löst Felsen auf.
Der Denker sprach: "Lehre mich, der Stimme der Stille zuzuhören."
711. Urusvati weiß von der Kraft des Glaubens, doch noch kraftvoller ist das Gefühlswissen. Im Glauben ist eine Annahme enthalten, doch Gefühlswissen stellt unzweifelhafte Bestätigung dar. Es ist unzureichend, nur von einer Annahme auszugehen, auch wenn in vollem Vertrauen; die Bestätigung muß die Kraft eines Befehles haben; erst dann ist man fähig, den Weg zum Überirdischen zu finden. Laßt uns nicht glauben, jeder Gedanke über das Überirdische sei bereits fruchtbringend. Es gibt viele Eintagsfliegen, die im Weltall keine Spuren hinterlassen. Wird man nicht im Denken umherirren, solange das Bewußtsein keine Bestätigung gab, wo und wie das Wissen über das überirdische Leben zu suchen sei? Wir haben viel über die Realität der Überirdischen Welt gesprochen, doch liebt es der Mensch, das Überirdische vom Irdischen abzugrenzen, worin ein großer Schaden liegt, da allem voran die eine Energie verstanden werden muß, die in allem lebt.
Möge in den Schulen aufgezeigt werden, in welch weitreichendem Maße der Mensch in drei Welten lebt. Wie leicht verstehen die Kinder die Beweglichkeit des Menschen. Und wie wird die Schönheit der Welt zunehmen, wenn man erkennt, daß der Mensch Ausgangspunkt jeglicher Fortentwicklung ist! Es ist bereits viel über die Fülle im Raum gesprochen worden. Jeder Physiker und jeder Chemiker wird, wenn auch erst auf einfacher Stufe, diese Gesetze bestätigen. Mögen sie auch erst nur von der Materie sprechen, ganz gleich, von welcher Schicht sie dabei ausgehen.
Die Unbegrenztheit jedoch wird dazu führen, daß die Ansichten erweitert werden.
Der Denker lehnte nichts ab, wenn es den Keim der Erweiterung des Denkens in sich trug.
712. Urusvati weiß, was natürliche Anwendung der psychischen Energie bedeutet. Kosmische Erscheinungen sind rhythmisch, ebenso auch alle psychokosmischen Erscheinungen. Man kann unmöglich heute ein Zwerg und morgen schon ein Riese sein. Viele Anspannungen gehen voraus, bevor sich ein natürlicher Evolutionsprozeß vollzieht. Oftmals haben Menschen eine bedeutende Höherentwicklung erreicht, und statt die Vervollkommnung beständig weiterzuführen, verfallen sie in die Routine eines einförmigen Alltagslebens. Man muß jedoch den Wert schrittweiser Vervollkommnung verstehen; sie zeitigt wahre Errungenschaften.
Selbst kluge Forscher beachten nicht immer, daß Experimente ununterbrochen fortlaufen müssen. Sie fürchten, die Kürze des Lebens erlaube es ihnen nicht, das Begonnene zu vollenden. Würden sie jedoch die Tatsache der Fortdauer der Lebenskette und die Wahrung des Bewußtseins annehmen, so verhielten sie sich gegenüber ihren eigenen Aufgaben anders.
Man muß daran denken, daß Ewigkeit nicht kurz oder lang sein kann; sie bedarf anderer Bezeichnungen, sie bedarf einer überirdischen Sprache. Allein im Gefühlswissen kann man den Begriff der Ewigkeit schweigend zum Ausdruck bringen. Der Mensch muß auf einem unendlichen Weg gehen, ohne über die Kürze der irdischen Existenzen nachzudenken. Er kann diese Existenzen miteinander verbinden. Er kann die irdischen Leben in einen Kranz geistiger Siege verwandeln. Um so mehr schätzen wir es, wenn hier auf der Erde die psychische Energie auf natürliche Weise, jeden Tag und unermüdlich angewandt werden kann - so geht die Schwester Urusvati voran.
Der Denker riet: "Sammelt alle Kräfte, bevor ihr den höheren Weg betretet. Es darf keine Abweichungen geben, wenn der Mensch zum Überirdischen strebt."
713. Urusvati weiß, daß nur wenige imstande sind, ihre Erfahrungen früherer Existenzen zu erkennen. Nicht selten beklagen sich die Menschen, über die vorangegangenen Leben keine Kenntnis zu erhalten. Aber wenn sie sie dann doch empfangen, werden sie traurig oder verfallen in Eigendünkel.
Selten besitzt ein Mensch so viel Urteilsvermögen, um zu einer rechten Auffassung über das Lehrreiche der Lebenswechsel zu gelangen. Selten erkennt er eine nützliche Aufwärtsentwicklung. Selten versteht er seine Fehler und die daraus entstandenen Folgen. Gewöhnlich sind Klagen über das Karmagesetz zu hören, da der Mensch in irdischen Ausmaßen darüber denkt. Doch das Karmagesetz ist von kosmischer Tragweite.
Ein abgesondertes irdisches Leben ist in der Unbegrenztheit weniger als ein Senfkorn, doch wir müssen uns dem Überirdischen in der Weise zuwenden, daß wir an ihm teilhaben. Es ist kein Eigendünkel, sich für einen Bürger des Universums zu halten. Allein in solcher Auffassung kann man das Maß der Verantwortung verstehen, das mit der Teilnahme am großen Aufbau verbunden ist. Es fällt vielen schwer, sich selbst in der Eigenschaft eines Mitarbeiters vorzustellen, der am großen Aufbau teilnimmt. Die Menschen haben den Flug ihres Denkens durch die unterschiedlichsten Eingrenzungen unterbunden. Statt einer Befreiung des Denkens hat sich eine trübe Finsternis eingestellt.
Bedauerlicherweise haben bei Millionen die irdischen Existenzen nicht ausgereicht, daß der Mensch sein Denken von der Knechtschaft befreite. Die Kunst des Denkens wird abgelehnt, und in den Schulen wird nirgends darauf hingewiesen. Wie aber soll man das Überirdische erkennen, wenn es überall Hindernisse und Verbote gibt? Man muß den Erkenntnisprozeß befreien, damit die Neue Welt geschaffen werden kann.
Haltet den Gedanken über die Neue Welt nicht für unverwirklichbar; man muß sich allerdings als Teilnehmer an ihr empfinden. Es wird kein leerer Traum sein, zu einem erneuerten Leben zu streben, wenn das beste Schaffen der Völker in unaufhaltsam erfolgreichem Voranschreiten zusammenfließt.
Der Denker sprach: "Lehrer, zeige mir auf, wie ich die Erfahrungen früherer Existenzen verstehen und anwenden kann."
714. Urusvati weiß, daß Unduldsamkeit die Schwester der Unwissenheit ist. Weitgefaßte Duldsamkeit läßt Möglichkeiten zu, und daraus entsteht kühner Wagemut. Eifrigste Bestrebung erfordert neben Gefühlswissen auch, daß man in vernünftiger Weise Möglichkeiten zuläßt. Es ist unmöglich, die überirdische Welt ohne diese Grundlagen zu verstehen. Das Gefühlswissen kann dem Herzen zuflüstern, doch auch das Gehirn muß die Möglichkeit der Überirdischen Welt verstehen. Nicht nur einmal wurde gesagt, daß der Mensch ein Mitarbeiter der Schöpfung sei. Gerade dieses ist er. Jeder Gedanke schafft ein Bild. Dieses Werk wird unzerstörbar sein, und es ist an der Zeit, die Verantwortung für solche Werke zu erkennen.
Viele leichtfertige und schädliche Gedankenkonstruktionen überlasten den Raum. Gewöhnlich glauben die Menschen nicht, daß ihre schwachen Gedanken im Raum Spuren hinterlassen könnten. Doch man muß sie daran erinnern, daß selbst ein vorübergehendes Gefühl bereits eine Hieroglyphe zeichnet, die nicht fortzuwischen ist.
Nur wer den Sinn des Denkens voll erfaßt, kann lichten Wagemut in sich entwickeln. Glaubt nicht, dieses Wort habe etwas mit dreister Verwegenheit gemein. In letzterer ist Grobheit enthalten, doch höherer Wagemut ist immer gütig. Er eröffnet den Weg zu herrlichem Gedankenschaffen. Man muß jeden schönen Gedanken hüten. Möge er sich im Raum weiterentwickeln. Er wird ein wahres Geschenk für den Aufbau des Weltengebäudes sein. Doch mögen die Menschen beginnen, in natürlicher Weise über die Überirdische Welt nachzudenken und ihre Berührungen im Alltagsleben wahrzunehmen. Wir sprechen von einem Alltagsleben als einer ständigen Verbindung mit dem Überirdischen, als einem Leben, wo das Überirdische seine vollgültige Stellung einnimmt. Wer das Verstehen des Überirdischen einbüßt, macht sich selbst zu einer Quelle der Betrübnis.
Der Denker sprach: "Nicht allein von außen erlangt man Erkenntnis über das Überirdische; es wird in unserem Inneren geboren. Möge das Zeichen kühnen Wagemutes im Herzen brennen."
715. Urusvati weiß, daß selbst eine geringe Zufügung eines Fremdstoffes eine chemische Verbindung verändert. Ein Gift kann sich zu einer heilsamen Substanz umwandeln und umgekehrt. Dieses sehr einfache Beispiel muß man den Menschen vorführen, die den Gedanken nicht zulassen, daß die Gegenwart oder Abwesenheit eines einzigen Menschen sich auf große Ereignisse auszuwirken vermag.
Die Unwissenden sagen: "Kann denn ein einziger Tatmensch auf den Verlauf der Verhältnisse Einfluß nehmen?" Die Unwissenden wollen nicht erkennen, daß Wir weniger die physische Anwesenheit eines Menschen als vielmehr seine psychische Einwirkung im Sinn haben. Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, daß eine einzige Person äußerst nützliche Entscheidungen herbeiführte. Ebenso läßt sich darauf verweisen, daß ganze Länder ihre Wohltäter vertrieben und damit einen überaus schweren Weg wählten.
Es ist kein Märchen, daß die Aura gewisser Menschen von erschütternder Bedeutung ist. Sie kann eine äußerst giftige Verbindung in ein Heilmittel verwandeln, doch die Unwissenden lassen
eine solche wissenschaftliche Überlegung nicht zu. Sie ziehen es vor, den bittersten Kelch zu lehren, nur um keine vernünftige Überlegung zuzulassen. Es herrscht in der Welt um solcher Unwissenheit willen viel Unglück! Die Überirdische Welt kann solchen Unwissenden nicht erscheinen, die ihr eigenes Verderben vorziehen, nur um das Denken der Menschheit nicht zu befreien. Regenten haben viele der besten Aufschwünge des Denkens unterdrückt. Man darf die Evolution nicht derart martern! Die Überirdische Welt klopft im Bewußtsein an, doch muß die Unwissenheit groß sein, um einer natürlichen Erkenntnis derart zu widerstreben.
Der Denker sprach: "Wer die Freiheit des Denkens vertreibt, bereitet sich einen entsetzlichen Weg."
716. Urusvati weiß, wie gut man im fernen Altertum die Bedeutung der menschlichen Ausstrahlungen verstand. Oftmals vollzog man Heilungen durch Auflegen der Hände oder umgab einen Kranken mit Gesunden. Doch mit der Zeit unterließen die Menschen es nicht nur, diese heilsamen Eigenschaften weiterzuentwickeln, sondern vergaßen sie sogar.
Als der Mesmerismus an solche Einflußnahmen erinnerte, hielten die Menschen ihn für vollkommen neu und ungewöhnlich. Ich spreche davon, um daran zu erinnern, wie oft die Menschheit ihre Errungenschaften vergaß. Gerade schien es, als befinde sich die Wissenschaft in unaufhörlicher Fortbewegung, doch dann wird klar, daß diese in Sprüngen und mit vielen Stockungen verlief. Doch sollten die Menschen sich nicht mit einer solchen Gewohnheit bescheiden. Dereinst werden sie sich viele vergessene Errungenschaften wieder vorstellen können.
Es wäre nützlich, ein Buch über vergessene Wege zu schreiben. Es wird nicht nur übernatürliche Erscheinungen berühren, sondern auch auf eine natürliche Geschichte verweisen, aus deren Seiten vieles ursprünglich bekannt, doch dann wieder vergessen war. Man muß die breiten Massen an ihre vergessenen Errungenschaften erinnern. Hindernisse wird es dabei nicht wenige geben, da gleiche Begriffe in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich zum Ausdruck kommen. Man muß viele Sprachen und die Psychologien der Völker kennen, um die Verbindung der Erkenntnisse zu verfolgen, die über die Jahrhunderte verstreut wurden.
Bei solchen Nachforschungen muß man seine Aufmerksamkeit auf überirdische Gegebenheiten richten, die in den Archiven der Volksweisheit reichlich verstreut sind. Man darf die früheren Errungenschaften nicht mißachten. Es ist unvernünftig zu sagen: "Laßt uns mit dem Heute beginnen", wenn gestern bereits Schätze gesammelt wurden.
Die Überirdische Welt ist in den Überlieferungen vielfach dargestellt worden, und dies in herrlichen Beschreibungen! So kann man vorwärtsschreiten, ohne Schmutz auf Vergangenes zu werfen.
Der Denker sprach: "Hütet euch vor den Wegen der Unwissenheit, denn sie sind schmutzig."
717. Urusvati weiß, was wahre Zusammenarbeit ist. Ich habe bereits davon gesprochen, daß jeder Mensch in jedem beliebigen Zustand unvermeidlich mit der Überirdischen Welt zusammenarbeitet. Doch eine solche unbewußte Zusammenarbeit kann als tierisch bezeichnet werden, während Wir bewußte menschliche Zusammenarbeit erwarten.
Es läßt sich sagen, daß solche Zusammenarbeit sich auf natürliche Weise bei der Erkenntnis der Überirdischen Welt einstellt. Dieser Erkenntnisprozeß vollzieht sich schrittweise, wenn sich das Denken in einer Betrachtung über etwas ergeht, das außerhalb unserer selbst existiert. So beginnt das Feuer der Erkenntnis zu erglühen.
Der Denker sprach: "Lehrer, erlaube mir, Dein Helfer zu werden."
718. Urusvati weiß, wie untrennbar Biologie und Ethik sind. In fernen Zeiten stellten die Religionen starke Bindeglieder dar, die den Menschen zur Höheren Welt führten, doch später bauten sich im Umkreis der Religionen Verbrechen, Aberglaube und Heuchelei ein Nest. Die Menschen begannen darauf, viele vernunftbegründete Zugänge zur Überirdischen Welt zu suchen. Philosophische Erkenntnissuche und Wissenschaft zeigten Möglichkeiten der Annäherung an die Höhere Welt auf, doch begriffen die Denker auch, daß die Wissenschaft ohne ein ethisches Fundament eine tote Erscheinung bleiben würde. Wir müssen daher beständig daran gemahnen, daß die Wissenschaft ohne die Erkenntnis einer lebendigen Ethik nicht voranschreiten kann.
Von den ersten Schuljahren an müssen bereits die Grundlagen der Biologie unterrichtet und die Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie im Leben anzuwenden sind. Vor einer Vertiefung in wissenschaftliche Formeln müssen feste Lebensgrundlagen vermittelt werden, nur dann läßt sich auch ein lebendiger Weg zu lebendigen Erfolgen finden.
Wir lehnen nichts Nützliches ab. Die Fundamente wurden in vielfacher Wiederholung gegeben, ohne daß man sie sich jedoch bisher fest aneignete. Laßt uns daher die Erkenntnissuche begrüßen, doch ergänzen wir sie um den Begriff der Ethik. Macht euch die Tatsache zu eigen, daß ein unethischer Gelehrter kein Mitarbeiter der Evolution sein kann. Tiefgründige Denker werden auch Menschen mit einem hohen Ethikbewußtsein sein.
Der Denker sprach: "Lehrer, weise mir den Weg der Schönheit des Geistes."
719. Urusvati weiß, daß der Mensch im irdischen Zustand die Qualität seiner Handlungen nicht einzuschätzen vermag. Nicht selten werden beste Taten durch Eigennutz getrübt und selbstaufopfernde Taten im Staub des Alltags vergessen.
Ich bestätige, daß die Beweggründe der Handlungen in der Tiefe des Bewußtseins liegen. Selbst hochstehende Geister vermögen die Ursache ihrer Handlungen nicht zu erkennen. Natürlich ist solche Erkenntnis im feinstofflichen Körper erleichtert, aber dennoch auch dort eine relative.
Man darf nicht glauben, die Unmöglichkeit einer wahren Einschätzung der Taten sei eine Katastrophe. Wozu sich in eine rationale Bewertung der Handlungen versenken, wenn es dem Menschen gegeben ist, das Gute zu schaffen? In jeder Handlung wird das Gute einen Nutzen darstellen. Je mehr das Gute hineingelegt wird, um so mehr nützlicher Aufspeicherungen gibt es. Man darf dem Verstand nicht in einem Bereich Zutritt gestatten, wo das Herz herrschen muß. Der Verstand könnte in eigennütziger Weise dort etwas rechtfertigen, wo das Herz bereits Unrecht erfühlt.
Die psychische Energie lebt vor allem im Herzen. Die Wissenschaft kann nicht erfolgreich sein, wenn sie nicht die Grundlage der psychischen Energie versteht. Die Neue Welt, von der der beste Teil der Menschheit träumt, kann sich nur auf einem richtigen Verständnis der psychischen Energie gründend bilden. Der Mensch kann in Freundschaft mit ihr leben - oder in Feindschaft, doch eine solche Zersetzung ist unzulässig.
Ihr könnt hinterlistige Menschen hören, die da sagen: "Wäre es nicht besser, alle Überlegungen über die psychische Energie den Gelehrten zu überlassen? Wenn die Wissenschaft dann von dieser Energie spricht, wird auch der gewöhnliche Erdenbürger über sie reden können." Doch die hinterlistigen Schädlinge wissen ausgezeichnet, daß psychische Energie Gemeingut ist.
Die Menschheit muß verschiedene Erscheinungen der psychischen Energie unterscheiden. Die Beobachtungen dürfen unmöglich auf eine kleinere Gruppe von Gelehrten beschränkt bleiben. Überdies können unter ihnen eigennützige Personen mit vorgefaßten Urteilen sein. Die Entwicklung der gesamten Menschheit steht auf derjenigen Stufe, da entschieden alle zur Zusammenarbeit aufgerufen werden müssen, denn die Grundlage des Daseins besteht in vernünftiger Zusammenarbeit und klarer Erkenntnis der psychischen Energie, anderenfalls wird die Menschheit ins Chaos stürzen. Alle äußeren Errungenschaften werden nicht vor einer solchen gegenseitigen Zerstörung bewahren können.
Es ist nicht vorstellbar, wie das Harmagedon ohne ein Verständnis der Daseinsgrundlagen beendet werden soll. Ich spreche so, damit die Menschen wissen, wie sehr das Überirdische die Entscheidung der irdischen Ereignisse darstellt. Glaubt nicht, das Überirdische könnte in Ruhe verweilen, wenn die irdische Wirrnis alles zersetzt. Doch Urusvati weiß, wie sehr wahre Erziehung der Gefahr von Verwahrlosung vorbeugen kann. Nach allen Erfindungen wenden die Menschen sich der Verwahrlosung zu! Haltet dies nicht für eine Übertreibung. Es ist leider so, daß die Kämpfe des Harmagedon mit unzählbarem Elend drohen.
So sprach der Denker: "Es wird die Stunde eintreten, da die Menschen über Unbegrenztheit in allem nachdenken müssen."
720. Urusvati weiß, daß Beobachtungsgabe eine der wertvollsten menschlichen Eigenschaften ist. Wir nennen sie Scharfsicht, die jeder Sehende besitzen sollte. Die Wirklichkeit beweist jedoch das Gegenteil. Die Menschen trüben ihr Denken mit Aberglauben und Vorurteilen, woraus eine Art Überillusion entsteht. Zur Beobachtungsfähigkeit muß jedoch erzogen werden.
Nicht ohne Grund bestehen Wir so oft darauf, daß wahre Erziehung so unerläßlich ist. Ihr könnt feststellen, daß Wir von gewissen Eigenschaften wiederholt sprechen, was bedeutet, daß gerade diese Seiten des Lebens von einer umherirrenden Menschheit vergessen wurden. Unwissenheit herrscht nach wie vor. Stimmen der Aufklärung sind einsam und werden verfolgt. Auch wenn die Verfolgungen sich in der Art ein wenig von denjenigen früherer, verfinsterter Jahrhunderte unterscheiden, so existieren sie doch in all ihrer Unmenschlichkeit.
Brüsten wir uns nicht mit der heutigen Kultur, denn sie hat verzerrte Formen angenommen. Was für eine Kultur ist es denn, die erfolgreich voranschreiten soll, wenn selbst die Kunst des Denkens der Jugend nicht gelehrt wird! Selbst gelesene Bücher helfen nicht, wenn der Inhalt nicht gründlich durchdacht wird. Es ist daher unerläßlich, Scharfsicht zu entwickeln, damit der Sinn der Weltereignisse offenkundig werde.
Die Menschen suchen sich damit zu rechtfertigen, daß das Universum ins Chaos gestürzt und dadurch das menschliche Denken kraftlos ist. Doch auf das Denken ist solch eine Definition nicht anwendbar. Gerade der Gedanke ist in jeder Hinsicht machtvoll. Ein sehr bestrebtes Bewußtsein trägt bereits räumlichen Erfolg davon,
und sogar die Keime der Gedanken sind bereits machtvoll. Beobachtungsvermögen hilft zu erkennen, daß der Gedanke nicht allein die Muskeln bewegt, sondern auch die komplexesten Wirkungen im Leben ausübt. Inmitten des Alltagslebens kann man die wunderbarsten Erscheinungen beobachten.
Der Denker sprach: "Ich möchte die Erscheinungen der Unbegrenztheit beobachten."
721. Urusvati weiß und hat es selbst erfahren, wie sehr die unsichtbare und unhörbare Welt sichtbar und hörbar werden kann. Hierbei ist bedeutsam, daß eine wirkliche Aufspeicherung sich als natürlicher Weg herausstellt. Die ältesten Völker kannten bereits einige gewaltsame Methoden, um den Weg zum Unsichtbaren zu eröffnen, doch sind alle unnatürlichen Annäherungsversuche ohne Wert.
Man kann sehen, daß im Weltall alles zweckmäßig ausgerichtet und mit völlig natürlichen Maßnahmen erreichbar ist. Daher sind die Aufspeicherungen Urusvatis so wertvoll. Natürlich können solche Stufen nicht unverzüglich erreicht werden. Man muß sich Schwingungen aneignen, die nur durch die Arbeit vieler Jahre aufgenommen werden können, noch besser gesagt: nicht vieler Jahre, sondern vieler Jahrhunderte. Um so mehr muß man solche Aufspeicherungen hüten. Diese haben nicht das persönliche Wohl zum Ziel, sondern die erfolgreiche Entwicklung der Völker.
Die natürlichen Aufspeicherungen muß man besonders hüten, da die Wissenschaft oft keine Hilfe, sondern eine Erschwernis darstellt. Mittelmäßige Gelehrte sind zu Vorurteilen geneigt, wobei sie meinen, den Aberglauben damit auszutreiben; in der Tat jedoch säen sie neue schädliche Hindernisse. Sucht in allem die natürlichen Wege.
Der Denker sprach: "Lehrer, öffne mir den einfachsten und direktesten Weg."
722. Urusvati weiß von der Bedeutung des Rhythmus beständigen Verkehrs mit der Höheren Welt. Der Rhythmus höherer Energien wird durch langjährige Arbeit erreicht. Man darf nicht denken, eine Erleuchtung könne diesen Rhythmus festigen. Zunächst sind Hinwendungen in Worten erforderlich, die sich dann in schweigendes Streben wandeln und schließlich in einen Rhythmus zusammenfließen, der beständig im Herzen erklingt, im Wachen und im Schlafen. Eine grundlegende Eigenschaft verstärkt die Schwingung. Wir nennen diese Eigenschaft ekstatische Liebe; in ihr sind höchste Hingabe, unauslöschliches
Vertrauen und unerschöpfliche Macht enthalten. Eine solche Stufe des Aufstieges ist sehr hochstehend, doch nirgends gibt es ein Ende.
Man kann es als eine sehr hohe Prüfung bezeichnen, wenn die geschaffene Stufe sich im irdischen Leben vollzieht, ohne vom Alltag abzuweichen. Natürlich ist es schwer, die Öllampe inmitten grober Schwingungen, Unwissenheit und Bosheit zu tragen, doch um so herausragender ist die Errungenschaft. Nicht in einer Abweichung vom Leben, sondern in ständiger Bestrebung zur Höheren Welt vollzieht sich jene Aufnahme des Höheren, die die Menschen Synthese nennen. Wie selten lassen sich im Leben Arbeiter finden, die sich dem Dienst an der höheren Welt widmen!
Mitunter sprechen die Menschen vom Gemeinwohl, doch dieses wird erst möglich werden, wenn die Höhere Welt angenommen wird. Nur auf solche Weise wird das Ziel der Vervollkommnung ein weises sein und alles menschliche Suchen zusammenführen können. Man kann sich verschiedene Wanderer vorstellen, die auf demselben Pfad zu gehen versuchen und sich nur in ihren Worten unterscheiden.
Der Denker sprach zu Seinen Schülern: "Nehmt auf, versteht und liebt."
723. Urusvati weiß, wie schwer die Menschen die Teilbarkeit des Geistes verstehen. Sie meinen, dieser Begriff widerspreche der Wissenschaft, lassen jedoch neueste Entdeckungen ihrer Aufmerksamkeit entgehen, die dieses Gesetz der psychischen Energie nur bestätigen.
Eine gewöhnliche Radio- oder Fernsehausstrahlung kann wissenschaftlich verständlich machen, wie eine Energieausstrahlung in viele Richtungen verläuft. Natürlich sind zu einer erfolgreichen Ausführung Apparate notwendig, Sende- wie Empfangsgeräte. Der Mensch selbst jedoch erweist sich als ein vollkommener Apparat für die Übertragung von Energien. So muß man verstehen, daß nicht allein naturgemäße Eigenschaften des Menschen, sondern auch sein freier Wille an jedem psychischen Experiment teilnehmen werden.
Oft wird ein Gedanke richtig gesendet, doch der Empfänger kann ihn abweisen. Es kann auch umgekehrt sein, der Empfänger ist feinfühlig, die Sendung jedoch verworren. Den Menschen scheint es oftmals, als hörten sie etwas, sie können jedoch die Schwingungen nicht aufnehmen, wodurch sich nur ein Wirrwarr ergibt.
Man darf nicht glauben, Übertragungen von Gedanken und Bildern seien nur auf den Höhen möglich; jedes beliebige Experiment mit psychischer Energie kann überall durchgeführt werden. Natürlich
ist die konzentrierte Besiedelung der Städte für die Klarheit einer Übertragung nicht günstig. Dennoch muß man sich dazu erziehen, die psychische Energie unabhängig von physischen Bedingungen arbeiten zu lassen.
Urusvati kann bestätigen, daß anfangs jeder hinzutretende Laut Schmerz verursachte, doch dann konnte bei Festigung der Schwingungen das Experiment unter beliebigen Bedingungen verlaufen. Solche angespannte Aufmerksamkeit und Scharfsicht ergeben sich sehr schwer und erfordern zu ihrer Entwicklung eine äußerst lange Zeit, doch verdient die psychische Welt besondere Aufmerksamkeit.
Der Denker sprach: "Laßt uns nicht zu den Zeiten zurückkehren, da der Donner für göttlichen Zorn gehalten wurde."
724. Urusvati weiß, wie oft die Menschen mit falschen Anwendungen grundlegenden Begriffen schaden. So sprechen sie von übermenschlicher Anstrengung, doch ist im irdischen Leben alles menschlich. Man kann von würdiger oder erhabener Anstrengung sprechen, doch wird sie dennoch eine menschliche sein. Durch solche unwissenden Ausdrucksweisen setzen die Menschen sich selbst herab.
Es kommt jedoch die Zeit heran, da alle Schätze, über die der Mensch verfügt, verstanden werden müssen. Man muß jene wahre Wissenschaft anerkennen, die sich mit der uranfänglichen Energie befassen kann. Die Menschen wissen vom Gold, das die Meere sättigt, doch wollen sie die Energie des Raumes nicht sehen. Wir nennen sie psychische Energie, doch ließen sich auch andere Bezeichnungen finden. Vielleicht habt ihr vom Segen gehört? Er existiert und ist nichts anderes als die psychische Energie.
Man kann ihre Erwähnungen in den verschiedenen Sprachen des Ostens finden, doch ist ihr Verständnis sehr verzerrt. Wir bestätigen sie und rufen die Gelehrten auf, das energetische Prinzip anzuerkennen. Auf dieser Grundlage werden auch alle übrigen Lehren einen Platz finden.
Wir verneinen nicht; Wir zerstören nicht, sondern bauen im Einklang mit der Psychologie der Menschheit auf. Jede Epoche hat ihre Bedingungen, die man nicht verneinen darf. Oftmals scheint das Erhabene verschleiert zu sein und zerstörerische Massen brechen ein, doch auch auf solche Zeichen muß man aufmerksam achten, da auch in ihnen eine künftige Stufe enthalten ist. Man muß die Evolution in all ihren Aspekten lieben lernen. Bewegung ist die Grundlage des Lebens.
Der Denker wiederholte: "Wanderer, eile ans Ziel und übernachte nicht in eisigem Strom."
725. Urusvati weiß, wie sehr die Menschen sogar einfachste Begriffe entstellen. Sie fassen Ruhe als leblose Untätigkeit auf, doch stellt gerade Ruhe angespannte psychische Tätigkeit dar, einem klaren Brunnen gleich, an dessen Grund heilsame Quellen ihr Naß zum Wohl der Menschheit herbeitragen. So muß man die Ruhe als vertiefte, erhabene Arbeit ansehen.
Der Lehrer prüft den Schüler vor allem darauf hin, ob er in einer Stunde besonderer Anspannung Ruhe bewahrt. Es ist verblüffend, wie selten die Menschen diese Prüfung bestehen. Die Ursache liegt darin, daß die Menschen die Höhere Welt und die psychische Energie nicht anerkennen. Sie meinen, grobe physische Bedingungen seien trotz allem bedeutsamer. Man kann solche Unwissenheit bedauern, da sie eine Vielzahl bester Möglichkeiten fortgetragen hat. Ihr selbst habt oft gesehen, daß selbst gebildete Menschen wissenschaftlichen Grundlagen keine Aufmerksamkeit widmen wollten. Ihre eigene Wissenschaft schleppt wie ein träges Pferd mit verbundenen Augen seinen Karren hinter sich her.
Wir werden nicht müde, immer wieder von den Wegen zu sprechen, die frei von Vorurteilen sind. Man könnte fragen, was daran Neues sei. Möge man sich jedoch vor Augen halten, wieviele neue Wege der Menschheit bevorstehen. Mögen an der neuen Evolution alle teilnehmen. Nicht einige besonders Auserwählte, sondern alle, die sich als Mensch bezeichnen. Mögen sie an die gemeinsame Arbeit gehen, die die Höhere Welt eröffnet.
Laßt uns keine wichtigtuerischen Worte von uns geben. Möge die Arbeit aufrichtiger Erkenntnissuche die Arbeit des Alltags sein. Auch an solcher Arbeit sollten alle teilnehmen. Vergessen wir nicht, daß jeder Mensch ein Träger der psychischen Energie ist und wenigstens einige ihrer Erscheinungsformen erfahren kann. Auf solche Weise wird der Mensch sich einem neuen Glück nähern und verstehen, was Gemeinwohl bedeutet.
Der Denker wies darauf hin, daß derjenige, der die Ruhe bewahren könne, bereits in einen heilsamen Brunnen geblickt hat.
726. Urusvati weiß, daß die Macht der Gefühle die psychische Energie in Bewegung setzt. Besonders stark ist die Liebe, doch fast ebenso stark ist der Haß.
Man wird fragen, ob dies bedeute, daß man durchaus im Haß existieren könne. Man kann, doch ist dies nicht vorteilhaft. Der Haß erzeugt nicht nur Imperil und verkürzt das Leben durch Krankheiten, sondern die Hauptsache liegt in der entsetzlichen Bedeutung des Hasses in der Feinstofflichen Welt. Ihr wißt bereits, daß alle Gefühle und deren Folgen sich in der Feinstofflichen Welt verstärken. Stellen wir uns nun vor, wie schwer es dem Hassenden fallen wird, sich von verderblicher Furcht loszureißen. Er gerät nicht nur in den Umkreis des Bösen, sondern sein ganzes Wesen wird vom Gift des Bösen erfüllt. Er leidet, da er selbst diese Qual hervorgerufen hat. So sagen Wir - es ist vorteilhaft, im Guten und in der Liebe zu leben. Ein solcher Zustand verstärkt sich in der Feinstofflichen Welt und wird zu einer Quelle des Glücks.
Vieles wird demjenigen Menschen zugänglich, der das Gute verstanden hat. Er vermag die Schwingungen der Höheren Welten wahrzunehmen, er wird die Sphärenmusik vernehmen können, er wird auf den Stufen der Harmonie und Schönheit emporsteigen. So haben diejenigen Philosophen recht, die bestätigen, daß die Schönheit das Gute sei und das Gute schön.
Natürlich halten viele solche Formeln für abstrakt und unanwendbar im irdischen Leben. Doch müssen diese Verneiner noch viele Male die Bedingungen der Feinstofflichen Welt erfahren, um in ihrem Bewußtsein die Wahrheit zu festigen. Man kann diejenigen bedauern, die, des Lesens und Schreibens kundig, sich einbilden, damit bereits die Lehre des Lebens erfaßt zu haben.
Laßt uns Nichtwissen nicht verurteilen, streng jedoch die Unwissenheit. Man muß verstehen, wo die Grenze zwischen Nichtwissen und Unwissenheit liegt. Das eine ist heilbar, während die andere oftmals schon nicht mehr in einem Leben zu bessern ist. Unwissenheit ist immer dünkelhaft und wichtigtuerisch. So läßt sich an alltäglichen Zeichen das Wesen des Menschen wahrnehmen.
Der Denker sprach: "Nichtwissen ist verzeihlich, doch Unwissenheit taugt für die Zusammenarbeit nicht."
727. Urusvati weiß, daß das Prinzip der Erkenntnisentwicklung ein einheitliches ist. Viele lieben es, daß sich alles auf wissenschaftlicher Grundlage vollziehe. Lassen wir ihnen die Möglichkeit der wissenschaftlichen Forschung. Die Wissenschaft hat sich jedoch derart verzweigt, daß einige ihrer Zweige sich sehr konträr gegenüberstehen und Einigkeit nicht gefunden wird. Mögen die Gelehrten den psychischen Zustand von Forschern in der Zeit ihrer höchsten geistigen Anspannung beobachten. Dabei lassen sich verblüffende Ähnlichkeiten in der Anspannung der schöpferischen Zentren entdecken. Der Philosoph und Physiker, der Geograph
und der Psychologe, sie alle werden in der Stunde ihrer glücklichen Entdeckungen Gleiches aufweisen.
Beginnt von dieser Stunde an zu beobachten, und ihr werdet zu der Schlußfolgerung gelangen, daß die Wissenschaft als Erkenntnissuche ein einheitlicher Baum ist, dessen Zweige nur aus einer einheitlichen Wurzel herauswachsen können. So lassen sich lehrreiche Beobachtungen anstellen, und solch ein Weg wird zur Erkenntnis der Überirdischen Welt führen.
Laßt uns nicht erstaunt sein, daß viele Gedanken gleichzeitig an verschiedenen Stellen der Erde auftauchen. Die sie hervorbringenden Gelehrten kennen einander nicht, sie gehen auf verschiedenen Wegen und denken in den Grenzen der Eigenschaften ihres Volkes, und nichtsdestoweniger zieht ein einheitliches Element sie zum Gemeinwohl hin. Wieviele herrliche Beobachtungen lassen sich durchführen, wenn das Bewußtsein erweitert ist und frei von Verneinung, die der Unwissenheit angehört! Laßt uns also lernen zu erfassen, und schauen wir mit freiem Blick empor.
Der Denker bestätigte, daß die Menschen des Altertums bereits vieles wußten, was in den nachfolgenden Jahrhunderten wieder vergessen wurde.
728. Urusvati weiß, daß Psychologie zu einer realen Wissenschaft werden sollte. Sie muß sogar noch realer werden, als es die Physiologie ist, doch ist es notwendig, sie von den ersten Schulklassen an zu unterrichten und entsprechend bis zu den höchsten Bildungseinrichtungen weiterzuführen.
In sämtlichen Bildungsbereichen sollten die psychologischen Grundlagen miteinbezogen werden. Man kann solch eine Wissenschaft auch anders benennen, doch möge die bereits angenommene Bezeichnung dennoch bleiben. Wir vermeiden jähe Veränderungen, wenn man ein nützliches Ziel mit den gewohnten Ausdrucksformen erreichen kann. Die Psychologie muß die verborgenen Kräfte des Menschen studieren. Sie muß sich nicht nur der Philosophien des Altertums bedienen, sondern auch auf freiem, wissenschaftlichem Weg voranschreiten. Selbst ein vergleichendes Studium der Religionen wird ein Bereich der Psychologie sein, da sie alle die Erkenntnis der Überirdischen Welt zur Grundlage haben.
Laßt uns nicht stolz an den Errungenschaften des Altertums vorbeigehen, da sich unter verschiedenen Bezeichnungen ein und dieselben, auf Erfahrung fußenden Schlußfolgerungen verbergen. Man muß gerade freie wissenschaftliche Methoden anwenden, denn das Leben weist in all seinen Erscheinungen auf Wege zur Erkenntnis der Unsichtbaren Welt. Viele Energien fließen entweder in einer zusammen oder aus einer hervor -
der psychischen Energie. Lehrreich sind Beobachtungen über die weitverzweigten Kräfte, die sich in jedem Wesen individuell ausprägen. Man muß hochschätzen, daß die Individualität so großzügig angelegt ist; gerade sie wird den Gelehrten helfen, scheinbar Nichtübereinstimmendes einander anzunähern.
Der Denker sprach: "Man kann aus den unterschiedlichsten Stimmen einen klangvollen Chor gestalten. Die Menschen besitzen den Willen, doch nur wenige vermögen ihn besonnen anzuwenden."
729. Urusvati weiß, daß der Wille geschärfte, zur Tat schreitende psychische Energie ist. Im Altertum war der Pfeil das Symbol des Willens. Heute spricht man viel von einer Entwicklung des Willens und schlägt künstliche Methoden vor, um den Willen zu stärken, doch sollte er durch eifrige Tätigkeit entwickelt werden.
Wenn ihr sogenannten willenlosen Menschen begegnet, seid davon überzeugt, daß sie vor allem Faulpelze und in diesem Zustand nur halbbewußt sind, ohne zu versuchen, sich zur Selbsttätigkeit anzuspornen. Solche Menschen gibt es viele, und sie werden es nicht so rasch verstehen, daß schöpferische Arbeit ihren Pfeil der Errungenschaft schärft. Man muß festhalten, daß Willenlosigkeit von Angst, Mutlosigkeit, Undankbarkeit und anderen entsetzlichen Erscheinungen der Unwissenheit begleitet ist.
Wenn wir über die Überirdische Welt nachdenken, müssen wir unseren ganzen Willen sammeln, um tapfer die niederen Schichten zu überwinden, welche die Menschen an ein von Unwissenheit geprägtes Dasein festnageln. Laßt uns diejenigen nicht bedauern, die sich selbst der Möglichkeit des erfolgreichen Voranschreitens beraubt haben. Aus Mitleid zeigen Wir solchen Menschen zwar, was sie verlieren, doch seid überzeugt, daß Unsere Ratschläge ihr Bewußtsein nicht erreichen.
Allein ein arbeitsames Leben wird sie lehren, die Qualität produktiven Tuns zu schätzen, und auf solch einem Weg des Kampfes werden sie die Rüstung des Willens anlegen. Inmitten des Alltagslebens lassen sich schöne Übungen des Willens finden; mögen solche natürlichen Wege gesegnet sein.
Der Denker mahnte Seine Schüler, nur keine Mutlosigkeit zuzulassen.
730. Urusvati weiß, daß Aufmerksamkeit eine der ersten Bedingungen erfolgreicher psychischer Beobachtungen ist. Die Menschen sprechen gern von Bestrebung,
Scharfsicht, angespannter Beobachtung, ohne sich jedoch die einfachste Beobachtungsfähigkeit wirklich angeeignet zu haben. Für sie nimmt die Formel "in der Gefahr leben" eine absurde Bedeutung an. Gewiß, ein erweitertes Bewußtsein führt auch zu natürlicher Aufmerksamkeit, doch gibt es nicht viele solcher Bewußtseine.
Glücklicherweise kann jeder zur Aufmerksamkeit erzogen werden, doch muß dies sowohl in der Familie als auch in der Schule geschehen. Man muß die Aufmerksamkeit der Kinder nicht nur auf bestimmte besondere Erscheinungen richten, sondern auch auf kleinste Züge des Alltagslebens.
Die psychische Welt offenbart sich vor allem im Alltagsleben. Die wertvollsten Eigenschaften eines Geistes lassen sich sogar im grauen Alltag beobachten. Laßt uns als Helden nicht allein diejenigen ansehen, die in äußerlich sichtbar großen Taten zum Gemeinwohl streben, sondern erkennen wir aufmerksam auch die Arbeiter inmitten des Alltagslebens. Eine solche Aufmerksamkeit erbringt viele Beobachtungen, unter denen sich natürliche psychische Energie offenbart.
Wenn wir von der Feinstofflichen Welt sprechen, müssen wir auch die feinsten Energien als gegeben unterstellen. Solche Energien müssen mitten im Leben beobachtet werden. Man darf nicht denken, daß sich irgendwo wundersame Kräfte offenbarten; sie sind bereit, sich in jedem Menschen zu offenbaren, nur muß man sie aufmerksam erkennen.
Zu dieser Aufmerksamkeit im Alltagsleben raten Wir daher allen, die über die Überirdische Welt nachdenken wollen. Glaubt nicht, solche Übung sei leicht, denn die Menschen ertragen die dafür notwendige Beständigkeit nicht. Sie sind bereit, mitunter in Träumen zu fernen Welten zu fliegen, doch werden sie durch solche Träume nur flüchtig in den Raum getragen. Wir raten daher, die herrliche Gabe der Beobachtung mitten im Alltagsleben zu erlernen. Möge sie sich vom Kindesalter an entwickeln.
Der Denker sprach: "Achtet auch auf den Boden unter euren Füßen, damit ihr nicht stolpert."
731. Urusvati weiß, daß die Menschen nicht nur die Realität der psychischen Welt anerkennen, sondern auch ihre Wirkungen auf das irdische Leben wahrnehmen müssen. Viele sprechen wiederholt von der Existenz eines gewissen Etwas, ohne jedoch in ihrem Alltagsleben die Anwesenheit mächtiger psychischer Energien für möglich zu halten. Indessen ist die Zeit herangekommen, da der Mensch
seinen Stimmungen, Begeisterungs- und Erregungszuständen wie auch bestimmten Schmerzen Aufmerksamkeit widmen sollte.
Eine Fortentwicklung des Menschen ohne ein bewußtes Herangehen an die psychische Welt ist nicht vorstellbar. Hierbei muß daran erinnert werden, daß Wir mehrfach vor Psychismus und Mediumismus gewarnt haben. Mögen die Menschen verstehen, daß solche künstlichen, ungesunden Abweichungen keine gesunde Erweiterung des Bewußtseins darstellen. Wir wiederholen mit Nachdruck, daß der Mensch sein Denken erheben muß, dann wird er auf dem Weg zur Überirdischen Welt auch vorankommen.
Laßt uns keine bedingten Rituale vorschreiben, notwendig ist vor allem, die Individualität des Menschen zu wahren. Ein reiner und hochstehender Wille wird auf dem ihm eigenen Weg zur Vereinigung der Bewußtseine führen; er hilft, Augen und Ohren für das Verstehen weltumfassender Anwendungen zu reinigen. Allein mit dieser Art Auffassungsgabe wird sich der Mensch auf dem Weg wahrer Erkenntnis voranentwickeln. Laßt uns die Gelehrten bitten, feinfühlig zu sein und nicht jede Beobachtung abzuweisen, die zu weiteren Forschungen führen könnte. Allein gegenseitige Achtung erlaubt es, vieles zu verwirklichen.
Mögen die Völker lernen, über das Gemeinwohl nachzudenken, da Eigennutz sich als das schwerste Hindernis bei der Fortentwicklung erweist. Die der Menschheit als Los zuteil werdenden entsetzlichen Prüfungen beschleunigen das Herannahen weltweiten Aufbaues.
Der Denker sprach: "Lehrer, zeige mir auf, mit welchen Worten ich die Menschen zum dringlichsten aufrufen soll."
732. Urusvati weiß, daß eine durch Liebe und Freude vermittelte Erleuchtung stärker ist als eine durch Leid entstandene. Und dennoch weist man ständig darauf hin, daß gerade das Leid den Menschen reinige.
Wie kann es nur geschehen, daß der Mensch die stärkste Erleuchtung nicht zu nutzen vermag? Die Antwort ist einfach - das Leid wird vom Menschen in der grobstofflichen Welt ausgesät und dringt noch teilweise in die Feinstoffliche Welt ein. Reine Liebe und Freude jedoch leben in der Feurigen Welt und werden vom Menschen selten verstanden. Im Lauf der weiteren Evolution werden die Menschen jedoch erkennen, wo ihr Schatz liegt und werden sich dem lichten Heilmittel zuwenden.
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Unter den neuen Errungenschaften der Wissenschaft wird auch auf die mächtigen Gefühlsregungen der Liebe und der Freude hingewiesen werden. Möge sich die Menschheit Schritt für Schritt diesen lichten Bewegern annähern und verstehen, daß bereits jeder Gedanke an Freude ein heilsamer Beginn ist. Selbst inmitten von Unglück kann man Liebe und Mitleid offenbaren. Mögen diese Meilensteine dem ermüdeten Wanderer helfen. Mögen die Gelehrten aufzeigen, wie sehr der Rhythmus der Freude zu einer Flut von psychischer Energie führt. Möge die Wissenschaft aufzeigen, wie wichtig die Freude für die Gesundheit ist.
Unwissende werden sagen, ein solcher Rat sei nicht lebensnah, da die Menschheit bereits an ihrem Leid zugrunde gehe. Nur Unwissenheit kann vorschlagen, sich lieber in Finsternis zu versenken, als sich auf die Suche nach dem Licht zu machen. Nur Unwissenheit vermag zu sagen, der Mensch werde es niemals lernen, die Gedankenenergie zu gebrauchen.
Zur Erneuerung des Lebens muß man mit Hingabe streben. Jeder ist fähig, über Heldentum, Freude und hochstehende Liebe nachzudenken. Jeder kann über das herrliche Überirdische Leben nachdenken. Jeder kann die heilsame Medizin erreichen und ihre Emanationen in seiner gesamten Umgebung verbreiten.
Der Denker sprach: "Kummer ist vorübergehend, Freude unvergänglich. Liebt das Licht, liebt das Schöne." So lenkte der Denker Seine Schüler zur einfachsten Lösung hin.
733. Urusvati weiß, daß ein Pfeil in sicherem Flug auch zu einem einzigen Ziel strebt. Vergleicht den Pfeil mit dem menschlichen Gedanken. Eine zitternde Hand vermag dem Pfeil keine klare Richtung zu geben, und auch ein schwankender Gedanke wird sein Ziel nicht erreichen.
Vermeidet besonders Zwiespältigkeit des Denkens. Oftmals merken die Menschen es nicht, daß in ihrem Inneren ein Sturm von Gedanken tobt. Ihre Gedanken schwirren umher wie ein Schwarm von Insekten, und es ist nicht möglich zu unterscheiden, welcher von ihnen der bedeutungsvollste ist. Dieser Umstand ist überaus wichtig, und zukünftige empfindliche Apparate werden anzeigen können, wie schädlich verworrenes Denken ist. Es wäre besser, gar nicht zu denken, als eine Verwirrung in sich entstehen zu lassen, die dem Wahnsinn gleicht.
Man könnte fragen, welche Maßnahmen Abhilfe schaffen können. Laßt uns jedoch nicht
unter gewaltsamen Maßnahmen suchen. Besser ist es, daß jeder sich selbst beobachtet, um auf natürliche Weise sein Denken zu reinigen. Der Mensch ist fähig, eine Verwirrung seines Denkens zu bemerken; dann möge er sich darüber Rechenschaft ablegen, welcher der Gedanken für ihn notwendig ist.
Zwar ist es nicht leicht, die am Grund des Bewußtseins wimmelnden Würmer aufzuspüren. Sie vermögen jeden beliebigen schönen Gedanken zu entstellen. Doch wenn der Mensch sich Mühe gibt, den ganzen Schaden zwiespältigen Denkens zu verstehen, so wird er beginnen, nach und nach die nicht notwendigen Gedankenimpulse auszusondern.
Für das Nachdenken über die Überirdische Welt ist Klarheit des Denkens besonders notwendig. Man darf chemische Präparate nicht mit schmutzigen Händen berühren, ebensowenig darf man die hohen Chemismen der Überirdischen Welt beschmutzen. Mögen die Menschen in Reinheit über die Hohen Welten nachdenken.
Der Denker riet, über das Überirdische in der Weise nachzudenken, als ob man persönlich an ihm teilhabe.
734. Urusvati weiß, daß die Erde von Klangspiralen dicht umgeben ist, die sich in blitzartiger Geschwindigkeit drehen. Daraus entsteht eine dichte Schicht, die wohltuend als auch schadenbringend sein kann. Der Mensch vermag mit seinem freien Willen Heilung wie Verderbnis zu schaffen. Er kann nicht sagen, er leide schuldlos. Er selbst hat irgendwann das Gift in das kosmische Gewebe hineingetragen.
Man hat bereits damit begonnen, kosmische Klangerscheinungen zu erforschen und versteht, daß jedes menschliche Wort eine unzerstörbare Tafel darstellt. Es bricht nun die Zeit an, da der menschliche Gedanke erforscht werden muß. Er ist schneller als das Licht. Er bildet eine mächtige Hülle um die Erde, doch ist das Denken oft auf das Wohl gerichtet?
Die Menschen sind bereits in der Lage, die Qualität des Denkens darzustellen, doch ist sein Inhalt bisher nicht erfaßbar. Es naht die Stunde, da empfindliche Apparate den genauen Inhalt der Gedanken aufzeichnen können. Menschen, die an das Gemeinwohl denken, werden über ein solches Forschungsergebnis erfreut sein, doch alle, die in Haß, Bosheit, Lüge und Neid leben, werden eine solche Entdeckung auf jede erdenkliche Weise zu verhindern suchen. Ein für solche Entdeckung verantwortlicher Gelehrter wird von der heutigen Menschheit schwerlich als Freund bezeichnet werden.
Das Gebot, daß man nicht in Haß leben dürfe, ist einfach, doch die heutigen Führer
schreien sogar noch von einer Notwendigkeit des Hasses. Sie wissen nichts von der Macht des Gedankens und vom Karma. Wer denkt, man könne das Böse mit Bösem vernichten, der irrt. Selbst ein solcher Schrecken wie der Krieg kann nicht mit Haß beendet werden. Nur viele auf das Wohl gerichtete, edle Gedanken werden die Menschheit retten. Kriegshelden werden nicht durch Haß gebildet, sondern durch einen flammenden Willen, der auf das Gute gerichtet ist.
Der Denker sprach: "Ein entflammter Krieger kennt keine Hindernisse."
735. Urusvati weiß, daß Heldentum der Ausdruck von Selbstaufopferung und flammendem Enthusiasmus ist. Während der Mensch eine Heldentat vollbringt, führt er seine Schwingungen auf eine höhere Stufe, befreit sich sogar von physischen Empfindungen und erfüllt sich mit feuriger Erkenntnis.
Der Unwissende könnte fragen, wozu man in den Gesprächen über das Überirdische von Heldentum spreche. Der Unwissende versteht nicht, daß Bestrebung zum Überirdischen bereits eine Heldentat ist. Er weiß nicht, daß jeder Gedanke an das Überirdische bereits die Schwingungen verbessert und das Bewußtsein mit flammender Heldentat erfüllt.
Wenn der Gedanke schwach ist, so wird auch die Folge nichtig sein, doch ein klarer, hingebungsvoller Gedanke schafft mächtige Wirkungen. Man muß es oftmals wiederholen, daß der Gedanke an das Überirdische heilsame Schwingungen schafft. Bald jedoch werden die Ärzte bei psychischem Ungleichgewicht dazu raten, sich in Gedanken dem Überirdischen zuzuwenden. Mögen die ersten Versuche auch noch primitiv sein und die Menschen die Wichtigkeit solcher Hinwendung noch nicht gänzlich erfassen, so wird doch schon das kleinste Quentchen dieses Heilmittels nützliche Folgen zeitigen. Der Gedanke an das Überirdische ist ein Heilmittel.
Es ist keine Übertreibung, daß die Menschen einen Talisman in sich tragen, doch muß man vor allem die mit dem Gedanken an das Überirdische verbundene Begeisterung erfühlen. Ohne Wanderstab schleppt sich ein Wanderer mühsam und stolpernd dahin. Doch von Oben kann ein sicherer Wanderstab verliehen werden; man muß ihn nur annehmen und damit den Aufstieg rüstig fortsetzen.
Der Denker bat Seine Schüler, das Bergsteigen lieben zu lernen; es helfe, zum Himmel aufzuschauen.
736. Urusvati weiß, daß der Mensch sich der Überirdischen Welt weniger auf verstandesmäßigem Wege nähert, als vielmehr in Liebe. Die magnetische Kraft des Gefühls der Liebe ist groß, doch schätzt die Wissenschaft die Bedeutung solch eines Magneten leider nicht. Der liebende Mensch entspricht dem kosmischen Gesetz der Anziehung und nimmt so in bestimmtem Maße die diesem Gesetz eigenen Charakteristika selbst an. Der Mensch schärft seine Erkenntnisfähigkeit und vermag von Kühnheit erfüllt zu werden, die die Durchführung einer Heldentat unterstützt. Ebenfalls wird sichtbar, daß sich auch seine Gesundheit bessert, wenn er sein Gefühl zu hochstehendem Denken anspannt.
Ein Irrtum ist es zu meinen, von der sogenannten Hysterie betroffene Menschen könnten mit der Überirdischen Welt besonders leicht Verbindung aufnehmen. Sie können in Mediumismus entarten, doch wünschen Wir andere Annäherungsweisen, gesunde und zweckmäßige. Ein vollkommener Weg zur Überirdischen Welt wird die Liebe sein.
Ohne Liebe kann man sich unmöglich feinfühliger Erkenntnissuche widmen. Mit Lesen allein ist keine Annäherung erreichbar; notwendig ist eine Anspannung des Willens, doch kann ein solcher Wille nur aus Liebe entstehen. Desgleichen raten Wir dazu, sich nicht vom irdischen Leben zu entfremden, da es dem Menschen als Schlachtfeld gegeben ist. Nur im Leben kann man sich prüfen, und all diese Prüfungen werden schön sein, wenn die Kuppel der Liebe zur Überirdischen Welt über ihnen steht.
Mögen die Kinder von klein auf an die Erkenntnis der Überirdischen Welt gewöhnt werden. Mögen Träume von höheren Erscheinungen im Denken des Kindes aufkeimen. Ein Arbeiter, der sich im irdischen Bereich überaus abmüht, kann seinen verborgenen Schatz in sich tragen und solche erhebenden Stunden lieben lernen.
Der Denker riet Seinen Schülern, Träume über die Höhere Welt zu lieben. In solchen Stunden erneuere sich das Bewußtsein.
737. Urusvati weiß, daß zur Zeit weltweiter Erschütterungen Erkenntnissuche und Verneinung in besonderer Weise in Erscheinung treten. Jedes hochstehende Wissen begegnet der Verneinung nicht allein seitens primitiver Unwissenheit, sondern auch seitens des auf Vorurteilen beruhenden
Aberglaubens. Die Wissenschaft wird von diesen zwei Seiten unter Druck gesetzt. Man spricht vergeblich von der Freiheit der Wissenschaft, da sie durch mechanisches Wissen eingegrenzt ist. Alles, was die Überirdische Welt berührt, wird jedoch nicht weniger bedrängt, als dies im Mittelalter der Fall war.
Vergessen wir nicht, daß nur sehr starke Geister frei denken können, weniger starke jedoch durch die Emanationen der Verneinung eingeengt werden. Diesen Umstand muß man bei Gesprächen über die Lage der Wissenschaft im Blick haben. Nun aber muß mit allen Kräften die Notwendigkeit bestätigt werden, die Wissenschaft zu befreien.
Die besten Denker haben genug erlitten. Die Unwissenden bedachten sie genug mit Pfiffen und Verfluchungen. Es hat genug Spott für alles gegeben, was den Wilden unerreichbar ist. Möge die neue Ära sich durch wirkliche Befreiung der Wissenschaft auszeichnen. Glaubt nicht, dies sei eine allgemein bekannte Tatsache - es ist ein Klageruf in der Wüste. Die Menschen glauben nicht, daß die Zeit weltweiter Erschütterungen von besonderen Schwingungen erfüllt ist.
Die Menschen sprechen über jegliche Art von Vitaminen, vergessen aber, daß der ethische Zustand weitaus wichtiger ist als die Einnahme von Medikamenten, die sich bei ungesunden ethischen Bedingungen ohnehin in Gifte wandeln. Es fällt Uns schwer, sehen zu müssen, wie einsame Denker unter den primitiven Unwissenden leiden. Sie haben sich eingeschlossen, um sich die Freiheit ihres Denkens zu wahren, doch könnten sie der Menschheit eine mächtige Hilfe erweisen, gerade jetzt, da die Erde erschaudert. Mögen sie die Kraft finden, diese Zeit zu überstehen, in der das Kali Yuga sich dem Ende zuneigt.
Der Denker riet Seinen Schülern, die Freiheit des Wissens zu bestätigen, die Freiheit des Denkens zur Rettung der Welt.
738. Urusvati weiß, welchen Wert das Gleichgewicht hat. Es ist bekannt, daß der Mensch mit aller Kraft zur Überirdischen Welt streben soll. Er sollte diese Erkenntnis so sehr in sich aufnehmen, daß er sich in jeder Stunde als Teilnehmer an der Überirdischen Welt empfindet. Gleichzeitig soll er jedoch auch das irdische Leben schätzen, sich an der Qualität der Arbeit erfreuen und das irdische Leben weiterführen, da er in ihm neue Möglichkeiten der Vervollkommnung findet.
Man wird fragen: "Aber wie kann man denn solche Gegensätze miteinander vereinen?" Wahrlich, dies ist möglich, denn der Mensch ist in der Lage, sein Bewußtsein zu vervollkommnen. Aus verschiedenen
Jahrhunderten lassen sich Beispiele dafür anführen. Hierbei muß eine besonders bedeutsame Erscheinung angemerkt werden: Menschen, die solche Gegensätze in sich zu vereinigen vermochten, gehörten nicht dem sogenannten geistlichen Stand an. Niemand ahnte, daß solche Arbeiter ein inniges Bewußtsein der Überirdischen Welt in sich trugen. Sie arbeiteten gewissenhaft. Sie liebten die Arbeit in ihrer höheren Qualität, doch ihre hingebungsvolle, innige Erkenntnis der Überirdischen Welt hüteten sie als einen geheimen Schatz.
Es wird verständlich, daß solche Tatmenschen zur Vervollkommnung der Erde besonderen Nutzen beitrugen. Sie verheimlichten die Existenz der Überirdischen Welt nicht ganz, fühlten jedoch auch, wo eine Aussage darüber auch nur angenommen werden konnte. Sie verstärkten ihren Magnetismus und zogen auf solche natürliche Weise die Herzen ihrer Schüler an.
Unerfahrene sind nicht allein über erkennbare Gegensätze erstaunt. Man könnte eine Vielzahl von Gegenüberstellungen herbeiführen, die ihnen befremdlich erscheinen würden. So soll der Mensch nicht in Leidenschaft verfallen, jedoch auch nicht leidenschaftslos sein. In allem muß man das Goldene Gleichgewicht erkennen, von dem im fernen Altertum gesprochen wurde.
Der Denker sprach: "Der Mensch hat zwei Hände, eine für die Arbeit und eine, die dem Herzen nahe ist. Wenn eine Hand kürzer als die andere ist, nennen die Menschen das Mißbildung. So ist es in himmlischen wie in irdischen Dingen."
739. Urusvati weiß, daß sogar Worte von großer Bedeutung vergeblich ausgesprochen sind, wenn sie nicht von einer Sendung psychischer Energie begleitet werden. Solche toten Worte belasten nur den Raum. Die Menschen müssen verstehen, wie notwendig die von der psychischen Energie verliehene Kraft ist. Zu diesem Zweck ist im Verlauf vieler Jahrhunderte nicht ohne Grund von der Unerläßlichkeit des Glaubens gesprochen worden.
Überzeugtheit verleiht der Rede Überzeugungskraft, doch muß man auch die Bedeutung der Überzeugtheit verstehen, weshalb Wir den Begriff des Befehls hinzufügen. Natürlich darf Befehl nicht im Sinne groben Beharrens verstanden werden, das die Gesprächsteilnehmer nur provozieren würde. Wir haben den inneren Befehl im Blick. Er verleiht den Worten Unanfechtbarkeit. Leider sind allzu oft böse Vorhaben von einem starken Willen begleitet und richten damit großen Schaden an. Dies bedeutet, daß man es lernen muß, den Befehl des Guten zu beherrschen.
Die Menschen sind nicht oft dazu in der Lage, ihren Willen um des Guten willen anzuspannen. Niemand hat ihnen in der Kindheit gesagt, welch mächtige Waffe sie in sich haben können und wieviel überirdische Helfer ihr guter Befehl herbeizieht. Nur ungewöhnliche Bewußtseine verstehen die Bedeutung des Befehls. Sie lassen ihren Willen nicht zum Bösen abweichen. Solche Beispiele lassen sich aus verschiedenen Jahrhunderten anführen, und Wir nennen sie Fackeln der Menschheit. Sie handelten bewußt in Übereinstimmung mit der Überirdischen Welt und vermehrten damit ihre psychische Energie.
Der Denker sprach: "Lernt es, den guten Befehl anzuwenden. Er vermehrt die Kräfte."
740. Urusvati weiß, daß jede atmosphärische Erscheinung auf den Menschen einwirkt. Man sollte meinen, eine solche Bedingung würde weiten wissenschaftlichen Errungenschaften den Weg öffnen, doch das Schlimme ist, daß die heutige Wissenschaft vor allem danach strebt, die Erscheinungen zu klassifizieren, und dabei vergißt, daß die Wirkungen auf den Menschen individueller Art sein werden. Daher sind die Gelehrten nicht imstande, ihre begrenzten Beobachtungen in ein System zu fassen.
Die Gelehrten sollten bedingten Begrenzungen entsagen, dann werden sie neue, unüberschaubare Wege betreten. Dazu muß man erkennen, daß jeder Mensch ein Mikrokosmos im vollen Sinne dieses Wortes ist. Es ist auch nicht schwer zu begreifen, daß jeder Mikrokosmos individuell und unwiederholbar ist.
Der Chemismus jedes Mikrokosmos wird ein besonderer sein, ebenso wie jedes kleinste Teilchen des Makrokosmos individuell sein wird. Eine solche Bedingung widerspricht der Existenz von Weltgesetzen nicht. Sie erfassen alle möglichen Bedingungen und finden in der unwiederholbaren Individualität alles Existierenden nur den Schmelztiegel neuer Verbindungen von Energien. Die Energien können sich nicht ohne individuelle Zusammenstöße erneuern. Auf solche Weise kann man erfühlen, daß die vor langem aufgezeigte Einheit ein Konglomerat aus einer Vielzahl Individualitäten ist.
Weise Regenten verstanden seit langem, daß die Individualität der Persönlichkeit sorgsam gewahrt werden müsse. Ein erfahrener Schullehrer fühlt, wie man die Individualität der Schüler wahren muß. Nur Unwissenheit kann zu der Annahme führen,
man könne alles über einen Kamm scheren. Solche Unwissenden handeln den kosmischen Gesetzen zuwider. Sie dürfen sich nicht Gelehrte nennen, da jeder wahre Forscher über die Fähigkeit verfügen muß, in großem Maßstab Möglichkeiten zuzulassen. Wir müssen immer wieder über solche elementaren Grundlagen sprechen, da der größte Teil der Menschheit von toten Termini betört ist und die Augen vor den einfachsten Erscheinungen der Natur nicht öffnen will. Man sollte meinen, die Individualität alles Existierenden sollte die Menschen erfreuen, denn gerade diese Bedingung gibt jedem Menschen einen besonderen Platz im Weltall. Gerade dieser Vorzug kann neue Errungenschaften eröffnen. Ein solch unermeßlicher Reichtum wird die künftige Wissenschaft zu Entdeckungen führen, die jetzt noch als märchenhaft erscheinen.
Die Menschen sprechen oft über die Ähnlichkeit von Charakteren, die für Zusammenarbeit unerläßlich sei. Doch darf man nicht von Ähnlichkeit sprechen, sondern von Harmonie. Allein die Harmonie von Energien kann nützlich sein, doch ist Harmonie keine Wiederholung. Sie schafft einen Akkord; möge er kraftvoll und klangvoll sein. Eine Symphonie aus eintönigen Oktaven ist nicht vorstellbar. Mögen die Menschen die Polyphonie lieben lernen. Je reicher sie ist, desto mehr wird sie die menschlichen Herzen anziehen und zur Tat aufrufen. So laßt uns für die Mannigfaltigkeit der Wahrnehmungen offen sein. Möge die Natur nicht arm genannt werden.
Der Denker sprach: "Die Natur ist unerschöpflich."
741. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, in freudiger Bereitschaft leben zu können. Über Bereitschaft haben Wir nicht erst einmal gesprochen, doch muß die Notwendigkeit freudiger Bereitschaft bekräftigt werden. Anderenfalls würde Bereitschaft nicht selten in etwas Verzagtes und Mißmutiges verkehrt werden, wozu der Betreffende sich verdammt fühlen würde. Mit solchen Eigenschaften gerät eine Bereitschaft zum Schaden für den Übergang in den feinstofflichen Zustand. Man darf nicht meinen, Wir würden hier nur vom moralischen Aspekt sprechen; ganz im Gegenteil: Wir haben den wissenschaftlichen Aspekt im Sinn.
Man muß über die Notwendigkeit nachdenken, vor allem die besten Schwingungen zu wahren. Freude verleihen solche Schwingungen ebenso wie hochstehende Bestrebung. Doch die Menschen verstehen ein hochstehendes Gefühl oft falsch, während das Gefühl der Freude ihnen zugänglicher ist. Mögen sie an gute Begegnungen denken. Mögen sie die freudigsten
Vorstellungen in sich wachrufen. Mögen die Menschen in der Stille des Nachdenkens die besten Erinnerungen finden.
Auf jede Erscheinung kosmischer Ordnung muß man sich lange, aber auch in Geduld vorbereiten. Wir raten immer dazu, sich zu konzentrieren und die Kraft in sich zu finden, die höchsten Entdeckungen geheimzuhalten. Eine Perle auszustreuen ist leicht, ermüdend jedoch, sie wieder zu suchen. Wer allzu leicht etwas ausplaudert, zerstört das Schloß vor dem verborgenen Archiv in sich. Beständiges Gleichgewicht zeichnet den Weisen aus. Er wird solche Samenkörner inmitten seiner Alltagsarbeit sammeln. Solche Arbeit sät Freude und Trost in seinem Bewußtsein gegenüber Kränkungen und Ungerechtigkeiten. Heldentat wird vor allem in freudiger Bereitschaft bestätigt.
Der Denker rief fortwährend zur Erkenntnis der Freude als höchstem Heilmittel auf.
742. Urusvati weiß, welchen Wert reine Vorstellungskraft hat. In ihrem Bereich leben auch Begeisterung und die übrigen Helfer des Aufstieges. Man muß jedoch die Reinheit der Phantasie besonders betonen, da anderenfalls Verbrecher meinen, ihre Phantasie sei von Wert.
Unwissende meinen, Vorstellungskraft bilde sich von selbst und erfordere keine Erziehung. Dies ist ein großer Irrtum, denn alle Eigenschaften bedürfen der Erziehung. Man muß die Phantasie anhand der besten Beispiele heldenhafter Selbstaufopferungen erziehen. Die Natur gibt beste Beispiele verschiedener Errungenschaften, weshalb die sogenannten Naturwissenschaften sorgfältig unterrichtet werden müssen. Man muß die besten Seiten der Menschheit hervorheben. Die Kinder mögen verstehen lernen, daß hohe Wege offen vor ihnen liegen, und in solch einer Vervollkommnung werden sie auch Fragen über die Überirdische Welt stellen.
Die Menschen berauben sich ihrer Möglichkeiten oft selbst. Sie begrenzen ihr Denken. So gehen sie beispielsweise davon aus, daß die Gedanken im Raum verschwinden würden. Dies ist ein Irrtum, da alles transmutiert wird, nichts jedoch verschwindet. Für die Entwicklung des Vorstellungsvermögens muß man solche Allgegenwart anerkennen.
Der Mensch hat einen Weg gefunden, um Tonübertragungen über weite Entfernungen hinweg zu empfangen, ist aber dem Irrtum erlegen, der Ton bleibe in festgelegten Grenzen. Man kann die Verbreitung von Tonübertragungen nicht willkürlich begrenzen. Der Mensch
bildet sich ein, er habe bereits die Grenze des kosmischen Gesetzes erfaßt, doch sogar der Flug in die Stratosphäre wird erst ein kindlicher Versuch sein. Nur die Vorstellungskraft vermag den Menschen vor voreiligen Schlußfolgerungen zu bewahren. Es ist nicht möglich, ohne entwickeltes Vorstellungsvermögen über die Überirdische Welt nachzudenken. Man muß verstehen, daß die Wissenschaft frei und uneingegrenzt sein muß.
Der Denker sprach: "Die Menschen träumen von Flügeln, doch die schnellsten Flügel sind in ihnen selbst."
743. Urusvati weiß, daß auch die mächtigste Pflanze aus einem kleinen Samenkorn wächst. In einem winzigen Samenkorn sind die Grundlagen leuchtender Farben, starker Aromen und reichhaltiger, sowohl heilsamer als auch giftiger Stoffe enthalten! Dabei ist die Lebensfähigkeit des Samenkorns lang andauernd. Gleichgültig nehmen die Menschen solche wunderbaren Gaben der Natur hin, ohne zu überlegen, daß in allen Bereichen der Natur dieselbe Kraft wirkt.
Die Menschen denken nicht darüber nach, daß jedes Korn psychischer Energie dieselbe Fähigkeit zu wunderbaren Wandlungen besitzt. Natürlich sind nicht alle Menschen so leichtsinnig; es gibt viele eifrige Beobachter, doch verteilen sie sich auf viele Stufen. Nicht selten können sie keimhafte Erscheinungen nicht von vollausgebildeten Errungenschaften unterscheiden. Einen Augenblicksfunken nehmen sie für eine abschließende Errungenschaft und vergessen dabei, daß der Weg vom Funken bis zum feurigen Lotus ein weiter ist.
Wahres Gleichgewicht, Goldene Mitte genannt, erlaubt, die verschiedenen Stufen der Errungenschaften zu unterscheiden. Mögen die Menschen sich über jeden feurigen Funken freuen, aber verstehen, wie lang der Weg der Errungenschaft ist. Inmitten gesunder Vervollkommnung wird der Mensch auch über die Überirdische Welt in gesunder Weise nachdenken. Wir tragen gerade für die gesunde Vervollkommnung Sorge; sie ergibt sich durch beständiges und vernünftiges Nachdenken.
Der Denker rief dazu auf, über wunderbare Naturgegebenheiten die Überirdische Welt zu erkennen.
744. Urusvati weiß, daß der Mensch sich vor Gleichgültigkeit hüten muß. Sie ist der Untergang der Schwingungen, sie ist der Tod des Aufstieges, sie ist der Weg zum Stumpfsinn. Man wird sagen: "Aber Gleichgültigkeit soll doch von Wünschen befreien." Ein Irrtum, denn niemand hat gegen den Wunsch heldenhafter Selbstaufopferung gesprochen. Solche Wünsche
müssen als Wagemut verstanden werden. Sie sind wie Meilensteine des Aufstiegs. Bekundet Freude, wenn ihr Versuche solchen Wagemutes seht. Sie beweisen, daß solch ein Mensch niemals in Gleichgültigkeit verfallen wird. Anfänge von Wagemut lassen sich inmitten des Alltagslebens beobachten; solche Lichtblitze sind sehr wertvoll. Sie sind sogar wertvoller als Wagemut, der durch Erschütterungen und Nöte hervorgerufen wird.
Man wird sagen:" Not schafft Helden", doch steht es höher, wenn das Heldentum aus sich selbst heraus entsteht, nämlich wenn ein erweitertes Bewußtsein die Schönheit der Heldentat erkennt. Möge Heldentat von jungen Jahren an geschaffen werden. Mögen die Kinder fühlen, daß sie schon selbständig etwas Schönes schaffen können. In jedem Alltag kann man die Aufschwünge kindlichen Denkens beobachten. Niemand hat die Kinder dies gelehrt, niemand hat ihnen ein Beispiel gegeben, doch das Bewußtsein gab ihnen ein, daß sie etwas Ungewöhnliches und jemand anderem Nützliches vollbringen könnten und müßten.
Der Denker sprach: "Ersetzt die Gleichgültigkeit durch Edelmut.
745. Urusvati weiß, daß die Psychologie als Wissenschaft ebenso real wie die Biologie sein und Wissen über die Überirdische Welt bekunden muß. Es war ein großer Fehler, die Psychologie als etwas Abstraktes darzustellen. Sie ist hingegen die Fortsetzung der Physiologie. So müssen sämtliche Stadien der Natur erkannt werden.
Weshalb stellten die Gelehrten die Psychologie als etwas Abstraktes hin? Der Grund ist einfach, sie kannten die Überirdische Welt nicht. Für sie war die Überirdische Welt ein Märchen unwissender Siedler. Indessen erhebt sich die große Frage, wer sich in diesem Fall als Unwissender erweist. Können wir in der Psychologie rechte Schlußfolgerungen ziehen, wenn wir nichts von den Eigenschaften der psychischen Energie wissen? Ebenso notwendig ist es, die volle Realität der Überirdischen Welt in sich aufzunehmen. Man muß fähig sein, uneinheitliche Aussagen und Hinweise geduldig zu sammeln und sich ihnen gegenüber unvoreingenommen zu verhalten. Wir raten dazu, die Wissenschaft nicht mit neuen Termini zu überfrachten, sondern ihre Evolution fortzusetzen. Verkomplizierung führt zu unnötigen Teilungen. Wir raten immer, zu einer Synthese zu streben.
Der Denker wies auf Menschen des Altertums hin, die mit wenigen Beobachtungen künftige Jahrhunderte beschreiben konnten.
746. Urusvati weiß, daß ein guter Arzt vor der Verordnung einer Therapie sorgfältig sowohl von der körperlichen Seite wie von der psychischen Seite her untersucht. Der Arzt versteht, daß der psychische Zustand des Patienten ein Freund oder ein Feind sein wird.
Jeder Arzt sollte auch Psychiater im besten Sinne dieses Wortes sein. Er kennt die gewöhnliche Erfahrung, daß ein und dasselbe Medikament, bei verschiedenen psychischen Zuständen verabreicht, auch völlig unterschiedliche Wirkungen zeitigt. Laßt uns dieses Beispiel auf alle Lebensfälle anwenden, besonders dann, wenn es sich um die Überirdische Welt handelt.
Selbst die kleinste psychische Unpäßlichkeit kann einen zuverlässigen Mitarbeiter in einen Schädling verwandeln. Man muß den Zustand des Gesprächspartners umsichtig verstehen, um seine Lage nicht noch zu verschlimmern. Es ist besser zu schweigen, als einen schädlichen Streit anzufangen.
Man muß besonders erfahrene Psychologen auszeichnen, wenn es ihnen gelingt, ohne jegliche Kränkungen Streit und Zwietracht zu vermeiden. Manchmal braucht man nur einen Tag oder gar nur eine Stunde abzuwarten, bis sich die seelische Verfassung des Mitarbeiters geändert und sich sein Zustand in Bereitwilligkeit gewandelt hat. Es ist wertvoll, solche Schwingungen auffangen und in überzeugender Weise dann Kenntnisse von der Überirdischen Welt vermitteln zu können.
Der Denker sprach: "Lernt es zu vereinen, statt zu trennen."
747. Urusvati weiß, daß ein von Synthese geprägtes Gedächtnis eine Folge großer Aufspeicherungen ist. Zu Beginn häuft der Tatmensch eine Menge Wissen an, dann erweitert sich das Bewußtsein, und dieses Wissen fließt in einer Erkenntnis ganz großer Erscheinungen zusammen. Schließlich fallen viele trockene Blätter ab, und es bleibt der Kristall der Erkenntnis über die Vervollkommnung der Menschheit übrig.
Der Prozeß solcher Umgestaltung des Gedächtnisses kann wie ein Verlust desselben aussehen, was jedoch nicht den Tatsachen entspricht, denn viele Kenntnisse wandeln sich zu neuem Verstehen. Einem im Bewußtsein nicht standhaften Menschen muß man aufzeigen, wie rasch eine Synthese zu weiser, zusammenfassender Schlußfolgerung führen kann. Bei überaus bedeutenden Entdeckungen läßt sich beobachten, wie sehr der Geist des Forschenden in zusammenfassende Schlußfolgerungen mündet. Solche Phasen werden zu Recht als Stunden der Begeisterung bezeichnet, in denen
bestimmte Wissensansammlungen abfallen und der Pfeil dem Ziel zustrebt. Eine solche Synthese tritt besonders beim Nachdenken über das Überirdische hervor, und darum laßt uns jederzeit bereit sein, mit dem Denken zum Wesentlichen zu streben. Dieses Wesentliche ist das Ziel der irdischen Existenz. Lernen wir zu verstehen, daß über allen Wissenschaften die Erkenntnis des Überirdischen steht.
Der Denker sprach: "Lernt es, alles von euch zu werfen, was die Erkenntnis des Überirdischen behindert."
748. Urusvati weiß, daß das Schaffen des Guten die Pflicht des Menschen ist. Solches dem Wohl dienende Tun ist vielfältig. Man muß die Art seiner Einflußnahmen weise dem Bewußtsein entsprechend gestalten. Man muß das vertiefte Bewußtsein des Gesprächspartners verstehen, doch jeder ist fähig, Wissen in angemessener Form einzubringen.
Vergessen wir nicht, welches die schlimmste Not der Menschheit ist - nicht physische Armut, sondern geistige Unwissenheit. Es herrscht die Überzeugung, nach dem irdischen Ende existiere nichts mehr, und leider verbreitet sich dieser Irrtum zunehmend. Die Religionen helfen wenig, da sie von unverständlichen Überlieferungen reden. Die Wissenschaft ist ebenfalls eine schwache Hilfe. Sie beeilt sich nicht aufzuzeigen, daß unanfechtbare wissenschaftliche Forschungsergebnisse die Überirdische Welt bestätigen.
Die Wissenschaft weist nicht darauf hin, daß sich ein Mensch, von der Nichtexistenz nach dem irdischen Ende überzeugt, in der Feinstofflichen Welt in einer äußerst bedauernswerten Lage befindet. Sein Zustand wird schlimmer sein als der eines Anhängers auch der beschränktesten Religion. Er hat sein Bewußtsein selbst zur Verneinung erzogen, weshalb er sich beständig in einem unverständlichen und beängstigenden Trugbild befindet.
Der Gedanke besitzt ein großes Beharrungsvermögen, in der Bestätigung wie in der Verneinung. Man kann sich vorstellen, wie bloßgestellt der Verneiner ist, wenn er in seiner gewohnten Denk- und Lebensweise in die Überirdische Welt eintritt. So wird jede Erklärung des Wesens der Überirdischen Welt eine wahrhaft gute Tat sein.
Helft den Unwissenden, wo ihr könnt.
Der Denker forderte die Schüler auf, immer die Überirdische Welt zu bestätigen.
749. Urusvati weiß, wie oft man psychische Erscheinungen mit physischen vergleichen kann. Ein Flugpilot fürchtet Abgründe in der Luft; ebenso existieren auch psychische Abgründe. Wenig erfahrene Prüflinge fürchten sich sehr vor ihnen, da sie meinen, die Ursache des Geschehens befinde sich in ihnen selbst. Sie denken, ihre Fähigkeiten ließen nach oder verschwänden ganz, doch die Erfahrung zeigt, daß hier eine kosmische Ursache vorliegt.
Ich will einen noch einfacheren Vergleich anführen. Seht auf euer Abbild in ruhigem Wasser, bewegt darauf dessen Oberfläche, das Spiegelbild verschwindet, zeigt sich darauf in verzerrter Form, und erst nach einiger Zeit wird es wieder klar. Ebenso wirkt psychischer Aufruhr, das menschliche Antlitz verliert sich und verkehrt sich für lange in eine häßliche Maske. Kann man sich in solcher Häßlichkeit der Überirdischen Welt zuwenden? Sie wird durch die Häßlichkeit verändert erscheinen. Es bedarf längerer Zeit, bis die geistige Oberfläche wieder ihr wahres Spiegelbild zeigt. So erinnert euch anhand einfachster Beispiele, welche Bedingungen dem besten Verstehen der Überirdischen Welt dienlich sind.
Es ist im irdischen Leben nicht immer möglich, beste Möglichkeiten zu bekommen, doch dann darf man die feinstofflichen Bereiche nicht berühren. Der Aufruhr wird sich legen, und dann kann man sich den erhabenen Dingen leicht zuwenden. Anderenfalls ergäbe sich eine Schmähung, doch ihr wißt, wie schädlich diese ist. Auf solchem Weg der Selbstbeobachtung läßt sich erkennen, wie abstoßend ein verzerrtes Spiegelbild ist.
Der Denker riet:" Bewegt die Wasseroberfläche, und studiert, was mit eurem Antlitz geschieht."
750. Urusvati weiß, welchen Wert ein feierlicher, freudiger Zustand hat. Die einen bezeichnen solch eine Verfassung als Leuchte der Überirdischen Welt, andere als Tor zur Feinstofflichen Welt. Freudig muß man in das geliebte Vaterland eingehen. Jeder vermag die Bedingungen seines Übergangs zu verbessern. Der Mensch wird durch seinen Magneten von Schwingungen angezogen, was bedeutet, daß es nützlich ist, die eigenen Schwingungen zu heben. Der weitaus leichteste Weg wird sein, sich mit feierlicher Freude zu erfüllen.
Man darf jedoch nicht denken, solche Verfassung sei leicht erreichbar. Sie ist keine ausgelassene Heiterkeit. Die meisten Menschen können Freude von irdischer Heiterkeit nicht unterscheiden, doch ist der Unterschied groß. Man muß sich vorbereiten, um feierliche Freude klar erkennen zu können. Wir bestätigen vor allem eine feierliche Verfassung. Man kann in einem solch glücklichen Zustand leben, daß aller irdischer Kummer eine besondere Bedeutung gewinnt. Natürlich sprechen Wir nicht von künstlicher Feierlichkeit. Manche geben den Anschein, als würden sie Feierlichkeit kennen, tatsächlich jedoch betrügen sie nur sich selbst. Mögen die Menschen anstreben, über die Überirdische Welt in feierlicher Einstellung nachzudenken. Mögen die schönsten Bilder sie begleiten. Mögen die höchsten Harmonien helfen, die Schwingungen zu heben.
Der Denker gebot: "Schöne Bilder und harmonische Klänge werden überirdische Leuchten sein."
75l. Urusvati weiß, daß Furchtlosigkeit stärker als jegliche Art von Beschwörung ist. Ihr wißt jedoch auch, daß ein Sprung den Wert eines kostbaren Steines herabsetzt. So verliert auch Furchtlosigkeit ihre Kraft, wenn sie nicht vollständig ist. Man darf sich nicht damit beruhigen, der Mensch könne halbe Furchtlosigkeit besitzen. Er wird vor Furcht nicht sicher sein, und wie will er es dann wagen, in die Unbegrenztheit zu blicken? Möge der Mensch Furchtlosigkeit lernen, anderenfalls wird ihn die Überirdische Welt ängstigen.
Es ist nicht leicht, Furchtlosigkeit zu erlernen, wenn keine in Vorleben gewachsene Kühnheit vorhanden ist. Jedes Hindernis der Vergangenheit hat bereits gelehrt, wie man es überwindet. Der in der Vergangenheit bekundete Sieg hilft, sich neuen Überwindungskämpfen zu stellen.
Möge der Mensch nur verstehen, daß niemand ihn seines Lebens berauben kann. Es ist falsch zu meinen, Leben gebe es nur auf der Erde. Tapferkeit erstarkt durch das Bewußtsein, daß Leben unzerstörbar ist. Eine solche Überzeugung ist der Weg zur Furchtlosigkeit. Ebenso muß man sich klarmachen, daß nur das volle Verstehen der Unzerstörbarkeit des Lebens von Wert ist. Ein kleiner Beschwörer weiß bereits, daß sein Wort mit vollem Glauben ausgesprochen werden muß, da sonst auch die mächtigste Formel ihre Bedeutung verlieren wird. So möge der Mensch danach streben, völlige Furchtlosigkeit in sich zu tragen, wenn er in die Überirdische Welt schauen will. Furchtlosigkeit hebt die Schwingungen.
Der Denker sprach: "Mitunter scheint es mir, als sei ich furchtlos, doch werde ich vor furchterregender Gefahr auch bestehen? - Ich befehle mir standzuhalten!"
752. Urusvati weiß, daß Geduld die Mutter der Duldsamkeit ist. Unduldsamkeit ist ein Gezücht der Unwissenheit. Nichts unterbindet Errungenschaften so sehr wie Unduldsamkeit. Von klein an muß man zu Duldsamkeit erzogen werden. Neben ihr wohnt das Mitleid. Duldsamkeit bestätigt den besten Weg. Man darf Streitsüchtige nicht ablehnen, denn in ihren Worten ist ein Teil der Wahrheit enthalten. Möge dieses kleine Teilchen eine Brücke zur Vereinigung werden. Doch braucht man Geduld, um solch ein Teilchen der Wahrheit auch zu erkennen. Bei einem Besuch in der Feinstofflichen Welt kann man sehen, wie sehr gerade Duldsamkeit gestattet, die besten Schwingungen aufzuspüren. Das Bewußtsein muß eingeben, wo wahre Mitdenker vorhanden sind. Dem Äußeren und der Ausdrucksweise nach können sie überaus verschieden sein, in den Schwingungen jedoch sind sie sich ähnlich. Allein wahre Duldsamkeit läßt auch gemeinsame Freundschaft wachsen.
Möge die Lehre über die Überirdische Welt alle Eigenschaften aufzeigen, die für die Errungenschaft notwendig sind. Nicht nur die ethische Grundlage, auch gegenseitiger Nutzen ist beim Nachdenken über die überirdische Existenz notwendig.
Der Denker lehrte die Schüler, vor allem mit Schönheit verbundene Duldsamkeit zu bekunden.
753. Urusvati weiß, weshalb die uranfängliche Energie zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Namen
erhielt. Dies ist völlig natürlich, da die Benennungen der Energie dem Bewußtseinszustand entsprechen muß. Überdies ruft die Einwirkung der Energie auf die verschiedenen Nervenzentren auch ganz bestimmte Vorstellungen hervor.
Der Gedanke beruht auf der uranfänglichen Energie. Ein Mensch in geistiger Anspannung zieht die räumliche Energie herbei und vermag durch sie in besonderer Weise erfolgreich zu sein. Die Menschen können gewöhnlich nicht verstehen, weshalb sie nicht in der Lage sind, von der Energie Gebrauch zu machen, die doch offensichtlich jeden unterstützt. Sie haben jedoch ihr Denken nicht entwickelt und können ihren Magneten nicht verstärken, wodurch sie sich selbst der Hilfe von oben berauben.
Die Wissenschaft spricht bereits wiederholt von einer räumlichen Kraft, kann aber nicht erklären, wie sehr das Laboratorium des Menschen der räumlichen Ströme bedarf. Der Mensch kann sich der Überirdischen Welt nicht nähern, wenn ihm die Erkenntnis der räumlichen Energie fremd ist.
Bemerkt, daß Wir jetzt die uranfängliche Energie als räumliche Energie bezeichnen, damit die Gelehrten hierbei nichts Religiöses unterstellen. Wir möchten niemanden erbittern, möge jeder auf seinem Weg gehen, doch wenn er denkt, wird er irgendwann zur Erkenntnis der Macht der uranfänglichen Energie gelangen. Möge der Mensch über die Erkenntnis der Reflexe seine Aufmerksamkeit gegenüber ungewöhnlichen Erscheinungen in seiner Umgebung erhöhen. Später wird er darauf kommen, daß eine ungewöhnliche Erscheinung dennoch eine überaus natürliche, gewöhnliche Erscheinung der Macht der Energie ist.
Der Denker wies auf den Magneten des Herzens. Er wußte, welches Zentrum der beste Empfänger für die uranfängliche Energie sei.
754. Urusvati weiß, wie schmerzlich sich gewisse Laute bei einer Gedankenübertragung auswirken können. Dabei läßt sich feststellen, daß mitunter großer Lärm leichter vertragen wird als kleine, schrille Ausrufe. Man sollte meinen, solche Erscheinungen bedürften der Erforschung, doch wie und wo findet man Ärzte, die eine sich vollziehende Transmutation des Organismus aufmerksam beobachteten? Der Arzt sollte für
das Verständnis solcher Erscheinungen offen sein, doch viele Ärzte unterbinden allein durch ihre Anwesenheit schon jegliches Inerscheinungtreten der psychischen Energie.
Man muß sich dessen bewußt sein, daß es viele solcher toten Verneiner gibt, besonders unter den sogenannten Gelehrten. Statt die Gefühle zu verfeinern, töten sie sie in nicht wiedergutzumachender Weise. Wie könnten sie bei Gedankenübertragungen anwesend sein? Wie könnten sie den Zustand des Organismus erforschen, der ferne Ströme empfängt? Dennoch wird man solche verfeinerten, objektiven Beobachter finden können, die nicht nur nicht stören, sondern die Erscheinung sogar verstärken.
Möge das Denken zu psychischen Beobachtungen streben. Bei solchen Forschungen werden die Menschen einander unwillkürlich näher kommen und zu nützlicher Zusammenarbeit zusammenfinden. Mögen sie gedanklich in der Überirdischen Welt reisen. Wenn die ersten Reisen noch primitiv sind, darf das nicht bekümmern. Hilfe wird eintreffen, wenn das Bestreben nur aufrichtig ist.
Der Denker sprach: "Wann nur werden Ärzte auftreten, die den Menschen erkennen?"
755. Urusvati weiß, daß der geistig erfolgreich Voranschreitende zu erkennen vermag, worin das Wichtigste und Unaufschiebbarste besteht. Man darf nicht denken, der Verstand sei bei dieser Art unterscheidender Erkenntnis behilflich. Ganz im Gegenteil, der Verstand kann in einen Abgrund von Fehldeutungen führen. Allein die in Verbindung mit der Höheren Welt getretene psychische Energie kann das Urteilsvermögen auf den Weg der Wahrheit lenken.
Das Wichtigste, das absolute Sein, wird dennoch jedem Menschen individuell erscheinen. Man muß nur verstehen, wie sehr die Individualität sich aus einer Vielzahl von Bedingungen zusammensetzt, die sich im Verlauf verschiedener Jahrhunderte inmitten verschiedenster Ursachen entwickelt haben. Dennoch kann der geistig erfolgreich Voranschreitende die Funken des Absoluten klar erkennen.
Es ist nicht leicht, das Wichtigste inmitten des irdischen Daseins zu erkennen, man muß ihm ungeachtet aller Hindernisse zustreben. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Hindernisse, anders gesagt die Wasserbewegung des Lebensflusses, helfen, die hauptsächliche und damit für die Weiterentwicklung rettende Strömung wahrzunehmen. Nur geistige Anspannung vermittelt das Verstehen, wie immer und überall
die führende Macht wahrgenommen werden kann. Allein der Gedanke an die Überirdische Welt hilft dem Menschen, das für ihn jeweils erreichbare Teilchen des Absoluten klar zu erkennen.
Der Denker schlug vor, daß jeder sich die Aufgabe stelle, verstehen zu lernen, wie das Höchste sich inmitten irdischer Stürme offenbart.
756. Urusvati weiß, wie tiefgreifend der Mensch erkennen muß, daß er in ewiger Bewegung und ständiger Umwandlung begriffen ist. Beide Bedingungen können wissenschaftlich bewiesen werden, und dennoch denken die Menschen nicht darüber nach. Besonders die zweite Bedingung, die Umwandlung, bereitet Schwierigkeiten. Die Menschen können noch zustimmen, daß sich Veränderung in Verbindung mit dem Wachstum und dem Gesundheitszustand vollzieht, nicht jedoch begreifen, in jeder Stunde in Umwandlung begriffen zu sein.
Natürlich sind besonders empfindliche Apparate in der Lage, die Veränderung der menschlichen Schwingungen und aller Nervenzentren anzuzeigen, doch werden solche Apparate noch nicht angewandt, und erst vor kurzem ist der Wissenschaftszweig zur Erforschung der Nerven und der Drüsen entstanden. So wird das Wichtigste für die Erkenntnis der Überirdischen Welt mißachtet.
Ebenso mißachtet wird das Studium des Gedankens. Doch nicht allein solche Grundfunktionen des Menschen schätzt man noch gering, selbst die den Menschen umgebende Atmosphäre wird nicht studiert. Man hat die Zusammensetzung der Luft entdeckt, übersieht aber die atmosphärischen Schwingungen und die mächtigen chemischen Einwirkungen auf alles Existierende. Kann man jedoch über Umwandlung sprechen, wenn es den Menschen leichter fällt, sich ihre Erstarrung vorzustellen?
Auf den Wegen der Umwandlung erinnert euch des Vermächtnisses des Denkers: "Lernt es, geduldig fremdem Schmerz zuzuhören. Pflegt das Wohlwollen in euch, die Freude des anderen zu entfachen. Ihr kennt die Quelle der Leiden anderer nicht. Ihr kennt nicht die Ursachen, die die Freude entstehen lassen. Lernt es jedoch, den Nächsten zu erwärmen und ihn zu beflügeln."
757. Urusvati weiß, daß die Erkenntnis der Überirdischen Welt in naher Zukunft zunehmen wird. Die Wissenschaft wird dazu beitragen, doch überdies wird auch das Bewußtsein der Menschen im Volke auf die Erscheinungen jeden Tages aufmerksamer werden. Man muß das Volk ermutigen und aufklären, daß Aufmerksamkeit
gegenüber psychischen Erscheinungen kein Aberglaube ist. Es ist bereits hinreichend aufgezeigt worden, daß Aberglaube und Vorurteil Folgen der Unwissenheit sind. Nun aber muß gesagt werden, daß Unaufmerksamkeit gegenüber feinstofflichen Erscheinungen genau solche Unwissenheit sein wird.
Man muß das Bestreben erstarken lassen, die feinstofflichen Erscheinungen der Umgebung zu beobachten. Man muß Auge und Ohr schärfen, um im Alltag die Verschmelzung des irdischen Lebens mit der Feinstofflichen Welt zu erkennen. Es muß erklärt werden, wie nahe die Feinstoffliche Welt jedem Wesen steht. Solche Beobachtungen werden der Wissenschaft nützlich sein. Man darf es nicht spöttisch belächeln, wenn unerfahrene Beobachter zu falschen Schlußfolgerungen gelangen. Jede Beobachtung kann einen Funken der Wahrheit in sich bergen, und die Gelehrten können diese Funken erkennen.
Möge Wohlwollen die Grundlage aller psychischen Beobachtungen sein, anderenfalls werden die Menschen sich in Schweigen verschließen, und viel Wertvolles wird verlorengehen. Erscheinungen der Feinstofflichen Welt können einem Spinngewebe ähnlich sein; man kann es zerreißen, doch wird man die Anwesenheit von etwas Feinstofflichem lange verspüren. Erinnert euch, daß die Feinstoffliche Welt sich in feinsten Berührungen offenbart, und so sollte die Wissenschaft sich in ihrer Beobachtungsweise solchen feinsten Ausdrucksformen anpassen.
Möge man sich der Worte des Denkers erinnern: "Das Feinste kann nur mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen werden."
758. Urusvati weiß, weshalb Wir oft an den Wert der Arbeit erinnern. Arbeit erzeugt Rhythmus. In der Arbeit tritt man mit überirdischen Schwingungen in Verbindung, weshalb eine hohe Arbeitsqualität so sehr von Bedeutung ist. Dabei hebt jeder Arbeiter seine Schwingungen und nähert sich dem Aufstieg.
Man darf nicht besondere Arbeitsbereiche hervorheben, da man in jeder Arbeit hohe Anspannungen erreichen kann. Arbeit sollte rhythmisch sein und daher täglich durchgeführt werden. Für Arbeit darf man nicht erst irgendwelche besonderen Begeisterungssprünge erwarten. Das Gebet der Arbeit kann in jeder Stunde erklingen, in ihm erreicht der Mensch neue Vervollkommnung.
Laßt uns Maschinenarbeit nicht ablehnen, wenngleich in angespannten Händen wahre Handwerkskunst zum Ausdruck kommt. Wer wird zwischen Handwerk und schöpferischer Arbeit eine Grenze ziehen wollen? Wahrlich, ein bewußter Arbeiter ist in seinem Bereich immer auch ein schöpferisch Tätiger. Glücklicherweise kann man jeden Bereich vervollkommnen. Dabei nimmt der Mensch unwillkürlich Berührung mit höheren Schwingungen und der Überirdischen Welt auf. Ein jeder Augenblick solcher Verbindung kann eine nützliche Entdeckung herbeiführen, wobei wohlwollende Zusammenarbeit unterstützend wirkt.
Die Vervollkommnung der Arbeit ist eine sehr naheliegende Aufgabe. Nicht ferne Jahrhunderte, sondern künftige Jahre werden den Sieg der Arbeit offenbaren, und damit wird die segensreiche Schwingung der Neuen Epoche nahen. Vergessen wir nicht, daß man an der Grenze zur lichten Epoche Arbeit als ehrenvolle Aufgabe werten muß.
Der Denker sprach: "Man kann die Arbeit ehren, doch muß man auch ihre hohe Bestimmung verstehen."
759. Urusvati weiß, wie wertvoll schweigende Zuwendung zur Überirdischen Welt ist. Jede wörtliche und gedankliche Zuwendung enthält eine Bitte, einen Wunsch oder irgendein menschliches Gefühl in sich, doch das Wesen der Überirdischen Welt ist unaussprechlich, es ist nicht in Worte zu fassen. Die Hinwendung zu einem hohen Wesen sollte ebenso wortlos erfolgen.
Möge das Denken des Menschen für einen Augenblick ruhen, seine Augen geschlossen und sein Gehör verstummt sein - dann kann ein Seufzer den Menschen in höchste Überirdische Welten führen. Er möge nicht bitten, nicht fordern, nicht loben, sondern sich nur an das große Sein wenden. Jeder vermag einen Augenblick solchen Emporschwingens zu finden. Jeder kann die gesunde Stärkung durch die Berührung der Höchsten Welten wahrnehmen.
Es bedarf keiner besonderen Beschwörungen. Der Geist strebt seiner Natur gemäß und wird von dem Großen Magneten angezogen. Gebt dem Geist nur die Freiheit, und bindet ihn nicht in menschliche Beschränkungen. Er wird sich selbst emporschwingen und jubelnd zurückkehren. Auf solche Weise wendet sich der Mensch zur Überirdischen Welt. Eine solche Zuwendung vollzieht sich weitaus häufiger, als man gemeinhin annimmt. Die Menschen bemerken nicht, wie sich eine Erneuerung vollzieht und schreiben sie irgendwelchen irdischen Bedingungen zu, doch groß
ist der Wert der schweigenden Zuwendung zur Überirdischen Welt! Mögen die Menschen dieses Tor nicht vergessen.
Der Denker riet den Schülern:" Lernt es, die Größe der Gedanken nicht durch irdische Nichtigkeit herabzusetzen."
760. Urusvati weiß, wie segensreich Zusammenarbeit ist. Viele verstehen, daß Zusammenarbeit die Produktivität vermehrt und die Qualität erhöht, doch nun möchte Ich auf eine weitere wertvolle Eigenschaft der Zusammenarbeit hinweisen. Nehmen wir einen Chor von Soldaten oder Arbeitern, so werden sich in einer solchen Vereinigung nicht wenige finden, die von Unglück bedrückt sind, doch überdeckt die durch die gemeinsame Aufgabe erwirkte Vereinigung ihre persönlichen Mißgeschicke. Ein solches gemeinsames Streben hilft, vom persönlichen Leiden Abstand zu gewinnen. Man darf nicht meinen, die gemeinsame Arbeit lasse die persönlichen Gefühle verstummen; im Gegenteil, sie macht es möglich, die Bestrebung auf eine höhere Stufe zu führen, was natürlich nur bei hoher Arbeitsqualität gilt. Auf solche Weise kann gemeinsame Arbeit den Menschen helfen.
Ebenso verstehen muß man, daß die Annäherung an die Überirdische Welt bei gemeinsamem Herangehen verstärkt werden kann. Die unterschiedlichen Formen des Verständnisses vermögen einen harmonischen Chor zu bilden. Solche hingebungsvolle Bestrebung kann auch einem gemeinsamen Wunsch Ausdruck verleihen.
Mögen, wo es möglich ist, kleine Gruppen gebildet werden, in denen man zu überirdischer Erkenntnis strebt. In solchen Freundeskreisen kann man einander große Hilfe erweisen. Man stärkt sich gegenseitig gegenüber dem Spott der Massen, man hilft sich, Aufmerksamkeit gegenüber Erscheinungen der Überirdischen Welt zu erlangen. Solche Gruppen sollen klein sein, da die Schwingungen der einzelnen Teilnehmer die Harmonie nicht stören dürfen. Niemand vermag das Bestreben zur Wirklichkeit des Seins zu befehlen, doch schafft die Verbindung der Schwingungen einen mächtigen Aufstieg.
Der Denker rief Seine Schüler zu gemeinsamer Arbeit auf: "Möge schöne Arbeit eure Wunden heilen."
761. Urusvati weiß, daß die Wissenschaft das Vorhandensein eines Giftes im menschlichen Organismus festgestellt hat, das durch Zorn und Gereiztheit entsteht. So wird die Wissenschaft auch das Gift erkennen, das durch Furcht und Zweifel entsteht. Zweifel ist eine Abart der Furcht und zersetzt den Organismus.
Es muß daran erinnert werden, daß der Zweifelnde nicht nur sich selbst, sondern auch den wohlwollenden Kräften schadet. Schon die Ausstrahlung eines solchen Menschen macht es unmöglich, daß er die ihm gesandten Energien aufnimmt. Solch ein Mensch kann die Feinstoffliche Welt nicht berühren. Er kann die Realität feinstofflicher Wirkungen nicht wahrnehmen. Er befindet sich gewissermaßen in ständiger Verneinung und zerstört sein eigenes Schaffen.
Man muß totenähnlichen Zweifel von feinfühliger Erkenntnissuche unterscheiden. Der Mensch soll vernünftig über das Geschehen nachdenken, und dafür ist ihm das Gefühlswissen gegeben. Es bewahrt ihn vor Fehlern. Es kann entwickelt werden und rettet vor den Giftnattern des Zweifels.
Ein vom Gift des Zweifels erfüllter Mensch kann auf feinstoffliche Energien nicht reagieren. Ein verseuchtes Wesen kann sich nicht zu Flügen in höchste überirdische Bereiche emporschwingen. Körperliche Gesundheit rettet den Menschen nicht, es bedarf der Gesundheit des Geistes.
Der Denker sprach: "Ein Zweifelnder gleicht einem furchterfüllten Krieger, der aus dem Kampf fortläuft."
762. Urusvati weiß, daß die Wissenschaft den durch Schwermut und Neid erzeugten schädlichen Chemismus bald feststellen wird. Es läßt sich beobachten, daß solche Anwandlungen mit einer teilweisen Lähmung gewisser Nervenzentren einhergehen. Selbstverständlich wird die Färbung der Ausstrahlungen anschaulich aufzeigen, wie sehr die Energie des Organismus gleichsam dahinwelkt. Kann man unter solchen Bedingungen überirdische Zeichen empfangen?
Überhaupt ist es unerläßlich, die verschiedenen seelischen Stimmungen des Menschen gut zu verstehen. So könnte man ein Verzeichnis positiver und negativer Eigenschaften anlegen, die den im Strom des Lebens Schwimmenden heftig ergreifen können. Dabei wird man beobachten können, daß es tief verwurzelte wie auch nur halb oder schwach ausgeprägte Eigenschaften gibt. Sie gleichen einem verdorbenen chemischen Experiment. Die Reaktion kommt nicht zustande, und feinstoffliche Energien können nicht zur Anwendung gelangen.
Werdet nicht müde, den Anfängern zu wiederholen, daß die Bedingungen der Feinstofflichen Welt von den irdischen vollkommen verschieden sind. Diese einfache Überlegung ist der heutigen Menschheit völlig fremd. Die Menschen ziehen es vor, neue Erkenntnisse zu verneinen, anstatt über ihre seelische Verfassung und deren Folgen nachzudenken.
Es wäre dem Menschen nützlich, öfter in wissenschaftlichen Vergleichen zu denken. Man darf nicht meinen, wissenschaftliche Termini könnten das zur Feinstofflichen Welt bestrebte Herz austrocknen. Das überirdische Laboratorium ist dem gesamten Weltall ähnlich.
Der Denker sprach: "Wer der Schwermut verfällt und sich von Neid bemächtigen läßt, gleicht einem Leichnam."
763. Urusvati weiß, daß Freude wie ein seltener Vogel ist. Wenn er ans Fenster klopft, müßt ihr ihn hereinlassen können. Selbst die geringste Freude im Alltagsleben vermag die Ausstrahlungen des Menschen schon zu verändern. Man kann sich vorstellen, wie sehr das Wesen des Menschen sich bei Freude über die Höhere Welt erhellt.
Es lassen sich durch Freude erzeugte wohltuende Chemismen entdecken. Krankheiten können durch Freude geheilt werden. Es ist an der Zeit, daß die Wissenschaft den Wert der Freude zu erforschen beginnt. Nicht selten wird von grundloser Freude gesprochen, was eine falsche Definition ist. Nichts kann grundlos sein. Die Fähigkeit, ferne Ursachen zu fühlen, kennzeichnet bereits ein hochstehendes, verfeinertes Bewußtsein.
Es kann für Flüge des Denkens keine Grenzen geben, und so vermögen auch die Flügel der Freude aus der Überirdischen Welt herbeizustreben. Um so aufmerksamer muß man auf die im Herzen aufkommende Freude hören. Doch ist es notwendig, einigen Menschen zu erklären, daß Wir die reine Freude im Blick haben, Freude über das Gute, Freude über schöpferisches Tun. Anderenfalls werden alle, die sich in Schadenfreude ergehen, lachen und sich einbilden, ihre Ausstrahlungen würden dabei lichter werden.
Schadenfreude erzeugt ein starkes Gift und stürzt den Menschen in Finsternis. Denkt nicht, Ich würde über abstrakte Grundlagen sprechen, Ich wiederhole nur die Gesetze der Biologie.
Der Denker sprach zu denen, die nach Glück suchten: "Freude ist Glück."
764. Urusvati weiß, wie sorgsam man jede positive Erscheinung hüten muß. Hier nun sprechen wir über die Eigenschaften der Freude: "Mensch, verfinstere die Freude deines Nächsten nicht. Es mag sein, daß sie dir fremd und bedeutungslos erscheint, doch läßt sie den Raum gesunden, und es ist nicht an dir, über die Quellen solcher Freude zu urteilen. Mensch, setze etwas Nützliches nicht mit deinem Spott und deinen Kränkungen herab."
"Mensch erinnere dich, daß du zum Hüter des Raumes bestimmt bist. Du kannst ihn gesund erhalten oder ihn beschmutzen. Du kannst der Überirdischen Welt nicht zustreben, wenn du tötende Gifte erzeugst. Mit jedem Atemzug sendest du dem Raum Gesundung oder Zerstörung."
Weshalb denkt der Mensch so selten über die hohe Verantwortung nach, die mit seinem Dasein verbunden ist? Bei seinem Gang auf die Erde dachte er an etwas Vollkommenes; weshalb träumen die Menschen dann im irdischen Leben so selten von Heldentat?
Überlieferungen aus alten Zeiten erscheinen ihm als Märchen, die nicht verwirklichbar sind, und grabesähnliche Verwesung drückt das Denken des Menschen nieder. Indessen bildet jeder schöne Gedanke eine räumliche Kraft.
Die Menschen träumen nur selten von der zukünftigen Existenz, um so beharrlicher muß man immer wieder von der Realität der Überirdischen Welt sprechen. Möge ein Lehrer die Möglichkeit finden, mit jedem Gesprächsgegenstand an die Erhabenheit der Unbegrenztheit zu erinnern. Mögen die Kinder sich öfter in Träumen dorthin emporschwingen, wo es ihnen wohl ergehen wird.
Der Denker bat: "Vermeidet Streit und schlechte Erinnerungen, denn sie sind schädlich."
765. Urusvati weiß, wieviele Einzelbereiche in der Astrobiologie enthalten sein werden. Ganze Universitäten werden dem Studium dieser Forschungsgebiete gewidmet sein, die für die Menschheit überaus wichtige Bedeutung haben. Mögen solche Einrichtungen im engen Zusammenhang mit Aufgabenstellungen aus dem physischen und psychischen Bereich des Lebens arbeiten.
Gemeinsam mit der Astrobiologie muß auch die Psychobiologie des Menschen entwickelt werden. Nur in solcher Zusammenarbeit läßt sich die innige Verbindung zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos erkennen. Leider wird das Studium der Psychobiologie zumeist in entstellter Weise durchgeführt.
Die psychischen Forschungen erstrecken sich meist nur auf besondere Erscheinungen, während doch die normalen Lebenserscheinungen Forschungsgegenstand sein sollten.
Die Menschen dürfen sich die Gegebenheit der Überirdischen Welt nicht als etwas Übernatürliches vorstellen, sondern müssen sie sich als Grundlage des irdischen Lebens zu eigen machen. Nur wenn die Realität der Überirdischen Welt erkannt wird, kann die Evolution voranschreiten. Um so mehr muß man zu der Erkenntnis streben, daß die heutigen Lebensbedingungen von vergiftenden Einflüssen gereinigt werden müssen, die von der Menschheit selbst hervorgerufen wurden.
Vor den Augen aller vollziehen sich Vergiftung und Zersetzung. Die Menschen bringen das Gift selbst in das Leben ein und fördern damit die Zersetzung ihrer eigenen Nachkommenschaft. Vor langem schon wurde über den Schaden gemischten Blutes gesprochen, doch wird dieses zur Zeit nicht in großem Maße praktiziert? Richtig ist, daß damit in vielen Fällen das Leben erhalten wird, doch lösen die inneren Wirkungen nicht wiedergutzumachende Schäden aus. Gemischtes Blut harmoniert selten mit dem individuellen Blut des Menschen.
Die Menschen lieben es, über den Zerfall ganzer Völker zu sprechen, doch vollzieht sich solch ein Prozeß über viele Jahre. Aus diesem Grund muß die Psychobiologie beachtet werden.
Der Denker sprach: "Es ist eine Freude zu erkennen, daß wir in ständiger Zusammenarbeit mit der Überirdischen Welt stehen."
766. Urusvati weiß, wieviele überholte Begriffe durch zweckmäßigere ersetzt werden müssen. Man darf nicht meinen, solche Begriffe hätten sich bereits in fernen Zeiten überlebt. Einige von ihnen sind noch nicht einmal hundert Jahre alt, ohne ihrer ursprünglichen Bestimmung noch dienen zu können. So ist beispielsweise das Wort "Spiritismus" nicht alt, hat jedoch seinen Nutzen bereits verloren. Es hat sich als beschränkter und oberflächlicher Begriff erwiesen. Die Suche nach Wissen muß in Verbindung mit weitgefaßten überirdischen Bereichen vorgenommen werden und darf sich nicht auf spiritistische Sitzungen beschränken, die doch nur wenig Wissen vermitteln. Psychische Forschungen hingegen geben den Boden für neue Erkenntnisse.
Ebenfalls vermieden werden müssen absurde wissenschaftliche Konstruktionen, die nur den einheitlichen Korpus der Wissenschaft zerstückeln. So wird von Parapsychologie gesprochen. Wozu soll eine solche Konstruktion dienen, wenn der weite Bereich der Psychologie auch all solche scheinbaren Überbauten in sich aufnimmt? Auch die Metaphysik kann nur so lange existieren, als die Physik nicht hinreichend verstanden wird.
Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, daß der Korpus der Wissenschaft ohne jegliche Notwendigkeit geteilt wurde. Gleichzeitig spricht man dann viel von Synthese, von der großen einen Energie, doch bleiben solche Worte nur leere Hüllen.
Die Menschen ziehen es vor, sich in kleinen Bereichen der Spezialwissenschaften zu isolieren, die der übrigen Wissenschaft angeblich überlegen seien, anstatt bei den großen Aufgabenstellungen zusammenzuarbeiten. So ergeben sich spitzfindige, lange Bezeichnungen, die zu nichts dienlich sind. Natürlich weist jede Wissenschaft viele Teilbereiche auf, doch müssen sie Zweige eines einheitlichen Baumes sein.
Die Menschheit durchlebt jetzt eine schreckliche Stunde, und es ist die Zeit wahrer Synthese gekommen. Ohne bewußte Zusammenarbeit wird man jetzt das in Stücke gerissene Wesen des Menschen nicht mehr zu einem Ganzen wieder zusammenfügen können. Mitarbeiter wird man ohne gegenseitiges Vertrauen nicht finden, doch dieses Vertrauen erwächst aus dem Gefühlswissen.
Der Denker gebot Seinen Schülern, über den Ursprung des Gefühlswissens nachzudenken.
767. Urusvati weiß, daß ein Arzt eine Krankheit nicht hinlänglich bekämpfen kann, wenn er den Menschen nicht schon im gesunden Zustand beobachten konnte. Man muß die individuellen Eigenheiten des Organismus beobachten, um einer Krankheit widerstehen zu können. Desgleichen müssen auch die psychischen Erscheinungen in ihrer ganzen Individualität verstanden werden. So muß man sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos die Bedeutung der Individualität begreifen. Die Menschen verstehen es nicht, daß auch der Makrokosmos individuell geartet sein kann. Doch jeder erfahrene Beobachter weiß bereits, wie vorsichtig man mit Verallgemeinerungen umgehen muß. Das Leben in seiner Freigebigkeit zählt seinen Reichtum nicht.
Man wird fragen: "Welcher Yoga führt auf dem kürzesten Wege zur Erkenntnis?" Ihr wißt, daß der Agni Yoga eine feurige Synthese ist, doch haben sich viele noch nicht mit feuriger Erkenntnissuche angefreundet. Sie wollen einen Hinweis auf eine der früher aufgezeigten Yogaformen, und darum nenne Ich den Karma Yoga: Das schöpferische Tun, die bewußte Arbeit, das Streben zu höchster Qualität wird auf dem kürzesten Wege zum Höchsten führen. Jedoch, der Karma Yoga bedarf der Zeit, während der Agni Yoga als blitzartiger Yoga bezeichnet werden kann. Denkt darüber nach, wie herrlich der Weg des Blitzes ist, doch vergeßt dabei nicht, wie schwer blitzartige
Anspannung zu ertragen ist.
Der Denker sprach: "Möge das Schwerste auch das Schönste sein."
768. Urusvati weiß, auf welche Weise die Menschen ihren Unwillen, über das Überirdische nachzudenken, zu rechtfertigen suchen. Vor allem werden sie beginnen, von Zeitmangel zu reden, von Alltagssorgen, von kräfteübersteigenden Arbeiten: "Wir haben keine Zeit", so werden sie sagen. Bedarf es jedoch für einen blitzartigen Gedanken langer Zeit?
Selbst die unvollkommenste Zuwendung zum Überirdischen bringt bereits Segen. Wenn das Sehvermögen des Menschen ermüdet, schließt er für einen Moment seine Augen und erfährt Erleichterung. So übt auch ein blitzartiger Gedanke an das Überirdische einen gesundenden Einfluß auf den Organismus aus.
Es ist bereits aufgezeigt worden, daß die grundsätzliche Erkenntnis der Überirdischen Welt voraussetzt, daß man ihre Existenz überhaupt erkennt, und in solcher Erkenntnis darf es keinen Zweifel geben. Ich bestätige, daß zweifelndes Denken den Menschen der Überirdischen Welt nicht näherzuführen vermag. Es läßt sich sehen, daß Menschen trotz vielen Lesens von einem Verständnis des überirdischen Lebens dennoch weit entfernt sein können. Gleichzeitig vermögen einige nur durch das Gefühlswissen in große Höhen vorzudringen und wohltuende Hilfe zu empfangen.
Wahrlich, Herz und Gefühl erinnern an den kürzesten Weg, doch wird dieses Axiom nur selten erkannt. Ohne diese Erkenntnis jedoch sind Verstehen und Zusammenarbeit mit der Überirdischen Welt nicht möglich. Wir sprechen nicht allein von einem Glauben an die Überirdische Welt, sondern gerade von einer Zusammenarbeit mit ihr. Selbst die größten Alltagssorgen lassen dem Menschen einen Augenblick, um sich gedanklich emporzuschwingen. Es bedarf keiner Worte, wenn das Herz hoch emporfliegt. Möge der Mensch nicht versuchen, seine Faulheit und Unwissenheit zu rechtfertigen.
Der Denker sprach: "Sagen wir den Betrübten: Der Flug ins Überirdische wird euch Erleichterung verschaffen."
769. Urusvati weiß, mit welchem Gefühl man sich der Überirdischen Welt nähern muß. Die Furcht ist ein schlechter Führer, der Verstand führt nicht zu den Höhen - man muß die Überirdische Welt lieben.
Mögen die Skeptiker sich nicht wundern, daß Wir anstelle komplizierter wissenschaftlicher Formeln
von dem allgemein-menschlichen Gefühl der Liebe als dem besten Führer sprechen. Doch bei jedem beliebigen Forschungsgegenstand wird der beste Erfolg erreicht, wenn der Forscher diesen Gegenstand liebt. Allein Liebe schafft höchste Anziehung. Ihr kennt die Bedeutung der Anziehung zur Genüge. Dieser Magnet ist im menschlichen Herzen angelegt, und er ist zum größten Magneten der Überirdischen Welt bestrebt.
Man muß verstehen, daß Wir kein vereinzeltes, rasch verlöschendes Aufflammen von Liebe im Blick haben. Solche Truggebilde haben keine Bedeutung, notwendig ist dauerhafte, hingebungsvolle Liebe, die auch bei allen Lebensprüfungen unverlöschlich brennt. Eine solche Liebe führt zur Heimat des Herzens, zu derjenigen geliebten Heimat, wo alles bekannt, wo einem alles lieb und alles schön ist. Eine solche Liebe wird nicht durch irdische Sorgen unterbunden, sondern stärkt hingegen den Geist, auch die größten Schwierigkeiten zu bewältigen. Solche Anziehung überaus wirksame Hilfe aus der Überirdischen Welt erhalten, und solche Hinwendung wird wahre Zusammenarbeit sein. Auf solche Weise sollte auch der weltweite Aufbau erfolgen, doch sind die Menschen sich allzu selten des kosmischen Gesetzes der Anziehung und seiner Grundlage, der Liebe, bewußt. Selbst die unvollkommenste Liebe schließt bereits ein Teilchen des Guten in sich. Solcherart gelangt der Mensch, nach allen möglichen Aufspeicherungen des Verstandes, zu dem natürlichen Gefühl, welches im gesamten Reich der Natur lebt.
Der Denker gebot: "Die Liebe ist das flammendste Gefühl. Entwickelt eine leidenschaftliche Liebe zur Überirdischen Welt."
770. Urusvati weiß, daß manche Menschen ein Entsetzen vor Erscheinungen der Überirdischen Welt nicht überwinden können. Solche Wirkung läßt sich nicht anders als mit disharmonischen Schwingungen erklären. Selbstverständlich ist bei Erscheinungen höherer Ordnung ein Erbeben unvermeidlich, doch ist dieses nicht einem Entsetzen gleich.
Zu einem späteren Zeitpunkt wird man diese unterschiedlichen Schwingungen bis zu einem gewissen Grade durch eine Behandlung mit elektrischen Schwingungen harmonisieren können, doch ist dies jetzt noch nicht möglich. Ebenso kann man mittels Suggestion helfen, doch ein solcher psychischer Zwang kann schädlich sein. Man muß die Suggestion sehr behutsam anwenden, wenn
es um überirdische Energien geht. Man kann dabei eine derartige Spaltung der psychischen Energie herbeiführen, die tödlich zu sein vermag.
Wir haben bereits davon gesprochen, daß es unerläßlich ist, die Überirdische Welt zu lieben, da man sich ihr nur auf diese Weise nähern kann. Ein Mensch wird nicht vor etwas in Entsetzen geraten, was er aus tiefem Herzen liebt. Es läßt sich bestätigen, daß Menschen, die vor Erscheinungen der Überirdischen Welt in Entsetzen geraten, diese nicht lieben. Sie können die Überirdische Welt erkennen, ihre Realität verstandesmäßig erfassen, doch wird der Verstand nicht helfen, wenn sie vor dem Antlitz der Überirdischen Welt stehen. Allein die Liebe wird ihnen helfen, ihre Schwingungen denen der Überirdischen Welt anzupassen und jede ihrer Offenbarungen zu begrüßen.
Weshalb zum Aberglauben vergangener Epochen zurückkehren, als man den Himmel aus Furcht vor dem Donner verehrte? Laßt uns nicht den Wilden ähneln, sondern die Überirdische Welt in wissenschaftlicher Weise erfassen. Mögen die Menschen in Liebe wünschen, sich der Überirdischen Welt zu nähern. Mögen sie ihre Zeichen freiwillig und gewissenhaft aufnehmen, dazu ist ihnen der freie Wille gegeben.
Der Denker riet, sich vor Gereiztheit und Schwermut zu hüten, da sie der Erkenntnis der Überirdischen Welt hinderlich sind.
771. Urusvati weiß, wie oft die Menschen richtige Definitionen äußern, ohne ihre wahre Bedeutung zu verstehen. So sagen sie gerne: "Der Mensch ist verwirrt". Sie rufen sogar einen Arzt, der dann beginnt, den Kranken mit Narkotika zu töten. Der Arzt spricht von kranken Nerven, versteht aber nicht, daß die Tätigkeit der Nerven der Reflex einer Verwirrung des Bewußtseins ist, anders gesagt, einer Verwirrung der psychischen Energie.
Die Menschen denken nicht darüber nach, daß ein verwirrter Mensch einem verstimmten Saiteninstrument gleicht. In einem solchen Zustand ist er für schöpferische Arbeit ungeeignet, so wie ein verstimmtes Instrument zum Musizieren unbrauchbar ist. Man muß den Saiten erst wieder Zusammenklang verleihen, was jemand mit musikalischem Verständnis tun muß.
So sollte das Bewußtsein über den freien Willen gestärkt werden, und das Bewußtsein bekräftigt den Zusammenklang
mit dem Nervensystem. Vergessen wir hierbei nicht, daß ein verwirrter Mensch sich der Überirdischen Welt nicht zu nähern vermag. Er wird sogar allen Umgebenden schaden, da seine Ausstrahlungen giftig sind.
Es muß daran erinnert werden, daß die Menschen wegen Nichtigkeiten in Verwirrung geraten, an die es sich nicht einmal zu denken lohnt. Die Menschen überladen ihr Bewußtsein gar mit solchen Lappalien. Bei ernsten Prüfungen jedoch pflegen sie im allgemeinen derart niedergeschlagen zu sein, daß ihre Nerven erstarren und sie keinen Weg zur Vernunft finden können. Zur Zeit gibt es viele Erschütterungen, und die Menschen müssen besonders über die Stärkung ihres Bewußtseins nachdenken. In der Zeit weltweiter Erschütterungen ist die Überirdische Welt sehr nahe, doch müssen die Menschen ihr Bewußtsein in einem gesunden Zustand halten, wozu ihnen der freie Wille verhilft. Mögen sie sich den Befehl geben, nicht in Verwirrung zu geraten, da der Menschheit eine ganze Epidemie heftiger Verwirrungen droht.
Der Denker sprach: "Haltet die Saiten des Herzens in Harmonie."
772. Urusvati weiß, daß sich gegenwärtig ein schwieriger Aufstieg der Völker vollzieht. Jedes steigt auf seine Weise empor: Das eine durch Krieg, das andere durch Not, ein drittes durch Arbeit, ein viertes durch Wissen, ein fünftes durch Heldentat - jedes trägt sein eigenes Karma. Dieses kann leicht sein, doch kann es auch ein sehr schweres Volkskarma sein.
Bestätigt, daß in solcher Bewegung der Völker eine Rückkehr zur Vergangenheit nicht möglich ist. Jeder, der die Unabänderlichkeit der Evolution erkennt, erleichtert damit bereits sein eigenes Los. Jeder, der das Gesetz von Arbeit im Namen der Menschheit versteht, hilft sich bereits selbst bei seinem eigenen Aufstieg. Jeder, der fähig ist, solche entscheidenden Wege der Menschheit zu lieben, hilft sich selbst. Ein solches hochstehendes Verantwortungsbewußtsein wandelt sich zu einer leichten Bürde.
Man wird fragen: "Weshalb wird diese Epoche als Zeitalter der Mutter der Welt bezeichnet?" Wahrlich, so sollte sie genannt werden. Die Frau wird eine große Hilfe bringen, indem sie nicht allein Aufklärung in die Welt tragen, sondern auch das Gleichgewicht bestätigen wird. Inmitten der Wirrnis ist der Magnet des Gleichgewichts gestört, und es ist der freie Wille nötig, um die auseinanderfallenden Teile wieder zu vereinigen. Maitreya verfügt: Mitleid bedarf der Zusammenarbeit. Wer sich zu Ehren der großen Epoche opfert, dem ist reiche Ernte gewiß.
Der Denker sprach: "Lernt es, für die ganze Menschheit zu arbeiten."
773. Urusvati weiß, wie behutsam man sich gegenüber jedem Fortschritt der Wissenschaft verhalten muß. Es ist an der Zeit, den aus Unwissenheit hervorgebrachten Irrtum hinter sich zu lassen, der die Wissenschaften in nutzbare und abstrakte einteilte. Sämtliche Wissenschaft bezieht sich auf das Leben.
Ein Gelehrter vermag bei breit angelegten Forschungen nicht vorherzusehen, mit welchen Wissenschaftsgebieten er in Berührung kommen wird. Er versteht, daß trotz der unbegreiflichen Aufteilung der Wissenschaften dennoch ein einigendes Prinzip zwischen ihnen besteht. Man muß daher alle wissenschaftlichen Kurse mit einer philosophischen Begründung beginnen, so wird man die Grundlage für die Einheit des Wissens legen.
Es ist nicht möglich aufzuzeigen, welcher Wissenschaftsbereich von geringerer Bedeutung wäre. Bei den gegenwärtigen Forschungen kann jede Wissenschaft neue Horizonte eröffnen. Man kann sich erinnern, wie sich die Astronomie nach trockenen Aufzählungen in eine Wissenschaft über das Weltall wandelte. Genau dasselbe geschieht auch mit vielen anderen Wissenschaften, die ihre wahren Aufgaben finden werden.
Desgleichen dürfen auch die Volksbewegungen nicht vergessen werden. Sie bedürfen wissenschaftlicher Darstellungen in zugänglicher, aber doch streng begründeter Form. Es gibt keine Volksbibliothek. Sie darf keine zufällige Erscheinung sein, sondern notwendig ist, daß der Staat in großem Maßstab Bücher über sämtliche Wissensbereiche herausgibt in Form nicht allzu umfangreicher wissenschaftlicher Zusammenfassungen. Diese Bücher sollten so aufgebaut sein, daß neueste Errungenschaften leicht einzufügen sind. Notwendig ist auch eine gute Darstellungsweise, auf daß schon die Schönheit der Sprache eine anziehende Wirkung ausübe. Vergessen wir jedoch nicht, daß Psychologie und Biologie an erster Stelle stehen sollten. Die Überirdische Welt muß schön dargestellt werden.
Der Denker sprach: "Sieger wird derjenige sein, der über das Höchste das einfachste Wort findet."
774. Urusvati weiß, wie vielfältig die Wege des Menschen zur Überirdischen Welt sind. Man muß an diese Mannigfaltigkeit erinnern, um den jungen Menschen bei ihrer Suche nach der Überirdischen Welt zu helfen. Das Wichtigste ist, sie vor begrenzenden Weltanschauungen zu bewahren. Man muß von den ersten Schuljahren an damit beginnen, die Grundlagen
eines weitgefaßten Denkens in zugänglicher Form zu vermitteln. Dazu muß man die jungen Menschen auch zur Beweglichkeit anhalten, denn persönliche Begegnungen mit den verschiedenen Weltanschauungen sind mit nichts aufzuwiegen.
Man muß verstehen, daß die Überirdische Welt für die meisten Menschen etwas Unvergleichbares darstellt. Die Menschen geraten in ein anderes Leben hinein, das von unerschütterlichen Gesetzen geregelt und von dem gewohnten irdischen Leben völlig verschieden ist, so daß nur eine entwickelte Vernunft dem Ankömmling hilft, sich in allen neuen Bedingungen unverzüglich zurechtzufinden.
Möge die Schule Wissen über die Bedingungen der verschiedenen Existenzformen vermitteln. Möge die Schule die Suche nach einem weitgefaßten Weg auf der Grundlage der weisen Vermächtnisse großer Denker lehren. Geist und schöpferisches Tun eröffnen Möglichkeiten, die jedem zugänglich sind. Man soll bereits den Kindern das Gefühl vermitteln, daß die Möglichkeiten in ihnen selbst liegen. Wenn man von den durch das geistige Erbe gegebenen Möglichkeiten absieht, kann man sich immer häufiger davon überzeugen, wie sehr sich an der Menschheit das Geschwür der Ausweglosigkeit zeigt. Der Mensch fällt in eine Finsternis, die er sich selbst bereitet hat. Möge jeder solchen Gefangenen helfen, indem er sie auf einen naheliegenden und freudevollen Weg hinweist.
Der Denker riet, vor allem den Irrtum der Ausweglosigkeit zu vertreiben und daran zu denken, daß dieser ein Feind der Menschheit ist.
775. Urusvati weiß, daß der Dienst an der Menschheit in geistigen Gemeinschaften des Altertums als hohe und schwierige Prüfung erachtet wurde. Der Prüfling wich nicht von seiner Tätigkeit ab, widmete deren Sinn jedoch nicht sich selbst, nicht seiner Stadt, sondern der gesamten, ihm unbekannten Menschheit. Auf solche Weise erweiterte sich der Wirkungsbereich der Tätigkeit, die zum Wohl der Menschheit beitrug.
Es war seinerzeit nicht leicht, sich die Maßstäbe der Menschheit vorzustellen, um so mehr mußten die gedanklichen Sendungen erweitert werden. Wir sprechen hier deshalb davon, weil der Mensch sich gegenüber der Überirdischen Welt heute in derselben Lage befindet. Man kann dazu raten, sich nicht von der irdischen Tätigkeit zu entfernen, dabei jedoch das Denken über die Überirdische Welt zu bewahren. Wenn die Arbeit Schritt für Schritt der Überirdischen Welt gewidmet wird, verliert diese ihren Anschein des Abstrakten und geht ins ganze Leben ein. Es muß daran erinnert werden, daß jede irdische Arbeit der Überirdischen Welt gewidmet werden kann. Die Größe der Höheren Welt verleiht auf solche Weise jeder menschlichen Tätigkeit eine hohe Qualität.
Hohe Qualität kann das menschliche Bewußtsein nur heben und dadurch näher an die Überirdische Welt führen. Nicht nur das Bewußtsein wird den Sinn der Höheren Welten bestätigen, sondern auch das innere, unaussprechliche Gefühl wird helfen, sich dem Höchsten in einem einzigen Seufzer zu nähern. Eine solche Verbesserung der Qualität jeglicher Tätigkeit bildet eine unsichtbare Brücke zu herrlicher Errungenschaft.
Möge der Verstand das schöpferische Gefühl nicht trüben, denn es stellt wahren Dienst an der Menschheit und der Überirdischen Welt dar. Besonders jetzt, da der Mensch in Wirrnis verfällt, muß man mit dem Hinweis Mut zusprechen, daß es jedem beschieden ist, sich den Höheren Welten zu nähern. Jede Arbeit ist dabei ein zuverlässiger Weg. Allein durch Liebe zu hoher Qualität kann man auf dem Wege des Aufstiegs erfolgreich voranschreiten.
Der Denker sprach zu Seinen Schülern: "Möge jeder von euch die Qualität der Arbeit beherrschen. Möge jeder im Namen der Überirdischen Welt arbeiten."
776. Urusvati weiß, daß man die Erkenntnis der Überirdischen Welt auf jegliche Weise in das Alltagsleben einbringen muß. Die Menschen beklagen sich häufig über störende Umstände, doch sind solche Klagen gewöhnlich unbegründet.
So sprechen die Menschen von grausamen Erschütterungen, ohne aber die hauptsächlichen Feinde ihres Fortschritts zu erwähnen. Sie vergessen dabei, daß eine Erschütterung einer notwendigen Explosion gleichkommt, da das irdische Leben oft von kleinlichen Streitigkeiten geradezu gesättigt ist. Diese Explosionen können wertvolle Tiefen eröffnen, denn die kleinlichen Zänkereien sind wie ein qualmender Ofen. Man kann sich unmöglich weiterentwickeln, wenn jeder Tag von Giften durchsetzt ist. Mögen die Menschen daher nicht über sie erschütternde Explosionen wehklagen, sondern darüber nachdenken, wie sie sich von ihren kleinen Giftnattern befreien können.
So geraten die Menschen auch nicht selten in Verzweiflung in der Meinung, ihrer Mühe bedürfe niemand, vergessen dabei jedoch, daß die durch ihre Arbeit erzeugte Energie einen kosmischen Wert darstellt. Der Mensch kann nicht wissen, wo seine Energie in Erscheinung treten und wie und wann sie das Wohl herbeitragen wird. Es kann sein, daß der Tätige dieses Wohl selbst empfinden wird, doch ebenso gut, daß es zum Wohl der Nächsten beiträgt. Möge die Arbeit von ihrem Wesen her gut sein, dann wird nicht Verzweiflung, sondern Freude das Los des Tätigen sein. Es lassen sich viele Beispiele dafür anführen, daß Menschen sich selbst der Freude beraubt haben. Doch wird das Gefühl der Freude noch nicht
oft klar verstanden.
Der Denker sprach: "Fürchtet keine Erschütterungen - doch hütet euch vor kleinlichen Streitereien, denn aus ihnen erklingt Unwissenheit."
777. Urusvati weiß, daß die Kriminalität überall ansteigt. Äußerlich gesehen gestaltet sie sich sehr verschieden, doch ihr schädlicher Gehalt ist ein und derselbe. So ergibt sich die unerwartete Erscheinung, daß einfache Völker sich als ethisch höherstehend erweisen als die aufgeklärte Zivilisation. Es ließe sich ein aufschlußreiches Buch über den Verfall der Menschheit verfassen; nichts unterstützt eine Bewegung, die zu Verbesserungen führen würde. Besonders abstoßend ist es, wenn ein offenkundiger Verbrecher von Ethik spricht und dabei spezielle Zeremonien ausführt. Vor langem schon wurde gesagt, daß sich selbst die höchste Zeremonie in den Händen eines Verbrechers in Lästerung verkehrt.
Ebensowenig Hilfe bringt eine bedingte, von Voreingenommenheit bestimmte Wissenschaft. Doch gerade von der Wissenschaft müßte eine Reinigung des Bewußtseins erwartet werden. Ethik und Biologie sind bis heute unverstandene Gegensätze geblieben. Es scheint unmöglich für die Menschheit zu sein, selbst inmitten der Nöte und des Grauens des Harmagedon ihren Blick über ihren verstaubten Herd zu heben! Der Mensch wendet die wunderbaren Erfindungen, die das heutige Leben erfüllen, nicht in rechter Weise an. Man sollte meinen, daß solche Apparate wie das Radio zum Nachdenken über die Gedankenübertragung veranlassen, doch in der Tat dient diese Entdeckung vor allem dem Betrug.
Wo liegt die Lösung? Erneut müssen wir die Überirdische Welt aufzeigen. Man muß sie in ihrer vollen Wirklichkeit hervorheben, denn nur so läßt sich ein gefallener Mensch warnen. Doch wieviel muß in dieser Richtung vollbracht werden! Hier muß die Wissenschaft helfen; die Wissenschaft muß frei sein; die Wissenschaft muß in die Tiefen des Bewußtseins vordringen. Die zivilisierten Menschen müssen darüber nachdenken, weshalb primitive Volksstämme sich als ethischer, als sittlicher erweisen.
Der Denker riet den Menschen warnend, über die Grenze ihrer Behausung emporzublicken.
778. Urusvati weiß, daß der freie Wille kostbar ist - wenn er frei ist. Einen kläglichen Anblick bietet der Wahnsinnige, der sich dünkt frei zu sein, in Wirklichkeit jedoch
in allen möglichen Ketten gefesselt ist. Kann man den Willen frei nennen, wenn er blind und taub ist und in einem Morast von Vorurteilen kriecht?
Man wird fragen: "Wie soll man denn leben, wenn der Mensch der Unwissenheit bei jedem seiner Schritte in ihren verbrecherischsten Erscheinungen begegnet?" Gewiß, die Menschheit hat sich schwere Ketten geschmiedet. Von der Wiege an hört der Mensch Lügengeschichten, die nichts mit der Wirklichkeit gemein haben. Solche Geschichten enthalten jedoch oftmals noch mehr Weisheit als die alltäglichen Klügeleien der Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Es ist richtig, daß der Mensch unausbleiblich widerwärtigen Ungeheuern begegnen wird, doch schützt ihn der freie Wille vor Angst und führt ihn über solche Hindernisse hinweg.
Psychische Freiheit ist der Zugang zur Überirdischen Welt. Man kann das gesamte irdische Leben umwandeln, indem man den freien Willen bekundet. Ein freier Mensch wird nicht mit Unwissenden streiten, sondern ihnen, ohne daß sie es merken, Barmherzigkeit erweisen. Eine solche großzügige Gabe ist auf dem Weg zur Überirdischen Welt hilfreich. Jeder wird auf diesem Weg vorankommen, und der freie Wille wird dabei ein guter Führer sein, nur, sorgt euch darum, daß der Wille auch wirklich frei ist.
Der Denker warnte: "Verwandelt die lichte Gabe des freien Willens nicht in Wahnsinn."
779. Urusvati weiß, daß es eine schwierige Kunst ist, das Gespräch dem Bewußtsein entsprechend zu führen. Weder Wissen noch Gefühlswissen, sondern das Gefühl von Herzlichkeit hilft zu verstehen, von welcher Art das Bewußtsein des Gesprächspartners ist.
Apollonius von Tyana hat man den Vorwurf gemacht, er führe seine Unterweisungen in widersprüchlicher Weise, was nicht richtig ist. Der Lehrer widersprach niemals den Grundlagen, stimmte jedoch den Inhalt seiner Unterweisungen zum bestmöglichen Verständnis auf das Bewußtsein des Gesprächspartners ab. Der Lehrer bevorzugte Gespräche unter vier Augen, um die besten Worte zu finden. Er sagte, daß eine für eine Vielzahl von Zuhörern gehaltene Rede nicht überzeugend sei, da die einander widersprechenden Bewußtseine sich gegenseitig behindern würden.
Eine solche Vorgehensweise übten auch andere Philosophen Griechenlands. Platon rief bevorzugt nur einen einzigen Schüler zu einem Spaziergang, und die dabei geführten Gespräche waren besonders bedeutsam. Er teilte Wissen über die Überirdische Welt in besonders behutsamer Weise mit.
Er wußte, daß eine dem Bewußtsein nicht entsprechende Mitteilung Schaden bringen könnte, wobei solch ein Schaden darüber hinaus möglicherweise nicht wiedergutzumachen wäre.
Er studierte das Bewußtsein der Schüler an den unerwartetsten Gegenständen. Jeder hat ein individuelles Bewußtsein, und allein ein liebendes Herz kann erfühlen, was in die Tiefen des Bewußtseins einging und übernommen wurde.
Besonders jetzt muß man das Überirdische vorsichtig berühren. Das Bewußtsein der Menschen befindet sich in derartiger Verwirrung, daß lästerliche Ausdeutungen entstehen könnten.
"Ein Bildhauer konzentriert seine ganze Aufmerksamkeit auf ein kostbares Stück Stein. So hütet auch der Bildhauer des Bewußtseins den kostbaren Aufstieg des Gesprächspartners" - so sprach der Denker.
780. Urusvati weiß, daß die Einflüsse der Überirdischen Welt außerhalb grobstofflicher Logik vonstatten gehen. Man sollte meinen, diese Wahrheit sei hinreichend bekannt, doch suchen sogar ernsthafte Forscher solche Verbindungen auf grobstoffliche Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen. Daraus entsteht dann der absurde Zustand, daß die Forschung nicht vertieft werden kann.
Die Einflüsse der Überirdischen Welt lassen sich in drei wesentliche Gruppen einteilen. Der erste ist eine von einer einzigen Person beabsichtigte und einem bestimmten Tatmenschen zugedachte Wirkung. Der zweite stellt einen Einfluß auf eine ganze Gruppe dar. Die dritte schließlich ist eine Berührung der Überirdischen Welt, die über die ganze Menschheit ergeht. Solche Berührungen wurden als höheres Wehen bezeichnet. Ein Philosoph, der solche Einwirkungen charakterisieren wollte, bezeichnete sie als psychischen Sauerstoff. So wie der Mensch nicht ohne Sauerstoff existieren kann, vermag er den Einflüssen der Überirdischen Welt nicht zu entweichen.
Die Menschen gehen fehl in der Annahme, Verbindungen mit der Überirdischen Welt vollzögen sich nur über besonders empfindsame Organismen. Natürlich sind die Verbindungen über sie besonders überzeugend, doch in Wirklichkeit ist die gesamte Menschheit von den ständigen Berührungen durch überirdische Bewohner nicht ausgenommen.
Es ist an der Zeit zu erkennen, daß die Welten voneinander untrennbar sind. Auf solche Weise wird das Leben noch reicher und schöner werden. Man muß nur daran denken, daß die Gesetze der Feinstofflichen Welt ebenfalls feiner Natur sind. So wird man verstehen können, daß die Verbindungen mit der Überirdischen Welt weder zufällig noch von geringer Bedeutung sind, wie dies vom irdischen Standpunkt aus scheinen könnte.
Man muß ebenfalls verstehen, daß die Berührungen des Überirdischen oft empfunden werden können, nur muß das Handlungsbewußtsein des Tatmenschen hochstehend sein.
Der Denker wies darauf hin, daß die Verbindungen zwischen den Welten unauflösbar sind.
781. Urusvati weiß, wie scharf man einen guten Einfluß der Überirdischen Welt von schädlicher Besitzergreifung unterscheiden muß. Ein guter Einfluß knechtet den freien Willen nicht, sondern verstärkt sogar die individuell vorhandenen Möglichkeiten. Die überirdische Einflußnahme wird immer fürsorglich und behutsam gegenüber dem physischen Zustand des Organismus sein, doch endet Besitzergreifung immer mit einem für den physischen wie für den feinstofflichen Körper schädlichen und zerstörenden Zustand.
Man nimmt allgemein an, Besitzergreifung überwältige besonders schwache Organismen, doch liegt der Hauptgrund dafür in der charakterlichen Labilität der Besessenen. Es läßt sich zweifelsfrei bestätigen, daß jede Besitzergreifung in erster Linie über den Kanal der Charakterschwäche erfolgt. Mag die Charakterschwäche offen, verborgen oder keimhaft vorhanden sein, ist sie doch die Ursache dafür, daß Besessenheit überhaupt stattfinden kann.
Man nimmt gleichfalls an, daß die Heilung von Besessenheit über die Wirkung einer starken Suggestion erfolgen könne, jedoch ist eine Verbesserung des Charakters erforderlich. Suggestion kann einen Besitzergreifer auf Zeit vertreiben, doch wird das charakterliche Verhalten gestärkt, wird dem Besitzergreifer auch der Zugang versperrt sein. Ein auf die Lebensgesetze begründetes Handlungsbewußtsein ist die sichere Grundlage für erfolgreiche Vervollkommnung. So kehren wir, worüber auch immer wir sprechen, zur Biologie, der Wissenschaft vom Leben, zurück.
Die Erkenntnisse der Wissenschaften können das ethische Niveau der Menschheit heben, wobei man das Bewußtsein jedoch nicht durch Vorurteile anketten darf. Die Wissenschaft muß hingegen in der Erforschung der Gesetze der Natur frei sein. Mögen sich die Gelehrten als wahre Aufklärer erweisen.
Der Denker sprach: "Ein Gelehrter ist Licht."
782. Urusvati weiß, daß es den Menschen besonders schwerfällt, die Möglichkeit des Harmagedon auch für die Überirdische Welt zu begreifen. Sogar solche, die vom überirdischen Leben wissen, können sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, daß in der Feinstofflichen Welt Kriege stattfinden können.
Indessen sagt schon die einfachste Logik, wie unausweichlich die Schlacht in der Überirdischen Welt ist. Menschen, die vorzeitig von der Erde hinweggetragen werden und voll nahezu gleichartiger Gedanken sind, sammeln sich in einer bestimmten Sphäre und setzen dort unausweichlich ihre im irdischen Leben gepflegten Tätigkeiten fort. Hierbei verfeinert sich eine vorhandene Grausamkeit sogar noch, ohne ihre Kraft zu verlieren. Aus solchen Himmelsschlachten entstehen viele Folgen sowohl für die Erde als auch für die Überirdische Welt.
Es ist nicht leicht, solche Zusammenstöße zu beenden. Die Erscheinung der Bosheit zieht die Kämpfenden in die niederen Schichten, doch wißt ihr, daß es nicht schwer ist, in solche Schichten hinabzusteigen, nicht leicht jedoch ist es, von dort wieder aufzusteigen. Sogar sehr hochstehende Wesen tragen schmerzhafte Folgen davon, wenn sie um barmherziger Ziele willen in die niederen Schichten hinabsteigen. So sollten die Menschen verstehen, wie leicht es ist abzusteigen, wie schwer jedoch aufzusteigen. Die niederen Schichten bringen Atemnot für jene mit sich, die aus höheren Ebenen dort hingingen.
Mögen alle, die Bosheit in sich bergen, verstehen, daß diese sich als Gift auf dem Weg zum Überirdischen erweist und sich ein boshaftes Herz nicht so leicht reinigen kann. Daher möge jeder auf der Erde um sein künftiges Leben Sorge tragen.
Der Denker sprach: "Lebt so, daß ihr die Überirdische Welt nicht belastet."
783. Urusvati weiß, daß der Mensch sich erhebt, indem er sich dem Schönen nähert, indem er auf das Schöne blickt, dem Schönen zuhört, über die Wege des Schönen nachdenkt. Glaubt nicht, daß die Menschheit diese alte Wahrheit hinreichend erkannt hätte. Leider sind die Menschen gerade jetzt weiter von ihr entfernt als in vielen vorausgegangenen Jahrhunderten.
Die Erscheinung des Schönen wird in vielen Bereichen oftmals nicht nur für unnötig, sondern gar als unzeitgemäß erachtet. Indessen behaupten die Besserwisser im Alltag, zur Umgestaltung der Welt angetreten zu sein. Fragt sie, wie sie die neue Welt ohne Sorge um das Schöne bekunden wollen.
In all der mit Leidenschaft bekundeten Besserwisserei bei der Umgestaltung der Welt hat das Schöne keinen Platz. Doch von welcher Arbeit geht man aus, wenn sie nicht schön sein wird? Welches Wissen kann leben, wenn es nicht das Schöne in sich birgt? Welche Gerechtigkeit kann
geboren werden, wenn sie schöner Erleuchtungen beraubt sein wird? Und dabei reden die Menschen von den Grenzen und vom Sinn des Schönen. Sie verstehen nicht, daß jedes Quentchen Schönheit den Menschen bereits zum Mitarbeiter der Höheren Kräfte macht. Kann man ohne die Flügel des Schönen zur Überirdischen Welt streben? Kann man ohne die schönen Erkenntnisse lichter Flüge wahrhaft künstlerisch schaffen? So wird verständlich, daß Evolution unmöglich ist, wenn man sich nicht dem Schönen nähert.
Der Denker wies darauf hin: "Wenn ihr im Traum vom Schönen lebt, empfangt ihr Freude und Liebe."
784. Urusvati weiß, wie wertvoll die Hingabe an den Lehrer ist. Doch wieviel Uneinigkeit herrscht um diese einfache Wahrheit! So beginnen Menschen, über Hingabe zu sprechen, die schon aufgrund ihrer Natur nicht verstehen, was Hingabe ist. Andere werden darauf beharren, daß eine solche Hingabe nur den freien Willen einenge. Dritte schließlich verneinen die Notwendigkeit eines Lehrers überhaupt.
Es ließen sich viele Beispiele dafür anführen, daß Menschen sich selbst schaden, indem sie die Harmonie mit dem Höheren stören. Nur wenige können verstehen, wie segensreich die Verbindung mit dem Höheren ist. Allein auf diesem Weg wird die Verbindung mit der Höheren Welt erleichtert. Man kann sich vorstellen, wie leicht eine irdische Möglichkeit zerstört wird, wenn der höhere Weg nicht bestätigt wird!
Glaubt nicht, der Lehrer könnte Seine Vorhaben zur Ausführung bringen, wenn der Mensch Ihm zuwiderhandelt. Glaubt nicht, es sei leicht, ein zerrissenes Gewebe wieder zu flicken. Mitunter erfordert solch eine Reparatur mehr Zeit als die Schaffung eines neuen Gewebes.
Nicht selten klagen die Menschen über den Lehrer, ohne die Ursachen Seines Verhaltens zu verstehen. Sie meinen, dessen irdische Entscheidungen könnten stündlich umgesetzt werden, ohne sich vorstellen zu können, wieviele Bedingungen im irdischen Alltag dafür erfüllt werden müssen. So verstehen nur wenige den Wert der Lehrerschaft. So ist Ergebenheit zum Lehrer wenigstens ein Weg, sich der Schülerschaft würdig zu sein.
Der Denker bestätigte: "Lernt es, der Schülerschaft würdig zu sein."
785. Urusvati weiß, welch hohe Bedeutung unermüdliche Wachsamkeit besitzt. Wir haben oft an die Scharfsicht erinnert, doch messen die Menschen dieser rettenden Eigenschaft keine Bedeutung bei. Wahrlich, für die einen ist Wachsamkeit gleichbedeutend mit Ketten, doch für die anderen bedeutet sie Flügel.
Narren sagen: "Wenn Gefahr kommt, dann werden wir auf der Wacht stehen." Werden sie jedoch die Gefahr erkennen können, wenn ihr Geist seine Sehfähigkeit nicht entfaltet hat? Im Bewußtsein sind viele Eigenschaften eingelagert, doch muß man sie aus den Tiefen der Schatzkammer heraus entwickeln.
Es werden Dummköpfe auftreten, die sich nicht schämen, die Notwendigkeit der Wachsamkeit zu verneinen. Ihrer Meinung nach ist es nicht Sache der Menschen, Wachsamkeit zu entwickeln und sich dadurch zu erschöpfen, daß sie sich konzentriert anspannen. Außer ihnen gibt es auch noch solche Zweibeiner, die überhaupt nicht verstehen, was Wachsamkeit ist. Es ist daher notwendig, wiederholt von Scharfsicht, Anspannung und Wachsamkeit zu sprechen.
Über all diese Eigenschaften haben Wir in den verschiedenen Büchern gesprochen, doch die Kompliziertheit des Harmagedon veranlaßt dazu, erneut auf die rettende Selbstverteidigung hinzuweisen, die für den Menschen so notwendig ist. Er hofft, eine Verbindung zur Überirdischen Welt zu bekommen, doch dafür muß er Scharfsicht besitzen. Ein Blinder wird die Schönheit der Höheren Welt nicht schauen, doch Scharfsicht bedarf der Erziehung. Sie vermag sich nicht unverzüglich zu bilden. Die Ausbildung von Scharfsicht entsteht aus dem Wunsch, alles Höhere und Schöne zu schützen. Aus solch einer Bestrebung erwächst auch die Wachsamkeit, die unermüdlich sein wird, da sie zur Schönheit führt.
Der Denker sprach: "Erinnert euch - immer bereit!"
786. Urusvati weiß, wie die Menschen vergeblich über das unerwartete Auftreten überirdischer Erscheinungen klagen. Sie werden sagen: "Wir haben mit der ganzen Kraft unseres Wunsches gewartet, doch nichts trat in Erscheinung. Als alle Kraft versiegt war, da kam die Erscheinung." Diesen unerfahrenen Forschern muß man sagen: "Ihr habt euren Wunsch nach feinstofflicher Erscheinung mit irdischen Wünschen verbunden. Versteht ihr etwa nicht, daß das Irdische und das Überirdische nicht in denselben Dimensionen ablaufen können?"
Man muß in sich Feinheit des Gefühls entwickeln, um durch den irdischen Lärm hindurch
Überirdische Erscheinungen hören zu können. Man muß mit geschlossenen Augen das Überirdische Licht schauen können. So nähern sich die Erscheinungen der Feinstofflichen Welt, und ihr werdet nicht von unerwartetem Auftreten sprechen, da ihr mit dem Herzen ihr Nahen spüren werdet.
Natürlich werdet ihr oftmals nicht den genauen Gehalt der Erscheinungen im voraus erspüren, doch werdet ihr in jedem Fall ihr Nahen erkennen. Überdies könnt ihr nicht selten schon für einige Zeit vorher entsprechende Schwingungen verspüren. Unerfahrene Menschen bezeichnen solche Empfindungen sogar als etwas Ungesundes, da diese Schwingungen sich völlig von ihren eigenen unterscheiden. Ein feinfühliger Beobachter jedoch vermag sich den herannahenden überirdischen Schwingungen unverzüglich anzupassen und auf sie zu antworten. So entwickelt sich wahre Zusammenarbeit.
Zudem muß daran erinnert werden, daß die Menschen immer von überirdischen Einflüssen umgeben sind, ohne sie erkennen und unterscheiden zu können. Man muß daher von jungen Jahren an seine Verbindung mit der Überirdischen Welt anspannen und dies freudig tun, wie eine schöne Arbeit.
Der Denker lehrte: "Seid scharfsinnig, damit ihr zu jeder beliebigen Zeit die Überirdischen Zeichen schauen könnt."
787. Urusvati weiß, daß man bei den menschlichen Eigenschaften die angeborenen, anders gesagt, in vergangenen Leben bereits entwickelten, von den im jetzigen Leben durch Erziehung angeeigneten Eigenschaften unterscheiden muß. Sehen wir uns einige davon an. Lenken wir dabei unsere Aufmerksamkeit vor allem auf die angeborene Eigenschaft der Dankbarkeit. Sie entsteht nicht leicht und bedarf vieler Prüfungen, irdischer wie überirdischer. Wenn wir jedoch einem Menschen begegnen, der die Eigenschaft der Dankbarkeit besitzt, können wir überzeugt sein, daß wir in ihm auch noch viele andere positive Eigenschaften finden werden. Ein solcher Tatmensch ist für alles Gute dankbar, ob es nun ihm oder dem Gemeinwohl zukommt.
Es ist notwendig, daß sich diese gute Eigenschaft ohne Einflüsse von außen im Bewußtsein entwickelt. Eine Sache ist es, wenn ein kleines Kind durch Aufforderung der Erwachsenen für etwas dankt, doch ist es besser, wenn der leuchtende Stern der Dankbarkeit von selbst in seinem Bewußtsein aufleuchtet. Eine solche Dankbarkeit bringt nicht nur dem Empfangenden, sondern auch dem Gebenden Nutzen.
So laßt uns scharfsinnig alle Eigenschaften unterscheiden, die eine Brücke zur Überirdischen Welt bilden. Leuchtende Dankbarkeit für alles Gute, ob klein oder groß, wird nicht verlöschen, sondern empfängt das Gewebe zur Bildung geistiger Flügel.
Der Denker sprach: "Wir werden uns freuen, wenn wir die Eigenschaft der Dankbarkeit bemerken."
788. Urusvati weiß, welchen Wert die angeborenen Eigenschaften der Aufnahmefähigkeit und der Duldsamkeit besitzen. Man muß sie besonders erwähnen, da die Menschen im Leben überhaupt nicht über sie nachdenken. Mitunter beklagt sich ein Mensch über Unduldsamkeit und bezeichnet sie sogar als Zeichen von Unkultiviertheit, doch möchte er gleichzeitig nicht darüber nachdenken, wie Duldsamkeit zu entwickeln wäre.
Der Mensch will nicht erkennen, auf welchen Grundlagen sich Duldsamkeit und Aufnahmevermögen nur entwickeln können, doch sind beide Eigenschaften dem Mitleid nahe. Diese Eigenschaften schauen aufmerksam in das Bewußtsein des Nächsten und verstehen, welche Ursachen seinen Irrtümern zugrunde liegen.
Man muß das Volk lehren und Ethikbewußtsein in ihm erwecken, doch ist eine solche Aufgabe ohne individuelle Beobachtungsfähigkeit nicht möglich. Jeder irrt sich auf seine Weise, was seine tiefliegenden Ursachen haben kann. Man darf über die Masse nicht anhand ihrer Schreie und ihres Stöhnens urteilen. Jeder hat seinen eigenen Schmerz, der eine individuelle Heilungsmaßnahme erfordert.
Die Menschen dürfen die Eigenschaften der Aufnahmefähigkeit und der Duldsamkeit nicht vergessen, da diese als Brücken für die Überirdische Welt erforderlich sind. Das Bewußtsein von der Überirdischen Welt ist bei jeder menschlichen Tätigkeit notwendig. Wir sprechen nicht von einem abstrakten Ethikbewußtsein, sondern von einer Eigenschaft, die das Leben aufbaut. Man muß das Bewußtsein von der Überirdischen Welt bei jeder Tat anwenden, nur so kann man Mitarbeiter der Überirdischen Welt werden und sich für das Leben schulen.
Der Denker sprach: "Versteht die Duldsamkeit, sie wird euch große Geduld lehren."
789. Urusvati weiß, wie behutsam man die hohe, angeborene Eigenschaft der Inspiration bewahren muß. Wir haben bereits an sie erinnert, doch muß diesem Bindeglied zur Überirdischen Welt besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Schon das Wort "Inspiration" weist auf ein äußeres und führendes Prinzip hin. Man darf nicht denken, ein solches Bindeglied könne augenblicklich entstehen; es erfordert hingegen viele Prüfungen in verschiedenen Leben.
Es muß daran erinnert werden, daß die Menschen diese Eigenschaft vergeblich auf die Bereiche der Wissenschaft und der Kunst beschränken. Der Mensch kann in jedem Arbeitsbereich schöpferisch tätig sein. Hohe Qualität der Arbeit ist bereits ein Ergebnis von Inspiration. So kann man jede vollkommene Arbeit als wahrhaft schöpferisches Tun begrüßen.
Gerade jetzt, da das Volk aufwärtsstrebt, muß an das naheliegende Bindeglied zu den höchsten Energien erinnert werden. In Hingabe vollzogene Vervollkommnung wird das Volk dazu führen, die Eigenschaft der Inspiration zu verstehen. Der Hinweis auf die höchsten Energien wird keine Scheinheiligkeit sein. Das Volk weiß bereits von der Anfüllung des Raumes und von der Unbegrenztheit, und auf diesem Wege wird auch die Eigenschaft der Inspiration ein wissenschaftlicher Begriff sein.
Ein Handwerksmeister hatte sein Werkstück fertiggestellt und verharrte mit geschlossenen Augen eine ganze Weile in völligem Schweigen. Schließlich fragten seine Schüler ihn, ob er sich von der Arbeit erhole oder über ein neues Werkstück nachdenke. Der Meister antwortete: "Weder das eine noch das andere, denn ich habe während meines Schweigens nicht gedacht. Man kann dies jedoch nicht als Gedankenlosigkeit bezeichnen, sondern eher als etwas, das sich jenseits des Denkens bewegt. Ich mußte eine neue Sichtweise gewinnen, um in solch erneuertem Zustand mein Werkstück anzuschauen."
So lernt es, euch zu erneuern, um die Qualität eurer Arbeit tiefgründiger beurteilen zu können. Mögen die Flügel des Raumes euch berühren und euch eine neue Sichtweise wie den Impuls zu neuer Heldentat vermitteln.
Der Denker sprach: "Wer sich im Raume zu erneuern vermag, kann jung bleiben."
790. Urusvati weiß, worin das Glück des Menschen besteht. Wenn sein Leben und seine Arbeit im Einklang mit der weltweiten Evolution stehen, dann braucht der Mensch nicht auf etwas Bestimmtes zu verzichten. Sofern er den Weg nicht ändert, vervollkommnet er sich und findet fortlaufend neue Kräfte, um das Chaos zu überwinden.
Irgend jemand wird sagen: "Es heißt, seid gesegnet Hindernisse. Warum nun soll der glückliche Mensch Schwierigkeiten aus dem Wege gehen?" Vergessen wir nicht, daß der im Einklang mit der Evolution Schreitende auf viele Hindernisse trifft, aber eine andere Einstellung ihnen gegenüber hat. Er wird nicht in Schwermut fallen, sondern die Hürden des Chaos freudig überwinden. Laßt uns nicht glauben, der Weg des Glückes sei leicht; er ist mitunter schwerer als ein zielloses Dahinleben. Für einen Mitarbeiter der Evolution gibt es jedoch keinen Kräfteverfall, da die Energie der Welt gesunderhaltende Kräfte über ihn ausgießt. Er erweist sich, gemäß der Ausdrucksweise alter Schriften, als Gesalbter, denn die Überirdische Welt sendet dem Mitarbeiter der Evolution wahrlich die Energie der Welt zu Hilfe.
Alle sieben Jahre kann der Mensch seine Tätigkeit im Verhältnis zu den Weltereignissen überprüfen. Es wird erfreulich sein, wenn der Weg sich als wahr und direkt erweist. Ein solcher glücklicher Wanderer wird von großem Neid begleitet. Finstere verzeihen in ihrer Hinterlist und Scheinheiligkeit dem guten Tatmenschen seine Erfolge nicht, doch dieser weiß, daß die Intrigen der Unwissenheit unvermeidlich sind. Er weiß, daß die Unwissenheit ihm auf dem Weg der Evolution nicht zu folgen vermag. Doch der Unwissende seinerseits spürt in seinem Bewußtsein dennoch, wie krumm und unwürdig sein eigener Weg ist.
Der Denker lehrte die Menschen, ihren Weg selbst zu überprüfen.
791. Urusvati weiß, daß Fanatismus ein überaus gefährlicher psychischer Zustand ist. Der Fanatiker beraubt sich selbst der Bewegung. Er kann nicht erfolgreich voranschreiten und sich vervollkommnen. Der Fanatiker ist ein lebender Leichnam. Der Fanatismus kann zu einer Seuche werden, da schwache Menschen jegliche Fortentwicklung fürchten. Ihr finsteres Dasein beruht auf dem toten Buchstaben.
Leider bildet sich Fanatismus im Umkreis jeder Lehre, und er gestattet keine Vertiefung der Grundlagen. Wir wollen die großen Lehren nicht aufzählen, die bereits unter primitivem Fanatismus gelitten haben. Die Geschichte liefert genug solcher düsteren Beispiele.
Man könnte fragen, wie mit dem Fanatismus zu kämpfen ist. Man muß verstehen, daß jede Auseinandersetzung mit Fanatikern nur deren Starrköpfigkeit noch verstärkt. Glauben solche Unwissenden doch, daß gerade sie die Bewahrer der reinen Lehre seien. Ein Fanatiker antwortet auf jede Frage des Gesprächspartners mit wütender Leidenschaft. Und er wächst ständig in seinem Starrsinn. Er behauptet, die Lehre könne sich nicht entwickeln; anders gesagt, erkennt der Fanatiker
die Lebendigkeit des Erkenntnisprozesses nicht an. Doch in der Ewigkeit kann es keinen Stillstand geben. Alles ist in Bewegung, und in diesem Bestreben vervollkommnet es sich.
So laßt uns daran denken, daß es unmöglich ist, mit Leichnamen Streitgespräche zu führen. Möge die Zersetzung sich zu neuer Existenz wandeln. In kurzen Worten - streitet nicht mit Fanatikern, umgeht die Zersetzung und eilt in siegreichem Erkenntnisstreben voran.
Der Zunahme von Fanatikern kann durch kosmische Erscheinungen eine Grenze gesetzt werden. Sie können einen solchen Schlag erhalten, daß sie erschüttert sind. Eine solche Erschütterung kann auf der Erde oder in der Überirdischen Welt erfolgen, das ist gleich, doch ist der Fanatismus für die Überirdische Welt in jedem Fall ungeeignet.
Der Denker sprach: "Fanatiker, wie wirst du die Grenze zum Überirdischen überschreiten?"
792. Urusvati weiß, wie verderblich der Wurm der Unzufriedenheit ist. Durch Unzufriedenheit welkt man, siecht dahin und vertrocknet. Narren werden fragen: "Wie kann man Unzufriedenheit verurteilen, wenn auf der anderen Seite geboten wird, sich nicht mit seinem Bewußtseinszustand zufriedenzugeben?" Antwortet: "Seid ihr etwa unfähig, zwischen Unzufriedenheit und dem Verlangen nach Vervollkommnung zu unterscheiden? Aus dem Streben zur Vervollkommnung erwächst Freude, aus klagender Unzufriedenheit jedoch Kummer."
Viele sind im Wirbel sinnloser Unzufriedenheit zugrundegegangen. Sie haben sich sowohl ihren irdischen als auch den überirdischen Weg abgeschnitten. Der Tatmensch freut sich darüber, daß er Mensch ist. Dieses Menschsein lehrt ihn, daß er sich in jedem beliebigen Umstand der großen Bewegung anzuschließen vermag. Er handelt gedanklich und ist in der Lage, bereits dadurch auf dem Weg voranzukommen. Der Weg der Selbstaufopferung gewährt Unzufriedenheit keinen Raum. Jedes lichte Verlangen nach Vervollkommnung wird bereits einen vollen Sieg darstellen.
Möge sich jeder dessen bewußt sein, daß der überirdische Weg kein Weg der Unzufriedenheit sein kann. Dornengestrüpp wird sich in Rosen verwandeln, wenn der Wanderer die herrliche Weite lieben gelernt hat. Niemand kann es verbieten, zur Überirdischen Welt zu streben und zu spüren, wie schön sie für alle ist, die sich ihr zuwenden können. Möge innige Freude denjenigen begleiten, der die Bewegung des Erfolges gefunden hat.
Der Denker wies darauf hin, daß Freude den glücklichen Suchenden geboten ist, doch müsse
der Mensch es lernen, in Freude zu suchen.
793. Urusvati weiß, daß gewisse Toren über von ihnen in der Lehre ausfindig gemachte Wiederholungen klagen. Diese Klagen ergehen zu Unrecht. Sie beweisen nur, daß solche Leser leichtfertig sind. Sie geben sich keine Mühe, alle scheinbaren Wiederholungen miteinander zu vergleichen. Nur bei genauem Vergleich könnten sie sich davon überzeugen, daß es sich nicht um Wiederholungen, sondern um Vertiefungen handelt. Überdies darf man nicht vergessen, daß die Menschen wiederholter Anweisungen bedürfen. Doch selbst in solchem Falle muß man vertiefen, nicht aber die Worte wiederholen.
Wir fürchten keine Wiederholungen, da die Spirale des Aufstiegs unvermeidlich jenseits der früheren Bestätigungen verlaufen wird. Natürlich hat sich der Gedanke bei den Umläufen der Spirale bereits gewandelt, und neben dem Wachstum des Gedankens wird die Form bereits eine andere sein. Leidenschaftliche Verneiner werden stets einen Einwand finden, der jedoch keine Bedeutung besitzt, da er immer ein persönliches Trugbild darstellt. Die Lehre jedoch hat die Menschheit im Blick.
Bestätigt, daß man von der Überirdischen Welt vielfach wiederholt sprechen muß. Die Zugänge zur Überirdischen Welt sind der Mehrheit der Zweibeiner sehr verborgen. Man muß sie an die Ausweglosigkeit ihrer Zukunft gemahnen. Allein auf strengen Befehl hin können Menschen, die nicht zu denken vermögen, voranschreiten.
Der Denker bekräftigte, daß man sich nicht scheuen dürfe, immer wieder von den Überirdischen Wegen zu sprechen.
794. Urusvati weiß, daß eine unbegrenzte Aufteilung der Tendenz zur grundlegenden Einheit nicht widerspricht. Die Wissenschaft bestätigt dies, doch besonders klar kann man sich davon im Bereich der psychischen Energie überzeugen.
Mögen die Menschen die Aufteilung im Leben nicht fürchten. Oftmals unterstützt gerade sie die Einheit. Die Menschen gehen nicht davon aus, daß finstere Kräfte unbewußt zur Einheit verhelfen können. Doch ein solcher Gegensatz vermag besonders mächtige Funken zu erzeugen. Es ist gleich, ob der Hammer, der die Funken herausschlägt, ein finsterer oder ein lichter ist; je stärker der Schlag, um so mächtiger und heilsamer die Funken.
Besonders in den Tagen des Harmagedon läßt sich beobachten, wie die Aufteilung wächst, doch ebenso wird auch Einheit bekundet. Die Welt strebt zur Einheit in der Zusammenarbeit.
Die Welt erkennt, daß neues, gegenseitiges Verstehen unvermeidlich näherkommt. Die Welt entfernt mit Eifer verfaulte Wurzeln. So muß jede Lehre den Schritten der Neuen Welt Gehör schenken. Möge in allem Scharfsicht bewiesen werden, und mögen die Menschen verstehen, was inmitten der Schlachten und Leiden herangereift ist.
Der Denker sprach: "Erkennt die Hülle der Großen Einheit."
795. Urusvati weiß, daß die Hauptursache von Meinungsverschiedenheiten in der Individualität der Bewußtseine liegt. Es gibt keine identischen Sandkörnchen und keine gleichen Bewußtseine. Dieser Reichtum der Natur hätte zu einer Beschleunigung der Evolution führen können, doch ist indessen nicht wenig Böses daraus entstanden. Es muß daran erinnert werden, daß dieses Böse verderblich ist, nicht allein für das irdische Leben, sondern auch für die Überirdische Welt.
Indessen kann jeder Mensch zur Verringerung des Bösen beitragen. Dafür sollte er sich der Individualität der Bewußtseine ganz klar erinnern. Er darf das Bewußtsein des Nächsten nicht zwingen. Er kann hingegen Freundschaft und Zusammenarbeit einbringen, muß dabei jedoch die Unterschiedlichkeit der Bewußtseine im Auge haben. Aus einem solchen Verstehen erwächst Mitleid. Ein weiser Mensch zeigt dem Nächsten sein Mitleid nicht, damit dieser das Gute nicht für ein Almosen hält.
Eine Vielzahl kleinster Bewußtseinseigenschaften kann verderbliche Meinungsverschiedenheiten ausgleichen. Man darf jedoch Meinungsverschiedenheiten nicht mit einem vernünftigen Meinungsaustausch verwechseln. Wer die bessere Saat ausbringt, wird auch eine reichere Ernte einfahren. Wir kümmern Uns nicht nur um das irdische Leben, sondern mehr noch um die Überirdische Existenz. Die Menschen sollten endlich erkennen, daß jeder zur Überirdischen Welt strebt und dafür den für ihn geeignetsten Weg nimmt.
Der Denker riet: "Helft dem Nächsten, sich der Überirdischen Welt auf bessere und schönere Weise zuzuwenden."
796. Urusvati weiß, daß ein erweitertes Bewußtsein harmonisierend auf Bewußtseine in seiner Umgebung und sogar auf die Atmosphäre einwirkt. So entsteht ein Magnet eigener Art, der die Umgebung anzieht und umwandelt. Ein solcher Zustand ist nicht nur für die Erde, sondern auch für die Überirdische Welt wichtig. Natürlich bildet sich die Erweiterung des Bewußtseins nicht leicht. Überdies verwechseln viele Menschen die Bewußtseinserweiterung mit
mechanischer Wissensaneignung. Sie erkennen die Wirkungen psychischer Kräfte überhaupt nicht an; für sie begrenzt sich die Wissenschaft auf das, was der Menschheit bisher beschieden ist. Sie können nicht verstehen, daß Wissenschaft ohne die psychische Energie etwas Totes darstellt. Wie aber kann der komplizierte Prozeß der Bewußtseinserweiterung einsetzen, wenn die Menschen sich schon der geringsten Möglichkeit zu höherer Erkenntnis verschließen?
Der Mensch muß sich sagen: "Ich will mein Bewußtsein erweitern." Allein der freie Wille vermag einen wirksamen Magneten zu schaffen. "Ich will und ich kann", so öffnet der Mensch das erste Tor zur Umgestaltung der Welt. Der innige Wunsch muß sich mit Geduld vereinen, da viele Prozesse Zeit erfordern. Solch eine Aufgabe kann nur ein Tatmensch lösen, der sich dem Dienst an der Menschheit widmet.
Der Denker bestätigte: "Lernt es zu wünschen, macht euch zu Bürgern der Überirdischen Welt."
797. Urusvati weiß, daß das Leben ununterbrochen fortdauert. Jemand wird fragen: "Wozu wird immer wieder über solch ein allgemein bekanntes Gesetz gesprochen?" Tatsache jedoch ist, daß dieses Gesetz vergessen wurde und von der Mehrheit der Erdbewohner abgelehnt wird. Sie versteigen sich bis zu solcher Absurdität zu meinen, das Verlassen der Erde sei das Ende ihrer Existenz. Andere halten sogar den Schlaf für eine Unterbrechung des Bewußtseins. Eine übergroße Mehrheit jedoch ist überhaupt nicht imstande, über den Lebensstrom nachzudenken, weshalb es unerläßlich ist, an die Fortdauer der Lebenskette zu erinnern. Man kann von unterschiedlichen Lebensformen sprechen, doch das Korn des Lebens ist unzerstörbar.
Es ist unmöglich, von Gesetzen der Ethik zu sprechen, wenn zwischen Ursache und Wirkung keine ununterbrochene Verbindungslinie darstellbar ist. Die Menschen können sich nicht vervollkommnen, wenn sie die Verantwortung für ihren freien Willen nicht klar erkennen. Besonders jetzt, angesichts der ungezügelten Wut im Harmagedon, ist es unerläßlich, den Menschen nicht nur im irdischen, sondern auch im Überirdischen Leben zu helfen.
Erkennt, wie leichtfertig die Menschen sich ihrer überirdischen Existenz gegenüber verhalten. Ungeachtet dessen meinen sie, das irdische Leben sei das eigentliche Leben, wobei sie vergessen, daß es auf einem ununterbrochen fortlaufenden Weg nur einen kurzen Aufenthalt darstellt. Mögen die Menschen, wenn auch nur in primitiver Denkweise, sich die Frage stellen: "Lohnt es etwa zu leben, wenn weiter
nichts existiert?" Zur selben Zeit reden die Menschen von ununterbrochener Bewegung, ohne daß dieses sie auf den Gedanken brächte, daß auch ihre Existenz ununterbrochen weiter verläuft. Dies muß man wiederholen, dringend und beharrlich wiederholen, da sich die Neue Welt anderenfalls als alt und gebrechlich erweisen wird.
Der Denker warnte: "Erbauer des Neuen, fallt nicht in altersschwaches Denken!"
798. Urusvati weiß von der tiefen Bedeutung der alten Schweigegelübde. Wissenschaftlich läßt sich verstehen, daß die Menschen auf diesem Wege versuchten, eine Konzentration ihres Denkens zu erreichen. Überdies bereiteten sie sich in gewisser Weise auf den überirdischen Zustand vor. Natürlich muß man erkennen, daß jedes Bestreben zur Vertiefung des Denkens nützlich ist, doch laßt uns nicht vergessen, daß bei der Entwicklung des Bewußtseins der Natur kein Zwang angetan werden darf.
Der Mensch vermag sein Denken ohne Zwang zu üben. Dem Menschen ist die Sprache gegeben, wozu also sollte er sich des Umgangs mit seinen Mitmenschen berauben? Auf gedanklichem Wege hat er nur ein begrenztes Ausdrucksvermögen, doch möge er mit all seinen Fähigkeiten zum Schönen streben. Der Mensch kann sich seiner einen Hand entledigen, um die Fähigkeiten der anderen zu vermehren, doch wird eine solche erzwungene Beschränkung vernünftig sein? Ein gesundes Denken bedarf des Gleichgewichts aller Organe.
Hegen wir Hochachtung vor denen, die in früheren Zeiten das Schweigegelübde ablegten, denn sie taten dies im Wunsche nach Vervollkommnung. Doch die Evolution erfordert eine noch umfassendere Anwendung der menschlichen Kräfte. Möge der Mensch all seine Möglichkeiten wirksam anwenden, möge er in uneingeschränktem Erkenntnisstreben leben. Solch ein vernünftiges, kühnes Erkenntnisstreben wird seiner Arbeit wahre Freude verleihen.
Wissen ist ein unverrückbares Recht des Menschen. Die Freiheit des Erkenntnisstrebens bedeutet Teilhabe an der Evolution. Jeder, der die Freiheit des Strebens nach Erkenntnis behindert, ist ein Feind der Evolution. Man muß verstehen, wie notwendig der Schatz des Erkenntnisstrebens für die Überirdische Welt ist. Wie ein unverlöschliches Licht führt es den Wanderer auf seinen überirdischen Wegen.
Der Denker bestätigte: "Möge jede irdische Überwindung ein noch besserer Zugang zur Überirdischen Welt werden."
799. Urusvati weiß, daß Überwindung Erfolg ist. Je reiner der Beweggrund, um so höher ist die Errungenschaft - dieses kurze Geleitwort gilt sowohl für die Erde als auch für die Überirdische Welt. Leider wollen die Menschen nicht erkennen, daß das Leben Kampf ist. Die Menschen fürchten sich sogar, über unbegrenzten Kampf nachzudenken. Sie verstehen nicht, daß sich alle Welten in Prüfung befinden. Sie lesen eine solche Bestätigung und versinken in Furcht.
An jedem Morgen erfüllt sich der Mensch statt mit Freude mit Angst vor der Zukunft. Mit derselben Furcht geht er in die Überirdische Welt, doch verhindert ein solcher Zustand die Vervollkommnung. Der Mensch muß jedoch auch in der Überirdischen Welt einen kühnen Kampf führen, denn ohne diesen wird er den Weg zu den Höheren Wesenheiten nicht finden.
Bei den Bestrebungen zur Vervollkommnung trifft man auf viele Hindernisse, und ihre Überwindung wird bereits wahre Vervollkommnung sein. Allein im Kampfe werden die Kräfte erneuert. Selbst die psychische Energie vertieft sich auf einem klaren Weg. Es ist falsch zu meinen, die psychische Energie sei ein unveränderlicher Schatz; sie befindet sich in ständigem Ansteigen oder Absteigen. Nur der kühne Sucher kann ein betrübliches Absteigen der Energie vermeiden. An dieses Geleitwort muß man besonders zu einer Zeit denken, da das Harmagedon an Intensität zunimmt.
Der Denker sprach: "Überwindet und steigt auf."
800. Urusvati weiß, daß Gleichgültigkeit einem fauligen Brunnen gleicht, in dem sich nicht einmal die Sterne widerspiegeln. Die Wanderer hüten sich, bei ihm Rast zu machen. Es ließen sich viele weitere Beispiele anführen, die auf die tödliche Gleichgültigkeit passen. Sie ist für den Menschen nicht nur im irdischen Leben verderblich, sondern mehr noch in der Überirdischen Welt. Ein solcher Mensch kann sich nicht vervollkommnen und versinkt unwillkürlich in Unwissenheit.
Verwechselt Gleichgültigkeit nicht mit Ruhe. Ruhe ist ein lichtes Morgenrot, Gleichgültigkeit jedoch stockfinstere Dunkelheit. Ruhe ist ein Lächeln der Freude, Gleichgültigkeit jedoch eine verzerrte Grimasse. Die Menschen suchen ihre Unwissenheit nicht selten hinter einer Gleichgültigkeit zu verbergen, doch ist ein solcher Genosse sehr gefährlich und ansteckender als eine tödliche Krankheit.
Der Tod existiert für einen erleuchteten Geist nicht, doch ist Gleichgültigkeit ein Zeichen des Todes. Der Gleichgültige kann in der Überirdischen Welt in einen langen Schlaf fallen. Weder erwacht sein Herz zu lichten Flügen, noch kann irgendetwas den schlafenden Holzklotz erwecken. So verdichtet sich sein Karma, und nichts als ein qualvoller Kampf steht demjenigen bevor, der seinen Weg verloren hat.
Möge der Mensch die Gleichgültigkeit vertreiben. Möge er klar erkennen, worin seine Bestimmung besteht. Möge der Wanderer scharfsichtig und tätig in die Unbegrenztheit streben.
Der Denker sprach: "Selbst die Tiere sind nicht gleichgültig."
801. Urusvati weiß, daß alle hohen Lehrer seit jeher vor dem Schaden leichtfertiger Verurteilung warnten. Dennoch sind die meisten Menschen dieser Untugend unterlegen. Sie unterscheiden nicht zwischen begründeten, gerechten Urteilen und schwatzhafter Verurteilung. Die Menschen verstehen nicht, welchen nicht wiedergutzumachenden Schaden sie nicht nur dem Nächsten, sondern auch sich selbst damit zufügen.
Der Mensch ist bereit anzuerkennen, daß die Verleumdung eine verbrecherische Tat darstellt. Doch denkt er nicht darüber nach, daß er in leichtfertiger Verurteilung eine Verleumdung auszusprechen vermag, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, welchen kosmischen Schaden er damit hervorruft. Wir sprechen nicht nur von irdischem, sondern auch von überirdischem Schaden. Ihr könnt euch vorstellen, wie die Untugend leichtfertiger Verurteilung in der Überirdischen Welt zur Auswirkung gelangt, wenn eine solche Giftnatter den Menschen inmitten der überirdischen Bewohner beherrscht! Sie leben durch das Denken und sind gedanklichen Entladungen gegenüber besonders empfindlich. Der Verleumder verbreitet den Schaden auf der Erde unter einer bestimmten Anzahl von Menschen, doch in der Überirdischen Welt infiziert er eine unzählbare Menge.
Man darf nicht glauben, daß die Saat der Verleumdung leicht ausgemerzt werden könnte. Bedauerlicherweise sind solche Gifte sehr langlebig und hinterlassen unverwischbare Spuren im Kosmos. Mögen die Menschen daher verstehen, welche Verantwortung sie für ihr Urteil haben. Jede gute Lehre muß daher eine Warnung vor diesem unverwischbaren Schaden beinhalten.
Der Denker warnte davor, den Weg mit leichtfertiger Verurteilung zu beschmutzen.
802. Urusvati weiß, daß jemand den Einwand erheben wird: "Wozu wird in einer neuen Lehre an eine alte, unheilbare Untugend der Menschheit erinnert? Über die Verleumdung sind viele gute Worte gesagt worden, die vor ihrem Schaden warnen, dennoch nimmt diese Untugend nicht nur zu, sondern entwickelt sich in starkem Maße. Es ist unmöglich, nur mit Worten auf die Menschheit einzuwirken."
Antwortet: "Für ein Geleitwort ist es unerläßlich, sich die ganze Last des Reisenden anzusehen. Selbst an alltäglichste Gegenstände muß erinnert werden, wenn sie auf dem Wege erforderlich sein sollten. Aus diesem Grund muß auf eine derart verderbliche Untugend, wie es die Verleumdung ist, mit allem Nachdruck hingewiesen werden."
Doch laßt uns sehen, welches der Hauptgrund für diese Untugend ist. Es geht darum, daß sie bisher nur in bezug auf das irdische Leben mißbilligt worden ist, für die Überirdische Welt indessen eine besondere Bedeutung hat. Die Menschen schätzen das Studium der Überirdischen Welt jedoch gering. Leichtfertig meinen sie, die Überirdische Welt trete hier auf der Erde nicht in Erscheinung. Indessen weiß jeder aufmerksame Forscher, wieviele Zeichen feinstofflicher Existenz an jedem Tag des Lebens ausgestreut sind. Ebensowenig wollen die Unwissenden sich das Überirdische Leben als von Gedanken bewegt vorstellen. Wie aber wird ein Verleumder leben können, wenn seine Gedanken bekannt sind? Überdies wird seine Ausstrahlung über weite Entfernung von der Existenz eines Verleumders künden. So tragen Wir Sorge nicht allein um das irdische, sondern auch um das überirdische Leben.
Der Denker sprach: "Hütet euch auf dem weiten Weg vor ungeeigneter Last."
803. Urusvati weiß, daß die Denker des Altertums das irdische Leben einen Zweikampf mit dem Chaos nannten. Jeder kühne Krieger legte eine schwere Rüstung an und ging auf die Suche nach dem Drachen des Chaos. Mochte der Krieger auch wissen, daß der Drache ihm auf allen Wegen auflauern würde, doch das Antlitz des Drachen änderte sich, und der Krieger mußte so findig sein, es zu erkennen. Natürlich verfiel der Krieger nicht selten in Trägheit und irrte umher, ohne die vorbestimmte Heldentat zu vollbringen.
Man wird fragen: "Warum mußte der Krieger die Überirdische Festung verlassen? Konnte er den Feind nicht von dort aus niederschlagen? Besaß er etwa weder Pfeil noch Speer? Um
die Festung herum nisteten wohl keine Drachen?" Es geht jedoch darum, daß der Krieger die verborgensten Ungeheuer finden muß. Sie halten sich in tiefen Schluchten auf. Je schwerer das Unterfangen, desto lichter ist die Heldentat, desto siegreicher die Rückkehr des Kriegers in seine Festung.
Möge der Mensch intensiv daran denken, daß seine Festung nicht auf der Erde ist. Ebenso muß man daran denken, daß alle irdischen Arbeiten um der Rückkehr in die Überirdische Festung willen vollbracht werden. Der Arbeiter wird auch verstehen, daß die Qualität seiner Arbeit eine hohe sein sollte; allein in der Qualität findet die Arbeit ihren Segen. Auf solche Weise können verschiedene Arbeiter sich begegnen und einander anhand der hohen Qualität ihrer irdischen Arbeit verstehen.
Der Denker sprach: "Lernt es, über eine hohe Qualität des Daseins nachzudenken."
804. Urusvati weiß, daß der Gedanke in der Überirdischen Welt bereits dem Wort gleicht. Der Gedanke ist Mittel zur Verständigung, zum Schaffen und zur Fortbewegung. Die Menschen meinen, daß man an eine Überirdische Welt überhaupt nicht denken dürfe. Das irdische Leben bleibe die einzige Aufgabe der Existenz. So verfällt der Mensch verhängnisvollem Irrtum.
Man kann unmöglich nur an das irdische Leben denken, ebensowenig jedoch ausschließlich zur Überirdischen Welt streben. Zweckmäßigkeit muß in allem beachtet werden, nur so lernt es der Mensch, im irdischen Leben zu schaffen und Zeit für Bestrebungen zur Überirdischen Welt zu finden. Wir leben für die Zukunft, doch liegt diese nur in der Überirdischen Welt. Die irdischen Leben stellen im Vergleich mit den überirdischen Existenzen den geringsten Teil dar.
Stellt euch einen Menschen vor, der in die Überirdische Welt eintritt und nur die Verständigung über das gesprochene Wort kennt; er wird sich in einer bedauernswerten Lage befinden. Die Gedankenübertragung wird er sich nicht so bald aneignen. Zuerst wird er, wie ein Stummer, für sich stillschweigend Worte wiederholen, doch wenn sie nicht von feinfühligen Gedanken begleitet sind, werden sie keine Verständigung bringen. Nur schrittweise wird der Wanderer verstehen, den Gedanken ohne Worte zu äußern, und so wird er auch lernen, die Gedankensendungen der neuen Gefährten aufzunehmen. Der Lehrer wird sich ihm ebenfalls auf gedanklichem Wege nähern.
Doch weshalb erst in der Feinstofflichen Welt damit beginnen, die Kunst des Denkens zu erlernen, wenn man sich schon im irdischen Leben darauf vorbereiten kann? Jedem ist es möglich, unter beliebigen Bedingungen Versuche in sich selbst mit gedanklichen Gesprächen durchzuführen, und vielleicht wird er auch schon eine Antwort erhalten.
Der Denker sprach: "Denkt daran, das Wort entspricht dem Gedanken."
805. Urusvati weiß, was augenblickliche Erleuchtung ist. Sie wandelt sich zu höherer Inspiration und höherem Verstehen. Man muß daran denken, daß solch ein psychischer Zustand überaus selten ist, da viele irdische und überirdische Bedingungen dafür zusammentreffen müssen. Man kann von solcher Erleuchtung träumen, nicht jedoch sie erzwingen.
Wenn die überirdischen Bedingungen mit den entsprechenden irdischen Stimmungen zusammenfallen, kann der wunderbare Lotos der Erleuchtung unerwartet erblühen. Der Mensch kann diesen Augenblick nicht kennen, doch oftmals flammt die Erleuchtung nicht nur unerwartet auf, sondern auch zu unpassender Zeit, wenigstens nach irdischer Auffassung. Mag die Erleuchtung auch ein seltener Gast sein, so ist es doch nicht verboten, ihren Besuch zu erwarten.
Man kann mit kurzen psychischen Vertiefungen beginnen. Man darf nicht denken, solche Konzentrationen seien nicht nützlich; gerade auf diesem unermüdlich beschrittenen Wege lassen sich viele Erkenntnisse gewinnen. Törichte Menschen klagen nicht selten darüber, daß ihre Arbeiten nutzlos vergingen, doch wo sind die Gewichte, mit denen man die psychischen Aufspeicherungen wägen könnte? Es ist leichter, mit bloßem Auge das Gras wachsen zu sehen als den Prozeß psychischer Aufspeicherungen zu beobachten.
Man muß die Anfänger daran erinnern, daß jede ihrer Bemühungen um Konzentration nicht ohne Nutzen bleiben wird. So kann man sich auf die Überirdische Welt vorbereiten, wo Erleuchtungen oft vorkommen, wenn der Mensch sich bereits daran gewöhnt hat, an sie zu denken. So ist jeder fähig, unter beliebigen Umständen die Meilensteine der Zukunft durch Arbeit zu sammeln.
Der Denker sprach: "Wozu mit Gewalt die Blütenblätter des Lotos herausreißen? Möge der Lotos in Fülle zur vorbestimmten Stunde erblühen!"
806. Urusvati weiß, was feuriges Gleichgewicht ist. Es ist viel über Entsprechung und Gleichgewicht gesagt worden, doch wurden diese Begriffe bisher nicht angewandt, da man ihre
Grundlage nicht klar erkannte. Selbst erfahrene Forscher verfallen der Gleichgültigkeit, anstatt das Gleichgewicht zu üben. Alle wissen, daß die Natur des Seins eine feurige ist, doch wie ist diese Eigenschaft im irdischen Leben anzuwenden? Wahrlich, man kann das feurige Gleichgewicht erreichen, indem man gleichzeitig im irdischen und im überirdischen Leben weilt.
Man darf nur nicht meinen, die Vertiefung in die Überirdische Welt löse bereits die Aufgabe des Gleichgewichts. Man muß aktiv alle Kräfte im irdischen Dasein einsetzen, doch dabei verstehen, daß ein solches Bemühen für den überirdischen Erfolg notwendig ist. Man sollte meinen, ein solcher Einsatz sei nicht schwierig, doch wird sie selten erreicht. Entweder verfällt der Mensch der Abstraktheit, oder er versinkt in gewöhnlicher Lebensweise.
Man darf nicht meinen, Gleichgewicht wäre leicht erreichbar. Es muß von Kindheit an erzogen werden, und dafür sind allgemein zugängliche Bücher über die Überirdische Welt notwendig.
Mögen aus verschiedenen Glaubensbekenntnissen Tatsachen über das überirdische Leben gesammelt werden. Solchen Beispielen mögen Fälle aus dem heutigen Leben hinzugefügt werden, nur so kann man die alten Überlieferungen mit dem heutigen Leben verbinden.
Es handelt sich um einen weit verbreiteten Fehler, wenn Unwissende behaupten, im heutigen Leben gäbe es keine psychischen Erscheinungen. Es läßt sich bestätigen, daß solche Erscheinungen sogar besonders oft stattfinden, die grobe Unwissenheit sie nur nicht bemerkt. Selbst das Wort "Gleichgewicht" stellt schon eine Anwendung dar.
Der Denker bestätigte: "Unsere Natur ist feurig. Mögen wir fähig sein, das heilige Feuer in uns zu entzünden."
807. Urusvati weiß, was große Geduld ist. Man meint, diese Festung des menschlichen Erfolges beruhe auf Wissen. Doch über das Wissen hinaus ist noch eine besondere Eigenschaft erforderlich, Duldsamkeit genannt. Daher läßt sich sagen, daß Geduld Duldsamkeit ist. Diese wertvolle Eigenschaft muß erzogen werden.
Die Bestätigung der Duldsamkeit ist besonders für die Überirdische Welt notwendig, denn ohne diese Eigenschaft gestaltet sich der Mensch eine bedauernswerte Existenz. Er stößt alle Entgegenkommenden von sich, da er in jedem irgendeinen Zug findet, der ihm nicht genehm ist. Aufgrund dieser
kleinen Züge sieht der Mensch die wertvollsten Aufspeicherungen der anderen nicht. Man muß daher in den Kindern schon in den frühesten Jahren weitgehende Duldsamkeit entwickeln.
Man muß sie lehren, die wertvollste Eigenschaft in einem Menschen zu erkennen und anhand dieser seine unangenehmen Fehler nicht überzubewerten. Dies um so mehr, als viele scheinbaren Unzulänglichkeiten nur zur gegenwärtigen Zeit sichtbar sind. Bald erneuert sich das Bewußtsein, und der Betrachter wird sich seiner vorherigen sturen Unduldsamkeit schämen.
Über den Schaden der Unduldsamkeit könnten nützliche Bücher geschrieben werden. Viele historische Beispiele könnten angeführt werden, wie Menschenführer die nützlichste Erkenntnis nicht aufzunehmen vermochten. Möge der Historiker aufzeigen, wie solche stumpfen Führer sich zum Gespött späterer Generationen machten. Die Fähigkeit, etwas zuzulassen, ist bereits der Weg zur großen Geduld.
Der Denker riet Seinen Schülern, Duldsamkeit als Mittel zur Erweiterung des Bewußtseins zu beweisen.
808. Urusvati weiß, wie lebensfähig der Gedanke ist. Schneller als das Licht eilt der Gedanke dahin. Er wird durch das räumliche Feuer gereinigt und zeigt schließlich sein Wesen. Der gute, der schöne Gedanke erweist sich im feurigen Schmelztiegel als noch schöner. Der böse, der schädliche Gedanke tritt in verstärkter Bosheit hervor. Diese unterschiedlichen Magneten werden in den Raum getragen und wirken auf die umgebende Atmosphäre.
Wem aber gereicht der gute Gedanke zum Wohl? Auf wen wirkt der böse Gedanke? Vor allem auf den Erzeuger selbst. Nicht nur im irdischen Leben, sondern besonders in der Überirdischen Welt fallen die Schläge schädlicher Gedanken schwer auf den feinstofflichen Körper. Wie schwere Gewichte behindern böse Gedanken den Aufstieg, und nicht selten erkennt selbst ihr Erzeuger ihren Ursprung nicht. Leichtfertig, wie er ist, hat er seine giftigen Sendungen vergessen, sie jedoch haben ihn nicht vergessen. Sie werden von ihm angezogen und finden ihn inmitten überirdischer Räume. Ebenso fliegen die guten Boten herbei und weben strahlende Flügel für einen herrlichen Aufstieg.
Solche Prozesse lassen sich wissenschaftlich erklären, da die Erforschung der Gedankenenergie
der Wissenschaft zukommen wird. Man muß sich einen Vorrat guter Gedanken aufbauen, nur sie ermöglichen einen leichten Aufstieg in erhabene Bereiche. Glaubt jedoch nicht, böse Gedanken könnten leicht getilgt werden. Solche feurigen Brandmale können für lange Zeit nicht ausgemerzt werden. So denkt an die eigenen Helfer und Schädlinge in der Überirdischen Welt.
Der Denker sprach: "Welt erkranke nicht am Haß!"
809. Urusvati weiß von der Heilkraft des Mitleids. Gewöhnlich nehmen die Menschen an, daß diese Eigenschaft nur Höheren Wesen zukomme. Indessen treten die Menschen in ihrem Alltagsleben oft mit dem Mitleid in Berührung.
Wahrlich, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Mitgefühl, Nachsicht und alle Bekundungen von Behutsamkeit gegenüber den Mitmenschen sind in unterschiedlichem Maße Erscheinungen von Mitleid. Die Liebe selbst lebt neben dem Mitleid. Und ist Zusammenarbeit nicht ein Nachbar des Mitleides? Alle diese guten Eigenschaften sind voller Heilkraft.
Die mit guter Absicht ausgesandte psychische Energie offenbart heilkräftige Wirkung. Möge auch die Wissenschaft aufzeigen, wie heilsam gute Absichten auf das Nervensystem wirken. Doch vergessen wir nicht, daß derjenige, der das Mitleid bekundet, von dem Bumerang der ausgesandten Energie ebenfalls nützliche Wirkungen erfährt.
Überdies muß man im Auge haben, daß solche wechselseitigen Wirkungen besonders in der Überirdischen Welt in Erscheinung treten. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt bedürfen keiner Versicherungen durch Worte, das Gefühl allein erreicht den Leidenden schneller als das Licht. Und es gibt in der Überirdischen Welt nicht wenig Unglückliche, die der Ermutigung bedürfen. Solche umherirrenden Bewohner wollten während ihres irdischen Zustandes nichts von einer zukünftigen Existenz hören. Sie irren nackt umher und wissen nicht, wie sie ihre Nacktheit bedecken sollen. Es ließen sich viele durch Unwissenheit entstandene Beispiele überirdischen Unglücks anführen. Welch weites Tätigkeitsfeld eröffnet sich da jedem, der die Bedingungen des überirdischen Lebens kennt. Und der Ermutigende erfährt durch seine geäußerten guten Gefühle verstärkte Kraft.
Der Denker sprach: "Laßt uns ein gutes Opfer bringen."
810. Urusvati weiß, was Freude am Erfolg ist. Diese Freude ist lichtvoll, doch noch lichtvoller ist geistige Freude. Die Menschen haben für die geistige Freude keine genaue Bezeichnung, doch am ehesten bezeichnet man sie mit feuriger Freude. Unter der Einwirkung feuriger Freude spüren wir die Feurigkeit der gesamten Natur, und dieses Verstehen trägt uns leichter als alles andere in die Überirdische Welt.
Wahrlich, dort kann man verstehen, wie segensreich die feurige Freude ist. Sie erweitert geradezu das Bewußtsein, und die besten Aufspeicherungen sammeln sich bei dem feurigen Magneten. Das Wesen des Menschen erneuert sich, und der sogenannte alte Mensch verbrennt. Man muß verstehen, wie notwendig solche Erneuerung nicht nur für die Überirdische Welt, sondern auch für das irdische Leben ist. Dabei ist es möglich, die Begeisterung unter den alltäglichsten Umständen zu erfahren.
Man könnte Urusvati fragen, wie sie es aufgefaßt? Wie die Welle dieser Freude den Geist erfüllte und die Verbindung mit den Höheren Welten eröffnete? Urusvati kann bestätigen, wie sehr Schwermut und Gereiztheit dafür ungeeignet sind. Es ist nicht leicht, sich inmitten irdischer Unruhen vor solchen üblen Gefährten zu schützen, doch anderenfalls verbrennt geistiges Entzücken den Körper.
Man darf feurige Anspannung unmöglich mit Zorn oder Gereiztheit vergleichen. Vor feuriger Begeisterung fallen alle Hindernisse. Jeder vermag mit dem Licht in Verbindung zu treten, doch muß man sich vor allem das Licht wünschen.
Der Denker wandte sich immer wieder an Seine Schüler mit den Worten: "Laßt uns freudig sein, laßt uns lichtvoll sein!"
811. Urusvati weiß, was der "feurige Lotos" darstellt. In alten Handschriften kann man einen Vergleich des Menschen mit einem blühenden Garten finden; ein solcher Vergleich hat eine wissenschaftliche Grundlage. In der Tat, wenn die Zentren des Menschen in ihrem Licht rotieren, sind sie verschiedenen, wunderschönen Blumen ähnlich. Allein das Herz stellt ein ganzes Blumenbeet dar, denn die Zentren leuchten in den unterschiedlichsten Farben. Man darf jedoch nicht denken, eine solche Festtagsbeleuchtung sei oft möglich.
Im allgemeinen berücksichtigt man bei seinen Überlegungen nur einige Hauptzentren;
indessen ist es nicht gerechtfertigt, sie als Hauptzentren zu bezeichnen. Außer ihnen besitzt der Mensch noch viele andere, nicht weniger wichtige Zentren, in denen er erstrahlen kann. Die menschliche Ausstrahlung besteht aus einer Zusammensetzung verschiedener Lichter, die einen vielschichtigen und bestimmten Ton ergeben.
Ebensowenig darf man denken, daß es nicht gut sei, wenn nicht gleich der ganze Garten erstrahlt. Einzelne der Herzzentren entflammen nur bei einer Verbindung mit der Überirdischen Welt; solche Zentren werden als Wanderer in die Überirdische Welt bezeichnet. Auch darf man nicht meinen, die Gehirnzentren könnten alle zugleich erstrahlen. Im Gegenteil, das normale Denken ist auf besondere Zentrengruppen beschränkt, und es ist nicht nützlich, wenn die Zentren allzu rasch entflammen. Allein bei einer hohen Ekstase läßt sich ein harmonisches Leuchten aller Zentren bemerken, doch kann eine solche Anspannung nicht oft eintreten, da anderenfalls der Körper verbrennen würde.
Der Denker sprach: "Würdigt den Menschen als einen göttlichen Garten."
812. Urusvati weiß von der Feurigkeit alles Existierenden. Die Wissenschaft wird bei der Erforschung des Nervensystems unweigerlich auf die Ausstrahlungen des Menschen treffen; sie wird das alles durchdringende, feurige Prinzip bestätigen.
Es wird viel über die Aura gesprochen, doch versteht man ihre Ursache und Wirkung überhaupt nicht. Die Wissenschaft wird allerdings auch noch nicht so bald verstehen, weshalb die Ausstrahlungen mitunter als Banner des Menschen bezeichnet worden sind. Zum Verständnis einer solchen Definition muß man auch die Bedingungen der Überirdischen Welt kennen. Der Mensch trägt sein Banner, wenn er in der Überirdischen Welt lebt, er vermag sein Licht nicht zu verbergen. So ist es nicht erstaunlich, daß er sich als ein mächtiger Magnet oder als Gegenstand der Abstoßung erweisen kann. Gerade im irdischen Leben können unverwischbare Folgen geschaffen werden. Um so eher sollten die Menschen über die Qualität ihrer Ausstrahlungen nachdenken. Jedes gute Schaffen verbessert bereits die Ausstrahlung. Die Menschen können sich selbst helfen, indem sie ihren Nächsten helfen.
Urusvati weiß auch, daß ein für die heutige Zeit gültiger Yoga, die Verbindung mit dem Höchsten, mitten im Alltagsleben verwirklicht werden muß. Nicht Abkehr vom Leben, sondern seine Umwandlung wurde geboten. Der Magnet des Herzens ist feurige Existenz. Gerade das Herz
ermöglicht den Zugang zu den Höheren Welten. Es bedarf keiner besonderen geistigen Folterqualen. Liebe, Arbeit und Schönheit sind allen zugänglich, und das in jedem beliebigen Zustand. Man muß das Leben auf diesen Grundlagen bestätigen. Den Kindern muß man erklären, wie sehr sie Schmied ihres eigenen Glückes sind. Möge Erziehung der Bildung vorangehen. Die feinstofflichen Energien stellen eine wunderbare Harfe mit vielen Saiten dar.
Der Denker sprach: "Feuriges Banner, beleuchte den erhabenen Weg!"
813. Urusvati weiß von der Schönheit der Überirdischen Welt. Man wird sagen: "Wie aber, wenn einige Schichten der Überirdischen Welt durch die Unwissenheit ihrer Bewohner bis zur Häßlichkeit entstellt sind? Kein Neuankömmling wird solche verfinsterten Schichten durchdringen und über sie hinausgelangen können!" Antwortet: "Jeder, der von Vergehen gegen die Ethik unbelastet ist, ist in der Lage, durch die verfinsterten Schichten hindurchzufliegen und die Sphäre der Harmonie zu erreichen."
Die Menschen tragen mächtige Flügel in sich, Wille genannt, doch darf man nicht davon ausgehen, daß er sich von allein bilden könne - er muß erzogen werden, wie man eine kostbare Blume aufzieht. Und der Mensch weiß nicht, wann der "feurige Lotos" erblühen wird. Es kann sein, daß selbst der gewöhnlichste Alltagszustand kein Hindernis für sein wunderbares Erblühen ist; so kann sich der Mensch auf den wichtigsten Flug vorbereiten. Er kann die verfinsterten Schichten durchfliegen, fast ohne die Häßlichkeiten der Unwissenheit wahrzunehmen. Der Mensch kann dorthin emporsteigen, wohin ihn sein führender Magnet zieht.
In den Einweihungsprozessen des Altertums mußte der Schüler einen Raum durchschreiten, der mit den entsetzlichsten Darstellungen angefüllt war. Der Schüler mußte mit geöffneten Augen hindurchgehen, doch hing es von ihm selbst ab, die entsetzlichen Bilder in der Umgebung nicht wahrzunehmen. Eine solche Prüfung des Willens ging dem Eintritt in das Prunkgemach der Schönheit voraus. Eine ähnliche Prüfung erfolgt beim Eintritt in die Überirdische Welt. Möge der Wanderer seinen Willen sammeln und sein Denken für die letzte Vollendung anspannen.
Der Denker sprach: "Lernt, über alle Hindernisse hinwegzufliegen."
814. Urusvati weiß von der Teilbarkeit der psychischen Energie. Ein einziges Feuer kann, ohne zu verlöschen, eine Vielzahl von Öllämpchen. Hierbei muß man eine bemerkenswerte
Erscheinung verstehen, die selten beachtet wird: Die Sendungen gelangen in ihrem Wesen unverändert ans Ziel, doch ihre Einzelheiten und Ausdrucksformen können in Abhängigkeit von der Individualität des Empfangenden veränderlich sein. Daher rühren mitunter die Mißverständnisse über scheinbare Widersprüche.
Doch ein Forscher könnte eine ganze Reihe psychischer Sendungen miteinander vergleichen und sich davon überzeugen, daß ihr Wesen unzerstörbar ist, obwohl ihre Ausdrucksformen sich ändern. Eine solche Erscheinung beweist die feurige Natur der psychischen Energie. Sie ruft im Bewußtsein des Empfangenden die ihm nächsten Ausdrucksformen hervor - auf solche Weise wird die vernünftige und feurige Grundlage der uranfänglichen Energie bestätigt.
Bei psychischen Sendungen muß man im Auge haben, daß sie die unerwartetsten Wesen berühren können, erwünschte wie unerwünschte. Diese Überlegung veranlaßt zur Vorsicht, weshalb der erfahrene Tatmensch wissen muß, wie er sein Denken zu zügeln hat, falls es sich für irgend etwas als schädlich erweisen könnte.
Die Erscheinung des psychischen Austausches ist sowohl in der irdischen wie in der überirdischen Welt weit entwickelt. Die Menschen denken jedoch oftmals derart schwach, daß sich statt einer klaren Sendung nur ein giftig-trüber Schleier bildet.
Der Denker sprach: "Laßt uns einen klaren und reinen Gedanken aussenden, denn nur er wird keinen Schaden auf unseren Weg tragen."
815. Urusvati weiß von dem in alten Lehren enthaltenen Berichten über das erleichterte Karma. Der Mensch häuft im Laufe vieler irdischer Reisen eine schwere Last von Ursachen an, die unausweichliche Folgen zeitigen. Man darf nicht annehmen, die karmische Last setze sich nur aus abscheulichen Verbrechen zusammen. Sie wächst Schritt für Schritt aus den Handlungen der Trägheit, der Grobheit, der Undankbarkeit und vieler Charakterzüge der Unwissenheit an, doch für alles muß bezahlt werden, und ein solches Bezahlen ist unausweichlich.
Doch das Vermächtnis spricht vom erleichterten Karma - was also heißt das? Der freie, gute Wille vermag die Strenge des Karma zu erweichen. Dafür jedoch muß der Mensch bereits im irdischen Leben die Möglichkeit erkennen, daß hinter ihm eine lange Schleppe unausgelebter Verfehlungen auf der Erde schleift. Der Mensch vermag in der Kraft solch klarer Erkenntnis
die Mißgeschicke zu ertragen und sie mit seinem Willen sogar zu vermindern. So wird das Karma erleichtert.
Dort, wo der Unwissende ein strenges Entgelt zahlen muß, ist dem erweiterten Bewußtsein die Bezahlung erleichtert. Auf diese Weise erleichtert der Mensch sich seinen Weg, indem er sein Bewußtsein erweitert.
Die Lehre über ein erleichtertes Karma bezieht sich auf das irdische wie auf das überirdische Leben. In der Feinstofflichen Welt kann der Mensch verstehen, wofür er bezahlt und darüber staunen, daß scheinbar große Taten nicht seiner eigenen Einschätzung gemäß beurteilt werden. Eine kleine Tat ist mitunter kostbarer. So möge das Herz dem Menschen zur Erkenntnis verhelfen.
Der Denker sprach: "Unser Glück ist darin begründet, daß uns die Möglichkeit gegeben ist, den Lohn für unsere Arbeit selbst festzusetzen."
816. Urusvati weiß von der Macht eines tiefen Seufzers. Wir haben bereits auf den Nutzen richtigen Atmens hingewiesen. Dieser Gegenstand wird viel erforscht, doch in bezug auf das Überirdische muß auf einen bedeutsamen Umstand hingewiesen werden. Die Tatmenschen verschiedener Bereiche unterbrechen, wenn sie Ermüdung verspüren, ihre Arbeit oder ihre Rede mit einem tiefen Seufzer und empfangen gleichsam eine Flut neuer Kraft. In der Mehrzahl der Fälle handeln sie intuitiv, ohne sich dieses Vorganges bewußt zu werden. Es läßt sich vorstellen, wie sehr solch ein Prozeß verstärkt würde, wenn man ihn bewußt vollzöge.
Es muß daher daran erinnert werden, daß ein solch erneuernder Seufzer als überirdisch bezeichnet wird, da der Arbeitende in ihm die Höheren Kräfte herbeiruft. Möge der Arbeitende verstehen, daß man sich, um die Folgen zu verbessern, bewußt an die Überirdische Welt wenden und das innere Band mit dem Reservoir alles Existierenden bestätigen muß.
Gleichfalls wurde bemerkt, daß einige Tatmenschen bei dem Seufzer die Augen schließen. Solch intuitives Verhalten ist richtig, denn es führt zu höchster Konzentration, und Wir sprachen bereits davon, daß eine Erleuchtung augenblicklich erfolgen kann. Auf solche Weise ergibt sich gewissermaßen ein kurzes Pranayama, mit dem Unterschied, daß ein solches Pranayama bei jedem Menschen vorkommt und
durch Außenstehende keinerlei Einschränkungen erleidet.
Es wurde ebenso festgestellt, daß der überirdische Seufzer in der Regel nur ein einziger ist und ohne Wiederholung bleibt. Solcher Umstand ist von Bedeutung, da die Macht der Energie nur mit einem einzigen Seufzer herbeigerufen werden kann. Bei Wiederholung kann Atemnot eintreten, was der Arbeit schadet.
Der Denker riet: "Denkt an die Macht des überirdischen Seufzers."
817. Urusvati weiß von der Macht des feurigen Auges. Mag solche Bekundung der Energie auch als Magnetismus, Hypnotismus, Mesmerismus oder nach alter Anschauung als Verzauberung und heiliger Schlaf bezeichnet werden, so wird sie von ihrer Grundlage doch eine feurige Offenbarung der uranfänglichen Energie sein, die jedem Wesen in unterschiedlichem Maße verliehen ist.
Doch weshalb können die einen diese Bekundung mit Leichtigkeit anwenden, während andere versichern, ihrer vollkommen beraubt zu sein? Mit einer solchen Behauptung machen die letzteren ihr heiliges Geschenk selbst unwirksam. Sie meinen, das Auge sei ihnen nur zum Sehen gegeben, vergessen jedoch, daß jeder Blick eine Energiesendung darstellt. Überdies wollen sie nicht wissen, daß die feurige Macht nur bei voller Erkenntnis ihrer Realität auflodert.
Die Menschen suchen die höhere Verbindung, indem sie beständig ein Mantram sprechen, zunächst mit Worten, später in Gedanken. Doch sie vergessen die mächtigste Verbindung über das Feuer des Herzens; nur eine solche Erleuchtung bedarf keiner Worte und Gedanken. Sie lebt in einem feurigen Herzen, und nichts vermag dieses heilige Band zu zerreißen.
Diese Realität ist die Grundlage der Wahrheit, und der Mensch ist befähigt, jene unaussprechliche Macht selbst zu entfalten. Für ihn wird jeder Blick eine Sendung und eine Erscheinung des guten Willens sein. Mögen solche natürlichen Erkenntnisprozesse auch Zeit erfordern, doch jede psychische Errungenschaft wird sowohl in der irdischen wie in der Überirdischen Welt ein unverrückbarer Besitz sein.
Ein verfeinertes Bewußtsein erweitert sich von selbst, und der Mensch erkennt, daß man sowohl mit offenen als auch mit geschlossenen Augen sehen kann. Feurige Sendungen haben keine Grenzen. Natürlich kann der Mensch den Blick bewußt verstärken oder abschwächen, je nach den gewünschten Folgen. So trägt jeder Mensch
einen feurigen Schatz in sich. Man muß hoffen, daß die Wissenschaft die psychische Energie erforscht.
Der Denker sprach: "Weder Worte noch Gedanken, sondern das Herz erleuchtet den Weg des Wanderers."
818. Urusvati weiß von der Macht der Geduld. Viele wertvolle Eigenschaften verlieren ihren grundlegenden Sinn, da der Mensch sich der Erkenntnis der Überirdischen Welt beraubt. Stellt euch einen Zweibeiner vor, der in einer Anwandlung von Unwissenheit die erhabene überirdische Realität verneint. Was für eine Geduld wird er besitzen, und warum wird er sie aufbringen? Welcher Art wird seine Hingabe sein, und wem oder welcher Sache wird sie gelten? Wie wird seine Entsprechung sein, und womit wird er sich vergleichen? Wie wird seine Duldsamkeit sein, und worauf wird sie sich beziehen? Welche Art von Freude wird er in sich tragen, und worüber wird sie ergehen? Was für eine Feinfühligkeit wird er haben, und um welcher Sache willen? Wie wird seine Erkenntnisfähigkeit sein, und woran wird sie sich messen? Und welcher Natur wird seine Selbstvervollkommnung sein, wenn sein Horizont bedeckt ist? So kann man die besten Eigenschaften aufzählen, und sie werden durch die irdischen Begrenzungen herabgesetzt.
Die Menschen träumen von einer Verbindung mit fernen Planeten, vergessen jedoch, daß ihnen die Möglichkeit gegeben ist, sich mit der Überirdischen Welt zu verbinden. Jeder vermag seine Fähigkeit zur Erkenntnis der Überirdischen Welt zu vertiefen. Jeder kann, ohne sich von seiner irdischen Arbeit zu entfernen, Berührung zu überirdischem Schaffen aufnehmen.
Wir müssen den Gelehrten mit Nachdruck raten, sich der Erforschung der Überirdischen Welt zuzuwenden. Der Forscher vermag die psychischen Verbindungen zu den Überirdischen Sphären in verschiedenen Stufen wahrzunehmen.
Vielleicht wäre es richtiger, die Wesen der Überirdischen Sphären nicht als Geister, sondern gerade als Bewohner zu bezeichnen. Ein solcher materieller Begriff wird der Wissenschaft helfen, sich mit dem Studium der Überirdischen Sphären leichter anzufreunden. Die Ergebnisse solcher Studien sind besonders jetzt dringend erforderlich, da das Harmagedon in alle Sphären vordringt und überall ungewöhnliche Erscheinungen hervortreten.
Der Denker bestätigte: "Wenn ein Felsen fest ist, so ist ein Turm beständig."
819. Urusvati weiß von der Macht des Herzens. Schon im fernen Altertum erkannten die Menschen nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Macht des Herzens. Die stärksten Gebete schwangen sich aus dem Herzen empor, doch wurde die Bedeutung des Herzens in den darauffolgenden Jahrhunderten auf die Ebene eines rein physischen Organs herabgewürdigt. Sehr bald richteten die Menschen ihre Aufmerksamkeit auf das Gehirn, und das Herz wurde für sie zu einem Hilfsorgan. Die Menschen haben vergessen, daß das Herz der Säer ist und das Gehirn der Pflüger und Schnitter. Niemand wird von einem Feld ohne eingebrachtes Saatgut eine Ernte erwarten, ebensowenig wird das Herz überirdische Samenkörner übergeben, wenn das Bewußtsein das Wissen von der Überirdischen Welt verloren hat. Man muß verstehen, daß die höchste Macht nicht in Erscheinung treten wird, wenn der Mensch sie nicht bewußt herbeiruft.
Die Erkenntnis der Bedeutung des Herzens muß in der nächsten Zukunft wachsen; nicht allein das Studium des Gehirns, sondern die Erkenntnis sämtlicher Eigenschaften der Herztätigkeit muß ausgeweitet werden. Wir begrenzen die Erforschung des Herzens nicht nur auf den Aspekt der psychischen Energie. Möge die Wissenschaft in vielfältiger Weise an eine weitgreifende Erkenntnissuche herangehen. Gewiß, alle Gehirntätigkeit, das gesamte Nervensystem und sämtliche Drüsenabsonderungen werden als Kanäle einer einzigen Quelle erkannt werden - der des Herzens.
Nichts sollte herabgesetzt werden, doch möge der Mensch erkennen, an welcher Stelle sein Dasein sich konzentriert. Lassen wir die wissenschaftlichen Errungenschaften der verschiedenen Völker, der alten wie der heutigen, nicht außer acht. Man darf alte Verständnisformen nicht einfach ablehnen, da in ihnen Funken der Wahrheit zu finden sind.
Der Denker sprach: "Das Herz ist ein Führer. Das Herz ist ein Prophet. Das Herz ist ein überirdischer Bote."
820. Urusvati weiß von der Macht des Gleichgewichts. In den verschiedenen Epochen gaben die Menschen dem Gleichgewicht die Bezeichnungen: Mittlerer Weg, Goldener Weg, Waage der Weisheit, Großer Rhythmus, Überirdischer Atem. Gleichzeitig versicherten die Unwissenden, Gleichgewicht sei nichts anderes als Gleichgültigkeit. Sogar der Begriff des Nirvana entging verschiedenen Fehldeutungen nicht. Die Menschen sind nicht in der Lage zu verstehen, daß das Nirvana höchste harmonische Anspannung darstellt. Die Deutung des Gleichgewichts erleidet das gleiche Schicksal. Indessen
bedarf die Welt gerade jetzt der Waage der Weisheit.
Es muß erkannt werden, daß der wütende Haß das Schiff der Menschheit zum Kentern bringen kann. Ein weiser Steuermann ist nicht nur in der irdischen, sondern auch in der Überirdischen Welt vonnöten. Woher aber soll ein Verstehen des Gleichgewichts kommen, wenn in den Schulen die Wissenschaft des Denkens nicht gelehrt wird? Die Kinder müssen lernen zu erkennen, wo Gleichgewicht und dessen Schwester, die Gerechtigkeit, erforderlich sind.
Die Menschen gehen fälschlicherweise davon aus, Gerechtigkeit sei ein relativer Begriff; jeder habe seine eigene Gerechtigkeit und sein eigenes Gutes. Solcher Irrtum kann Schaden verursachen, der nicht wieder gutzumachen ist. Die Gerechtigkeit und das Gute scheinen unbestimmte Begriffe zu sein, doch braucht man nur auf die innere Grundlage des Bewußtseins zu blicken, um die unzerstörbare Grundlage des Daseins zu erfühlen.
In die Tiefe des Herzens kann man nur bei Vorhandensein wahren Gleichgewichts blicken. Es wird keine unbewegliche Ruhe sein, denn Gleichgewicht beruht auf lichter Erkenntnis und einer Anspannung sämtlicher Energien. So laßt uns das Gleichgewicht, als zuverlässige Brücke zur Überirdischen Welt, nicht vergessen.
Der Denker riet: "Webt euch die Flügel des Gleichgewichts, dann werdet ihr auch in keinen Strudel fallen."
821. Urusvati weiß von der Macht des Beobachtungsvermögens. Wir haben die hohe Bedeutung der Bewußtseinserweiterung viele Male bestätigt. Manche nehmen an, diese sehr hohe Eigenschaft sei etwas Übernatürliches und Unerreichbares, doch irren sie sich. Die Bewußtseinserweiterung ist eine natürliche Eigenschaft, gleichermaßen im irdischen wie im überirdischen Leben.
Man muß viele elementare Erkenntnisse angesammelt haben, um zu verstehen, was zur Erweiterung des Bewußtseins beiträgt. Sehen wir uns noch einmal unsere bescheidenen Helfer an, so werden wir unter ihnen die wesentliche Errungenschaft entdecken, die in der Erziehung der Beobachtungsfähigkeit liegt. Gerade die Schärfe der Beobachtung muß erzogen und entwickelt werden.
Nur wenige bringen Beobachtungsvermögen aus der Überirdischen Welt mit. Gewöhnlich muß es an den alltäglichsten Gegenständen beharrlich entwickelt werden. Es geht
nicht an, daß nur der Lehrer in der Schule Beobachtungsfähigkeit entfaltet. Man selbst muß den Wert dieser Eigenschaft, die einem den irdischen wie den überirdischen Weg eröffnet, verstehen.
Das kleine Kind ist in der Lage sich vorzustellen, daß ein Mensch, der nicht beobachtet, gleichsam blind und taub ist. Dieser Mensch vermag höhere Erscheinungen nicht wahrzunehmen. Er ist in einem Teufelskreis von Vorurteilen befangen. Er vermag seinen Schritt nicht zu beschleunigen und gleicht einem fauligen Brunnen. Wie kann ein solcher Mensch Eindrücke der Überirdischen Welt aufnehmen? Wie kann er die wunderbaren Erscheinungen der irdischen Natur erkennen? Allein eine eifrige Erziehung der Beobachtungsfähigkeit vermag selbst das gewöhnlichste Alltagsleben umzuwandeln.
"Helft den Blinden, sehend zu werden", so riet der Denker.
822. Urusvati weiß von der Macht der Wachsamkeit. Euch ist die tiefe Bedeutung der Beobachtungsfähigkeit bekannt. Wie aber kann sich Beobachtungsvermögen ohne Wachsamkeit, ohne beständige Anspannung bilden? Diese Eigenschaften treten nicht augenblicklich ein, sondern müssen erzogen werden, und je bewußter man sie ausbildet, um so rascher kann auch die unerschütterliche Wacht bestätigt werden. Hierbei muß man daran denken, daß sich keine Eigenschaft erzwingen läßt. Man muß es aus freiem Entschluß lieben lernen, die Stufen des Aufstieges zu erklimmen, denn nur die Liebe zu solcher Errungenschaft führt zu einem geöffneten Tor.
Mögen die Forscher daran denken, daß jede ihrer Arbeiten auch für die Überirdische Welt notwendig ist. Wie sehr ist ein Wanderer in den weiten Gefilden der Überirdischen Welt zu bedauern, wenn er der Beobachtungsfähigkeit beraubt ist und keine Wachsamkeit aufrechtzuerhalten vermag! Beste Begegnungen gehen an ihm vorbei. Man muß wissen, daß in der Überirdischen Welt niemand den Wanderer nötigen wird. Er muß es selbst fühlen, wo die ihm ähnlichen Schwingungen herrschen. Dann wird er sich nicht inmitten unterschiedlicher Rhythmen verlieren, sondern aufmerksam auf die ihm nahestehenden zustreben. So bilden sich aus den elementarsten irdischen Erkenntnissen die überirdischen Schätze.
Wir sind sehr darum besorgt, daß die Menschen sich nicht von ihren irdischen Bestimmungen lösen, denn in jedem irdischen Detail können sie einen höheren Schatz erblicken.
Der Denker sprach: "In einem Tautropfen spiegelt sich das gesamte Weltall wider."