Das Überirdische
1938


Paragrafen 303-601.

 



     Kann der Mensch behaupten, daß ihn nichts berührt habe? Kann man davon ausgehen, daß die Naturerscheinungen in allen Jahrhunderten identisch wären? Kann man annehmen, daß sich das menschliche Denken im Verlauf von Jahrtausenden nicht geändert hätte? Allein innerhalb eines einzigen Jahrhunderts schon verändern sich das Denken und die Sprache.
     Es läßt sich bestätigen, daß sich in Perioden besonderer Anspannungen auch die Lebenserscheinungen schnell entwickeln. Dann ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich. Wie soll man die Menschen zu solcher Wachsamkeit erziehen? Es sind weniger töricht als duckmäuserisch denkende Menschen, die nicht verstehen, was von ihnen gefordert wird, wenn Wir davon sprechen, daß Beobachtung notwendigerweise mit Vorsicht verbunden sein muß. Sie werden sich über Uns beklagen, wobei sie vergessen, daß jeder Mensch beobachten können muß.
     Der Denker sprach: "Ist es möglich, daß ich etwas nicht richtig beobachtet habe? Ist vielleicht etwas passiert, das nicht wiedergutzumachen ist? Mögen meine Augen zur Scharfsichtigkeit finden."

     303. Urusvati weiß, daß die Daseinsgrundlagen in jeder Tat des Menschen zum Ausdruck gelangen müssen. Während wenig über sie zu lesen ist und wenig über sie nachgedacht wird, sollten sie in solchem Maße ins menschliche Leben eingehen, daß danach gelebt wird, ohne daß erst an sie erinnert werden muß. Dafür aber ist es notwendig, drei unterschiedliche Schichten des Denkens zu erkennen.
     So wie es drei Welten gibt, so existieren drei Ebenen des Denkens. Der Mensch vermag gleichzeitig in diesen drei Ebenen zu denken. Er kann einen irdischen Gedankengang führen, unter dem sich ein feinstofflicher Gedanke vollzieht, und irgendwo in der Tiefe flammt ein feuriger Funke auf. Es kann sein, daß diese drei Schichten zusammenfallen und sich dann ein starkes Zusammenwirken ergibt. Gewöhnlich jedoch herrscht im menschlichen Bewußtsein eine mangelhafte Koordinierung dieser Ebenen. Der irdische Gedankengang kann eine scheinbar anziehende Idee schaffen, die vom feinstofflichen Denken jedoch verurteilt wird, da es deren Ursprung kennt. Der feurige Funke kann manchmal oder auch gar nicht zur Entzündung gelangen.
     Es läßt sich beobachten, daß ein Mensch zur selben Zeit drei verschiedenen Antrieben unterworfen ist. Welche Kraft kann sich denn bei solcher Nichtübereinstimmung ergeben? Man kann an ein altes Märchen erinnern, in dem bei einem Menschen gleichzeitig sowohl ein Engel als auch ein Dämon vorhanden sind. Beide flüstern sie dem Menschen ihre Instruktionen zu. Doch erst als der feurige Funke durch die Liebe entflammt wird,



verläßt der Dämon den Menschen.
     Es ist sehr aufschlußreich zu beobachten, wie die Gedanken der drei Ebenen wechseln. Man darf nicht meinen, daß der irdische Gedanke unbedingt schlechter als der feinstoffliche sein müsse. So kann man erzählen, daß nicht selten ein irdischer Gedanke Menschen zu würdigen Taten geführt hat, ein feinstofflicher Gedanke dagegen sich auf einem seit langem überlebten Weg schlängelte. Natürlich wird der feurige Funke immer makellos sein, doch muß er auch entzünden können.
     Wir verfolgen die Gedankenaufschichtung und freuen Uns, wenn die drei Schichten sich in einer Einheit befinden. Vergessen wir aber nicht, daß die genannten drei Schichten nur eine Grundeinteilung darstellen. In Wirklichkeit geht die Aufteilung viel weiter, doch sollten wir nur die Grundeinteilung im Blick haben, um die Beobachtung nicht zu erschweren.
     Der Denker lehrte Seine Schüler, sich selbst aufmerksam auf die Einheit der Gedankenvorgänge hin zu beobachten. Er bezeichnete solche Einheit als Musik.

     304. Urusvati weiß, wie eigentümlich die karmischen Bewegungen ganzer Länder einander berühren. Man kann sich vorstellen, wie die verschiedenen Karmaformen miteinander verschmelzen: persönliches, Familien- und Volkskarma. Ihr habt Länder gesehen, die geradezu einen Fluch trugen. Die Geschichte solcher Länder kann eine gewisse Enträtselung vermitteln, doch kann es Ursachen geben, die nicht in die Geschichtsschreibung eingegangen sind.
     Man wird fragen, ob es etwa Ungerechtigkeiten in bezug auf einen einzigen Menschen geben könne, die sich aber auf das ganze Land auszuwirken vermögen. Dies ist möglich, und zwar umso eher, als viele sich wiederholt in einem einzigen Volk verkörpern. All solche Umstände vergrößern die Verantwortung der Menschheit. Körperliche Besonderheiten können auf viele Generationen übertragen werden, was umso trauriger ist, als die Menschen nicht daran denken, daß sämtliche karmischen Vorzeichen übertragen werden können.
     Urusvati geht recht in der Annahme, daß es besser sei, sich in verschiedenen Völkern zu verkörpern. Eine solche Überlegung muß der Mensch sich jedoch richtig zu eigen machen, da er anderenfalls in der Feinstofflichen Welt dazu neigt, sich inmitten der neuen Landsleute abzusondern und sich dadurch neuer Erfahrungen beraubt. In der Feinstofflichen Welt verständigt man sich auf gedanklichem Wege und bedarf keiner verschiedenen Sprachen. Es ist eine wunderschöne Möglichkeit, in seiner eigenen Sprache zu denken und gleichzeitig von Bewohnern anderer Länder verstanden zu werden.



Es besteht keine Notwendigkeit, anderen Gedanken zu suggerieren, im Gegenteil, je natürlicher der Gedankenfluß vonstatten geht, desto leichter wird er von anderen aufgenommen. Solch eine Möglichkeit ist zwar überirdischer Natur, muß aber auf der Erde erkannt werden, da anderenfalls ihre Anwendung erschwert ist.
     Im Schlaf ist die mit den irdischen Strömen gesättigte psychische Energie tätig, doch in der Feinstofflichen Welt kann sich ein Bruch im Bewußtsein ergeben, weshalb es nützlich ist, bestimmte Bewußtseinsinhalte vorher richtig zu festigen. Ich spreche nicht von jenen, die in vollem Bewußtsein in die Feinstoffliche Welt hinübertreten, sondern über die Mehrheit, die in Schlaf fällt und für die Zeit dieses Zustandes die Erinnerung in bezug auf vieles einbüßt. Die in der Feinstofflichen Welt angehäuften Erfahrungen erscheinen dann im "Kelch" geradezu tief eingeprägt, und nicht selten ist ein von außen kommender Einfluß erforderlich, um diese Eindrücke zu heben.
     Besonders wichtig ist: Um das Bewußtsein nicht einzubüßen, muß man sich bereits zu irdischen Lebzeiten immer wieder einfach daran erinnern, das Bewußtsein beim Übergang wahren zu wollen. Denn dies ist jener Schatz, den wir mit uns nehmen.
     Gewöhnlich sehen Wir die Schlafenden in der Feinstofflichen Welt nicht, da sie im allgemeinen von einem undurchdringlichen Fluidum umgeben sind. Man kann sie im Moment des Erwachens sehen, doch der Schlaf darf nicht vorzeitig abgebrochen werden.
     Der Denker sorgte sich um die Wahrung des Bewußtseins. Einer inneren Führung gemäß wiederholte Er oft: "Ich werde das Bewußtsein nicht verlieren." Gerade im Überirdischen ist Bewußtsein notwendig. Die irdische Form des Bewußtseins verläßt uns, doch wandelt es sich in geistiges Wissen. Und dennoch, je klarer das irdische Bewußtsein ist, desto schneller erwacht auch das geistige Wissen. Auf der Erde fühlen wir das Gesetz von Karma nur ansatzweise, und erst das geistige Wissen erlaubt uns, die Gesamtheit der karmischen Bewegungen zu verstehen.
     Ihr fragt, warum die Erkenntnis der höheren Gesetze nicht auch in der Feinstofflichen Welt gelehrt wird. Sind es denn viele, die schon in irdischen Schulen nach Erkenntnis streben?
     Der Denker liebte den Sinnspruch des Hermes: "Wie oben, so unten."

     305. Urusvati weiß, was Wir als Leben bezeichnen. Wir sagen: Leben ist Dienst an der Evolution. Vielleicht wird jemand finden, daß es einfacher wäre zu sagen: Leben ist Evolution. Wir heben jedoch das Wort "Dienst" hervor. Natürlich befindet sich alles



in einem Evolutionsprozeß, doch zeigt diese Tatsache noch nicht die Fülle des Lebens auf. Sie ergibt sich erst bei voller und klarer Erkenntnis des Dienens in all seiner Freiwilligkeit. Ich betone die Freiwilligkeit des Dienens als unerläßliches Vorzeichen für die Richtigkeit des Weges.
     Die Menschen lieben den Begriff des Dienens ganz und gar nicht. Sie träumen von der Zeit außerhalb des Dienstes. Wenn man ihnen sagt, daß das ganze Leben ein ununterbrochener Dienst ist, so werden sie auseinanderlaufen wie vor einem äußerst erschreckenden Gespenst. Sie wollen aber ständig von Uns hören, von Unserer Arbeit und Freude. So werden sie sagen: Was ist denn das für ein ununterbrochener Dienst, wenn in der Bruderschaft Gesang zu hören ist?
     Der Mensch kann nicht verstehen, daß Gesang kein Zeitvertreib, sondern Herstellung von Harmonie ist. Es ist schwer, den Menschen ein Verständnis dafür zu vermitteln, daß Kunst der verfeinertste Beitrag zur Evolution ist. Sie wollen nicht verstehen, daß die Annahme Unseres Hinweises, ein Handwerk zu erlernen, die schnellste Annäherung zum Dienst bedeutet. Wer freiwillig ein Handwerk übt, wird überaus leicht dem ständigen Dienen zustimmen, und dies als fortwährende Vervollkommnung. Wer in diesem Sinne Handwerk übt und Meisterschaft erwirbt, bedarf keiner Stundeneinteilung, die seine Arbeit begrenzt.
     Unser Leben ist freiwilliges Handwerk, das nicht nach Stunden begrenzt ist. Auch auf der Erde kann man die Zeit nahezu vergessen, wenn der Dienst Freude ist. Und Ich betone, daß man auch zu solchem Dienen in jedem beliebigen Zustand bereit sein und damit beginnen kann. Der Mensch ist fähig, das Leben als etwas Wichtiges und Verantwortungsvolles zu erkennen, dafür muß man nicht irgendein Weiser sein. Es lassen sich Beispiele dafür anführen, daß einfache Bauern dem Verstehen des Dienens nahe waren. Als man die Kenntnis des Dienens verlor, wandelte sich das irdische Dasein in Sklaverei und Wahnsinn. Aber die Fristen nahen, da die Menschen den Lebenssinn gezwungenermaßen zu suchen anfangen werden. Zuerst werden sie in wissenschaftlicher Auslegung von der Evolution sprechen, dann aber erkennen, daß ihre eigene Beziehung zum Leben sich im Dienen ausdrücken muß.
     Der Denker lehrte, daß das Dienen die Lösung aller Lebensaufgaben darstellt.



     306. Urusvati weiß, daß Wir nicht zu äußeren Ritualen rufen. Es läßt sich nicht leugnen, daß eine vereinigte Menge eine starke Ausstrahlung zu schaffen vermag. Sie ist jedoch nur bei wahrer Bestrebung möglich. Trifft man solche Bestrebung oft und in entsprechendem Maße an? Einst konnte man sich dreihundert Marathonhelden vorstellen, doch inzwischen hat sich alles mehr in Richtung von Millionen verschoben, und man kann unmöglich Einigkeit der Bewegungen erwarten, weshalb man die Aufmerksamkeit auf den inneren Zustand verlagern muß.
     Die Menschen können, jeder einzeln, konsequent ethisch handeln und dadurch eine sehr starke Ausstrahlung erreichen. Mögen sie sich nicht mit Zeremonien belasten, sondern verstehen, daß die innere Bestrebung ihnen eine genügend starke Vervollkommnung verleiht. Mögen sie sich an die Gedankenübertragung auf Entfernung gewöhnen. Mögen sie die Züge des verehrten Antlitzes vor sich sehen. Für eine solche Begeisterung braucht es keine überflüssigen Zeremonien. Jeder vermag in Herzensreinheit mit dem Lehrer Zwiesprache zu halten. Auf diese Weise kann die Welt mit guten Wünschen erfüllt werden, und die Menschen werden nicht einsam sein, da das eigentliche Ziel des Guten jedes suchende Herz mit den anderen vereint.
     Es ist nicht nötig, neue Zeremonien festzulegen, da unter den bestehenden ohnehin schon viele ihre Bedeutung verloren haben. Die Empfindung eines höheren Aufstiegs tritt unvermittelt ein, und es ist dann sogar unmöglich, die Entstehung solchen Entzückens mit Worten zu beschreiben. Es ist auch gar nicht erforderlich, eine Empfindung mit Worten zu beschreiben, die allein das Herz kennt. Gebt euch nicht äußeren Zeremonien hin, wenn die Flamme des Herzens hell lodert.
     Der Denker ging davon aus, daß jeder Mensch in sich die Gabe der Verbindung mit dem Höchsten habe.

     307. Urusvati weiß, was es bedeutet, mit den Augen des Herzens zu sehen. Jeder Gegenstand wird von den Menschen ihrer inneren Verfassung gemäß gesehen. Sie wollen die einfache Wahrheit nicht annehmen, daß Maja in ihrem Bewußtsein entsteht, doch muß man versuchen, sie aus den Fangnetzen der Selbsttäuschung zu befreien.
     Neben den äußeren Wahrnehmungen vermag der Mensch die Funken der Wirklichkeit in den Dingen zu finden. Er kann den Täuschungen der Maja die in seinem Herzen lebende Erkenntnis entgegenstellen. Man könnte Bedenken vortragen: Wird dies nicht eine zweite Maja mit genau derselben trügerischen Geistesverfassung sein? Erinnern wir uns jedoch daran, daß im feinstofflichen Zustand das Erkenntnisvermögen sich in bedeutendem Maße wandelt und



in der Feurigen Welt die Wirklichkeit bereits offenbar ist, was bedeutet, daß der Mensch durch den physischen Körper hindurch das Aufleuchten der Wahrheit hervorrufen kann.
     Mag die Maja für die große Mehrheit auch noch unüberwindlich bleiben, da sie gar nicht erst über ihre Zerstreuung nachdenken, doch einige Wahrheitssucher können im irdischen Zustand bereits zum wirklichen Leben der Dinge vordringen. Zunächst werden sie vor allem ihre vorübergehenden Stimmungen erkennen. Sie werden die Sonne weder als fröhlich noch als traurig sehen, sondern wissen, daß es ihr inneres Gefühl ist, das sogar das große Leuchtgestirn zu färben vermag.
     Wer sich vervollkommnen will, muß die im physischen Dasein vorhandenen Stimmungen überwinden. Wenn der Mensch an diese Aufgabe denkt, wird er bereits viele Irrtümer vermeiden. Er wird sich der Äußerung unrechter Urteile enthalten und verstehen, daß das innere Gefühl ein gerechtes sein muß. Glauben wir nicht, dies sei eine übermenschliche Aufgabe. Sie gehört im Gegenteil zu den Aufgaben des Alltags, und für die Zusammenarbeit mit Uns ist es notwendig zu lernen, mit den Augen des Herzens zu sehen.
     Der Denker sprach: "Ich danke den Göttern, daß ich nicht erblinde, denn solange das Herz schlägt, wird es sehend sein."

     308. Urusvati weiß von Unserer Heilungsweise mittels Schwingungen. Sie hat etwas Ähnlichkeit mit Radiowellen, doch ist es erforderlich, daß sie in bestimmter Weise aufgenommen wird. Dafür muß der Empfangende ganz von Vertrauen erfüllt sein. Auch muß man wissen, daß es nicht immer möglich ist, Ströme einer bestimmten Spannung anzuwenden. In Verbindung mit kosmischen Strömen müssen viele Erscheinungen miteinander in Übereinstimmung gebracht werden. Dies muß man wissen, damit keine Unzufriedenheit darüber aufkommt, daß Wir nicht immer helfen würden.
     Die Zerstörung des Vertrauens führt zu einem Bruch der Ströme. Es ist richtig, daß man diesen Bruch mit einer besonderen Energieanspannung überwinden kann, doch eine solche Anspannung kann schädlich sein. Für den Erfolg der Einwirkung ist es daher erforderlich, daß die empfangende Person zu Uns strebt. Es ist nicht notwendig, daß der Empfangende etwas vorausschickt, er muß den Strömen einfach Zutritt zu sich gewähren und darf sich nicht über ihre Verschiedenartigkeit wundern. Sie können angenehmer oder quälender Natur sein, je nach dem Zustand der Nervenzentren.



     Man muß wissen, daß die Schwingungen mit den Nervenzentren in Einklang zu bringen sind, weshalb Ruhe notwendig ist, um die Heilung nicht zu behindern. Es läßt sich daran erinnern, daß Schwingungen bei den verschiedensten Erkrankungen halfen.
     Zur Genüge kennen die Menschen die hypnotische Einflußnahme, können aber noch nicht zugeben, daß Schwingungen über weite Entfernungen herangelangen können. Die Menschen lassen oftmals das Allernützlichste nicht zu, und darin besteht das hauptsächliche Drama der Welt. Das Fragwürdigste wird bereitwillig aufgenommen. Das Allernützlichste ruft Ablehnung hervor.
     Der Denker wurde nicht müde, wiederholt von Heilungen zu sprechen, die Er aus dem Raum empfangen habe.

     309. Urusvati weiß, wie schwierig das Handwerk des Guten ist. So nennen Wir die Kunst beständigen Schaffens im Guten. Man muß in der Lage sein, zufällige gute Gedanken, die in keinem Zusammenhang stehen, von bewußtem Schaffen im Guten zu unterscheiden. Die Menschen selbst erschweren ein Verständnis dessen. Sie denken sich eine Vielzahl von Redewendungen aus, die schwache Geister verwirren.
     So wiederholen sie: "Er ist so gut, daß er nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tut." Wir aber sagen: "Er tut zwar keiner Fliege etwas zuleide, vernichtet aber nicht die Giftschlange, die einen Mitbruder bedroht." Dazu allerdings muß man vorher wissen, welche Fliege harmlos und welche Schlange giftig ist. Die Lehrbücher können dieses Wissen vermitteln, doch muß man es ihnen auch entnehmen.
     Man muß viel Arbeit aufwenden, um zu verstehen, wo das Gute liegt. Doch um wieviel schwieriger ist es, alle im Menschen veranlagten inneren Antriebe klar zu erkennen. Dabei läßt sich nicht nach äußeren Taten urteilen. Man muß die Ursachen der Handlungen erkennen können. Dafür aber ist es notwendig, die Denker des Altertums zu studieren. Mögen die Zeitumstände auch vollkommen anders gewesen sein, so war der Mensch doch genau dasselbe denkende Wesen. In den Überlieferungen kann vieles ausgeschmückt sein, doch das Wesen der Heldentat ist unerschütterlich geblieben.
     Wenn wir so die Kunst des Handwerks studieren, wollen wir nicht das Handwerk des Guten vergessen. Es erfordert volles Verantwortungsbewußtsein und die klare Erkenntnis des Lebenssinnes. Wahrlich, die Kunst des Handwerks ist überaus schwer, beschleunigt aber auf dem Weg. Ein Bildhauer mag einen Marmorblock verderben, doch wieviele Herzen vermag jemand zu brechen, der im Schaffen des Guten unerfahren und ungeschickt ist! Allein viel Fleiß kann aus einem Bildhauer einen meisterhaften Künstler machen. Ebenso kann auch nur tiefes Nachdenken das Schaffen des Guten



vervollkommnen.
     Der Denker wurde nicht müde, die Schüler zur Vervollkommnung im Schaffen des Guten zu rufen. Er sprach: "Nur wenn der Acker gedüngt wird, gibt er entsprechende Ernte. Das gleiche gilt für das Erkenntnisvermögen der menschlichen Seele."

     310. Urusvati weiß, daß das Überirdische und das Irdische vom inneren Wesen ein und dasselbe sind. Es gibt kein irdisches Geschehen, das nicht zu allem Existierenden in Beziehung stünde. Wenn Wir von den Grundlagen des Lebens sprechen, so bezeichnen Wir sie als überirdisch. Mittels aller erdenklicher Maßnahmen muß dem Menschen klar gemacht werden, daß allem Überirdischen Realität innewohnt. Er fürchtet das Überirdische und zieht es vor, sich in die Erde einzuwühlen, allein, um vor der Erhabenheit der Unbegrenztheit zu fliehen.
     Bei einem Gewitter streben die meisten Menschen nach dem Schutz des nächsterreichbaren Obdachs, und nur die wenigsten bleiben trotz der Blitze auf dem Feld. Diese wenigen erfassen auch das Überirdische allen Lebens. Die argwöhnische Mehrheit jedoch hält sich aus Furcht vor allem Überirdischen zurück. Sogar die Frage von Leben in fernen Welten erscheint ihnen als unangebracht. Darin sind sich Atheisten wie Kirchenleute einig. Und es finden sich auch Gelehrte, die die Erde als Zentrum des Weltalls annehmen.
     Es lassen sich viele Ansichten nennen, mit denen die Menschen sich vor der Wirklichkeit zu schützen suchen. Daher ist es unerläßlich, die Teilhabe des Menschen an allem Seienden vor allem anderen in den Vordergrund zu stellen. Viele Denker des Altertums haben davon gesprochen, doch leider sind ihre Maxime in der Kategorie der Aphorismen geblieben, die man liest, die aber von niemandem als Lebensratschläge aufgenommen werden. Die Gedanken des Konfuzius, des Pythagoras und Marc Aurels sind auf den Seiten der Geschichte erhalten geblieben, doch jeder schämt sich, sich den Ratschlägen aus dem Altertum zu öffnen. Die Menschen schämen sich, über die Ursache ihrer sie selbst entwürdigenden Ansichten zu sprechen. Daher muß man mit Nachdruck und Beharrlichkeit von der Teilhabe des Menschen an allem Seienden sprechen.
     Viele wünschen, als Unsere Mitarbeiter bezeichnet zu werden, doch dafür ist es notwendig, mit Uns in dieselbe Richtung zu denken. Zusammenarbeit kann es in allen erdenklichen Graden geben, nicht aber gegenseitige Verneinung. Der Lehrer muß sich vor allem vergewissern,



inwieweit der Schüler sich schon in seinem Denken von allen Arten unnützen Geredes befreit hat und sich auf den Kern einer Sache zu konzentrieren vermag, dann werden das Irdische und das Überirdische Teile des einen Ganzen sein.
     Möge der Lehrer so sprechen, daß jedes Wort dem Schüler wie bekannt erscheint, sich aber als Resultat eine Vertiefung des Bewußtseins ergibt. Statt Vertiefung ließe sich auch Erhöhung sagen, da es im Raum weder oben noch unten gibt.
     Wo wird das uns beeinflussende Überirdische in einigen Stunden sein? Welche neuen Chemismen werden uns berühren? Sie werden nicht nur uns berühren, sondern auch die dichte Schicht des Planeten aufreißen. Sie töten gewissermaßen Metalle in ihrem reinen Zustand und rufen daraus neue Verbindungen ins Leben. Den Menschen ist es nicht möglich, sich diesem Laboratorium zu entziehen, und daher ist es nützlich, sie mit ihrem ganzen Bewußtsein heranzuführen.
     Der Denker sprach: "Nimm an allem Seienden teil. Es ist für dich da und du für es."

     311. Urusvati weiß, daß die Gespräche auf das Leben der Bruderschaft Bezug nehmen. Unsere Gedanken, Sorgen und Arbeiten kommen in den Sendungen über die Verbesserungen des Lebens zum Ausdruck. Es mag sein, daß jemand annimmt, hier werde eine reine Morallehre gegeben, doch er vergißt dabei, daß sich jede Lehre zwischen Beobachtung und Anspannung festigt.
     Wir verbergen die Tatsache nicht, daß eine ständige Verbesserung der Lebensbedingungen gefordert wird, und daß Unsere Gedanken auf die Evolution in den verschiedensten Ländern Einfluß nehmen. Vergessen wir nicht, daß die schwierigen Bedingungen am Ende des Kali Yuga besondere Maßnahmen erfordern, und man muß verstehen, wie schwer es ist, den Ansturm des Chaos zu überwinden. Die Menschen werten dies gering, da jeder möchte, daß sich alles seinen Wünschen gemäß gestalte. Wenige streben danach, den ganzen komplexen Widerstand zu erfassen, der bedauerlicherweise von den Menschen selbst bezeigt wird.
     Glaubt nicht, daß der menschlichen Widerstände wenige seien, überall trefft ihr auf unvereinbare Ansichten. Bruchstückhafte Sendungen wie auch laute Aufschreie der Menschen muß man berücksichtigen, denn sie verseuchen den Raum. Unerfahrene Menschen werden sagen, man müsse außerordentliche Maßnahmen für seine Reinigung anwenden, doch stellt euch solche außerordentlichen Maßnahmen vor - an jedem Tage sind sie zu ergreifen! Sie hören bereits auf, außerordentlich zu sein, und die umgebende Atmosphäre ist bis zur Explosion hin angespannt. Man darf unmöglich



solche Verfahren anwenden und dabei das eigentliche Ziel nicht beachten. So denkt über die Kompliziertheit Unserer Arbeit nach und versucht, eure Kräfte, sie in dieselbe Richtung lenkend, anzuwenden. Jeder vermag etwas Nützliches zu tun. Jedes Bewußtsein kann den notwendigerweise einzuschlagenden Weg erkennen.
     So sprach der Denker: "Für alle ist Zusammenarbeit bereitet."

     312. Urusvati weiß von den Ursachen der Unterbrechungen, die sich im menschlichen Denken vollziehen. Solche Erscheinung ist oft beobachtbar, doch wird ihr wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Gewöhnlich nimmt man an, daß der Mensch selbst den Gedankenfaden unterbricht, indem er einige unerwartete Umstände einbringt. Wenn es jedoch so sein sollte, warum wird dann der bisherige Gedanke nicht durch etwas Bestimmtes ersetzt, sondern stattdessen ergibt sich eine Art vollständigen Bruchs des Denkens? Zudem geschieht es oft, daß der frühere Gedanke nicht wiederkehrt, so daß anzunehmen ist, daß ein äußerer Einfluß wirksam war. Und so ist es auch.
     Räumliche Ströme wirken auf das menschliche Denken bei weitem häufiger ein, als angenommen wird, doch gibt es ihrer viele verschiedene Arten. Der Mensch kann Sendungen in abgeschlossener Form aufnehmen, doch oftmals fallen sie wie in einer fremden Sprache ein und bleiben daher unverstanden. Solche Unterbrechungen des Denkens bedeuten keinesfalls, daß der Mensch in schlechter oder schwacher Weise gedacht hätte. Räumliche Ströme vermögen das mächtigste Denken zu durchdringen, und der Mensch sollte die Ursache des Vorganges verstehen und nicht mit dieser Erscheinung kämpfen. Im Gegenteil, der Mensch kann sich an die Möglichkeit solcher Unterbrechungen gewöhnen und lernen, seinen Gedankenfaden aufrecht zu erhalten. Augenblicklich wird er jenes große Vorrecht herbeirufen, das Gedächtnis genannt wird und in diese Schatzkammer die übrigen Gedanken hineinlegen.
     Er wird sich sagen: Ich bin nicht in der Lage, mit der Macht der räumlichen Gedanken zu kämpfen, meinen eigenen Gedankenfluß will ich jedoch trotzdem bewahren. Ich will es einem Wanderer gleichtun, der sich vor einem Wolkenbruch schützt, um anschließend den Weg fortsetzen zu können.
     Es ist sogar möglich, Nutzen aus solchen Einschnitten zu ziehen, da jeder von ihnen eine gewisse Energie in sich birgt, man muß sie nur erkennen. Wenn die räumlichen Gedanken sich auch nicht immer in bewußte Formen umsetzen lassen, so bringen sie doch auch



in ihrer Formlosigkeit Energie mit. Solche Energie kann auch von Unseren Türmen ausgehen! Möge verstanden werden, daß Wir vielerlei Art Hilfe senden.
     Der Denker sprach: "Wer bist Du, Helfender? Wer bist Du, Anwesender? Ich spüre Deine Berührungen."

     313. Urusvati weiß, daß der Verlust der Erinnerung ein scheinbares Phänomen ist. Die Erinnerung als solche kann nicht verlorengehen, es können jedoch drei Ursachen auf sie einwirken. Erstens kann ein Mensch die Erinnerung auf etwas Bestimmtes, meistens auf etwas Vergangenes, ausrichten, wodurch er das vorbeifließende Leben in einen Schleier hüllt. Zweitens können starke Einwirkungen von außen auftreten, wodurch es möglich ist, daß der natürliche Fluß der Erinnerung erschwert wird. Als dritte Ursache erweist sich die Erscheinung einer Gehirnzersetzung, die die Funktionen des Erinnerungsvermögens schädigt, die eigentliche Erinnerung, genauso wie das Kelchzentrum, jedoch unbeeinflußt läßt.
     Wenn ein Mensch scheinbar das Erinnerungsvermögen verliert, befragt man ihn über Dinge, auf die er keine Antwort zu geben vermag. Man fragt ihn jedoch nicht einfach danach, an was er sich erinnert. Die Antwort könnte die unerwartetsten Ergebnisse zeitigen. Vielleicht kann der Betreffende von vergangenen Leben erzählen oder von überirdischen Wahrnehmungen, doch solche Fragen werfen die Ärzte nicht auf. So läßt man eines der wichtigsten Lebensgeheimnisse unbeachtet.
     Schon in den Schulen muß das Erinnerungsvermögen in der Überwindung der drei beschriebenen Umstände geschult werden. Das Gehirn kann durch Arbeit geschützt werden, die auch vor materiellem Überfluß verschont. Ebenso läßt sich darlegen, daß Angriffe von außen das Erinnerungsvermögen nicht beeinflussen können. Wir leben in der Gefahr, und im Bewußtsein dessen sind Wir in der Lage, ein klares Denken zu bewahren. Der Mensch sinkt ohne Gefahren und Anspannungen ab. Schließlich jedoch wird er sich disziplinieren und nicht mehr zulassen, daß unordentliches Denken sein Erinnerungsvermögen verdunkelt.
     Die Menschen vermögen sich davon zu überzeugen, daß in unerwarteten Augenblicken weitentfernte Erinnerungen plötzlich auftauchen. Was bedeutet, daß sie im Bewußtsein bewahrt werden, aber nicht immer den Weg aus dem Speicher finden können. Mögen sie auch besonderer Impulse bedürfen, um offenbar zu werden, doch sie existieren.
     Der Denker lächelte und sprach: "Wenn es dem Menschen gelingt, das Knäuel der Erinnerungen



zu entwirren, wird er einen äußerst langen Faden entdecken."

     314. Urusvati weiß, wie oft die Menschheit ihre Auffassungen von der Feinstofflichen Welt bereits geändert hat. Es läßt sich aufzeigen, daß sich die Menschen schon vielfach einem richtigen Verständnis von der Feinstofflichen Welt angenähert hatten. Ganze Epochen gingen unter dem Zeichen der Vervollkommnung vorüber, doch dann, nicht selten ohne ersichtlichen Grund, verfielen die Menschen von neuem in unwissende Auslegungen.
     Man könnte ein umfangreiches Buch über die Wellen der menschlichen Erkenntnisentwicklung verfassen. Dabei würde klar werden, daß der Bereich des Psychischen heute nicht besser als im Altertum verstanden wird. Diese Erscheinung verdient besondere Aufmerksamkeit. Geht man davon aus, daß die Evolution dem Bewußtsein auf sämtlichen Gebieten Aufklärung vermittelt, wird es unverständlich, weshalb ein derart wichtiger Bereich wie die Erkenntnis der Feinstofflichen Welt einem solchen Geschwätz ausgesetzt ist. Die Ursache liegt darin, daß der Mensch alles außerhalb der Grenzen der grobstofflichen Welt fürchtet. Strebt das Bewußtsein auch zu Wissen, flüstert doch der niedere Verstand, daß Vorstellungen vom zukünftigen Leben unnötig seien. So kann man sehen, daß selbst Menschen, die viel gelesen und gehört haben, plötzlich zu schwanken beginnen und denken, was dort eigentlich sei - etwas Anderes oder Nichtexistenz? Solche Schwankungen untergraben alle früheren Aufspeicherungen.
     Es kann geschehen, daß sich ein Abfall ganzer Massen von früheren Überzeugungen ergibt und Wissen erneut für eine gewisse Zeit verbannt wird. Man muß jedoch daran denken, daß das Bewußtsein wieder zurückkehren wird und dann auch zu neuen Errungenschaften,. Es darf keine Zeit auf Schwankungen verschwendet werden, wenn schon im Altertum höchste Erkenntnisse erreicht wurden. Weisheit besteht darin, mutig das zukünftige Leben zu verstehen.
     Der Denker sprach: "Mut besteht darin, nach vorn zu blicken. Der Weise versteht, daß Staubwolken endlich sind, die Unbegrenztheit aber durch nichts verdeckt werden wird."

     315. Urusvati weiß, wie relativ Fristen ausgelegt werden. Stellt euch eine Menschenmenge vor, die sich in einem großen geschlossenen Raum versammelt hat und die man vergiften will. Es fragt sich, welche Frist die entscheidende sein wird. Vielleicht die, wenn das Gift heimlich eingebracht wird oder diejenige, wenn es zu wirken beginnt oder, wenn die Menschen schon sterben?



     Für die Mehrheit wird allein die dritte Frist von Bedeutung sein, für eine Minderheit vielleicht die Vorzeichen der einsetzenden Vergiftung, und nur sehr wenige Menschen werden die erste Frist wahrnehmen, die die allerwichtigste ist. So zerfällt jede Erscheinung in mehrere Fristen. Für die einen ist die Frist noch gar nicht eingetreten, für die anderen ist sie bereits vorüber - so ist es bei geringen wie großen Geschehnissen.
     Man muß den verschiedenen Vorzeichen der Fristen gegenüber sehr aufmerksam sein, und dazu bedarf es der vollen Klarheit des Denkens. Man darf sich nicht fürchten, daß Unwissende lachen könnten, denn sie vermögen nur auf der Grundlage der dritten Frist zu urteilen. Sie kennen nur die Folgen, doch die Erbauer des Lebens kennen die anfänglichen Fristen. Darüber hinaus muß man verstehen, daß die Fristen eilen oder sich verlangsamen können. In ihrem Wesen bleiben sie dieselben, doch kann unerwartet ein neuer Umstand hinzutreten, welcher der Frist eine neue Bedeutung gibt. Alles ist in Bewegung, und das Leben kann ohne Bewegung nicht fortschreiten. In dieser Größe der Wechsel und der Bestrebungen sind die Fristen der wesentlichen Erscheinungen enthalten.
     Der Denker sorgte sich darum, daß die Schüler die wahre Bedeutung der Fristen verstünden. Er sprach: "Kümmern wir uns nicht darum, Leichname zu werden, sondern erkennen wir besser den Sinn des Lebens."

     316. Urusvati weiß, daß gewisse Menschen das Karma zu betrügen versuchen. Ich spreche nicht von jenen, die von Karma überhaupt noch nichts gehört haben, doch sogar diejenigen, die von Karma wissen, versuchen, es zu umgehen. Stellen wir uns einen Verbrecher vor, der nach seiner Untat zitternd das Karma erwartet. Doch die Tage vergehen, und nichts geschieht. Da wird der Verbrecher etwas kühner und ergeht sich in Vorstellungen darüber, daß sein Verbrechen doch nur geringfügig gewesen oder er inzwischen von einem höheren Gesetz freigesprochen worden sei. In der Folge beginnt er, derart zu erstarren, daß er das Karma als eine Erfindung Unwissender verspottet. Aber zur unerwarteten Stunde erfolgt der Schlag, und der Mensch klagt das Karma an, auf den besten Moment zu lauern, um dann umso stärker zuzuschlagen. Dabei kommt dem Verbrecher nicht in den Sinn, daß es viele Ursachen geben kann, die die Stunde der karmischen Wirkung bedingen.
     Der Mensch kann in solchen Eigendünkel verfallen, daß er denkt, er selbst bestimme die Stunde der Wirkung der fundamentalen Gesetze. Der eine schreit: Warum läßt das Karma auf sich warten? Der andere beklagt sich über dessen Eile, doch niemandem fällt ein, welch komplexe



Umstände jede Erscheinung umgeben. Die einen möchten das Weltengebäude bis zur Unwahrscheinlichkeit vereinfachen, andere verkomplizieren den Aufbau dermaßen, daß er dann jeglicher Bewegung und Lebendigkeit beraubt ist. Kann bei solchen Extremen denn noch Zusammenarbeit möglich sein?
     Vor langem schon haben Wir auf den goldenen Mittelweg hingewiesen, auf dem Annahme und Wunsch die Bewegung der Energie verstehen, jener einheitlich wirksamen Energie, die in menschlicher Sprache Gerechtigkeit genannt werden kann. Reine Bestrebung vermag das Gefühl für diese Energie zu vermitteln, doch jedes Staubkörnchen wird als Staubwolke am Horizont aufsteigen.
     Der Denker sorgte sich darum, daß das Licht der Sonne nicht durch die menschlichen Untaten verblassen möge.

     317. Urusvati weiß, daß jeder physischen Tätigkeit viele psychische Aktionen vorausgehen. Was ist denn daran neu? Wissen die Menschen etwa nicht, daß der Gedanke der Tat vorausgeht? Aber leider wollen die Menschen sich auch dies nicht vorstellen. Wenn ihr jedoch noch von vielen psychischen Tätigkeiten sprecht, wird man euch für vollendete Spaßmacher halten.
     Indessen ist es notwendig, gerade viele Ereignisse zu verstehen, die um jede physische Erscheinung herum entstehen. Vergessen wir nicht, daß an jeder Bewegung nicht nur der eigene Wille teilnimmt, sondern auch Berührungen durch von außen kommende Energien. Auf diese Weise lassen sich die Grenzen einer irdischen Erscheinung ins Unbegrenzte hin ausdehnen.
     Wenn die Menschen von solch unbegrenzter Zusammenarbeit hören werden, wird sich ihr Blick auf alles Existierende erweitern. Man muß versuchen, die Grenzen menschlicher Anschauungen zu erweitern. Es ist unmöglich anzunehmen, daß die derzeitigen Schulen das Bewußtsein ausreichend sättigen würden. Nehmt einen Spießbürger - wird er etwa unser einfaches Gespräch verstehen? Hofft nicht darauf, daß das Gesagte von Unvernunft und Dummheit aufgenommen werde. Ihr habt gelesen, wie man die Bruderschaft allein wegen Ihres Bestrebens, die Menschheit den Sinn des Lebens zu lehren, beschimpfte. Doch das Element des Bösen lauert eifersüchtig, um jeder nützlichen Arbeit zu schaden.



     Man braucht nicht zu glauben, daß solche Versuche des Bösen nur vereinzelt seien; es finden sich Anhänger in großer Einmütigkeit. Unerfahrene meinen, es lohne sich nicht, den Schadensstiftern Aufmerksamkeit zu widmen, doch Wir raten, keine Möglichkeit auszulassen, um die besten Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen.
     Der Denker sprach: "Es ist mir gegeben, die irdische Tätigkeit zu vollenden. Doch Wer ist der noch Unsichtbare, der schon das zukünftige Bild meiner bescheidenen Ausführung schafft?"

     318. Urusvati weiß, daß es den Menschen besonders schwerfällt, die Blitzesschnelle psychischer Vorgänge zu verstehen. Sie nehmen an, daß das irdische Denken den Einwirkungen der Zeit unterworfen sein müsse. Sie stellen sich nicht vor, daß der Gedanke augenblicklich sein und eine blitzartige, feurige Entscheidung hervorbringen kann.
     Der Mensch sagt "ich denke", doch er dachte schon lange. Feurig lebt in ihm bereits die Entscheidung, und unter dem Einfluß des Gedankens fällt er eine Verstandesentscheidung. Es ist lehrreich, den Kampf des Verstandes mit einer feurigen Entscheidung zu beobachten. Oftmals verdirbt der Verstand eine feurige Entscheidung, und dennoch bleibt ihr eigentlicher Kern unbeeinflußt. Dieser verbirgt sich in der Tiefe des Bewußtseins und bringt sich wiederholt in Erinnerung. Es ist schade, daß der Mensch derart starrköpfig die unterschiedlichen Schichten des Denkens, die in ihm vorhanden sind, nicht erkennen will. Die klare Erkenntnis würde ihn dazu führen, sich den Keimen des Denkens gegenüber behutsam zu verhalten.
     Wir wiederholen es gegenüber den Menschen oftmals: Der Gedanke ist ein Blitz. Doch selten wird die Bedeutung dieser Bestätigung verstanden. Die Menschen sagen: So muß man die Schnelligkeit des Denkens verstehen. Doch Wir haben nicht die Geschwindigkeit der Überlegung im Blick, sondern die Blitzartigkeit der psychischen Energie. Sie kann in den Verbindungen mit Uns hilfreich sein, doch muß man sie nicht als etwas Okkultes, sondern als natürliche Äußerung des Seins auffassen. Von dieser Natürlichkeit versuchen Wir, den Menschen zu erzählen, doch sie lieben es nicht, wenn sogar große Wirkungen aus natürlichen Ursachen entstehen.
     Der Denker sprach: "Es kann in der Natur nichts Unnatürliches geben."

     319. Urusvati weiß, daß Wir für den Frieden arbeiten. Warum aber freuen Wir Uns wenig über all die unzähligen Institutionen, die den Friedensfragen gewidmet sind? Weil nur wenige



von ihnen sich uneigennützig um den Frieden bemühen. Bei vielen lassen sich dagegen heimliche Absichten finden, deren Auswirkungen noch bitterer als Krieg sein werden.
     In bezug auf solche grundlegenden Fragen wie den Frieden muß man sich prüfen. Sich prüfen können heißt, neue Kräfte und ein neues Bewußtsein zu schöpfen, und dann wird auch verstanden, was wahrer Frieden ist, der auch die Verteidigung der Menschheitsschätze einschließt.
     Die eigentliche Prüfung muß in voller Hingabe an den Fortschritt der Menschheit erfolgen. Ich spreche von Neid, denn wenn diese Schlange die Menschen erzürnt, werden sie nicht über Frieden nachdenken können. Auf die unerwartetsten Gegenstände vermögen die Menschen neidisch zu sein. Ihr werdet erstaunt sein, wenn ihr in das Denken der Menschen Einblick nehmt. Sie können Schätze besitzen und dennoch eine Möglichkeit finden, dem Nachbarn den allerkleinsten Erfolg zu neiden.
     Es ist unmöglich, an Frieden zu denken, wenn man die dem Frieden schadenden Untugenden nicht ausgemerzt hat. Doch Ich sage dies deshalb, um darauf hinzuweisen, daß jede gute Erinnerung an den Frieden von räumlichem Nutzen sein wird. Wie ein Mantram kann man das Wort "Frieden" wiederholen, und es vermag harmonische Bemühungen bereits zu verstärken.
     Hüten wir uns aber vor der Friedenslüge, denn sie führt zur Zersetzung. Unsere Lehre ist die Lehre des Friedens, doch eines wahrhaften Friedens.
     Der Denker sprach: "Ich werde auf der Wacht stehen, damit die Giftschlange nicht über die Türschwelle kriecht."

     320. Urusvati weiß, daß jeder von Uns in verschiedenen Erscheinungen die Sache des Friedens gefördert hat. Ihr erinnert euch an den Orpheus Indiens, der den Menschen friedvolle Melodien gab. Ihr erinnert euch, daß ein gewisser Lehrer versuchte, die Lehre zu reinigen, damit die Menschen mehr vom Sein erführen und es besser verstünden. Ein anderer Held gebot den Menschen, vor allem sämtliche friedlichen Mittel zur Anwendung kommen zu lassen. Auch der Einiger der Völker legte fest, daß allein in Einigkeit auch der Frieden gedeihen könne.
     Jeder für den Frieden Schaffende begegnete vielen Schwierigkeiten und litt unter ihnen. Woher aber kamen solche unmäßigen Lasten, wenn diese Tatmenschen doch zum Guten und zum Frieden strebten? Doch jedes Voranbringen der Evolution ruft bereits den Zorn des Chaos hervor. Solche



Wirbel lassen sich in der Umgebung jeder wohltätigen Bestrebung bemerken. Ich will euch aber nicht enttäuschen, denn jeder Kämpfer für den Frieden wird sagen, daß seine Friedensbemühungen die besten Erinnerungen geblieben sind. Sie erhalten sich nicht nur in den Annalen der Völker, sondern auch im Leben über alle Jahrhunderte hinweg.
     Ist die Befriedung durch Klänge nicht ein Gut aller? Einer aber muß der erste sein, um auf dieses Mittel hinzuweisen. Viele Lieder wurden seit alters her mit Begeisterung gesungen, doch war es nötig, ihre Anwendbarkeit zur Schaffung von Frieden hervorzuheben - so wurde eine neue Harmonie in die Welt gebracht.
     Ebenso für alle Zeiten galt der Auftrag, alle Friedensmittel zur Anwendung gelangen zu lassen. Es mag sein, daß die Menschen vergessen haben, wer ihnen diesen Auftrag gab, doch ist er ins Bewußtsein eingegangen. Es ist richtig, danach zu suchen, ob es nicht noch weitere friedenschaffende Maßnahmen gibt, welche jedoch natürlich nicht die Menschenwürde herabsetzen dürfen. Man muß sowohl die irdischen wie die überirdischen Maßnahmen richtig verstehen. Nur beim Vorhandensein von Harmonie kann man die Schönheit des Friedens verstehen, anderenfalls ergibt sich, bei völliger Unkenntnis der Menschenwürde, eine abscheuliche Entstellung.
     Wer die Schönheit nicht kennt, vermag nicht an Frieden zu denken. Auch der Begriff der Einigkeit ist im Zustand der Unwissenheit nicht zu verstehen. Durch das Gute bringen die Völker dennoch den Einiger in Erinnerung. So haben Wir für den Frieden geschaffen.
     Der Denker hat vieles ins Leben getragen, und Er hatte den Mut, einen friedlichen Staatsaufbau vorzustellen. Mögen die Menschen dies auch als Wunschtraum bezeichnen, doch der Wunschtraum ist eine Hieroglyphe der Ewigkeit.

     321. Urusvati weiß, daß in jedem großen Wunschtraum ein Teil von Ausführbarkeit liegt. Einer der am wenigsten erfüllbaren Wunschträume scheint derjenige vom Frieden in der ganzen Welt zu sein. Nichtsdestoweniger setzt die Menschheit ihre Bitten um den Weltfrieden fort, doch auch in diesem Gebet wird ein Teilchen zu finden sein, das man im irdischen Leben anwenden kann.
     Der Mensch besitzt die Gabe der Verbindung mit anderen, ihm ähnlichen. Er lernt, daß ein Leben in Feindschaft letzten Endes unmöglich ist. Er erkennt, daß eine Familie in Zwietracht aufhört zu existieren, und das gleiche läßt sich auch von großen Ländern sagen, die ohne ständige Vervollkommnung dem Niedergang geweiht sind.



     Auch wenn man im jetzigen Jahrhundert unmöglich von Frieden sprechen kann, werden wir es nicht ausschließen, daß in der zukünftigen Epoche bereits ein Umschwung zu einem vernunftbegründeten Verständnis des Daseins erfolgen wird. Mögen die Menschen daher den Weltfrieden erörtern, auch wenn dies noch in abstrakter Weise geschieht. Möge inmitten der dunklen Wolken des Hasses das der Zukunft gewidmete Wort erhoben werden. Erwarten wir dies nicht von toten Versammlungen; mögen die besten Wunschträume von der jungen Generation artikuliert werden. Mögen sie in der Rüstung der Verteidigung die Grundlagen des Lebens legen. Man darf die höchsten Wunschträume nicht stören.
     Ein weiterer, scheinbar unausführbarer Wunschtraum der Menschheit ist die ausreichende allgemeine Bildung, aber in den verschiedenen Teilen der Erde gibt es viele Analphabeten. In der ganzen Welt herrschen immer noch Sklaverei und Barbarei - kann man da von allgemeiner Bildung träumen? Doch Wir sagen: Man kann nicht nur, man muß. Es ist unerläßlich, den Raum mit den Rufen und Befehlen nach Bildung zu erfüllen. Man darf das Analphabetentum nicht als Hindernis ansehen, es zeigt nur die Dringlichkeit der Bildung. Es ist nicht wichtig, ob Schulen existieren, doch wenn die Menschheit die Schande der Sklaverei noch nicht überwunden hat, bedeutet dies, daß die Bildung bisher unzureichend war. Vermeintliche Weise des Alltags raten dazu, jene nicht zu beachten, die Grausamkeiten verüben, was heißt, daß diese Weisen nur Leichname sind. Man erzählt euch viel über die glänzenden Errungenschaften der Aufklärung, doch trotzdem existiert die Sklaverei nach wie vor. Nicht genug dessen wird sie auch noch mit den scheinheiligsten Lügen verbrämt, und solche Bemäntelungen sind besonders schändlich. Statt allgemeiner Entrüstung hört man Rechtfertigungen der Schande. So lassen sich viele Wunschträume aufzählen, die in die Wirklichkeit umgesetzt werden müssen.
     Der Denker lehrte: "Besonders hütet euch vor Menschen, die schuldvolle Taten zu rechtfertigen suchen - solche Personen werden Feinde der Menschheit sein."

     322. Urusvati weiß, daß die von Uns genannten Begriffe vollständig verstanden werden müssen. Wenn Wir von Sklaverei sprechen, haben Wir alle Arten dieser Schande im Blick; Wir weisen nicht allein auf die grobe Form von Kauf und Verkauf hin, sondern auch auf die verfeinerten Formen der Erniedrigung der Persönlichkeit, die besonders hervorgehoben werden müssen.
     Nicht nur einmal haben Wir gesehen, daß die unerträglichsten Unterdrücker die Sklaverei verurteilten. Doch



wahrlich, die Sklaverei blüht in den Hauptstädten der aufgeklärten Welt in nicht geringerem Maße als auf primitiven Basaren. Die Menschen haben sich von der Sklaverei bisher nicht befreit, doch um den Erfordernissen der Gegenwart Genüge zu tun, hat man neue, prunkvolle Bezeichnungen erfunden. Unter diesen Bemäntelungen verbergen sich niederträchtigste Begierden. Die menschliche Persönlichkeit wird weniger als ein Hund verstanden. Wahrlich, mitunter erlebt ein Hund mehr Fürsorge als ein Mensch.
     In den Gotteshäusern singt man von menschlichem Wohlwollen, doch kaum ist man wieder über die Schwelle getreten, wird die bittende Hand abgewiesen, ohne daß man sich überhaupt fragt, worin das Unglück bestehe und ob nicht zu helfen wäre.
     Das Verstehen fremder Not ist in der Lage, das Bewußtsein zu erweitern. Ein einziger kurzer Gedanke vermag einen rettenden Faden zu knüpfen, doch auch solche Gedanken sind allzu selten. So gehen die Menschen kalt an karmischen Entscheidungen vorbei. Überdies ahnen sie nicht, wie weitgehend sie die Verbindung mit Uns und mit der Feinstofflichen Welt, woher die beste Hilfe gesandt werden kann, abbrechen. Verstehen wir daher den Begriff der Lebensgrundlagen in vollem Ausmaße.
     Wir haben hiermit ein Beispiel angeführt, wie unzulänglich die Sklaverei verstanden wird, doch lassen sich solche Beispiele aus beliebigen Lebensbereichen erbringen. So läßt sich auf die Lage der Bildung verweisen, auf die Situation der Familie und auf diejenige des Volkswohles überhaupt. Die herrschende Situation kann erbitterte Auseinandersetzungen hervorrufen, da ein Verständnis von Synthese nicht angewandt wird.
     Der Denker wies darauf hin, daß das Volkswohl im Herzen des Menschen geboren wird.

     323. Urusvati weiß, daß man dem Menschen innerhalb der Grenzen seines Bewußtseins helfen kann. Man kann einem Affen einen Diamanten geben; er wird nur eine Zeitlang damit spielen und ihn dann fortwerfen. Man kann dem Affen eine große Menge Kostbarkeiten geben, doch er wird sie alle zerstreuen, ohne daß sie einen Nutzen gebracht hätten. Vielleicht wird sogar ein zufällig Vorbeikommender einen Diamanten auflesen und ihn gegen ein Messer eintauschen, um damit seinen Bruder zu töten. Allein in den Grenzen seines Bewußtseins vermag ein Mensch Ratschläge aufzunehmen. Allein bewußtes Streben führt zum Ziel. Doch die Menschen wollen diese Wahrheit nicht hören. Sie meinen, jede Art von Kostbarkeit auch nutzen zu können, doch im Leben läßt sich sehen, daß die nützlichsten Sendungen ungenützt bleiben.



     Man muß erkennen, daß das Bewußtsein wie ein Gefäß alle Schritte des Menschen in sich faßt. In ein volles Gefäß läßt sich nichts mehr eingießen. Glücklicherweise aber erweitert sich das Gefäß des Bewußtseins in die Unbegrenztheit. So braucht der unterdrückteste Mensch nicht unglücklich zu sein, wenn er nur versteht, daß das Gefäß seines Bewußtseins im eigentlichen unbegrenzt ist.
     Die Menschen erkennen nicht, daß ihr Schicksal sich in Abhängigkeit von ihrem Bewußtsein gestaltet. Sie lieben es nicht, vom Bewußtsein zu sprechen, da ein solches Gespräch mit der Erinnerung an die Verantwortlichkeit enden wird. Solche Erinnerung ist ihnen niemals angenehm, weil sich dahinter vergessene Schatten erheben. Ein mutiger Mensch jedoch fürchtet keine Gespenster. Er wird in den verschiedenen Geschichtsperioden erhebende Ratschläge finden.
     So kann man daran erinnern, daß am französischen Hofe Briefe entstanden, die voller nützlicher Ratschläge waren, doch es herrschten schwierige Umstände, und man muß beachten, wie inmitten höfischen Prunks die Stimme für ein sinntragendes Leben zu erklingen vermochte; viele Notwendigkeiten wurden aufgeschoben. So sollte man die verschiedenen Epochen aufmerksam studieren.
     Der Denker wußte bereits um die Grenzen des Bewußtseins als Maßstab der Menschheit.

     324. Urusvati weiß, daß der Mensch sich im Alltagsleben erkennen läßt. Biographen nehmen fälschlicherweise an, daß man den Wert eines Tatmenschen anhand seiner außergewöhnlichen und besonderen Bekundungen charakterisieren könne, was zu vielen Beschreibungen führt, die nicht den wahren Menschen zeigen. Möge man die Tatmenschen inmitten ihrer gewohnten Arbeit studieren, inmitten ihrer Nächsten, inmitten ihres Denkens und ihrer Träume.
     Vielfach fanden Tatmenschen inmitten ihrer öffentlichen Auftritte ihren Ausdruck, ihre Augen blitzten, und mächtig floß ihre Rede. Ein völlig anderes Gesicht offenbarten sie jedoch



inmitten des Alltäglichen. Wir schätzen vor allem die Errungenschaft der Harmonie inmitten des Alltagslebens. Ein großer Teil des Lebens verläuft inmitten der Bedingungen des Alltags, und man muß einen Menschen daraufhin beobachten, wie er die alltäglichen Prüfungen besteht. Vermag er zu Hause Harmonie zu wahren, kann er den kleinen Gereiztheiten widerstehen, ist er in der Lage, Langeweile zu vermeiden? Dem Alltagsleben liegen viele verborgene Bedingungen zugrunde, doch man muß in ihnen jene Freude finden, die zum überirdischen Dasein führt. Mögen die Menschen daran denken, ihre Würde inmitten des Alltags aufzubauen; solche Errungenschaft wird beständig sein. Wir freuen Uns, wenn ihr Harmonie des Lebens erreicht habt, und jeder Tag ist bereits ein Stein dieses Gebäudes. Lernt es, die Arbeit zu lieben, denn sie wandelt die Zeit um. Wäre Unser Leben etwa vorstellbar, wenn der Alltag nicht von Harmonie erfüllt wäre? Weder Tage noch Jahre, sondern eine geordnete Abfolge von Arbeitsfreuden - allein dieser Zustand der Begeisterung verleiht die Kraft zu leben, ohne die Zeit wahrzunehmen. Es gibt bei Uns jedoch auch andere Freuden, die für jeden Arbeitsamen erreichbar sein können. Die Arbeitsanspannung läßt einen der Sphärenmusik näherkommen, doch gewöhnlich bemerken die Menschen noch nicht einmal ihre Anfänge.
     So lehrte der Denker, wie unerwartet der Raum erklingt: "Wann das überirdische Klingen erreichbar wird, ist nicht nach menschlichem Ermessen zu bestimmen."

     325. Urusvati weiß, wo die Drachen der Schwelle leben. Man glaubt, daß sie auf dem Grund irgendwelcher furchterregender Schluchten nisten, irgendwo in der Finsternis, wohin die Menschen selten einen Blick werfen. Doch der Wohnsitz solcher Drachen ist die Schwelle des eigenen Hauses. Der Mensch begegnet ihnen im Alltagsleben sehr oft.
     Alles, was über solche Drachen gesagt wurde, ist richtig. Ihr Äußeres ist entsetzlich, sie sind unersättlich und speien ihr Opfer nicht wieder aus. Sie lauern Hereinkommenden auf und bewachen diejenigen, die versuchen hinauszugehen. Sie wechseln ihr Gesicht und zeigen sich selten in ihrer ganzen abscheulichen Größe.
     Der Drache der Schwelle ist als Wächter des menschlichen Bewußtseins gezeigt worden. Eine solche Vorstellung hat aus dem Drachen ein abstraktes Symbol gemacht, doch stehen solche Drachen dem Alltagsleben tatsächlich viel näher. Der Mensch nährt sie mit seiner Unzufriedenheit. Es gibt



keinen Alltag, der den Menschen zufriedenstellen würde. Ich spreche hier nicht vom Wissensdurst, der ein würdiges Suchen darstellt. Unzufriedenheit mit dem Alltag ist auf niedere Leidenschaften gegründet, und dann herrscht für echte Drachen ein Festtag. Sämtliche Aufspeicherungen des Menschen werden dann zur Nahrung des Drachen.
     Nicht erst einmal haben Wir vom böse gestalteten Alltag gesprochen, den sich der Mensch selbst schafft, doch wenn Wir vom Überirdischen sprechen, müssen auch die hinderlichen Umstände erwähnt werden. Über eine einfache Schwelle stolpern die Menschen, fallen oder grämen sich zu Tode. Handelt es sich jedoch um eine böse Schwelle zu einem von Haß bestimmten Alltagsleben, so wird der Schritt über sie gefährlich sein.
     Wieviel böses Reden wird an den bösen Schwellen vollzogen. Doch zur Freude der Drachen vermehrt sich das entsetzliche Geschimpfe noch.
     Wir haben gesagt: "Räumt den Unrat von der Schwelle." Dieser Unrat nährt den Drachen, er kann dadurch dermaßen wachsen, daß man nicht mehr durch die Tür kommt. Man muß daran denken, daß eine böse Schwelle ein Hindernis vor dem Aufstieg darstellt. Natürlich schreit bereits wieder jemand: "Das wissen wir schon seit langem!" Freund, hättest du es gewußt, so wäre deine Schwelle reiner.
     Doch nun genug von der bösen Schwelle. Wir gehen davon aus, daß die Freunde bereits verstanden haben, wie schädlich es ist, die Drachen zu nähren. So kann eine gute Schwelle entstehen, die zu einem vom Guten bestimmten Alltag führt. Mag solch ein Alltagsleben manchem auch noch dürftig erscheinen, doch ist es rein, und der Drache rollt sich zu einer kleinen Eidechse zusammen. So ist es dem Menschen gegeben, große Umwandlungen zu vollziehen.
     Der Denker sprach: "Ist es nicht ein Wunder, daß wir das Böse in Gutes umwandeln können?"

     326. Urusvati weiß, daß Bildung die Grobheit ausmerzen muß. Dazu muß man sich Unser Verständnis von Grobheit zu eigen machen. Man kann sich einen sehr kundigen Gelehrten vorstellen, der trotz seines Wissens ein grober Mensch geblieben ist. Daran wird sichtbar, daß formales Wissen nicht von Grobheit befreit, was dann keinerlei feinstoffliche Wahrnehmungen zuläßt. Die Wissenschaft der Zukunft erfordert jedoch Verfeinerung, anderenfalls kann sie nicht der Synthese dienen. Ein Lehrer muß Achtung vor den anderen Wissenschaftsbereichen haben, worauf er von den ersten Schuljahren an vorbereitet werden muß. Fragt einen Menschen, was er unter Grobheit versteht. Er wird obszöne Rede,



Schmähung und Dreistigkeit nennen. Das jedoch sind nur einige Abarten der Grobheit, deren Grundlage für die Mehrheit unbemerkt bleibt. Wer mit feinstofflichen Energien in Berührung kommt, wird dagegen verstehen, daß Grobheit in der Zerstörung alles Feinen besteht. So sollten die Menschen verstehen, daß Grobheit nicht mit Höflichkeit überdeckt oder kuriert werden kann. Man kann auf überaus höfliche Grobiane treffen, die niemals erkennen werden, daß sie der Grobheit schuldig sein könnten.
     Man wird fragen, ob ein Buch über gutes Benehmen in der Lehre des Lebens etwa keinen Platz fände. Aber sicherlich gehört es dazu, und es ist notwendig, die Feinheit im Verständnisvermögen anzunehmen, um so das Bewußtsein zu verfeinern. Hier sprechen Wir über etwas, das mit menschlichen Worten kaum zu sagen ist. Viele Grundlagen sind nicht in Worte zu fassen, sondern müssen erfühlt werden. Solch schweigendes Verstehen wie wortlose Übereinstimmungen stellen die Verbindung zu zukünftigen Errungenschaften dar. Nicht Worte, sondern Gefühle bleiben im Gedächtnis und bilden die Grundlage der Evolution. Ein im Fühlen verfeinerter Mensch wird daher nicht grob sein.
     Der Denker sprach: "Lernt es zu fühlen, da man sonst denken wird, eure Haut sei aus Schweinsleder."

     327. Urusvati weiß von gewissen Menschen, die das Läuten einer Kirchenglocke nicht von dem einer Sturmglocke unterscheiden. Sind ihre Ohren etwa anders konstruiert? Dies nicht, doch sie mißbrauchen den freien Willen. Sie fürchten das Sturmgeläut und suchen sich das Gegenteil einzureden, sogar ungeachtet der Offensichtlichkeit. Solche Verheimlichungen vor sich selbst entsprechen jedoch dem Bewußtsein der meisten Menschen. Es ist unmöglich, sie von etwas anderem zu überzeugen, wenn sie sich in ihrer Voreingenommenheit entschließen zu hören, was ihnen genehm ist.
     Man kann sich vergewissern, wie sehr der Fortschritt durch solche Eigenmächtigkeiten verzögert wird. Es lassen sich hierbei aufschlußreiche Beobachtungen anstellen. Sprecht irgendeine einfache Redewendung aus und laßt verschiedene Leute ihren Sinn erklären, so werdet ihr die gegensätzlichsten Mißdeutungen erhalten. Die Redewendung kann völlig klar sein, und dennoch kann der freie Wille ihre Bedeutung verdunkeln und seine eigene Vorstellung hineinlegen.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Menschen bereit seien zu antworten, ohne überhaupt die Frage angehört zu haben. Sie antworten nach der Gestalt des Gesprächspartners, nach seiner Kleidung und schließlich auch noch nach seiner Handschrift. Letztere könnte indessen schon Bedeutung haben, doch die Menschen rufen zu deren Erkenntnis nicht ihr eigenes Gefühlswissen zu Hilfe. Nach äußeren Merkmalen fällen sie ihre Entscheidung, und solche Äußerlichkeiten haben nur



geringen Wert.
     Genausowenig wollen wir die wütende Raserei des freien Willens vergessen. Auf diese Krankheit, die zu verhängnisvollen Folgen führen kann, wurde schon vor langem hingewiesen. Der Mensch stellt es sich so vor, daß er einen durch nichts eingegrenzten Willen hätte und beginnt somit, die grundlegenden Gesetze zu verletzen. Der Wille ist kostbar, wenn er sich mit den Gesetzen des Daseins in Harmonie bewegt. Viele verstehen dies nicht, da für sie der Wille ungezügelt sein muß. Der Erfahrene jedoch weiß, daß Wille und Freiheit nur in der Wahrung der Gesetzlichkeit zu existieren vermögen, anderenfalls werden wir aus einem Sturmgeläut das Läuten zum Gottesdienst herauszuhören suchen.
     Der Denker lehrte, die Stimme der Glocke zu verstehen.

     328. Urusvati weiß, daß die sich Verkörpernden mit guten Absichten auf die Erde kommen - dies ist ein großes Gesetz. Selbst wer aus den niedersten Schichten kommt, erhält vor der Verkörperung eine Erleuchtung über das Gute und die Grundlagen des Daseins. Doch wie jedes Aroma, selbst das beste, den Raum nicht für lange Zeit zu sättigen vermag, so werden auch die guten Vorsätze unter der Wirkung verschiedener Einflüsse zerstreut.
     Das Kind ist nicht böse, aber fähig, sich sehr schnell ein atavistisches Erbe anzueignen. Aus der Zusammensetzung kleinster Lebenseinzelheiten können üble Gewohnheiten geschaffen werden, die man als Einlaßtore des Bösen bezeichnen kann. So verliert sich die in der Feinstofflichen Welt erfahrene Erleuchtung. Es ist notwendig zu verstehen, wie weitgehend die Versenkung in den grobstofflichen Körper die Aufnahme von Eindrücken der Feinstofflichen Welt unterbindet. Dennoch kann man viele Angaben über das Leben in der Feinstofflichen Welt sammeln, am besten aus den vereinzelten Zeugnissen von Menschen, die Lichtblitze in unerwarteter Weise empfingen. Unter solchen Zeugnissen kann man viele aufrichtige Aussagen finden, da der Unvorbereitete von den Eindrücken selbst überwältigt wurde und sie daher auch in unmittelbarer Weise äußern wird.
     Es ist sehr lehrreich, Bauern über solche Dinge zu befragen, da sie, mitten in der Natur, vieles bemerken, es aber aus Furcht vor Spott nicht erzählen. So läßt sich bestätigen, daß jeder Mensch Kontakt mit Phänomenen solcher Art hat; nur, die einen richten ihre Aufmerksamkeit darauf, andere jedoch können oder wollen kein herzliches Verhalten zu all dem üben, was sich jenseits der Grenzen ihres Verstandes befindet. Wir werden jedoch noch genauer



auf die Wahrnehmung des Übergangs in die Feinstoffliche Welt zurückkommen.
     Der Denker lehrte, ungewöhnlichen Erscheinungen auch besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

     329. Urusvati weiß, daß der Übergang in die Feinstoffliche Welt von unterschiedlichsten Empfindungen begleitet werden kann, von überaus schmerzhaften bis wonnehaft-herrlichen. Doch wir wollen jetzt nicht die Extreme betrachten, sondern die Aufmerksamkeit auf den durchschnittlichen Zustand richten, wie er von der Mehrheit erreicht werden kann.
     Stellen wir uns einen Menschen vor, der den Nutzen des Guten kennt und die Macht des Gedankenschaffens versteht. Überdies erkennt er das überirdische Leben an und bedauert nicht, von der Erde zu gehen, da er von der Rückkehr in die grobstoffliche Existenz weiß. Solch ein Mensch vermag ruhig zu entschlafen und sich, ohne das Bewußtsein zu verlieren, unvermittelt in der jenseitigen Welt wiederzufinden. Er wird keine Schmerzen empfinden, da sein feinstofflicher Körper nicht von etwa begangenen Verbrechen belastet sein wird, und von Gedanken ebenso unbelastet wird er schnell seine Umgebung verstehen. Er wird Furcht vertreiben, da er versteht, daß Gedanken ein starker Schild sind.
     Besonders wichtig ist, daß der Mensch auch in dem genannten durchschnittlichen Zustand ohne lange Traumphase auskommen kann. Er vermag unverzüglich zur Erkenntnissammlung und zur Arbeit überzugehen. Er vermag seine Gewandung selbst zu bestimmen und rasch Verbindungen zu nützlichen Mitarbeitern aufzunehmen. Er ist in der Lage, alle Vorzüge der Feinstofflichen Welt zu nutzen und die Annäherung an die höheren Sphären zu beginnen, und dies vor allem in vollem Wagemut.
     Heute schon wird ein solcher Mensch über die Feinstoffliche Welt wie über einen Zustand der Freude nachdenken, und in solchem Denken schafft er auch bereits die zukünftige Freude. Er wird seine früheren Kenntnisse festigen, indem er sie sich vergegenwärtigt; anderenfalls könnten sie nicht in sein Bewußtsein eingehen. Mögen die Menschen dessen eingedenk sein und das Wort verstehen: "Wer empfangen will - empfange!".
     Der Denker erinnerte an dieses Wort, da die Menschen sich ihrer Errungenschaften selbst berauben.



     330. Urusvati weiß, daß in der Feinstofflichen Welt viel Hilfe und Barmherzigkeit offenbart wird. Sogar dorthin, wo Rache und Haß lodern, lenkt der Führer ein übergroßes Maß an Hilfe und Ermahnungen. Natürlich widersetzt sich der freie Wille oft und zieht es vor, sich schweren Erfahrungen und Prüfungen zu unterziehen.
     Nehmt es nicht als einen Widerspruch, wenn Ich sage, daß jeder, der sich zur Verkörperung begibt, vorher eine Erleuchtung erfährt. Niemand wird von der Barmherzigkeit übergangen, und von jedem selbst hängt es ab, wie er dieses Wohl gebraucht. Ihr wißt sogar aus dem irdischen Alltagsleben, wie der nützlichste Rat abgelehnt wird. In der Feinstofflichen Welt beobachten Wir genau das gleiche, nämlich wie man die Erleuchtung entstellt.
     Die erneut von der Erde Zurückkehrenden bringen viele Überreste des dortigen Lebens mit herüber. Schlechte Einflüsse sind nicht allein auf der Erde stark. In diesem Zusammenhang können nicht ausgelebte Leidenschaften weniger schädlich sein als Vorurteile. Leidenschaften können die Bewegung unterstützen, von Unwissenheit bestimmte Vorurteile jedoch bilden einen Herd der Zersetzung. Aus dem Gesagten darf man nicht ableiten, daß Wir die Leidenschaften gutheißen würden; Wir weisen nur darauf hin, daß in der Bewegung der Keim fortschrittlicher Entwicklung enthalten sein kann, Unwissenheit aber bereits hoffnungslos ist. Unter Unwissenheit verstehe Ich bewußten Widerstand gegen Wissen, und solcher existiert auf der Erde wie in der Feinstofflichen Welt. Dort gibt es auch solche Ausgeburten, die behaupten, daß Wissen die Ursache der menschlichen Nöte sei.
     Ich wünsche, daß die Mitarbeiter sich die verschiedenen Schichten der Feinstofflichen Welt vor Augen halten. Man kann sich die Feinstoffliche Welt nicht schlimmer denn als Ort verschönten Wohllebens vorstellen! Die Erde stöhnt unter Mord, Gewalt und Lüge. Die Folgen der Verirrungen erfüllen auch die Feinstoffliche Welt. Wir sind nicht erstaunt, wenn die Menschen nicht einmal den besten Rat annehmen. Dies bedeutet, daß der Boden noch nicht bereitet ist.
     Sagt den Freunden ebenfalls, daß sie sich im irdischen Leben noch nicht darauf festlegen mögen, was sie in der zukünftigen Verkörperung zu sein wünschen. Der Grund liegt darin, daß die Feinstoffliche Welt derartige Möglichkeiten gewährt, daß irdische Begrenzungen und Maßstäbe sie nur schmälern können. Möge das irdische Leben Ausdruck bester Aufspeicherungen sein. Nicht selten beginnen die Menschen, über ihre zukünftige Verkörperung nachzudenken, nützlicher ist es jedoch, einen diesbezüglichen Entschluß



auf die Feinstoffliche Welt zu verlegen. Es kann nämlich geschehen, daß man nicht zur Erde zurückkehrt oder während einer längeren Frist für einen besonderen Auftrag in der Feinstofflichen Welt arbeitet. Solch ein Auftrag schafft größere Nähe zu der Arbeit der Bruderschaft.
     Ihr erinnert euch an den Arzt U., der sich während einer überaus langen Frist in der Feinstofflichen Welt aufhielt und der Menschheit große Hilfe erwies. Doch dieser Auftrag war ihm erst in der Feinstofflichen Welt klar geworden. Solch ein Auftrag steht in keinerlei Beziehung zu Faulpelzen, die neuen Prüfungen entgehen wollen und die nur durch die unausweichliche Frist auf die Erde zurückkehren.
     Man muß verstehen, daß die Fristen für alle existieren, doch die einen begrüßen sie, andere hingegen verdammen sie. Viele möchten rechtzeitig zur Frist zurückkehren, doch andere bemühen sich eifrig, dem zu entrinnen, wenigstens für eine kurze Zeit, für die sie sich sogar eine neue Arbeit in der Feinstofflichen Welt erfinden. Es lassen sich viele verschiedene Fälle nennen, doch jetzt sollen jene Aufträge hervorgehoben werden, die näher zur Bruderschaft führen. Bei solch einer Arbeit ist es möglich, auch ohne Verkörperung erfolgreich voranzuschreiten.
     Der Denker lehrte: "Unter allen Bedingungen können wir nützlich sein, und solche Bereitschaft ist bereits ein Sieg."

     331. Urusvati kennt viele Fristen. Die Menschen mögen sich wundern, daß vor zehn Jahren auf die Ereignisse in China und Spanien hingewiesen wurde. Auch bei vielen anderen Ländern wurde auf Evolution oder Involution hingewiesen. Man muß sich erinnern, daß die Hinweise manchmal in Symbolen gegeben wurden, so zum Beispiel in Form eines Bildes aus dem Dreißigjährigen Krieg, um auf die Verrohung Deutschlands hinzuweisen.
     Man könnte fragen, weshalb einige Voraussagen in bestimmter Form, andere dagegen nur in Symbolen übermittelt werden. Gründe dafür gibt es viele. So kann es sich um karmische Bedingungen oder Einbrüche des freien Willens handeln. Man kann ein Volk von Grobheit zurückhalten, der falsch verstandene freie Wille jedoch kann einen düsteren Bewußtseinszustand nur noch vertiefen.
     Desgleichen könnte man fragen, wie es möglich sei, irdische Ereignisse rechtzeitig vorauszusehen. Sollten sie sich in der Feinstofflichen Welt bereits genauso ereignet haben? Solch eine Vermutung entbehrt nicht



der Grundlage. Wahrlich, vieles nimmt in der Unbegrenztheit Gestalt an, dennoch läßt sich daraus nicht ableiten, daß irdische Handlungen grundsätzlich nur eine Widerspiegelung von Ereignissen seien, die bereits in der Feinstofflichen Welt stattgefunden hätten. Irdische Worte sind nicht zu finden, um die Koordinierung von Ereignissen auf den verschiedenen Ebenen zu beschreiben. Viele räumliche Wellen gestalten die kosmischen Vorgänge zu einem gemeinsamen Geschehnis.
     Ein Arzt kann anhand des Beginns einer Erkrankung ihren Verlauf beurteilen, doch vor einem tödlichen Ende lassen sich noch verschiedene Mittel anwenden. So können auch die Ausmaße von Ereignissen von vielen Einwirkungen abhängen. Unsere Einflußnahme wird immer auf den Nutzen ausgerichtet sein, doch deren Folgen muß man erkennen können. Bei einer bestimmten Beobachtungsgabe kann man sich davon überzeugen, daß viele Ereignisse sich in unerwarteter Weise aneinanderreihen. Ist da nicht die Annahme gerechtfertigt, daß die Führende Hand wirkte?
     Der Denker strebte danach, die Schüler an die Möglichkeit unerwarteter und von menschlicher Überlegung unabhängiger Entscheidungen zu gewöhnen.

     332. Urusvati weiß, daß im Fundament des Kosmos das Prinzip der Spirale angelegt ist. Das wird nicht nur durch die Physik, sondern auch durch die Evolution bestätigt. Das einfache Beispiel einer Schraube läßt die Bewegung der Evolution verständlich werden. Je mehr Windungen die Schraube aufweist, desto besser ist sie ihrem Zweck dienlich. Genauso ist es in der Evolution von Nutzen, daß ihre Spirale möglichst viele Umläufe hat.
     Gewöhnlich trifft es auf Erstaunen, daß das menschliche Bewußtsein mit bereits durchlebten Erfolgen und Niederlagen nochmals in nahe Berührung kommt. So könnte gefragt werden, weshalb man zurückkehren müsse, wenn man sich doch eigentlich nur vorwärtsbewegen könne. Eine solche Rückkehr ist jedoch nur eine scheinbare. Die Evolution kehrt nicht zurück, sondern verläuft nur jenseits früherer Etappen. Die Menschen klagen, daß sie erneut in Primitivität verfielen, doch diese Primitivität kann schon nicht mehr die frühere sein. Viele neue Faktoren sind zwischenzeitlich in das Leben eingegangen. Man darf das Leben nicht in einförmiger Weise betrachten, denn es schafft eine volle Synthese. Allein in solcher Vielfalt kann man sich davon überzeugen, daß der Umlauf der Spirale sich doch vollzogen hat.
     So wird vorstellbar, daß wir unsere früheren Behausungen passieren, allerdings schon auf einem höheren Umlauf. Das Symbol des Turmes läßt sich auch mit



einer Wendeltreppe darstellen, auf der die Menschen in die Unbegrenztheit schreiten. Es muß beständig an das Prinzip der Spirale erinnert werden, da es euch anderenfalls nicht gelingt, vielen Erfordernissen gerecht zu werden. Warum hat die Menschheit sich im Verlauf von Millionen Jahren nicht erfolgreich entwickelt? Dazu muß man verstehen, daß Evolution zwar schon vonstatten gegangen ist, der Kreis ihres Umlaufs jedoch sehr groß ist.
     Es ist richtig, daß die Menschen sich in Grobheit und Lüge versenkt haben, doch damit gemeinsam haben sie auch von vielen Wissensgebieten Besitz ergriffen. Die dadurch entstandenen Extreme sind nicht leicht zu harmonisieren, und darum ist es notwendig, die Menschheit zu lieben.
     Der Denker lehrte: "Nicht den Menschen, sondern die Menschheit sollt ihr lieben lernen."

     333. Urusvati weiß von den Ursachen, die den besonderen Aufbau unserer Gespräche begründen. Unwissende werden sagen, daß den Gesprächen gar kein System zugrunde liege, sondern es sich vielmehr nur um einen Haufen Aphorismen handele; vieles finde einfach durch die vorbeifließenden Ereignisse Eingang, und vieles werde grundlos wiederholt. So können nur Menschen sprechen, die von sich selbst ausgehen, ohne jedoch über die Notwendigkeit von Rhythmus, der einer Erweiterung des Bewußtseins dient, nachzudenken. Es ist unmöglich, die Gespräche nach einer formalen Aufgabenstellung einzuteilen.
     Man könnte ein Buch nur über die Freude verfassen, doch Wir bevorzugen es, einzelne Funken von Freude in Verbindung mit der Beleuchtung von verderblichen Gefahren zu geben. Jede Erörterung wird im Rahmen eines bestimmten Rhythmus gegeben. Ihr wißt, daß mehrere, sehr feine Seidengewänder übereinander getragen wärmer sind als ein Pelz. Wiederholung und schrittweise Aufschichtung ergeben eine außerordentlich große Ansammlung der psychischen Energie, doch muß die Aufschichtung in bestimmtem Rhythmus erfolgen.
     Es wäre nicht nützlich, nur eine bestimmte Gruppe von Nervenzentren zur Tätigkeit anzuregen. Das Studium der Lebensgrundlagen ist vielgestaltig, und das Vollenden ihrer Facetten kann daher nicht einförmig sein. Man muß verstehen, wieviele Lebensaspekte sich allein im Verlauf eines einzigen Tages vor den Menschen auftun! Die daraus resultierenden Aufschichtungen von Rhythmen und Reflexen sind verschiedenartig, und schon der gewöhnlichste Erdbewohner gestaltet sich zum Mitbeteiligten vieler Ereignisse. Es mag sein, daß er solche Komprimierungen nicht wahrnimmt, doch sie existieren, und wenn man daher von den Lebensgrundlagen spricht, muß man auch in all ihrer Vielgestaltigkeit an sie herangehen.
     Es kann nicht nur eine einzige Freude geben, sondern nur eine unendliche Vielzahl von Freuden, und



jede von ihnen berührt eine besondere, jeweils andere Verbindung von Nervenzentren. Möge man mehr über Rhythmus und Vielgestalt nachdenken.
     Der Denker bestätigte, daß jede gute Handlung rhythmisch sei.

     334. Urusvati weiß von der Magnetisierung von Gegenständen. Ihr habt euch davon überzeugt, daß die psychische Energie in der Lage ist, Wasser zu magnetisieren. Mineralhaltige, und zwar besonders eisen- und lithiumhaltige Wässer nehmen einen Magnetismus sehr gut auf. Das ist keine Magie, sondern ein wissenschaftlicher Vorgang. Es läßt sich gleichfalls sehen, daß solches Wasser den Magnetismus nach und nach wieder verliert, wenn die energetische Einflußnahme eingestellt wird. Das gleiche geschieht auch mit allen Gegenständen. Es ist wichtig, daß die Einflußnahme des Magnetiseurs selbst aufrecht erhalten bleibt.
     In der Tat kann der Magnetismus auf Gegenständen über ganze Jahrhunderte hinweg erhalten bleiben, wenn die Person, die ihn aufgeschichtet hat, ihre Einwirkung nicht jäh einstellt. Das bedeutet, daß der Magnetismus nicht eigentlich im Gegenstand vorhanden ist, sondern in der Person. Eine Entmagnetisierung kann mittels eines bestimmten Verfahrens vorgenommen werden; diesen Umstand muß man beachten.
     Es hat Fälle gegeben, da magnetisierte Gegenstände in die Hände schlechter Menschen fielen, die die heilsame Energie mißbrauchen konnten. Dann ist es unerläßlich, den Magnetismus der Dinge zu unterbinden. Möge die Energie nur dort bleiben, wo eine gute Verbindung gewahrt ist. Dieses Gesetz ist sehr wichtig, denn auf dem Markt kann man ehemals verehrte Gegenstände finden, die später zu einer Quelle von Eigennutz wurden.
     Besonders beachten muß man, daß Mineralien die Einwirkung der psychischen Energie leicht aufnehmen. Auf ihnen leben weniger Mikroorganismen, und die Energie ist daher weniger Veränderungen unterworfen. Schlechter steht es mit textilen und ledernen Gegenständen. Die Mikroorganismen eignen sich die Energie leicht an, und es ergibt sich eine besondere, komplizierte Substanz. Daher raten Wir, solche Gegenstände besser dem Feuer zu übergeben.
     Vor langem wurde gesagt, daß auch der stärkste Talisman in bösen Händen kraftlos sei. Ein Fluch vermag über viele Jahrhunderte hinweg wirksam zu sein, ein guter Talisman jedoch wird in bösen Händen keine Wirkung zeigen. Eine besondere Beschwörung kann die Wirkung von Gegenständen sehr verstärken, wenn diese sich lange in dem Raum befanden, in dem die Beschwörung vollzogen wurde.
     Nun jedoch möchte ich auf eine andere Eigenschaft hinweisen. Es ist nicht der eigentliche



Gegenstand, sondern die Energie, die erneuert oder deren Fluß auch unterbunden werden kann. Mögen Räuber nicht denken, daß man lebendige Energie stehlen könnte. Der Räuber wird vor einer leeren Grube stehen. So wandelt sich Magie in einen wissenschaftlichen Vorgang. Wer Ohren hat, der höre.
     Über die Einwirkung von Gedanken auf Gegenstände haben wir bereits gesprochen. Wahrlich, es ist leichter zu magnetisieren als zu entmagnetisieren, doch ein konzentrierter Wille vermag einen Magnetismus von einem Gegenstand abzuziehen, wenn der ursprüngliche Magnetiseur dies vollzieht. Wir bestätigen, daß entmagnetisierte Gegenstände geradezu entgegengesetzt wirken. Nachdem die lebendige Energie von ihnen abgezogen wurde, sind sie dem Chaos offen ausgesetzt. Es gibt keine Legende, die in ihrer Grundlage keine wissenschaftliche Wahrheit beinhaltet. Man hat gesagt, der Gedanke sei das Gewand eines Gegenstandes. In diesem Wort kommen die Aufschichtungen der Gedanken und Energieausflüsse des Gegenstandes zum Ausdruck.
     Der Denker riet, Gegenstände, die mit guten Wünschen gegeben worden sind, sehr gut zu verwahren. Er sprach: "Wir sind nicht abergläubisch, sondern Gelehrte, und deshalb wissen wir, daß eine Hand, die eine Gabe von Herzen übermittelt, ein Teilchen ihrer Seele hingibt."

     335. Urusvati weiß, daß Begegnungen mit Dienern der Finsternis durchaus nicht so selten stattfinden. Deren Verschiedenartigkeit muß man kennen. Sie können abstoßende Gesichter haben, die man rasch erkennen wird, doch gibt es auch solche, die von Glanz umgeben sind. Allein ein erweitertes Bewußtsein vermag das Wesen dieser Personen zu erfühlen.
     Man könnte fragen, ob auch Uns solche Feinde begegnen. Dies geschieht oft, und nahezu immer müssen Wir nicht nur mit ihnen kämpfen, sondern auch reden. Sie lassen keine Gelegenheit aus, um sich bei Unseren Reisen zu nähern und die Energie auszunutzen. In diesem Zusammenhang muß man ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen - sie scheuen keine Mühe und sind zur Selbstaufopferung bereit. Sie ertragen den bei der Berührung mit den ihnen innerlich fremden Energien und Strömen ausgelösten Schmerz. Es ist bedauerlich, daß sogenannte Diener des Wohls bei weitem nicht solche Hingabe äußern.



Es läßt sich sagen: Nicht jene, die die Wahrheit in rasender Wut verwerfen, sind gefährlich, auch nicht jene, die in einer abstoßenden, falschen Weise die Wahrheit verkünden, doch gefährlich sind die teilnahmslosen, geistig hoffnungslos Toten, die durch kein Wort der Wahrheit in Bewegung versetzt werden können. Lästerer und Pseudoverkünder wissen nicht, daß sie Aufmerksamkeit erregen. Über solche Finsteren kann man nur lächeln. Irgendetwas nötigt sie, alle Energie aufzubringen und laut über die Wahrheit zu schreien. Während Anhänger des Guten fast unhörbar flüstern, zerreißen sich die Krieger der Finsternis, um die Nichtexistenz der Wahrheit darzulegen. Urteilt selbst, was denn mehr Nutzen bringt - vorsichtiges Flüstern oder megaphonverstärkte Lästerungen.
     Wenden wir unseren Blick in die Vergangenheit und sehen, daß die lichtesten Bewegungen infolge des Zorns der Schmäher ins Leben gerufen wurden. Wenn die Wahrheit nicht existierte, bräuchte man sich ihretwegen auch nicht zu zerreißen, doch wenn die Wahrheit lebt, erweist sich ihre Lästerung als ihre Verkündigung - dies haben Wir den Feinden nicht nur einmal gesagt. Es gibt jedoch ein Gesetz, das all ihre eifrigen Bemühungen in eine Verherrlichung der Wahrheit münden läßt. Ebenso schaffen auch die Pseudoverkünder einen Nutzen, indem sie den Massen mit Eifer von der Wahrheit reden. Mögen sie daher ihre Verkündigung fortsetzen und selbst nicht wissen, was sie damit Gutes tun. Die Schale wird abfallen, doch die Bewegung der Wasser andauern.
     Der Denker sprach nach dem Besuch eines Unbekannten: "Er ist kein guter Mensch, doch spricht er viel von der Wahrheit. Möge die Wahrheit verherrlicht werden!"

     336. Urusvati weiß, wie sehr Wir Uns um jede Entstellung der Wahrheit grämen. Auch wenn Wir sagen, daß Pseudoverkünder weniger gefährlich seien als gefühllose, geistig tote Menschen, so ist diese Gegenüberstellung dennoch sehr relativ. Wir wollen die Pseudoverkünder nicht rechtfertigen - dies muß man sich einprägen! Anderenfalls könnten die Menschen falsche Schlußfolgerungen ziehen.
     Jeder weiß, daß die Pseudoverkünder um ihres eigenen Vorteiles willen arbeiten, und solch ein Umstand hat mit der Lehre über ein neues Leben nichts gemein. Man kann die Pseudoverkünder fragen, ob sie viel Silber angehäuft hätten. Jeder von ihnen wird schweigen. Sie verstehen sehr wohl, daß die Lehre für sie - eine Milchkuh - darstellt. Die Menschen vermögen es jedoch nicht zu verstehen, wie man an einem Tag davon sprechen kann, daß Pseudoverkünder nicht gefährlich seien, sie am anderen Tag aber mißbilligt.
     Relativität und Gegensätzlichkeit werden viel zu wenig verstanden. Die irdischen



Verhältnisse sind jedoch derart komplex, daß ein ungewaschener Mensch im Vergleich mit einem Schornsteinfeger als sauber erscheint. Wir werden nicht müde zu wiederholen, daß das Harmagedon auch in den zahlreich herbeigeströmten Pseudoverkündern zum Ausdruck kommt. Sie treten in allen Ländern auf. Sie verstehen es, das zu bestätigen, was die Masse wünscht. Wir werden solche lebenden Grimassen nicht zugrunde richten, doch sie verursachen wahrhaftig Kümmernis.
     Die Verzerrung der Wahrheit kann bewußt oder unbewußt erfolgen. Die Menschen werden beteuern, daß sie sich einer Verzerrung nicht bewußt seien, doch gerade sie, die so sprechen, handeln größtenteils bewußt. Der Unterschied besteht nur darin, daß es Bewußtheit in verschiedenen Graden gibt. Oft läßt sich sehen, daß die unwahrscheinlichsten Übertreibungen erfunden werden, und dies nur um eines kleinen eigenen Vorteiles willen, um die Eigenliebe zu befriedigen oder eine Handvoll Silber zu erhalten. Dabei wird vergessen, wie unvergleichbar ein erbärmlicher Almosen mit der Größe der von ihnen in Erschütterung versetzten Wahrheit ist.
     Es ist unmöglich, die Windungen menschlichen Denkens zu begreifen, das miteinander unvergleichbare Begriffe in die Waagschale wirft, doch die Menschen werden sich damit rechtfertigen, daß sie die Wahrheit nicht gekannt hätten und sie somit auch nicht hätten entstellen können.
     Ihnen muß man sagen: Wenn ihr die Wahrheit nicht kennt, so seid ihr dennoch in der Lage, nach ihr zu streben und in solchem Bestreben ihre primären Merkmale lieben zu lernen. Das Wichtigste ist, diese Merkmale lieben zu lernen, dann werdet ihr auch keine Verräter.
     Der Denker rief aus, als er einmal eine Staubwolke auf dem Weg erblickte: "Wer geht dort - ein guter Bote oder ein Mörder? Doch - das Herz weiß, daß sich kein Mörder nähert."

     337. Urusvati liebt die Verbindung mit Uns. Man kann sie weder anordnen, noch kann der Verstand sie veranlassen, allein die Liebe vermag sie ins Leben zu rufen.
     Achtet darauf, was Ich sage. Nicht selten versammeln sich Menschen, um gemeinsam ihr Denken zu konzentrieren, und solch eine Übung ist gut. Ebenso kommen Menschen zusammen und senden Gedanken zur Rettung der Welt aus, und solches Bestreben ist lobenswert. Desgleichen senden Menschen Gedanken zum Zweck einer Heilung aus, und solche Sendungen sind gutzuheißen. Zur Zeit gibt es viele Zusammenkünfte, in denen Menschen versuchen, Gedanken mit guten Zielen auszusenden. Doch die Verbindung mit Uns läßt man seiner Aufmerksamkeit entgehen. Indessen würde sie auch bei vielen anderen guten Vorhaben behilflich sein.



     Eine Gruppe von Menschen, die sich auf ihre Weise um Vereinigung und Erstarkung des Denkens bemüht, verurteilen Wir nicht. Sie handelt auf ihre Weise würdig. Doch um wieviel mehr könnten solche Menschen ihre Sendungen verstärken, wenn jeder von ihnen die Verbindung mit Uns lieben lernte! Jeder vermag einen, wenn auch nur kleinen Teil seiner Zeit der gedanklichen Vereinigung mit Uns zu widmen, doch allein die Liebe kann einer solchen Brücke förderlich sein.
     Es ist dafür nicht nötig, sich mechanisch anzuspannen. Nicht nötig sind Errechnungen und Wiederholungen von hunderterlei Namen. Notwendig allein ist, solche augenblickliche Hinwendung lieben zu lernen und zu fühlen, welch herrliche Flügel dadurch erwachsen. Wir schätzen jede solcher Brücken der Liebe. Sie werden auf dem Fundament der Liebe zur Arbeit errichtet. Und so wird die Verbindung mit Uns auch auf Liebe zur Arbeit gegründet sein. Natürlich kann jede Harmonie verletzt werden, und solche Risse sind dann schwer wieder zu heilen.
     Der Denker sprach angesichts einer zerbrochenen wertvollen Amphora: "Groß ist die Kraft des Menschen; er vermag das schönste Gefäß zu zerschlagen."

     338. Urusvati weiß, wie reichlich der Mensch mit mächtigen Substanzen ausgestattet ist. Das chemische Laboratorium im Menschen ist eine außergewöhnliche Erscheinung. Wahrlich, man kann sagen: Nirgends können so viele Kräfte konzentriert werden wie im menschlichen Organismus. Nicht aufgrund eines Zufalls existierte früher die Theorie, daß der Mensch sich von allen Krankheiten mittels seiner Absonderungen heilen könne. Vergessen wir auch nicht, daß der menschliche Chemismus sich als überaus fein erweist, da er sich unter dem Einfluß der psychischen Energie vollzieht, die sich ihrerseits in beständiger Verbindung mit den räumlichen Strömen erneuern kann.
     Stark ist das menschliche Gift - und heilsam die psychische Energie. Wenn Ich über die notwendige Ausgeglichenheit der psychischen und körperlichen Wechselbeziehungen spreche, gebe Ich diesbezüglichen Rat nicht allein als Humanist, sondern auch als Arzt. So rate Ich beispielsweise dazu, die Milz in reinem, gesundem Zustand zu halten und weise in diesem Zusammenhang darauf hin, mit aller Kraft eine feierliche Geistesverfassung zu wahren. Es scheint vielleicht unverständlich zu sein, was die Milz und eine feierliche Geistesverfassung gemeinsam haben. Doch die Milz ist ein Organ der Harmonie, des Ausgleichs, und daher ist es notwendig, sie mit einer hochstehenden Geistesverfassung in reinem, gesundem Zustand zu halten. Die Menschen meinen, psychische Einwirkungen seien nur für das Nervensystem



notwendig. Keineswegs, denn solche Einflußnahmen sind für viele Organe nötig. Das Beispiel der Milz ist hierbei besonders charakteristisch. Ich führe gerade die Milz an, da man sich an dieses Organ im Alltag weniger als an die anderen erinnert, obwohl gerade sie besonderer Aufmerksamkeit bedarf.
     Wir sind überaus bekümmert, wenn Wir sehen müssen, daß Harmonie verletzt wird. Stellt euch vor, daß ein Einfluß auf eine bestimmte Anzahl Menschen stattfindet, doch dann ein oder mehrere Teilnehmer aus der Gesamtheit herausfallen. Man kann sich vorstellen, welche Perturbationen sich in den Strömen vollziehen werden und wieviele Gefahren entstehen können! Es kommt auch vor, daß ein Kranker anstelle der ihm zugeteilten Dosis eines Medikaments eine für viele Male bestimmte Portion zu sich nimmt, mit den entsprechend möglichen entsetzlichen Folgen. So lassen sich viele Beispiele aus dem ärztlichen Bereich anführen. Sie erinnern daran, daß die Einheit der psychischen und chemischen Einwirkungen unauflösbar ist.
     Der Denker sprach: "Ich vermag der Masse nicht ihre gesamte Last abzunehmen."

     339. Urusvati weiß, daß der Mensch in der Not erkennbar wird - ganz nach irdischer Gewohnheit. Wir bezeichnen diesen Sachverhalt nicht als Gesetz, da ein Gesetz für jede Art von Erschütterung gültig sein müßte. Es wäre anzunehmen, daß Begeisterung und Glück den Menschen stärker als Leid erschüttern sollten, doch sogar ein nur eingebildetes Glück läßt den Menschen meist gefühllos werden. Es stellt eine häßliche Situation dar, wenn ein Mensch nur im Unglück eine Verfeinerung seiner Gefühle erreichen kann.
     Im Verlauf vieler Generationen haben die Menschen sich daran gewöhnt, Nöte als von den Göttern gesandtes Unglück anzusehen. Der Mensch vergißt nicht, um Hilfe zu flehen, doch sehr selten dankt er für empfangenes Glück. Über diesen Widerspruch lohnte es eigentlich nicht zu sprechen, doch vom Standpunkt wissenschaftlicher Erfahrung muß darüber geschrieben werden.
     Hochgradige Verwirrung ist das Abbild elender Gefühle. Es läßt sich beobachten, welche Zickzacklinien auf einem Bildschirm aufflackern, während die Darstellung von Begeisterung einen schönen Kreis formt. Man kann sich davon überzeugen, daß die Verwirrung nicht nur Gifte entstehen läßt, sondern auch die Organe in eine gewisse Erstarrung versetzt. Das gesamte Laboratorium des Organismus geht in eine Desorganisation über. Solche Form der Erstarrung bezeichnen Wir als Tod der psychischen Energie.



     Nicht selten fällt ein auf solche Weise erschütterter Mensch in Bewußtlosigkeit. Hierbei darf man diese Bewußtlosigkeit nicht mit Lethargie verwechseln. Bewußtlosigkeit ist eine Erstarrung, Lethargie hingegen ist von Arbeit des Bewußtseins erfüllt. Ein Mensch fällt selten durch äußere Erschütterung in Lethargie. Die Ursache der Lethargie ist unvergleichlich feinerer Art. Der betroffene Mensch wird nicht selten während der lethargischen Phase von den Keimen gefährlicher Erkrankungen geheilt. Keineswegs darf die Lethargie selbst als Krankheit angesehen werden. Sie stellt, für sich genommen, eine ungewöhnliche Erscheinung dar.
     Man kann nur bedauern, daß die Lethargie in der Phase ihres Auftretens sehr einseitig betrachtet wird. Die Hauptsache besteht nicht darin, den Schlafenden zu ernähren, sondern es müssen der Pulsrhythmus und die Hirnreflexe studiert werden. Der Schlafende darf nicht mit Gewalt geweckt werden, da er andere Welten sieht. Er ist fähig, vieles zu erzählen, wenn er aufmerksam gefragt wird.
     Die Volkskunst bewahrt Erzählungen von schlafenden Königstöchtern und in Bewegungslosigkeit versetzten Hünen. Das Volk hat weise erfaßt, wie ein solch besonderer Zustand sich ereignet, der dann von vertiefter Tätigkeit und Heldenmut abgelöst wird. Wahrlich, die Medizin der Zukunft wird in der Lage sein, solche Phasen zur Erneuerung der Kräfte einzuleiten. In fernem Altertum wurden solche Versuche bereits durchgeführt.
     Ihr wißt, daß sich bei Uns eine ähnliche Erscheinung während langer Flüge vollzieht. Man muß jedoch alle Fürsorge aufwenden, um die Anzeichen des Erwachens nicht zu versäumen. Unter gewöhnlichen Bedingungen ist es schwer achtzugeben, und es ist möglich, die aufschlußreichsten Anzeichen zu versäumen, so daß der Betreffende anschließend alles vergißt und sogar unter dem Zwang ungeschickter Fragen zu versichern beginnt, er erinnere sich an nichts. Davon haben wir schon gesprochen.
     Man kann jedoch nicht sagen, daß solche Versuche in Unserer Wohnstatt oft stattfanden. Außerhalb der Zeiten, in denen eine gemeinsame Anspannung erforderlich ist, dürfen Wir keinerlei Erscheinung versäumen, und jeder Wille ist angespannt. Dereinst werden die Menschen sich wundern, daß sie sich infolge von Nöten verfeinert haben, wobei sie aber viele Möglichkeiten zu einer Erhöhung des Bewußtseins verstreichen ließen. So muß man sich vorstellen, wieviele verschiedene Möglichkeiten Wir der Menschheit gewähren.
     Der Denker sprach: "Stammt der Mensch etwa vom Stein ab, da es für Funken der Schläge mit einem harten, spitzen Gegenstand bedarf?"



     340. Urusvati weiß, daß der menschliche Organismus unter natürlichen Bedingungen sehr wohl selbst in der Lage ist, mit Krankheiten zu kämpfen. Dies bedeutet, daß es nötig ist zu wissen, welcher Art der Organismus und wie die Bedingungen sein müssen. Der Mensch muß nach Möglichkeit danach trachten, die physisch vererbbare Konstitution weniger zu belasten und sie zu bessern. Dafür muß die Regierung Maßnahmen ergreifen, und zur Zeit beginnt man bereits, darüber nachzudenken. Doch weniger Gedanken macht man sich über die natürlichen Lebensbedingungen. Die Bemühungen in dieser Hinsicht laufen auf primitive hygienische Maßnahmen hinaus, doch die wesentlichste Lebensgrundlage wird unbeachtet gelassen.
     Es ist unmöglich, die Gesundheit aufzubauen, ohne ihren psychischen Aspekt zu beachten. Ein Beispiel: Menschen gehen in ein Sanatorium, um ihre Gesundheit wiederherzustellen und geraten dort in eine zufällige Gesellschaft lauter Kranker. Es ist unmöglich vorstellbar, eine solche Umgebung könnte die psychische Seite des Organismus gesund werden lassen. Im Gegenteil, die Ansammlung von Kranken, deren Aufmerksamkeit auf ihre Krankheit konzentriert ist, kann eine krankhafte Ängstlichkeit nur noch verstärken und sogar eine Verschlimmerung auslösen.
     Man muß sich des Altertums erinnern, da Kranke in die Einsamkeit hinausgingen und Umgang nur mit der Natur pflegten. Dabei taten sie dies nicht nur im Falle ansteckender Erkrankungen, sondern auch, wenn der Organismus einer Erneuerung bedurfte.
     Nicht zufällig bauen sich gewisse Menschen transportable Häuser oder ziehen es vor, in Zelten zu wohnen. Gewiß, eine Ansammlung vieler Zelte führt natürlich wieder zu städtischen Bedingungen. Auf der anderen Seite beginnen die Menschen jedoch, von Einsamkeit zu träumen, und darin kommt der Instinkt von Selbsterhaltung und Gesundung zum Ausdruck. Wir senden Gedanken zur Gesundung aus, doch zu einer richtig verstandenen natürlich. Besonders jetzt muß über Gesundung nachgedacht werden. Die Menschen wissen, daß die Zerstörung des Nervensystems den äußersten Grad erreicht hat. Sie verstehen, daß es unmöglich ist, sich auf einem Weg der Verwesung fortzubewegen. Doch nur wenige vermögen es, über die Bedeutung der Gesundheit in ihrem ganzen Sinn nachzudenken.
     Nicht eine Psychologie kalter Erörterungen ist erforderlich, sondern erleuchtetes Bestreben zur Gesundung. Es sind Fälle bekannt, da Stadtbewohner sich als einfache Arbeiter verdingten, um aus der Routine des Stadtlebens herauszukommen. Der Entschluß ist lobenswert, wenn es gelingt, großen Menschenansammlungen bei der Arbeit zu entgehen.



     Erinnern wir uns verschiedener Bemühungen, bei denen Menschen die Notwendigkeit spürten, die ungesunden Lebensbedingungen zu verändern. Das Streben zur Natur muß mit psychischem Entflammen gepaart sein, da der Suchende anderenfalls beim ersten Regenguß zu weinen anfängt. Es wird eine Zeit kommen, da die Ärzte verstehen werden, daß der Organismus fähig ist, selbst gegen die Krankheiten zu kämpfen.
     Der Denker sprach: "Sogar ein Hund duldet es nicht, daß man ihn in der Zeit einer Erkrankung stört. Ist der Mensch etwa schlechter als ein Hund?"

     341. Urusvati weiß, daß die Harmonie des Lebens die Gefühle des Menschen verfeinert. So braucht man also nur die Harmonie herzustellen, und unter ihrem Einfluß wird sich alles verfeinern und emporentwickeln. Das scheint einfach zu sein. Die Menschen werden in äußeren Erscheinungen suchen, das eigentliche Wesen der Dinge jedoch übersehen. Der Wilde lebt in bester Naturumgebung, kann jedoch weit von der Harmonie entfernt sein. Der Städter ist von alltäglicher Hast erdrückt und kann an Harmonie gar nicht denken. Sogar der feinsinnige Philosoph ist erstickt von der Sorge um den Verdienst. So erweist sich das Grundlegendste als vergessen.
     Die Menschen verstehen nicht, daß der Weg zur Harmonie in der Kunst des Denkens besteht. Viele Betrachtungen sind notwendig, um das Wohl der Harmonie zu spüren. Doch gerade die Kunst des Denkens vermag die Gefühle zu verfeinern. Wie aber zu solcher Kunst finden? Man kann überzeugt sein, daß der Analphabet sie dereinst beherrschte, während der noch so Belesene sich nicht einmal vorzustellen vermag, worin solche Kunst besteht.
     Wie soll man dem Menschen von der Kunst des Denkens erzählen? Viele fassen diesen Rat als mißglückten Aphorismus auf. Wie soll man ihnen sagen, daß Unsere Weltanschauung auf dem Denken in die Unbegrenztheit gegründet ist? Bei solcher Aufgabenstellung erscheinen die irdischen Maßstäbe als unwichtig und leicht zu bewältigen. Man braucht den Begriff der Harmonie nicht zu fürchten, er ist auf alle Lebensformen anwendbar. Jeder Mensch kann in sich die Wahrnehmung von Harmonie hervorrufen. Diesen Zustand kann man mit verschiedenen Namen belegen, doch sollte der Mensch verstehen, daß es ihm beschieden ist, sich früher oder später zur Wahrnehmung der Harmonie weiterzuentwickeln, zu einer Harmonie, die auf der Kunst des Denkens beruht.
     Der Denker lehrte Seine Schüler, sich als Künstler zu empfinden - so könnten sie neue Aspekte der Harmonie schaffen.



     342. Urusvati weiß, wie hartnäckig die Kräfte des Chaos kämpfen. Der Widerstand gegen sie muß ein bewußter sein. Allein mit dieser Eigenschaft kann man die von den bösen Kräften genutzten Elemente überwinden. Zwei Strömungen lassen sich unterscheiden: Die eine wirkt räumlich chaotisch, die andere übt chaotische Wirkung auf einen schwachen menschlichen Willen aus. Sogar gute Menschen können Opfer eines chaotischen Ansturms sein.
     Unter den Ereignissen lassen sich solche feststellen, die mit nichts anderem als mit einem Ansturm des Chaos erklärbar sind. Ihr habt von einem Mädchen gehört, welches mit der Kraft der psychischen Energie zu heilen vermag. Gegen sie wird ein Ansturm böser Kräfte geführt. Sogar durchaus nicht schlechte Ärzte erheben sich, um die nützliche Heldentat zu verhindern. Solcher Beispiele gibt es viele in verschiedenen Bereichen. Dabei fällt auf, daß auch Menschen sich erheben, die keinerlei Nachteil zu befürchten haben.
     Man kann erstaunt sein, daß scheinbar gebildete Menschen sich nicht schämen, sich zu beschmutzen, indem sie eine überaus nützliche Tat verhindern. Weshalb verwildern sie und führen solch schändliche Rede? Sind sie vielleicht besessen? Auch das geschieht nicht selten. Neben diesem Tatbestand können auch noch durch Wellen des Chaos verursachte Bedrückungen stattfinden; solch ein Umstand verdient wissenschaftliche Beachtung. Es tritt zeitweise eine Art von Verdunkelung der Gefühle auf, und die Menschen können dann schändlichsten Ereignissen folgen, ohne zu wissen, was sie eigentlich tun. Nach einiger Zeit schämen sie sich selbst, doch die Tat ist vollbracht, und Karma hat bereits feste Gestalt gewonnen.
     Man wird fragen, ob es gerecht sei, daß Menschen für solche Bedrückungen durch das Chaos verantwortlich wären. Doch sie hätten dem widerstehen können, wenn ihr freier Wille auf der Wacht gestanden hätte. Man kann Menschen, die sich selbst blenden und ihre Nachlässigkeit rechtfertigen, nicht ganz von einem Vorwurf freisprechen. So muß man zwischen bewußten Dienern der Finsternis und den vom Chaos unbewußt bedrückten Tagedieben unterscheiden. Letztere dienen der Finsternis ebenfalls und verursachen mitunter größeren Schaden als die eigentlichen Finsteren. Man muß die Ströme des Chaos vom wissenschaftlichen Standpunkt aus erklären. Mögen die verschiedensten Menschen davon erfahren, denn solche Dienste an der Finsternis gibt es in den verschiedenen grobstofflichen wie feinstofflichen Sphären.
     Der Denker warnte immer wieder vor dem Ansturm des Chaos.



     343. Urusvati weiß, daß Wir das Leben der Tiere intensiv beobachten. Bei Uns werden Hunde, Ziegen, Yak-Rinder, Pferde, einige Kleintiere und Vögel gehalten. Wir studieren nicht nur ihre psychische Energie, sondern verwenden sie auch für medizinische Experimente. Natürlich lassen Wir keine Vivisektion oder Quälerei zu, sondern die hauptsächliche Aufgabenstellung besteht in der psychischen Energie der Tiere. Wir bilden sie nicht unter Zwang aus, sondern ergründen ihre Gedankenwelt. Allein bei solcher Annäherung kann man Vertrauen erwarten.
     Die Beobachtung des Denkens und der Sprache der Tiere kann zu den unerwartetsten Schlußfolgerungen führen. Die Sprache der Tiere besteht nicht nur in Lauten, sondern kommt besonders in Gebärden und Blicken zum Ausdruck. Solche Äußerungsformen erinnern ein wenig an die Umgangsweise in der Feinstofflichen Welt.
     Die Menschen nehmen an, daß man mit den Tieren sprechen müsse. Solch eine Umgangsform führt nicht immer zu besten Ergebnissen. Die Tiere verstehen Gedanken noch besser. Sie bedürfen keiner Worte, um die Verfassung ihres Herrn unfehlbar zu erkennen. Pferd und Hund verstehen ausgezeichnet, wann ihr Herr fröhlich, bekümmert oder unruhig ist. Sie erschrecken, wenn sie bei ihrem Herrn Angst spüren. Sie beginnen, um sich zu blicken, wenn das Denken des Herrn unruhig ist. Sie verstehen die Situation bei weitem besser, als die Menschen sich vorstellen. Man muß jedoch vor allem das Vertrauen bei den Tieren schaffen, und dieses grundlegende Gefühl entsteht nicht leicht. Die Erfahrung mit den Tieren jedoch hilft bei allen psychischen Möglichkeiten.
     Den Psychiatern kann man raten, Beobachtungen an Tieren anzustellen, was viele Rätsel lösen wird. Seit ältesten Zeiten hat es vereinzelt Hinweise auf die besondere Bedeutung der Tiere im Leben des Menschen gegeben. Es war bekannt, daß Tiere die psychische Energie unterstützen, doch können sie auch Wesen aus der Feinstofflichen Welt anziehen. Solche Art psychischer Energie kann wohltätig, aber auch sehr gefährlich sein. In jedem Fall muß man besonnen vorgehen. So darf man die Tiere nicht in unmittelbarer Nähe zulassen. Es muß in allem Zweckmäßigkeit herrschen. Die Beobachtungen an Tieren sind jedoch nützlich.
     Der Denker lenkte die Aufmerksamkeit immer wieder auch auf das Denken der Tiere. Solch ein Rat begegnete dem Spott, da die Tiere keinen Verstand hätten. Der Denker war



auf solche Weise bestrebt, die Menschen frühzeitig über die in der ganzen Welt verbreitete psychische Energie in Kenntnis zu setzen.

     344. Urusvati weiß, wie schwer die Bürde der Welt ist. Es läßt sich daran erinnern, wie Unsere Schwester, die in Siena gelebt hat, litt. Man muß die Aufmerksamkeit auf die Verbindung ihrer Schmerzen mit vielen Ereignissen in Frankreich und Spanien lenken. Es traten bei ihr unerträgliche Schmerzen im Bereich des Sonnengeflechts auf. Anhand des Auftretens dieser Schmerzen sah sie das Herannahen von Ereignissen voraus. Dabei wirkten sich ferne Ereignisse oft stärker aus als ganz nahe. So läßt sich eine besondere Verbindung mit vergangenen Leben finden.
     Die Erscheinungen starker Erschütterungen konnten nicht zum Abklingen gebracht werden, da es der Schwester nicht gelang, den Ärzten eine Mitteilung zu machen. Mit hohen Dosen starker Medikamente versuchten die Ärzte, die Schmerzen abzustellen, doch wie üblich verstanden sie die wahre Ursache nicht. Auch heute verstehen die Menschen feinstoffliche Einwirkungen nicht. Solch wirres Verständnisvermögen stört die Wissenschaft nur.
     Zur Zeit der Schwester aus Siena erreichte auch die Telepathie keine Anerkennung. Jetzt wird viel über Telepathie gesprochen, doch wird jedes ihrer Merkmale in Zweifel gezogen. Man kann sich wundern, daß sogar in besonderen wissenschaftlichen Gesellschaften in bezug auf solche Erscheinungen nur Zweifel geäußert werden und damit ihre Entwicklung verhindert wird.
     Ihr habt von der Ankunft eines Arztes gehört, der geschickt worden ist, um feinstoffliche Erscheinungen zu erforschen. Es ist unmöglich, Wirkungen zu erwarten, wo sämtliche umgebenden Bedingungen einen Forschungserfolg nicht begünstigen. Wir möchten solchen Forschern helfen, doch muß wenigstens ein Berührungspunkt gefunden werden. Gerade dies ist überaus schwer.
     Urusvati könnte dem Forscher viele überzeugende Einzelheiten mitteilen, doch müßten sie vollständig angehört und mit gewissen Beobachtungen verglichen werden, die von Unseren Schwestern und Brüdern in früheren Leben auf der Erde hinterlassen worden sind. Auf solche Weise ließe sich die Evolution der Berührungen mit den feinsten Energien verfolgen.
     Der Denker erfuhr oft selbst Schmerzen und brachte sie mit den Ausstrahlungen der Planeten in Zusammenhang.

     345. Urusvati weiß, daß das menschliche Leben von einer Vielzahl feinster Gefühle und Einwirkungen erfüllt ist. Seelische Unausgeglichenheit, diese entsetzliche Plage, verhindert



ein Verstehen dieser herrlichen Gaben. Nach Millionen von Jahren versteht die Menschheit immer noch nicht, wie Harmonie zu erreichen ist.
     Was sehen wir inmitten des Jahrhunderts, das sich seiner Entdeckungen rühmt? Entweder verneinen die Menschen rundweg alles jenseits irdischer Grenzen, oder sie fallen in verhängnisvolle Störungen des Gleichgewichts. Solche Menschen vergessen ihre unmittelbare Pflicht gegenüber der Erde und beginnen, im Nebel abstrakter Überlegungen umherzuirren. Wenn es sich gar findet, daß ein Mensch Harmonie erreicht hat, beginnt man, ihn besonders zu hassen.
     Laßt uns solche Bosheit nicht allein den Kräften der Finsternis zuschreiben; jene, die man als ehrenwerte Bürger bezeichnet, sind in der Lage, alles Harmonische zu hassen. Sie ertragen es nicht, wenn sie eine Vereinigung irdischer und überirdischer Prinzipien sehen. Die Finsternis besitzt in den unausgeglichenen Menschen zuverlässige Mitarbeiter. Wenn ihr die Verfolgung eines nützlichen Unternehmens seht, blickt in die Gesichter der Verfolger, und es wird klar werden, daß solche Vertreiber jede Erscheinung von Harmonie aus sich selbst vertrieben haben.
     Studiert solche Charaktere, sie ergeben anschauliche Beispiele unvollkommenen Denkens. Man muß die verschiedenen Zweibeinertypen erforschen. Ohne Beobachtung werdet ihr nicht in der Lage sein, ihren Winkelzügen zu widerstehen. Während des Studiums werdet ihr erkennen, wo man noch mahnen kann und wo es bereits erforderlich ist, die Haut zu wechseln. Ja, ja, ja, gerade die Harmonie wird selten als Verantwortung verstanden.
     Genauso falsch aufgefaßt wird das Nirvana. Gerade dort, wo höchste Anspannung erforderlich ist, wünschen die Menschen, Untätigkeit zu sehen. Gleichgewicht setzt auch gleichseitige Anspannung voraus, da die Waagschalen gleichermaßen belastbar sind. Beide Schalen, die irdische wie die überirdische, werden nicht leer bleiben. Aus Unwissenheit wünscht der Mensch, sich auf eine Schale zu beschränken, und dadurch bleibt die Menschheit zurück. Auf nur einem Bein kann man jedoch nicht weit hinken, und Krückstock und Prothese können nicht in die Feinstoffliche Welt mitgenommen werden. Ich spreche im Scherzton, da mitunter ein Scherz sich besser einprägt.
     Der Denker sprach zu einseitig entwickelten Gesprächspartnern: "Warum verzichtet ihr auf das andere Bein? Auf solche Weise wird es schwer sein, nach Hause zu kommen."

     346. Urusvati weiß, daß die Menschheit möglicherweise eines Tages ein Buch über ungewöhnliche Phänomene



schreiben wird. Möge jeder etwas Ungewöhnliches aufzeichnen, das ihm in seinem Leben begegnet ist. Jeder hat glaubwürdige Kenntnisse von überirdischen Erscheinungen erhalten. Viele können einige aufschlußreiche Mitteilungen machen. Sogar die Verneiner sind nicht so kühn zu behaupten, daß ihnen niemals und nirgends etwas widerfahren sei, was sich einer irdischen Erklärung entzogen hätte.
     Die Hauptsache wird jedoch sein, keine falsche Scham zu hegen, über seine Wahrnehmungen zu sprechen. Urusvati weiß sehr gut, welchem Spott ihre eigenen Kindheitswahrnehmungen begegneten, doch das läßt sich nicht vermeiden.
     Mögen nichtsdestoweniger einige Meine Worte in ihrem Zusammenhang lesen und Kenntnisse aus dem sie umgebenden Leben sammeln.
     Man darf sich nicht über jenes Mädchen wundern, das plötzlich in zwölf Sprachen redete. Es lassen sich viele weitere ungewöhnliche Erscheinungen finden, die eine wissenschaftliche Grundlage haben.
     Wenn eure Freunde an die Aufzeichnung solcher Phänomene herangehen wollen, so mögen sie dies in möglichst einfacher Weise tun. Mögen sie sich nicht von komplizierten Darstellungen fortreißen lassen. Mögen sie keine eigenen Mutmaßungen hinzufügen, sondern ihre ganze Ehrlichkeit sammeln, um die Zuverlässigkeit der Wahrnehmungen sichtbar zu machen. Man darf sich nicht auf geringfügige Lichterscheinungen konzentrieren, da solche Details bereits dem Alltagsleben angehören.
     Neben den eigenen Wahrnehmungen muß man auch entsprechende Nachrichten aus der Presse sammeln, darf sie aber nicht mit den eigenen Beobachtungen vermischen, für die allein man auch bürgen kann.
     Es sind schon viele Bücher über ungewöhnliche Erscheinungen herausgegeben worden, doch Wir beabsichtigen jetzt nicht, die Unwissenden zu überzeugen, sondern lenken die Aufmerksamkeit auf die Zunahme solcher Phänomene. Gleichzeitig läßt sich leider beobachten, daß auch wütende Verneinung zunimmt. Die Kräfte der Finsternis sind geradezu beunruhigt, daß die feinstofflichen Energien sich der irdischen Ebene nähern. Man muß solches Stadium des Kampfes verstehen, wenn das Chaos sich anstrengt, das Eintreten evolutionärer Ereignisse zu verhindern. Jedoch, die neue Welt bricht an, und nichts kann die Fortentwicklung des Bewußtseins aufhalten.
     Der Denker wies auf das unauslöschliche Feuer des Herzens hin. Er kannte bereits den Weg der Menschheit.



     347. Urusvati weiß, wie betrüblich es ist, den Menschen nicht alles für sie Vorbereitete geben zu können. Wieviele neue Entdeckungen stehen auf der Schwelle, die jedoch gerade aus Menschenliebe noch nicht gezeigt werden können!
     Es ist bereits ein sehr starkes Gift gefunden worden, das bei bestimmter Verwendung heilende Wirkung ausübt. Aber ziehen die Menschen etwa die heilende Eigenschaft vor? Sie möchten vor allem die zerstörerischen Eigenschaften nutzen. Gifte weisen oftmals heilende Eigenschaften auf, doch ist es unmöglich, zerstörerische Stoffe in die Hände Tobender zu geben. Genau dasselbe muß auch von allen anderen Bereichen gesagt werden. Das Inerscheinungtreten von Errungenschaften kann nur zweckentsprechend zugelassen werden.
     Man wird fragen, ob aus Haß entstehende Ereignisse etwa zweckentsprechend seien. Es muß daran erinnert werden, daß sogar das Schlechte relativ gut sein kann. Niemand stellt sich die Grenze menschlicher Übel vor. Man muß zwischen ihnen das geringste auswählen - um überhaupt einen Anfang zu machen, wie die Römer sagten.
     Wenn man die Geschichte psychischer Erscheinungen studiert, läßt sich eine Art An- und Abstieg der Kräfte dieser Erscheinungen beobachten. Man könnte ein beständiges Anwachsen erwarten, doch existieren Bedingungen, die auf die Erscheinungen einwirken. Zum Beispiel sind in Kriegen eine Zunahme psychischer Erscheinungen zu erwarten. In bezug auf die Quantität trifft das auch zu, doch die Qualität der Erscheinungen wird um einiges geringer sein.
     Das gleiche läßt sich auch von Massenerscheinungen sagen. Unzweifelhaft führt die Ansammlung von Menschenmengen zu einem Anwachsen des psychischen Potentials, doch nur selten kann die Ekstase der Menge von wirklich hoher Eigenschaft sein. Allein in Ausnahmefällen kann man eine Menge in höherer Ekstase beobachten. Während stiller Aufbauperioden jedoch treten sehr klare Manifestationen auf, da nichts die feinstofflichen Energien stört, sich der grobstofflichen Welt zu nähern. Dazu unterstützt auch der gelassenere Zustand der Vermittler ein erfolgreiches Inerscheinungtreten. So kann man ganze Epochen von Evolution und Involution beobachten.
     Die Menschen haben sich noch nicht daran gewöhnt, sich mit solchen Wechseln zurechtzufinden, da das Studium psychischer Erscheinungen von der Mehrheit der Menschen nicht anerkannt wird. Man kann überdies daran erinnern, daß auch Unsere Unterstützung solcher Erscheinungen sehr unterschiedlich ausfällt. Bei bestimmten



weltweiten Ereignissen muß Unsere Energie dorthin streben, wo kosmische Gefahr droht.
     Der Denker verwies auf den strahlenden Glanz der Sonne und fügte hinzu: "Welche Gefahren vermögen in diesem Glanz verborgen sein!"

     348. Urusvati weiß, welch unterschiedliche Wirkung offensichtliche Erscheinungen der Feinstofflichen Welt auf Lebende haben. Gewöhnlich rufen solche Manifestationen Erschütterungen und gar Entsetzen hervor. Kann denn das Sichtbarwerden von Bewohnern der Feinstofflichen Welt derart starke Wirkung ausüben, wo doch die Menschen eigentlich beständig davon umgeben sind? Natürlich nicht. Man muß den Grund in etwas anderem suchen. Bis zu einem gewissen Grad kann ein Sichtbarwerden auch erschüttern. Vergessen wir aber nicht, daß die Menschen auch ohne etwas Ersichtliches Erschütterungen erfahren, ohne sich dann aber darauf zu konzentrieren, und ein Sichtbarwerden wird somit nur ein Grund sein, die Aufmerksamkeit auf ein Phänomen zu lenken.
     Man darf sich nicht vorstellen, daß ein Mensch, der von der Angst vor Gespenstern redet, sich Rechenschaft darüber gegeben hat, daß er beständig von Bewohnern der Feinstofflichen Welt umgeben ist. Die Menschen können solcher Berührung nicht entgehen, doch Wir bewahren sie gewöhnlich vor unerträglichen Wahrnehmungen.
     Die Menschen fürchten die Toten, da sie nicht an ein ewiges Leben glauben. Bestätigt diese Wahrheit, und die Welt wird sich wandeln. Es ist unmöglich, von verschiedenen Sublimierungen zu sprechen, bevor nicht die Fortdauer der Lebenskette verstanden worden ist. Ich bestätige, daß die Menschen derzeit weit davon entfernt sind, den Aufbau der drei Welten zu verstehen. Versucht nicht, dieses dreiteilige Schema des Weltenaufbaus noch zu verkomplizieren, denn dies würde nur eine neue Verwirrung der Geister zur Folge haben. Erinnern wir uns, daß auch in alten Zeiten nur wenige die unsichtbaren Welten gelassen wahrzunehmen vermochten, die übrigen fürchteten diese Bereiche nicht weniger, als man es heute tut.
     Der Denker versuchte, die Schüler in diesen natürlichen Umgang einzuführen, doch nur wenige wagten es, auf die Wahrheit zu blicken.

     349. Urusvati weiß, wie beharrlich Wir auf harmonischer Einigkeit bestehen. Wir sprechen oft über Einigkeit, doch nun bringen Wir eine nähere Bestimmung dieser Eigenschaft ein. Allein harmonische Einigkeit schafft eine verstärkte Wirkung.



Natürlich vermehrt jede Art von Einigkeit die Energie. Sogar Einigkeit im Bösen kann überaus bemerkenswert sein, nicht aber harmonisch, da das Böse in seinem Grund bereits disharmonisch ist. Solche Einigkeit ist daher nicht von Dauer, und Aufstand ist ihre Folge. Harmonie jedoch ist das Gute, und sie allein kann bedeutsame Folgen zeitigen. Wenn Wir daher von Harmonie sprechen, bestätigen Wir gleichzeitig das Gute.
     Jede Eigenschaft hat viele Facetten, die man unmöglich alle auf einmal lehren kann - sie würden gar nicht aufgenommen. So haben Wir auch die Einigkeit anfangs in ihrem allgemeinen Sinn gezeigt, wonach es notwendig wurde, die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen sie wirksam wird.
     Ob irgendwelche Beschwörungsformeln und Körperübungen existieren, die Harmonie verstärken könnten? Natürlich, es gibt viele solcher Hilfsmittel, die jedoch letzten Endes dem Haschisch gleichen, das nur eine scheinbare Harmonie vortäuscht. Solche Errungenschaften sind für die Feinstoffliche Welt nicht brauchbar. Indessen streben wir gerade um des zukünftigen Zustandes willen zur Vervollkommnung. So kann man nur raten, zur natürlichsten Form der Vervollkommnung zu eilen - darin besteht die neue Botschaft.
     Die Menschen lehnen etwas entweder rundweg ab oder versenken sich in künstliche, mechanische Methoden, kümmern sich aber am allerwenigsten um eine natürliche Vervollkommnung des Bewußtseins. Eine solche Vervollkommnung ist jedoch eine wahre Schatzkammer für den Aufstieg in die Feinstoffliche Welt. Dort nämlich können die Bewohner nicht zu künstlichen Erscheinungen Zuflucht nehmen, sondern müssen sich mit dem Grundgesetz der Natur vertraut machen.
     Wir regen mit Nachdruck an, daß die Menschen sämtliche Maßnahmen zur Vervollkommnung ergreifen, und zwar in Form der Arbeit und des Denkens. Die daraus resultierenden vortrefflichen Aufspeicherungen verdunsten in der Höheren Welt nicht, sondern bilden eine Verbindung zu weitester Erkenntnis. So legen wir die Grundlage zur Harmonie.
     Der Denker wies darauf hin, daß nicht Sichtbarkeit, sondern die Macht des Denkens das heilige Tor öffnet.



     350. Urusvati weiß, daß jeder von Uns gegebene Rat eine wissenschaftliche Grundlage hat. Wenn Wir auf der Nützlichkeit eines ethisch begründeten Lebens bestehen, so bewahren Wir vor allem die grundlegenden Gesetze des Weltalls. Wenn Wir sagen: Hegt reine Gedanken - so sorgen Wir Uns damit gleichzeitig um die Harmonie.
     Überlegt, welch überaus große Bedeutung das reine Denken hat. Ihr wißt, daß solches Denken die Aura reinigt und ein strahlendes Licht erzeugt. Vergessen wir jedoch nicht, daß die Reinheit des Denkens auch der beste Schutzschild gegen finstere Wesenheiten ist. Diese saugen sich an jedem finsteren Gedanken fest. Ich sehe bereits, daß gewisse Gelehrte sich zornig erheben, da es in ihrem Wörterbuch keine finsteren Wesenheiten gibt. Sagen wir es also ihrem Bewußtsein entsprechend: Jeder Gedanke stellt eine eigene Art von Magnet dar und zieht ähnliches zu sich heran.
     Der Raum ist mit Gedanken gesättigt; jeder zieht in der Qualität ihm ähnliche zu sich heran. Solche Knollen existieren und entwickeln sich im Raum inmitten kosmischer Rotationen.
     Der Mensch besitzt nicht das Recht, Chaos zu erzeugen und dem Offenbarten Schaden zuzufügen. Denkt darüber nach, daß jeder reine Gedanke eine Wiege des Guten und jeder finstere Gedanke eine Zuchtstätte des Bösen ist.
     Man könnte fragen, wie der Mensch unterscheiden könne, ob er gut oder böse denkt. Die menschlichen Worte können verschlagen sein, doch im Denken betrügen die Menschen sich nicht. Sie verstehen den Unterschied zwischen Heldentat und Verbrechen sehr gut. Die Offenbarung der Tat entspricht nicht unbedingt ihrem Wesen, dieses Wesen spürt der Handelnde in seinem Herzen jedoch ganz ausgezeichnet. So möge der Mensch nicht zur Pflanzstätte zerstörerischer Kräfte werden. Jeder möge darüber nachdenken, daß er in der Lage ist, das Gute zu schaffen. Möge jeder wissenschaftlich denken, dann wird er auch die Gesetze der Ethik verstehen.
     Der Denker warnte: "Solange ihr euch kein Wissen aneignet, befindet ihr euch im Zustand des Unrechts."

     351. Urusvati weiß von vielen Ursachen der Unterbrechungen, die bei Übertragungen auf Entfernung eintreten können. Hauptursachen werden eine ungewöhnliche Anspannung von Strömen und unerwartete Ereignisse sein, die unverzügliche Einflußnahme erfordern. Doch eine nicht unerhebliche



Ursache liegt darin, daß unerwünschte Wesenheiten zuhören, aber nicht informiert werden dürfen. Es kann Schaden nach sich ziehen, wenn solche ungewünschte Information vorzeitig erfolgt.
     Hierzu läßt sich an eine kürzlich übergebene und unterbrochene Mitteilung erinnern. Wir sandten Gedanken über die betrübliche Lage eines gewissen westlichen Landes, doch kaum war das erste Wort - Raum - gesandt, als unerbetene Zuhörer entdeckt wurden, so daß die Mitteilung abgebrochen werden mußte. Um eine Mitteilung über das Geschehen doch noch zu geben, charakterisierten Wir es mit einem einzigen, in der folgenden Nacht ausgesprochenen Wort: Veitstanz. In der darauffolgenden Nacht setzten Wir die Mitteilung fort, ohne das Land beim Namen zu nennen, da Urusvati erkennen konnte, worauf sich das Gesagte bezog.
     Ich weise auf diese Episode hin, um daran zu erinnern, welche Vorsicht bei der Füllung des Raumes angewandt werden muß. Selbst im physischen Leben suchen die Menschen die Meinung einer erfahrenen Person zu hören, da sie wissen möchten, wie wichtig ein bestimmtes Ereignis ist. Genauso ist es bei Unseren Mitteilungen; gewisse Wesenheiten versuchen, heimlich mitzuhören, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Allein unwissende Menschen glauben, daß Wir Uns den kosmischen Gesetzen nicht unterwerfen müßten. Im Gegenteil, wer viel Erfahrung besitzt, wird die Bedingungen der Natur besonders beachten. Es wäre traurig, wenn Wir gewaltsam in das Karma von Ländern, Völkern oder Personen eindringen würden.
     Wieviel Schaden entsteht durch unaufmerksames Verhalten gegenüber der Umgebung! Ihr wißt bereits, in welch unvernünftiger Weise unzusammenhängende Auszüge aus Unseren Büchern gemacht werden. Dadurch entsteht Schaden, und man kann sich unmöglich vorstellen, wohin solche unrichtigen Informationen sich ausbreiten werden. Wir tragen besondere Sorge um wahrheitsgemäße Informationen.
     Der Denker sorgte sich darum, daß Seine Schüler auch für jedes zu ihnen gesprochene Wort bürgen könnten.

     352. Urusvati weiß, daß der Einschlafende den Augenblick des Einsinkens in den Schlaf nicht zu erkennen vermag und darüber hinaus auch nicht sofort träumen oder am Leben der Feinstofflichen Welt teilnehmen kann. Es vollzieht sich eine Art Übergang



in einen neuen Zustand, der Anpassung erfordert, aber nicht in Worten beschreibbar ist. So verhält es sich ebenfalls mit allen Berührungen mit der Feinstofflichen Welt. Solche Berührungen sind bei weitem zahlreicher, als gemeinhin angenommen wird.
     Die Menschen beklagen sich über eine unzureichende Verbindung mit der Feinstofflichen Welt, doch könnten sie jeden Tag in der Phase des Wachzustandes Augenblicke eines besonderen Zustandes bemerken. Dieser kann sich in der Empfindung einer gewissen Abwesenheit wie auch in der Wahrnehmung von Anwesenheit Unsichtbarer äußern. Mögen die Menschen sich zur Aufmerksamkeit erziehen, so werden sie viele üblicherweise unerklärliche Erscheinungen spüren und sehen. Hierbei ist keine besondere Konzentration erforderlich, da feinstoffliche Wahrnehmungen unerwartet eintreten. Sie erfordern gerade solche Bedingungen, die man unmöglich künstlich herstellen kann. Ihr wißt, daß die bemerkenswertesten Erscheinungen in gewöhnlichsten Umständen vor sich gehen.
     Es läßt sich nicht vorhersagen, welche irdischen Umstände feinstoffliche Erscheinungen begünstigen könnten. Man muß nur das Bewußtsein in sich festigen, daß in jedem Augenblick etwas Überirdisches herangetragen werden kann. Doch bei der Entwicklung einer solchen Aufmerksamkeit darf man die irdische Arbeit nicht vernachlässigen. Wir bestehen auf der irdischen Arbeit.
     Der Denker sprach: "Freund, bist du für die unerwartete Heranführung an die leuchtende Sphäre etwa nicht bereit?"

     353. Urusvati weiß, daß der Schlafende einen Zwischenzustand durchschreiten muß, in dem er zwei Welten angehört. Einige bemerken diesen Zustand nicht, andere aber halten die Funken feinstofflicher Wahrnehmung fest.
     Als die Alten dem Menschen anrieten, sich selbst zu erkennen, hatten sie vor allem die Entwicklung der Beobachtungsfähigkeit im Sinne. Solch ein Prozeß beinhaltet nichts Geheimnisvolles: Der Mensch muß sich selbst und seiner Umwelt gegenüber aufmerksam werden. Mögen die Menschen sich erinnern, daß sie für ihre sämtlichen Äußerungen jeglicher Art verantwortlich sind. Man muß sich wundern, wenn der Zustand zwischen Schlaf- und Wachzustand unbemerkt verläuft. Die Menschen lesen von besonderen Eigenschaften des Halbschlafes. Eingeweihte des Altertums wußten, wie scharfsichtig der Mensch im Verlauf dieses



Zustandes wird. Doch daher bewahrten auch nur die Eingeweihten die Erinnerung an den bemerkenswerten Zustand. Dem Volk, mit Arbeit nach außen hin beschäftigt, gelang es nicht, solchen Beobachtungen Aufmerksamkeit zu widmen.
     Nun jedoch rufen Wir erneut dazu auf, daß die Menschen auch während der Arbeit die Eigenschaften der menschlichen Natur beobachten sollten. Man muß lernen, eine natürliche Arbeit aufrechtzuerhalten und zur gleichen Zeit feinstoffliche Wahrnehmungen verfolgen zu können. In einer solchen Verbindung werden die Menschen sich einer Umgestaltung des Lebens nähern.
     Man darf nicht meinen, daß Eingeweihte ohne Verbindung zum äußeren Leben sein müßten. In Lebensbeschreibungen kann man sich davon überzeugen, daß große Tatmenschen sich von den unterschiedlichen Erscheinungen im Leben nicht entfremdeten. So sollte auch jetzt die Arbeit den Menschen nicht daran hindern, sich in Selbsterkenntnis zu vertiefen. Das neue Leben fordert auch die Zusammenarbeit der zwei Welten.
     Der Denker sprach: "Freund, wenn du dich in den Schlaf begibst und wenn du zur Arbeit erwachst - sprich ein heilsames Wort des Wohles aus, es wird dir die Tore beider Welten öffnen."

     354. Urusvati weiß, daß die Mehrheit der Menschen nicht in der Lage ist, sich zu den Hinübergegangenen würdig zu verhalten, wodurch deren Aufstieg gestört wird. Mitunter lästert man sogar über sie, und das ist schlecht. Nicht selten vergessen die Menschen die Hinübergegangenen völlig, auch das ist nicht gut. Man muß verstehen, welche Haltung dazu die harmonischste ist.
     Stellen wir uns einen nahen Menschen vor, der mit einer wichtigen Arbeit beschäftigt ist, gleich nebenan hinter der Wand. Unser erster Wunsch wird sein, auf jede erdenkliche Weise seine Ruhe zu wahren. Wir werden alle Maßnahmen ergreifen, auf daß ihn nichts störe. Wir sorgen uns rechtzeitig um die besten Mittel, die zu einer möglichst raschen Ausführung der Arbeit notwendig sind. Wir werden über die Arbeit nachdenken, die gerade vollzogen wird, und unsere besten Gedanken senden. Wir wissen, daß der Nächste sich hier, gleich nebenan, befindet. Wir möchten ihn gern sehen, doch können wir seine Konzentration stören? Wir fassen uns in Geduld, da wir wissen, daß wir uns zur verabredeten Stunde sehen werden.
     Vieles möchten wir dann sagen, doch wenden wir alle Behutsamkeit auf. So handeln wir, weil wir den Nächsten lieben. Wir unterbinden jegliches böse Wort, damit nicht Wellen von Disharmonie



die erfolgreiche Arbeit stören. Wir verhalten uns so, wie es sich gegenüber einem geliebten Menschen gehört. Wir werden uns nicht irgendeines illusionären Verlustes grämen, da wir wissen, daß der Nächste lebt und sich auch in der Nähe bei uns befindet. Daher werden wir auch nicht darauf bestehen, daß der Nächste uns körperlich erscheinen möge. Wenn die Bedingungen harmonisch sind, wird er nicht zögern.
     Die Sorge um die Harmonie wird für beide Welten notwendig sein. Wenn sich nebenan eine wichtige Arbeit vollzieht, dürfen wir nicht lärmen noch Streit führen. Sogar im irdischen Alltag bemühen sich die Menschen, im Namen eines vorübergehend Abwesenden etwas Freudiges zu tun. Sie bemühen sich, die ihm gehörenden Dinge gut zu verwahren. Wenn wir für einen Hinübergegangenen alles ebenso tun wie für einen vorübergehend Abwesenden, so handeln wir recht.
     Auch Uns gegenüber solltet ihr euch auf die gleiche Weise verhalten. Für das innere Leben wird eine solche Beziehung eine Erweiterung des Bewußtseins darstellen. Es ist traurig, daß es nach Millionen von Jahren immer noch notwendig ist, ein vernünftiges Verhältnis zum Leben der Feinstofflichen Welt zu lehren. Seien wir jedoch gerecht und erkennen, daß die Menschen nicht nur die Feinstoffliche Welt nicht verstehen, sondern inmitten technischer Erfolge sich sogar von notwendigen Begriffen entfernen. Die Kenntnis des Lesens und Schreibens bedeutet noch keine Kultiviertheit. Große Erschütterungen erwachsen aus Unvernunft. Wir erwarten keine besonderen Verfeinerungen, mögen die Menschen nur die besten Eigenschaften des Geistes offenbaren.
     Der Denker lehrte: "Senden wir den Hinübergegangenen ein Lächeln der Liebe. Senden wir allen Wanderern Ermutigung zu. Mögen sie sich am Kreuzweg erholen können. Wanderer, erzähle uns von den fernen Ländern."

     355. Urusvati weiß, daß einige Menschen plötzlich beginnen, Radiowellen direkt aufzunehmen, durch grobstoffliche Körper hindurchzusehen, unterirdische Erze zu erkennen und verschiedene psychische Besonderheiten aufzeigen. Über solche scheinbare Plötzlichkeit muß gesprochen werden. Nichts kann ohne Ursache sein, auch nicht die von Uns erwähnte augenblickliche Erleuchtung. Solch ein Ausdruck muß innerhalb irdischer Verhältnismäßigkeit verstanden werden. Die Erleuchtung kann plötzlich erfahren werden, doch wurde sie durch einen langen Prozeß von Bewußtseinsvertiefung vorbereitet. Solche Vertiefung hat mit den ersten Lebensjahren begonnen, genauer: wurde aus der Feinstofflichen Welt



mitgebracht.
     Die Menschen bezeichnen psychische Besonderheiten als höhere Gaben, doch wurden diese Keime vom Menschen selbst inmitten aller möglichen Erschütterungen erarbeitet. Gewöhnlich erkennt der Betreffende solche Samenkörner nicht, die aber schon bereit sind, beim ersten Lichtstrahl aufzukeimen. Doch niemand weist den Arbeiter auf die von ihm erarbeiteten Möglichkeiten hin. Ein angefüllter Kelch fließt beim kleinsten Anstoß über, genauso offenbaren sich psychische Erscheinungen bei scheinbar zufälligen Anlässen.
     Ein Mensch erträgt eine Menge Spott und Zweifel, bevor er sich entschließt, seine Fähigkeiten unerschütterlich und offen zu bekennen. Das für Spießbürger Schwierigste und Unverständlichste ist jedoch die Teilhabe des Menschen an kosmischen Erscheinungen. Bei solchen Prozessen leidet das Herz sehr, doch welcher irdische Arzt versteht denn die Ursache solcher gefährlichen Anspannungen? Überhaupt bemerken die Ärzte keinerlei frühe Anzeichen von Leiden. Sie vermuten eher Simulation, als eine Ursache durch kosmische Einwirkungen anzuerkennen.
     Der Denker erkannte bereits vor langem diesen Weltschmerz.

     356. Urusvati weiß, wie qualvoll die Teilhabe an kosmischen Prozessen zu sein pflegt. Man wird fragen, weshalb solche besonderen Anspannungen entstehen. Die Antwort ist einfach. Wenn ein Teilchen des Ektoplasmas abgetrennt wird, erlebt ein Medium großes Leid. Doch das Ektoplasma gehört dem feinstofflichen Körper an, während die Begegnung mit kosmischen Prozessen den feurigen Körper schmerzlich berührt. Durch solche schmerzhaften Berührungen werden die Anspannungen noch größer.
     Wieder könnte gefragt werden: Wenn kosmische Ströme Einfluß auf alles Lebendige nehmen, warum müssen dann nur ungewöhnliche Menschen darunter besonders leiden? Die Antwort ist einfach. Diese Ströme wirken unzweifelhaft auf den gesamten Planeten ein, doch werden sie in unterschiedlichem Grade aufgenommen. Wenn ein Mensch den "Kelch" anfüllt und das Bewußtsein verfeinert, befindet er sich in der ersten Reihe der Empfänger. Es ist unmöglich, diesen bereits verdichteten Zustand aufzuheben, denn er ist eine natürliche Stufe des Aufstiegs.
     Wer könnte das Wachstum des Bewußtseins aufschieben, wenn es in eine bestimmte Phase des Aufstiegs



eingetreten ist? Man darf das Tun eines Helden nicht hindern, wenn er zur Heldentat ausgegangen ist. Der Sieg über die Finsternis ist der Traum jedes geistigen Kämpfers, doch erweist sich die Schlacht auf dem irdischen wie auf dem überirdischen Plan als ein und dieselbe. Mittels Schwingungen können Wir die Anspannung verringern, doch ist die kosmische Schlacht die Bestätigung einer alle betreffenden Verteidigung.
     Verteidigung und Nirvana sind zwei der am meisten entstellten Begriffe. Die Menschen möchten etwas Gestaltloses, Zerstreutes und Bewegungsloses aus ihnen machen, doch sind solche Entstellungen für die Evolution schädlich.
     Für das Nirvana müssen die Menschen sich in bewußter Weise lange Zeit vorher vorbereiten. Sie müssen diesen Zustand des Allerfassens erst lieben lernen. Ebenso lieben lernen müssen sie den Zustand der Verteidigung, und zwar als Zustand höchster Anspannung und Scharfsicht. Die Menschen müssen sich bewußt vervollkommnen, da anderenfalls die Teilhabe an der kosmischen Schlacht unerträglich wird.
     Kann sich jedoch ein Mensch, der nicht über das Weltengebäude nachdenkt, zur Heldentat der Verteidigung erziehen? In dieser Verteidigung offenbart der Mensch hohe Selbstaufopferung. Er handelt nicht für sich, sondern für die fernen Welten. Jeder wird zustimmen, daß es nicht leicht ist seine Persönlichkeit den fernen Welten zuliebe zu vergessen. Bei einer solchen Erweiterung des Bewußtseins ist auch eine fürsorgliche Einstellung zur Gesundheit erforderlich, da die menschlichen Kräfte und räumlichen Ströme sehr schwer vereinbar sind.
     Man kann sich selbst mit Klarheit des Bewußtseins helfen und damit die ununterbrochene Schlacht lieben lernen und verstehen, daß die Verteidigung von Harmonie Schönheit bedeutet. Man darf nicht zulassen, daß Zweifel den Aufbau von Harmonie zerstören könnten. Herrlich ist die Wacht, wenn man den gehüteten Schatz kennt und liebt.
     Der Denker kannte die Schönheit solcher Wacht. Er sprach: "Wir erkennen nicht für uns selbst, nicht für die Erde, nicht für die Sonne, sondern für die unsichtbaren Welten."

     357. Urusvati weiß, wie real die Erscheinung feinstofflicher Wesenheiten ist. Die Menschen nehmen an, daß solche Erscheinungen allein über das Ektoplasma von Medien erfolgten, doch muß man auch andere Arten solcher Visionen beachten. So können sie



auch über das Hellsehen sichtbar werden, in dem sich nicht die Wirkung des Ektoplasmas zeigt, sondern die Fähigkeit, die vierte Dimension zu sehen.
     Desgleichen ist beobachtbar, wie sehr einige Visionen an bestimmte Orte gebunden sind; es kommt dabei eine Energie zur Auswirkung, die sich auf überwiegend in alten Gebäuden befindlichen Gegenständen aufgeschichtet hat. Man könnte einen scherzhaften Vergleich anführen: Auf einem lange getragenen Kleidungsstück nisten sich Mikroorganismen leicht ein und lassen es auf diese Weise zu neuem Leben erwachen. Genau solche Aufschichtungen bedecken die Wände alter Gebäude. Feinstoffliche Wesenheiten suchen sich entsprechende Aufschichtungen solcher Materie aus und verstärken damit ihre eigene Erscheinung.
     Die Menschen beklagen sich nicht selten darüber, keine Visionen zu haben, vergessen jedoch, daß sie ihre eigene Aufmerksamkeit nicht auf bedeutsame Phänomene richten. Sie sehen nicht selten am hellichten Tag menschliche Antlitze, die dann augenblicklich wieder verschwinden. Natürlich finden sie dafür tote Erklärungen, ohne über die wahren Ursachen der Erscheinungen nachzudenken.
     Die Zeit bricht an, da es unerläßlich wird, die Feinstoffliche Welt der irdischen anzunähern, doch wird dies ohne Zustimmung der Menschheit undurchführbar. Sogar jene, die bereit sind, die Feinstoffliche Welt anzuerkennen, wünschen, daß irgendeine grandiose Erschütterung erfolgen möge, die das gesamte Leben augenblicklich umgestalten würde. Unsere Hilfe aber erfordert menschliche Zusammenarbeit.
     Die Menschen müssen die Existenz der Feinstofflichen Welt annehmen und sich dafür von Aberglauben und Scheinheiligkeit befreien. Solche Giftschlangen zerstören die Religionen und berauben die Menschen der bewußten Annäherung an die Feinstoffliche Welt. Glaubt nicht, daß Wir die Bedeutung von Aberglauben und Scheinheiligkeit übertreiben würden. Das Leben der meisten Menschen verläuft auf der Grundlage dieser Vorurteile, und dadurch berauben sie sich selbst der Freiheit des Denkens. Sie sind von unwissenden Vorgaben derart erfüllt, daß sie selber ihre Augen und Ohren vor klaren Erscheinungen verschließen. Um etwas zu sehen, muß man es zulassen, doch bei Verneinung wird das schärfste Auge von Nebel bedeckt. Auf der anderen Seite aber darf man sich auch keine scheinbaren Visionen suggerieren, und das bedeutet, es bleibt die goldene Mitte, über die schon in den anderen Büchern gesprochen wurde. Solch ein Mittelweg wird etwas zulassen, ohne Einfluß zu nehmen. Er ist



keineswegs leicht zu erringen, da er Verfeinerung des Bewußtseins erfordert.
     Der Denker lehrte, den mittleren Weg nicht zu fürchten.

     358. Urusvati weiß, wie verschiedenartig die Rhythmen Unserer Mitteilungen sind. Bisweilen kommen sie langsam und in Teilen, ein anderes Mal jedoch so eilig, daß das Gehör sie kaum auffangen kann. Manchmal sind sie erschütternd laut, dann aber wieder fast unhörbar, wie ein leises Flüstern. Bisweilen erschüttern sie die Zentren, doch gewöhnlich sind sie wohltuend. Ihr dürft nicht annehmen, daß Unsere Gedanken derart unausgeglichen wären, was bedeutet, daß die Ursache in räumlichen Strömen liegt. Das Beispiel Unserer Mitteilungen kann für jede Erforschung der Gedankenenergie nützlich sein.
     Die Menschen sind in allem überaus ungeduldig. Für jede Erscheinung stellen sie eiligst ihre eigenen Regeln auf. Mit solch eigenmächtigem Eingriff unterbrechen sie die wertvollsten Offenbarungen. Daher ist es so wichtig, die Verschiedenartigkeit Unserer Mitteilungen zu bedenken. Wenn schon Unsere Kraft kosmischem Druck genauso unterworfen ist, so muß man verstehen, daß die Experimente von Anfängern dann umso schwieriger sind.
     Wenn Wir von der Reinigung des Denkens sprechen, haben Wir dabei vor allem die Befreiung von voreingenommenen Gedanken im Blick. Stellen wir uns einen Menschen vor, der unter direkter Leitung arbeitet und dabei seine eigenen Gedanken einzusetzen versucht. Solch ein Arbeiter vermischt alle Mitteilungen, wofür es nicht wenige Beispiele gibt.
     Beim Empfang von Mitteilungen aus weiter Entfernung muß man besonders darauf achten, die Aufeinanderfolge nicht zu stören. Bei nachlässigem Empfang können ganze Worte ausfallen. Es muß viel Erfahrung zusammenkommen, bevor das Bewußtsein sich an die wechselnden Rhythmen gewöhnt.
     Wenn Wir von Unserem inneren Leben sprechen, möchten Wir vor allem zur klaren Erkenntnis verhelfen, wie verschiedenartig die Uns umgebenden Bedingungen sind im Vergleich zu euren. Umso schlimmer, wenn die Menschen nicht verstehen, daß Wir Uns in demselben Energiestrom befinden wie sie. Nur wer das anzunehmen vermag, kann eine besondere Nähe zu Uns wahrnehmen. Solche Nähe verhilft auch dazu, Verehrung, anders gesagt, Anerkennung des Lehrers zu entwickeln. Es geschieht jedoch nicht oft, daß der Lehrer anerkannt wird. Zwar gibt es des öfteren Ausbrüche von Ergebenheit, doch reizen solche flackernden Feuerchen



nur die Atmosphäre. Wir sprechen nicht von Uns selbst, sondern über das Prinzip, mit Hilfe dessen man einen harmonischen Umgang gestalten kann.
     Der Denker bestand auf der Verehrung des Lehrers. Er sprach: "Im Dunkel der Nacht suchen wir die führende Hand. Die Stimme des Führers zu vernehmen, bedeutet Freude. Doch möge solche Zuneigung in der Finsternis wie in der Sonne bewahrt werden."

     359. Urusvati weiß, daß die Klarheit feinstofflichen Sehens über viele Lebenswechsel erreicht wird. Zu recht hat man solche Eigenschaft als Grundlage des Hellsehens bezeichnet. Flüchtiges Aufleuchten dieser Eigenschaft kann man ziemlich oft bemerken, gefestigte Scharfsicht dagegen läßt sich nur durch viel Arbeit erlangen. Urusvati erinnert sich richtig, schon von Kindheit an Hellsichtigkeit bei festen Konturen der Visionen besessen zu haben.
     Es läßt sich studieren, wie langsam die Menschen sich solche Eigenschaft des Sehens aneignen. In Erscheinung tretende feinstoffliche Antlitze zittern oft, verzerren sich und verlieren Teile, das Antlitz kann wachsen, sich in der Breite ausdehnen, den Ausdruck verändern, und selbst das beste Antlitz kann einen bösen Ausdruck erhalten. Infolge solcher Verzerrungen bilden die Menschen sich ein, daß sich ihnen ein böser Geist genähert habe. Indessen liegt die Ursache in ihrem eigenen Unvermögen, feinstoffliches Sehen zu entwickeln. Natürlich ist es nicht leicht, sich inmitten von Hast zu konzentrieren und den Fokus auf das Zentrum der Vision zu richten, denn infolge von Auraschwankungen können die Umrisse eines Antlitzes zu zittern anfangen. Man darf solches Zittern jedoch nicht nur auf das Antlitz beziehen, da es auch von der Aura des Sehenden ausgehen kann. Man muß daran erinnern, daß die meisten Auren Schwankungen aufweisen, die sogar auf das physische Sehen einzuwirken vermögen.
     Im Altertum hat man feinstoffliche Scharfsicht gelehrt. Zu diesem Zweck stellte man einen beliebigen Gegenstand vor den Schüler, befahl nach einiger Zeit unerwartet, die Augen zu schließen und das Aussehen des Gegenstandes zu beschreiben. Gewöhnlich ergab sich solche Vorstellungskraft nicht leicht. Die Menschen denken, daß sie sich deutlich erinnern, doch in Wirklichkeit erinnern sie nur Konturen, ohne die charakteristischen Eigenheiten aufzeigen zu können. Doch gerade in solchen Eigenheiten liegen Charakteristikum und Wesen eines Gegenstandes.



     Es ist richtig, daß im Altertum viel Aufmerksamkeit auf die Erforschung der psychischen Natur des Menschen verwendet wurde. Wir können den Beweis erbringen, daß solches Studium nicht nur in Tempeln erfolgte, sondern auch in besonderen Schulen, die später in Griechenland Akademien genannt wurden. Zusammen mit anderen Fächern wurden dort auch Volkserzählungen studiert, unter denen sich Hinweise befanden, die aus weit zurückliegender, grauer Vorzeit stammten. Auch wenn heute Gelehrte Volkserzählungen studieren, können sie Spuren großen bewußten Denkens finden.
     Sehen wir uns an, mit welchen Eigenschaften die Helden des Altertums ausgestattet waren. Unter ihnen lassen sich Anzeichen von Errungenschaften gegenwärtiger Wissenschaft erkennen. Die Alten träumten nicht nur von solchen Errungenschaften, sondern kannten auch viele von ihnen. Mögen die Gelehrten die Volksschätze unter einem wissenschaftlichen Gesichtspunkt betrachten, so werden sie viele Bestätigungen des Wissens im Altertum finden.
     Der Denker erblickte eines Tages einen Hirten, dem eine große Schafherde folgte. Der Denker lächelte: "Dank welcher Zauberkunst hast du es erreicht, daß die Tiere dir folgen?" Der Hirt antwortete: "Ich lebe mit ihnen zusammen und liebe sie. Sie spüren, daß es für sie gefahrloser ist, mir zu folgen."

     360. Urusvati weiß, wie oft die Menschen versuchen, feinstoffliche Erscheinungen mit groben physischen Ursachen zu erklären. Eine Erscheinung, die eine Vielzahl von Falschauslegungen hervorruft, sind die oft bemerkten Ohrgeräusche, bei denen die Ärzte die Ursache im Blutdruck sehen. Das jedoch wird nur ein rein äußerliches Symptom sein, dessen eigentliche Ursache die Berührung feinstofflicher Einflüsse ist. Es lassen sich hierbei drei Arten von Ohrgeräuschen unterscheiden: eines in der Art dumpfen, unaufhörlichen Rauschens, ein anderes in der Art eines Pulsreflexes, und ein drittes, das als zirpend beschrieben wird. Das letztere ist besonders bezeichnend; es ist einem nicht näher zu beschreibenden beschleunigten Puls ähnlich. Solche Druckverhältnisse weisen auf die Anwesenheit besonderer feinstofflicher Energien hin.
     Man darf solch ein Geräusch nicht als Absinken der Herztätigkeit oder als Symptom für eine Entzündung erklären. Dies umso weniger, als das Geräusch sich unerwartet und ohne Verbindung zu irgendwelchen physischen Einflüssen bemerkbar macht. Man könnte einen Druck kosmischer Ströme annehmen, genauer wäre



es jedoch, an eine Berührung der Feinstofflichen Welt zu denken. Auf diese Weise gelangen wir erneut zu dem Problem der Verbindungen mit der Feinstofflichen Welt. Mögen die Menschen mehr in sich selbst hineinschauen, und das alte Wort von der Selbsterkenntnis wird so erfüllt werden.
     Nicht nur Ärzte sind in der Lage, viele Erscheinungen zu erklären, sondern auch erfahrene, nachdenkliche Menschen vermögen weise Ratschläge zu geben. Sie haben lange bemerkt, daß inmitten gewöhnlichster Lebensumstände Widerspiegelungen feinstofflicher Energien hervorbrechen können. Ja, sie brechen geradezu wie Explosionen aus den Tiefen der menschlichen Natur hervor, ähnlich wie sich ein Ventil bei entsprechender Berührung öffnet.
     Desgleichen läßt sich eine besondere Erscheinung bemerken, die als Ideenandrang bezeichnet wird. Ich spreche hier jedoch nicht von der Besessenheit, die ähnliche Symptome aufweisen kann, sondern habe eine Form wiederholter Bestätigungen im Sinn, die besondere Bedeutung besitzt.
     In der Medizin wird der Ideenandrang für eine gefährliche Erscheinung gehalten. Kann man sich jedoch auf ein solches nicht überzeugendes Urteil verlassen? Angesichts solcher Verurteilung müßten viele der besten Gelehrten und Erfinder zu den Wahnsinnigen gezählt werden. Es ist an der Zeit, die Theorie über den Wahnsinn des Genies zu überdenken. Dann ließen sich eine Menge von angeblichen Schwachköpfen in die Zahl der Gesunden einreihen.
     Man muß verstehen, daß die Einwirkung feinstofflicher Energien der gesündeste Zustand ist. Wir haben die finstere Besessenheit, die zum Bösen und zu Verbrechen führt, hinreichend verurteilt. Eine wohltuende Einwirkung ist jedoch ein Segen, der der Menschheit hilft, die Stufen der Evolution emporzusteigen.
     Allein an den Taten werdet ihr erkennen, wo das Gute ist und wo das Böse. Sogar die feine Grenze zwischen beiden werdet ihr erfühlen. So versteht, daß der für die Evolution Tätige von Ideen ganz erfüllt ist. Wer also wird sie dann als aufdringlich bezeichnen? Gerechterweise muß man sie Führende nennen. So verhaltet euch aufmerksam zu allen Erscheinungen der Natur.
     Der Denker sprach: "Ob nun ich der Natur diene oder die Natur mir dient, ich weiß, daß ich alle Erkenntnis zum Gemeinwohl beitragen will."

     361. Urusvati weiß, daß mit jeder Generation Weltanschauung, Bräuche und sogar Sprache sich verändern. Gewöhnlich wollen die Menschen solche Wandlungsvorgänge nicht bemerken.



Es ist unzweifelhaft nicht leicht, neue Grenzen solcher Art zu unterscheiden, wenn man sich in ihrer Nähe befindet, doch aus der Entfernung kann jedes scharfsichtige Auge erkennen, in welcher Bewegung die Lebenssubstanz begriffen ist.
     Im Altertum herrschte der Brauch, Prüflinge in der Weise auszusenden, daß sie an den Ausgangsort des erst zur Zeit der nächsten Generation zurückzukehren hatten. Wir halten an demselben Brauch fest, und Unsere Gesandten kehren zur nächsten Generation zurück, da man erst dann die Fortentwicklung des Volkes einschätzen kann.
     Viele werden allein die Möglichkeit solcher Fortentwicklungen bestreiten. In der Kraft ihrer Unbeweglichkeit sind sie unbeugsam. Mögen sie jedoch nicht vergessen, daß die Fortbewegung der Evolution sich auf jeden Fall vollziehen wird. Nur, die Menschen sehen meist alles vom eigenen Standpunkt aus und sind nicht in der Lage, sich selbst fortzubewegen. Sie gehen davon aus, daß mit ihnen alles enden würde und können es nicht fassen, daß das Leben seine eigene, unaufhörliche Wellenbewegung hat.
     Solche unbeweglichen Menschen befinden sich in einer äußerst kläglichen Lage, wenn sie in die Feinstoffliche Welt eintreten. Sie bedauern es dann, sich während ihrer irdischen Existenz nicht den verschiedenen Generationen genähert und keine Berührungspunkte mit deren unterschiedlichen psychischen Zuständen gefunden zu haben. Man kann sagen, daß die Prüflinge verschiedener Generationen im Altertum weiser gehandelt haben. Auch ihr könnt zu Hause inmitten verschiedenartigster Menschen sein. Erinnert euch, daß auch Wir solche Prüfungen durchschritten haben.
     Der Denker verglich solche Prüfungen mit dem Härten einer Klinge. Er wußte, daß nur der Wechsel von Kälte und Hitze unerschütterliche Beständigkeit ergebe.

     362. Urusvati weiß, daß die Absicht mit der Tat gleichbedeutend ist. Genauer beschrieben ist die Absicht noch von größerer Bedeutung als die Tat. In der Tat vollzieht sich eine Entladung von Energie, während sich in der Absicht Anspannung sammelt, die früher oder später unbedingt die Tat hervorrufen wird. Wenn Ich daher von Behutsamkeit in den Absichten spreche, habe Ich einen unanzweifelbaren Nutzen im Sinn.
     Nicht selten verlassen die Menschen die Erde erfüllt von Absichten, und Unwissende mögen triumphieren bei dem Gedanken, daß solche Absichten nicht mehr in Taten umgesetzt werden könnten. Die Unwissenden verstehen nicht, daß das Leben nicht abbricht und Absichten nicht



unerfüllt bleiben können.
     Wohl dem, der einen Vorrat guter Absichten besitzt, denn sie werden gute Ernte erbringen. Wahrlich, Ich sage: Jede Absicht wird zur Ausführung gebracht, jedes Versprechen erfüllt werden; jedes Böse wird wachsen, jedes Gute hell erstrahlen.
     Aus Unwissenheit beklagen sich die Menschen darüber, daß ihre Verdienste nicht anerkannt würden, und dieses Klagen erfolgt ausschließlich aus Unwissenheit über die Fortdauer der Lebenskette. Ein Mensch, der annimmt, daß mit dem Abtreten von der Erde alles endet, ist bedauernswert arm, denn er hat sich selbst der Schätze des Erfolges beraubt. Unvorbereitet taucht er in der Feinstofflichen Welt auf. Wo denn wird er sich befinden, solange sich sein Bewußtsein noch nicht erhellt hat? Er wird an jenem Ort festgehalten, wo er nicht mehr hätte sein müssen. In der Dämmerung der niederen Schichten ist er unangenehmen Wirkungen ausgesetzt, die seine Weiterentwicklung noch mehr belasten.
     In verschiedenen Glaubensbekenntnissen sind Andeutungen auf die Fortdauer der Lebenskette enthalten, doch sind diese Erinnerungen offensichtlich nicht überzeugend, anderenfalls würden die Menschen sich auf eine bestmögliche Fortentwicklung vorbereiten. Mitunter wollen die Menschen ihre Zukunft so weit wie möglich absichern, doch hat Gold für die Feinstoffliche Welt keinen Wert. Gute Taten müssen mit einem guten Bewußtsein verbunden sein, dann werden sie auf der Erde wie in der überirdischen Welt Freude bringen. Das Instrument wird gestimmt sein und in Harmonie mit den höchsten Welten erklingen.
     Bisweilen hoffen die Menschen, daß der Führer irgendwann erscheinen und sie aus einem noch so tiefen Abgrund herausführen möge. Diese Egoisten verstehen nicht, daß der Führer leidet, wenn Er sich in die niederen Sphären versenkt. Andere meinen, daß in der Unbegrenztheit auch noch genügend Zeit sei und sie sich daher ungehindert auf der Erde vergnügen könnten. Erst hinter den irdischen Grenzen werden sie erkennen, was sie alles versäumt haben.
     Eure Auffassung, daß es keine ausgelassene Fröhlichkeit geben kann, wenn die Erde vor Nöten laut schreit, ist richtig. Wo Hunger ist, kann man sich nicht der Übersättigung hingeben. Welche Tänze kann es denn vor dem Angesicht von Morden geben! Wahrlich, Ich sage: Ausgelassene Fröhlichkeit in den Tagen der Not ist unziemlich.
     Ebenso richtig ist eure Schlußfolgerung, daß die Wellen ferner Übertragungen überaus unterschiedlich verlaufen. Die einen werden von bestimmten Empfängern aufgenommen, andere jedoch können



zu den unerwünschtesten Zuhörern gelangen, und in dieser Beziehung muß daher Behutsamkeit walten.
     Der Denker erriet solche Gedanken. Er sprach: "Mögen meine Gedanken dorthin gelangen, wo sie geschätzt werden."

     363. Urusvati weiß, daß eine der lichtvollsten Freuden bei der Arbeit entsteht. Man sollte meinen, daß diese Wahrheit allen bekannt wäre, doch wird die Arbeit erneut als Joch verstanden, und die Menschen träumen von irgendwelchen Feiertagen. Jedoch müssen Wir Unsere Begriffe von Arbeit mitteilen. Wir arbeiten die gesamte Zeit inmitten anstrengendster Bedingungen, doch auch Wir haben Feiertage. Diese bestehen darin, daß Wir zu gegebener Zeit zu den höheren Sphären streben.
     Irgend jemand möchte auch diese Erforschung als Arbeit bezeichnen. Er hat recht, da die Erforschung der höheren Sphären viel Energie erfordert. Man muß alle Gedanken konzentrieren, und überdies sind die Apparate nicht leicht zu steuern. Kürzlich erfuhr Urusvati eine starke Erschütterung, als ein Hebel in ihrer Hand zerbrach. Solche unerwarteten Verkomplizierungen können immer auftreten. Doch besteht ein großer Unterschied, ob ein Hebel bei Routinearbeit zerbricht oder bei der Berührung von komplizierten Apparaten. Ungeachtet der möglicherweise auftretenden Erschwernisse ist die zu den höheren Sphären bestrebte Arbeit jedoch ein Feiertag. So läßt sich auch unter den irdischen Arbeiten solche Arbeit finden, die einen Feiertag ausmacht.
     Möge sich jeder Rechenschaft darüber ablegen, welche Arbeit ihm einen Feiertag bereitet. Möge sich jeder daraufhin prüfen, welche Arbeit seine Kräfte vermehrt. Erholung besteht im Wechsel der Arbeit. Ja, ja, ja, die Menschen werden es noch lange nicht verstehen, daß Erholung im Wechsel der Arbeit liegen kann. Ebensowenig wird man sich allgemein die Tatsache so bald zu eigen machen, daß Denken Arbeit ist. Niemand erkennt, daß ein Denker inmitten seines Denkens Wirkliches schafft.
     Die Menschen verstehen nicht, daß Routinearbeit mit Denken abwechseln kann. Wer stellt sich denn die ganze Wirkung der Gedanken vor, die die räumlichen Feuer entzündet und ganze Gedankengebäude in der Feinstofflichen Welt schafft? Sogar jene, die vom Einfluß des Denkens schreiben, wollen nicht die gesamte unvermeidliche und nicht wiedergutzumachende Wirkung ihrer eigenen Gedanken verstehen. Der Mensch besitzt eine absonderliche Eigenschaft: Er ist bereit, die Wirkung fremder Gedanken anzuerkennen, vergißt jedoch vollständig das Schicksal seiner eigenen;



auf diese Weise verhält sich der Mensch fahrlässig gegenüber sich selbst. Ich meine, daß es an der Zeit ist, anstelle von Vorträgen ein strenges Regime gegenüber sich selbst zu führen.
     Warum wenden sich die existierenden Institutionen psychischer Erforschung in der Mehrzahl einer einzigen Ebene zu? Die Teilnehmer selbst verhindern weitergehende Erscheinungen. Es ist nicht von Nutzen, wenn die Forscher selbst nicht einmal in der Lage sind, vor allem die Reinheit ihrer eigenen Absichten zu prüfen.
     Der Denker sorgte sich sehr um die Reinheit der Absichten Seiner Schüler. Er sprach: "Wenn sogar bei den üblichen Waschungen kostbare Substanzen verwendet werden, womit sollen wir dann unsere Absichten reinigen?"

     364. Urusvati weiß, daß sich die Weltereignisse besonders auf jene auswirken, die an ihnen teilgenommen haben. Nicht allein jene, die an den gegenwärtigen Vorgängen die Schuld tragen, sondern auch jene, die dieses oder ein anderes Land gebildet haben. Sie vibrieren auch auf die Erschütterungen des von ihnen Geschaffenen. Man muß sich vorstellen, wie sehr Schwester O. beunruhigt ist. Sie hatte teil an dem Leben zweier Länder und muß nun sehen, wie beide Völker leiden. Auch Jener, der ein Volk während der Revolution auf den rechten Weg führte, ist nun betrübt zu sehen, wie eilig das Volk sich dem Verderben zuwendet. Kann man denn unbeteiligt bleiben, wenn die besten Absichten plötzlich verworfen werden?
     Auch ihr spürt die Unruhe, da ihr an der Arbeit der leidenden Völker teilhattet. Man kann die Erniedrigung eines Volkes bereits heraufziehen sehen, welches die beste Zukunft hätte haben können. Schritt für Schritt rücken die Ereignisse im Westen vor. Das Bestreben der Wütenden steht unter dem Aspekt, sich vor den Gemeinschaftsprinzipien zu retten, doch verlogene Gemeinschaftsvertreter sind schlimmer als solche, die von der Bildung einer neuen Ära träumen.
     Das Beben erfaßt die nahen Sphären. Man muß zu besonderer Behutsamkeit raten, um die Harmonie nicht zu verlieren. Solche Tage gab es noch nicht, und das Bewußtsein der Menschheit kann das sie Umgebende nicht aufnehmen.
     Der Denker warnte die Mitbürger: "Glaubt nicht, daß ihr viel wüßtet. Es können solche Erscheinungen auftreten, die euch zeigen werden, wie nichtig euer Wissen ist."



     365. Urusvati weiß, daß es für die verdichteten Wesen der Feinstofflichen Welt sehr schwer ist, eine irdische Stimme zu produzieren. Es ist verständlich, daß es solchen Wesen schwer fallen wird, mit menschlichen Lauten zu sprechen, wenn sie auf eine Verständigung mittels Gedankenübertragung ausgerichtet sind. Natürlich kann im Falle besonderer Harmonie auch solch ein Hindernis überwunden werden, doch ist solche Harmonie nur selten erreichbar. Und die Menschen sind nicht in der Lage, die feinstofflichen Gäste danach zu fragen, was ihnen besonders schwer falle.
     Man kann eine vollständige Verdichtung erwarten, auch eine Übertragung von Gegenständen auf die irdische Ebene und viele Offenbarungen äußerer Energie, doch der Übergang auf eine irdisch-stimmliche Übertragung ist unermeßlich schwerer. Selbstverständlich kann eine gedankliche Übertragung erfolgen, doch leider vermögen die Menschen sie nicht zu nutzen. So wäre vieles erreichbar, doch müßten dazu die feinstofflichen Bedingungen erfühlt werden, wodurch sich dann auch Behutsamkeit gegenüber feinstofflichen Erscheinungen bilden würde. Zu solcher Eigenschaft muß man sich erziehen - und dies bereits in den Beziehungen zu seinen irdischen Mitmenschen. Wir bedauern, daß so viele Errungenschaften allein aus Mangel an Behutsamkeit erschwert sind. Indessen muß man inmitten schwerer Ströme einander schonen.
     Ihr nehmt gerade einen Ansturm von Wehmut wahr. Solch eine Erscheinung muß natürlich auf ihre Ursache hin verfolgt werden, und es läßt sich erraten, daß sie von dem wachsenden Druck der weltweiten Erschütterungen herrührt. Diese Tage lassen sich als Explosionen des Harmagedon beschreiben. Solche Wellen des Wahnsinns erschüttern die Welt.
     Der Denker erriet solche Tage am Pochen Seines Herzens.

     366. Urusvati weiß, daß äußere Erscheinungen keinen Maßstab für das innere Leben zu bilden vermögen. Will man eine Vorstellung vom inneren Leben gewinnen, ist es nötig, sich in Bestrebungen und Vorhaben zu vertiefen. Wenn ihr erkennt, daß jemand Philosoph, Arzt, König oder Krieger war, so ergibt all solches Wissen nicht das innere Antlitz, weshalb es umso notwendiger ist, jene Grundlagen zu erkennen, von denen sich die offenbarten Tatmenschen leiten ließen.
     So geben auch Wir jetzt eine Betrachtung Unseres inneren Lebens, wobei Wir die in der Bruderschaft angelegten Fundamente aufzeigen. Allzu oft haben die Menschen versucht, Uns als



überirdische Wesenheiten darzustellen. Aus solchen Vorstellungen ist kein Nutzen erwachsen, doch umso mehr Schaden, da man Uns als der Erde entfremdet sieht. Wenn Wir indessen vom Überirdischen sprechen, ist dieser Begriff nicht im Sinne einer Entfremdung von der Erde aufzufassen, denn letzten Endes ist alles Leben überirdisch, da es von feinstofflichen Energien genährt wird.
     Es wird eine Zeit kommen, da die Menschen genötigt werden, sich einer vom Prinzip des Feinstofflichen bestimmten Weltanschauung zuzuwenden. Die vom Menschen selbst verkomplizierte Evolution in eine andere Richtung zu lenken, ist bereits nicht mehr möglich. Doch wird im gegebenen Fall auch solche Evolution letzten Endes einem Nutzen dienen, als Ergebnis einer ungewöhnlichen Art von Tactica adversa. In seiner Technokratie treibt der Mensch sich selbst in eine derartige Sackgasse, daß ihm nichts anderes bleiben wird, als den Freuden der Feinstofflichen Welt aufmerksames Gehör zu schenken.
     Es läßt sich prophezeien, daß die Menschen sich dann der Verfeinerung des Lebens zuwenden werden, wenn sie erst die Katastrophe hinter sich gelassen haben. Dann wird auch die Zeit einer Annäherung der zwei Welten anbrechen. Schon jetzt gilt eine Verdichtung feinstofflicher Wesen nicht als besonders außergewöhnlich. Verkörperte Menschen trennen bereits ihren feinstofflichen Körper ab. Von beiden Seiten werden die Teile einer Brücke aufgebaut. Und der Blitz kann diese Teile miteinander verbinden. Auf der großen Wacht stehend warten Wir, wann die Brückenteile verbunden werden. Dann wird auch Unsere Arbeit sich ändern, und Wir werden in ferne Welten gehen.
     Dies bedeutet, daß die erste Aufgabe der Menschheit darin besteht, die Brücke des Tempels zu errichten, woraus sich dann die zweite ergeben wird, nämlich der Verkehr mit den fernen Welten. Was nun erst einige Menschen vorausahnen, wird zu einer gewöhnlichen Bedingung des planetaren Lebens werden. Ist es daher nicht richtig, daß es sich lohnt, die Erde für solche Aufgaben zu bewahren? Doch bisher denkt nur eine Minderheit in diese Richtung.
     Der Denker ahnte bereits, wie wenige Menschen es sein würden, die zur Errettung des Planeten streben.

     367. Urusvati weiß, wie nahe beieinander physische und psychische Erscheinungen sind. So kann ein Mensch beispielsweise aus starker physischer Anspannung heraus Funken sehen, die psychischen Zeichen ähnlich sind. Daher raten Wir zu ruhiger Vertiefung, bei der keine unerwarteten physischen Erschütterungen auftreten dürfen. Das Denken soll auf Uns gerichtet sein, doch ebenfalls in völligem Gleichgewicht.



Wir schlagen sogar vor, daß der Mensch den unbegrenzten Raum teilweise erfühlen möge, da nichts ein solches Gleichgewicht herbeiführen kann wie die Unbegrenztheit. Es gibt viele verschiedene Methoden, Ruhe zu schaffen, doch die Wahrnehmung der Unbegrenztheit ist die wirksamste.
     Zudem entsteht eine starke Verbindung, wenn der Name des Lehrers ausgesprochen wird, doch auch dies sollte in Ruhe erfolgen, denn jede übermäßige Anspannung führt unvermeidlich zu atmosphärischen Verwirrungen. Diese Ruhe wird keine Untätigkeit bedeuten, sondern im Gegenteil, wie der Zustand des Nirvana, von innerer Schwingung erfüllt sein. Viele verstehen das Gesagte überhaupt nicht, da es für sie einen Widerspruch darstellt; wie kann Ruhe von Schwingung erfüllt sein, und soll etwa ruhige Hinwendung zum Lehrer wirksamer sein als das laute Wehklagen der Verzweiflung?
     Es ist schwer, mit Worten zu beschreiben, wo die Grenze zwischen der Macht der Ruhe und dem Druck des Zwanges liegt. Allein jene, die viele irdische Wege durchschritten haben, werden verstehen, wie kostbar der Rat zur Ruhe ist, besonders in den Tagen des Harmagedon. Bei Uns herrscht Ruhe, da das kleinste Ungleichgewicht unsagbare Not hervorrufen könnte. So ist es auch auf dem ganzen Planeten notwendig, Ruhe zu entwickeln.
     Urusvati tut recht, die Notwendigkeit der Erziehung immer wieder hervorzuheben, sie geht einer höheren Bildung voraus. Allein Erziehung kann die Grundlagen der Ruhe und Arbeit anlegen.
     Der Denker warnte die Schüler: "Bewahrt Ruhe, da ihr anderenfalls der Unterwelt verfallen werdet."

     368. Urusvati weiß, daß mit jeder Generation eine Veränderung der Weltanschauung einhergeht. Dies vermögen nur wenige zu begreifen, da es nur sehr selten gelingt, eine ganze Generation in ihrem Entwicklungsverlauf zu beobachten. Es erfolgen sogar viele Verschiebungen, und die Menschen haben es sich nicht angewöhnen können, ihre Aufmerksamkeit auf das junge Denken zu richten. Indem sie die alten, überlebten Lehrbücher weitergeben, meinen sie, auch ihre überlebte Weltsicht in der jungen Generation veranlagen zu können. Doch das junge Denken entwickelt sich auf eigenen Wegen.
     Alle zwanzig Jahre bereits wechseln die Maßstäbe einer Generation. Solch eine Einteilung muß



man sich merken, da man anderenfalls inmitten früherer Ungerechtigkeiten zurückbleiben wird.
     Vergegenwärtigen wir uns die in einem gewissen Land aufgekommene Feindschaft. In diesem Haß leben die Menschen dort ein Vierteljahrhundert und übertragen ihre eigene feindschaftliche Beziehung auch auf die folgende Generation. Wird das gerecht sein? Die ursprünglich Verfeindeten sind fort, existieren nicht mehr, die junge Generation denkt in neuen Kategorien, und niemand sollte ernstlich wünschen, ihr die früheren, überlebten Begriffe aufzuzwingen. Man muß die Generationsfristen sehr genau beachten, um nicht in Ungerechtigkeit zu verfallen.
     Mögen die äußeren Lebensbedingungen sich auch nicht völlig ändern, der Lebenssinn jedoch wird nicht von äußeren Bedingungen bestimmt, sondern von den in den jungen Menschen heranwachsenden inneren Bestrebungen. Ihr versteht, daß Ich wirklichkeitsbezogen spreche. So beobachte Ich ein bestimmtes Volk, in dem eine neue Weltsicht heranwächst, dem man jedoch die überlebten Begriffe früherer Generationen aufzuzwingen versucht. Zufällige kurzsichtige Beobachter erzählen die verworrensten Geschichten, so daß man sie fragen möchte, von welcher Generation sie ihre eigenen Urteile entlehnt haben.
     Man muß streng unterscheiden, woher die verwendeten Urteile entlehnt wurden, um nicht die Jungen für die Fehltritte der schon nicht mehr Existierenden verantwortlich zu machen. Es ist schwer, ein klares Urteil zu finden, doch umso notwendiger ist es, alle Ursachen und Wirkungen gut zu erkennen und zu verstehen.
     Der Denker stellte den Gesprächsteilnehmern des öfteren die Frage: "Von wem sprecht ihr - vom Sohn, vom Vater oder vom Großvater?"

     369. Urusvati weiß, daß jenseits aller Generationen Tatmenschen existieren, die die Richtung der Evolution vorhersehen. Solche Mitarbeiter von Uns kann man in verschiedenen Jahrhunderten in unterschiedlichen Ländern antreffen. Wir rufen über sie unterschiedliche Bestrebungen zur Aneignung der verlaufenden Evolution hervor. Man muß jedoch verstehen, daß solche Tatmenschen nicht nur selten sind, sondern daß sie sich auch keiner Generation zuordnen lassen. Man kann sagen, daß sie keine Bewohner der Erde sind, sondern Gäste, ganz von Erinnerungen an die besten Welten erfüllt.
     Das irdische Leben kann für sie nicht leicht sein. Sie sind völlig zum Gemeinwohl bestrebt, doch dieser Begriff wird auf der Erde überhaupt wenig anerkannt. Diese Arbeiter finden mit den verkörperten Wesen keine gemeinsame Sprache, und dennoch erfahren ihre Worte mit der Zeit eine gewisse



Anerkennung. Es ist nur bedauerlich, daß ihre Vermächtnisse zur Zeit vielfachen Entstellungen ausgesetzt sind.
     Das Gesagte ist auch auf Unsere Arbeit anwendbar. Doch im Lauf der Jahrhunderte haben Wir Uns an die Umläufe des Lebensrades gewöhnt. Wir verstehen, daß vieles erglüht, wenn in Bewegung, so wie es sogar große Meteore tun, von denen einige trotzdem ihren Diamanten auf die Erde bringen. Allein ruhiges Verstehen der irdischen Prozesse kann auch die gesamte durch Aufspeicherungen bestimmte Erfahrung offenbaren. Wir nennen solche Beobachtungen Klärung des Bewußtseins.
     Der Denker erkannte völlig klar, daß Seine Lehre vielen Entstellungen ausgesetzt werden würde. Er sprach: "Allein in den Wolken werden die Zeichen unserer Absichten bestehenbleiben."

     370. Urusvati weiß, daß die Selbstvervollkommnung mit der Befreiung von kleinen, schädlichen Gewohnheiten beginnen muß. Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Voraussetzungen der kleinen Alltagsgewohnheiten! Die Menschen nehmen mitunter an, daß sie sich von den größten Hindernissen befreien müßten, doch überfordert solch ein Weg in der Regel die Kräfte. Überdies läßt sich die überaus häßliche Erscheinung beobachten, bei der ein Mensch meint, er habe sich von den größten Hemmnissen befreit, ist gleichzeitig aber noch voll mit den abstoßendsten kleinen Gewohnheiten behangen. Solch ein Baum, von der Last abscheulicher Früchte gebeugt, die im Verlauf vieler Jahrhunderte gezüchtet wurden, offenbart einen kläglichen Anblick.
     Ebenso muß man daran denken, daß die Vertreibung einiger kleiner Gewohnheiten ganz und gar nicht leicht ist. Unter ihnen wird es auch solche geben, die von sich aus nicht erkennbar sind und die nur ein scharfsichtiges Auge klar zu erkennen vermag. Doch diese verborgenen Gewohnheiten dienen oftmals als Schlüssel zur eigentlichen, gänzlichen Umwandlung. Erinnert euch des alten Sprichwortes: "Fang den kleinsten Teufel am Schwanz, und er wird dir zeigen, wo sein allergrößter Gefährte sitzt."
     Es ist notwendig, solche Volksweisheit zu wiederholen, da es an der Zeit ist, von einer oberflächlichen Lektüre der Lehre zur Tat überzugehen. Man kann aufzeigen, daß einige, sogar nach dem Lesen aller Bücher, durch ihr Tun offenbaren, daß sie daraus nichts angenommen haben. Es läßt sich sogar sehen, daß solche abgestorbenen Leser zurückgefallen sind und sich dadurch



schlimmer als Analphabeten erweisen.
     Mögen sie sich jedoch vor Augen führen, was sie eigentlich während der Zeit ihrer Lektüre in die Tat umgesetzt haben. Mögen sie sich selbst sagen, von welchen Gewohnheiten sie sich erfolgreich befreit haben. Mögen sie sich notieren, welcher Nutzen ihnen aus dem Gelesenen zufloß, wenn doch die kleinste Gewohnheit unangetastet blieb. So vergeßt nicht, die Freunde zu ermahnen, die kleinsten Gewohnheiten abzulegen.
     Der Denker selbst vermochte, sich von kleinen wie großen Gewohnheiten zu befreien. Er lehrte, unnötige Steine nicht in der Kleidung mit sich herumzutragen.

     371. Urusvati weiß, daß der irdische Weg ein Weg der Gefahren und der Vorbereitung auf die Unbegrenztheit ist. Hier treten drei Menschen mit ihren Widersprüchen auf. Der eine fragt: "Wo ist denn nun die versprochene Freude? Es ist soviel über Freude gesprochen worden, und jetzt wird sie in unendliche Gefahr umgewandelt. Aber nur der Freude wegen haben wir den Belehrungen zugehört." "Unwissender", werden Wir sagen, "ist die Überwindung des Chaos etwa keine Freude? Bedeutet es etwa keine Freude, Licht in die Finsternis zu tragen? Wenn jedoch deine Freude eine Freude des Marktes ist, so sind Wir auf deinem Weg nicht mit dir."
     Der andere erklärt böse: "Selbst befinden sie sich in Gefahrlosigkeit, aber uns überläßt man irgendeiner jederzeitigen Gefahr." "Unwissender", werden Wir antworten, "weshalb nimmst du an, Wir befänden Uns in Gefahrlosigkeit? Relativität herrscht in allem. Unsere Gefahren sind dir unsichtbar, doch kann es kein Leben ohne Gefahren geben. Man muß erkennen, daß eine der höchsten Freuden aus der Erkenntnis der Gefahr erwächst. So kann der Mensch beständig Siege erringen und sich dessen freuen."
     Der dritte erhebt seinen Widerspruch und zweifelt an der Unbegrenztheit. "Unwissender", werden Wir ihm antworten, "dein Herz versteinerte, als du die Freude über die Unbegrenztheit verlorst. Möge der Mensch erkennen, daß er berufen ist, den unbegrenzten Raum mit dem Gedanken zu sättigen. Das volle Bewußtsein der Unbegrenztheit des Gedankens ist bereits höchste Freude. Stell dir vor, was für ein



Garten des Denkens dir gewährt ist, und freue dich der Erkenntnis."
     Auf solche Weise kann man all jenen antworten, die Einwände erheben. Laßt uns dabei nicht vergessen, daß manche Formulierungen nur bedingt verständlich sind. So spricht man zum Beispiel von "geistiger Austrocknung", ohne aber die Entstehung eines solchen Zustandes zu kennen. Er rührt indessen von einer ungleichmäßigen Anspannung her; das Bewußtsein hat sich bereits emporgeschwungen, doch die Zentren vermögen sich noch nicht anzupassen, so daß der Betreffende gewissermaßen keinen Weg findet, sein Bewußtsein zu äußern. Solche Umläufe der Spirale sind unvermeidlich.
     Der Denker sprach: "Heute schien es mir, als ob ich nichts wisse. Dies wird ein gutes Zeichen sein, denn morgen werde ich sicherlich etwas Herrliches erfahren. "

     372. Urusvati weiß, wie groß die Gefahren sind, die Wir überwinden. Ihr wißt von den entsetzlichen Folgen der Explosionen, die dem Bruder V. widerfahren sind. Eine Vielzahl unterschiedlicher Anspannungen löst sich im Raum. Doch viele entsetzliche Folgen entstehen Uns aus den Widerständen gegen Unsere Weisungen. Die einen Menschen widersprechen den nützlichsten Ratschlägen, andere erfüllen sie äußerlich, behindern sie jedoch innerlich. Dem letzteren Umstand muß besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.
     Wenn die Menschen doch verstünden, wie wenig ihr äußerliches, geheucheltes Lächeln wert ist! Der nützlichste Rat verliert seine Bedeutung, wenn er innerlich verworfen wird, es bleibt dann nur eine äußere Schale. Ebenso muß man verstehen, wieviele nützliche Weisungen entstellt werden. Nehmen wir als Beispiel die Ernährungsfrage. Wir sind entschieden gegen Fleischnahrung. Es hat die Evolution genug behindert. Es kann jedoch Fälle von Hunger geben, in denen dann getrocknetes und geräuchertes Fleisch zugestanden werden kann, und zwar als letztmögliche Maßnahme. Wir sind entschieden gegen den Weingenuß, da er, als ein Rauschmittel, unzulässig ist. Doch gibt es Erkrankungen, bei denen Alkohol notwendig ist. Wir sind entschieden gegen alle Narkotika, doch gibt es Fälle derart unerträglicher Leiden, daß einem Arzt kein anderer Ausweg bleibt als deren Anwendung.
     So wird man fragen, ob etwa die Suggestion nicht bei jeder Art Schmerz anwendbar wäre. Selbstverständlich ist sie das, doch wird es nicht leicht sein, eine Person zu finden, die genügend Kraft für die Suggestion besitzt.



Man sollte meinen, daß diese Unsere Weisungen ausreichend klar seien, doch lassen sich Menschen finden, die damit anfangen, Verwirrungen und Schaden anzurichten. Einflüsterer werden behaupten, Wir erlaubten Wein, Narkotika und Fleischnahrung. Sie fordern ein unbedingtes Verbot, doch sollten sie Hunger erfahren oder erkranken, werden sie die ersten sein, die dem Lehrer vorhalten, Er hätte ihnen keinen Ausweg gelassen.
     Neben Scheinheiligkeit kann man jegliche Art von Hinterlist erwarten. Die Menschen werden sich selbst belügen, allein um eine Rechtfertigung ihrer Schwächen zu finden. Sie denken jedoch nicht darüber nach, welche Gefahren sie sich damit selbst schaffen. Sie wären gerne Unsere Mitarbeiter, doch wo ist die Behutsamkeit, die jeder Zusammenarbeit zugrunde liegt?
     Der Denker sprach: "Hütet euch vor Liebesbeteuerungen. Die erhabene Grundlage der Welt bedarf keiner Beteuerungen, sondern der Taten."

     373. Urusvati weiß, daß der Zustand, den ihr als Kultur bezeichnet, ein allgemein-menschliches Phänomen darstellt. In Bräuchen, Glaubensbekenntnissen und Sprachen kann es Vielfalt geben, doch jede kulturelle Handlung betrifft die gemeinsamen Grundlagen der Menschheit. Die Erkenntnis dieses gemeinsamen Fundamentes ist die erste Stufe zur Umwandlung des gesamten Lebens.
     Man könnte euch damit widersprechen, daß jedes Volk seine eigene Kultur habe. Doch werdet ihr leicht antworten können, daß mit diesem Einwand nicht eigentlich die Kultur, sondern die Bräuche gemeint sind. Auch könnte auf die Unterschiede der Literatur in den verschiedenen Ländern hingewiesen werden. Doch sprechen Wir nicht von Schriftzeichen und Ausdrucksmöglichkeiten, sondern über das eigentliche Wesen der Absichten und Aufgaben. Vergleicht die besten Werke verschiedener Völker, und ihr werdet sehen, daß die Aufgabenstellungen allgemein-menschliche sind. So bestätigen Wir, daß inmitten vielfacher Abspaltungen von der Einheit allgemeinmenschliches Bestreben gefunden werden kann.
     Man kann sich darüber freuen, daß das eigentliche Wesen des Menschen zur Vervollkommnung strebt. Er selbst will diesen wachen Impuls oft nicht bemerken, sondern sucht sogar den besten Antrieben entgegenzuwirken, doch irgendwo in den Tiefen des "Kelches" leuchtet bereits der Keim der Kultur auf. Früher oder später wird dieses Korn weiterwachsen. So trägt jeder Mensch ein Teilchen der gemeinsamen menschlichen Grundlage in sich.



     Es ist erstaunlich, weshalb es derart viele Zweibeiner gibt, die in ihrem Haß toben. Ist es möglich, daß auch sie vielleicht das Korn der Kultur in sich tragen? Wahrscheinlich ist es tief unter der Last von Verbrechen vergraben. In der Feinstofflichen Welt wird dann der Führer erscheinen, um zu zeigen, wie unzulässig ein tierischer Zustand ist. Wahrlich, die Menschen müssen verstehen, daß das Allgemeinmenschliche jeden Tag aufzuleuchten vermag.
     Der Denker sorgte sich darum, den Schülern die Erkenntnis zu vermitteln, daß auch in den fernen Welten die Grundlage des Allgemeinmenschlichen herrsche und jeder Mensch bereits Bürger aller Welten sei.

     374. Urusvati weiß, daß die Suche nach den Grundursachen jedem denkenden Menschen eigen ist. Die einen nähern sich dabei auf feinere, die anderen auf eine eher grobe Weise, doch niemand entgeht dem Weg des Suchens. Man schickt sich jedoch an, Höheres zu erforschen, ohne die nächstliegenden Ursachen studiert zu haben. Man hält sich gar nicht vor Augen, daß der Mensch auch die alltäglichen Erscheinungen gut verstehen muß. Wer in der Lage ist, die Ursachen alltäglichster Ereignisse zu erkennen, vermag auch höher zu schauen. Die Betrachtung der Ursachen alltäglicher Geschehnisse verfeinert das Bewußtsein. Es ist aufschlußreich zu sehen, wie ganze Ereignisse durch einen einzigen Ausruf oder Blick zerstört werden, ohne daß die Anwesenden darauf aufmerksam würden und sich hinterher an die anfänglichen Ursachen erinnerten.
     So beschränken Wir Uns bei Gedankensendungen mitunter auf ein einziges Wort. Die Kürze der Andeutung weist auf eine wichtige Ursache hin, doch nicht alle Empfänger achten auf solche Zeichen. In beständiger Übung muß man seine Aufmerksamkeit schärfen, und dies umso mehr, als Ursache und Wirkung oft durch eine lange Frist voneinander getrennt sind.
     Genausowenig achtet man allgemein auf die Zementierung des Raumes. Man wird fragen, weshalb man nahezu identische Gedanken aussenden solle. Mit diesen jedoch füllen Wir den Raum an. Es ist noch zu wenig, nur einen Entschluß zu fassen, notwendig ist es auch, um diesen Entschluß herum eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen, was eine lange Arbeit erfordert. Mögen die Menschen verstehen, daß ihre Vorhaben von einem Schutzgewebe umhüllt sein müssen. Vieles wird leichter werden, wenn man sich solchem ruhigen Denken fortwährender Bekräftigung des Vorhabens zuwendet.
     Der Denker sprach: "Ein Vorhaben ist wie ein Schwert ohne Scheide, dessen Klinge jeder schartig machen kann, aber mit einer Schutzhülle versehen, wird es seine Schärfe bewahren."



     375. Urusvati weiß, wie unvernünftig die Menschen handeln, wenn sie den Ort, an dem sie leben, verunglimpfen. Nur schwer haben sie verstanden, daß jegliche Gereiztheit beim Essen und vor dem Schlafengehen unzulässig ist. Überhaupt nicht verstehen wollen sie jedoch, daß finstere Gedanken und Verfluchungen sich auf den Wohnort legen und nicht wegzuwischen sind. Die schönste Wohnung kann man zu einem Hort finsterer Wesenheiten gestalten, und dies aus dem Unwillen heraus, die Gedankenenergie anzuerkennen.
     Wenn es Gegenstände gibt, die mit segensreichsten Aufschichtungen gesättigt sind, so bestehen ebenso auch fluchbeladene Dinge. Die Menschen haben vergessen, wie sehr ihre Ausstrahlungen die widrigsten Wesenheiten anziehen können. Ebensowenig wollen die Menschen wissen, daß jeder Ort segensreich gestaltet werden kann. Ist es also möglich, einen Ort zu verdammen, der durch menschliche Unvernunft für das Leben unzumutbar geworden ist? Mögen die Menschen nicht vergessen, daß ihre Unzufriedenheit und ihr Tadeln sich auf sie selbst niederlegen. Man könnte ein entsetzliches Bild zeichnen, in dem ein Mensch sich selbst eine Schlinge um den Hals legt und dies erst in dem Moment bemerkt, wo die Schlinge ihn erdrosselt.
     Darüber hinaus vergessen die Menschen, daß ihr Tadeln Unsere Arbeit behindert. Wir müssen viel Energie verausgaben, um die von den Menschen beschmutzten Plätze wieder zu reinigen. Kann man solche Disziplinlosigkeit zulassen, wenn der Großteil schlechten Redens aus Unwissenheit erfolgt? Die Menschen werden sagen: "Da befinden wir uns ja in einem richtigen Gefängnis, wo einem nicht das geringste Wort erlaubt wird!". Doch mögen sie darüber nachdenken, wieviel Verbrechen und Unglück allein aus unüberlegten Worten entstehen. Es läßt sich sehen, daß einige Orte dermaßen blutbefleckt und fluchbelastet sind, daß es besser ist, einen neuen Ort aufzusuchen; möge die Zeit die dunklen Aufschichtungen reinigen.
     Der Denker warnte davor, in Gedanken und Worten Absichten kundzutun, die man nicht mehr zurücknehmen könne.

     376. Urusvati weiß, wie unzulässig es ist, mit der einen Hand aufzubauen und mit der anderen zu zerstören. Doch fortwährend wird sichtbar, wie die eine Hälfte eines Menschen einer nützlichen Tat geradezu hingegeben ist, die andere jedoch gleichzeitig lästert und damit alles Geschaffene vernichtet. Hierbei erfolgt nicht allein einfache Zerstörung, sondern vernichtet werden



auch unwiederbringliche Schätze. Daher raten Wir dazu, sich einer Tat gänzlich hinzugeben oder sich erst gar nicht zu nähern.
     Solche Unterweisungen sind auch auf die Erkenntnisgewinnung über die Feinstoffliche Welt anwendbar. Einerseits wünscht ein Mensch, sich der Feinstofflichen Welt zu nähern, stößt sie aber auf der anderen Seite mit aller Kraft von sich. Auf der einen Seite wird angeordnet, an Erscheinungen zu glauben, die in der Bibel und anderen heiligen Büchern beschrieben sind, doch andererseits verbietet man, sich diesen Bereichen zu nähern. Es ließen sich endlos Beispiele anführen, in denen eine wissenschaftliche Erforschung der Feinstofflichen Welt verboten und dadurch eine Annäherung an herrliche Errungenschaften unterbunden wird. Es ist entsetzlich sich vorzustellen, daß einerseits zu blindem Glauben genötigt und gleichzeitig Erkenntnis verboten wird!
     Die häßlich verzerrte Grenze zwischen der irdischen und der Feinstofflichen Welt läßt sich darstellen. Solch unzweckmäßige Situation entsteht aus Unvollkommenheit. Man kann sich vorstellen, daß es viele unterdrückende Kräfte gibt; sie können vieles fortstoßen, was bereits zur Erscheinung vorbereitet ist. Die Schlacht an der Grenze zwischen beiden Welten ist zu groß; Wir raten daher, sich mit ganzer Hingabe zu nähern oder die Feinstoffliche Welt überhaupt nicht zu berühren.
     Es geschieht viel Lästerung. Heuchlerisch wiederholen die Menschen die Worte der Lehre, doch gleichzeitig denken sie in lüsterner Weise über unzulässige Handlungen nach. Mögen jene, von denen Ich spreche, aufhorchen. Die gesandten Unterweisungen sind nur in vollem Maße auf das Leben anwendbar. Wen aber werden die Heuchler denn betrügen?
     Der Denker sprach: "Es ist unmöglich, die Unsichtbaren Kräfte zu betrügen."

     377. Urusvati weiß von der Schlacht in der Feinstofflichen Welt. Dort, wo alles durch den Gedanken geschaffen wird, wird auch durch den Gedanken zerstört. Man kann sich die Zusammenstöße vorstellen, wenn Raserei mit dem Mut der Gerechtigkeit kämpft. Die Art der Schlacht, die sich in verschiedenen Schichten vollzieht, ist abhängig von der Beschaffenheit der jeweiligen Schicht. Die der Erde nächstgelegene Schicht ist von besonderer Raserei geprägt. Dorthin werden die unausgelebten Leidenschaften getragen, und alle irdischen Verirrungen leben dort weiter, da die ihnen Unterworfenen die Nichtigkeit ihrer leidenschaftlichen Neigungen noch nicht erkannt haben.



     Viele ehemalige irdische Herrscher sind dort versammelt, und jeder ist der vollen Überzeugung, daß allein Gewaltherrschaft die Krone des irdischen Lebens sei. Auch dort haben sie noch nicht erkannt, daß ihr unmenschliches Verlangen nur die irdische Atmosphäre aufwiegelt. Da sie die Harmonie nicht kennen, sind sie im Gegenteil sogar bereit, nicht nur die Erde, sondern auch den Himmel zu erschüttern. Sie kennen keine Ruhe und schöpfen Kraft aus ihrer Raserei. Man darf sich nicht wundern, daß es solche Schlachten gibt. Viele der Wahnsinnigen gehen zugrunde, andere jedoch werden durch ihr Karma gehalten. Denn auch das schwerste Karma setzt die Existenz desjenigen voraus, der es erleiden muß, da anderenfalls das Karmagesetz nicht erfüllt würde.
     Das Bestreben, Harmonie zu stören, erschwert das Karma ebenfalls. Es stellt sich die Frage, was mit überwundenen Gedankenentladungen geschieht. Sie geraten in eine Art Schlafzustand, doch verzögert solcher Zustand nur ihre weitere Entwicklung. So sind viele Beschreibungen himmlischer Schlachten nicht weit von der Wirklichkeit entfernt. Es ist jedoch bedauerlich, daß die Menschen dabei häufig grobe Symbole verwenden und auf diese Weise vorhandene Irrtümer vergrößern. Lest die menschliche Geschichte nochmals und seht, wie die Phantasie sich von der Wirklichkeit entfernt hat. Die gröbsten beschriebenen Formen existieren in der Feinstofflichen Welt nicht. Selbst die Raserei feinstofflicher Wesenheiten hebt sich noch von den entsprechenden irdischen Formen ab.
     Der Denker ging davon aus, daß der irdische Gedanke die Feinheit der Höheren Welt nicht erreichen könne.

     378. Urusvati weiß, daß das Karmagesetz die Existenz desjenigen voraussetzt, auf den es seine Wirkung ausüben wird. Viele würden eher eine völlige Vernichtung vorziehen als die Spirale des Karma anzunehmen. Dementsprechend ist das alte Sprichwort entstanden: "Karma ist ein Scharfrichter, der sich sein Opfer aufbewahrt." Auf diese Weise wollten die Menschen zum Ausdruck bringen, daß Karma besondere Verbrecher gleichsam vor völliger Vernichtung bewahrt.
     In der Tat läßt sich bisweilen feststellen, daß offenkundige Übeltäter dennoch weiterexistieren, auch wenn sie nach menschlichem Ermessen hätten völlig vernichtet werden müssen. Kann man jedoch dort menschliche Maßstäbe anlegen, wo das Gesetz unaussprechlicher Gerechtigkeit wirkt? Nicht selten verfallen Übeltäter in langwierige Krankheit oder genießen zunächst Gesundheit, um dann später psychischen Schrecken unterworfen zu werden.
     Glauben wir jedoch nicht, daß Verbrechen damit gerechtfertigt werden könnten, Folge von psychischer



Verwirrung zu sein. Laßt uns tiefer blicken, und wir werden Ursachen finden, die sich über einen Zeitraum vieler Jahrhunderte hinweg ausgewirkt haben. Solche Beobachtungen können einen Begriff von den Grundlagen des Karma vermitteln. Weise fürchten dieses Gesetz nicht. Allgemein läßt sich die Menschheit einteilen in diejenigen, die die karmischen Folgen fürchten und jene, die sie ruhig empfangen. Meidet jene, die diese Folgen fürchten. Man kann überzeugt sein, daß sie die Schritte des Karma spüren. Dabei mag es sein, daß sie noch nicht klar wissen, ob sich Wirkungen ergeben werden, doch in der Tiefe des "Kelches" regt sich die lang vergessene Giftschlange.
     Bedenkt, wie sehr die Menschen in der Frage der Wiederverkörperung auseinandergehen. Die einen können die gesamte diesem Gesetz zugrundeliegende Gerechtigkeit annehmen, doch für die anderen erscheint es als ungeheuerlich. Auch solche Menschen erinnern sich verschwommen ihrer früheren Existenz und haben Grund, sich aufgrund ihrer Taten zu fürchten. So läßt sich die Teilung der Menschheit beobachten.
     Der Denker redete Seinen Schülern zu, das Karmagesetz nicht zu fürchten. Er sagte: "Ein Jäger geht voller Hoffnung in den Wald, sonst wird seine Jagd erfolglos sein."

     379. Urusvati weiß, daß die sogenannten heiligen Schmerzen sich äußerlich nicht von gewöhnlichen Erkrankungen unterscheiden. Die Ärzte finden dafür nur routinemäßige Definitionen. Ihr wißt, daß das Leben zweier großer Denker Indiens in Krankheit endete, bei dem einen mit Kehlkopfkrebs, bei dem anderen mit Diabetes. Was können solche Krankheiten mit heiligen Schmerzen gemein haben? - so werden die Ärzte fragen. Beide Beispiele jedoch zeigen, daß selbstaufopfernde Verausgabung psychischer Energie die unerwartetsten Folgen zeitigen kann.
     Gleichfalls wißt ihr von den heiligen Schmerzen der Upasika, doch die Ärzte würden niemals Ursache und Wirkung solcher Selbstaufopferung anerkennen. Sie werden fragen, wozu solche Verschwendungssucht in der Verausgabung der psychischen Energie nützlich sei. Sind solche Fragen jedoch angebracht? Demnach könnte man auch noch Zweifel hegen, ob das Werk Unserer Schwestern in Spanien und Italien nützlich gewesen sei. Beide jedoch erwiesen sich als Beispiele hochstehender Arbeit für das Gemeinwohl. Sie kämpften gegen Ungerechtigkeit und Unwissenheit. Beide ertrugen schwere Beschimpfungen. Beide bezeigten eine nie dagewesene Geduld.



Beide litten unter heiligen Schmerzen. Niemand vermochte ihre verschiedenen Erkrankungen, die unerwartet auftraten und plötzlich wieder vergingen, zu bestimmen. Niemand war in der Lage, über die Ursachen nachzudenken. Und dies besonders jene nicht, um derentwillen die Energie verströmt wurde. Doch diese Offenbarung von Selbstaufopferung erbrachte strahlende Stufen des Aufstiegs.
     Ein griechischer Weiser wurde sehr traurig, als er seine Gesundheit bemerkte: "Gelangt meine Kraft etwa nicht dorthin, wo sie erforderlich ist?" So kann man anhand vieler Beispiele aufzeigen, daß das Große Dienen ganz und gar nicht irdische Gesundheit bedeutet. Ebenso läßt sich beweisen, daß einige Kranke länger als mutmaßliche Gesunde leben. Denkt darüber nach, daß die Hingabe der Energie höchste Freigebigkeit und Barmherzigkeit darstellt.
     Der Denker sprach: "Ein Segen ist es, daß jeder einen unsichtbaren Reichtum in sich trägt."

     380. Urusvati weiß, daß derjenige sich Finsternis in der Feinstofflichen Welt bereitet, der nicht im Verlauf seines irdischen Lebens über den Sinn des Daseins nachdenkt! Urusvati hat eine Person gesehen, die vom irdischen Standpunkt aus gut war, der jedoch der Gedanke vom Sinn des Lebens nicht begegnet war. Beim Übergang in die Feinstoffliche Welt erwies sie sich als hilflos, da sie nicht einmal wußte, wie sie die Hilfe des Führers aufnehmen sollte. Urusvati hat eine gute Tat vollbracht, indem sie diese Person aufsuchte und ihr zeigte, daß Führung und Hilfe ganz nahe seien.
     Die Menschen wollen nicht verstehen, daß selbst Gutmütigkeit auf der Erde noch keine Lösung der Lebensaufgabe bedeutet. Es ist unerläßlich, auch über den danach folgenden Weg nachzudenken. Mögen solche Überlegungen im Anfangsstadium auch noch unzulänglich sein, entwickeln sie dennoch die Vorstellungskraft. Anderenfalls wird der Mensch in Umstände getrieben, die ihm äußerst unangenehm sein werden. Wenn der Mensch sich daran gewöhnt, über freudige Begegnungen nachzudenken, entwickelt und formt er bereits seine Vorstellungskraft, die ihm den Eingang in die entsprechenden Sphären öffnet.
     Der Mensch kann sich den Eintritt in die Feinstoffliche Welt überaus erleichtern. Groß ist die Freude, wenn man wie in ein befreundetes Haus eintreten, jene findet, zu denen man strebte und erleichtert über das Ende eines weiteren irdischen Weges aufatmen kann. Solch ein Zustand ist jedoch die Folge bewußter Vorstellung. Ihr werdet es daher verstehen, wie sehr Wir zu allem streben, was Vorstellungskraft entwickelt. Wir wissen, daß



diese kostbare Eigenschaft sich in einem fortwährenden Prozeß bildet. Wir können der Menschheit nicht ohne Entwicklung der Vorstellungskraft, die die Voraussicht begünstigt, helfen - da ohne diese ein Fortschritt nicht möglich ist.
     Der Denker lehrte, die Vorstellungskraft zu entwickeln, da sich sonst das dritte Auge nicht öffne.

     381. Urusvati weiß, daß die Eigenschaft der Duldsamkeit eine der Grundbedingungen des Fortschritts ist. Jedes Zeichen von Duldsamkeit muß geschätzt werden. Könnten Wir etwa den Menschen ohne höchste Duldsamkeit helfen? Jedes Entflammen muß für das Gemeinwohl genutzt werden. Am tödlichsten ist leichenartige Gleichgültigkeit. Wahrlich, mitunter kann wütende Verneinung eher entschuldigt werden als gefühllose Gleichgültigkeit.
     Wir lächeln Verneinern bisweilen zu, da in jedem Verneiner ein Teil Bestätigung lebt, doch das Eis der Gleichgültigkeit läßt keine Blumen wachsen. Dies ist der Grund, weshalb die Heißen und Kalten bevorzugt, die Lauen jedoch verworfen werden. Kein Verneiner wird zustimmen, daß er demjenigen helfen kann, den er verneint. Wie soll man ihm sagen, daß er voller Feuer ist und seine Kälte sich in ein großes Feuer zu wandeln vermag? Gewöhnlich wechselt Verneinung mit Bestätigung - so verhält es sich mit den Daseinsfragen. Doch das Eis derjenigen, die in der "Offenbarung" als lau bezeichnet wurden, wird nicht so bald tauen.
     Unglückseligerweise gibt es sehr viele solcher Lauen. Die Erzeuger kosmischen Unrats stören durch ihre Gestaltlosigkeit die Evolution. Aus den Lehrstunden in der Feinstofflichen Welt nehmen sie so gut wie gar nichts mit. Wir können ihnen nicht helfen, da sie keine feurigen Ausstrahlungen besitzen, die als Leiter für lichtvolle Einwirkungen von außen dienen. Wieviele gute Pfeile stumpfen am Panzer der Gestaltlosigkeit ab! Funken lassen sich eher aus einem Verneiner schlagen, als daß der Panzer der Gleichgültigkeit aufgebrochen werden könnte. Das Feuer vermag nur dort durchzudringen, wo gerungen wird.
     Man muß lernen, jedes kleinste Teilchen der Energie zu erkennen und auf dieses seine fürsorgliche Aufmerksamkeit richten. Die Menschen schreien: "Er gehört nicht zu uns, kreuzige ihn!" - Einfältige, er ist keiner der Euren, sondern ein Feuriger. Nur Unwissende löschen das Licht aus, um in der Finsternis zu bleiben, und dann werden sie sich über das grausame Schicksal beklagen.
     Der Denker lehrte, auch das kleinste Teilchen der Energie zu erkennen: "Seid behutsame Baumeister!"



     382. Urusvati hat in Unserem Laboratorium viele verschiedene Apparate gesehen, die jedoch allesamt auf der Grundlage der psychischen Energie funktionieren. Es wird eine Zeit kommen, da die Menschen erkennen werden, daß die Funktion einer Maschine von der Energie der sie benutzenden Person abhängig ist. Man darf dies nicht als Magie oder ein übernatürliches Phänomen bezeichnen. Die Menschen sollten verstehen, daß sie jedem Gegenstand, dem sie sich nähern, einen Teil ihrer Energie überantworten. Wenn die Energie sich in undiszipliniertem Zustand befindet, wirkt sie nur in geringem Maße, doch erkennt man sie bewußt und führt sie einem geordneten Zustand zu, so wird sie stärker in Erscheinung treten.
     Mitunter bemerken die Menschen eine besonders starke Manifestation der Energie. Sie bezeichnen einen solchen Zustand als Begeisterung oder sagen, sie seien guter Stimmung oder hätten sich genügend ausgeruht und Kräfte gesammelt. Indessen haben sie die Gegenwart ihrer eigenen Energie wahrgenommen. Sie könnten die besten Wirkungen erreichen, wenn sie erkennen würden, daß in ihnen beständig die Quelle bester Errungenschaften ruht. Hierbei braucht man nicht zu Beschwörungen Zuflucht zu nehmen, nötig ist nur, sich des Geschenkes zu erinnern, das sich in jedem Menschen befindet.
     Doch auch ein anderer Umstand darf nicht vergessen werden: Die psychische Energie entwickelt sich besonders, wenn die Verbindung zur Hierarchie geknüpft wird. Man muß diese Verbindung das ganze Leben über wahren, denn sie ist in hohem Maße lebensnotwendig. Das Antlitz des Führers wird unablässig gegenwärtig sein, und die Berührungen der Wellen neuer Kräfte werden sich bei jeder Art Arbeit manifestieren. Möge dies die Grundlage jenes Gefühls sein, das die Menschen Optimismus nennen. Bei einem derartigen Gefühlswissen arbeiten auch die Maschinen besser.
     Die Funktion aller Unserer Apparate gründet auf der Anwendung der psychischen Energie, und ein Unterschied besteht nur darin, daß Wir durch Unsere lange Erfahrung Unsere psychische Energie zu konzentrieren vermögen. Doch jeder denkende Mensch kann ungehindert denselben Weg gehen.
     Der Denker sprach: "Ich weiß, daß meine Kraft sich vermehrt, wenn ich den Himmel darum bitte. Möge er mir ein Teilchen seiner Macht verleihen!"

     383. Urusvati weiß, daß ein wahrer Tatmensch für die Verteidigung der Wahrheit eintreten muß. Es existiert die irrige Meinung, daß die Wahrheit keiner Verteidigung bedürfe. Im kosmischen



Sinne ist es auch so, doch im Irdischen ist es notwendig, die Wahrheit zu bestätigen, da sonst verhängnisvolle Entstellung beginnt.
     Es ist feststellbar, daß Funken der Wahrheit dennoch in das menschliche Bewußtsein eindringen. Man wird bereits nicht mehr das verspotten, was vor einem halben Jahrhundert verunglimpft wurde. Doch durch welche Opfer werden solche kleinen Fortschritte erreicht! Es läßt sich anerkennen, daß die Kraftverluste die Wirkungen übertreffen. Wie aber sollen denn die Tatmenschen die Wahrheit verteidigen? Wenn sie verleumdet, ins Gefängnis geworfen und getötet werden, wer hört denn ihr letztes Aufstöhnen? Man muß in der Tat eine besondere Weisheit in der Verteidigung der Wahrheit anwenden. Möge dabei das volle Maß der Entsprechung hineingelegt werden.
     In keiner Weise wünschen Wir, daß nützliche Tatmenschen vernichtet werden. Nicht selten raten Wir dazu, sich nicht überflüssigen Gefahren auszusetzen. Der erfahrene und hingebungsvolle Tatmensch versteht, wie die angesammelte Energie nützlicher anzuwenden ist. Stellen wir uns einen Gelehrten vor, der mit einem besonders wichtigen Experiment befaßt ist und plötzlich das Laboratorium verläßt, um an einer Straßenschlacht teilzunehmen. Jeder würde bedauern, daß eine zum Wohl der ganzen Menschheit gereichende Errungenschaft im Stich gelassen wird. Doch allein ein verfeinertes Bewußtsein wird eingeben können, wo die Grenze zur Heldentat ist. Wir wissen, wie wenig diese Grenze bemerkt wird. Auf die Waagschalen sind derart viele Überlegungen zu legen, daß es schwer ist, das Gleichgewicht zu erreichen.
     Der Denker sprach: "Unsere Last ist derart groß, und dennoch wissen wir nicht, welcher Dinge wir uns entledigen sollen."

     384. Urusvati weiß, wie schädlich es ist, irdische Maßstäbe auf überirdische Gegebenheiten anzuwenden. Dies sage Ich vielen, die über die Grundlagen des Daseins lesen könnten, ihnen jedoch irdische Urteile hinzufügen. In kleinen Dingen denken sie an Entsprechung, doch wenn große Prüfungen an sie herantreten, urteilen sie auf irdische Weise. Indessen muß man gerade bei besonderen Ereignissen ganz von überirdischem Verstehen erfüllt sein.
     Die Menschen sind nicht fähig, die Kräfte des Lichts herbeizurufen, wenn ihnen Gefahr droht. Im Gegenteil, sie werfen Zweifel, Selbstmitleid und sogar Anklagen in den Raum, obwohl sie selbst



sehr wohl wissen, daß solcher Kleinmut ihnen nicht hilft. Sie wissen, daß ein Hilferuf, der ihre Kräfte zu mehren imstande ist, nicht in Anklagen besteht.
     Die Völker des frühen Altertums handelten richtiger. In der Gefahr wandten sie sich schweigend und ohne einen bestimmten Gedanken zu fassen, zum Himmel. Sie öffneten ihre Herzen zum Empfang der höchsten Kräfte. Sie verstanden, daß irdische Worte die Bestätigung der Hilfe nicht auszudrücken vermögen. Sie gestatteten den von oben gesandten Strahlen, sich ungehindert in ihr Bewußtsein zu ergießen. Sie waren davon überzeugt, daß in der Stunde der Not gute Hilfe kommen würde. Ebenso wußten sie, daß der Raum mit Wesenheiten bevölkert ist und die guten zu Hilfe eilen würden.
     Es läßt sich beobachten, daß die Annäherung feinstofflicher Wesenheiten, auch wenn sie keineswegs schlechter Natur sind, Erschütterungen des Organismus hervorrufen kann. Der Mensch spürt bereits Einflüsse anderer irdischer Mitbewohner, doch stärker noch wirken feinstoffliche Wesenheiten ein, wenn sie einer bestimmten Person zustreben. So wird vorstellbar, daß die von unbekannten Wesenheiten eingebrachte Disharmonie sogar körperliches Unwohlsein hervorrufen kann. Urusvati weiß, wovon Ich spreche.
     Der Denker vermochte die Anwesenheit unsichtbarer Wesenheiten zu spüren. Er wandte sich den unerwarteten Gästen zu und bat sie, Ihm keine Schwierigkeiten zu bereiten, sondern nach Möglichkeit zu helfen.

     385. Urusvati weiß, wie sehr Wir auf Einigkeit bestehen. Die Menschen denken, daß dieser Hinweis allein ethische Bedeutung habe, ohne jedoch zu verstehen, daß Einigkeit Vermehrung der Energie bedeutet. Es wird vorstellbar, wieviel leichter es Uns wird zu helfen, wenn herzliche Einigkeit herrscht, wobei nämlich die Energie geschont wird. Sie ist dann auf eine Stelle gerichtet, und diese Konzentration führt zu einer klaren Verstärkung der Energie.
     Mögen die Menschen es verstehen lernen, daß jede ethische Unterweisung ein wissenschaftlicher Rat ist. Ich wiederhole diese Wahrheit, da Ich sehe, daß sogar viele, die die Lehre lesen, sie nicht im Leben anwenden.
     Neben einer Zunahme Unserer Hilfe bewirkt Einigkeit jedoch auch, daß räumliche Energie wie mit einer Pumpe angezogen wird. Die Menschen vergessen, daß sich ihre Energie bei Zusammenarbeit



um ein Mehrfaches steigert. Solch eine Progression kann berechnet werden, und die Menschen könnten sich ein weiteres Mal davon überzeugen, was ihnen im irdischen Leben anvertraut ist. Überzeugen kann man nur auf wissenschaftlichem Wege. Mögen die Gelehrten daher nachweisen, wie summierte Kräfte anwachsen. Möge man sich klar davon überzeugen, daß Zusammenarbeit quasi die beste Art von Magie ist. Mögen jedoch auch diejenigen, die nichts von Uns wissen, darüber nachdenken; ob es nicht sein könnte, daß sich irgendwo eine kostbare Energiequelle befindet, die man im Leben anwenden kann. Wer dies annehmen kann, wird sich Uns bereits nähern.
     Der Denker verstand, daß die Kraft des Menschen nicht völlig erschöpft werden kann, wenn er an die höchste Quelle denkt.

     386. Urusvati weiß vom guten Rhythmus oder dem sogenannten natürlichen Yoga. In den Vermächtnissen des Goldenen Weges Buddhas, in der Ethik Platons, in den Grundlagen Ägyptens lassen sich Unterweisungen über einen Yoga finden, der mit dem irdischen Leben verbunden ist. Besonders jetzt muß man die Aufmerksamkeit auf eine natürliche Entwicklung der psychischen Energie lenken. Man muß sie nicht nur studieren, sondern unbedingt auch im Leben anwenden. Natürlich, die psychische Energie arbeitet selbständig, doch nun spreche Ich über ihre bewußte Anwendung.
     Werdet nicht müde zu wiederholen, daß jeder einen offen verfügbaren Schatz besitzt und ihn auf gedanklichem Wege im gesamten Leben bei allem Tun hinzuziehen kann. Doch dafür ist es vor allem notwendig, den Denkprozeß klar zu erkennen. Der Mensch denkt ununterbrochen, während des Schlafes und im Wachzustand, doch der eine Gedanke wird im Gehirn reflektiert, während der andere in der Tiefe des Bewußtseins verläuft. Gewöhnlich weiß der Mensch von dieser Tiefe nichts. Er erkennt nicht, daß die vielleicht wertvollsten Aufspeicherungen außerhalb des Gehirns erfolgen.
     Mögen die Menschen sich über das ununterbrochene Denken Rechenschaft ablegen. Es arbeitet wie ein Puls und schafft dabei einen guten Rhythmus. Diese Definition ist bezeichnend, da sie darauf hinweist, daß ein gesundes Denken auch gut sein wird. Solche unerläßliche Eigenschaft entfacht ein heilsames inneres Feuer.



     Urusvati weiß, wie man in die dunklen Sphären der Feinstofflichen Welt heilsames Feuer bringt. Der feinstoffliche Körper ist dann wie ein mit Phosphor gefüllter Kelch. Man kann ein unerschöpfliches Licht aus ihm hervorrufen - dies ist ebenfalls ein guter Rhythmus.
     Wir lieben es, Sphären zu durchschreiten, die des Lichts bedürfen, und dort feurige Funken auszustreuen. So kann auch jeder Mensch in jedem beliebigen Zustand eine Quelle des Lichts sein.
     Der Denker sprach: "Das Gute ist das Licht."

     387. Urusvati weiß, wie unterschiedlich die Empfindungen während und nach den Flügen in die Feinstoffliche Welt sind. Es läßt sich sagen, daß solche Empfindungen zum Allerhöchsten streben, doch kann es auch unangenehme und sogar schmerzhafte geben.
     Zornige Verneiner werden darauf beharren, daß es sich bei allen um illusionäre Vorstellungen handeln würde, die nicht mehr darstellten als von dem jeweiligen Verdauungszustand abhängige Träume. Wer jedoch die Feinstoffliche Welt erfahren hat, kennt deren Realität.
     Warum aber sind die Empfindungen bei Berührung der Feinstofflichen Welt so gegensätzlich? Man darf nicht meinen, daß sie allein aus unserer Gesinnung resultierten. Im Gegenteil, man muß die Ursachen im Chemismus der verschiedenen feinstofflichen Sphären suchen. Die Ärzte müssen die Aussagen derjenigen erforschen, die ihren feinstofflichen Körper abgetrennt haben, und sie mit deren physischen Empfindungen vergleichen. Es läßt sich dabei ein Zusammenhang zwischen den Empfindungen und den gesehenen Teilen der Feinstofflichen Welt finden. Man kann bemerken, daß nach der Rückkehr in den physischen Körper viele gegensätzliche Empfindungen auftreten. Unter ihnen lassen sich mitunter sogar Zeichen einer gewissen Vergiftung feststellen. All diese Angaben beweisen nur, daß auch der feinstoffliche Körper physikalische Eigenschaften besitzt.
     Ebenso wird damit bewiesen, daß der Chemismus je nach Sphäre auch überaus verschiedenartig ist. Natürlich kann man bei Annäherung an bewohnte Orte deren Ausstrahlungen spüren. Sogar Plätze, die nicht gerade finster sind, können ungeordnete Ausstrahlungen aufweisen und dadurch nach der Rückkehr in den irdischen Körper Schmerz verursachen. So ist das Experiment der Abtrennung des feinstofflichen Körpers mit unterschiedlichen Empfindungen verknüpft. Es wird eine Zeit kommen, da diese Art Verkehr auf exakter wissenschaftlicher Grundlage durchgeführt werden wird. Doch jeder Weg der Forschung ist ein dorniger.



     Der Denker spürte nicht selten das Austreten des feinstofflichen Körpers. Er sandte ihn gedanklich in Sphären, wo er neues Wissen erfahren könnte.

     388. Urusvati weiß, welch unaufhörlicher Kampf sich zwischen den verschiedenen Materieschichten vollzieht. Ich sage: Die Aussage, daß das Licht die Finsternis besiegt, ist eine überaus schematisch formulierte Wahrheit. Unzweifelhaft siegt das Licht im Endergebnis über die Finsternis, doch viele Stadien werden durchschritten, bis das Chaos oder die Finsternis zerstreut sind.
     Man darf nicht meinen, daß es zwischen Licht und Finsternis nicht viele Abstufungen gäbe. Diese Gegebenheit muß man in bezug auf physische Wahrnehmungen als auch auf sämtliche Denkprozesse klar erkennen.
     Es wird richtigerweise danach gefragt, weshalb gewisse überzeugende Ideen so sehr langsam in das menschliche Bewußtsein eindringen. Es ist erstaunlich, daß das Gesetz der Wiederverkörperung so schwer von der Menschheit aufgenommen wird, obwohl es viele Zeugnisse dafür gibt. Dazu muß man verstehen, daß die klare Erkenntnis dieses Gesetzes für das Chaos unannehmbar wäre. Würde die Wiederverkörperung von allen Menschen anerkannt, würde dies das ganze irdische Leben umwandeln. Vergleicht Personen, die dieses Gesetz angenommen haben, mit solchen, die es verneinen, so wird euch klar werden, wo Licht und wo Finsternis herrscht.
     Es ist überaus erstaunlich, in welch weitem Maße die Wellen von Anerkennung und Ablehnung wechseln. Die gegenwärtige Schlacht verläuft im überirdischen Bereich, und die großen Kräfte nehmen an ihr teil. Wo die Grenze zwischen unbedingter Anerkennung und völliger Ablehnung verläuft, kann unmöglich gesagt werden. Mancher Verneiner ist der Erkenntnis näher als jemand, der totenähnlich Buchstaben ohne Sinn wiederholt.
     Bemerkt, daß gewisse Menschen Erscheinungen der Feinstofflichen Welt gesehen haben und sie dennoch zu verneinen suchen. Besonders lehrreich ist es, Gelehrte zu beobachten, die viel gelesen, ohne das Gelesene in ihr Bewußtsein aufgenommen zu haben. Man kann sich leicht vorstellen, welche Last an der Erkenntnis jedes Gesetzes hängt. Es wird sichtbar, wie gewisse Menschen sich erzürnen und sich erbittert gegen offenkundige Erscheinungen erheben, die ihnen in keiner Weise Schaden zutragen könnten. Dies ist die Widerspiegelung der Schlacht zwischen den verschiedenen Schichten der Materie.
     Der Denker verstand, daß das Chaos die Menschen fest an ihren Beinen gefangenhält.



     389. Urusvati weiß, daß das Gesetz von Anziehung und Abstoßung in allen Welten wirksam ist, und dies in aller Lebendigkeit, da in den Gebieten, wo der Gedanke herrscht, die beweglichste Energie als Mittler fungiert. Es ist aufschlußreich zu beobachten, wie dieses Gesetz in der Feinstofflichen Welt in Erscheinung tritt. Dort läßt sich seine Anwendung bei weitem besser als in der grobstofflichen Welt studieren.
     Die Menschen nehmen an, daß man sich in der Feinstofflichen Welt allein in einer einzigen Sphäre, entsprechend der geistigen Ähnlichkeit, befinden könne. Sogar solche Annahme ist relativ. Wahrlich, es wird jeder zu einer bestimmten Sphäre hingezogen, was ihn jedoch nicht zu hindern braucht, Gedanken in andere Sphären zu senden. Entlang dieser gedanklichen Brücke können sich neue Verbindungen ergeben, sofern nicht das Gesetz der Abstoßung wirksam wird. Doch auch ein solches Hindernis kann überwunden werden, wenn der gesandte Gedanke klar und gut war.
     Es läßt sich sehen, wie die Gefühle des Bösen, der Rache und der Schädlichkeit abfallen. Sie lösen sich in Unnötigkeit auf, da das Wesen zu verstehen beginnt, daß die Tore sich mit solchen Schlüsseln nicht öffnen lassen. Arbeiter vergessen auch auf der Erde Kränkungen und Ungerechtigkeiten, da die Arbeit ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. In den hohen Sphären kann es keine Gedanken über das Böse geben, das ja chaotisch ist, weil es inmitten von Harmonie keine Grundlagen für Dissonanzen geben kann. Der Magnet beginnt zu wirken, und so entsteht Anziehung.
     Möge auch in der grobstofflichen Welt bereits der klare, gut organisierte Gedanke, der zu den Höhen führt, wachsen. Man darf solche Gedanken nicht mit kleinlichen Klagen über Mißgeschicke zerstören. Denn eine große Anzahl solcher Klagen entsteht durch Mißtrauen. In der Folge wird der Mensch die auf das Klagen vergeudete Energie bedauern, wenn er begonnen hat, den Höchsten Kräften zu vertrauen. Auf der ganzen Erde entstehen auf diese Weise beste Gedanken.
     Der große Denker selbst forderte dazu auf, Zuflucht dort zu suchen, wo keine Verzweiflung herrsche.

     390. Urusvati weiß, daß die meisten Menschen mit ihren irdischen Gewohnheiten beladen in die Feinstoffliche Welt hinübergehen. Nicht nur einmal hat Urusvati bei Flügen in die Feinstoffliche Welt gesehen, daß offensichtlich gute Menschen sich ihre Lebensweise nach früherer irdischer Art einrichteten. Es ist sehr verwunderlich, daß neue Lebensbedingungen nicht zu



neuen Beschäftigungen anregen. Unter den Überbleibseln lassen sich besonders aufschlußreiche bemerken. So setzen Menschen, die sich im Übermaß mit ihren irdischen Krankheiten befaßt haben, diese bisherige Denkweise auch in der Feinstofflichen Welt fort. Sie haben sich daran gewöhnt, viele Medikamente zu nehmen und können sich nicht vorstellen, daß dieser Aspekt nun keine Notwendigkeit mehr für sie besitzt. Um jenes Zweckes willen erfinden sie für sich die Nutzung der atmosphärischen Chemismen. Nur ist es schade, daß sie dieses Prinzip nicht auch mit in die nächste Verkörperung hinübernehmen.
     Es ist erstaunlich, daß die irdischen Ärzte den atmosphärischen Chemismen keine Aufmerksamkeit widmen. Sie raten zu reiner Luft am Meer oder im Gebirge, erforschen jedoch offenkundige Chemismen nicht, die die niederen irdischen Schichten in unterschiedlicher Weise erfüllen.
     Ich spreche hier nicht von giftigen Gasen, die leicht beobachtet werden können, sondern habe höhere Chemismen im Sinne, die auf der Basis von Astrochemie und Astrologie studiert werden können. Man muß mit ihrer Beobachtung beginnen, und die medizinische Therapie wird ein ganz anderes Gesicht erhalten. Es ist nötig, sich von der Macht astrochemischer Strahlen zu überzeugen. Wir studieren diesen Bereich, wozu die feinstofflichen Sphären besondere Möglichkeiten bieten. Doch auch von der Erde aus können die Menschen sich mit diesem Forschungsgebiet befassen. Dazu ist nur nötig, etwas bisher Unbekanntes auch zulassen zu können, wofür jedoch irdische Gewohnheiten die Feinde an erster Stelle sind.
     Der Denker riet Seinen Schülern, sich bisweilen zu fragen: "Habe ich mich irgendeiner Sache beraubt?"

     391. Urusvati weiß, daß die Lehre des Lebens keine Widersprüche enthalten darf, doch oberflächliche Leser könnten argwöhnen, daß bestimmte Sachverhalte miteinander unvereinbar seien. So spreche Ich über das Harmagedon in der Feinstofflichen Welt und berichte daneben über ein friedliches Dasein. Erinnern wir uns: Wie auf der Erde, so im Himmel. Zu Zeiten fürchterlichster Kriege auf Erden kann man auch überaus friedliche Länder sehen. In der Feinstofflichen Welt ist es ganz genauso.
     Vergessen wir nicht, daß irdische Ereignisse durch die Rinde des kleinen Planeten begrenzt sind, doch die Bereiche der Feinstofflichen Welt sind unvergleichlich ausgedehnter, weshalb auch alle Maße unbegrenzt erscheinen. Dennoch können die Menschen nicht verstehen, daß die Feinstoffliche Welt etwas zu fassen vermag, das mit irdischen Begriffen unvergleichbar ist.



     Schematisch kann man die Sphären voneinander abgrenzen, doch bei genauerem Studium werden die verbindenden Fäden sichtbar. Auf der Erde erweist sich, bei allen vorhandenen Abgrenzungen, jede Existenz als mit den verschiedenen Verhältnissen verbunden. Noch weitaus stärker ist dies in der Feinstofflichen Welt.
     Über diese ausgedehnte Welt spreche Ich nicht allein deshalb, weil es nötig ist, möglichst detailliertes Wissen darüber zu erfahren, sondern auch, weil es Unser Leben aufs engste betrifft. Es werden sich dennoch Menschen finden, die behaupten, es sei wenig über die Feinstoffliche Welt gesagt worden. Das gleiche könnten sie aber auch von ihrem eigenen irdischen Leben sagen. Das irdische Leben ist von Wundern erfüllt, die jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigen. Erweitern wir diese Wunder in die Unbegrenztheit, so erhalten wir die Möglichkeiten in der Feinstofflichen Welt.
     Allein aus Unachtsamkeit gegenüber dem irdischen Leben können die Menschen sich auch Unsere Existenz nicht vorstellen. Selbst jene, die versichern, Uns zu kennen, geraten beim ersten Mißgeschick sowohl über Uns als auch über die Feinstoffliche Welt in Zweifel.
     Was aber wird sein, wenn Wir sagen, daß die Feinstoffliche Welt jegliche Art von Schwierigkeiten enthält? Die Zuhörer werden auseinanderlaufen, wobei sie vergessen, daß diese Flucht sie nicht enthebt, später doch in die Feinstoffliche Welt eintreten zu müssen. Ist es also nicht besser, das gesamte für den zukünftigen Weg nützliche Wissen jetzt zu sammeln? Wie der Augenblick des Einschlafens blitzt der Übergang in die Feinstoffliche Welt auf. Selbst wer aus einem Erholungsschlaf erwacht, befindet sich unter neuen Bedingungen. Das Denken kann dermaßen verwirrt sein, daß solche Bewohner in der Feinstofflichen Welt vergessen, nach der Hilfe des Führers zu rufen. Geschieht nicht das gleiche im irdischen Leben? Niemand spricht von den Führern, und diese äußerst naheliegende Verbindungsmöglichkeit bleibt ungenutzt.
     Selbst hinübergegangene Nächste können wenig helfen, wenn man sie ablehnt. Bei Abstoßung wird ein bedeutender Teil der Hilfe zerstreut. Gewaltsame Hilfe vermag die Hand zu brechen. Groß aber ist das Glück eines Menschen, der in eine ihm bereits bekannte Feinstoffliche Welt eintritt. Es braucht keine Energie für Anpassungen verwendet zu werden, sondern sie kommt in einem Drang nach oben zum Ausdruck. Vor langem wurde gesagt, daß die höheren Sphären mit Kraft zu nehmen sind und daß sie dem gehören werden, der sie in sich aufzunehmen vermag.
     Der Denker verabschiedete die Hinübergehenden mit den Worten: "Sammelt alle Kraft, um unverzüglich aufwärtszustreben."



     392. Urusvati weiß, daß zur Voraussicht von Ereignissen die Verbindung vieler Bedingungen erforderlich ist. Neben astrologischen Zeichen ist die Mitwirkung höherer Kräfte nötig, doch darüber hinaus auch menschheitliches Denken. Wie ist es möglich, Ereignisse Jahrzehnte im voraus zu sehen? Wenn wir alle Bedingungen zusammenfügen, wird verständlich, daß eine Vorstellung zukünftiger Ereignisse bereits in feinstofflichen Tafeln eingeprägt sein kann.
     Viele werden sich wundern, wozu menschheitliches Denken dienen könnte. Wenn wir uns jedoch bereits vorhergesagter Ereignisse erinnern, wird sichtbar, daß das menschheitliche Denken schon in einem gewissen Sinne in die aufgezeigte Richtung gearbeitet hatte. Natürlich kann ein einzelner solcher Gedanken noch keine Tafeln in der Feinstofflichen Welt schaffen, doch wenn ein Zusammenschluß der von oben und von unten kommenden Ströme erfolgt, kann sich eine charakteristische Vergegenwärtigung des Zukünftigen ergeben. Dabei läßt sich feststellen, in welch kurzen Bildern diese Ereignisse gezeigt werden. Es wird ein Telegramm gegeben, und geschärfte Augen und Ohren nehmen die Bilder des Zukünftigen wahr.
     Man muß insbesondere begreifen, daß menschliches Denken mit den höchsten Sphären zusammenarbeitet. Vor langem wurde gesagt, daß das Antlitz des Menschen durch das Denken geschaffen wird.
     Wir bewahren viele solcher Tafeln, und es läßt sich daran studieren, wie die Menschen ihre Evolution schufen. Urusvati hat nicht nur einmal gesehen, wie die zukünftige Geschichte verschiedener Völker sich ergab. Wir studieren nicht die bedingten Zusammenschlüsse der Länder, sondern blicken in die Zukunft, wo die Folgen vieler Irrtümer sichtbar werden. Wenn die Menschen meinen, Frieden stelle sich ein, so wird möglichereweise zur selben Zeit in die feinstofflichen Tafeln eine ganz andere Formel eingraviert werden.
     Der Denker verglich das Denken eines einzigen Tages mit einem früchtetragenden Baum.

     393. Urusvati weiß, wie kompliziert die vergleichende Gegenüberstellung der Lebensgrundlagen ist. Sogar in einfachsten Fällen können sie Mißdeutungen hervorrufen. Ein Beispiel: Wir haben darauf hingewiesen, allen Einzelheiten der Lebenserscheinungen Aufmerksamkeit zu widmen, doch ebenso davor gewarnt, sich in Illusionen zu versenken.
     Wahrscheinlich werden einige sagen, daß es unmöglich sei, sich dafür zu verbürgen, wo Realität und wo Illusion sei. Wahrlich, allein mit dem Gefühlswissen ist man befähigt, die Bereiche von Realität und



Illusion voneinander abzugrenzen. Bei Verfeinerung der Wahrnehmungsfähigkeit wird man die Wirklichkeit erfassen können, wobei allerdings die Ausgangspunkte geprüft werden müssen. Die Menschen freuen sich am Beginn und sind traurig über das Ende, doch läßt sich das Ganze auch aus umgekehrter Weltsicht betrachten. So kann man sich über das Ende einer Prüfung freuen und den mit vielen Gefahren verbundenen Beginn einfühlsam erleben.
     Die Menschen gründen ihre Überzeugungen auf ihr Unwissen über das zukünftige Leben. Eine solche Begrenzung hat den freien Willen eingeengt und zu enger Begrenzung sämtlicher weltanschaulicher Vorstellungen geführt. Nicht weit neben den Begriffen des Altertums stehen auch die zeitgenössischen Vorstellungen. Größtenteils sind nur die Bezeichnungen verändert worden, ohne aber das Wesen zu vertiefen. Unsere Arbeit ist in bedeutendem Maße durch große Schwierigkeiten belastet, die vom Menschen geschaffen wurden.
     Der Denker sorgte sich schon vor langer Zeit, daß der Kopf nicht von einem eisernen Faßring eingedrückt würde. Er sprach: "Auch die Krone ist gut, wenn sie paßt."

     394. Urusvati weiß, was Kummer und Freude bedeuten. Wer aber weiß das nicht? Der Goldene Weg jedoch gleicht beide aus, und daher lehrte Der Weise den Mittleren Weg. Die Menschen sind nicht imstande zu erkennen, wo höhere Freude und wo tiefer Kummer herrschen. Nicht selten strich der Pfeil des Kummers bereits vorüber, doch der Mensch fürchtet sich immer noch und leidet. Genauso kann auch die Freude bereits entflogen sein, und dennoch will der Mensch sich weiterhin unter der Einbildung ihres Eindruckes befinden.
     Raten Wir etwa zur Gefühllosigkeit, gar um mit einer Verminderung des Kummers auch die Freude fortzuwischen? Niemals jedoch werden Wir auf Gefühllosigkeit verweisen, da sie gleichbedeutend mit Erstarrung wäre. In allem weisen Wir auf Lebendigkeit hin, bewahren aber vor Phantomen. So raten Wir auch zur klaren Erkenntnis, wo die Stichwunde des Kummers sitzt und wo höhere Freude heranweht. Auf der Erde wie in der Feinstofflichen Welt muß man die Freude erkennen und den Kummer überwinden können.
     Vom Kämpfer wurde gesagt, daß er derselbe in Freude und Kummer sei, derselbe im Sieg wie in der Niederlage. Wir sprechen nicht von Gefühllosigkeit, sondern von einer derartigen Anspannung, in der die Extreme durch die Schnelligkeit der Bewegung ihre Schärfe verlieren. Des öfteren spreche Ich über schlechte Nachrichten und füge nun das Wort über die Freude hinzu. In großer Beweglichkeit überwindet der Wanderer sowohl Berge als auch Abgründe. Er ist von Aufgaben derart erfüllt, daß die Bestrebung ihn auf den Flügeln des Erfolges davonträgt. Wir befinden Uns in einer solchen Anspannung, und die Bestrebung verleiht der Zeit und den Ereignissen



besondere Maße.
     Der Denker bat, als Er sich bei irdischer Arbeit befand: "Möge Kummer kein Hindernis und Freude kein blendendes Licht sein!"

     395. Urusvati hat richtig bemerkt, daß ihre Krankheit sich bei weltweiten Erschütterungen und bei Erkrankungen Nahestehender verstärkte. Der Raum stöhnt, und das Herz schmerzt.
     Abflüsse von psychischer Energie können willkürlich und unwillkürlich erfolgen. Der erstere Umstand ist klar verständlich, da der Gedanke Wellen aussendet, doch nicht immer wird der zweite verstanden. Indessen ist es vollkommen natürlich, daß die Kraft disziplinierter psychischer Energie sich dem magnetischen Hauptstrom anschließt. Der Lehrer schlägt vor, sich Ihm zuzuwenden, doch dies nicht etwa deshalb, weil Er sonst nicht wüßte, wo Hilfe nötig wäre. Im Gegenteil erfolgt durch die Anrufung eine Heranführung an einen mächtigen Energiestrom. Der Lehrer verausgabt viel Energie. Ihr könnt euch vorstellen, welche Anstrengung zur Einwirkung auf die vielen Länder erforderlich ist, um die ungleichartigen freien Willen zu vereinen.
     Die sogenannten heiligen Schmerzen sind Ausdruck einer übermäßigen Abgabe psychischer Energie. Darf man sich also über einen Menschen beklagen, der mit seinem Willen und Wesen dem Gemeinwohl dient?! Eine Grenze für die Hilfe an der Menschheit ist unmöglich zu bestimmen.
     Nicht nur einmal habe Ich von herrlichen Tatmenschen erzählt, die ihre Kraft zum Wohl der Welt einsetzten. Sie litten nicht wenig, doch solche Energieblitze brachten dem Raum Genesung. Selbst wußten sie nicht, wo sich die rettenden Folgen auswirken würden, und erst später, aus der Feinstofflichen Welt, war es ihnen möglich, sich ihrer Siege zu vergewissern.
     Wir alle wissen, wie sehr das Herz um der Menschheit willen schmerzt und können allein im Blick auf die Zukunft Kraft schöpfen. Oftmals ist es nicht leicht, auf dem Weg in die Zukunft festzubleiben.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Bewältigung jedes Weges sich um der Zukunft willen vollzieht.

     396. Urusvati bemerkt richtig, daß der Raum bisweilen geradezu verstummt und als lautlos erscheint. Der Mensch könnte denken, daß sein Gehör nicht mehr arbeite,



doch läßt er damit eine andere Ursache außer Betracht. Wir errichten eine gewisse Sicherheitsschranke, damit das hellhörige Ohr von dem Wehklagen und dem Stöhnen befreit wird, das den Raum in dem Moment erfüllt. Wozu das Herz mit derartigem Wehklagen belasten, wenn es unerträglich wird und eine Ansammlung von Energie erforderlich ist! Wir Selbst wissen, wie schwer es ist, das räumliche Stöhnen zu ertragen.
     Einige werden behaupten, daß es solches Stöhnen überhaupt nicht gebe. Sie sind an die Lebensbedingungen der Feinstofflichen Welt dermaßen gebunden, daß sie keinen höheren Erscheinungen Gehör schenken können. Mögen solche Bewohner niederer Bereiche in ihrem imaginären Wohlergehen verbleiben. Tanzt man doch auch auf der Erde inmitten brudermörderischer Kriege. Solche Gefühllosigkeit verbreitet sich auch auf gewisse Bereiche der Feinstofflichen Welt, doch vollzieht sich Vervollkommnung dort auch nur in geringem Maße.
     Wir wissen, daß es unerläßlich ist, ein hellhöriges Ohr vor dem übermäßigen Druck einer zum Zerreißen gespannten Atmosphäre zu bewahren. Besondere Behutsamkeit ist dort vonnöten, wo ein tapferes Herz zu einer das gerechte Maß überschreitenden Heldentat bereit ist. Solche Bestrebung muß beschützt werden.
     Der Raum klingt ständig. Von den Tönen der Natur über die Sphärenmusik bis zum Stöhnen und lauten Weinen können alle Klänge wahrgenommen werden. Wenn Wir sie als Posaunenklang bezeichnen, läßt sich daran die räumliche Anspannung erraten. Es läßt sich sehen, daß Menschen im fernen Altertum bereits auf die Zeichen des Raumes zu achten vermochten. Sie konnten die genaue Bedeutung solcher Zeichen nicht erkennen, aber bezeugen, daß die Sphärenmusik bei günstigen Strömen erklingt, doch ein Stöhnen äußerst angespannte Ströme anzeigt. Es kommt vor, daß ein Mensch einen solchen Posaunenruf vernimmt, ohne zu verstehen, wodurch er verursacht würde.
     Wir hören beständig und aufmerksam auf alle Klänge des Raumes. Erfahrung und Geduld haben Uns gelehrt, viele Klangstufen zu unterscheiden. Wir besitzen bestimmte Apparate, die es erlauben, sogar sehr schwache atmosphärische Rhythmen zu empfangen, doch erfolgt die Hauptwahrnehmung über die Hellhörigkeit.
     Der Denker bemerkte: "Warum ist der Himmel verstummt? Nähert sich etwa ein Donnerpfeil?"



     397. Urusvati weiß, daß neben allgemein bekannten Epidemien viele andere vorkommen, denen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. So läßt sich eine Schläfrigkeit anführen, die unerwartet ganze Ortschaften befällt. Es handelt sich hier natürlich nicht um Lethargie und auch nicht um Schlafkrankheit, sondern sie stellt einen Verlust von psychischer Energie dar. Wichtig dabei ist jedoch, daß dieser Zustand sich gleichzeitig der verschiedensten Menschen bemächtigt.
     Das Auftreten einer solchen Anspannung kann nicht verhindert werden und ist bereits nicht mehr mit rein persönlichen Empfindungen erklärbar. Sie läßt sich auf eine Anspannung atmosphärischer Ströme zurückführen, was aber auch nur eine einseitige Erklärung darstellt. Natürlich kann man verstehen, daß die Energie für eine bestimmte Tätigkeit gefordert wird. Es ist jedoch nicht möglich, die Ausmaße einer solchen Epidemie zu verfolgen, da die Menschen sich angewöhnt haben, nichts von ihren Empfindungen mitzuteilen. Sie schämen sich, eine Schläfrigkeit zuzugeben und bemühen sich eher, solche Neigung zu überwinden, ohne aber daran zu denken, daß sie in jenem Zustand an einer bestimmten wichtigen Tätigkeit teilnehmen könnten.
     Ebensowenig Aufmerksamkeit lassen die Menschen der Entzündung der Schleimhäute zuteil werden. Derartige Epidemien sind oft anzutreffen, besonders zu Zeiten weltweiter Erschütterungen. Die Menschen halten solche Entzündungen nicht für eine ernsthafte Erscheinung, haben dafür gar keine Bezeichnung und führen sie auf eine Erkältung zurück. So kann man den Menschen raten, sich allen Empfindungen gegenüber aufmerksam zu verhalten, ohne heuchlerisch und argwöhnisch zu werden. Mögen die Empfindungen in der Tiefe des Bewußtseins verstanden werden.
     Der Denker sprach: "Oh, Geheimnisvoller, nimm meine Kräfte hin, wenn sie dem Wohle nützlich sind."

     398. Urusvati weiß, daß es neben wörtlichen Gesprächen und Unterweisungen auch gedankliche Hinwendungen gibt, die voll tiefer Bedeutung sind. Unser Gespräch erfordert Konzentration, doch nicht weniger ist dabei auch die gedankliche Sendeweise erforderlich.
     Es ist viel über Denken und Konzentration gesprochen worden, womit jedoch anfänglich wörtliche Sendungen beschrieben wurden. Jetzt hingegen sprechen wir über eine gewisse Form überaus angespannter gedanklicher Hinwendung, die nicht in Worte umsetzbar ist. Für solche blitzartigen Sendungen sind Worte bereits nicht mehr anwendbar, tätig ist allein die Tiefe des Gefühlswissens, welches aus einer Bewußtseinsansammlung Kraft schöpft. Für derartige Hinwendungen ist keine Zeit erforderlich. Sie können



die Vorstufe zu einer Ekstase sein, und es kommt tätige Liebe in ihnen zum Ausdruck. Man kann sich vorstellen, daß eine Hinwendung in Worten unpassend ist, wenn das Wesen des Gedankens entflammt. Zur Erkenntnis solcher Gedankenblitze muß man sich jedoch erziehen.
     Weder kalte Verstandesüberlegungen noch gezwungene Heuchelei, sondern der gereinigte, unaussprechbare Gedanke trägt den Ruf der Hingabe ans Ziel. Es wurde bereits darüber gesprochen, wie unnötig Bitten um Hilfe sind. Der unaussprechliche Gedanke trägt das Wesen der Hinwendung ans Ziel. Wie herrlich ist die Nähe, die sich im Licht blitzartiger Gedanken offenbart, wenn Schweigen ausdrucksvoller ist als Worte.
     Der Denker sprach: "Unsichtbarer Lehrer, wenn ich Dir meine besten Worte sage, weiß ich, daß die Gedanken der Liebe zu Dir dennoch unaussprechlich sein werden."

     399. Urusvati weiß, daß Metalle die Gedankenübertragung auf Entfernung unterstützen können. Diese Eigenschaft wurde im fernen Altertum bemerkt, woraus sich eine ganze Wissenschaft der Legierungen entwickelte. Es wurden daraus auf sehr wissenschaftliche Weise künstlerische Darstellungen verfertigt. Auch heute sind solche Darstellungen zu finden, deren Legierungseigenschaften jedoch nicht untersucht werden können, ohne dabei das eigentliche Bild zu zerstören.
     Ein weiterer Umstand verhindert es, das zu erforschen, was im Altertum bereits bekannt war. Das Bild wurde auf eine isolierte Metallplatte aufgebracht. Über dieses isolierende Metall ist bereits gesprochen worden. Auf diese Platte legte man die Hände. Niemals aber wurde diese Platte ganz eng mit dem Bild befestigt. Auf solche Weise wurde das Geheimnis der Metallverbindungen gewahrt.
     Später geriet die wissenschaftliche Grundlage in Vergessenheit. Die Bilder wurden in die Tempel aufgenommen. Die Menschen setzten ihre Handlungsweise fort, anhand solcher Bilder zu beten, vergaßen aber deren ursprüngliche Bedeutung. Doch irgendwann wurden solche Legierungen wieder äußerst sorgfältig untersucht. Menschen, die sich miteinander verständigen wollten, besaßen genaue Nachbildungen der Darstellungen und verstanden, daß unterstützende Bedingungen genau beachtet werden müssen.
     Ich spreche über solche Errungenschaften des Altertums, um viele unserer Zeitgenossen damit zu beschämen. Sie rühmen sich vieler Entdeckungen, ohne bei ihren Experimenten einfache Bedingungen zu wahren. Dazu will die Menschheit keine Geduld lernen.



Möge man darüber nachdenken, wieviel Geduld bei der Erforschung der Legierungen aufgewandt werden mußte. Seit jenen Zeiten wurden manche Metalle vergessen und später wiederentdeckt. Es ist lehrreich zu beobachten, wieviele Gegenstände von der Menschheit vergessen wurden! Dazu gehört auch das Radium, das einst eine andere Bezeichnung trug, nämlich "Herz der Festigkeit".
     Der Denker hütete sorgsam ein Bild, das Ihm jemand aus Indien gesandt hatte. Er sprach: "Man glaubt, daß es sich nur um Metall handele, doch Ich fühle, daß sich in ihm etwas befindet, was dem Herzen eigen ist. Es strahlt Wärme ab und besitzt heilende Kraft."

     400. Urusvati weiß, wie groß die menschliche Vergessenheit ist. Ich spreche von dem Vergessen weit zurückliegender, vergangener Epochen. Aus Furcht versuchen die Menschen, die früheren Epochen herabzusetzen, um sich allein auf die gegenwärtige Kultur zu beschränken. Niemand will sich vorstellen, daß die zeitgenössische Kultur nur ein Glied in der Kette vieler bereits vergangener Epochen ist, von denen zwar einige schwache Vorstellungen geblieben, viel ältere jedoch bereits verwischt sind. Auf diese Weise hat die Menschheit den Lebenskreis eng begrenzt.
     Besonders bemerkenswert ist, daß die Menschen in der Feinstofflichen Welt Kenntnis von den frühesten Epochen erhalten, doch nur wenige dieses Wissen auch in den irdischen Verkörperungen bewahren. Es ist erstaunlich, daß die Menschheit sich dermaßen eingrenzt. Selbstverständlich darf niemand erwarten, materielle Überreste der ältesten Epochen zu finden, die als solche anerkannt würden. Es geht nicht darum, daß die Menschen physischen Kontakt mit den ältesten Epochen bekommen, sondern im Bewußtsein eine Überzeugung von der Existenz solcher Epochen wahren. Man kann sich vorstellen, daß zwischen diesen Epochen eine gewisse Kontinuität vorhanden war. So waren die ältesten Kulturen Ägyptens und der Mayas mit Atlantis verbunden, deren Kultur ihrerseits wieder mit derjenigen Lemuriens verbunden war. Die hauptsächliche Vorstellung sollte aber aus der Feinstofflichen Welt mitgebracht werden. Ebenso vergessen wurde das Leben in fernen Welten. Sie sind in der Kategorie der Märchen verblieben, die auf den Menschen nicht mehr wirken. Dieses Vergessen der Vergangenheit und der Zukunft grenzt den Menschen ein und macht ihn zum Sklaven des heutigen Tages.
     Wir sind immer sehr betrübt, sehen zu müssen, daß sogar die Wissenschaft, die der Erweiterung



des Bewußtseins dienen sollte, dieses vielmehr einzuengen sucht.
     Der Denker wies auf einen alten Stein und sagte: "Möge dieser Zeuge an vergangenes Leben erinnern."

     401. Urusvati weiß, daß vier Erkenntnisse das Leben umgestalten werden: Die Erkenntnis der Vergangenheit, die Erkenntnis der fernen Welten, die Erkenntnis der Feinstofflichen Welt und die Erkenntnis der Hierarchie. Kann aber der Mensch diese vier Grundlagen fassen? Jeder Denkende wird zustimmen, daß diese Grundlagen nicht schwer verständlich sind. Sie sind im Begriff des Lebens angelegt, man muß sie nur sammeln, und das gewöhnlichste Leben wird sich in herrliche Wirklichkeit umwandeln. Doch um diese Erkenntnisse gewinnen zu können, muß man seinen Willen schulen. Allein der freie Wille vermag Begriffe in die Wirklichkeit umzusetzen, die für viele als tot erscheinen.
     Der Spießbürger wird sagen: Was habe ich mit einer Hierarchie zu tun, die ich nicht sehe? Oder was soll ich mit irgendeiner Feinstofflichen Welt, die ich nicht in mein Dasein einbringen kann? Wozu sind mir ferne Welten dienlich, wenn ich keinen Vorteil davon habe? Und möge die Vergangenheit samt ihrer Särge und Knochen ein Ende haben! - Er weiß nicht, daß die Vergangenheit ganz und gar nicht in den Gebeinen liegt. Er versteht nicht, daß die fernen Welten als Gleichgewicht im Kosmos existieren. Er ists nicht fähig, die Feinstoffliche Welt zu erkennen, weil er die Stimme der Stille nicht kennt. Und wozu eine Hierarchie, wenn er sich doch selbst als König der Unbegrenztheit wähnt?
     Glaubt nicht, Ich würde ohne Anlaß sprechen, denn leider überwiegt die Zahl solcher stumpfsinnigen Bewußtseine. Sie suchen nichts und möchten nichts jenseits der Grenzen ihres Hauses anerkennen. Sie sind wie tot, und ihr Bewußtsein arbeitet nicht. Doch ohne daß das Bewußtsein in voller Tätigkeit ist, kann auch der Wille nicht leuchten. Sein abgestorbenes Bewußtsein vermag einem solchen Menschen nicht zu sagen, daß die Umgestaltung des Lebens in seinen Händen liegt. Diese totenähnliche Last des Planeten empfinden Wir als schwere Bürde.
     Der Denker sprach: "Wer den Gedanken auslöscht, der braucht nicht mehr weiterzuleben."

     402. Urusvati weiß, daß die idealistische und die materialistische Weltanschauung Begriffe darstellen, die nur in der Einbildung bestehen. Es werden sich Menschen mit den Worten einfinden, daß die von Mir aufgezeigten vier Grunderkenntnisse idealistische Begriffe seien und daher



der materialistischen Weltanschauung nicht entsprechen würden. Diesen Menschen ist die Verneinung in einem Maße von Natur aus eigen, daß sie sich nicht einmal darum bemühen, ihnen fremde Begriffe wenigstens vom Standpunkt des Materialismus eingehend zu betrachten.
     Sie werden auch sagen, daß das wissenschaftliche Studium der Vergangenheit dem Materialismus nicht gemäß sei, ebensowenig wie auch die Erkenntnis von Leben in fernen Welten und von verborgenen Energien. Laßt uns gar nicht erst von Hierarchie sprechen, da jeder Verneiner seine eigene Hierarchie hat, die er sogar mehr verehrt, als Wir es im guten Sinne überhaupt meinen. Laßt uns also jeden Begriff auch von seiten des Materialismus eingehend betrachten, dann werden wir zu der Schlußfolgerung gelangen, daß entschieden alles, was ist, Materie ist.
     Was aber nun ist die idealistische Sicht? Sie kann nicht außerhalb der Materie existieren, auch wenn sie auf ihre höchsten Schichten Bezug nimmt. Wir sehen daher, daß beide genannten Weltanschauungen schlecht definiert sind. Der Mensch strebt danach, die erhabene Realität zu erkennen. Der Mensch besitzt dazu das Denken. Der Mensch ist zu der richtigen Schlußfolgerung gelangt, daß der Gedanke Energie ist, er weiß, daß wirkliche Forschung auch vollkommen wahrnehmbar vorsichgehen wird. Der Mensch geht auf einem angespannten wissenschaftlichen Pfad voran. Es gibt keine höheren Begriffe, die sich nicht mit einer wissenschaftlichen Vorgehensweise decken würden, wenn die Wissenschaft rein und ohne Vorurteile ist.
     Ich bestätige, daß die Menschheit sich auf dem Weg wissenschaftlicher Betrachtungsweise fortbewegt, doch eben nur langsam. Die Massen der Unwissenden behindern jede Beschleunigung, doch ist nun die Zeit gekommen, daß überalterte Begriffe wegfallen müssen, da anderenfalls die dünkelhaften Neuerer sich als am stärksten zurückgeblieben erweisen werden.
     Der Denker mahnte die Schüler zur Vorsicht, um nicht zum Opfer von überalterten Begriffen zu werden.

     403. Urusvati weiß, daß die meisten Menschen es vorziehen, in den Grenzen teilnahmslosen Anfängerdaseins zu verbleiben, anstatt verantwortungsbewußte Zusammenarbeit zu üben. Nicht genug dessen wünschen sie, reine Zuhörer und Leser ohne jegliche Folgen zu bleiben. Wenn die Stunde eintritt, da es unerläßlich sein wird, die Kraft des Geistes unter Beweis zu stellen,



werden auch die Zuhörer auseinanderlaufen.
     Man muß an historische Verrate erinnern, bei denen die Anhänger eine ungewöhnliche Begabung des Verschwindens offenbarten. Die Verräter befinden sich immer unter denen, die wohlunterrichtet sind, worüber man sich indessen nicht wundern darf, da sie sonst nichts zu verraten hätten. Lehrreich ist es jedoch, das Schicksal solcher Verräter zu beobachten. Manchmal endeten sie in düsterer Verzweiflung, oftmals aber wendete sich ihr Leben in ein trübes Dahinvegetieren.
     Erinnert euch, wie das Leben der Verräter der Erretterin verlief. In den Augen aller verloren sie ihre Talente und eilten gekränkt in die Finsternis. Einige von ihnen versuchten umzudenken, doch verdunkelte die Last des Karma ihr Bewußtsein sehr.
     Der Menschheit wurden einige Fristen gegeben, um sich an Verrate zu erinnern, die das Karma eines ganzen Volkes gestalteten. Natürlich wird das menschliche Bewußtsein auch durch solche beeindruckenden Beispiele wenig gerührt. Wie ein kleiner Stein keine großen Wellen zu schlagen vermag, kann auch ein gefühlloses Herz nicht gegen die Finsternis aufstehen. Mögen aber solche Herzen am Erinnerungstag fühlen, wie finster ein Verräter ist.
     Der Denker wies darauf hin, daß Verrat von den Göttern nicht vergeben werden kann.

     404. Urusvati weiß, wie hoch Wir den Begriff der Kunst stellen. Neben der Anhebung des ästhetischen Urteilsvermögens dient die Kunst der Erkenntnis den Gedankenbildungen. Zu jeder Wahrnehmung muß man sich erziehen. Man kann viel über verschiedene Erscheinungen lesen, doch ist es nicht leicht, dieses Bücherwissen auf reale Wahrnehmungen zu übertragen.
     Es ist viel über Gedankenbildungen geschrieben worden, doch ist der in die Feinstoffliche Welt hinübergetretene Mensch von der Vielzahl der den Raum erfüllenden Gebilde erschüttert. Allein der erfahrene Beobachter, der Kunst versteht, wird auch die Ursache der Erscheinung solcher Truggebilde finden. Daher sollten die Menschen es lernen, die besten Bilder mit ihrem eigenen Denken zu nutzen. Natürlich wird die beste Quelle die Natur selbst sein, doch auch auf sie muß man richtig schauen können. Und dazu verhelfen die Werke der besten Meister der Kunst. Sie gleichen Magneten, die Blick und Gefühl anziehen, und über sie lernen die Menschen es, wie man sich der Natur nähern muß.



     Der Raum kann mit herrlichen Bildern erfüllt werden, und sie werden den Weg zur Harmonie bereiten. Menschen, die den Raum mit Häßlichkeiten anfüllen, begehen ein Verbrechen. Doch erst über viele Leiden wird die Menschheit begreifen, wie verbrecherisch es ist, Häßliches zu schaffen. Versteht dies in jeglicher Hinsicht. Die Offenbarung von Schönem wird heilsam sein und durch alle Abgründe hindurchführen.
     Der Denker sagte immer wieder: "Wann endlich werden wir auferstehen?"

     405. Urusvati weiß, daß bei der Entdeckung neuer Energien große Vorsicht bewiesen werden muß. Die hervorgerufenen Energien rotieren im Raum. Die Verbreitungsgrenze dieser Energien ist nicht vorhersagbar, doch kann sich eine Überlastung des Raumes als Folge ergeben. Gewaltsam hervorgerufene Energien sind in der Lage, die Gefahren von Kataklysmen zu schaffen. Beispiele solcher Katastrophen, die durch die Torheit zügelloser Gier der Menschheit verursacht wurden, sind bereits bekannt. Es ist unmöglich zu sagen, wann eine Überlastung des Raumes eintreten wird, doch läßt sich eine Zunahme dieser Gefahr vorhersehen.
     Interplanetare Ströme können außerordentlich schwer sein, doch die Gefahr besteht nicht in ihnen selbst. Die räumlichen Ströme befinden sich normalerweise im Gleichgewicht, doch unvernünftig eingesetzter freier Wille kann vernichtende Ungeheuer hervorrufen, wodurch dann das Gleichgewicht gestört wird. Es mag sein, daß die Menschen sich auch noch der Macht rühmen würden, das planetare Gleichgewicht verletzen zu können. Sie sind imstande, derart vernichtende Energien hervorzurufen, daß ein räumliches Vakuum die Folge wäre.
     Die Menschen spannen die Energien an, ohne damit zu rechnen, daß jeder Anfang auch sein Ende hat. Der Abschuß von Kanonen kann Regen hervorrufen, doch wird dies nur eine der primitivsten Wirkungen sein. Die Menschen stellen fest, daß Radiowellen atmosphärische Verwirrungen verursachen, und nichtsdestoweniger nimmt die Zahl der Apparate ohne Ende zu. Die Hersteller interessiert es nicht, welche Krankheiten sie damit erzeugen. Es lassen sich Entzündungen der Schleimhäute wie auch bösartige Geschwülste feststellen, doch in der Erforschung der Ursachen sucht die Menschheit nicht bei ihrem eigenmächtigen Verhalten nach. Sie hegt keinen Gedanken daran, daß dadurch neue Opfer gefordert werden, die mit ihrem Leben bezahlen müssen.
     Aller Wahrscheinlichkeit entsprechend kann man sagen, daß jede Unserer Warnungen



dem Spott begegnen wird. Die Unwissenden sind gewöhnlich von zweierlei Art: Die einen sind durch Analphabetentum gekennzeichnet, die anderen durch Gelehrtheit. Sehr gefährlich sind die zweiten, da sie keine Einwände zulassen. Es ist unmöglich, mit ihnen über das Überirdische zu sprechen, doch sollen sie wissen, daß es ein einziger Tropfen sein wird, der das Gefäß zum Überlaufen bringt.
     Der Denker bemühte sich darum, daß die Schüler dem Volk über frühere Kataklysmen berichten könnten.

     406. Urusvati weiß, daß das Pralaya eine planmäßige und unausweichliche Erscheinung ist. Der hellste Tag wird von der Nacht abgelöst. Wachen und Arbeit sind vom Schlaf gefolgt. Gesammelte Schätze werden an geheimem Ort verwahrt, um in verwandelter Weise neu in Erscheinung zu treten. Man kann solche Wechsel nicht nur bei großen kosmischen Vorgängen beobachten, sondern auch im Leben jedes Tages.
     Nehmen wir als Beispiel den Wechsel der Kulturen. Das Auftreten einer neuen Kultur scheint auf der Vernichtung früherer Errungenschaften aufzubauen. Allein bei aufmerksamem Studium kann man sich davon überzeugen, daß die Samenkörner menschlicher Arbeit nicht fruchtlos blieben, sondern beizeiten in umgewandelter Form wieder auftraten.
     Viele lebendige Beispiele ließen sich anführen, wie etwas scheinbar vernichtet wurde, dessen Zerfall jedoch nur einer erneuten Wiedergeburt diente. Möge das Wissen von Unseren Türmen als Beispiel dienen: Die Menschheit schien sich ihnen zu nähern, um darauf Unsere Existenz nahezu vollständig zu vergessen. Solche Wellen erfolgen nicht zufällig. Jeder Begriff, jede Erscheinung hat ihr Pralaya. Nur diese Wechsel bilden die Spirale der Erkenntnis.
     Ebenso verhält es sich mit den Perioden des Schaffens. Weise wissen, daß jede Arbeit ihr Pralaya hat. Laßt uns den Faulpelzen keine Hoffnung machen, sie werden ihre Rechtfertigungen schon selbst finden. Doch Wir sprechen von erleuchteten Arbeitern. In ihren Herzen werden sie verstehen, wann Ebbe herrscht, die bereits eine neue Schaffensflut ankündigt.
     Der Denker lehrte die Menschen, die Gezeiten des Schaffens zu verstehen. Er sprach: "Das menschliche Meer hat seine Wechsel der Energie. Empfangen wir die Gaben der Musen!"



     407. Urusvati weiß, wie das Gefühl des Entzückens ist und wie die Empfindung des Entsetzens, das als "uraltes Entsetzen" oder "elementares Entsetzen" bezeichnet wird. Sie entstehen als Folge der Wahrnehmung von Sphärenmusik - wie ein Ansturm der Elemente. Die letztgenannte Empfindung hat jedoch nichts mit Angst gemeinsam. Das "uralte Entsetzen", bereits zu ältesten Zeiten der menschlichen Geschichte bekannt, hat seine Ursache in dem Unvermögen, den Ansturm der Elemente zu ertragen.
     Mitunter erwacht ein Mensch aus dem Schlaf, von unaussprechlichem Entsetzen bemächtigt. Diese Empfindung läßt sich mit Eindrücken aus den niederen Sphären oder weltweiten Ereignissen erklären, doch kann sie darüber hinaus oft auch Folge einer Einwirkung der Elemente sein.
     Die Menschen haben weder von der Angst noch von jener Erscheinung, die als Entsetzen bezeichnet wird, einen klaren Begriff. Flecken der Finsternis können die Empfindung von Entsetzen bewirken, welche dem Gefühl von starker Wehmut sehr nahe ist. Die Menschen versuchen, solches Weh als Weltschmerz zu bezeichnen. Diese Definition ist einigermaßen zutreffend, da auf dem Grund solcher Gefühle etwas Kosmisches mitschwingen wird. Doch jeder im Denken Verfeinerte muß auch solche belastenden Empfindungen erfahren, da ohne sie das Leben unvollständig wäre.
     Man wird fragen, ob etwa auch Wir solche Empfindungen verspürten - natürlich. Sie sind Uns nicht nur einfach bekannt, sondern sogar in viel stärkerem Maße vorhanden. Manche Menschen möchten Uns solcher Empfindungen ledig sehen, doch ohne sie erklingt auch die Sphärenmusik nicht. Verfeinerung wird auf den gesamten Daseinsaufbau reagieren.
     Jeder, der sich Uns nähern möchte, muß zur Freude wie zum Leid bereit sein. Das Leben ist voller Aufstiege und Abstiege, und niemand wird sagen können, worin gerade das Ende oder der Anfang besteht.
     Der Denker wies beständig darauf hin, daß es dem Menschen nicht gegeben sei zu wissen, wo das Ende und wo der Anfang liege.

     408. Urusvati weiß, weshalb sogar aus klarsten Träumen nicht alle Einzelheiten erinnert werden können. Selbst intensivste feinstoffliche Erlebnisse können keinen Eingang in die irdische Wirklichkeit finden. Die Ursache liegt nicht darin, daß das Gedächtnis solche besonderen Eindrücke nicht zu behalten vermag, sondern in der vollkommenen Unterschiedlichkeit der Natur der irdischen und der Feinstofflichen Welt.
     Wundern wir uns nicht, daß wir durch den irdischen Leib derart begrenzt sind. Der physische



Körper kann die in der Feinstofflichen Welt oftmals herrschende Anspannung unmöglich ertragen. Ungeachtet der feinstofflichen Struktur der Bewohner in der Feinstofflichen Welt befinden sie sich in der Atmosphäre feinstofflicher Energien ganz ausgezeichnet. Jene Kraft, die den irdischen Körper zu zerstören vermag, wird den feinstofflichen Körper stärken. Daran muß erinnert werden, da es für die Menschen schwer vorstellbar ist, wie unterschiedlich die Natur dieser beiden Welten sich gestaltet.
     Materialisierungsversuche haben gezeigt, daß irdische Maßstäbe für die Feinstoffliche Welt unzureichend sind. Unter den Ursachen wird oft und zu Recht auf eine Disharmonie der Anwesenden hingewiesen, doch daneben muß man auch atmosphärische Ströme in Betracht ziehen. Es ist bedauerlich, daß vor Experimenten nicht auch die Atmosphäre der Räumlichkeiten untersucht wird, in denen die Experimente stattfinden sollen. Gewöhnlich achtet man nicht darauf, was sich in den Räumen abgespielt hat, bevor die Versuche aufgenommen wurden.
     Räuchermittel, die zur Harmonisierung der Atmosphäre verwendet werden, können nur lindernde Wirkung ausüben und viele Chemismen nicht vernichten. So müssen vor jedem Experiment beste Bedingungen vorbereitet werden. Das Experiment kann mitunter zwar auch bei unvollkommenen Bedingungen gelingen, doch darf man nicht vergessen, wieviel Energie überflüssigerweise verausgabt wird, was sich belastend auf die Gesundheit auswirken kann.
     Der Denker lehrte, daß nicht der kleinste Tropfen göttlicher Energie in unvernünftiger Weise verausgabt werden dürfe.

     409. Urusvati weiß, daß die Menschen oftmals um Unmögliches bitten. Wenn sie in die ferne Vergangenheit blicken könnten, verstünden sie, weshalb gewisse Umstände für sie nicht möglich sind. Doch außer in sehr seltenen Fällen sind die Menschen nicht in der Lage, den Schleier der Vergangenheit zu heben.
     Aber auch in dieser Situation können sie Hilfe aus erweitertem Bewußtsein erhalten. Dieses kann ein Gefühl dafür vermitteln, wo das Mögliche und wo das Unmögliche ist. Wenn er der Stimme des Bewußtseins zuhört, kann der Mensch unterscheiden, wo sich die Grenze seiner Wünsche befindet. Es ist jedoch nicht leicht, den Schlüssel zum Tor des Bewußtseins zu finden. Oftmals trüben die Menschen das Bewußtsein durch ihre Leidenschaften. Statt weiser Warnung lauschen sie lieber der Stimme ihrer Selbstsucht. So können sie nicht unterscheiden, wo wirksame Hilfe und wo sich ihre Irrtümer befinden. Umso



schwieriger ist es für sie, sich in diesem Labyrinth zurechtzufinden, als sie es nicht verstehen, welcher ihrer Wünsche der stärkste ist.
     Nicht selten verfehlt ein bestrebter Wunsch sein Ziel, während zur gleichen Zeit ein kaum ausgesprochenes Wort sich als wirksam erweist, womit wir erneut den Bereich der Feinstofflichen Welt betreten. Nicht allein die Kraft irdischen Klagegeschreis ist wirksam, umso mächtiger ist der sich im Zusammenklang mit der Feinstofflichen Welt befindende Gedanke. Doch die Menschen denken so wenig über die Feinstoffliche Welt nach, daß sogar der erforderliche Zusammenklang nur unbewußt entstehen kann. Man braucht nicht zu hoffen, daß Unsere Sendungen jemanden vollständig erreichen würden, wenn das Herz verschlossen ist. Oftmals raten Wir, die Eingänge des Bewußtseins offen zu halten, doch eine Vielzahl von Schlössern und Riegeln verhindern den Zutritt der Hilfe.
     Der Denker bat Seine Schüler: "Verschließt die Seele nicht!"

     410. Urusvati weiß, wie wenig die Menschen es vermögen, sich auf gedanklichem Wege den höheren Sphären zuzuwenden und Gespräche zu führen. Als Hilfe wurden ihnen in verschiedenen Jahrhunderten fertiggefaßte Worte vorgeschlagen. Viele von diesen verloren im Laufe der Zeit ihre ursprüngliche Bedeutung und wurden von Menschen wiederholt, die nur wenig verstanden.
     Man könnte Uns daher fragen, in welcher Sprache und in welchen Ausdrucksformen man sich den höheren Sphären zuwenden solle. Wir sagen: In jeder beliebigen Sprache. Am besten in der Muttersprache, da sie das Denken leichter zum Ausdruck bringt. Ebenso möge die Denkweise ganz individuell sein. Wozu fremde, auswendig gelernte Worte, wenn der Mensch seine Gefühle frei äußern kann?
     Untereinander gebrauchen die Menschen selten fremde Zitate. Genauso können sie sich auch dem Höchsten in der ihnen eigenen Art zuwenden. Mögen die Menschen verstehen, daß selbst die höchsten Bewußtseine keiner Zuwendung in bestimmter Weise bedürfen. Mögen die Menschen nach sich selbst urteilen. Kann man sich ihnen mit auswendig gelernten Versen zuwenden, wenn ihnen doch menschliche, herzliche Zuwendung näher wäre? In allem muß man den allerherzlichsten Ausdruck finden, ohne sich zu schämen, denn die einfachsten Worte werden immer die am leichtesten verständlichen sein.
     Wir bemühen Uns um diese Einfachheit. Sehr komplizierte Erlebnisse sind unmöglich in Worte zu fassen, doch dann kommt eine unaussprechliche gedankliche Sendung zu Hilfe.



     Der Denker sprach: "Wenn ich mein Gefühl nicht in Worten zu äußern vermag, sage ich ein Wort des Dankes, da ich überzeugt bin, daß die Hilfe bereits erwiesen wurde."

     411. Urusvati weiß, daß Ungeduld eine Eigenschaft der Unvollkommenheit ist. Gewöhnlich tritt sie mit verschiedenen anderen Eigenschaften verbunden auf. So möchte mancher sie mit Bestrebung vergleichen, die jedoch von ihrem Wesen her etwas völlig anderes ist. Beständige Bestrebung ist harmonisch und schafft einen schönen Rhythmus. Ungeduld dagegen ist disharmonisch, und indem sie über plötzliche Ausbrüche tätig wird, stört sie den Rhythmus. Überdies beweist Ungeduld die Unkenntnis grundlegender Gesetze - die Seinssubstanz befindet sich in unaufhörlicher Bewegung. Allein beständige, innige Wachsamkeit vermag die Kraft der Energie zu offenbaren.
     So sucht das Gleichgewicht zwischen Tätigkeit und Geduld, dessen Rhythmus ihr ohne wahre Zusammenarbeit allerdings nicht finden werdet. Der unausgeglichene Mensch wird sagen: "Ich kann nicht warten!" Und in diesem einen Wort bekundet er seine Kraftlosigkeit. Kraftlosigkeit ist zwar nicht Willenlosigkeit, aber der menschliche Wille wird durch Anstrengung entwickelt. Betrachten wir also die genannten Begriffe und gelangen zu der Schlußfolgerung, daß sie alle in der Macht des Menschen liegen.
     Jemand wird ausrufen: Ich bin von Natur aus ungeduldig! Möge er jedoch richtiger sagen: Meine Gewohnheiten haben mich bis zur Willenlosigkeit geführt. Nehmen wir auch noch das andere Extrem - manche fassen Geduld als Untätigkeit auf und schaffen in diesem Irrtum neue Leiden. Wahrhaftig, es ist möglich, daß sich innigste Geduld mit angespannter Tätigkeit verbindet.
     Wenn die Menschen die Bewegung der Seinssubstanz nicht erkennen können, so vermögen sie dennoch in den Grenzen ihres Arbeitsbereiches, in dem sie Fertigkeiten besitzen, Ausgezeichnetes zu leisten. Die Alten sagten: "Laßt uns in Arbeit warten." Jede meisterhaft ausgeführte Arbeit bedeutet die beste Schmiedung der Geduld, und dieser Umstand liegt vollständig in der Macht des Menschen.
     Mögen Unsere Arbeiten als Beispiel tätiger Geduld dienen. Geduld führt auch zur Klarheit und Prägnanz der Arbeit. Bei hoher Qualität der Arbeit werden wir auch die Bedeutung der Harmonie verstehen.



     Der Denker sprach: "Ich möchte, daß in jeder Arbeit die Saiten des Raumes erklingen. Erhabene Musik ist die Tätigkeit der uns beschützenden Musen."

     412. Urusvati weiß, daß schlimmer als Krieg, Seuchen und Erdbeben, schlimmer als alle Nöte die Zersetzung des Bewußtseins ist! Sie kommt schleichend und unmerklich, bringt jedoch solche Taten hervor, daß sich die zukünftige Geschichte darüber entsetzen wird. Die Menschen verlieren dabei die Zeichen ihrer Würde. Sie werden nicht nur immer böser, sondern vergessen auch, wie sich daraus die künftige Generation gestalten soll. Schriftsteller verfertigen die widerwärtigsten Bilder und Vorstellungen, und Armseligkeit wird als Richter auftreten.
     Erinnert euch, was in den Puranas des Vishnu gesagt wurde. In diesen Hinweisen kann man die gegenwärtigen Tage wiedererkennen. Es könnte darauf verwiesen werden, daß die beschriebene grauenvolle Zeit übertrieben dargestellt wäre, doch wenn ihr auf das gegenwärtige Geschehen blickt, werdet ihr zustimmen, daß die alten Vorhersagen sogar untertrieben waren. So wollen die Menschen, die eine völlige Verwirrung offenbaren, natürlich die alten Warnungen nicht lesen.
     Es ist besonders entsetzlich, daß die Mehrheit auch bei dem jetzigen Zustand nicht verstehen will, was sich vollzieht. Sie tanzen, treiben Handel und meinen sogar, daß gerade jetzt die Blütezeit ihrer Errungenschaften angebrochen sei. Vergleicht das gegenwärtige Geschehen mit gewissen Epochen des Niedergangs; werdet ihr etwa keine gemeinsamen Zeichen entdecken? Genauso wie heute träumten die Menschen von verschiedenen Formen der Versklavung und hielten sich für die berechtigten Eroberer der Welt, und wie unerwartet stürzten diese babylonischen Türme in sich zusammen! Der Menschheit sind viele Symbole übergeben worden, die jedoch wie faulende Leichname liegengelassen werden.
     Der Denker sah dieses Elend voraus. Er sprach: "Zählt nicht die Tage, bis man euch für all eure Arglist zur Verantwortung ziehen wird. Besser ist es, ihr reinigt euch schon heute."

     413. Urusvati weiß, daß räumliche Ströme von ihrem Wesen her wohltuend sind, aber auch zerstörerisch wirken können, wenn sie die von Fäulnis durchdrungene irdische Atmosphäre berühren. Oftmals verwandeln sich äußerst wohltuende chemische Zusammensetzungen durch das Hinzutreten einer einzigen Ingredienz in starke Gifte. Genau das gleiche geschieht mit bestimmten räumlichen Strömen, wenn das braune Gas der Erde auf sie einwirkt. Doch nicht



der Planet selbst ist schuld an solchen schädlichen Ausdünstungen. Der Beherrscher der Erde, der Mensch, ist es, der diese Gifte erzeugt.
     Nur mit Vorbehalt stimmen die Gelehrten dem zu, daß menschliche Emissionen die gesamte umgebende Atmosphäre verändern. Keinerlei Emissionen anderer Art sind mit der Macht des Menschen vergleichbar. Er ist fähig, alles Umgebende in einen gesunden Zustand zu versetzen oder zu vergiften. Es sind weniger kranke Menschen, die die Atmosphäre vergiften können, als vielmehr Gereiztheit, Zorn und jede Art von Bosheit. Und nun vergleicht, ob es viele gute Emanationen sind, die gleichzeitig mit den unguten auf der Erdkruste in Erscheinung treten, und wie sehr hingegen böse Gedanken sie an Zahl übertreffen.
     Ich spreche nicht von Träumen über ideale Zustände, sondern von ärztlichen Ratschlägen. Die Menschheit leidet an Entzündungen der Schleimhäute und bösartigen Geschwüren, was bereits epidemische Ausmaße annimmt. Eine Vielzahl von Überlegungen wird in Betracht gezogen, nicht jedoch diejenige, daß solche Epidemien durch räumliche Einflüsse entstehen.
     Für die Erde sind Maßnahmen zur Erhaltung ihrer Gesundheit notwendig. Die verseuchten Schichten müssen gereinigt werden, doch kann dieses nur der Mensch tun. Wenn jeder Erdbewohner über den Zustand seiner psychischen Energie nachdenkt und sich vor einer Verschlimmerung derselben vorsieht, so kann bereits die Gesundung beginnen. Die gefährlichsten Epidemien werden dann auf unvorhersehbare Gegenwirkungen treffen. Und diese Abwehr kann man an jedem Tag des Alltagslebens beginnen.
     Der Denker bat: "Laßt nichts Böses zu, denn es ist die Quelle von Krankheiten."

     414. Urusvati weiß, daß eine Vergiftung von Strömen sich nicht allein auf diejenigen auswirkt, die zu ihrer Erscheinung beitragen, sondern auch auf viele andere, an den Handlungen des Bösen Unschuldige. Vor allem sehr verfeinerte Organismen können darunter leiden, was die Verantwortlichkeit jener, die zur Vergiftung der Ströme beitragen, umso mehr erschwert.
     Es läßt sich studieren, wie weit das von den Menschen geschaffene Gift sich verbreitet. Solche Menschen sind einem törichten Schützen vergleichbar, der in einer dichtbesiedelten Stadt Pfeile in den Raum abschießt, ohne sich darum zu sorgen, wohin sie gelangen werden. Was so im fernen Altertum geschah, gilt in erhöhtem Maße für die heutige Zeit. Die Wissenschaft muß



der Menschheit klarmachen, daß diese Erzeugung von Giften unzulässig ist. Vergleicht viele mechanische Errungenschaften mit der Vernachlässigung der psychischen Energie, und ihr werdet die beschämende Tatsache erkennen, daß der wichtigste Bereich vergessen wurde und sogar der Verurteilung ausgesetzt ist.
     Nehmt viele Theorien der Psychologie und seht, in welch großem Ausmaß sie lebensfremd sind. Doch die jetzige Lage des Planeten ist dergestalt, daß lebensfremde Auffassungen nicht zulässig sind. Ihr werdet zustimmen, daß als lebensfremd alles das zu bezeichnen ist, was nicht zur Umwandlung des Lebens führt, und auf diesem Wege darf es keine auseinandergehenden Meinungen geben. Man kann entweder vorwärts oder rückwärts gehen, unerträglich ist es jedoch, inmitten überlebter Gerippe zurückzugehen.
     Desgleichen vergeßt nicht, daß es mit den Führenden Kräften keinen Gegensatz der Auffassungen geben darf. Man kann in verschiedenen Sprachen denken, unterschiedliche Kleidung tragen, doch darf es kein Abweichen von den Grundlagen geben. In dieser Weise denkt über Unsere Türme nach. Es wäre töricht, an der Reinigung der psychischen Energie nicht mitzuarbeiten.
     Der Denker entsetzte sich, als Er bemerkte, daß die Menschen sich mit Verneinungen überhäuften und sprach: "Es ist besser, einen Felsen auf sich zu laden, als Existierendes zu leugnen."

     4l5. Urusvati weiß, daß jeder Lehrer in eine Situation geraten kann, die der Unsrigen ähnelt. Solange er über die Lebensgrundlagen spricht, wird man ihm zuhören und zustimmen, doch kaum, daß er zur Anwendung des Gesagten aufruft, werden die Zuhörer auseinanderlaufen. Dies ist das Los auch vieler Unserer Ratschläge.
     Die Menschen werden beipflichten, daß diese Ratschläge vortrefflich seien und zum Guten führten, doch sie im Leben anzuwenden wünschen sie nicht. Auf solche offenkundige Inkonsequenz muß man seine Aufmerksamkeit richten. Wenn etwas als gut und würdig anerkannt wird, warum wird es dann nicht angewandt?
     Es ließen sich viele Beispiele dafür anführen, daß überaus nützliche und leicht faßliche Taten abgelehnt wurden. Später beklagten die Menschen, daß der Rat nicht ausgeführt wurde, doch das Leben vollzog bereits einen neuen Umlauf.
     Ein Lehrer wird sagen, daß es nicht lohne, die Vergangenheit zu beklagen, und er wird recht haben, da Klagen Ketten bedeuten. Doch läßt sich ersehen, welche Gründe von der Anwendung eines guten Rates abgehalten haben. Unter solchen Ursachen werden wir Furcht und Selbstsucht finden. Solche



Giftnattern verwandeln den aufmerksamsten Zuhörer in einen ungezügelten Widersacher. In seiner Verneinung entwickelt er eine eigene Art von Kühnheit. Er wird unaufrichtig werden, um sich selbst und seine Abweichung zu rechtfertigen.
     Unsere Leben haben gezeigt, wie weit Zuhören und Ausführung voneinander entfernt sind. Der Lehrer kennt diese menschlichen Eigenschaften. Er wird sich über die verschütteten Samenkörner nicht grämen, da der Erdboden eine unerwartete Ernte erbringen kann. Wir blicken in die Zukunft und finden in dieser Bestrebung Festigkeit und Tapferkeit.
     Der Denker wünschte allen Freunden die Fähigkeit, über die Zukunft nachdenken zu können.

     416. Urusvati weiß, daß Schallwellen nicht nur durch materielle, grobe Mittel gestört werden können, sondern sogar durch feinstoffliche, gasförmige Stoffe. Man könnte eine ganze Abhandlung über die Störung von Schallwellen verfassen, und dies sollte auch getan werden. Die Erde ist von einer Gaswolke dicht umgeben, und während der letzten fünfundzwanzig Jahre hat die Dichte dieser finsteren Hülle in besonderem Maße zugenommen.
     Es ist erstaunlich, daß ungeachtet dieses Hindernisses viele Experimente dennoch gelingen, wobei Ich vor allem die Gedankenübertragung auf Entfernung im Blick habe. Natürlich kann die Gedankenenergie sehr vieles durchdringen, und sie ist an Entfernungen nicht gebunden, doch kann sie in ihrer Übertragung durch Gase gestört werden. Die Menschheit weiß nicht, wie sehr sie der Evolution Schaden zufügt, indem sie zerstörende Gase schafft. Niemand kann bestimmen, wie groß die Verbreitung der Gase ist und welche Verbindungen sie eingehen.
     Wir wollen nicht von den todbringenden Erzeugnissen sprechen, die zur bewußten gegenseitigen Vernichtung verwendet werden. Jeder kennt ihre zerstörende Wirkung, die nicht nur die Atmosphäre, sondern auch den Erdboden betrifft; solche Gifte stellen eine Schande der Menschheit dar. Darüber hinaus jedoch werden viele Gase für verschiedene neue Erfindungen produziert; sie verstärken die finstere Hülle der Erde zusätzlich.
     Man kann jedem Chemiker vorschlagen, ein Abwehrgas zu erfinden, doch wird solche Erfindung besonders schwierig sein. Selbst wenn es einen kleinen Bereich schützt, ist niemand in der Lage, die Umwandlungsprozesse des Gases und dessen Ausbreitungsgrenze zu bestimmen. Auf diese Weise schafft die Menschheit sich eine neue Gefahr und



büßt sie mit neuen Krankheiten. Mag die Menschheit auch die Verantwortung für ihre eigene irdische Gesundheit tragen, unverzeihlich ist es jedoch, wenn auch die feinstofflichen Sphären verletzt werden.
     Der Denker bemerkte bereits vor langer Zeit, wie giftig der Rauch von Öfen und von Lagerfeuern sein kann. Wenn Er brennende Fackeln sah, sprach Er: "Wem ist es beschieden, solches Gift einzuatmen?"

     417. Urusvati weiß, daß jeder Augenblick des Bewegungsstromes der Planeten seine eigene Bedeutung hat. Indessen wird diese einfache Wahrheit von der Menschheit nicht aufgenommen. Mit allen Kräften wehrt sie die Erkenntnis ab, daß sich alles Existierende in unaufhörlicher Bewegung befindet. Selbst die Schönheit dieses Stromes in der Unbegrenztheit vermag die Vorstellung der Menschheit nicht anzuregen.
     Wie aber kann man die Evolution klar erkennen, wenn das Prinzip der Bewegung nicht im Bewußtsein angenommen wurde? Sogar jene, die von der Bewegung der Planeten gehört haben, erkennen dasselbe zugrundeliegende Gesetz nicht auch für sich selbst an. Mag die Erde sich selbst auch drehen, die Menschheit jedoch denkt an Bewegungslosigkeit. So prallt jedes Wort über die herrliche Bewegung auf die Unbeweglichkeit des Bewußtseins. Kann man bei solcher Disharmonie mit dem Sein rasche Vervollkommnung erwarten?
     An jedem Tag kann man sich davon überzeugen, in welchem Ausmaß belesene Menschen sich als primitiv erweisen, wenn eine Angelegenheit ihre eigene Persönlichkeit betrifft. Bei all Unseren Experimenten haben Wir unter menschlichem Widerstand leiden müssen. Besonders frappierend ist es, wenn Menschen, die sich für fortschrittlich halten, sich als hoffnungslos rückschrittlich erweisen. Ich bestätige, daß es keinen echten Fortschritt geben kann, solange die Bewegung des kosmischen Stromes nicht klar erkannt wird.
     Die Menschen bekunden mitunter Sprünge, die durch Angst, Vorurteile oder alle Art selbstsüchtiger Leidenschaften bedingt sind, doch ist es unmöglich, sich in Sprüngen voranzubewegen, denn in allem bedarf es einer gleichmäßigen Bewegung. Allein auf diesem goldenen Weg, der natürlich nichts mit dem Metall Gold zu tun hat, ist es möglich, erfolgreich zu sein.
     Möge auch nicht vergessen werden, daß Wir Zusammenarbeit willkommen heißen, jedoch solche,



die auf den freien Willen gründet. Das Schicksal wird gerade durch den freien Willen bestätigt. Wie soll man die Menschheit von dieser Wahrheit überzeugen? Das Bewußtwerden der Feinstofflichen Welt wird die Schwelle zum Fortschritt sein.
     Der Denker sprach: "Unser Glück ist darin begründet, daß Unsere Bewegung niemals aufhören kann."

     418. Urusvati weiß, wie schwierig es ist, den Grad der Aufnahmefähigkeit eines Menschen festzustellen. Unter solcher Aufnahmefähigkeit verstehen Wir die Erscheinung tätiger psychischer Energie, die es erlaubt, Existierendes in weitem Maße zu erfassen. Keinerlei äußere Anzeichen verhelfen zu der Erkenntnis, ob ein Mensch schon zu weitgefaßtem Verstehen fähig ist. Weder körperliche Eigenheiten noch Gelehrtheit und Wissen, sondern allein das Herzensverstehen erlaubt den Zutritt zu dem Geheimnis des Bewußtseins. Doch dieser Lotos öffnet sich nicht leicht, es sind Fehler möglich. Die Menschen lassen sich leicht vom äußeren Eindruck beeinflussen, und dies nicht vom ersten, sondern vom zweiten, der bereits voller Bedingtheit ist. Desgleichen wird das Urteil oftmals aufgrund fremder Worte gebildet, wonach es bereits nicht mehr möglich ist, zu einem unmittelbaren Eindruck zurückzukehren.
     Die Menschen vergessen, wieviele Hindernisse ihnen durch ihr eigenes Verschulden erwachsen. Indessen ist es für jeden Tatmenschen unerläßlich, die Möglichkeiten zu kennen. Unzweifelhaft existieren viele Mitarbeiter, die jedoch auf verschiedene Teile der Welt verstreut sind, in verschiedenen Sprachen sprechen und in unterschiedliche Traditionen eingebunden sind. Es ist viel zu überwinden, um einen Menschen zu erreichen und seinen Wert zu erkennen.
     So wird auch bei Unseren Arbeiten besonders viel Energie aufgewendet, um das menschliche Herz klar zu erkennen. Man darf sich keinesfalls auf den ersten Eindruck beschränken. Überdies muß man das Bewußtsein unter verschiedenen Umständen beobachten.
     Der Denker riet Seinen Schülern zu lernen, das Bewußtsein bei Tag und Nacht aufmerksam zu beobachten.

     419. Urusvati weiß, daß es verschiedene Arten von Vergeßlichkeit gibt. Sehr gut wäre es, wenn ein Mensch schädlichen Plunder vergessen könnte, Bosheit und Rachsucht zum Beispiel, die seine Vervollkommnung so sehr unterbinden. Doch eine solche Vergeßlichkeit ist selten. In der Regel verhält es sich so, daß



der Mensch sich an die nützlichsten Belehrungen nicht erinnern möchte. Sie stören seine Gewohnheiten und nötigen ihn, sich anzustrengen.
     Mit welchen Maßnahmen aber kann man an Verantwortung und Pflicht im Gedächtnis behalten? Ich sage - durch Wiederholung. Die Menschen dulden allerdings auch keine unangenehmen Wiederholungen. Indessen bedürfen sie gerade unaufhörlicher Ermahnungen. Es ist schwierig, an etwas zu erinnern, ohne sich zu wiederholen. Hierin haben Wir eine lange Schule durchlaufen. Wir können fast dasselbe zu sagen und doch jedesmal etwas bisher nicht Gesagtes hinzufügen. Mitunter kann eine einzige Anmerkung einem ganzen Satz eine völlig neue Bedeutung verleihen. Man muß es lernen, die Spirale der Einführung nützlicher Prinzipien beharrlich fortzusetzen.
     Die Faulenzer werden fragen, ob es sich denn lohne, soviel an einer Sache zu arbeiten, die dann doch in Vergessenheit gerät. Diese Widerspruchsgeister wissen nichts von der Anfüllung des Raumes. Der Raum kann nämlich von solchem Denken erfüllt werden, daß die Menschen dadurch eine Wirkung ohne Worte erfahren. Auf solche Weise wandelt sich die persönliche in eine räumliche Arbeit. Und sie wird nicht ermüden, da es Ermüdung bei räumlicher Arbeit nicht gibt.
     Ein Lehrer muß den Schüler davon überzeugen, wieviel Freude sich bei der Arbeit zur Anfüllung des Raumes einstellt. Die Zuhörer müssen gar keine Zeichen von Vergeßlichkeit zeigen, denn über ihnen lebt der Raum, und jeder nützliche Gedanke wird in ihm wie eine herrliche Blume erblühen.
     Der Denker sprach: "Laßt uns Gärtner sein und die Blumen der Ewigkeit zum Erblühen bringen!"

     420. Urusvati weiß, daß jeder unwillkürliche Hüllenwechsel freudig begrüßt werden sollte, wenigstens aus Wißbegier. Der Mensch kann sich voller Hoffnung auf eine Seereise begeben. Es ist nützlich, Reisen zu lieben und in sich das Gefühl der Beweglichkeit zu entwickeln.
     Gerade dieses Gefühl ist auch nützlich für die Feinstoffliche Welt, denn auch dort kann man der geistigen Unbeweglichkeit verfallen. Wie aber sollte man dann in die höheren Sphären streben? Dieses Streben indessen darf die Bewohner der Feinstofflichen Welt um der Vervollkommnung willen nicht verlassen. So könnten sie die nicht leichte Arbeit einer Annäherung an die irdische Sphäre übernehmen, um dem Gemeinwohl zu dienen. Die Menschen auf der Erde können sich nicht vorstellen,



wie schwer es ist, sich ihrer Sphäre zu nähern. Sie wundern sich, daß solche Begegnungen selten stattfinden, ohne aber zu bemerken, wieviel lehrreiche Zeichen sich in ihrem Umkreis ereignen. Sie gehen davon aus, daß Ton und Farbe in der Lage sind, bestimmte Empfindungen zu erzeugen, was auch richtig ist, doch gibt es eine Vielzahl feinster Töne und Farben, die noch intensiver wirken, ohne daß das irdische Bewußtsein sie wahrnähme. So sollte die Menschheit sich bewußt zur Wahrnehmung des Feinstofflichen erziehen. Solche Erziehung des Willens wird sich in der Feinstofflichen Welt als nützlich erweisen.
     Man darf den Gedanken, daß jeder Bewohner der Feinstofflichen Welt auch den irdischen Mitbrüdern helfen muß, nicht ablehnen. Solch wohltätiges Schaffen wird der beste Beweis der Beweglichkeit sein. Laßt uns lernen, unter jeglichen Umständen an die Hilfe für die Brüder zu denken. Wir brauchen nicht zu meinen, daß wir von bestimmten Schichten für immer Abschied nehmen werden. Wo Not herrscht, können wir auch Hilfe erweisen, doch sollte niemand denken, daß etwas unter seiner Würde sei.
     Wir dienen der Menschheit, Wir lieben die Menschheit. Viele Tatmenschen verlassen die irdischen Sphären nicht, um inmitten der Nöte zu arbeiten.
     Der Denker sprach: "Unsichtbare Freunde, wie sollen wir Euch unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen?"

     421. Urusvati weiß, daß es sogenannte 'Verschlinger der Luft' gibt, doch kann es auch Menschen geben, die psychische Energie oder räumliche Ströme gierig in sich aufsaugen. Für ein solches Ungleichgewicht gibt es viele Ursachen, wie atmosphärische, atavistische oder karmische Gründe. Solche Menschen können aufgrund ihrer Gewohnheiten auch einem übermäßigem Einfluß von außen erliegen.
     Schon vor langer Zeit haben die Menschen nach Verfahren gesucht, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Eines dieser alten Verfahren ist das Pranayama. Durch rhythmische Übungen konnte man das Gleichgewicht wiederfinden, das einen vor einem Übermaß an Wahrnehmung schützt. Nichts kann zerstörerischer sein als ein Übermaß an Energie in sich aufzusaugen.
     Gewöhnlich legt der Mensch sich keine Rechenschaft darüber ab, wenn er ein Übermaß an Energie in sich aufsaugt. Solche Menschen kommen unter bestimmten Verhältnissen in die Nähe von Vampiren. Es ist nicht leicht,



sie zu heilen, da sie ihre Krankheit nicht als solche erkennen, doch ist ein solcher Zustand bereits eine Krankheit und kann auch ansteckend sein. Er beginnt derart unmerklich, daß der Betroffene selbst und die ihm Nahestehenden es nicht erkennen. Der Mensch wird nicht offenkundig zu einem Verschlinger. Mitunter erfährt er Schmerzen, doch genauso kann er Anstürme von psychischer Energie erleben. Solch ein Zustand erlaubt es dem Menschen, Einfluß auf die Umgebung zu nehmen. Man kann nicht sagen, daß solcher Zustand immer schädlich wäre, doch die Grenze zwischen rechter Macht und einem Übermaß an Anspannung ist fein.
     Der Denker sorgte sich um das Gleichgewicht aller Kräfte des Menschen. Er sprach: "Möge das goldene Maß die erforderliche Macht bestimmen."

     422. Urusvati weiß, daß Blutübertragungen oft angewendet werden. Wir haben schon darüber gesprochen, doch ist es nötig, auf zwei Umstände hinzuweisen. Man beginnt bereits, die physischen Eigenschaften des Blutes zu koordinieren, doch handelt es sich dabei um eine noch primitive Voraussetzung. Bald wird man verstehen, daß psychische Voraussetzungen besonders wichtig sind, danach wird die Zeit kommen, da man die karmischen Voraussetzungen erkennen wird. Nur die Beachtung dieser drei Bedingungen wird die notwendigen Ergebnisse bringen.
     Karmische Harmonie bedeutet nicht, daß das Blut der Nächsten das allerbeste wäre. Die Menschen werden lernen, die karmischen Beziehungen zu erkennen. Astrologie und Hellsehen werden gute Hilfen sein. Man wird auch erwarten können, daß die psychische Seite richtig eingeschätzt wird. Wenig ist dagegen über rassische Aspekte des Blutes zu sagen. Bei der Vermischung der Rassen wird dieses Merkmal sehr an Bedeutung verlieren, wogegen die psychische Bedeutung der Aura manche Besonderheit aufweisen kann.
     Man wird sagen, daß es allzu lange dauern würde, solche Methoden anzuwenden, wenn eine unverzügliche Blutinfusion erforderlich ist. Doch neben eiligen Fällen gibt es auch solche, bei denen ein oder zwei Tage keine entscheidende Bedeutung haben. Sogar bei dringenden Operationen findet man genügend Zeit, verschiedene Untersuchungen vorzunehmen. So muß man bei der Entscheidung über die Qualität des Blutes umso mehr eine besondere Umsicht walten lassen.
     Die Aufbewahrung von vermischtem Blut zeugt von Unwissenheit. Sowohl in physischer wie psychischer Hinsicht muß man bedenken, welch gegensätzliche Elemente



wahllos miteinander vermischt werden. Statt dauerhafter Heilung ergibt sich eine nur scheinbare - das Ebenbild eines Roboters. Die Menschen verstehen nicht, für welche Folgen sie damit den Grundstein für die künftigen Generationen legen. Einerseits sorgen sie sich um die Reinheit der Generationen, um auf der anderen Seite in unvernünftiger Weise völlig unterschiedliche Blutarten miteinander zu vermischen.
     Wir bedauern es, sehen zu müssen, wie die Menschen unbedacht an die stärksten Substanzen herangehen. Die Psychologen bedürfen einer Erweiterung ihres bisherigen Wissens. Gerade sie vermögen es, der Menschheit den nötigen Rat in die Hände zu geben. Es ist ihre Aufgabe, feinfühligeres Denken zu lehren, damit der Mensch erkennen kann, wo die zu beachtende Grenze liegt.
     Der Denker sagte oftmals: "Das Blut ist eine wertvolle Verbindung des Lebens."

     423. Urusvati weiß, daß viele medizinische Fortschritte bevorstehen. Vor allem wird man die Bedeutung der psychischen Energie einschätzen lernen. Kranke werden einer grundlegenden Erforschung bezüglich der Qualität ihrer psychischen Energie unterzogen werden. Man wird die Therapie unter Anwendung entsprechender Energie verbessern können. Man wird den Kranken mit einer besonderen Art von Ozon umgeben können, welches den Zustand der Energie verstärkt. Man kann sogar mittels menschlicher Energie, die durch einen Nahestehenden übertragen wird, Einfluß auf eine Krankheit nehmen.
     Desgleichen wird man die Quellen verschiedener Erkrankungen untersuchen, die versteckt in bestimmten Menschen liegen. Auch jetzt schon lenkt man seine Aufmerksamkeit auf solche Träger von Krankheiten, doch sind ihrer unvergleichlich mehr, als es scheint. Bei solchen Forschungen wird man zu der Schlußfolgerung gelangen, daß man solche Krankheitsträger in eigenen Siedlungen zusammenfassen kann, ohne daß sie einander schaden werden. Viele neue und nützliche Maßnahmen können Anwendung finden, wenn die Menschen der ihnen innewohnenden Energie genügend Aufmerksamkeit schenken.
     Aus dem Altertum lassen sich viele Beispiele anführen, die auf ein Verständnis von der inneren Energie hinweisen. So existierte der Brauch, bei der Übergabe eines Geschenkes die Hand auf den Gegenstand zu legen und ihn sogar eine gewisse Zeit bei sich zu halten. Auf solche Weise wurde der Magnetismus des Gebenden auf den Gegenstand aufgeschichtet. Auch wurde der zu übergebende Gegenstand mit Haaren umwickelt oder in magnetisiertes Wasser getaucht. Wenn



sogar im Altertum ein Begriff von der uranfänglichen Energie vorhanden war, so ist heute umso mehr die Möglichkeit gegeben, sie wissenschaftlich anzuwenden.
     Der Denker riet, zur Überzeugung eines Gesprächspartners die Hand auf dessen Schulter zu legen.

     424. Urusvati weiß, welches Maß an Gelassenheit bei jedem psychischen Experiment erforderlich ist. Gelassenheit ist eine gute Eigenschaft, sie schützt vor den verderblichen Folgen zeitlich unpassender Erregung. Viele Experimente gelingen aufgrund geringster Erregung nicht. Fragt jemanden, der auf dem Wasser sitzt, und er wird sagen, daß nicht der geringste erregende Gedanke ihn stört. Fragt jemanden, der durch Feuer schreitet, und er wird euch dasselbe antworten. Jedes besondere Phänomen erfordert Gleichgewicht. Die Fähigkeit, seine Gefühle zu beherrschen, ergibt sich durch langwieriges Bemühen. Sie kann auch im Alltagsleben erreicht werden, wenn ein Mensch in seiner Umgebung viele Anlässe zur Störung des Gleichgewichts hat. Wütende Unvernunft ist natürlich für psychische Forschungen ungeeignet.
     Auch der geringste Zweifel vermindert bereits die Nervenkraft. Zweifelnde können nicht auf dem Wasser sitzen oder durch Feuer gehen. Hierbei ist es aufschlußreich zu beobachten, wie klein der Zweifel ist, der bereits schädliche Auswirkungen hat. Dieses Teilchen Zweifel kann so klein sein, daß der Mensch selbst es nicht merkt. Doch es überkommt ihn unwahrnehmbar und stört den Blutkreislauf. Es ist unmöglich, den Puls willentlich anzuhalten, wenn der Gedanke sich teilt. Es ist nicht leicht, sich von gedanklichen Doppelgängern zu befreien. Sehr oft schleppen Gedanken quasi Doppelgänger mit sich, die die Wirkung des Grundgedankens schwächen. Solche durchlöcherten Anhängsel entstehen durch unzureichende Klarheit des Denkens.
     Wir führen beständig Übungen zur Klarheit des Denkens durch, woraus man ersehen kann, wie sehr das Denken der Übung bedarf. Selbst der höchste Denker wird nicht verbergen, daß er der Übung bedarf, ähnlich wie Musiker ständig üben müssen; allein solche Arbeit schafft die Klarheit des Tons.



     Mögen offenkundige Dummköpfe ruhig behaupten, daß sie keine Übungen bräuchten. Auch Gelassenheit entsteht nur bei Übung des Denkens.
     Der Denker lehrte: "Übt das Denken, da es anderenfalls nicht frei fließen kann."

     425. Urusvati weiß, daß die Erziehung eine hohe Bedeutung inne hat. Sie soll mit allem Hohen und Verfeinerten nähren. Die Menschen können verstehen, daß behutsame Erziehung wahre Bildung ermöglicht. Doch Bildung allein füllt noch nicht aus, was Erziehung bedeutet. Jedes Kind gelangt bereits mit einem bestimmten Charakter in das irdische Leben. Man kann das Wesen des Menschen veredeln und höherführen, doch unmöglich es verändern. Es ist notwendig, daß die Erzieher diese Wahrheit erkennen. Sie müssen vor allem das unveränderliche Wesen des Kindes erkennen und anhand dieses Maßstabes alles Übrige hinzufügen.
     Es wird keine Beschränkungen geben, wenn wir erkennen, daß das menschliche Wesen bereits in der Feinstofflichen Welt feste Gestalt gewinnt. Alle durch Verwandtschaft bedingten irdischen Ansammlungen werden nur äußere Beigaben darstellen, doch der Wesenskern erweist sich als bereits in der feinstofflichen Vorexistenz fest geformt. Mitunter erahnt eine Mutter glücklich dieses Wesen und beginnt mit behutsamem Fleiß, es in feinfühliger Weise für den irdischen Aufenthalt zu rüsten.
     Begegnet einem jedoch bewußte und behutsame Erziehung oft? Selbst die besten Erzieher befinden sich in aller Regel unter derart schwierigen Bedingungen, daß sie der Möglichkeit, ihre Aufmerksamkeit den persönlichen Eigenschaften der Schüler zuzuwenden, beraubt sind. In den Familien wird die Frage der Erziehung oftmals überhaupt nicht beachtet, und die Kinder wachsen auf sich allein gestellt auf, ohne daß eine zärtliche Hand sie berührt und eine vertraute Stimme ihnen von einer wunderschönen Welt erzählt.
     Man muß darauf bestehen, daß die Lehrer beste Bedingungen haben, um sich ganz einer sehr feinfühligen Erziehung widmen zu können. Aber solche Staaten gibt es noch nicht. Dennoch erfordert die verstärkte Kompliziertheit des Lebens und die vielen Entdeckungen der Wissenschaften inzwischen mehr Aufmerksamkeit bei der Erziehung der Kinder!
     Unsere Schwestern arbeiten viel, um die Erziehung zu unterstützen. Die Kleinen können oft erzählen, daß schöne Frauen und auch Gleichaltrige sie besucht haben. Solcher Erscheinungen gibt es viele, doch die Erwachsenen lieben es nicht, den kindlichen Erzählungen zuzuhören. Solche



Besuche sind jedoch unerläßlich, da man mit einer einzigen Berührung an die in der Feinstofflichen Welt übernommene Aufgabe erinnern kann. Viele kindliche Tränen können mit einer lichten Offenbarung getrocknet werden.
     Bei der Erziehung muß man das Wort "Freude" flüstern und den Alltag in einen Festtag verwandeln können. Man kann erfahren, wie die Kinder unerwartete Hilfe erhalten. Doch groß ist die Arbeit der Lichtträgerinnen. Diese überirdische Arbeit erfordert Selbstaufopferung, da sie unter verschiedenartigsten und nicht selten widerwärtigsten Bedingungen verläuft.
     Der Denker rief die Mütter auf, den Kindern die besten Vorstellungen von einer wunderschönen Welt zu vermitteln.

     426. Urusvati weiß, daß viele die Schönheit der Feinstofflichen Welt nicht aufzunehmen vermögen. Wenn die Menschen das Phänomen der Schönheit nur mit Mühe und allein in groben Gedankenverbindungen verstehen können, werden sie sich inmitten feinstofflicher Harmonie wie im Nebel befinden. Sind es etwa viele, die sich der wunderbaren Schönheit der Welt zu erfreuen vermögen? Wird die Sphärenmusik für ein von den irdischen Kakophonien zerrissenes Ohr denn nicht als monoton erscheinen? Die Menschen werden die Harmonie der höheren Sphären verstehen, sobald sie, auch wenn es nur bis zu einem bestimmten Grade sein sollte, die besten irdischen Verbindungen aufnehmen.
     Schon in alten Zeiten haben die Menschen geglaubt, daß die Feinstoffliche Welt finster, nebelhaft und kalt sei. Diese Vorstellung aber kann sich nur auf die niederen Sphären und auf jene beziehen, die die Feinstoffliche Welt blind und taub durchschritten haben. Daher bestehen Wir so sehr auf der Verfeinerung der menschlichen Natur. Nur wer in der irdischen Hülle das Chaos überwunden hat, vermag die Schönheit der Feinstofflichen Welt aufzunehmen.
     Die Menschen können die erhabensten Worte vernehmen, ohne sie dann im Leben anzuwenden. Wir haben von der Erziehung gesprochen, doch in ihr nimmt die Erziehung zur Aufnahme der Schönheit den ersten Rang ein. Der Mensch muß der Schönheit angehören. Er kann sie in jedem Sonnenstrahl erblicken. Er kann die Schönheit in den Tonverbindungen aufnehmen. Der Mensch kann sich nicht mit seiner Armseligkeit rechtfertigen, denn der Kosmos ist für Reiche wie Arme gleichermaßen geöffnet. Mögen jedoch die irdischen Lehrer die Fähigkeit zur Aufnahme der Schönheit in den Schülern entwickeln können.
     Der Denker sprach: "Wer die Wege der Schönheit nicht kennt, wird nicht den Mut besitzen, sich den Göttlichen Höhen zuzuwenden."



     427. Urusvati weiß, daß der Raum mit Gedankenwellen angefüllt ist. Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr der Raum in Unserem Umkreis angefüllt ist. Wellen verschiedener Stärke und unterschiedlichen Gehaltes setzen einander zu. Oftmals haben diese Wellen den gleichen Anspannungsgrad und durchdringen einander daher. Man kann nicht sagen, in welchen Stunden bei Uns mehr geschwiegen wird, als wenn die Wellen aus beiden Erdhemisphären heraneilen.
     Bei der Verrichtung anderer Arbeit muß man die Reihenfolge festlegen, in der ferne Sendungen aufgenommen werden sollen. Dies ist jedoch nicht leicht, da es einem angespannten und verfeinerten Organismus nicht möglich ist, auf die überall herumschwirrenden Anrufe nicht zu erklingen. Dazu muß man bedenken, daß der Raum nicht nur die direkt an Uns gewandten Rufe aufnimmt, sondern von den weltweiten Ereignissen geradezu erdröhnt. Zur Zeit hat dieser räumliche Mißklang eine solche Grenze erreicht, daß er dem menschlichen Organismus zum Schaden wird. Die Gedankenwellen dringen wie Pfeile in die Schleimhäute ein. Hals, Ohren, Augen und sämtliche anderen Schleimhautgewebe können betroffen sein. Es gibt Perioden, in denen die Gedankenwellen sich durch ihre Gegensätzlichkeit noch verstärken. Explosionen finsterer Geschosse lassen sich nicht immer sehen, da in ihnen bereits unirdische Kräfte wirksam sind, doch irdische Gedanken verdreifachen ihre Wirkung.
     Wir müssen viele Experimente aufschieben, wenn die Welt sich in einer derartigen Anspannung befindet. Vieles Stöhnen müssen Wir besänftigen, bei vielen Schmerzen helfen, viele Ratschläge geben. Allein die Teilbarkeit des Geistes verleiht die Möglichkeit, gleichzeitig auf verschiedene und sehr dringende Ereignisse zu reagieren. Die Menschen können sich die Sättigung der Atmosphäre kaum vorstellen. Nach ihrer Meinung darf niemand alles können, doch selbst setzen sie ihren Widerstand fort. Diese Seite Unseres Lebens wird wenig verstanden.
     Die Menschen sprechen von zeremoniellen Lichtstrahlen, doch besser dächten sie über Lichtstrahlen rascher Hilfe nach. Inmitten der Wirrnis ist besondere Zusammenarbeit erforderlich. Wir haben schon von den Zeiten gesprochen, die schlimmer als Krieg sind, und jetzt kann man sehen, wie sich eine solche Zeit vollzieht. Beobachter mögen annehmen, daß die Grenze bereits erreicht sei, doch Unbegrenztheit gibt es in allem.
     Der Denker hielt vor einem Abgrund an und bemerkte: "Es scheint, als sei der Abgrund bodenlos."



     428. Urusvati weiß, daß ein Schriftsteller, der historische Berichte über Unsere Bruderschaft sammelt, damit eine dringende Aufgabe erfüllt. Möge er sich mit ihrer Vollendung nicht beeilen, da viele Angaben unerwartet auftauchen. Ebenso möge er auch dichterische Aufbereitungen, die sich um Unsere Türme aufgeschichtet haben, sammeln, jedoch in gesonderten, eigenen Abschnitten. Solches legendenhafte Material muß jedoch auch aufgezeichnet werden. Die Menschen werden froh sein, erfahren zu können, welche Wandlungen dieser Begriff in den verschiedenen Kulturen erfahren hat. Auch die Lieder verschiedener Völker werden eine Erinnerung an den geheimnisvollen Ort darstellen, dem Wanderer in den unterschiedlichsten Gewändern zustrebten.
     Jedes Prinzip, das viele Jahrhunderte genährt hat, sollte wissenschaftlich erforscht werden. Außer gedruckten Quellen müssen natürlich auch mündliche Überlieferungen gesammelt werden. Es wird überaus aufschlußreich sein zu erforschen, auf welche Weise dieser Begriff sich in den Vorstellungen verschiedener Völker gewandelt hat. Nicht selten wünschen die Völker, die weltweit wirkenden Tatmenschen in den Gewändern ihres eigenen Landes zu sehen, und diese Verkörperung gibt dem gesamten Antlitz eines solchen Tatmenschen in der Volksvorstellung einen besonderen Charakter.
     So rufen Wir die Gelehrten auf, eine Beschreibung der Bruderschaft zu geben, jeder auf seine Weise. Darunter werden auch einige sehr ablehnende Beschreibungen sein, doch vergessen wir nicht, daß in bestimmten Verneinungen eine besondere Bestätigung enthalten ist. Diese Wahrheit möge die Forscher darin unterstützen, unterschiedliches Material zu sammeln. Ihr habt euch davon überzeugen können, daß eine verfolgte Wahrheit herrlich erblüht. Man kann sie unmöglich mit leeren, herbeigesuchten Worten vernichten. Die Menschen führen jede Wahrheit in eine Heldentat über. So rufen Wir die Forscher auf.
     Der Denker rief gleichfalls dazu auf, die Überlieferungen zu erforschen.

     429. Urusvati weiß, daß menschliche Ausstrahlungen auch für das gewöhnliche Auge sichtbar sein können. Wir können viele Anlässe nennen, bei denen Menschen in einem Ausbruch von Begeisterung ein schwaches Leuchten aufwiesen. Zuschauer widmeten einer solchen Erscheinung natürlich keine Aufmerksamkeit. Bestenfalls versuchten sie, das Phänomen als Reflexion irgendeiner äußeren Lichtquelle zu erklären.
     Oftmals strahlt eine Hand, die über einen erhabenen Gegenstand schreibt, Licht aus, das auf weißem Papier sichtbar werden kann. Auf diese Weise wird die Ausstrahlung auf dem Manuskript aufgeschichtet, und deshalb besitzt das Schreiben mit der Hand eine besondere Bedeutung. Ausstrahlungen von Licht bleiben für viele Jahrhunderte auf dem verwendeten Gegenstand erhalten. Ebenso bemerken die Menschen bisweilen einen ungewöhnlichen



Glanz der Augen im Moment sogenannter Begeisterung. Die Augen leuchten jedoch nicht aufgrund einer äußeren Quelle, sondern durch das innere Feuer. Wenn Menschen solche natürlichen Erscheinungen wahrnehmen, so wird dies keine poetische Empfindung sein. Zu solchem Erkennen muß man sich erziehen, dann wird die Aufmerksamkeit sich entwickeln, und viele ungewöhnliche Phänomene werden als ganz normal erscheinen.
     Ein Lehrer sollte immer wieder an die Vielzahl natürlicher Erscheinungen erinnern, die durch Unwissenheit unerkannt bleiben. Bei Unseren Beobachtungen bekümmert Uns besonders, daß die Menschen an äußerst wertvollen Beweisen der feinstofflichen Natur vorbeigehen.
     Der Denker lehrte, daß es jedem Menschen gegeben sei, die feinstoffliche Natur zu erkennen.

     430. Urusvati weiß, daß nicht nur die menschliche Aura, sondern auch das gleichfalls der feinstofflichen Natur zugehörige Ektoplasma sichtbar ist. Es ist hinreichend bekannt, daß feinstoffliche Wesenheiten sich des Ektoplasmas der Medien bedienen; sie weben sich daraus sichtbare Gewänder. Nun jedoch möchte Ich an ein beständiges Abfließen des jedem Menschen eigenen Ektoplasmas erinnern. Feinstoffliche Wesenheiten befinden sich im Umkreis jedes Menschen und nutzen Teilchen des Ektoplasmas. Es kommt vor, daß die den Menschen umgebende Atmosphäre von solchen zerstreuten Substanzteilchen ganz erfüllt ist. Viele bemerken mitunter solche verschwommenen Flecken, die den Raum durchziehen und dabei unterschiedliche Konturen annehmen. Die Ärzte beziehen solche Erscheinungen auf eine Unvollkommenheit des Auges, obwohl sie im nächsten Moment gerade die Vollkommenheit des Auges zu beweisen suchen.
     Man könnte fragen, ob solche Ausflüsse von Ektoplasma sich auf die Gesundheit auswirken können. Dies ist in der Tat möglich, besonders in räuberischer Umgebung. Die Bewohner der niederen Schichten sind sehr gefräßig und kümmern sich nicht um einen etwa zugefügten Schaden. Es können sich allerdings auch fürsorgliche Wesenheiten nähern, welche eilig bestrebt sind, geraubtes Ektoplasma wieder aufzufüllen.
     So könnte ebenfalls danach gefragt werden, wie es möglich sei, unerwünschte Gäste abzuwehren. Nur mit geistiger Wachsamkeit, die eine Berührung unseres Wesens nicht zuläßt. Urusvati weiß, wie unerwünschte Gäste zurückwichen, wobei es gar nicht nötig war,



sie zu vertreiben, denn das Sperrnetz war für sie undurchdringlich. Natürliche Bedingungen sind überhaupt das beste, doch dafür ist auch eine natürliche geistige Standfestigkeit erforderlich.
     Niedergeschlagenheit ist eine der besten Bedingungen für das Eindringen von Finsternis. Desgleichen stellt auch Gereiztheit ein Lockmittel für die abscheulichsten Gäste dar. Die Menschen müssen sich ganz klar vor Augen halten, daß das Ektoplasma keineswegs nur auf irgendwelchen besonderen Veranstaltungen abgeht, sondern ständig, und allein ein starkes, standhaftes Bewußtsein läßt keinen übermäßigen Abfluß zu. Welch dichte Atmosphäre jedoch bilden jene zerstreuten Substanzteilchen, die die Menschen auch noch einatmen müssen! Doch es kann auch wunderbare Absonderungen geben, die als "Speise der Götter" bezeichnet werden. Über sie werden wir noch sprechen.
     Der Denker lehrte, daß der umgebende Raum von feinstofflichen Substanzen erfüllt sei.

     431. Urusvati weiß, daß es einen überaus segensreichen Austausch irdischen Ektoplasmas mit höherer Energie geben kann. Wesen der höheren Sphären können sich der Ektoplasmateilchen bedienen, senden aber darauf eine äußerst wirksame Inspiration und stärken die Lebenssubstanz. So kann man sich davon überzeugen, daß bei einem natürlichen Verkehr mit den höheren Sphären kein Verlust eintritt, sondern eine Erfüllung mit erhabener Substanz. Für einen solchen Verkehr muß man jedoch zum Höchsten streben können. Jeder ungesunde Kunstgriff führt zu einem Verfall der Kräfte, da er die häßlichsten Erscheinungen hervorruft.
     Der Mensch selbst spürt es sehr wohl, wenn er etwas Unwürdiges tut. Er selbst muß in sich ein unentwegtes Streben zum Höchsten entwickeln und sich darin an den kleinsten Beispielen des Alltagslebens üben.
     So muß auch jeder, der vom Großen Dienen gehört hat, daran denken, daß unwürdiges Tun jemand anderem Schmerzen verursacht. Alte Erzieherinnen sagten den Kindern, wenn sie einen unwürdigen Streich verübt hatten: "Jetzt weint dein Engel". Und solche Ermahnung sollte tief ins Herz eingehen. In der Tat, jede ungute Handlung läßt jemand anderen leiden. Und welche höhere Begegnung soll denn bei Verletzung der Naturgesetze möglich sein? Die Menschen glauben, ihnen sei alles erlaubt, sogar



Raub und Mord! Doch welche Helfershelfer werden sich dem Ort des Verbrechens nähern?
     Der Denker rief die Menschen auf, sich rechtzeitig darum zu bemühen, die unsichtbaren Helfer zu finden.

     432. Urusvati weiß, daß die Hilfe hoher Wesenheiten gewöhnlich eine geistige ist, mitunter jedoch auch materieller Art sein kann. Überlieferungen erinnern oftmals an das Auftreten vertrauter Personen, die nützliche Ratschläge geben, wobei sie hinzufügen, daß ihnen nur ein einziges Mal zu helfen erlaubt sei. Solche Hinweise sind bei verschiedenen Völkern im Verlauf vieler Jahrhunderte zu finden. Solche Zeugnisse entsprechen in der Tat weitestgehend der Wahrheit.
     Nur in Ausnahmefällen ist es erlaubt, in das Karma einzugreifen und dabei mit irdischen Maßnahmen einzuwirken. Mögen die Freunde daran denken, daß sogar in den höchsten Sphären durch das Karmagesetz bedingte Grenzen existieren. Von den Erdbewohnern stellt sich niemand vor, wie schwierig es ist, ihnen materielle Hilfe zukommen zu lassen. Normalerweise geht ihr geistige Hilfe voraus, doch werden solche Ratschläge selten angenommen, da man sie als ein Zusammentreffen von Zufällen auffaßt.
     Es bekümmert Uns sehr, wenn Unser Rat abgelehnt oder seine Umsetzung hinausgezögert wird. Doch selbst materielle Hilfe wird nicht immer angenommen. Man rechtfertigt sich in der Regel damit, daß Unsere Wege sich allzu unerwartet öffnen würden. Die Menschen können sich nicht vorstellen, daß die Bedingungen solcher Hilfe völlig außerhalb irdischer Beurteilung liegen können. Die Ursache für solch ein Verhalten ist ein Mangel an Vorstellungskraft. Die Menschen zwingen sich somit selbst die Möglichkeit eines einzigen Ausweges aus ihrer Lage auf, und jede ihnen ungewohnte Auffassung erscheint ihnen bereits unanwendbar. Daher ist es so nützlich, den Zeugnissen verschiedener Völker Aufmerksamkeit zu schenken. Nur im Vergleich der sehr unterschiedlichen Auffassungen kann man sich die Verschiedenartigkeit der existierenden Bedingungen vorstellen. Deshalb muß man sich dazu erziehen, auf die kleinsten Rufe aufmerksam zu hören. Das Herz wird einem die Echtheit anzeigen.
     Überaus erfreut sind Wir dagegen, wenn Wir eine natürlich gewachsene Beobachtungsgabe bemerken. Die Lehre des Lebens erfordert vor allem eine klare Erkenntnis der grundlegenden Gesetze.
     Der Denker sprach: "Ich vermag es nicht in Worte zu fassen, in welch weitem Maße Wir uns auf der Grundlage erhabener Gesetze bewegen, doch das Herz kennt ihren unaussprechlichen Sinn."



     433. Urusvati weiß, daß sogar die Großen Tatmenschen bei jeder Verkörperung unterschiedliche Eigenschaften offenbaren. Wenn man eine ganze Reihe von Verkörperungen betrachtet, kann man sich von der Perlenkette der Aufspeicherungen überzeugen. In diesem Zusammenhang ist besonders aufschlußreich, wie unterschiedlich die Reihenfolgen sich gestalten. Man darf nicht annehmen, daß die Eigenschaften sich irdischem Verständnis gemäß bilden und jede Verkörperung eine direkte Fortsetzung der vorangegangenen sei. Das Gesetz der Evolution ist in seinen Strukturen sehr viel weiter gefaßt. Von den überirdischen Höhen ist besser zu sehen, auf welche Weise der Geist sich vervollkommnen muß. Es besteht kein Widerspruch darin, daß ein Geist neue Facetten überirdischer Ordnung gemäß erhält.
     Doch nicht nur im Verlauf mehrerer Verkörperungen vollziehen sich verschiedene Aufspeicherungen, sogar während eines einzigen irdischen Lebens kann man einen Wechsel der Wünsche und Bestrebungen beobachten. Dies kann natürlich in einem involutionären Prozeß erfolgen; dann fällt der Mensch in Primitivität und Stumpfsinn. Nun jedoch spreche Ich nicht von solchen finsteren Erscheinungen, sondern möchte im Gegenteil hervorheben, wieviel ein Mensch im Verlauf eines einzigen irdischen Lebens anzusammeln vermag. Man kann unbegrenzt lernen. Der Impuls des wachsenden Bewußtseins wird eingeben, auf welch unterschiedliche Weise man suchen kann. Und bei solchem Suchen helfen Wir.
     Wir lenken die Aufmerksamkeit des Betreffenden auf ein neues Buch. Wir regen nützliche Wendungen von Gesprächen an. Wir senden Gedanken über neue Entdeckungen. Wir verhüten unmerklich schadenbringende Irrtümer. Es bereitet Freude, Hilfe unbemerkt zu erweisen. Wir schätzen es, wenn die Kämpfer beherzt die Schläge der Finsternis abwehren. Mögen die Menschen sich hin und wieder daran erinnern, wie sie in der Feinstofflichen Welt belehrt wurden, wie sich ihnen lichte Wesen näherten und das Wachstum des Bewußtseins den Lehrern die Möglichkeit gab heranzutreten. Genauso vollzieht es sich auch im irdischen Leben.
     Der Denker vertraute manchmal Seinen Schülern an, daß Er zwei Leben in sich fühle - ein lichtes und ein anderes, dunkles, doch daß das lichte als Führer in die Höheren Welten erscheine. Das lichte Leben sei immer wach: "Ruft es, und es wird antworten!"

     434. Urusvati weiß von dem herrschenden Irrtum, daß die Kräfte des Bösen auf dem irdischen Plan mächtiger in Erscheinung treten würden als die guten Kräfte. Dieser Irrtum beruht auf einer nur vom irdischen Standpunkt aus gemachten Beobachtung. In der Tat rauben die finsteren Kräfte



das Ektoplasma und entsprechen dem Gesetz des Weltalls nicht.
     Die Menschen sagen nicht selten, daß die finsteren Gebilde klarer in Erscheinung treten würden als die verschwommenen Gestaltungen der lichten Wesen. Doch auch diese Beurteilung ist nur vom irdischen Plan aus richtig. Die Kraft liegt jedoch nicht in äußerlicher Deutlichkeit begründet, sondern in der Macht der Energie, die jedoch unsichtbar ist. Dennoch sind die irdischen Beobachtungen nicht bedeutungslos.
     In der Tat leben die niederen Schichten von den irdischen Ausstrahlungen. Die Bewohner jener Schichten werden zur Erde hingezogen und versuchen ihr Tun fortzusetzen, anders gesagt, Böses zu schaffen. Man braucht ihnen das Böse nicht erst beizubringen, denn sie haben es auf der Erde gelernt und setzen ihr Handeln instinktmäßig fort, da ihnen das Gute langweilig und fade zu sein scheint. Man braucht auch nicht zu erwarten, daß für solch böses Tun irgendwelche Hierophanten des Bösen erforderlich seien. Auf der Erde ist selbst der kleinste düstere Bewohner in der Lage, genügend Böses zu vollbringen, und feinstoffliche Wesenheiten, die das ganze Ergötzen an bösem Tun bereits kennen, nähern sich ihnen.
     Wenden wir uns jedoch den Lichten Kräften zu. Wir haben bereits gesagt, wie behutsam Sie die uranfängliche Energie gebrauchen und wie Sie das Gesetz des Weltalls beachten. Sie wissen, daß jede ungesetzliche Verschwendung von Energie sich auf das gesamte Weltengebäude auswirkt. Sie arbeiten für die Wahrung des Gleichgewichts. Kann man diese erhabene Arbeit mit den nichtigen Angriffen des Bösen vergleichen?! Wer vermag zu behaupten, die Erde könne auch ohne die Energie des Lichts bestehen? Wer entschließt sich, den ausdruckslosen Glanz boshafter Wesenheiten mit dem Leuchten der höheren Sphären zu vergleichen? Vergessen wir jedoch nicht, daß die Menschen solcher Ermahnungen bedürfen.
     Der Denker rief mitunter aus: "Bürger, euer Auge ist nicht nach gewöhnlicher Art konstruiert, es ist bösem Tun zugewandt, und eure Ohren sind gespannt, etwas Böses zu erfahren!"

     435. Urusvati weiß, daß die Entzündung der Schleimhäute im Begriff ist, zu einer Geißel der Menschheit zu werden. Die vergiftete Atmosphäre greift die Gewebe an. Es ist unvorstellbar, wie vielfältig die Anzeichen dieser Krankheit des Jahrhunderts sind. Die Menschen versuchen, die festgestellten Symptome bisher bekannten, bereits vergangenen Krankheitsarten zuzuschreiben, ohne die ganze Besonderheit dieser Epidemie zu verstehen. Oftmals tritt sie mit scheinbar harmlosen Anzeichen in Erscheinung, ohne daß die Hände des Arztes Ursache und Entwicklung der Krankheit bestimmen könnten. Daher ist es von Nutzen, daß die Ärzte den menschlichen Organismus mit allen wissenschaftlichen Methoden erforschen.



     Niemand vermag zu sagen, wann die Entzündung in eine echte Schädigung des Gewebes mit allen verschiedenartigen Folgeerscheinungen übergeht. Es kann sein, daß die Entzündung nachläßt und verschwindet, doch auch diesen Prozeß muß man verfolgen. Es läßt sich auf sehr einfache, nicht reizende Speisen verweisen, doch die Ernährung muß so gestaltet sein, daß der Organismus daraus genügend Vitalität erhält.
     Das Erscheinungsbild der Krankheit selbst kann äußerst verschiedenartig sein. Die anderen Organe können direkte oder indirekte Schmerzen hervorrufen. Die Entzündung der Schleimhäute ist mit dem Nervensystem verbunden und kann daher reflektorische Schmerzen verursachen. Daher ist die allseitige Erforschung des gesamten Organismus so sehr notwendig. Nicht selten läßt sich bemerken, daß eine bösartige Entzündung durch Schmerzen in einem entgegengesetzten Teil des Körpers angezeigt wird. Überhaupt üben die Schleimhäute bei den verschiedensten Funktionen des gesamten Organismus eine Mittlerfunktion aus, und sie nehmen als erste die Sättigung der umgebenden Atmosphäre auf. Auch wenn sich kein gefährlicher Prozeß vollzieht, muß man ihm daher dennoch Aufmerksamkeit widmen und Behutsamkeit walten lassen.
     Vergessen wir nicht, daß diese Epidemie schon vor langer Zeit vorausgesehen wurde. Wenn Wir vom Harmagedon sprachen, hatten Wir keineswegs nur Krieg im Blick, sondern sämtliche unheilvollen Folgen der Verwirrung der Menschheit. Man darf nicht in Mutlosigkeit verfallen, da sich der Mensch in solch niedergeschlagenem Zustand allem Giftigen öffnet. Es ist jedoch weise zu wissen, daß Epidemien dem Harmagedon folgen. Man darf sich nicht begrenzen, indem man nur die bekannten Krankheitsformen sieht, sondern muß bereit sein, äußerst komplexe und ungewöhnliche Krankheitszeichen zu bemerken. Mögen die Ärzte, wenn auch erst teilweise, die neue Krankheit, die überall zutage tritt, erkennen.
     Der Denker sprach: "Wird sich etwa ein derart dünkelhafter Mensch finden, der meint, bereits alle Erscheinungen der Natur erforscht zu haben?"

     436. Urusvati weiß, daß Heilungen mittels Schwingungen überaus individuell verlaufen. Bei der Vielzahl der anwendbaren Schwingungen ist es unmöglich, ihren Einsatz zu beschreiben. Notwendig ist der Weg der Erprobung auf der Grundlage dreier Hilfsmittel: Das eine ist das Hellsehen, das zweite ein Talisman, und das dritte die Führung des Patienten



unter Suggestion. Nur unter Anwendung dieser Hilfen ist es möglich, ertastend die erforderlichen Schwingungen herauszufinden. Die Therapie selbst kann mittels eines elektrischen Apparates durchgeführt werden, möglich sind jedoch auch durch die Hände des Behandelnden vermittelte Schwingungen.
     Ich verwende einen besonderen Apparat, den Urusvati bei Uns gesehen hat, für den jedoch besondere, den Ärzten unzugängliche Bedingungen erforderlich sind. Daraus darf man aber nicht schließen, daß die Anwendung von Schwingungen unmöglich wäre. Unter allen Bedingungen ist bei dem Arzt nur eine besondere Auffassungsgabe und Beweglichkeit gefordert. Er wird bemerken können, wann es notwendig ist, einen wechselnden Strom anzuwenden, und dann muß er rasch das Ergänzende finden. Er muß auch verstehen, wann ein dämpfender und wann ein anregender Strom anzuwenden ist. Man darf in der Auswahl der Ströme nicht fehlgehen, da anderenfalls unerwünschte Folgen eintreten.
     Ebenfalls muß man im Blick haben, daß bei der Epidemie, von der wir sprachen, sehr schnell wechselnde Symptome auftreten können, die man beobachten muß. Man darf gleichfalls keine starken Schwingungen anwenden, wenn die Erfahrung noch unzureichend ist. Jede neue Anwendung muß unbedingt an kleinen, ungefährlichen Erkrankungen erprobt werden. Auch erprobt werden muß, welche der drei vorgenannten Hilfsmittel wir anwenden, da ihre Anwendungen und Aufnahme individuell sind.
     Urusvati hat Unsere Schwingungen oftmals verspürt. Sie weiß, wie unterschiedlich sie sind und wie verschieden ihre Anwendungsdauer ist. Sie können sehr angenehm, doch manchmal auch schwer erträglich sein. Durch volles Vertrauen vermag ihre heilende Wirkung sich noch zu verstärken.
     Der Denker sprach: "Das Vertrauen ist die sicherste Waffe. Wo aber befindet sich die Grenze des Vertrauens? Der Mensch weiß, daß Vertrauen grenzenlos ist."

     437. Urusvati weiß, daß manche Unserer im voraus gegebenen Hinweise in wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen sich bereits verwirklichen. In weitem Maße erreicht der Gedanke die Gelehrten. Sie legen sich jedoch keine Rechenschaft darüber ab, weshalb sie gerade in der gegebenen Richtung zu forschen beginnen. Man darf sie nicht damit verdrießen, daß ihnen die Gedanken eingeflößt wurden. Sie erkennen nicht, daß die Ideen von einem zum anderen übergehen. Man darf einem Menschen nichts aufdrängen, wenn er meint, er selbst sei Anfang und Vollendung einer Sache. Selbst wenn ihr bemerkt, daß



jemand offen eure Ideen benutzt, ohne die Quelle anzugeben, so haltet ihm dieses nicht entgegen. Möge alles Nützliche auch auf allen Feldern wachsen.
     Nur eines kann man bedauern, nämlich wenn vereinzelte, aus einem Zusammenhang gelöste Ideen nur Splitter eines vorherbestimmten Ganzen ergeben. Doch auch in solchem Falle sagen Wir: Möge jedes Korn, das dem Wohl der Menschheit gereicht, wachsen. Mögen auch alle Freunde sich an die Aussaat der Ideen gewöhnen, ohne miteinander in Wettstreit zu treten und sich gegenseitig zu verletzen. Man muß sich über jede Ernte freuen.
     Wir wissen zur Genüge, daß die Gedanken Uns nicht gehören, sondern daß Wir nur Überbringer dieser räumlichen Gaben sind. Es ist nicht möglich zu erfahren, wo der Beginn jedes Gedankens liegt. Sogar auf den irdischen Wegen ist solche Suche unmöglich. Was aber soll man erst über die höchsten Welten, die unversiegbare Quelle der Gedanken, sagen!
     Gleichfalls möge man sich zur Freude erziehen, wenn man erkennt, daß man sich in einer Kette der Zusammenarbeit befindet. Es wird dort keine Mutlosigkeit geben, wo man die unzertrennliche Verbindung mit dem Allerhöchsten klar erkennt. Gerade die Menschen vermögen diese Verbindung zu halten und den Regen des Guten aufzunehmen.
     Mögen die Freunde sich gemeinsam mit Uns darüber freuen, daß irgendwo schon ein Zweig der Erkenntnis gedeiht. Wenn der Gärtner dieses Zweiges einem auch nicht vertraut erscheinen mag, so laßt uns in ihm seine allerbeste Seite sehen. Laßt uns nichts fortstoßen, was sich als Keim der Evolution erweisen könnte.
     Genau das gleiche sagte der Denker: "Selbst wenn der größte Verneiner ein Wort der Wahrheit sagt, so werden wir auch ihm zuhören."

     438. Urusvati weiß, daß jede Unserer Weisungen die Öffnung eines Tores darstellt. Wir geben jedoch keine Weisung, deren Ausführung keine Arbeit erforderte. Es existieren viele Lügengeschichten über einen Luxus Unsererseits, der nie vorhanden gewesen ist, doch wenig wird über Arbeit gesprochen. Wenn wir uns die angespannteste menschliche Arbeit vorstellen und dieses Bild in die Unbegrenztheit erweitern, werden wir die Qualität aller überirdischen Arbeit verstehen.
     Es ist der Menschheit anzuraten, Anspannung bei der Arbeit zu erzeugen. Gerade in den Tagen des Harmagedon wird solcher Rat der dringlichste sein. Jeder kann bei seiner Arbeit bleiben, doch möge er sie vermehren. Allein solches Bemühen um Anspannung und Qualität



der Arbeit kann bis zu einem gewissen Grade die Verwirrung der Menschheit ausgleichen. Wer in sich die Kraft findet, sogar inmitten der Wirrnis zu arbeiten, schafft bereits in seinem Umkreis Gleichgewicht. Besonders letzteres ist unerläßlich, wenn ganze Völker dem Wahnsinn verfallen.
     Mögen die Menschen nicht über weltweite Arbeiten selbst in Zeiten der Schlacht spotten. Wir mühen Uns nicht für heute und nicht für die Erde, sondern für den Kampf mit der Finsternis. Glaubt jedoch nicht, daß solche Maximen bereits von allen verinnerlicht worden wären. Man kann sich davon überzeugen, wie irrig die verständlichsten Weisungen ausgelegt werden. Es ist daher notwendig, die dringlichsten Maßnahmen, die die Lage zu erleichtern vermögen, wiederholt zu bestätigen.
     Man wird fragen: "Was aber sollen wir tun?" Antwortet: "Arbeiten wie niemals zuvor." Möge jeder seine Arbeit verbessern, selbst wenn es die einfachste, alltäglichste Arbeit ist.
     Man wird fragen: "Wäre es nicht besser, sich gedanklich zu konzentrieren?" Doch dieser herrliche Zustand kann infolge räumlicher Ströme und Wirbel gestört werden. Überdies ist gerade das Volk nicht in der Lage zu denken und schwankt wie Schilfrohr im Wirbelwind. In solchen Wirbelwinden muß man sich jedoch an etwas Sicherem, Beständigem ganz festhalten, und dieses Beständige kann für das Bewußtsein des Volkes nur die Arbeit sein. Ein Lehrer muß die Schüler zur Arbeit erziehen und die beste Qualität loben. Zu solcher Vervollkommnung wird sich auch das Wachstum des Denkens gesellen.
     Der Denker liebte es, auf Wasserträgerinnen hinzuweisen. Er sprach: "Sie wissen nicht, wessen Durst sie damit stillen werden."

     439. Urusvati weiß, wie oft es nötig ist, selbst die verständlichsten Unserer Weisungen zu erklären. So wurde gesagt, daß der Schüler die Energie des Lehrers nicht übermäßig beanspruchen dürfe. Jemand fand hierin bereits einen Widerspruch zu der Weisung über das Gespräch mit dem Lehrer. Ist es jedoch nicht möglich zu verstehen, daß die Überbeanspruchung von Energie mit einem Gespräch nichts gemein hat? Das Gespräch schließt keine Bitte in sich ein, denn es erweitert allein das Bewußtsein. Jede Erweiterung bedeutet jedoch schon ein Wachstum von Energie.
     Nicht nur, daß die Erweiterung die Energie des Lehrers nicht überbeansprucht, unterstützt sie im Gegenteil



eine Stärkung der Aura, die für den Schüler so segensreich ist. Doch kann jemand nicht verstehen, daß ein Schüler den Lehrer mit Bitten nicht belasten sollte? Der Schüler weiß hinreichend, daß alles, was möglich ist, auch gegeben wird. Er versteht, in welcher ständigen Anspannung sich der Lehrer befindet, wenn Er unermüdlich Seine Energie sendet.
     Jemand nimmt an, daß ein Gespräch allein in Bitten bestehe. Vielleicht haben einzelne angenommene Bittgebete die Völker daran gewöhnt, von der Gottheit nur irdisches Wohl zu fordern. Dieser Irrtum betrifft auch die gesamte Schülerschaft. Die Menschen hören auf, nach Erleuchtung zu streben, und führen die Verbindung mit dem Höchsten nur um der Vermehrung ihrer irdischen Güter willen. Auf solche Weise muß man klarstellen, daß die Lehre des Lebens keine Widersprüche enthalten kann. Möge, wer nicht versteht, fragen und sich dessen vergewissern, daß die Lehre das Leben in all seinen Bereichen kennt. Möge man sich daran erinnern, daß der ergebene Schüler sich in einem einzigen, gemeinsamen Energiestrom mit dem Lehrer in Verbindung setzt.
     Der Denker wies darauf hin, wie sehr die Menschen ihre Kräfte vermehren könnten, wenn sie sich in einen einzigen, gemeinsamen Energiestrom vertieften.

     440. Urusvati weiß, daß Menschen sich damit selbst rechtfertigen, wegen irdischer Angelegenheiten keine Muße für die Verbindung zu Höherem zu finden. Vergleichen wir jedoch die wichtigsten irdischen Angelegenheiten mit den Funken der geringsten Erleuchtung. Betrachten wir sie nach einem Verlauf mehrerer Jahrzehnte und erkennen, daß die irdischen Angelegenheiten verwischt, in Nebel versunken sind, während indessen die Erleuchtung klar hervorgetreten und deutlich zu einer herrlichen Bestätigung herangewachsen ist. Dieser Vergleich der irdischen Angelegenheiten mit der Erleuchtung vermag zu zeigen, wo der wahre Wert liegt.
     Laßt uns nicht dem Irrtum erliegen, die Menschen würden diesen Wert leicht verstehen. Dennoch bewahrt jeder Mensch in seinem Herzen einen herrlichen Augenblick höherer Erleuchtung. Doch wie sehr wird sich dieses Gefühl verstärken, wenn der Mensch solche Freunde hat, denen er sein höheres Gefühl anvertrauen kann. Daraus kann gleichsam ein Megaphon werden, und inmitten allgemeiner Bestrebung wird die umgebende Atmosphäre gereinigt. So mögen die Menschen verstehen, welche Angelegenheiten die besten sind. Mögen sie auch das Gleichgewicht zwischen irdischer Arbeit und den Blitzen der Erleuchtung finden.



     Es herrscht kein Widerspruch zwischen den Weisungen über angespannte Arbeit und augenblickliche Erleuchtung. Jeder, der die blitzartige Erleuchtung kennt, versteht, daß sie nicht an Zeit gebunden ist und nicht auf verstandesmäßigem Wege, sondern nur durch das Gefühl erreicht werden kann. Dieses Gefühl erblüht bei würdevoller Arbeit hoher Qualität. Die einfache Wahrheit, daß Arbeit Gebet ist, ist den Menschen nicht immer zugänglich, weshalb man gut daran tut, diese Wahrheit mit Nachdruck zu wiederholen.
     Möge ein Lehrer mehrere Handwerke beherrschen, um inmitten geistiger Übungen auch die Anregung zu hoher Qualität handwerklichen Schaffens geben zu können.
     Der Denker beharrte darauf, daß die Schüler sich irgendein Handwerk auswählten, um auch darin Vervollkommnung finden zu können.

     441. Urusvati weiß, wie notwendig es ist, der Ungelehrigkeit energisch Einhalt zu gebieten. Wir haben an das Pranayama erinnert, gleichzeitig aber auch auf die natürlichen Wege des Aufstiegs. Liegt darin nicht ein Widerspruch? Erklären wir also: Wir lehnen das Pranayama nicht ab und weisen sogar auf seine Nützlichkeit hin. In manchen Fällen wird Pranayama wie eine Medizin für den Organismus wirken.
     Wir raten jedoch immer zu einer leichten Form des Pranayama. Wir sehen die Atmung als einen wichtigen Vorgang, doch in allem wird ein natürliches Pranayama die allerbeste Lösung sein. Die Menschen sollten sich nicht nur zu bestimmten Zeiten der Reinigung des Atems widmen. Der Reinheit der Atmung bedürfen sie nämlich im Verlauf des Tages mehrfach. So ist es daher heilsam, vor der Aussprache bedeutsamer Worte einige Male frisches Prana einzuatmen. Ein solches natürliches Pranayama entspricht der heutigen Lage der Dinge.
     Man könnte sagen, daß Redner sich dieser Methode oft bedienen. Doch üben sie diese selten bewußt aus. Indessen verwandelt gerade die Bewußtheit jeden Atemzug. Auf solche Weise gesprochen wird jemand, der Einwände erhebt, verstehen, daß Wir eine bestimmte Eigenschaft des Pranayama ausdrücklich bestätigen, doch quälende Anwendungsarten aus alter Zeit müssen überprüft werden.
     Desgleichen müssen auch die Ansichten über das Kastenwesen erneuert werden. Im fernen Altertum waren solche Beschränkungen weise in Betracht gezogen worden. Doch die Evolution hat inzwischen viele Umläufe vollzogen, und weise wird es heute sein, die Lebensbedingungen neu zu bewerten. Möge



vorurteilsvolles Denken kein Hindernis sein.
     Der Denker lehrte, daß auf der Erde kein Zustand von Sklaverei herrschen dürfe, anderenfalls könne die Natur des Menschen nicht göttlich sein.

     442. Urusvati weiß, daß jedes Ereignis sich als Glied einer langen Kette von Ursachen und Wirkungen erweist. Gewöhnlich wird unter dem Begriff Ereignis etwas vom irdischen Standpunkt aus Wichtiges verstanden, doch jede Alltagserscheinung unterliegt genau demselben Gesetz. Wer vermag zu entscheiden, wo sich die Entstehung eines großen Ereignisses vollzieht?
     Ein erweitertes Bewußtsein hilft beim Rückblick, um die Quellen der Ereignisse zu erkennen. Solch ein Gefühlswissen muß man sich zu eigen machen, um den Weg der Ereignisse nicht mittels Vorurteilen, sondern mit dem sich rasch vermittelnden Gefühl zu erfassen. Es ist nicht möglich, daß die Menschen lange über die Entstehung jeder Daseinserscheinung nachdenken, doch den Lebensweg muß man erkennen. Nur in dieser klaren Erkenntnis der Quellen stellt sich auch eine natürliche Vorausschau ein.
     Solche Glieder einer bereits geschmiedeten Kette muß man vorherzusehen lernen. Ich spreche nicht von Hellsichtigkeit, die erst wenigen eigen ist, sondern habe eine natürliche Vorausschau im Blick, die sich auf nahe wie ferne Ursachen gründet. Möge man jedoch nicht denken, daß sich diese natürliche Vorausschau leicht erlangen ließe, doch das Licht erlaubt es, zurück- wie vorauszuschauen. Der vergangene Weg ist bereits durch viele Merkmale bekannt, der zukünftige jedoch kann völlig unbekannte Umrisse aufweisen, und wie soll der Wanderer sich in ihnen zurechtfinden?
     Wir haben nicht nur einmal von dem natürlichen Gefühlswissen gesprochen. Möge die Verbindung mit Uns solch ein natürliches Vorgehen unterstützen. In einer solchen Bewegung möge auch klar werden, daß manche Alltagserscheinungen weitaus bedeutsamer als sogenannte Ereignisse von Weltbedeutung sind.
     Der Denker wies darauf hin, daß jeder Mensch ein Beweger bemerkenswerter Ereignisse ist, doch selten solche Momente erkennt.

     443. Urusvati weiß von der Existenz kosmischer Freude, kosmischer Traurigkeit und kosmischer Unruhe. Der Kosmos lebt, und die Bekundungen seines Lebens werden sich auch in irdischen Empfindungen widerspiegeln. Man kann persönliche Erlebnisse empfinden,



man kann durch irdische Erschütterungen in Unruhe versetzt werden, darüber hinaus jedoch wird man auch kosmischen Empfindungen nicht ausweichen können. Sie stehen nicht in Bezug zum menschlichen Leben, kündigen weder Erdbeben noch die übrigen Nöte des Planeten an und wirken sich dennoch auf ein feinfühliges Herz aus.
     Gewöhnlich verstehen die Menschen nicht, daß die ihnen innewohnende psychische Energie unbegrenzt ist. Mit irdischen Worten sind überirdische Erlebnisse nicht wiederzugeben, doch besitzen sie alle Eigenschaften des menschlichen Mikrokosmos. So kann man auch vom Makrokosmos sagen, daß er sich freut oder traurig ist. Es wird kein Fehler sein, den kosmischen Gedanken als etwas Fühlendes zu verstehen. Und ein feinfühliges irdisches Herz wird mit dem großen Wellenschlag der Gezeiten der kosmischen Energie gemeinsam schwingen.
     Unzweifelhaft ist diese Energie einzigartig, doch sind ihre Erscheinungen derart verschieden, daß der menschliche Verstand jeder Eigenschaft ihre besondere Bezeichnung zu geben versucht. Es wird vorstellbar, wieviel Irrtümer aus solchen eigenmächtigen Abgrenzungen der einen Energie entstehen.
     Es ist völlig richtig, daß einzelne Eigenschaften der Energie zufällig in Erscheinung treten. Natürlich ist diese Zufälligkeit relativ, da es im Kosmos grundsätzlich keine Zufälligkeit geben kann. So ist nicht selten der Atem des Kosmos fühlbar. Die Menschen haben seit alters her den Atemrhythmus gesucht und dabei versucht, sich dem Großen Atem zu nähern.
     Ein Lehrer muß darlegen, daß es dreierlei Gefühlsempfindungen geben kann: persönliche, planetare und kosmische.
     Der Denker sah in allem Einheit und Dreiheit.

     444. Urusvati weiß, daß die uranfängliche Energie um so stärker in Erscheinung tritt, je bewußter sie aufgenommen wird. Dieser Umstand war die Grundlage dafür, diese Energie als Lebensenergie oder göttliche Energie zu bezeichnen. Der Mensch ist befähigt, mittels der uranfänglichen Energie zu handeln, wenn sie für ihn unbestreitbar ist. Die Menschen können diese Kraft fühlen, wenn sie sie lieben. Ein überzeugter Arzt wird einem Kranken die von ihm am meisten begehrte Speise verordnen. Genau das Gleiche



geschieht, wenn für den Erfolg eines Experiments diejenige Materie festgelegt wird, mit der sich der Betreffende am allerliebsten beschäftigt. Sogar der einfachste Mensch fühlt in seinem Inneren, was ihm besonders nahesteht. Es lassen sich bemerkenswerte Experimente durchführen, in denen die für einen bestimmten Organismus geeigneten Substanzen herausgefunden und verglichen werden. Man kann sich davon überzeugen, daß der Mensch selbst das für ihn Nützliche erfühlt, doch muß man alles daran Fremde, nicht eigentlich Zugehörige beiseitelassen, da anderenfalls Trinker behaupten werden, daß ihnen nur der Wein nützlich sei.
     Zur unterscheidenden Erkenntnis der Neigungen eines Menschen muß man sich manchmal der Suggestion bedienen. Der Mensch wird nicht nur von ihm nützlichen Lebensmitteln sprechen, sondern auch Mineralien, Metalle und Pflanzen nennen, derer er am meisten bedarf. Hierbei wird eine verblüffende, unwiederholbare Individualität zutage treten. Es wird dabei sichtbar, daß der Mensch die unterschiedlichsten Dinge nennt, die sich auf den ersten Blick gegenseitig auszuschließen scheinen, doch bei feinstofflichen chemischen Untersuchungen wird man sehen können, daß sich gewisse Verbindungen als nützlich erweisen.
     Überhaupt muß das grundlegende Prinzip der Individualität klar erkannt werden, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Die Menschen sind dagegen bestrebt, alles gleichzumachen und zu verallgemeinern, doch die Natur zeigt in jeder Erscheinung Individualität. Wenn man den Reichtum dieser Grundlage versteht, kann man leicht über natürliche Weiterentwicklung nachdenken. Man sollte in allem die Bedeutung der Individualität anerkennen.
     Alle, die sich gegen die Relativität der menschlichen Unterschiede auflehnen, sollten gleichzeitig auch das Gesetz der Individualität anerkennen. Es gibt keine Erscheinung auf der Erde, die nicht eine prägnante Individualität aufweisen würde. Wir haben vom Ektoplasma gesprochen, das jedem Menschen zu eigen ist, doch jedes Inerscheinungtreten von Ektoplasma wird individueller Natur sein. Dasselbe läßt sich auch von der Absonderung des feinstofflichen Körpers sagen. Alle existierenden, mit Zwang arbeitenden Verfahren werden eher hinderlich sein, da gewöhnlich keine Vorschrift auf die Individualität Rücksicht nimmt. Um so mehr schätzen Wir es, wenn der Mensch auf individuelle Weise an einen Gegenstand herantritt.
     Der Denker sprach: "Jeder Mensch hat seinen unvergleichlichen Weg."



     445. Urusvati weiß von der Unbegrenztheit aller gedanklichen Manifestationen, einschließlich des freien Willens. Die Menschen können den freien Willen sogar kosmischen Erscheinungen entgegensetzen. Es darf nicht erstaunen, wenn sogar ein Gesetz durch die Bemühungen freien Willens erschüttert wird. Daher rührt die Vielzahl karmischen Unglücks. Die Menschen rufen stärkste Erschütterungen hervor, statt dem vom Kosmos vorgegebenen Weg zu folgen. Man darf nicht davon ausgehen, daß die Harmonie des Kosmos von der Hartnäckigkeit des freien Willens nicht verletzt werden könnte. Doch wird sie nicht nur einfach verletzt, sondern eine Spur der Zerstörung durchzieht alle Sphären.
     Weise des Altertums versuchten, den Menschen mit Erzählungen über Helden, die mit fernen Welten zu sprechen vermochten, ins Gewissen zu reden, doch wurden aus den Erzählungen Märchen, die niemand mehr für wahr hält. Auch im gegenwärtigen Jahrhundert, das als energetisches Zeitalter bezeichnet wird, messen die Menschen der Macht des Gedankens wie ehedem keine Bedeutung bei. Es ist erfreulich, wenn man an den Universitäten beginnt, an der Gedankenübertragung zu arbeiten. Leider laufen diese Forschungen bisher auf bloße mechanische Verfahren hinaus, die der Menschheit keine Aufklärung über die Bedeutung des Gedankens als einer äußerst feinstofflichen Energie vermitteln können.
     Die Erkenntnis des Gedankens muß auch zur Disziplin des freien Willens führen. Es ist notwendig zu verstehen, daß den ganzen Planeten überziehende Ereignisse von der Wut des ungezügelten freien Willens abhängen. So durchlebt die Erde das Harmagedon, doch auch in dieser Katastrophe hat der freie Wille große Bedeutung. Unirdische Kräfte könnten ohne langandauernde Beteiligung der Menschheit eine solche Katastrophe nicht herbeiführen.
     Ich bitte, der Epidemie des Wahnsinns Aufmerksamkeit zu widmen. Man darf das Geschehen nicht einzelnen Personen zuschreiben, sondern muß erkennen, daß es die Völker sind, welche die weltweiten Erschütterungen fördern. Es wäre falsch anzunehmen, daß die Ereignisse von selbst kämen und wieder vergingen. Geht vielleicht nun die vor etwa zweitausend Jahren ausgestreute Saat auf? So sorgfältig bewahrt der Raum die Manifestationen des Denkens auf.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Menschen ihre Umstände verstehen könnten, wenn sie in sehr alte Archive schauen würden.

     446. Urusvati weiß, daß der freie Wille sogar in der Feinstofflichen Welt in Erscheinung tritt.



Nur in den höheren Sphären befindet er sich in Harmonie mit den höheren Formen der psychischen Energie, woraus sich wahre Zusammenarbeit ergibt. In den niederen und mittleren Sphären hingegen ist häufig ein Zweikampf wahrnehmbar; die dort Lebenden wollen die Zweckmäßigkeit der Daseinsgesetze nicht anerkennen. Besonders erbärmlich anzusehen ist es, daß solche Bewohner einer Verkörperung zu entgehen versuchen. Sie wissen genau, daß sie bei ihrer karmischen Last in der Feinstofflichen Welt keine weiteren Fortschritte machen können und ziehen dennoch eine bestimmte Verwirrung vor, nur um keinen neuen Erdenweg auf sich nehmen zu müssen.
     Wir nennen ihren Zustand Verwirrung, auch wenn man ihn als Qual bezeichnen könnte. Niemand anderes quält sie, doch selbst in den niederen Schichten wird fühlbar, daß dort kein weiterer Fortschritt zu erreichen ist. Solche Widerspenstigkeit des freien Willens beweist, daß die Betreffenden während des irdischen Weges ihr Bewußtsein nicht erweitert haben und keinerlei Neigung hegten, den Kosmos zu verstehen. Überdies hatten sie natürlich auch keine Liebe zur Hierarchie in sich. Diesen Umstand muß man wohl verstehen. Die Menschen sprechen viel von Liebe und Ergebenheit, ohne ihnen aber Ausdruck zu verleihen.
     Die Menschen sprechen viel vom Lehrer, wenden jedoch keine Mühe auf, eine feste Verbindung zu knüpfen. Wir sagen nicht, daß die Menschen sich dem Lehrer ganz überlassen sollen. Im Gegenteil raten Wir zu weitgehender Selbsttätigkeit, doch wird im Inneren des Herzens die Liebe brennen. Erst dann wird auch das Feuer als Antwort zu leuchten beginnen. Erklärt es wie ihr wollt, und sei es als elektrischen Strom, doch solche wahre Liebe wird eine feste Leitung sein. Auch echtes Vertrauen erwächst nur aus der Liebe.
     Der Denker glaubte fest daran, daß die Liebe eine göttliche Gabe sei.

     447. Urusvati weiß, daß für die höheren Verbindungen Ruhe notwendig ist. In starke Bewegung versetztes Wasser ist für bestimmte Erscheinungen erforderlich, doch wenn jemand die Tiefe eines Brunnens erforschen will, muß die Wasseroberfläche ruhig und das Wasser selbst sauber sein.
     Oftmals sind die Menschen darüber im Zweifel, welche Art von Ruhe inmitten der Wirren der Welt möglich sei. Doch Wir haben die Ruhe des Bewußtseins im Sinne, die, wenn man sie erst erreicht hat, nicht mehr gestört werden kann. Die äußeren Zentren des Menschen können in Unruhe versetzt werden, er kann in Worten Empörung äußern, doch sein Bewußtsein wird klar bleiben. Es ist nicht leicht,



diesen Zustand zu erlangen, und er wird sich nicht durch mechanische Methoden einstellen. Das äußere Feuer kann man mit Rhythmen beruhigen, doch die Unerschütterlichkeit des Bewußtseins erwächst aus der Verbindung mit dem Höchsten.
     Man muß jeden Bewußtseinsfunken hüten, da um ihn herum Zornwirbel toben werden. Es werden viele Verführer auftreten, die die menschliche Vorstellungskraft übersteigen. Sie dulden keine Klarheit des Bewußtseins. Für sie ist jedes erweiterte Bewußtsein ein Hindernis auf ihrem dunklen Weg. Soll man jedoch bedauern, daß sich die finsteren Wesenheiten an einem erweiterte Bewußtsein stoßen? Ganz im Gegenteil, man kann sich darüber freuen, daß die Wesen der Dunkelheit über ein klares Bewußtsein stolpern werden.
     Wer einmal die Ruhe des erweiterten Bewußtseins erfahren hat, wird sich die kosmischen Ströme vorstellen können, die dennoch das Weltengebäude nicht anzugreifen vermögen. Mögen diese Worte an Unsere Ruhe erinnern, die auf einer langen Erfahrung gründet, wobei auch der Zusammenarbeit große Bedeutung zukommt. Sie unterstützt jeglichen Fortschritt.
     Hört ihr, daß Ich von Zusammenarbeit spreche? Jede Verletzung der Zusammenarbeit ist der Finsternis ein Dienst. Hört ihr, daß es Zerstörung bedeutet, wenn man der Finsternis zuarbeitet? So denkt an Unsere Türme, wo der Herd der Zusammenarbeit brennt.
     Der Denker sprach: "Jeder Mensch ist von Zusammenarbeit umgeben."

     448. Urusvati weiß, daß der Turm Tschung ein Brennpunkt der drei Welten ist. Solche Einheit ist möglich, da sich einige der Lehrer im irdischen Körper befinden, das feinstoffliche Wesen jedoch abtrennen können, andere hinwieder halten sich im feinstofflichen Körper auf, können sich aber leicht der grobstofflichen Welt nähern. Es wird verständlich, wie notwendig es ist, die Harmonie der Schwingungen zu beachten, damit solche Einheit zustande kommen kann. Es ist äußerst wichtig, die gesamte umgebende Atmosphäre zu bewahren, so daß nichts Fremdes eine Verwirrung der Ströme bewirken kann.
     Die Menschen streben danach, Unsere Türme zu finden, ohne zu verstehen, daß ihr Eindringen eine Katastrophe hervorzurufen vermag. Es ist notwendig, unter gewöhnlichen irdischen Bedingungen Einigkeit zu wahren, die ein Unserer Einigkeit wenigstens annähernd ähnliches Ergebnis bringt. Mögen die Menschen sich in dem Wissen freuen, daß irgendwo gleichsam eine Leiter der Welten existiert. Bereits



dieses Bewußtsein wird eine Brücke zur Weiterentwicklung sein.
     Ein unerfahrener Prediger könnte dazu raten, die höhere Einigkeit außer acht zu lassen. Es wird nicht nützlich sein, auf solche Weise andere an den irdischen Plan zu binden. Jede Begrenzung ist wie eine verschlossene Tür und wie der Entzug frischer Luft. Sogar im dürftigsten Alltagsleben träumen die Menschen von einer Erweiterung ihrer Möglichkeiten. Kann aber ein Mensch leben, ohne seine Augen zu den Sternen erhoben und ohne ein einziges Mal über die Unbegrenztheit nachgedacht zu haben? Mag ein unvernünftiger Prediger ruhig die Vorzüge höherer Errungenschaften für sich allein in Anspruch nehmen; es wird jedoch der Tag kommen, da man ihn fragen wird, aufgrund welchen Rechtes er seinen Nächsten den Traum vom Schönsten vorenthalten hat. Wenn die Menschen schon von den Feinstofflichen Welten wissen, werden sie unausbleiblich über höhere Grenzen nachdenken. Niemand vermag den Menschen dasjenige vorzuenthalten, was sie schon in sich vorausfühlen. Es ist nicht klug zu versuchen, die Tür zuzuschlagen, wenn sich der Schlüssel zu ihr bereits in den Händen des Gastes befindet.
     Der Denker wies darauf hin, daß der Mensch die göttliche Welt erkennen müsse.

     449. Urusvati weiß von besonderen Apparaten, die Wir zur Konzentration auszusendender Ströme verwenden. Apparate sind überall anwendbar, wenn sie einen sparsamen Umgang mit der psychischen Energie unterstützen. Man kann auch ohne materielle Hilfsmittel vorgehen, doch sollte überall das Prinzip der Wirtschaftlichkeit beachtet werden. Überdies treten derart angespannte Momente ein, in denen es unerläßlich wird, sehr rasch einen anderen Energiestrom entgegenzusetzen. Die Menschen spüren mitunter solche Anspannungen, ohne jedoch in der Regel zu wissen, woher deren Wellen kommen.
     Wir weisen immer wieder auf die Einigkeit als Grundlage der Zusammenarbeit hin, doch manchmal werdet ihr bemerken, daß Wir sie besonders betonen, wofür es viele Gründe gibt. So kann es sein, daß ein Zerfall der Einigkeit droht, doch kein geringerer Anlaß liegt in der Notwendigkeit, eine bewußte Vereinigung von Energien herbeizuführen. Wenn eine Spinne angreift, ist Aufmerksamkeit nötig. Ein hinterlistiger Skorpion erfordert vereinigte Bemühungen.
     Oftmals verlieren die Menschen das Gleichgewicht, wenn sie von Gefahr hören. Indem sie eine einzige Gefahr fürchten, rufen sie selbst zehn andere hervor. Mit einiger Erfahrung werden sie jedoch verstehen, daß Gefahr vor allem Gleichgewicht erfordert. Wenn man die Wanderer vor Gefahren



warnt, verhalten sich nur wenige vernünftig. Ein ängstlicher Wanderer wird sämtliche möglichen Gefahren aufzählen und sich noch nie dagewesene Schwierigkeiten selbst suggerieren. Ein echter Kämpfer jedoch wird all seine Kräfte sammeln, um alle möglichen Hindernisse abzuwehren. Er weiß, daß Gefahr von oben und unten, von allen Seiten kommen kann, was ihn jedoch nicht ängstigt. Im Gegenteil, die Anspannung aller Kräfte wird ihn mit Freude erfüllen.
     Ein erhabenes Gefühl ist die Freude der Bereitschaft! Dieses strahlende Gefühl ist unbegrenzt, es erleuchtet die Aura und vermehrt die körperlichen Kräfte. Stark ist die Mutter, die ihr Kind rettet. Ebenso stark ist derjenige, der zur Abwehr aller Hindernisse bereit ist. Zu solch voller Bereitschaft ist die Vereinigung bestimmter Energien erforderlich. Auch über solche außergewöhnlichen Vereinigungen sprechen Wir, doch die Menschen lieben Hinweise auf außergewöhnliche Gefahren nicht. Möge das Gefühl voller Bereitschaft von den ersten Jahren an anerzogen werden; es wird den Sieg über die Selbstsucht bedeuten.
     Der Denker unternahm lange Reisen mit Seinen Schülern. Er fragte sie, ob sie die beste Waffe bei sich hätten. Unschlüssig, was Er meine, fragten sie: Welche Waffe? Er aber antwortete: "Das für eine Reise Vorteilhafteste ist volle Bereitschaft."

     450. Urusvati weiß, daß alte Sprichwörter oftmals einen bestimmten wissenschaftlichen Gehalt besitzen. Erst mit der Zeit verloren sie die innere Bedeutung und wurden als äußerliche, kurze Formeln wiederholt. So heißt es zum Beispiel: "Der Schlaf ist dem Tod ähnlich" und niemand denkt daran, daß sich darin eine große Wahrheit verbirgt. Gerade der sogenannte Tod führt den Menschen in die Feinstoffliche Welt, doch auch jeder Schlaf stellt eine Berührung mit ihr dar.
     Man kann viele Stadien eines solchen Zustandes nennen, doch in jedem von ihnen tritt der Mensch an die Feinstoffliche Welt heran. Einige senden ihren feinstofflichen Körper auf weite Reisen, während andere die feinstofflichen Bereiche nur leicht berühren. Die Ärzte bemerken richtig, daß der Schlaf Erholung bedeutet. Der Schüler sollte wissen, daß jedes Herantreten an die Feinstoffliche Welt schon Erholung für den physischen Körper darstellt. Auf diese Weise haben die Ärzte recht, wenn sie die äußere Bedeutung des Schlafes bestimmen. Doch dieser äußere Sinn erklärt nicht den inneren, weitaus wichtigeren. Mögen die Menschen im Gedächtnis behalten,



daß jeder Schlaf sie an die Feinstoffliche Welt heranführt, jene Welt, die sie für nicht existent halten wollen.
     Offenkundige Manifestationen feinstofflicher Wesen auf der physischen Ebene werden für Gaunerstückchen von Medien gehalten, doch wollen Wir jetzt nicht auf solche besonderen Phänomene verweisen, sondern auf einen natürlichen, jedem Menschen eigenen Zustand. Wenn die Menschen den Gedanken von der Aufgabe des Schlafes annehmen, werden sie viele Einzelheiten bemerken.
     In ihren Überlegungen über die Bedeutung des Schlafes verfallen manche solchen Irrtümern, daß sie annehmen, man könnte ohne Schlaf auskommen. Bei einigen Krankheiten schwindet der Schlaf, doch ist solch ein Zustand qualvoll und schädlich. Richtig ist dagegen, daß der Schlaf auf den Höhen verkürzt ist, ohne sich aber ganz zu verlieren.
     Die Menschen sollten verstehen, daß bei den Besuchen in der Feinstofflichen Welt Begegnungen mit den feinstofflichen Körpern noch Lebender stattfinden können. Oftmals meinen die Menschen, einen Traum gehabt zu haben, doch in Wirklichkeit trafen sie mit den feinstofflichen Körpern Lebender zusammen. Hierbei läßt sich feststellen, daß sich in diesen Begegnungen schon ein gewisses Verständnis der Bedingungen in der Feinstofflichen Welt zeigt. Menschen, die sonst wenig zurückhaltend sind, können sich dort in einem Meinungsaustausch als besonnen und äußerst angenehm erweisen. Im irdischen Leben werden sie es selbst niemals zugestehen, solch ein weitgefaßtes Urteilsvermögen zu besitzen. Sie bewahren bestenfalls kleine Splitter der Begegnungen in ihrem Gedächtnis, nehmen jedoch in ihrem Inneren trotzdem ein neues Verstehen der Dinge mit. Solche aus der Feinstofflichen Welt mitgenommenen Lehrstunden erbringen in verschiedenen Lebenssituationen großen Nutzen.
     Solche Aneignungen von Wissen könnten jedoch in bedeutendem Maße verstärkt werden, wenn die Menschen sich vor dem Eintritt in den Schlaf bewußt machten, daß sie die große Feinstoffliche Welt berühren werden. Machten sie sich wenigstens zunächst äußerlich die Tatsache dieser täglich erfolgenden Annäherung zu eigen, würde die Feinstoffliche Welt sich bereits zu nähern beginnen. Nicht selten wundert sich ein Mensch, im Schlaf Lebende wie Verstorbene gesehen zu haben, doch liegt darin nichts Verblüffendes, da der feinstoffliche Körper, unabhängig von Zeit und Raum, auf die andere Ebene vordringen kann. So raten Wir an, dem Schlaf die Bedeutung einer verfeinerten Reise zu höheren Gebieten beizumessen, wobei jedoch der feinstofflichen Energie kein Zwang angetan werden darf. Der Mensch behält die ihm in der Feinstofflichen Welt begegneten Erscheinungen nur selten



im Gedächtnis. Auch wenn der beschriebene Zustand auf natürliche Weise verläuft, möge man dennoch daran denken, daß man während des Schlafes die Feinstoffliche Welt berührt hat.
     Der Denker sprach: "Uns ist es verliehen, in jeder Nacht einen herrlichen Weg zu gehen."

     451. Urusvati weiß, daß die Menschen verschiedene Maßnahmen zur Wahrung des Gedächtnisses ergreifen. Sie haben dazu eine besondere Wissenschaft erfunden, die Gedächtniskunst. Sie teilen das Gedächtnis in viele verschiedene Arten auf und schlagen vor, viel auswendig zu lernen, wie um die Stärke von Gehirnmuskeln zu entwickeln. Dabei vergessen sie jedoch das Wichtigste, welches das Bewußtsein des Menschen völlig umgestaltet: Sie vergessen, daß das unablässige Denken an das Allerliebste sich als das sicherste Mittel erweist. Es besteht keine Notwendigkeit, das Bewußtsein mit unbedeutenden Fakten zu belasten; vor allem nötig ist, an das Wichtigste zu denken, welches sich der Mensch als leitenden Begriff erwählt hat.
     Wenn der Mensch sich angewöhnt, beständig an sein eigentliches Bestreben zu denken, wird sich bei ihm die beste Art von Gedächtnis entwickeln, welches Wir als Gedächtnis der Synthese bezeichnen. Solche Konzentration verfeinert und schärft auch die Nervenzentren.
     Dieser Rat scheint sehr einfach zu sein, man braucht sich also nur zu konzentrieren. Nur muß man zuallererst imstande sein, auch den Gegenstand der Konzentration auszuwählen. Man kann Unsere Schwester nennen, die in sich das unerschütterliche Gedenken an das Allerliebste trägt, was heißt, daß solche Errungenschaft auch inmitten irdischer Wirren möglich ist. Mögen die Menschen daran denken, daß ein sicherer Anker das Schiff selbst im Sturm zu halten vermag. Niemand zwinge zu solcher Konzentration, die menschliche Natur selbst lenkt zu dem zuverlässigsten Mittel.
     Der Denker dachte unablässig an die von Ihm erwählte Muse. Er verbarg es nicht, daß Er in Tagen der Erschütterung dank Jener feststand, die Ihm Stütze war.

     452. Urusvati weiß, daß jeder Herantretende viele Bewohner der Feinstofflichen Welt mit sich führt, was keine Besessenheit ist, sondern nur auf einem Zusammenklang der Auren beruht. Natürlich drängen Bewohner der Feinstofflichen Welt sich ohnehin schon um uns herum, doch jedes Herantreten eines anderen bringt auch das entsprechende Gefolge mit sich. Es ist nicht wünschenswert, daß diese neuen Gäste sich mit den gewöhnlichen Bewohnern zu streiten anfangen, vielmehr ist es besonders segensreich, wenn alles in einem übereinstimmenden



Chor zusammenfließt. Eine jede solche Verstärkung zieht auch sofort hohe Besucher an.
     Möge das Gesagte nicht als ein neues Märchen aufgefaßt werden, möge besser Unser wissenschaftliches Verständnis auf diese unanzweifelbaren Fakten angewandt werden. Auch wenn eine Beweisführung von einer Gegenseite erfolgen sollte, wird niemand belegen können, daß alle Angaben über die Feinstoffliche Welt unmöglich seien. Möge man ruhig neue Argumente suchen, um all das im Verlauf von Jahrtausenden angesammelte Wissen umzustoßen.
     Wir erwarten keinen blinden Glauben und nehmen daher die Herausforderung beliebiger Verneiner bereitwillig an, doch bitten Wir sie, auf wissenschaftliche Weise vorzugehen. Oberflächliche Verneinung ohne wissenschaftliche Beweisführung ist unerträglich. Mögen die Verneiner es sich angewöhnen, solche Tatsachen beizubringen, die die Unmöglichkeit Unseres Wissens über die Feinstoffliche Welt beweisen. Möge dieser Disput jedoch nicht an den Streit über die Bewohnbarkeit ferner Welten erinnern.
     Es ist nicht überzeugend, wenn die Widersprüchler sagen, daß nach ihrer Meinung allein die Erde bewohnbar sei. Niemand wird sich mit derart flachen Behauptungen begnügen. Im Gegenteil wird jeder, der die Möglichkeit bewohnter ferner Welten oder die Erfülltheit des Raumes unterstellt, dazu physikalische Gesetze zu Hilfe nehmen können. Es erfordert nicht viel Arbeit, die Existenz von Mikroorganismen zu beweisen, und von ihnen läßt sich ein Faden zum Makrokosmos ziehen.
     Bevor man meint, solch ein Vergleich sei primitiv, möge man in Betracht ziehen, wieviele Menschen noch nie durch ein Mikroskop oder Teleskop geblickt haben. Laßt uns dies nicht armen Landbewohnern vorwerfen, sondern sehen wir besser unter den Auserwählten der Völker nach. Man kann nur erstaunt sein, wieviel Unwissenheit sich in den städtischen Türmen und auf den Märkten findet. Diese Menschenansammlungen sind als Pflanzstätten der Unwissenheit zu bezeichnen. Man soll lieber ein Gespräch mit einem einfachen Landbewohner führen als an dem tödlich unwissenden Urteil der Städter auch nur vorüberzugehen. So mögen die Verneiner wissenschaftliche Beweise sammeln.
     Der Denker schlug den Mitbürgern vor, für jede Entscheidung eine wissenschaftliche Grundlage zu finden.

     453. Urusvati weiß, daß die Menschen fortwährend in sich geschlossene, unteilbare Begriffe auseinandernehmen. Solch eine Vergewaltigung geistiger Gehalte zeugt von Unwissenheit. Der Begriff der Evolution



wird in einen materiellen und einen idealistischen Prozeß zerlegt, doch darf man den erhabenen Begriff der Evolution derart entstellen und ihn somit seiner Anwendbarkeit auf das Leben berauben?
     Hört ihr Unser Bedauern, wenn die Einheit gestört wird? Mag sich ein Arzt den Menschen auch nur aus Muskeln oder Nerven bestehend vorstellen - existieren kann solch ein Organismus nicht. Kann man sich also die Evolution als einen rein materialistischen oder rein idealistischen Prozeß vorstellen? Weder das eine noch das andere wäre lebensfähig. Allein die volle Evolution sämtlicher Begriffe vermag das Leben umzugestalten. Und dieses nennen Wir Synthese, da die Synthese eine Verbindung bestimmter Teile erfordert. Im Falle der Evolution handelt es sich nicht um eine mechanische Verbindung - Muskeln und Nerven der Evolution stellen einen einzigen Organismus dar. Es ist widernatürlich sich vorzustellen, ein Organismus könnte um einen seiner bewegenden Teile beraubt leben. So läßt sich in der Geschichte der Menschheit verfolgen, daß sogar die Blütezeiten von Staaten und Völkern nur von kurzer Dauer waren. Solange die Harmonie aller Grundlagen der Evolution nicht gefunden wird, wird die Menschheit hinken.
     Laßt uns auch aufmerksam prüfen, ob selbst die Begriffe des Materialismus und des Idealismus richtig verstanden werden. Wir werden finden, daß beide falsch erklärt werden. Wenn die Menschen erst wissen, daß Materie auch Geist und jeder Zustand beider nur eine Manifestation ein und derselben uranfänglichen Energie ist, so wird jeder Versuch einer Aufspaltung dieser Einheit nur eine Verstümmelung sein. In den Händen Unwissender erscheint die Materie als ein bedingter Begriff. Auf dieselbe Weise ist auch der Begriff des Idealismus in den Händen von Toren ein bedeutungsloses Banner.
     Möge die große Evolution nicht geschmälert werden, möge man alle Wissenschaften herbeirufen, um zu begründeten Urteilen zu gelangen. Allein bei Anwendung wissenschaftlicher Methoden werden die Menschen die Bedeutung der Evolution erkennen.
     Der Denker sprach: "Bürger, warum habt ihr das eine Bein hochgebunden? Für einen langen Weg taugt ihr so nicht."



     454. Urusvati weiß, daß jede menschliche Handlung zum Bösen gelenkt werden kann. Die Ärzte des Altertums fügten ihrer Heilungstätigkeit das Wort hinzu: "Möge dieses Gute nicht ins Böse verkehrt werden." Es ließen sich auf solche Weise viele Beispiele dafür anführen, wie aus besten Absichten Elend entstand. Ein Bauer, dem befohlen wurde, nur an seine Bewaffnung zu denken, kann nicht hinreichend über Acker und Aussaat nachdenken. Der Lehrer muß erläutern, daß auch das Gute viele Stufen hat. Ein Mensch strebt nicht richtig zum Guten, wenn er mit seinem Handeln Böses hervorrufen kann. Was aber nur tun, um auch vergleichsweise geringfügig Böses zu vermeiden? Erneut kommen wir zum Gefühlswissen.
     Wir werden wissen, daß Finstere bis zu einem gewissen Grade auch das beste Vorhaben entstellen können. Wir sind darüber nicht betrübt, daß das von uns vollbrachte Gute irgendwo vielleicht entstellt wird. Wir wägen ab, wann das Gute die beste Ernte einbringen wird und werden nicht weinen, wenn es irgendwo entstellt wird. Allein unter Anwendung der Entsprechung kann man die Rechtfertigung seiner Taten finden.
     Vergessen wir nicht, daß die Finsternis sogar sehr hell strahlende Feuer zu verdecken vermag, doch geht die Sonne nur deshalb unter, um wieder aufzugehen. So wird jede kosmische Erscheinung auch eine Vorstellung vermitteln können, wie menschliche Arbeit vonstatten geht. Man darf nicht meinen, daß das Ende gekommen sei, da es kein Ende gibt. Freude erwächst aus der Unbegrenztheit.
     Der Denker tröstete die Schüler damit, daß Freude unbegrenzt sei.

     455. Urusvati weiß, daß um den Begriff der augenblicklichen Erleuchtung herum viele Mißverständnisse entstanden sind. Die Menschen bilden sich oftmals ein, bereits erleuchtet worden zu sein, wenn sie eine vorübergehende Begeisterung empfanden. Augenblickliche Erleuchtung ist wohl vorstellbar, doch wird sie auf langwährende innere Arbeit gegründet sein. Diese Arbeit kann sogar unbewußt verlaufen, als geistiges Erbe der Vergangenheit, und dennoch vollzieht sie sich und ermöglicht erst die Erleuchtung.
     Unter Erleuchtung ist kein zufälliges Aufflammen zu verstehen, sondern eine ganze Bewußtseinsstufe. Die Menschen verstehen oft nicht, daß solch eine Stufe unerwartet eintreten kann, wie als Folge eines zufälligen Ereignisses. In der Tat kann ein äußeres Ereignis den Anstoß zur Öffnung eines "Lotos" geben, die Blüte selbst jedoch ruhte bereits in der Tiefe des Bewußtseins.



Ein geöffneter "Lotos" wird durch viel Arbeit gezogen, doch oftmals bemerken die Menschen nicht, daß sie den herrlichen Garten bestellen. Nur nach einer fleißigen Aussaat kann Erleuchtung erst wachsen! Ohne Ursachen wird es auch keine Folgen geben.
     Desgleichen wird oft nicht verstanden, was Feierlichkeit ist. Man mag denken, daß solch erhabener Zustand zufällig eintrete. Nein. Er gestaltet sich als Folge langer Prozesse des Nachdenkens. Wenn er jedoch erstarkt, erweist der Mensch sich als auf einer festen Stufe stehend. Wir schätzen kein rasch vergängliches Aufflammen, sondern das unverlöschliche Brennen.
     Der Denker lehrte, daß jedem Menschen ein Öllämpchen verliehen sei.

     456. Urusvati weiß, daß die psychische Energie den Zug der Vögel lenkt, ebenso wie sie die menschlichen Verbindungen herbeiführt, doch ist es notwendig, an die Erziehung des Willens zu erinnern, des besten Hilfsmittels für die Erleuchtung. Wie eine wegweisende Fackel lodert die Erleuchtung auf und erhellt den Weg, doch wie soll man den Willen erziehen? Vielleicht mittels Konzentration oder Pranayama? Jedes Mittel wird seinen Nutzen haben, doch der stärkste Wille wird in den Lehrstunden des Lebens ausgebildet.
     Man darf keine ungewöhnlichen Ereignisse erwarten, um den Willen zu üben. Möge er an den gewöhnlichsten Alltagserscheinungen wachsen. Auf diese Weise erstarkt der Wille zu seiner ganzen Unüberwindlichkeit. Es ist schlecht, wenn der Mensch sich die Eigenschaft des Willens einredet; aufgespeichert werden sollte er innerhalb psychischer Impulse. An jeder Arbeit üben wir uns in der Stärkung des Willens. Bei jeder Begegnung offenbaren die Menschen den Grad ihres Willens.
     Das Denken des Menschen fließt dem Willensbefehl gemäß, und dieser soll Tore eröffnen, doch keine Sklaverei sein. Echte Erziehung des Willens beginnt mit dem ersten Erwachen des Bewußtseins. Schon von frühen Tagen seines Lebens an spürt der Mensch den Vorzug eines disziplinierten Willens. Nicht alle sind in der Lage, einen ungezügelten Willen leicht zu überwinden. Das Chaos kann nur durch die klare Erkenntnis, daß diese grobe Materie der Umwandlung bedarf, besiegt werden. Viele Verkörperungen muß man jedoch durchschreiten, um selbständig zu verstehen, wie unerläßlich die Überwindung des Chaos ist .
     Solange der Mensch nicht die Erfahrung gemacht hat, möge er den Rat über den Willen anhören. Er



wird verstehen, wie der Wille gestärkt oder gezügelt werden muß. Er wird verstehen, daß der Wille ihm hilft, den Nächsten nicht zu kränken. Der Wille wird eingeben, wann man Hilfe erweisen kann. Über den Kanal des Willens wird auch Unsere Führung eilen. Der Wille erfährt Läuterung, wenn er dem Guten zugewandt ist.
     Der Denker zeigte des öfteren auf vorüberziehende Vögel und sprach: "Welch herrliche Kraft führt diese Wanderer!"

     457. Urusvati weiß, daß die Stimme des Bewußtseins mitunter als kleine Stimme bezeichnet wird, was jedoch nicht ihrem eigentlichen Wesen entspricht. Ebenso wird sie als kaum wahrnehmbar bezeichnet, was auch nicht richtig ist. Man nennt sie auch Stimme der Tiefe, was ihrem Wesen schon näherkommt. Warum jedoch dem einfachsten Begriff aus dem Wege gehen, eben "Stimme des Bewußtseins"? Bei dessen Annahme ließe sich leichter verstehen, daß ein Befehl des Bewußtseins sowohl eine Erleuchtung als auch Zusammenarbeit mit der überirdischen Welt darstellt.
     Es läßt sich verstehen, daß das Bewußtsein nicht von außen unterdrückt werden kann, sondern von allen Energien des Raumes genährt wird. Unsere Führung kann kein Zwang sein, vermag jedoch die besten Kräfte des Bewußtseins zu nähren. Wer die Bedeutung der Zusammenarbeit versteht, vermag zu erkennen, wie man ohne Zwang helfen kann.
     Was aber tut der Mensch, wenn die Stimme seines Bewußtseins erklingt? Gewöhnlich müht er sich mit allen Kräften ab, sie zu ersticken. Es läßt sich bestätigen, daß die Menschen die Stimme des Bewußtseins als etwas überaus Störendes vertreiben. Kann der Mensch jedoch erfolgreich voranschreiten, solange er dieses Geschenk nicht klar als solches erkennt?
     Oftmals fürchtet man das sogenannte Gewissen. Es ist üblich zu denken, es spreche nur nach schlechten Taten. Welcher Irrtum! Das Gewissen oder Bewußtsein ruft zum Guten auf. Doch der Mensch ist, während er ein Verbrechen begeht, nervlich sehr angespannt und kann sich deshalb in einer so gespannten Erwartung befinden, daß in ihm die Stimme des Bewußtseins erklingt. Man darf nicht meinen, Zusammenarbeit bestünde in gegenseitiger Verdammung. Hörten die Menschen die Warnungen, würden sie viele Gefahren vermeiden. Die Stimme des Bewußtseins ist weder klein oder kaum wahrnehmbar noch stolz über ihre Unabhängigkeit. Wahre Zusammenarbeit wird nicht berechnen, woher der Erfolg kommt,



feinfühlig und dankbar wird sie die Gabe des Guten annehmen.
     Der Denker faßte diese Gaben als Geistesnahrung auf.

     458. Urusvati weiß, wie falsch und abweichend die Menschen neueste Erfindungen nutzen. So sind viele neue Filme in Gebrauch gekommen, die für Aufnahmen feinstofflicher Wesenheiten überaus geeignet wären, doch kaum jemand versucht, solche neuen Möglichkeiten anzuwenden. Mitunter läßt sich sehen, daß die Ergebnisse alter Aufnahmen besser waren. Seinerzeit wandte man unzweifelhaft mehr Bemühungen und Geduld auf als jetzt. Überdies verfielen die Forscher damals nicht so schnell der Resignation.
     Es ist nicht möglich, für alle feinstofflichen Experimente alle kosmischen Bedingungen vorauszusehen. Hinweisen läßt sich jedoch darauf, daß der Chemismus starker Sonnenstrahlen ungünstig sein wird, ebenso wie Orkane und Bodenschwankungen. Stille und gleichmäßiges Licht sind besonders hilfreich, desgleichen können die Harmonie der Anwesenden und Musik das Experiment unterstützen, doch befinden sich alle diese Bedingungen auf der untersten Stufe der Anforderungen. Überdies treten unzweifelhaft viele feinstoffliche Einflüsse hinzu, nützliche wie entgegenwirkende. Man sollte wissen, daß unter den feinstofflichen Wesen keine gleichen Ansichten herrschen. Es kann sein, daß sie mit der Nützlichkeit der gegebenen Manifestationen nicht übereinstimmen und Gegenwirkungen veranlassen. Ebenso möglich sind feindliche Versuche, eine Mitteilung zu unterbinden, was jedoch Geduld und Streben zu überwinden vermögen.
     Laßt uns auch nicht vergessen, daß die Teilnahme von Frauen den feinstofflichen Versuchen besonderen Erfolg verleiht. Man kann feststellen, daß das Gleiche auch bei Filmaufnahmen geschieht. Wenn eine Frau körperlich oder feinstofflich teilnimmt, gelingen die Aufnahmen in der Regel gut. Wir haben bereits über die Teilnahme von Frauen bei allen Arten wissenschaftlicher Experimente gesprochen. Die Alchimisten des Altertums verstanden den vollen Wert der weiblichen Mitarbeit, den heutzutage viele Gelehrte jedoch in Abrede stellen. So tritt indirekte weibliche Mitarbeit an die Stelle der direkten, und dennoch wird selbst das Wesen der Dinge die Frau hinzuziehen, und sie wird ihre Hand an die neuen Entdeckungen legen.
     Es ist daher unerläßlich, die Lage der Frau zu wandeln. Neben Gleichgewicht und Gleichberechtigung muß man auch die Feinstofflichkeit der weiblichen Natur verstehen. Es ergäbe einen traurigen Anblick,



die Frau an der Stelle von Soldaten oder bei einer Arbeit sehen zu müssen, die grobe Kraft erfordert. Wenn wir uns von der Anwesenheit kostbarer feinstofflicher Energie überzeugen, so muß sie auch um der Zweckmäßigkeit willen angewandt werden können. So gelangen wir erneut zur wahren Zusammenarbeit.
     Wir müssen für jede Begabung den ihr gemäßen Platz finden. Das Zeitalter der Mutter der Welt bedeutet keine Rückkehr zur Welt der Amazonen. Es steht eine weitaus größere, erhabenere und verfeinerte Aufgabe bevor. Man kann beobachten, daß Maschinen in den Händen von Frauen nicht so rasch ermüden und Pflanzen langsamer welken. Natürlich spreche Ich nicht von allen Frauen, sondern von denen, die Ausdruck feinstofflichster Energie sind. Sämtliche derartigen Fähigkeiten werden dem Zeitalter der Mutter der Welt gemäß sein. Der Bereich der ärztlichen Tätigkeit wird zu solchen Fähigkeiten in Beziehung stehen.
     Eine weitere Eigenschaft wird der Frau eigen sein: Sie wird Trägerin höchster Hingabe sein. Die höchsten Wahrheiten treten dank der Frau ins Leben. Diese Aussage wird von der Wirklichkeit selbst bestätigt. Die Frau kann dabei helfen, daß die Entdeckungen in rechter Weise Anwendung finden.
     Der Denker wandte sich Seiner Muse zu und wollte damit Seiner Verehrung der feinsten Kräfte Ausdruck verleihen.

     459. Urusvati weiß, wie sehr Menschen es vorziehen, zu den fernen Welten zu streben, statt sich um die irdische Situation zu kümmern. Die Ursache ist klar: Die fernen Welten scheinen den Erdbewohnern ohne Verantwortung zu sein, die Verpflichtung für das irdische Leben aber wirft viele Sorgen auf. Niemand oder fast niemand möchte verstehen, daß sich die Realität der fernen Welten nur demjenigen eröffnet, der die irdischen Bedingungen trägt.
     Ohne klare Erkenntnis der irdischen Aufgabe ist es unmöglich, in überirdische Räume vorzustoßen. Allein über irdische Vervollkommnung erweisen wir uns für Reisen in ferne Welten als geeignet. Wenn wir vom Überirdischen sprechen, müssen wir vor allem unserer irdischen Lage zustimmen. Wiederum betone Ich, daß nicht in rechter Weise zum Überirdischen streben kann, wer nicht auch fähig ist, an das Irdische zu denken.



     Glaubt nicht, daß gerade die Leser der gesandten Vermächtnisse diese auch im Leben anzuwenden in der Lage sind. Doch laßt uns deswegen nicht betrübt sein; jeder, der viele irdische Wege durchschritten hat, weiß, wie sich seine Erfahrung zusammengesetzt hat. Er, der sich vieles zu eigen machte, wird sich barmherzig den Irrenden zuwenden.
     Man darf nicht vergessen, daß wir uns bei jedem irdischen Inerscheinungtreten in bezug auf bestimmte Fähigkeiten vervollkommnen, während viele andere Aufspeicherungen gewissermaßen im Zustand der Vergessenheit bleiben. Daher wundern sich die Menschen nicht selten, wenn sie sehen, daß jemand sich in bestimmter Beziehung erfolgreich entwickelt und in anderer schläft. Erst in der Feinstofflichen Welt flammen auch die anderen Aufspeicherungen auf, allerdings auch die Fehler.
     So sagte der Denker oftmals, um jemanden zu rechtfertigen: "Wissen wir, was in seinem Busen ruht?"

     460. Urusvati weiß, daß die Überfüllung des Raumes gefährliche Folgen zeitigen kann. Fassen wir diese Ermahnung rein wissenschaftlich auf. Man sollte wissen, daß sogar die Überschneidung von Radiowellen räumliche Verwirrung schafft. Noch größere Unruhe entsteht jedoch aus unmittelbarem menschlichen Aufschreien.
     Psychiater sollten ihre Aufmerksamkeit auf psychische Epidemien lenken. Es muß erforscht werden, bei welchen psychischen Massenerscheinungen entsprechende Wirkungen auftreten. Die Entstehung psychischer Epidemien darf nicht nur der Besessenheit zugeschrieben werden. Doch kann natürlich ein von räumlichen Giften belasteter Organismus leicht auch Besessenheit aufnehmen.
     Achtet auf das Wort "Vergiftung". Es bringt das Wesen der Epidemien besonders gut zum Ausdruck. Die Ärzte müssen verstehen, wie der Chemismus zustande kommt, der sich im Zustand des Organismus widerspiegelt. Hierbei ist besonders wichtig zu studieren, welche Massenbewegungen diese Erkrankung am meisten begünstigen.
     Es wird erkennbar, daß nicht selten größte Explosionen weniger gefährlich sind als die sogenannte Erregung der Gemüter. Vergessen wir nicht, daß es Zeiten geben kann, die schlimmer als Krieg sind. Wenn Wir daran erinnern, haben Wir die Vergiftung des Raumes im Blick. Bei jeder Erregung werden Gase gebildet, doch menschliche Verwirrung kann ein sehr



starkes Gift erzeugen, und niemand denkt daran, daß die Menschen selbst die Zerstörung schaffen.
     Die Zeit, als man noch von einer abstrakten Psychologie des Menschen sprach, ist vorbei. Nun aber hat man begriffen, daß die Psyche das wirklichkeitsnaheste Laboratorium ist, in dem Gifte hergestellt werden. Es könnten darin jedoch ebensogut auch wohltuende Heilmittel geschaffen werden. Man muß nur das Denken dem Guten zuwenden.
     Der Denker drängte die Bürger, im Guten zu handeln, auf daß jede Lebenstätigkeit ein Heilmittel würde.

     461. Urusvati weiß, daß die Qualität der Tat von der Begeisterung des Handelnden abhängt. Hier muß darüber nachgedacht werden, ob eine wissenschaftliche Definition der Eigenschaft der Begeisterung gefunden worden ist. Wir sprechen weder von Wunsch oder Anstrengung, noch Eingebung, sondern möchten den Sinn der Begeisterung bestätigen.
     Wir wissen, daß sie sich in der Aura widerspiegelt und diese entflammt, doch die Gelehrten sind noch nicht in der Lage zu verstehen, welche der Nervenzentren bei Begeisterungsschwüngen am meisten tätig sind. Bei jeder Arbeit kann diese erhabene Anspannung hervorgerufen werden. Die Alten nannten diesen Zustand "Göttlichen Gruß". Er allein kann jeder Arbeit das Leuchten der Vervollkommnung verleihen.
     Man könnte sagen, daß solches Streben zur Vervollkommnung nur für höheres Schaffen auf allen Gebieten charakteristisch sei, was jedoch eine relative Definition ist. Wir bestätigen, daß jede Arbeit von Begeisterung, die zur Vervollkommnung führt, getragen werden sollte. Meister jedes beliebigen Handwerkes wissen, daß sogar die alltägliche Arbeit auf beständige Vervollkommnung hin ausgerichtet sein kann. Sprecht mit den besten Handwerksmeistern, und sie werden euch bestätigen, daß die Qualität der Arbeit unaufhörlich verbessert werden kann. Genau dasselbe sagen Wir auch von Unseren Arbeiten: Nehmt Uns die Begeisterung, und alle Arbeitsrhythmen werden gestört!
     Urusvati weiß, wie solche Störung des Rhythmus zum Ausdruck kommt. Es ist gar nicht erforderlich, daß irgendwelche finsteren Kräfte eindringen; es genügt, daß der Energiestrahl des Gesprächspartners sich als disharmonisch erweist, und der Rhythmus wird gestört sein. Es ist nicht leicht, einen Rhythmus wieder aufzubauen, man



muß dafür eine besondere Tätigkeit bestimmter Zentren hervorrufen. Doch eine solche eilige Einflußnahme kann auch physische Folgen haben. Wir gelangen erneut zu der Feststellung, daß eine Zeit angebrochen ist, in der die Tätigkeit der Nervenzentren studiert werden muß. Die Lehre von den Nervenreflexen wird den Anstoß zu weiterer Forschung geben, doch ohne ein Verständnis der psychischen Energie werden nicht die notwendigen Schlußfolgerungen gezogen werden können.
     Der Denker riet, jegliche Störung von Rhythmen wahrzunehmen und darauf zu achten, welche körperlichen Störungen sie hervorrufen.

     462. Urusvati weiß, wie schmerzhaft sich disharmonische Ströme auswirken. Auch mit der selbsttätigen Wiederherstellung des Gleichgewichts sind viele schmerzhafte Empfindungen verbunden. Man kann daran erinnern, wie Unser Bruder K. litt, als Er die Einwirkung boshafter und unwissender Sendungen verspürte. Er hätte diese Einflüsse in geringerem Maße empfunden, wenn die räumlichen Ströme zu der Zeit nicht ebenfalls schwer gewesen wären.
     Wir haben bereits über die Epidemie der Entzündung der Schleimhäute gesprochen. Auch diese Erscheinung muß der Einwirkung von Strömen zugeschrieben werden, die allerdings durch die irdische Verwirrung verstärkt sind. Wir sprechen dieses Wort der irdischen Verwirrung aus, um auf die Hauptursache hinzuweisen.
     Es ist nicht leicht, das Gleichgewicht wiederherzustellen, wenn von allen Seiten eine Flut äußerst schädlicher Ströme heranbrandet. Heilung erfordert vor allem Ruhe, die jedoch mitunter nicht erreichbar ist. Unser Bruder litt langanhaltend, da, selbst unter günstigsten Umständen, die Ruhe nicht unverzüglich hergestellt werden konnte.
     Wir kennen diese Anstürme irdischer Wirrnis. Jeder von Uns hat irgendwann einmal solche Anspannungen erfahren. Sogar gewöhnliche Ströme erweisen sich unter solchen Bedingungen als übermäßig belastend. Wir halten solche Schwingungen, die Schaden bringen könnten, sogar nach Möglichkeit zurück. Man darf sich nicht wundern, daß zu solcher Zeit keine gehaltvollen Offenbarungen möglich sind. Der Organismus muß geschont werden. Wir können den Rat geben: Überanstrengt euch nicht, und wenn ihr eine Anwandlung von Schläfrigkeit verspürt, so erlegt euch keinen Zwang auf.
     Ein intensives Zusammenprallen von Strömen muß sich auf feinfühlige Organismen auswirken. Früher ging man in die Wüste, um von der irdischen Wirrnis verschont zu sein, doch jetzt haben die Menschen sogar den Luftraum erobert, und die Ströme sind noch angespannter. Wenn Wir daher von der Überfüllung



des Raumes sprechen, so haben Wir keinen abstrakten Prozeß im Blick, sondern die irdische Realität.
     Der Denker sprach von der unsichtbaren Schlacht.

     463. Urusvati weiß, wie trübe das Leben ohne den Lehrer ist. Die Menschen fassen dies in eigentümlicher Weise auf. Verneiner bemühen sich mit ihrem Tun sehr, den Lehrer zu bestätigen. Jeder Verneiner ist für seine eigenen Anhänger ein Lehrer und bestätigt somit diesen Begriff. Und sogar die Gegner des Lehrertums schaffen denselben Begriff. Laßt uns nicht darauf bestehen, daß alle Menschen auf die gleiche Weise denken, doch möge jeder auf seine Weise zu denselben Lebensgrundlagen gelangen.
     Auch wißt ihr, daß das Leben ohne den Helden wie tot ist. Fragt alle Bewohner der Erde, ob es ihnen nie widerfahren ist, vor sich das anziehende Bildnis eines Helden zu sehen? Jedes Schulkind wird bekennen, daß es von Kindesbeinen an in seinem Herzen einen Auserwählten liebevoll gehegt hat. Leuchtende Taten stellten für sie die besten Impulse dar. Sie werden auch eingestehen, daß niemand sie die Verehrung des Helden lehrte, sondern diese Eigenschaft von allein in ihnen wuchs.
     Gerade die Grundlagen des Daseins bilden sich selbständig, sie treten aus der Schatzkammer des "Kelches" zum Vorschein. Lange lebten sie im Inneren, als Lehrstunden aus der Feinstofflichen Welt. Nicht selten vermögen die Menschen diese Vermächtnisse gar nicht in Worte zu fassen, dennoch sind sie da und wandeln zur vorbestimmten Stunde das Leben um.
     Werdet nicht müde, von dem Lehrer und dem Helden zu sprechen. Beide Begriffe bezeichnen, vom inneren Wesen her, ein und dasselbe. Sie führen zum Erfolg. Sie helfen, die Schwere des Lebens zu durchstehen. Sie sind die Quelle der Tapferkeit und des Mutes.
     Der Denker sprach: "Der Lehrer ist der beste Held. Seine Rüstung rostet weder noch nutzt sie sich ab. Ein ganzes Heer kann die Flucht ergreifen, doch der Lehrer wird nicht weichen. So laßt uns Ihm den Heldenkranz verleihen! "

     464. Urusvati weiß, daß räumliche Ströme die Erde in unterschiedlichen Rhythmen erreichen. Kosmische Schwingungen schaffen auf diese Weise besondere Muster. Man darf daher nicht denken, die überirdischen Chemismen näherten sich gleich einer riesigen drohenden Wolke, die die Erde wie Nebel einhüllt. Eher ließen sich die Rhythmen der Chemismen mit Mustern vergleichen, wie sie durch Tonschwingungen im Sand gezeichnet werden. Dadurch wird auch erklärt, weshalb die Menschen



die Chemismen nicht gleichmäßig strömend wahrnehmen, sondern intervallartig. Genau durch diesen Umstand ist auch die Erforschung der räumlichen Chemismen erschwert.
     Natürlich können die Wellen irdischer Gase gute Beispiele abgeben. Oftmals leiden Menschen durch Gase, während andere in der Nähe keinen Schaden verspüren. Überdies wird jede räumliche Welle verschieden aufgenommen, nämlich in Abhängigkeit vom Zustand der Nervenzentren. So können beispielsweise angespannte Zentren solche Wellen geradezu anziehen, da die Anspannung eine magnetische Kraft eigener Art entfaltet.
     Wenn Wir von der Notwendigkeit der Ruhe sprechen, verweisen Wir mit Nachdruck auf ihre Zweckmäßigkeit. Ein Mensch, dessen Gleichgewicht gestört ist, wird eine Menge äußerst starker Chemismen herbeiziehen und zum Zentrum ihres unsichtbaren Zusammenprallens werden. Bis zu einem gewissen Grade können Wir natürlich mit Unseren Schwingungen zu Hilfe kommen, doch darf nicht vergessen werden, daß hereinbrechende Chemismen sehr stark sein können und demgemäß mächtige Einwirkungen erfordern. Für den Menschen wird es nicht leicht sein, Objekt von Wirbeln zu werden, die um ihn herum in einer Schlacht toben. Daher raten Wir oftmals dazu, nicht im Übermaße betrübt zu sein. Den Menschen mag es erscheinen, als ob sich etwas vollzogen habe, das nicht wiedergutzumachen sei, doch in Wirklichkeit handelte es sich nur um eine vorüberziehende dunkle Wolke. So ist jede Unserer Weisungen ein medizinischer Rat.
     Der Denker sprach: "Womit nur sollen wir unseren Unsichtbaren Ärzten danken?"

     465. Urusvati weiß, daß wahre Hingabe vom Herzen geboren wird, nicht jedoch vom Verstande. Überdies darf dieses herzliche Bestreben nicht als etwas Abstraktes aufgefaßt werden, sondern als Realität. Wie aber soll man dem Bewußtsein einprägen, daß Hingabe an das Gute die Grundlage des Lebens darstellt? Der Mensch muß klar erkennen, daß das Gute nicht nur zum Nutzen für die Welt ist, sondern auch für ihn persönlich.
     Mögen die Menschen sich verschiedener anderer erinnern, die sich vom Guten abgewandt haben und nach den Ursachen hierfür suchen. Sie werden dabei vor allem entdecken, daß jene, die sich vom Guten abwenden, nicht an eine Fortdauer der Lebenskette glauben. Solche Menschen hoffen, daß ihre schlechten Taten zusammen mit ihnen sterben. Sie fürchten den Tod sehr, und in ihrer Angst suchen sie das irdische Leben zu verlängern. Doch wenn sie in die Feinstoffliche Welt blickten, würden sie den Nutzen des Guten schätzen lernen. Sie werden sagen: "Wozu



diese Gespenster einer Feinstofflichen Welt? Wir bezahlen lieber die Gelehrten, damit sie unser Leben hier verlängern, wo wir uns ausgelassenem Vergnügen widmen können."
     Die Erscheinung solcher finsteren, vom Guten abgewandten Menschen beunruhigt diejenigen, die dem Guten zugeneigt sind. Immer wieder kann man hören, daß die Menschen nicht wissen, wie man mit solchen vom Guten Abgewandten verfahren sollte. Laßt uns aber betrachten, was der Mensch aus der Feinstofflichen Welt mitbringt. Er bringt ein dreifaches Erbe mit: allem voran ein karmisches, sein eigenes Erbe; dann den Atavismus der Vorfahren; und schließlich in der Feinstofflichen Welt Angeeignetes. Letzteres kann sowohl lichter wie finsterer Art sein. Es läßt sich genau beobachten, wie ein Mensch sein Dasein gestaltet hat, doch wenn alle drei genannten Umstände finsterer Natur sind, so wird auch eine Einflußnahme vergeblich sein. Man muß gleichfalls die Ursache erforschen, und es wird sichtbar werden, wie die vom Guten Abgewandten aus sich selbst kosmischen Unrat gemacht haben.
     Der Denker sprach: "Möge Zeus seine Blitze sammeln, um die Erde vom Unrat zu reinigen."

     466. Urusvati weiß, wie oft selbst die einfachsten Unserer Weisungen entstellt werden. So haben Wir davon gesprochen, daß es notwendig ist, die Rüstung behutsam und sorgfältig zu prüfen und im Falle der Not fürsorglich zu helfen. Man sollte meinen, daß es sich um einen ganz klar verständlichen Rat handelte, doch die Menschen leiten eine Verurteilung des Nächsten daraus ab. Wo aber sich der Wurm der Verurteilung eingenistet hat, ist keine Ernte zu erwarten.
     Untersuchen wir zunächst den Unterschied zwischen der Verurteilung und einem gerechten Urteil. Jeder wird verstehen, daß es solche Verbrechen geben kann, die ein strenges Gerichtsurteil unausweichlich machen, doch unter der alltäglichen Verurteilung ist ein oberflächlicher und schädlicher Begriff zu verstehen.
     Nicht selten versuchen Menschen mit der Verurteilung eines anderen, diesen zu veranlassen, ihren Wünschen gemäß zu handeln. Sie wollen nicht verstehen, daß jeder Vogel sein eigenes Lied hat. Man kann den Vogel töten, ihn jedoch nicht zwingen, ihm fremde Klänge hervorzubringen.
     Es ist sehr betrüblich, sehen zu müssen, wenn Menschen jemandem einen fremden Willen aufzwingen, doch noch trauriger ist es, wenn solche Gewaltanwendungen sich im Umkreis einer Lehre des Guten ereignen. Als Wir von einer fürsorglichen Haltung gegenüber der Rüstung des Nächsten sprachen, hatten Wir gerade eine äußerst sanfte Berührung im Sinn, nicht aber geschwätzige Verurteilung. Es ist an der Zeit,



sich die Vorstellung zu eigen zu machen, daß die Atmosphäre unmöglich mit nichtdurchdachten Verurteilungen verseucht werden darf. Ganz nah bei diesen steht auch die Verleumdung. Jeder widernatürliche Zwang wird auch in der Verbindung zu Uns ein Hindernis sein.
     Wir sprachen von überirdischen Gefühlen und wissen, wie fein sie sind und ferne Übertragungen unterstützen. Ist in solch feinstofflicher Wohnstatt Grobheit zulässig?! Möge auf der von Herzen kommenden Freundlichkeit gegenseitige Hilfe aufgebaut werden. Wenn die Menschen die Kraft der von Herzen kommenden Freundlichkeit verstehen, werden sie einen weiteren Weg zu Uns kennen.
     Der Denker vermochte Freundlichkeit von Verschlagenheit zu unterscheiden.

     467. Urusvati weiß, daß sich der freie Wille in den höheren Sphären zur Zusammenarbeit mit dem kosmischen Gedanken wandelt. Die Menschen verstehen diesen Vorgang nur sehr schwer. Einige glauben, der freie Wille würde niedergehalten, andere nehmen an, er würde absorbiert. Die Auffassungen sind vielfältig, doch überaus selten kann man von einem Verständnis der Harmonie hören, in der die Macht des Denkens sich festigt. Es kann dort weder Versklavung noch Zwang geben, sondern nur erfolgreiches Voranschreiten in Unbegrenztheit.
     Ebensowenig nehmen die Menschen die Tatsache an, daß der freie Wille auch in der Feinstofflichen Welt existiert. Sie möchten nicht anerkennen, daß die Feinstoffliche Welt der grobstofflichen gleicht, nur andere Dimensionen aufweist. Wer sich bereits im irdischen Leben Disziplin angeeignet und eine Vorstellung von Harmonie hat, vermag diese Errungenschaften in der Feinstofflichen Welt gleich nach der Ankunft anzuwenden. Ein solches Verstehen wird mit "Flügel des Heils" bezeichnet, da es ein rasches Voranschreiten erlaubt.
     Doch nicht oft versehen die Menschen sich im irdischen Leben mit solchen Flügeln. Gewöhnlich gehen sie mit einem ungezügelten Willen und ungesättigten Wunschvorstellungen hinüber. Die Menschen bereiten sich im irdischen Leben gedanklich nicht auf einen weiteren Weg vor. Sie geben sich mit fremden Formeln zufrieden, die im Laufe der Zeit versteinern, und weder in der Familie noch in der Schule wird über das zukünftige Leben gesprochen. Im Gegenteil, solch ein Gespräch würde als unzulässig erscheinen. Die Familienmitglieder halten es nicht für möglich, über den Übergang in die Feinstoffliche Welt zu sprechen, und in den Schulen würde solch ein Thema zur Entlassung des Lehrers gereichen. So ziehen die Menschen es infolge von Unwissenheit und Scheinheiligkeit vor, in der Finsternis



zu verbleiben.
     Es gibt nicht viele, die fähig sind, über die hohe Bestimmung des Menschen zu sprechen. Schon von den ersten irdischen Lebenstagen an muß der Mensch unter dem Druck der ihn umgebenden Lebensweise seine feinstofflichen Lichtfunken vergessen.
     Man kann sich leicht vorstellen, wie das Leben umgestaltet würde, wenn ein rechtes Verständnis der Daseinsaufgabe herrschte. Wieviele scheinbar unlösbare Probleme werden leicht zu lösen sein, wenn die Menschen verstehen, wohin sie streben müssen.
     Der Denker wies darauf hin, wie lange die Menschheit in der Finsternis umherirren werde, statt den Sinn des Daseins zu erkennen.

     468. Urusvati weiß, daß man beim Studium der großen Lehren nicht nur ihren Inhalt im Blick haben muß, sondern auch die Sprache, in der sie gegeben sind. Eine Lehre wird nicht ohne Grund in einer bestimmten Sprache gegeben. Man kann alle Lehren seit dem Altertum verfolgen und erkennen, daß die verwendete Sprache zeigt, welchem Volk es obliegt, eine Stufe des Aufstiegs zu offenbaren.
     Mitunter wird angenommen, daß eine Lehre in derjenigen Sprache gegeben wird, die dem Empfänger am nächsten ist, doch ist solche Erklärung unzureichend. Die Ursachen müssen in ihrer ganzen Fülle beachtet werden. Nichts geschieht zufällig. Der Empfänger der Lehre ist nicht zufällig, die Sprache ist der Notwendigkeit entsprechend gewählt.
     Es läßt sich sehen, daß die Lehren in verschiedenen Sprachen gegeben wurden, und diese Bedingung entsprach immer wichtigen Umständen, die auch weltweite Bedeutung trugen. So ist die Sprache, in der die jeweilige Lehre gegeben wird, ein Geschenk eigener Art an das betreffende Volk. Denkt nicht, daß die Lehre dadurch an weltweiter Bedeutung verlöre. Jede Wahrheit ist allgemeinmenschlich, doch hat jede Periode ihre Aufgabe und jedes Volk seine Verpflichtung.
     Nicht wenig Zeit erfordert es, den Kristall des Wesens eines Volkes zu schaffen. Bei vorhandenem Bevölkerungsreichtum ist es schwierig zu erkennen, worin sich die wahre Natur des Volkes offenbart. Dem unerfahrenen Beobachter können sich oberflächliche Züge kundtun, die das eigentliche Wesen überdecken. Daher raten Wir so sehr dazu, sich Geduld und Beobachtungsgabe anzuerziehen,



um nicht später leichtfertige Urteile bereuen zu müssen.
     Die Menschen haben sich daran gewöhnt, leichtfertig zu urteilen und hoffen, daß es nie zu spät sei, einen Entschluß zu ändern. Die Änderung einer Entscheidung ist jedoch dem Verrat sehr ähnlich, jener Eigenschaft, die Uns besonders zuwider ist. Es darf dort keine Leichtfertigkeit herrschen, wo die Psychologie eines ganzen Volkes und die Bedeutung einer ganzen Epoche zu beurteilen ist.
     Man könnte einwenden, daß es nicht leicht sei, bei strömenden Wellen auf den Grund eines Flusses zu blicken. Doch dafür werden die Lehren gegeben, die die unterschiedlichsten Seiten des Daseins berühren und die keine zufällige Sammlung treffender Worte, sondern ein Mosaik des gesamten Lebens darstellen. Möge der Wanderer wählen, auf welchen Steinen der Fluß zu überqueren ist.
     Der Denker sprach: "Es gibt im Fluß viele Furten. Muse, hilf, sie zu finden!"

     469. Urusvati weiß, daß die Vorstellungskraft durch Eindrücke aus der Wirklichkeit entsteht. Wenn ein Mensch Beobachtungsgabe und Beweglichkeit in sich entwickelt, so sammelt er in seinem "Kelch" Lebensschätze an, die seine zukünftige Existenz umgestalten werden.
     Vergessen wir jedoch nicht, daß man unter Vorstellungskraft auch noch andere Erscheinungen verstehen kann. Der Mensch vermag auch die Wirklichkeit der Feinstofflichen Welt widerzuspiegeln, die in einem bestimmten Moment vor ihm ersteht. Dieses halten die Menschen jedoch überhaupt nicht für möglich. Sie vergessen dabei die endlose Vielfalt der Feinstofflichen Welt. Diese Welt beeinflußt den Menschen ständig, und empfängliche Organismen vermögen, ihrer Entwicklung entsprechend, vieles in den überirdischen Sphären Geschaffene wahrzunehmen.
     Die Menschen sollten allerdings solche Wahrnehmungen nicht allein ihrer eigenen Fähigkeit zuschreiben, denn es kann dabei unsichtbare Helfer geben. Auf solche Weise kann die Vorstellungskraft ein überaus kompliziertes Zusammentreffen vieler Bedingungen sein. Ihr wißt bereits, wie wichtig die Entwicklung der Vorstellungskraft im irdischen Leben ist. Viele verstehen gar nicht, was Vorstellungsvermögen bedeutet. Sie werden bekunden, keinerlei hervorrufbare Bilder in sich zu tragen. Sie werden sagen, daß allein Künstler Phantasie besäßen, anständige Bürger jedoch sich solcher Leichtfertigkeiten zu enthalten hätten.
     Sie verstehen nicht, daß das Vorstellungsvermögen ein zum Schönen geöffnetes Fenster ist und dadurch



das Leben vervollkommnet. Wenn aber die Wissenschaft die Menschheit zu gesundem Urteilsvermögen bewegt haben wird, dann kann man auch das Wissen auf eine neue Grundlage stellen.
     Jede Erscheinung erfordert wissenschaftliche Erforschung, doch wenn selbst der Wissenschaftler ohne Vorstellungskraft ist, wie wird er dann wissenschaftliche Apparate nutzen können?
     Laßt uns erkennen, daß das gesamte Leben aus einer Reihe bemerkenswertester wissenschaftlicher Fakten besteht. Doch man muß sie auch erkennen. Es ist gut, daß man die Wirkungsweise der Mikroorganismen verstehen gelernt hat, doch hat man die psychischen Erscheinungen vergessen, die in machtvoller Weise rettend oder zerstörend sein können. Man muß diesen Aspekt des Lebens auf wissenschaftlicher Basis verstehen. Unsere Türme basieren allein auf der Erkenntnis der Natur.
     Der Denker wußte, daß Evolution möglich ist, wenn Erkenntnis und Wissen Allgemeingut werden und die Festung klaren Vorstellungsvermögens wissenschaftlich begründet wird.

     470. Urusvati weiß von der wissenschaftlichen Bedeutung der sogenannten Talismane. Wir sprachen bereits über die Magnetisierung von Gegenständen, die unter günstigen Bedingungen lange wirksam sein kann. Doch für einige ist dennoch die Frage des Schicksals von Talismanen, die in unwürdige Hände fallen, unklar geblieben. Der Talisman in unwürdiger Hand verliert seine Kraft, so wie ein Magnet seine Macht unter ungünstigen Bedingungen verliert.
     Viele Menschen wurden um der Talismane willen gepeinigt und verbrannt, doch nun hat die Wissenschaft die Magnetisierung von Gegenständen festgestellt. Die Menschen möchten wissen, welches Magnetisierungsverfahren am besten sei. Hierbei handelt es sich um einen individuellen Vorgang: Jemand fährt mit Streichbewegungen über den Gegenstand, ein anderer legt ihn nachts unter das Kopfkissen, einer trägt ihn bei seinem Herzen, ein anderer berührt ihn nur, wohingegen ein weiterer den Gegenstand nur ansieht. Es kann eine Magnetisierung auch auf Entfernung erfolgen, doch muß man dazu den Gegenstand kennen, um ihn sich deutlich vorstellen zu können.
     Ebenso notwendig ist es, daß der Gegenstand in ein und derselben Umgebung verbleibt und ihn niemand mit bloßer Hand berührt. Ein elektrischer Nichtleiter wird zu diesem Zweck nützlich sein. Grenzt dies alles nicht schon an Zauberei? Doch solche Hinweise stellen nur



die einfachste wissenschaftliche Prophylaxe dar. Für solche Experimente reicht selten Geduld allein aus, da die Übertragung von Energie eine der mächtigsten Manifestationen ist. Bei solchen Versuchen könnte man zu dem Urteil gelangen, daß der Besitz der Energie etwas Außergewöhnliches sei.
     Grundsätzlich betrachtet ist dieses Geschenk jedoch nichts Außergewöhnliches, es hängt nur vieles von den umgebenden Bedingungen ab. Bedauerlicherweise sind die Menschen nicht in der Lage, mit den sie umgebenden Bedingungen zu kämpfen. Von hundert Familien können sich höchstens fünf harmonischer Umstände rühmen. Bei den häuslichen Meinungsverschiedenheiten wird viel Energie nutzlos vertan! Die Vervollkommnung des häuslichen Lebens muß auch Zweckmäßigkeit lehren.
     Jeder Mensch, der über einen großen Vorrat an psychischer Energie verfügt, muß fürsorglich geschützt werden, doch die Menschheit denkt sogar darüber nicht nach. Wenn andere Entdeckungen so sehr geschätzt werden, so müssen auch alle Menschen mit einer besonderen psychischen Energie geschützt werden. Jede Pflanze besitzt eine bestimmte Heileigenschaft, deren Anwendung jedoch gefunden werden muß. Pflanzenmixturen vermögen überaus komplexe Wirkungsweisen zu entfalten. Was aber ist von der Mixtur menschlicher Energie zu sagen? Wird sie etwa auch erforscht? Für die Eheschließung wird ein medizinisches Attest gefordert; es wird eine Zeit kommen, daß dafür psychische Energie gefordert und dadurch das Problem der Disharmonie gelöst werden wird.
     Der Denker sprach: "Weshalb hängen die Menschen sich einen Mühlstein an den Hals, wenn es doch besser wäre, sich um Flügel zu bemühen?"

     471. Urusvati weiß, daß es Stufen der Zusammenarbeit gibt. Die Menschen ziehen die niederen Stufen vor, da auf ihnen weniger Verantwortlichkeit herrscht, Eifer braucht nur in relativem Maße angewandt zu werden, und man muß sich nicht damit behelligen, angespannte Findigkeit zu entwickeln.
     Die höheren Stufen sind den Menschen jedoch schwer. Auf ihnen muß man selbständig auftreten. Man muß fähig sein, ein einziges Wort des Führers zu erkennen. Man muß den Mut finden, viele Pfeile in seinem Schild aufzufangen. Auf diese Weise ist es um so schwerer, je höher man steht. Überdies kann der Mensch nicht wissen, wo und wie seine psychische Energie wirkt. Nicht selten mag es für ihn den Anschein haben, als sei nichts erreicht worden, während indessen sich dank seiner psychischen Energie bereits vieles vollzogen hat.



     Der Mensch kann seinen gesamten Gesichtskreis nicht überblicken, und es ist unmöglich, alle Ströme der psychischen Energie zu finden, die in Vereinigung mit den Energien des Lehrers segensreich wirken. Möge der hingebungsvolle Mitarbeiter seine psychische Energie in die Verfügungsgewalt des Führers legen. Es ist nicht angebracht, über die Wege des Führers nachzusinnen. Solche Wege vermögen überaus komplex zu sein. Man darf unmöglich zur Zeit der Schlacht damit beginnen, Erwägungen über die Gedanken des Führers anzustellen, man kann nur seine ganze Bestrebung anspannen, um das Beste zu tun. So muß man auf den höheren Stufen der Zusammenarbeit davon ausgehen, daß die Energie in viel weiterem Maße Anwendung finden kann, als man denkt.
     Wir haben das Beispiel erlebt, daß ein großer Heerführer einen Sieg errungen hatte, ohne es jedoch erkennen zu können. Ihm schien es, als seien alle seine Streitkräfte geschlagen, doch aus der Entfernung war es ihm nicht möglich zu sehen, daß es sich um den Feind handelte, der der Vernichtung erlegen war.
     Der Denker sprach: "Hört zu, hört aufmerksam zu! Seid ihr in der Lage zu wissen, wo eure Kraft gerade handelt? Der vorherbestimmte Sieg kann bereits stattgefunden haben, während es euer Auge nicht zu erfassen vermag."

     472. Urusvati weiß, daß der Mensch mitunter nicht die Grenze zwischen dem persönlichen und dem Gemeinwohl erkennen kann. Der Verstand flüstert, daß das Persönliche dem Gemeinsinn entgegengesetzt sei, doch das Herz sagt etwas anderes. Bei Disharmonie kann es einen Widerspruch zwischen dem Persönlichen und dem Gemeinsinn geben, doch ist vorstellbar, wann das Persönliche auch dem Gemeinsinn entspricht. Solche Harmonie erfordert auch den Zusammenklang aller umgebenden Bedingungen.
     Irgend jemand wird sagen, daß solcher Zustand im irdischen Leben unerreichbar sei. Kann man jedoch ermessen, was möglich ist und was nicht? Solch eigenwillige Trennung wird nur einem kurzen, vorbeifließenden Augenblick entsprechen, nicht jedoch für die Zukunft anwendbar sein. Im Verlauf eines einzigen menschlichen Lebens läßt sich beobachten, wie plötzlich die Daseinsbedingungen sich ändern können. Was soll man da von Jahrhunderten sagen?
     Natürlich werden die Liebhaber der Widerrede finden, daß sich der menschliche Charakter in vielerlei Hinsicht wenig ändere. Beobachter mit mehr Forscherdrang werden jedoch erkennen, wie sehr die Psychologie des Menschen sich verändert, und in solcher Beweglichkeit ist das Unterpfand künftiger Erfolge verborgen. Die Menschen werden irgendwann zu der Schlußfolgerung gelangen, daß das Wohl ein geeintes ist und es keine Trennung



in persönliches und in Gemeinwohl geben kann.
     Viel Zweifel ruft auch die sogenannte Zementierung des Raumes hervor. Die Menschen stellen sich vor, daß persönliche Gedanken Selbstsucht seien. Können jedoch gute Gedanken in einer finsteren Entladung von Selbstsucht enthalten sein? Wenn natürlich ein Mensch um etwas für die Menschheit Verderbenbringendes beten würde, so wäre solches Beten eine Verschmutzung des Raumes. Doch jeder Gedanke des Guten ist sowohl ein dem persönlichen wie dem Gemeinsinn entsprechender. Mit solchen Gedanken muß man den Raum auszementieren.
     Der Denker sprach: "Möge jeder einen sowohl für ihn selbst wie auch für die Menschheit nützlichen Gedanken finden. Dann nämlich wird sein Ich dem Herzen der Menschheit gleich."

     473. Urusvati weiß, daß die Aufenthaltsfrist in der Feinstofflichen Welt von vielen Ursachen abhängt. Neben den karmischen Bedingungen müssen zwei Umstände beachtet werden. Gewöhnlich sagt man, daß karmische Fristen nicht verändert würden, doch in der Tat befindet sich alles in Bewegung, und in die Lebensläufe können verschiedene Umstände eintreten. Einer von ihnen wird eifrige Teilnahme an Erkenntnisarbeit sein. So kann es Experimente geben, die unmöglich unterbrochen werden dürfen, und in solch einem Fall muß dem größeren Nutzen entsprochen werden. Gleichfalls kann ein solch starker Wunsch herrschen, den Erdbewohnern zu helfen, daß solches Bestreben die Aufenthaltsfrist verlängert.
     Wie ihr seht, wird in beiden Fällen Selbstaufopferung geschätzt. Es ist nicht leicht, den Erdbewohnern zu helfen, da sie solche Hilfe fürchten. Sie sind fähig, bei der ersten Erscheinung in Ohnmacht zu fallen. Auch die Experimente in der Feinstofflichen Welt erfordern eine große Disziplin, und einige Zustände sind nicht leicht.
     Mitunter kann man sich davon überzeugen, daß gewisse Bewohner lange in der Feinstofflichen Welt verbleiben. Man darf sie nicht verdächtigen, daß sie sich dem Dienen entzögen. Sie arbeiten dort so viel, wie es auf der Erde gar nicht möglich wäre. Das Gesetz lebt und beurteilt gerecht die wahren Absichten. So streben einige so rasch wie möglich zur erneuten Verkörperung, was eine wertvolle Heldentat darstellt, doch hat auch die bestrebte Arbeit in der Feinstofflichen Welt ihre Gründe.
     Man kann sich vorstellen, wie notwendig bestimmte Tatmenschen in der Feinstofflichen Welt sind. Überdies



dürfen einige von ihnen ihr Wissen nicht vorzeitig auf die Erde tragen, können es jedoch inzwischen mit gutem Nutzen in der Feinstofflichen Welt anwenden. Sie können mithelfen, daß die feinstofflichen Sphären nicht mit Häßlichkeiten überladen werden. Auf der Erde werden die Fähigkeiten eines Menschen nur selten in gerechter Weise beurteilt, doch in der Feinstofflichen Welt wird das Urteil immer dem Zweck entsprechen.
     Der Denker wußte, daß wahre Begabungen immer geschätzt werden, wenn nicht auf der Erde, so doch in der Überirdischen Welt.

     474. Urusvati weiß, daß ein langes irdisches Leben für sich genommen nicht als unbedingtes Vorbild dienen kann. Doch kann es, außer dem Atavismus, drei Gründe geben, die das Leben auf der Erde verlängern können: erstens, wenn ein Mensch eine bestimmte Arbeit beenden möchte, die dem Gemeinwohl dient; zweitens, wenn ein Mensch danach strebt, jemandem oder einer Sache zu helfen; drittens, was nicht weniger einleuchtend ist, wenn ein Mensch Ereignisse bezeugen kann, die bisher unrichtig beleuchtet wurden. Doch für alle drei Gründe ist bewußtes, unaufhaltsames Streben erforderlich.
     Diese letztgenannte Bedingung darf nicht von zersetzenden Umständen, unter ihnen an erster Stelle die Angst, betroffen werden. Eifriges Streben wird unmöglich, wenn Angst es verwässert. Es läßt sich auf chemischem Wege prüfen, wie sehr die Angst Leben vernichtet. Natürlich zersetzen sowohl Bosheit, Neid und alle übrigen finsteren Gewohnheiten die Energie, weshalb der Mensch auch nicht allein mit Worten überzeugen kann, er sei voller Selbstaufopferung. Man kann sich Selbstaufopferung unmöglich einreden, wenn sie nicht in der Tiefe des "Kelches" angelegt ist. Die Menschen werden versichern, daß sie nichts fürchten, werden jedoch beim ersten Anlaß zittern.
     Möge in den Schulen Tapferkeit erprobt werden. Man kann sich ein ganzes Schulfach vorstellen, in dem die Schüler beantworten müssen, wie sie bei verschiedenen Gefahren handeln würden. Man darf nicht fordern, daß die Kinder gleich Findigkeit offenbaren, doch kann man sie durch ständigen Unterricht in Lebenserkenntnis zu mutigen Entscheidungen führen. Solch ein Wettkampf der Findigkeit wird die beste Übung der Gehirntätigkeit sein. Später werden die Schüler verstehen, wie die besten Tatmenschen zu höchster



Bestrebung gelangten.
     Der Denker forderte, daß Seine Schüler sich wenigstens an einem Tag der Woche dem Marathon der Findigkeit widmeten. Er wußte, daß diese Rüstung im Leben oft gebraucht wird.

     475. Urusvati weiß, daß mitunter sogar größte Tatmenschen in Geistesschwäche endeten. Dafür ließen sich historische Beispiele anführen. Es ist den Menschen vollkommen unverständlich, daß ein großer Geist sich irgendwie verflüchtigen könnte. Die Ärzte schreiben solche Erscheinung gewissen Krankheiten oder einer übermäßigen Erschöpfung unter dem Druck ungewöhnlicher Arbeit zu, doch wie immer vergißt man auch hierbei den Hauptgrund.
     Ein Tatmensch, der sich besonders verausgabt, ist unglaublichen Angriffen ausgesetzt. Man braucht nicht zu denken, daß solche zahllosen bösen Pfeile keinen Schaden zufügten. Sie bringen nicht nur psychische Verwundungen bei, sondern, indem sie die Aura durchschneiden, rufen sie unerträgliche Schwingungen hervor. Bei Verteidigungsschlägen vollzieht sich eine heftige Schlacht, und das Zentrum befindet sich wie in einem Wirbelsturm.
     Wir raten bei solchen Angriffen, nach Möglichkeit den Wohnort zu wechseln. Es mag als unwahrscheinlich vorkommen, doch feindliche Sendungen können den neuen Ort nicht so bald erobern. So hätte auch bei den historischen Beispielen vieles anders werden können, wenn die Tatmenschen ihren Aufenthaltsort rasch gewechselt hätten. Es ist jedoch nicht leicht, den Ort zu wechseln und die Schlacht für das Gemeinwohl verlassen zu müssen. Niemand wird einwilligen, so zu tun, als ob er vor dem Feind zurückweichen würde und ihm die Möglichkeit zum Triumph verschaffen. Und von den Umgebenden wird niemand die Weisheit der Entscheidung verstehen, sondern alle werden den Betreffenden der Feigheit bezichtigen. So wurde Apollonius von Tyana nicht nur einmal der Unbeständigkeit und des Verrates beschuldigt, als er die Notwendigkeit verspürte, neue Kräfte in fernen Ländern zu sammeln.
     Der Denker sprach: "Perikles, der große Vater des Volkes, wurde mit vergifteten Pfeilen getötet. Er hatte sich nicht mit einem Schild bedeckt, obwohl der Schild ein unerläßlicher Teil der Waffenausrüstung ist."



     476. Urusvati weiß, daß man nur mit einer klaren Vorstellung vom zukünftigen Leben die irdische Existenz umgestalten kann. Einige fürchten die Zukunft und schwächen sich dadurch, andere erklären sich die Feinstoffliche Welt auf ihre Weise und schaffen dadurch falsche Bilder; dritte schließlich benehmen sich wie wahrhaftige Leichname und denken an nichts anderes als an die Marktpreise. Doch niemand versteht, daß sogar ein Alter von Jahrhunderten nur einen Augenblick in der Unbegrenztheit darstellt.
     Das Denken über die Zukunft erfolgt auf dreierlei Art. Die erste wird dergestalt sein, daß ein Mensch seine Gedanken in Worte zu fassen vermag. Die zweite Denkweise ist bereits nicht mehr in Worte zu kleiden und gleicht den Wellen des Ozeans. Der Mensch wird von den Gezeiten erschüttert, und ihm scheint es, als ob er ein von den Wellen fortgetragenes Bild vergesse. Die dritte Denkweise schließlich ist die tiefgründigste, weder in Worten noch in Bildern auszudrücken, und nur die psychische Energie und das Sonnengeflecht erinnern an das, was sich vollzogen hat.
     So stellt sich der Mensch die Zukunft also auf dreierlei Weise vor. Solche Vorstellung ist dem Auswerfen eines Ankers in gewissem Sinne ähnlich - das Schiff wird an sicherem Anker hinaufgezogen. Auf die gleiche Weise wird der kluge Denker sich auf das gewünschte Ziel ausrichten. Der Weise weiß, worin er sich zum besten Nutzen äußern kann. Nur ein Dummkopf kann von vergänglichem Flitter träumen. Sogar jene, die in der Vergangenheit hohe Stellungen einnahmen, werden sich nicht von Äußerlichkeiten hinreißen lassen, sondern an die Würde der Arbeit denken.
     Man muß sich dazu erziehen, an die Zukunft zu denken, sich dabei rechtzeitig vorzubereiten, unverzüglich auf ferne Reisen gehen zu können und gleichzeitig zur Gänze den irdischen Aufgaben zu entsprechen. Dieses wird ein zweckmäßiges Gleichgewicht sein.
     Viele Male haben Wir an die Zweckmäßigkeit erinnert, und man muß sich daran gewöhnen, daß diese Eigenschaft in allen Lebensbereichen erforderlich ist. Wir erinnern erneut daran, da Wir wissen, wie falsch dieser Begriff von den Menschen aufgefaßt wird. Sie meinen, Zweckmäßigkeit müsse in gewissen besonderen Fällen angewandt werden. Es muß jedoch nicht nur einmal wiederholt werden, daß jede Daseinserscheinung eine Folge vieler Ursachen ist.
     Die Unterscheidung in geringe und große Taten ist illusorisch. Ihre Bewertung erweist sich nicht jetzt; der Weise erinnert sich der wichtigen Momente seiner Wanderung und wendet sie zweckentsprechend auf das zukünftige



Leben an. Er weiß, daß das Gute unerschöpflich ist, das Böse aber endlich. Ihr habt bemerkt, daß Wir mitunter eine böse Erscheinung nicht durchbohren. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen muß manchmal die Tactica adversa angewandt werden, zum anderen ist das Böse ohnehin endlich. Die Übeltäter können nicht ohne Ende vom Bösen leben, und man kann sich vorstellen, welch abstoßenden Anblick die Übeltäter darbieten, die sich selbst vernichten; Ich spreche hier von irdischen Handlungen.
     Der Denker bewegte die Schüler, auf das Gute zu gründen. Er sprach: "Das Gute ist unerschöpflich, begrenzt jedoch das Böse."

     477. Urusvati weiß, daß der Begriff der Lehrerschaft in den Menschen von frühen Jahren an entwickelt werden muß. Jeder Mensch ist in der Lage, irgend jemanden irgend etwas zu lehren, und er sollte auch fähig sein, dies zu tun. Wir heißen es gut, wenn Schulkinder ihre jüngeren Mitschüler unterrichten.
     Es ist nicht leicht, die beste Unterrichtsmethode auszuwählen, da sie individueller Natur sein wird, und der Lehrer sollte spüren, wie man besser an das Bewußtsein des Schülers herantritt. Ohne Übungen wird man unmöglich eine überzeugende Vermittlung von Tatsachen erreichen. Allein Unwissende meinen, es sei ausreichend, Kenntnisse einfach vorzulesen, um sie den Schülern einzuflößen.
     Man kann nur erstaunt sein, daß die eigentliche Kunst des Lehrens keine Aufmerksamkeit erregt. Doch jeder wird sich erinnern können, wie unterschiedlich die Unterrichtsinhalte im Verlauf der Schulzeit aufgenommen wurden. Dies hängt nicht allein von den Fähigkeiten des Schülers ab, sondern hauptsächlich von der Überzeugungskraft des Lehrers.
     So möge die Lehrtätigkeit inmitten breitester Schichten Anwendung finden. Möge der Lehrer selbst dafür Sorge tragen, daß sein Wert eine hohe Stufe einnimmt. Gedanken über die Großen Lehrer entwickeln sich leichter, wenn der Begriff der Lehrerschaft ganz klar erfaßt wird.
     Das Handeln des Lehrers muß frei von Eigennutz sein. Der Lehrer vermittelt das von ihm angesammelte Wissen, ohne es jedoch als sein eigenes auszugeben. Er sollte das Geschenk des Wissens aufnehmen, um es mit derselben Bereitschaft den folgenden Generationen zu übergeben. Die Arbeit des Lehrers muß nicht nur in materieller Hinsicht würdig entgolten werden,



sondern auch durch allgemeine Hochachtung. Die Lehrerschaft stellt eine der höchsten Rangstufen in einem Staate dar. Nicht der Lehrer, sondern das Lehren selbst eröffnet dem Volk höchste Kultur. So möge nicht persönlicher Vorteil, sondern der Dienst am Gemeinwohl zur Lehrtätigkeit führen.
     Solches Verständnis des Dienens tritt nicht unvermittelt ein, sondern es muß dazu erzogen werden. Möge sich daher schon jedes Schulkind als Lehrer im Verhältnis zu den Jüngeren empfinden. Mögen Unterrichtsstunden eingerichtet werden, von älteren Schülern geleitet, damit jeder sein Wissen vermitteln kann.
     Solches Dienen darf man nicht als langweilige Last ansehen, möge im Gegenteil sich jeder selbst zu freudigem Weitergeben erziehen, denn nur in solchem Geben wächst wahre Freude.
     Der Denker lehrte: "Jeder vermag seinem Nächsten zu dienen; jeder vermag zu teilen, selbst wenn er keinen einzigen Gegenstand besäße. Wie ruhmreich ist die Gabe, die nicht erschöpft werden kann!"

     478. Urusvati weiß, daß der Mensch nicht nur fähig sein sollte aufwärtszuschauen, sondern auch in seine eigenen Tiefen zu blicken. Das zweite ist nicht leichter als das erste. In der Tiefe des "Kelches" ruht eine alte Giftschlange, die durch jede falsche Bewegung geweckt werden kann: Sie vollbringt Böses, raubt Kräfte, überdeckt gute Absichten. Mit großer Anstrengung kann sich der Mensch von der alten Giftschlange befreien.
     In beharrlichem Bemühen ist er fähig, in sich eine Eigenschaft zu entwickeln, durch die er den Winkelzügen der Giftnatter widerstehen kann. Bei Herzensreinheit wird er das Maß spüren, nach dessen Überschreiten die Herrschaft der Giftschlange eintritt. Indem er diese Grenze spürt, schiebt der Mensch eine geplante Tat zunächst auf, und dann treten weitere Zeichen ein. Die Hauptsache ist, sich zweifelhafter Handlungen zu enthalten. Jene Grenze vermag der Mensch wahrzunehmen, ohne dabei die Giftnatter zu wecken. Es ist besser, in seinen Handlungen wählerisch zu sein, als später das Begangene zu bereuen.
     Wir haben von zweifelhaften Handlungen gesprochen. Man muß diese Definition sehr vorsichtig handhaben. Der nachlässige Mensch wird aufgrund seiner Faulheit die Mehrzahl von Taten als zweifelhaft ansehen. Er wird nicht der Stimme des Herzens lauschen,



sondern sich hinter Heuchelei verstecken, um sich nicht anstrengen zu müssen. Jeder kennt solche Heuchler, die große Worte führen, hinter denen sich jedoch Faulheit und Selbstsucht verbergen. Man kann sich die ganze Tiefe der Hinterlist, die in den Windungen der Giftschlange lebt, nicht vorstellen. Zu wahrer Arbeit taugen solche Heuchler nicht. Über sie wurde vor langem gesagt, daß es sich nicht lohnt, erhabene Worte zu ihnen zu sprechen, wenn die Wahrheit nicht im Herzen lebt.
     Ein altes Märchen erzählt von einer Giftschlange, die sich von menschlichem Blut ernährt - ein Symbol, das auf die erwachte Giftnatter hinweist, die sich wahrhaftig vom menschlichen Blut ernährt. Laßt uns nicht vergessen, daß alte Symbole eine wissenschaftliche Bedeutung haben. So vernichten blutsaugende Giftnattern ihre Opfer.
     Eine andere Erzählung spricht von einem versteinerten Drachen, der durch ein kleines Steinchen erwachte, das ein törichter Mensch auf ihn warf. Wahrlich, vom kleinsten Steinchen kann die Giftschlange erwachen.
     Der Denker sprach: "Schreitet vorsichtig voran, es kann sein, daß wir inmitten schlafender Schlangen gehen."

     479. Urusvati weiß, daß sogar die kleinste Handlung mit vielen umgebenden Bedingungen verknüpft ist. Dieselbe Grundlage gilt auch für große Taten. Die Menschen verstehen kaum, daß eine psychische Wirkung von vielen Bedingungen abhängt. Gewöhnlich wollen sie dies bei ärztlichen Einflüssen nicht anerkennen.
     Die Menschen vernachlässigen die Krankheiten. Nicht genug dessen umgeben sie die Kranken mit widerwärtigsten Einflüssen und fordern darauf unverzügliche Heilung. Doch für solche heilenden Einflußnahmen müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden. Das sogenannte Wunder kann unter widrigen Bedingungen nicht durchgeführt werden. Die Menschen sind bereit, den Arzt mit Drohungen und voller Mißtrauen herbeizurufen.
     Sie machen sich keine Vorstellung davon, daß sogar eine mächtige Energie verdorben und unterbunden werden kann. Nicht selten rufen sie den Arzt und flüstern hinter seinem Rücken das Wort des Mißtrauens. Mögen die Gelehrten erforschen, wieviel Prozent Heilungen bei Vertrauen zum Arzt erreicht werden und wieviele Verschlimmerungen bei mißtrauischer Einstellung die Folge sind.



     Wir haben nicht nur einmal wiederholt, daß jede Tat von Wohlwollen begleitet werden muß. Selbst die gewohnte häusliche Arbeit wird wohlgestaltete Folgen tragen, wenn sie mit guten Gedanken ausgeführt wird. Viele gute Handlungen sind durch Gereiztheit und ungute Gedanken vernichtet worden.
     Der Denker bewegte die Schüler in besonderem Maße dazu, ihre guten Absichten nicht verderben zu lassen.

     480. Urusvati weiß, wie sehr Wir über jede vom Bösen verübte Entstellung bekümmert sind. Man wird sagen: Warum sich bekümmern, ist es nicht besser, die Ausbreitung des Bösen zu unterbinden? So sprechen die Unvernünftigen, die sich nicht vorstellen, wie vorsichtig man dem Bösen Einhalt gebieten muß. Nur der Arzt, der viele Krankheiten aufmerksam studiert hat, weiß, wie notwendig es ist, verschiedene Bedingungen in Betracht zu ziehen, nicht allein im Organismus selbst, sondern auch in dessen Umgebung.
     Man kann das Böse auch mit einigen Formen von Krebs vergleichen. Der Arzt versteht, daß der Krebs einiger Organe unheilbar ist. Der Arzt weiß auch, daß für eine Operation der allerbeste Moment ausgewählt und der Organismus auf solch eine Erschütterung vorbereitet werden muß. Genau das gleiche, doch in höherem Grade, wird im psychischen Kampf sichtbar. Die Menschen selbst machen sich nicht bewußt, daß in ihnen ein böses Ungeheuer entstanden ist, im Gegenteil versucht jeder Infizierte, sein Leiden zu verheimlichen.
     Kann man jedoch in das Wesen eines Menschen eindringen, wenn er sich auf jegliche Art solcher Hilfe widersetzt? Es ist richtig gesagt worden: "Untersucht jede Sache genau." Sind aber viele zu solcher Untersuchung bereit? Die Menschen lieben es nur nicht, über das nachzudenken, was in ihrem Inneren vorgeht, sondern begegnen feindselig jedem Versuch, ihr Denken auf ihr inneres Wesen zu lenken. Die Lehren sagen, daß zur Fortbewegung ein guter Wille notwendig ist. So ist auch die Zustimmung des Leidenden selbst nötig, um das Böse ausmerzen zu können.
     Uns entsteht über die Bildung eines bösen Ungeheuers deshalb Kummer, da Wir vorhersehen, welch komplizierte Schlacht bevorsteht. Es ist unmöglich, mit einem einzigen Schlage alle Köpfe der Hydra mit dem Schwert abzuschlagen. Es wurde gesagt, daß jeder ihrer Blutstropfen einen neuen Sprößling hervorbringt. Dies bedeutet, Maßnahmen solcher Art ergreifen zu müssen, daß das Ungeheuer des Hungertodes stirbt. Man muß seine Ernährung unterbinden, und es wird verschwinden, indem es sich in



eine Prise Asche verwandelt. Solche Vernichtung erfordert jedoch Zeit und günstige Bedingungen. Die Menschen können zu solchen Bedingungen leicht beitragen.
     Der Denker sprach: "Alle sind wir Ärzte, jeder vermag irgendeine Heilung zu vollziehen."

     481. Urusvati weiß, daß das Weltengebäude einen Monolithen darstellt, der durch die uranfängliche Energie eine feste Einheit bildet. Ein Philosoph des Altertums stellte die Behauptung auf, daß die Himmelsfeste gesättigter sei als die irdische Feste. Man kann dieser Definition nicht völlig zustimmen, obwohl sie der Wahrheit nahekommt.
     Die Menschen sind selbst in einem gewöhnlichen Gespräch nicht in der Lage, die Welten gänzlich voneinander abzugrenzen. Wenn sie über die Feinstoffliche Welt sprechen, führen sie Beispiele aus der irdischen Welt an. Wenn sie jedoch die grobstoffliche Welt zu erhöhen suchen, stellen sie sie in einen Vergleich mit der Feinstofflichen Welt. Es ist wahrhaftig nicht möglich, eine Grenze zwischen den drei Welten zu ziehen. Diese Grundlage muß in der menschlichen Vorstellung gefestigt werden. Niemand vermag sich auf die grobstoffliche Welt zu begrenzen, sogar die Verneiner sind nicht in der Lage, Empfindungen aus sich zu verbannen, die nicht diesseitig sind.
     Viele Begriffe werden von den Menschen mit unrichtigem Inhalt ersonnen. Sie sprechen von einem Jenseits und durchtrennen damit den Monolithen der Einheit. Läßt sich aber etwas im eigentlichen Sinne Jenseitiges vorstellen? Auf diese Weise werden wir zu Charon zurückkehren, der auf das andere Ufer des Styx übersetzte. In einem Denken niederer Entwicklungsstufe ersannen die Menschen Symbole des Übergangs in eine andere Welt. Symbolische Darstellungen können jedoch schädlich sein, wenn sie sich durch ihren Farbenreichtum dem Bewußtsein so fest einprägen, daß sie nicht so leicht wieder entfernt werden können, um durch etwas ersetzt zu werden, das der Wahrheit näher kommt.
     Wie ihr es bereits bemerkt habt, vermeiden Wir Symbole, doch existieren ganze Schulen, die auf Symbolik gegründet sind. Man kann sich davon überzeugen, wie wenig Kraft alte Symbole noch besitzen, um der inzwischen erfolgten Entwicklung des Weltverständnisses noch zu entsprechen. Alles lebt, alles ist in Bewegung, und selbst die uranfängliche Energie offenbart früher nicht erkennbare Eigenschaften. Die Menschen sollten ihr Bewußtsein nicht mit verbrauchten Vorstellungen verbinden.
     Der Denker sprach: "Können wir etwa in den Vorstellungen unserer Großväter denken?"



     482. Urusvati weiß, daß ein falsch verstandener Symbolismus der Vorstellung über Uns nicht wenig geschadet hat. Die symbolischen Strahlen, die Unsere Tätigkeit gleichsam begrenzten, haben inzwischen bereits die Idee der Einheit zerschlagen. Jeder hat seinen bevorzugten Arbeitsbereich, doch darf man keineswegs sagen, Er handele allein auf einem einzigen Strahl.
     Überdies sind selbst die Benennungen dieser Strahlen völlig willkürlich. Ihr wißt, auf welchem Wege diese Bezeichnungen entstanden sind. Ihr wißt auch, wie sie in die Literatur eindrangen und viele verwirrten. Es ist nicht möglich, solche Entstellungen zu unterbinden, doch werden sie sich mit der Zeit abnutzen und einer besseren Definition Platz machen.
     Die Strahlen existieren zwar, doch ist jeder ein Strahl psychischer Energie und kann daher in seinen Möglichkeiten nicht begrenzt werden. Anderenfalls könnte man zu einem Unsinn solcher Art gelangen, daß es zwar gestattet wäre, einen Menschen zu retten, ihn dabei aber nicht mit der rechten, sondern nur mit der linken Hand packen dürfte. Man kann sich bis zu solchen lügenhaften Erfindungen versteigen, daß sich statt einer Erweiterung der Möglichkeiten ihre Verringerung ergibt.
     Die Menschen sind mitunter um eines Zieles willen, das ihnen gut erscheint, dazu fähig, ihr Bewußtsein in ein undurchdringliches Labyrinth hinein zu treiben. Doch mögen diese Menschen, die alles zu zerteilen suchen, darüber nachdenken, ob sie damit Nutzen oder Schaden verursachen. Lügenhafte Erfindungen und Schmälerung der Möglichkeiten sind nicht nützlich. Höchst genau formulierte Lehren litten unter jeglicher Art von Auslegung, die die Wahrheit zerteilte. Wir wünschen, daß Unsere Arbeit in ihrer Ganzheit und Einheit verstanden wird. Allein dabei wird Zusammenarbeit vorstellbar, die doch im Fundament der Bruderschaft angelegt ist.
     Der Denker wies darauf hin, daß die Wahrheit nicht leichtfertig in Teile zerlegt werden dürfe. Er sprach: "Eine Idee zu zerlegen ist das gleiche, als würde man einen lebendigen Organismus zerlegen."

     483. Urusvati weiß, daß jede Wahrheitsverkündung ihre Feinde haben muß. Das Chaos kämpft mit dem Offenbarten. Über diesen Kampf darf man nicht traurig sein. Er ist nicht allein naturgegeben, sondern auch nützlich. Stellen wir uns eine Verkündigung ohne Feinde vor - sie wird dermaßen als unbedeutend erscheinen, daß sie niemanden zu überzeugen vermag. Die Feinde stellen Prüfsteine dar und bestimmen selbst durch ihre Wut



die Bedeutung der Verkündigung.
     Gerade durch Feinde erwächst viel neue Energie. Ein bedeutender Regent sagte: "Heute bin ich sehr erstarkt, denn ein wütender Feind erschien bei mir." Man muß die Feinde als Stufen des Aufstiegs ansehen. Jedem von Uns erwuchsen solche Gedanken im Verlauf langer Leben.
     Wo aber ist die Beschreibung der Bruderschaft? Vor allem in der Beschreibung Unserer Erlebnisse. Wir teilen Unsere Sorgen und Arbeiten mit, um zu zeigen, daß Wir in der Arbeit die Kraft für den zukünftigen Aufbau schöpfen. Das Wesentliche liegt nicht in Zeremonien, sondern in der Arbeit. Es wäre entwürdigend, riefen Wir nicht auch zu der Arbeit auf, die doch Unser ganzes Dasein erfüllt. Das Leben der Bruderschaft ist überirdisches Leben, da es auf das Denken gegründet ist. Was könnte denn überirdischer sein als der Gedanke?
     Die Menschen könnten ihr grobstoffliches Leben überirdisch gestalten, sie bräuchten nur den Gedanken zur Grundlage ihrer Existenz zu machen. Die Lehre kann auch als Verkündigung des Gedankens bezeichnet werden. Groß ist der Festtag eines Menschen, der sich an das Denken gewöhnt hat. Und Uns ist es leicht, dort zu antworten, wo der Gedanke arbeitet. Man darf nicht meinen, die Antwort käme mit gewohntem Gesicht. Wie oft erfolgt die Antwort in der Entwicklung des Denkens selbst, ein Buch wird wie von selbst aufgeschlagen, und Saiten erklingen. Die Zeichen werden um so verschiedenartiger sein, je weiter das Feld des Denkens ist.
     Der Denker sprach: "Wo ist denn jene Finsternis, in die das Licht des Gedankens nicht eindringen könnte? Die Blumen des Denkens sind schöner als alle irdischen Blumen."

     484. Urusvati weiß, daß gewisse Länder über einen Niedergang der Geburtenrate beunruhigt sind. Hierbei ist besonders bezeichnend, daß die Lebensbedingungen in diesen Ländern sogar besser sind als in anderen, wo die Geburtenrate sich erhöht. Diese Erscheinung hat viele irdische Ursachen, doch die Menschen können ihre Aufmerksamkeit nicht auf das Hauptsächliche lenken. Niemand mag sich vorstellen, daß die Bewohner der Feinstofflichen Welt sich in gewissen Ländern gar nicht verkörpern wollen. Natürlich können verstärkte karmische Umstände herrschen, die dazu veranlassen, in einem bestimmten Volk aufzutreten, doch neben solchen Bedingungen kann auch der freie Wille wirksam sein.



     Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wissen nicht viel mehr als die Erdbewohner, doch in gewisser Hinsicht vermögen sie die Zukunft zu erkennen und deswegen sich auf die besten Bedingungen einzustellen. Kaum jemand wird eine schwelende Brandstätte betreten wollen. Wozu soll ein Mensch fremdes Karma mittragen, wenn er sich zu verstärkter Tätigkeit rüsten kann? Er kann in das Leben eines starken Volkes eintreten und so an großen Entscheidungen teilhaben. Er wird es spüren, wo anwachsende und wo absinkende Entwicklung sich vollzieht.
     Keine Aufgabe kann allein nach irdischen Erwägungen gelöst werden. Wenn die Menschen bereits über das Überirdische nachgedacht hätten, so hätten sie die Lösung schwierigster Probleme gefunden. Trotz großer wissenschaftlicher Errungenschaften sind die Menschen in der Erkenntnis überirdischer Aufgaben sehr zurückgeblieben. Es ist unmöglich, die Situation des Menschengeschlechts zu erörtern, während man in den irdischen Grenzen zurückbleibt. Man darf sich nicht Phantastereien hingeben, doch ist es an der Zeit, über die Vergangenheit und die Zukunft nachzudenken. Niemand hat eine ernsthafte Einstellung zum wichtigsten Umstand. Die Bewohner der Feinstofflichen Welt wollen keine überlebten Plätze betreten, und niemand kann sie veranlassen, sich ein überaus schlechtes Los zu erwählen, wenn das Karma sie nicht dazu zwingt. Es ist unvorstellbar, daß die Menschen nicht damit beginnen, alles Existierende zu beobachten. Sie könnten der künftigen Generation überaus notwendige Aufzeichnungen hinterlassen.
     Der Denker sprach: "Wir denken nicht für uns, sondern für die noch unsichtbaren Erben."

     485. Urusvati weiß, daß es den Menschen besonders schwerfällt, die Begriffe des freien Willens und der Führung miteinander zu vereinen. Die einen schreien von der Beseitigung des Führers, die anderen gegen den freien Willen. Doch das Leben selbst beweist, daß allein das Gleichgewicht einen Fortschritt zeitigt.
     Inmitten des gewöhnlichen Lebens läßt sich sehen, wie harmonisch beide Begriffe miteinander leben können. Der Lehrer setzt eine Aufgabe und fügt hinzu: "Wende dein Können an, um die bestmögliche Lösung zu erreichen." Diese einfache Erklärung beantwortet die Frage vollkommen, wie friedlich und erfolgreich die beiden Begriffe miteinander auskommen können. Die Führung entwickelt den freien Willen nur, und diesem wird



im Laufe seiner Entwicklung die Zweckmäßigkeit der Führung bewußt. Dieser Frage muß sich jeder wiederholt zuwenden.
     Die Menschen haben sich gewissermaßen in zwei unversöhnliche Lager geteilt. Die leidenschaftlichen Verfechter des freien Willens bezeichnen die Anhänger eines Lehrers als rückschrittlich, und die einer Führung Folgenden heißen die Liebhaber des freien Willens Zerstörer. Solcherart ist der Streit, der die Menschen nur der besten Möglichkeiten beraubt. Man muß Umstände suchen, die es erlauben, die Extreme mit einem gemeinsamen Dach zu überspannen. Es ist leicht, sich das Leben in der Unbegrenztheit vorzustellen. Unter diesem Dach sind viele Begriffe miteinander vereinbar. Man wird Maßstäbe finden, die die Nichtigkeit eigenwilliger Teilungen zeigen.
     Ein echter Lehrer muß den freien Willen anspornen, und der einsichtsvolle Schüler möge, gerade in der Anspannung seines freien Willens, die Bedeutung des Lehrers schätzen. Ihr werdet bemerken, wie oft Wir zur vergleichenden Gegenüberstellung von Lehrertum und freiem Willen zurückkehren. Die Menschen bedürfen jedoch des Ausgleichs dieser untrennbaren Begriffe in besonderem Maße. Die möglichst beste Gestaltung der Zukunft hängt von einer Harmonie der Gegensätze ab. Wer aber diese rettende Grundbedingung nicht einsehen will, wird viel Leid auf sich nehmen müssen. Dem Lehrer ist es nicht möglich, den Eigensinn des Schülers umzuwandeln, wenn dieser keinen guten Willen zeigt. Denn der gute Wille ist auch ein freier Wille.
     Der Denker wies darauf hin, daß das Gute, die Freiheit und die Schönheit unter einem gemeinsamen Dach leben .

     486. Urusvati weiß, daß eine willkürliche Benennung die Richtung eines Gedanken stört und verzerrt. So habt ihr vom "elektrischen Baumeister" gelesen, den ein Gelehrter im Menschen gefunden haben will. Der Begriff des Baumeisters wurde in einigen philosophischen Schulen verwendet und hat dort seine Bedeutung, doch darf man in seinem Zusammenhang unmöglich von Elektrizität sprechen. Die Menschen haben sich eines einzigen Aspektes der uranfänglichen Energie bemächtigt und benutzen das betreffende Wort ohne jegliche Befangenheit als endgültige Definition.
     Wenn die Gelehrten nichts von der uranfänglichen Energie wissen, so könnten sie von einer bestimmten, besonderen Energie sprechen, doch darf die erhabene Grundlage nicht mit dem Wort Elektrizität eingegrenzt werden. Es ist ein unerträglicher Zustand, daß der Gelehrte seine Aufmerksamkeit nicht auf die besondere Eigenschaft



der festgestellten Energie gerichtet hat. Allzu primitiv ist es, ihre Erscheinung auf elektrische Eigenschaften zurückzuführen. Die gemachte Beobachtung selbst ist lobenswert, doch die Bezeichnung wird zu neuen Irrtümern führen.
     Man kann sich vorstellen, weshalb ängstliche Forscher sich hinter gewohnten materialistischen Begriffen zu verbergen suchen. Sie möchten sich damit vor unwissenden Beschuldigungen schützen, ziehen gerade dadurch aber die Verurteilung künftiger Generationen auf sich. Mögen sie abwägen, was mehr Achtung gebietet - den Spott Unwissender über sich ergehen zu lassen oder sich den Verurteilungen künftiger Generationen auszusetzen.
     Vergessen wir nicht, daß sich ähnliche Vorgänge auf allen Lebensgebieten vollziehen. Die Menschen suchen vereinigende Begriffe herabzusetzen und sie gegen erdachte Definitionen auszutauschen, die keinerlei innere Bedeutung haben. Man muß diesen Prozeß aufmerksam verfolgen; ihm zugrunde liegt die Feigheit.
     Wird der Mensch etwa darin fortfahren, die