Bruderschaft

1937


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"AGNI JOGAS" IZDEVUMS
Riga, Elizabetes iela 21-a, dz. 7


Agni Yoga

 

Bruderschaft


    Das, was am heiligsten ist, umgibt den Begriff Bruderschaft.
    Das Freudvollste lebt in dem Bewusstsein, dass es Mitarbeit des Wissens gibt.
    Dieser Gedanke bestätigt, dass irgendwo Wahre Mitarbeiter leben.
    Lasst uns an die zur Bruderschaft führenden Grundsätze erinnern.


Bruderschaft

    l. Lasst uns über einen Begriff nachdenken, der äußerst überbelastet wurde. Die Menschen bringen mitten im Alltagsleben nur mit Mühe das Verständnis für Mitarbeit auf, aber noch schwieriger und unzugänglicher ist ihnen der Begriff Bruderschaft. Körperliches Erbe, das heißt Blutsverwandtschaft, hindert sie an der Annahme des Begriffes Bruderschaft. Für die Menschen ist es einfacher, jedes Verständnis für die Weltbruderschaft überhaupt von sich zu weisen. Sie würden sie eher als Utopie hinstellen, als an die Möglichkeit zu denken, sie im Leben zu befolgen.
    Wenn die Menschen die Bestätigung der Bruderschaft sogar im engen Familienkreis nicht in sich finden können, dann kann sie ihnen im weiteren Sinn erst recht als unzweckmäßig erscheinen. Außerdem lesen die Menschen die alten Bündnisse, in denen von den vielen Brüdern und Schwestern gesprochen wird, nur sehr unaufmerksam.
    Ebenso sind die Erinnerungen der Menschen an die Feinstoffliche Welt getrübt. Nur dort kann man dem erweiterten Begriff Bruderschaft begegnen! Der Körper steht vielen großen Ideen behindernd im Wege. Nur wenn man die Grenzen des körperlichen Verstehens überschreitet, kann brüderliche Zusammenarbeit anerkannt werden. Lasst uns die Zeichen dieses erweiterten Bewusstseinszustandes sammeln.

    2. Die Menschen haben versucht, das Bündnis der Bruderschaft mit Blut zu besiegeln. Sie haben zur Erlangung des Status der Bruderschaft ihre wertvollste Substanz aufgeben. Den Gesängen über die Bruderschaft lauschend, vernimmt man ein wunderbares Gedicht über


die Menschheitsträume. Sammelt man alle um den Begriff Bruderschaft angehäuften Bräuche, erhält man einen außergewöhnlich rührenden Beweis über die Bestrebungen der Völker. Die Offenbarungen der Errungenschaften im Namen der Bruderschaft zeigen, dass diese Bemühungen des reinen Herzens immer mit Selbstentsagung verbunden waren. Jedoch gerade der Begriff Bruderschaft wird besonders entheiligt und erniedrigt.

    3. Sogar die besten Ergänzungen zum Begriff Bruderschaft haben denselben nur herabgesetzt und ihn schwer erreichbar gemacht. Die Bruderschaft wurde mit Freiheit und Gleichheit verknüpft, aber diese Dreieinigkeit wurde in der irdischen Vorstellung erdacht, das heißt, unter Bedingungen, in denen es weder Freiheit noch Gleichheit gibt.
    Die höchste Freiheit kann in der Überirdischen Welt erkannt werden, wo Gesetze als eine schöne unabänderliche Wirklichkeit verstanden werden. Dort wird auch die Gleichheit des Geisteskorns als das einzige Maß der Freiheitlichkeit und Ausgewogenheit verstanden. Die irdischen Freiheitsstatuen sind gewöhnlich mit Schwingen und Fackeln versehen, um auf diese Weise an die höheren Sphären und Bedingungen zu erinnern.
    Über die Darstellung der Gleichheit sei folgende Anekdote zitiert. Als einst ein Bildhauer den Auftrag erhielt, tausend Freiheitsstatuen darzustellen, welche die Siegesstraße schmückend säumen sollten, schuf er eine einzige davon und machte den Vorschlag, die anderen nach dieser abzugießen.

    4. Selten kann man über Bruderschaft sprechen. Gerade in Zeiten großer irdischer Hartherzigkeit ist es nicht ungewöhnlich zu beobachten, dass die Menschen gleichsam übereinstimmend diesen erhabenen Begriff erniedrigen. Bereits die alten Sitten der Bruderschaft


über Blutsbündnisse wurden zu einer derartigen Bedrohung der ganzen Menschenrasse, dass selbst die primitivste Rache wie ein kindlicher Streich angesehen werden kann.
    Ihr wisst, dass Ich über etwas spreche, was der besonderen Stärkung bedarf.

    5. Wenn ihr in einer Versammlung mit der Begrüßung "Freunde und Mitarbeiter" auftretet, werden euch meisten misstrauen. Und wagt ihr gar, sie mit "Bruder und Schwestern" anzusprechen, dann werdet ihr bezichtigt werden, unzulässige Begriffe ausgesprochen zu haben.
    Die Menschen gründen oft Bruderschaften, aber diese oberflächlichen und pompösen Institutionen haben mit dem erhabenen Begriff Bruderschaft nichts gemein. Die Menschen gründen Gemeinschaften, Kooperative, verschiedene Vereinigungen und Gesellschaften, deren Grundlagen auch nicht das geringste Vertrauen erwecken. Folglich stehen diese Einrichtungen der Bruderschaft, der ein starkes und standfestes Vertrauensbündnis zugrunde liegt, sehr fern.
    Vielleicht träumen feinere Herzen gerade jetzt schon davon, Organisationen zu errichten, in denen Vertrauen als Prüfstein gilt. Man kann nicht sagen, dass alles schlecht ist, wenn das menschliche Auge nur einige Einzelheiten der kommenden Epoche wahrnimmt.
    Auf Überresten alter Symbole kann die Lebensfähigkeit der Grundbegriffe wahrgenommen werden. Gerade wenn vom irdischen Standpunkt aus alles zerstört worden ist, könnte es sein, dass zur selben Zeit bereits sehr schöne Begriffe entstehen.


    6. Wann sonst sollte man über die notwendigen Begriffe sprechen? Besonders dann, wenn sie zerstört worden sind. Lasst uns gerade dann über sie sprechen, wenn die Menschen sie bereits als hoffnungslos betrachten. Warum erinnern Wir gerade jetzt an die Bruderschaft? Die Menschen werden in ihrer Verzweiflung darangehen, nach den verstreuten Samenkörnern der vorherbestimmten Brüderlichen Gemeinschaften zu suchen.
    Seien wir über das Schwanken des Lebenspendels nicht beunruhigt. Verzweiflung kann der Vorbote einer wiedererlangten Sehfähigkeit sein.

    7. Es wurde richtig bemerkt, dass bestimmte Strahlen besonders schwierig aufgenommen werden, wie alles was mit ihnen verknüpft ist. Das ist der Grund warum Wir einem fremden Bewusstsein, das anders gestimmt wurde, nichts aufdrängen. Zwang ist keine Art von Überzeugung! Man kann Freundschaft nicht befehlen und noch weniger Bruderschaft. Diese Begriffe erfordern Selbstlosigkeit und Verständnis für die Grundlagen.
    Wenn der weite Begriff Bruderschaft auf die Blutsverwandtschaft beschränkt wurde, so beweist das, wie sehr das Bewusstsein damit ärmer wurde. Das Bewusstsein ist oft derart beschränkt, dass die Menschen überhaupt nicht verstehen können, welche Bruderschaft es neben der Blutsverwandtschaft noch geben kann.
    Der Verwandtschaftsgrad ist in "erster Cousin", "zweiter Cousin" und sogar "dritter Cousin" eingeteilt worden, aber weiter reicht die Vorstellungskraft nicht. Über Herkömmlichkeiten, die sich um den Begriff Bruderschaft angehäuft haben, könnten viele Bücher geschrieben werden.
    In vergangenen Zeitaltern haben verschiedene Völker die Bedeutung der Bruderschaft betont. Brudermord galt als schweres Verbrechen. Aus all dem konnte Ehrfurcht


vor einem erhabenen Status erkannt werden. Die Menschen hüteten durch strenge Maßnahmen etwas, was in ihrem gewohnten Denken keinen Platz fand. Der Verstand verneinte dieses "Etwas", aber die Feuer im Herzensinnern bestätigten es. Das Herz erbebte über die Schönheit der Bedeutung der Bruderschaft. Die Menschheit wird sich wieder dem Herzen zuwenden und das Wesen der Bruderschaft begreifen.
    Vielleicht besteht die Bruderschaft? Vielleicht erhält sie als irdischer Anker das Gleichgewicht? Vielleicht ist sie in den Träumen der Menschheit als unabänderliche Wirklichkeit erhalten geblieben? Erinnern wir uns an bestimmte Träume und Visionen, die sich als Visionen von Mauern und Türmen der Bruderschaft so klar ins Gedächtnis einprägten! Die Vorstellungskraft ist nur eine Erinnerung an bestehendes.
    Vielleicht erinnert sich jemand wirklich an den Turm von Tschun1?

    8. In allem muss der Funke der Unbegrenztheit zum Ausdruck kommen. Für jeden Begriff muss man eine unbegrenzte Entwicklung voraussetzen. Man kann eine ganze Serie aufeinander folgender Begriffe feststellen. Weder Freundschaft noch Zusammenarbeit können begrenzt werden. Zwischen ihnen und der Feinstofflichen Welt muss es noch etwas geben, das beiden Welten gleichermaßen angehören kann. Dieses etwas nennt sich Bruderschaft.
    Es kann kein erhabener Begriff genannt werden, der die menschlichen Beziehungen derart krönen und dem Wesen der Feinstofflichen und der Feurigen Welt so entsprechen könnte. Daher wird die Bruderschaft als dreifaltig bezeichnet. Sie erstreckt sich wie eine feste Brücke zwischen den drei Welten. Es ist fast unmöglich, sich die Berührung der irdischen


mit der Feurigen Welt vorzustellen, aber in der Rüstung der Bruderschaft wird diese Verschmelzung möglich.

    9. Niemand möchte auf einem begrenzten Feld, von dem man nicht über die Hecke blicken kann, festgehalten sein. Er muss einen Spalt, selbst wenn er nur ganz klein wäre, finden, durch den er die Annäherung an die Unbegrenztheit erkennen kann. Möge dieser verbindende Grundsatz auch im Alltagsleben gefunden werden, so dass nicht nur das Kleine, sondern auch das ganz Große angenommen werden kann.
    Vielleicht gibt es auf jedem Planeten einen Ort für große Begegnungen.

    10. Verwitterte Felsen werden von den Menschen zwecks Sicherheit für die Straße entfernt; ebenso verhält es sich mit bestimmten menschlichen Begriffsbestimmungen. Im Laufe von Jahrhunderten kann eine Bezeichnung ihre ursprüngliche Bedeutung verlieren, weshalb sie durch ein zeitgemäßes Wort ersetzt werden sollte. Das ist mit dem Wort "eingeweiht" geschehen. Es hat zusammen mit dem Wort "Salbung" seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Wir wollen statt "eingeweiht" und "nicht eingeweiht" die Worte "wissend" und "unwissend" oder "erfahren" und "unerfahren" verwenden. Aber es ist besser, Einweihung selbst durch das Wort "Ausbildung" zu ersetzen. Auf diese Weise kann es ohne Herabsetzung mit zeitgemäßen Worten ausgedruckt werden.
    Es ist auf keinen Fall richtig, etwas Gutes mit altmodischen Wörtern zu verbergen, wenn es in für die Masse der Menschen verständlichen Worten ausdrückt werden kann. Wissen ist natürlich nicht nur für die Auserwählten, sondern für alle! Deshalb sollten wir überholte Moralbegriffe nicht mitschleppen, sondern für die wissenschaftliche Anerkennung die besten Bedingungen ersinnen. Nur Unwissende werden nicht verstehen, dass für erfolgreichen Fortschritt der Wissenschaft die besten Lebensbedingungen geschaffen werden müssen.


    Die Wissenschaft kann sich nicht jenseits der mechanistischen Kreise begeben, solange die behindernde Mauer für das Verstehen der Feinstofflichen Welt nicht überstiegen wird.
    11. In einigen Gebieten sind homöopathische Heilmittel verboten, andrerseits besteht jemand darauf, die Menschen nach eigenen Methoden zu heilen. Denken, das Verbote erteilt, ist begrenzt. Es ist unmöglich, sich nur auf eine Heilweise festzulegen und alles andere zu verbieten. Man sollte bedenken, dass alle Arzneien nur Hilfsmittel sind. Ohne die Grundenergie wird keine Arznei die erforderliche Wirkung haben.
    Man kann die Ärzte nicht in Anhänger der Allopathie und der Homöopathie einteilen, da jeder individuell seine beste Methode anwendet. Aber der Arzt sollte mit der Grundenergie vertraut sein, die der wirksamste Faktor zur schnellen Heilung ist.

    12. Man wird fragen, welcher Zusammenhang zwischen Heilbehandlung, überholten Begriffen und unseren Gesprächen über Bruderschaft besteht? Es sollten die Zusammenhänge vieler Begriffe beleuchtet werden, die das Verständnis für die Bruderschaft erweitern.

    13. Lasst uns auf den Pfaden zur Bruderschaft mit Vertrauen stark werden. Wir sprechen nicht vom blinden Glauben, sondern über den Wert des Vertrauens. Man muss verstehen, dass sich unsere guten Eigenschaften als Vitaminfundorte erweisen. Die Eigenschaft des Misstrauens oder des Zweifels wird für die besten Vitamine tödlich sein. Weshalb sich mechanisch mit Vitaminen anfüllen, wenn wir selbst die mächtigsten hervorbringen können?
    Wenn verabreichte Vitamine einen natürlichen Nährboden finden, können sie zwar eine maßvolle Wirkung auslösen, aber auch die besten Pflanzenvitamine können ihre guten Eigenschaften nicht entfalten, wenn sie


einem ergifteten Organismus eingegeben werden. Daher schätzen Wir jene Organismen, in denen die Grundeigenschaften des menschlichen Wesens zur Auswirkung gelangen.
    Ein von Zweifel befallenes Wesen taugt sogar für die grundsätzlichste Form der Zusammenarbeit nicht. Es kann auch die herrliche Disziplin der Bruderschaft nicht verstehen. Gerade Disziplin liegt als freiwillige Harmonie den Arbeiten der Bruderschaft zugrunde.
    Die Brüder vereinen sich zur Arbeit, und ohne Vertrauen wird es keine Arbeitsqualität geben.

    14. Die Feinstoffliche Welt wird oft als etwas Nebelhaftes, Kaltes geschildert - ein Reich umherirrender Schatten. Erwachsen diese Schilderungen nicht dem Aberglauben? Aber können sie nicht auch von der Unfähigkeit ausgehen, sich der Vorzüge der Eigenschaften dieses erhabenen Zustandes zu erfreuen? Wirklich, Vorurteil und Misstrauen können das wahre Antlitz der Feinstofflichen Welt verbergen. Der Mensch sieht auch im irdischen Zustand nur das, was er sehen möchte; umso mehr geschieht das in der Welt, in der alles vom Gedanken gestaltet wird. Dort können die Bewohner ihrer Denkfähigkeit gemäß schaffen und wahrnehmen.
    Es ist nützlich, reines Denken zu besitzen, damit wird die wirkliche Bedeutung des Vertrauens erkannt.

    15. Aus einem einzigen Funken ist eine mächtige Energie freigesetzt worden. Ebenso kann sich aus einem Aufblitzen der Nervenkraft ein ständiger Kräftezustrom ergeben. Die Menschen haben längst erkannt, dass ein Nervenanfall weit stärker ist als Muskelkraft. Man hat erkannt, dass


die Nervenanspannung von kurzer Dauer ist und einen Kräfteverfall nach sich zieht. Diese Annahme ist jedoch nicht natürlich; nur die irdischen Lebensverhältnisse verhindern ein dauerndes Aufladen mit psychischer Energie. Es können derartige Lebensverhältnisse geschaffen werden, dass die psychische Energie der Muskelkraft entspricht. Wenn dieses Prinzip gefunden ist, wird auch seine Verbreitung erfolgen. Ebenso wird Zusammenarbeit nicht auf gelegentliches Aufblitzen beschränkt sein, sondern wird, der Bruderschaft folgend, ins Bewusstsein eingehen. Es ist unklug, ein kostbares Gefäß einem unzuverlässigen Boten anzuvertrauen. Ebenso kann man keine unwissenden Menschen zur Bruderschaft aufrufen. Auch ein Luftballon wird ohne Erprobung keinem unbegrenzten Druck standhalten. Die Menschen können ohne feste Erkenntnis die Last der höheren Begriffe nicht auf sich nehmen. Auch ein Pferd wird allmählich an die Last gewöhnt. Aber wenn der Funke der Erkenntnis bereits aufleuchtet, dann wird allmählich das Tragen der übrigen Last möglich.

    16. Manche Menschen sprechen wenig über die Bruderschaft, aber tun vieles für sie. Aber es gibt auch solche, die das Wort Bruderschaft ständig im Munde führen und dem Verrat sehr nahe stehen.

    17. Bruderschaft muss als eine Institution betrachtet werden, in der die Mitglieder nicht tageweise, sondern entsprechend der Aufgabe arbeiten. Man muss die Arbeit lieben, um der Aufgabe den Vorzug zu geben. Es muss erkannt werden, dass die Aufgaben unbegrenzt sind und der Vervollkommnungsprozess endlos ist. Wer immer sich ängstigt, kann keine Liebe zur Arbeit entwickeln.
    Ihr habt den schönen Gesang der Arbeiter gehört.


Wahrlich, Arbeit kann sowohl von Freude als auch vom eingegebenen Gedanken begleitet sein. Aber zu allem muss man sich prüfen.

    18. Auf den Pfaden zur Bruderschaft bedarf es auch der Selbstaufopferung. Höchstwahrscheinlich werden viele diese Bedingung für unerfüllbar halten. Sie erkennen nicht, wie oft die Menschen diese Eigenschaft sogar im täglichen Leben bekunden. In jeder Eingebung, in Ausbruch von Begeisterung ist unbestritten Selbstaufopferung enthalten. Die Bedeutung der Wörter muss sehr genau erfasst werden.
    Es gibt im Leben keine Eigenschaften, die nur Helden zustehen würden; das heißt, die Helden sind gar nicht so rar, aber sie sind nicht immer mit Schwertern und Speeren ausgerüstet. Daher ist es notwendig, die besten Begriffe zu verstehen und ins Leben einzuführen.
    Denkt man an die Schwierigkeiten der Erfüllung, kann man sich des Mutes und der Standfestigkeit berauben. Es kommt nicht darauf an, wie der Mut aufgebracht wird, er muss jedoch beständig zunehmen. Für die Menschen wäre es besser, anstatt vom gebrochenen Mut zu sprechen, diesen Zustand einfach als Kleinmütigkeit zu bezeichnen. Gebeine und Muskeln können brechen, der Geist aber ist unzerbrechlich! Der kleinmütige und wankende Mensch kann der Bruderschaft nicht dienen.
    Selbstentsagung ist nichts anderes als Eingebung; Kleinmütigkeit kann keine Eingebung sein.

    19. Seien wir nicht eigensinnig. Es gibt keine unerträglichere Last als Eigensinn. Die Menschen wählen auch kein eigensinniges Pferd; sie nehmen sogar keinen eigensinnigen Hund mit auf die Reise. Eigensinn lahmt die besten Zentren.


Wenn der Forscher eigensinnig ist, werden die Experimente mit psychischer Energie erfolglos sein.
    Vernunft und Weisheit wohnt kein beengender Eigensinn inne.

    20. Übelnehmerisch zu sein, ist für eine lange Reise unangebracht. Das heißt nicht, Wir suchten nur überirdische Vollkommenheit. Wir machen nur dringlich darauf aufmerksam, darauf zu achten, welche Last nicht mitgenommen werden sollte. Man sollte durch Freude gestärkt voranschreiten und sie unter verschiedenen Umständen sowie bei jedem Wetter erproben. Man sollte sich nicht selbst martern und quälen, sondern sollte das Maß seiner körperlichen Ausdauer prüfen.

    21. Jede bluthaltige Nahrung ist für die Entwicklung der feinstofflichen Energie schädlich. Würde sich die Menschheit doch vom Verschlingen von Kadavern enthalten, die Evolution könnte beschleunigt werden. Die Fleischliebhaber versuchten, das Blut aus dem Fleisch zu entfernen, doch sie konnten die erwünschten Resultate nicht erzielen. Selbst wenn das Blut aus dem Fleisch entfernt wird, ist es von den Emanationen dieser starken Substanz nicht völlig befreit. Sonnenstrahlen beseitigen bis zu einem gewissen Grad diese Emanationen, aber ihre Verbreitung im Raum verursacht auch keinen geringen Schaden. Versucht ein Experiment mit psychischer Energie bei einem Schlachthof durchzuführen, und ihr werdet Anzeichen hochgradigen Irrsinns erhalten, schon gar nicht zu reden von den Wesen, die dem freigesetzten Blut anhaften. Nicht ohne Grund wurde Blut als heilig bezeichnet.
    So können verschiedene Menschentypen beobachtet werden. Man kann sich selbst überzeugen, wie stark der Atavismus vertreten ist. Das Verlangen nach bluthaltiger Nahrung wird durch den Atavismus bestärkt,


denn viele Generationen sättigten sich mit Blut. Leider schenken die Regierungen einer besseren Gesundheit der Bevölkerung zu wenig Aufmerksamkeit. Die staatliche Medizin und Hygiene stehen auf einer niederen Stufe. Die ärztliche Überwachung ist nicht höher als die polizeiliche. In diese veralteten Institutionen dringt kein neuer Gedanke ein. Sie können bloß verfolgen, aber nicht helfen.
    Daher sollte es auf dem Weg zur Bruderschaft keine Schlachthöfe geben.

    22. Es gibt zwar Menschen, die viel gegen das Blutvergießen sprechen, selbst aber nicht abgeneigt sind, Fleisch zu essen. So gibt es im Menschen zahlreiche Widersprüche. Nur die Vervollkommnung der psychischen Energie kann die Harmonisierung des Lebens herbeiführen. Widerspruch ist nichts anderes als Unordnung. Verschiedene Schichten haben übereinstimmende Inhalte. Aber ein Sturm kann die Wellen aufwirbeln, und die richtige Strömung kann nachher nicht so schnell wiederhergestellt werden.

    23. Wir haben über die Mischung der Schichten gesprochen. Bei kosmischen Stürmen ist die Strömung des Chemismus ständig unruhig, und die Strahlen werden gebrochen. Ohne an die Unerschütterlichkeit des Gesetzes zu denken, ist es nicht leicht, diese Störungen hinzunehmen. Astrologie wird zwar als Wissenschaft anerkannt, aber sie kann infolge irdischer Unkenntnis noch vielen Schwankungen ausgesetzt sein. Zudem wurden viele Zeichen geheim gehalten. Wir sagen das nicht, um Enttäuschung zu bereiten, sondern um die Beobachter an die Kompliziertheit der Bedingungen zu gemahnen.

    24. Scheinheiligkeit, Bigotterie und Aberglauben sind drei finstere Eigenschaften, die auf dem Pfad zur Bruderschaft abgelehnt werden müssen. Möge jeder darüber nachdenken, woraus


diese Lieblinge der Unwissenheit entstanden. Ganze Bücher können über diese Pfade der Finsternis geschrieben werden. Man sollte darüber nachdenken, wie diese verderblichen Zersetzer aufkamen. Sie vermehren sich unwahrnehmbar. Es gab nie eine Zeit, in der sie so zahlreich auftraten wie jetzt. Ungeachtet der Vergeistigung der Wissenschaft und trotz der Bedingungen vernünftiger Erforschung der Erscheinungen der Feinstofflichen Welt nehmen die Verbrechen aus Unwissenheit unvergleichlich zu. Die Menschen können nicht verstehen, dass der räumliche Gedanke sie von ihren Fesseln befreien kann.
    Bedenken wir, dass die finsteren Zeiten vorübergehen und Wissen die Unwissenden beschämt.

    25. Der Pfad der Bruderschaft ist ein Höhenweg. Die Bruderschaft wird ebenso wie ein Berg von weitem erblickt. Wo Kurzsichtigkeit herrscht, kann der Lehrer nicht auf etwas bestehen. Und beim Aufstieg verlieren sich die Umrisse des Gipfels. Wie man aus der Nähe seine Höhe nicht ermessen kann, so gibt es auch auf dem Pfad zur Bruderschaft viele Wegkehren. An Errungenschaft mit all ihren Merkmalen muss man sich gewöhnen. Man sollte allmählich alle Hindernisse lieb gewinnen, denn die Steine auf dem Pfad sind nur die Stufen des Aufstiegs. Seit langem heißt es, dass man einen glatten Felsen nicht erklimmen kann.

    26. Der Anruf an die Bruderschaft bleibt nicht unbeantwortet, aber die Antworten sind verschieden. Die Menschen sind von ihren Ausdrücken so sehr eingekreist, dass sie keine anderen Zeichen wahrnehmen. Außerdem können die Menschen die Hinweise und Warnungen, die sich zuweilen in einem einfachen Wort und in einem Funken verbergen, nicht verstehen. Sie wollen nicht über die Gründe für diese Kürze nachdenken. Sogar sehr belesene Gelehrte erinnern sich nicht


an das Karmagesetz. Einen von einer Gefahr bedrohten Vorübergehenden aber warnen die Menschen mit einem kurzen Aufschrei, ohne ihn über sein Missgeschick lange zu belehren. Ebenso kann man in Sachen karmischer Auswirkungen gewöhnlich mit einem kurzen Ausruf warnen, ohne auf das Karma naher einzugehen.
    Jeder hatte häufig Gelegenheit, sich zu überzeugen, dass ihn die Antwort der Bruderschaft durch sehr unbedeutende äußere Zeichen erreichte. Man kann kühn behaupten, dass die meisten Hinweise entweder dem Bewusstsein entgleiten oder unrichtig gedeutet werden. Diese falschen Deutungen sind besonders in den Händen gedankenloser Menschen sehr gefährlich, weil sie die Weisungen ihrer augenblicklichen Geistesverfassung unterwerfen.
    Es gibt viele Beispiele, wonach die Unwissenden wichtige Zeichen völlig entgegengesetzt deuteten. Die Menschen legen Briefe, ihren irdischen Gewohnheiten gemäß, oft auf ihre Weise aus, ohne über den genauen Wortlaut nachzudenken - diese herkömmlichen, egoistischen Praktiken sind auf dem Pfad zur Bruderschaft abzulehnen.

    27. Wenn sich die Menschen in ihren irdischen Beziehungen umsichtig verhalten, können sie sich auch daran gewöhnen, den Höheren Dienst in Betracht zu ziehen. Lasst die Fragen der Menschen nicht unbeantwortet. Es ist besser, nur so kurz wie möglich zu antworten, als giftige Ursachen zu hinterlassen. Es kann leicht bewiesen werden, was für eine giftige Gärung aufkommt, wenn kein Bindeglied vorhanden ist.

    28. Die Existenz der Bruderschaft des Guten als auch jene der Bruderschaft des Bösen ist hinreichend bekannt. Ebenso weiß man, dass die Bruderschaft des Bösen die Methoden der Handlungsweise der Bruderschaft des Guten


nachzuahmen sucht. Die Unwissenden werden fragen, ob man einen hellen Bruder von einem finsteren unterscheiden kann, denn wenn sie gleich aussehen und mit gleichen Worten sprechen, kann man sich leicht irren und Ratschläge annehmen, die zum Bösen führen. Auf diese Weise wird ein Mensch urteilen, der nicht weiß, dass das Unterscheidungsvermögen im Herzen ruht. Die psychische Energie hilft, das innere Wesen unfehlbar zu erkennen. Wohnt dem Menschen der Funke des Wissens inne, benötigt er keine komplizierten Geräte.
    Die Erforscher der psychischen Energie können bezeugen, dass die Beweise der Energie unfehlbar sind. Sie können in Bezug auf irdische Termine relativ sein, der Qualität nach jedoch sind sie untrüglich. Und gerade der Qualität bedarf es, um das Wesen zu erkennen. Die ursächliche Energie kann negatives nicht als positiv erachten. Dieser rein wissenschaftliche Beweis schützt die Menschen vor der Annäherung des Bösen. Nicht ohne Grund wird diese Unterscheidungskraft die Waffe des Lichts genannt.

    29. Es könnte gefragt werden, warum mit dieser notwendigen Waffe nicht alle betraut sind? Jeder besitzt sie, sie ist jedoch oft hinter sieben Schlössern verschlossen. Die Menschen selbst sind zu tadeln, dass sie ihren größten Schatz im Keller verschließen. Viele, die von dieser Energie hören, finden es gar nicht wissenswert zu erfahren, wie diese zu entdecken ist - so wenig ist die Liebe zum Wissen entwickelt!

    30. Sobald diese Energie geweckt ist, vermag der Mensch das Geschehen gelassen


zu beobachten. Ein Forscher darf sich bei Beobachtungen weder erregen noch beunruhigen. Gelassenheit wird ein Zeichen des Dienstes sein. Wenn man im Grunde seines Wesens wie durch Seitenwind aufgepeitschte Wellen bewegt ist, kann man nicht dem Dienst geweiht sein.

    31. Die Lehre hat bereits euer ganzes Leben verwandelt. Sie hat euch über Gefahren hinweggeholfen. Die Lehre hilft euch zu erkennen, wo es Schaden und wo Nutzen gibt. Es ist nicht leicht, den rechten Weg zu erkennen, ihr aber versteht es, einen glatten Fels zu erklimmen. Durch diese Anspannungen wird die psychische Energie entwickelt.

    32. Die psychische Energie sollte nicht nur studiert, sondern im Leben auch bewusst angewendet werden. Eine bewusste Zusammenarbeit, wie in der Bruderschaft, bedarf der psychischen Energie. Ohne psychische Energie kann sich Arbeit nicht harmonisch gestalten. Ohne psychische Energie erlangt man kein gegenseitiges Verständnis. Ohne psychische Energie erlangt man weder Geduld noch Toleranz. Ohne psychische Energie ist es nicht möglich, sich von Gereiztheit zu befreien. In allem bedarf es der Anwendung der ursächlichen Energie selbst.
    Es ist bereits beobachtet worden, dass die Energie nicht nur bei Anwesenheit einer Person schwankt sondern sogar Bilder von Menschen auf die feine Energie reagieren. Man muss nicht nur die Feinfühligkeit der Energie erkennen, sondern auch diese phänomenale Eigenschaft bedenken. Menschen, die Experimenten mit psychischer Energie nicht beigewohnt haben, wird es gleichsam als unsinniges Märchen erscheinen, dass sogar Bilder die Energie beeinflussen können.


Für diese Menschen jedoch ist die Energie selbst zweifelhaft. Sie sind nicht abgeneigt, sich über den Geist und die Seele zu unterhalten, die offensichtliche Energie jedoch wird für sie Zauberei sein.

    33. Man muss lernen, Menschen nicht zu verwirren, denen ein bestimmtes Wissen unzugänglich ist. Erfahrene Beobachtung wird einem eingeben, wann es vergeblich ist, ein Gespräch zu führen.

    34. Zur Beweisführung kann man die Wahrheit offenbaren, aber meistens wird sie im Raum verstreut. Der Lehrer muss wissen, inwieweit der Schüler einem Argument zugänglich ist, ohne ihn zu verwirren.
    Diese Maßstäbe muss man kennen, weil Bruderschaf vor allem der Ausgeglichenheit bedarf.

    35. Seid nicht überrascht, dass Ich im Gespräch über Bruderschaft die ursächliche Energie erwähne. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste liegt in der Tatsache, dass es zur Annäherung an die Bruderschaft der Entwicklung der Urenergie bedarf. Ohne diese, mit schlummernden Zentren, ist das Erkennen dieser feinen Wahrnehmungen nicht möglich. Brüderliche Zusammenarbeit ist auf diesen feinsten Schwingungen aufgebaut. Das zweite, woran erinnert werden muss, ist, dass nicht jeder die vorhergehenden Schriften über die psychische Energie gelesen hat. Jedes Buch muss die Grundbedingungen zur Vervollkommnung beinhalten. Es wäre hart, nicht wenigstens kurze Andeutungen über das Vorhergehende, in dem Unschätzbares behandelt wurde, zu machen.
    Lasst uns jeden kleinen Umstand beachten. Nach der irdischen Lebensweise ist es schwierig zu erkennen, worin das Kleine und das Große, das Nutzlose und das Nützliche bestehen.


Viele Perlen wurden mit dem Staub hinweggefegt. Wenn ihr bemerkt, dass euer Gesprächspartner die Lebensprinzipien nur zum Teil aufnimmt, helft ihm. In dieser geduldigen Hilfe kommt eine sehr wichtige Eigenschaft der Brüderlichkeit zum Ausdruck.

    36. Die psychische Energie wird das Organ der vierten Dimension genannt. Diese Dimension ist natürlich relativ und drückt lediglich die Verfeinerung der Gefühle aus. Starke Verfeinerung verleiht die Möglichkeit, überirdische Zustände zu verstehen. Aber wenn die Nomenklatur eine vierte Dimension aufgenommen hat, so möge dies beibehalten werden, solange wir nicht auf zwei Dimensionen zurückkommen. Ebenso lasst uns keine Einwände erheben, wenn die psychische Energie als Organ bezeichnet wird. Sie existiert und löst starke Wirkungen aus. Sie nimmt kosmische Ströme auf und ist mit dem Leben verbunden. Selbst wenn sie als Organ bezeichnet wird - diese Bezeichnung beweist schon ihre Anerkennung.

    37. Man darf nicht vergessen, dass im Allgemeinen viele kein einziges Wort über psychische Energie verstehen werden. Sie werden sie ebenso wenig anerkennen, wie ein Mensch den Blitz anerkennt, den er noch nicht gesehen hat. Daher kann es auch Menschen geben, die im Großen und Ganzen nicht verstehen, was ein Gedanke ist. Das Merkmal dieser Menschen ist keine mangelhafte Bildung, sondern Verstocktheit. Es gibt viele solcher Leichname!
    Die Erforscher der psychischen Energie mögen sich an diese Versteinerungen gewöhnen. Darüber, was man offenkundig nicht aufzunehmen vermag, wird in den Tagebüchern vieles zu vermerken sein.

    38. Die Menschen erwarten Boten, aber schon


der Gedanke über ihr Erscheinen erschreckt sie. Würde man die Menschen fragen, in welcher Form sie den Boten sehen möchten, so würde eine merkwürdige Anhäufung hervortreten - selbst bis hin zum Ungeheuerlich; nicht zuletzt werden auf ihren Listen als Kennzeichen des Boten Vogelfedern genannt werden. Und sagt man den Menschen, der Bote sei in Licht gehüllt, treffen sie sofort Vorkehrungen, um nicht geblendet zu werden.
    Es ist wahr, dass sogar die gewöhnlichste Erscheinung Erschütterungen hervorrufen kann. Ein Erbeben rührt nicht nur von dem Unerwarteten her, sondern kann auch von der Ungleichheit der Auren kommen. Diese Spannung kann sogar verderblich sein; deshalb erscheinen Boten nicht oft. Sie kommen aber sicherlich nicht, um zu töten, folglich muss man sich an die unterschiedlichen Spannungen allmählich gewöhnen. Forscher der psychischen Energie werden verstehen, von welcher Übung Wir sprechen.
    Neben Experimenten mit psychischer Energie ist es notwendig, sich an die Vereinigung mit der Feinstofflichen Welt zu gewöhnen, ohne sich der Magie zuzuwenden. Alles Natürliche wird durch natürliche Methoden erreicht. Nur auf dem Wege des Experimentes gewöhnen sich die Menschen an unterschiedliche Spannungsgrade. Man möge verstehen, dass eine Erwartung an sich eine natürliche Vorbereitung oder, wie man gewöhnlich sagt. Disziplin ist.
    Der Mensch ist in einem Zustand der Vorbereitung bereit, den Boten zu empfangen.

    39. Die Menschen fürchten Prüfungen. Sie ängstigen sich vor Experimenten, aber sie können sich alle möglichen Lernmethoden nicht einmal vorstellen. Wieder ist es die körperliche Angst, das Entsetzen des Fleisches, welche vernünftiges Handeln in Ketten legt.


    Deshalb muss jegliches Entsetzen als erstes mit Beherrschung überwunden werden.

    40. Der Begriff Bruderschaft steht auf besten Säulen. Er kann weder durch Alter noch durch Rassen oder durch gelegentliche Stimmungen eingeschränkt werden. Über allem existiert natürlich die ursächliche Energie. Wenn sie bekundet wird und durch sie Beziehungen harmonisiert werden können, dann ist eine dauerhafte Verbindung gewährleistet.

    41. Was ist der natürliche Pfad? Es ist der Pfad uneingeschränkten Lernens, in Toleranz und Geduld, ohne jegliches Sektierertum. Uneingeschränktes Wissen ist nicht leicht zu erwerben. Alles, was mit menschlichen Werken zusammenhängt, ist beschränkt. Jede Besitzergreifung unterbricht gleichsam viele Verbindungswege. Selbst ausgezeichnete Geister sind schon in ein enges Fahrwasser gedrängt worden. Die Krankheit der Selbstbeschränkung hat nichts mit Selbstaufopferung zu tun. Der Mensch beschränkt sich aus Bequemlichkeit. Tatsächlich sind kühne Taten um des uneingeschränkten Wissens willen die Ausnahme. Boshaftigkeit und Hass führen ihre Handlungen in der Enge des Geistes aus. Für uneingeschränktes Handeln muss man von Großmut erfüllt sein und Ursachen und Wirkungen mit gütigem Auge aufspüren. Strenge der Arbeit hat nichts mit kritischem Verhalten gemein. Nur beschränkte Menschen verdammen. Vollkommenheit wird nicht aus Verdammung geboren.
    Kann man in Verwirrung von uneingeschränktem Wissen träumen? Überall und in allem kann man lernen. Durch unaufhaltsames Streben fließen einem die Möglichkeiten zu. Der natürliche Pfad besteht allein in Beweglichkeit!


    42. Fürwahr, man muss suchen! Man muss daran denken, dass ein kleiner Funke eine gewaltige Explosion auslösen kann. Ein Gedanke kann beides: anziehen oder abstoßen. Jene, die die menschlichen Gemüter regieren, sind nicht selten Geführte. Und wie sehr können leere Töne den Willen des Menschen ersticken und den bereits festgelegten Pfad für immer zunichte machen!
    Gutes stört nie, aber Böses umso mehr! So lasst uns daran denken, dass kleine Funken gewaltige Explosionen auslösen.

    43. Sind diese Vorbereitungen für die Bruderschaft notwendig? Entschieden - nicht nur Vorbereitungen, sondern auch Erleuchtung. Wird es jener, der entschlossen ist, sich dem Großen Dienst hinzugeben, nicht bereuen? Kleinmütigkeit lässt viele Gedanken über Behaglichkeit und Bequemlichkeit entstehen. Es kann auch ein bedauerndes Lächeln geben. Wie aber können solche Angriffe ohne Erleuchtung überwunden werden?

    44. Lasst uns über den Begriff der Ruhe einig werden. Um diesen Begriff haben sich viele unrichtige und schädliche Auslegungen angehäuft. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, Untätigkeit als Ruhe zu betrachten; auf diese Weise ist sie zu einer psychischen Schwächung umgewandelt worden. Untätigkeit wirkt stark zersetzend auf die psychische Energie. Jede geistige Unbeweglichkeit ermüdet und regeneriert nicht.
    Ärzte verordnen Erholung, Ruhe und alle möglichen Arten von Untätigkeit und nehmen an, dass in einem todähnlichen Zustand die Kräfte wiederhergestellt werden können. Dieselben Ärzte verstehen andrerseits dass Schwäche und Zusammenbruch von der Störung des Gleichgewichts herrühren. Daher ist Ruhe nichts anderes als Gleichgewicht. Gleichgewicht aber ist gleichmäßige


Energieanspannung. Nur auf diese Weise können die Kräfte erneuert und gestärkt werden.
    Es ist einerlei, ob das Gleichgewicht in einer Wüste oder in einer Stadt erlangt wird; die Hauptsache ist die andauernde Anspannung. Der Weg der Anspannung ist der Weg des Strebens, anders gesagt, der Weg des Lebens.
    Der sachunkundige Arzt warnt vor dem Kräfteverbrauch, aber die Kraft wird infolge Mangel an Gleichgewicht verausgabt. Gleichgewicht ist daher das einzige und beste Allheilmittel. Eines kann man als ratsames Hilfsmittel ins Auge fassen, und zwar den vernünftigen Gebrauch frischer Luft, das aber erfordert keine lange Zeit.
    Möge der Begriff Ruhe für die Bekundung der Bruderschaft richtig erkannt werden. Unruhe erzeugt ziellose Hast.

    45. Unter den kosmischen Erscheinungen haben ständige Explosionen eine besondere Bedeutung. Im Menschen gibt es ebenfalls Energieverdichtungen und -explosionen. Warum aber sind kosmische Explosionen segensreich, während die menschlichen den Organismus zugrunde richten können? Der Unterschied liegt in der Tatsache, dass kosmische Explosionen ausgeglichen in einem gewaltigen Rhythmus vor sich gehen, während die menschlichen oft gerade des Rhythmus ermangeln.

    46. Alles ist relativ, die Harmonie des Universums lässt sich jedoch nicht mit dem menschlichen freien Willen vergleichen. Gerade diese Freiwilligkeit führt zu ernsthaften Folgen, wenn sie nicht richtig genutzt wird. Über die Bedeutung des Menschen im Kosmos ist vieles gesagt worden, aber diese Wahrheit muss ständig wiederholt werden. Man kann sich davon überzeugen, wie viele Menschen es unterlassen, über ihre Bestimmung nachzudenken.


    47. Es gab ein altes Spiel, in dem die Menschen einander zu ärgern versuchten. Wer sich zuerst ärgerte, war der Verlierer.

    48. Es wird ständig auf die Wachsamkeit hingewiesen, aber wie selten wird sie verstanden! Die Menschen fordern sie für gewöhnlich von ihrer Umwelt, werden sie aber nicht bei sich selbst suchen. Indes sollte jeder in erster Linie sein eigenes Instrument stimmen. Nur dann wird Aufnahmefähigkeit erlangt. Kann man ohne Aufnahmefähigkeit Zusammenarbeit und Bruderschaft erhoffen? Die bestimmtesten Ratschläge werden am Panzer der Verneinung zerbersten.
    Es wird die Zeit kommen, in der die Ärzte für die Tätigkeit der psychischen Energie die günstigsten Bedingungen finden werden. Man sollte nicht meinen, die psychische Energie könnte unter allen Bedingungen gleich wirken. Ebenso wie es Menschen gibt, für die die stärksten Gifte keine Wirkung ausüben, wird auch die psychische Energie verschieden aufgenommen. Wenn der Mensch keine Aufnahmefähigkeit entwickelt, verkommt sein kostbarster Apparat, denn für die Aufnahmefähigkeit bedarf es der ständigen Wachsamkeit. Diese Eigenschaft erfordert nichts Übernatürliches, sondern nur Aufmerksamkeit.

    49. Unter den Inkarnationen des einzelnen Menschen wird es immer eine geben, in der er sich der rhythmischen Arbeit widmet. Sei es ein Handwerk, Musik, Gesang oder Landarbeit; jeder Mensch wird in sich unbestritten jenen Rhythmus entwickeln, den sein ganzes Leben erfüllt. Die Menschen sind oft erstaunt zu erfahren,


dass einige ihrer Inkarnationen gleichsam von geringer Bedeutung waren. In diesen aber mussten sie vor allem den Arbeitsrhythmus erwerben. Diese wichtige Eigenschaft muss im Ringen und mit Geduld erworben werden.

    50. Man kann die Arbeit nur lieb gewinnen, wenn man sie kennen lernt. Ebenso kann der Rhythmus nur erkannt werden, wenn er in das Wesen des Menschen eindringt; ansonsten würde sich Unwissenheit gegen gesetzmäßige Maßnahmen und ständige Disziplin empören. Diesen Unwissenden erscheint der erhabene Begriff Bruderschaft als unerträgliche Utopie.

    51. Bruderschaft ist der erhabene Ausdruck gegenseitiger menschlicher Beziehungen. Im Zustande der Bruderschaft kann man eine freie Erkenntnis der Hierarchie erlangen. Gerade Hierarchie kann nicht aufgezwungen werden; sie besteht nur im freiwilligen Erkennen. Sie kann nicht aus arglistigen Erwägungen angenommen werden; diese falsche Einstellung endet in erschreckender Zersetzung. Anerkennung der Hierarchie wird von Freude begleitet sein, aber Zwang und Unwahrheit hingegen werden von Kummer begleitet.
    Es ist noch nicht lange her, als diese Erörterungen für moralische Abstraktionen gehalten wurden; wird jedoch die psychische Energie richtig eingeschätzt, werden menschliche Eigenschaften zu wissenschaftlichen Größen. Ist es nicht fesselnd, aufgrund von Experimenten eine Reihe von Eigenschaften feststellen zu können?

    52. Es ist unrichtig zu behaupten, jede wachsende Pflanze führe eine Drehbewegung aus. Es ist richtiger, von einer spiralförmigen Bewegung zu sprechen. Unter einer Drehbewegung versteht man etwas Abgeschlossenes,


während eine Windung nicht beendet sein kann, sie ist zielstrebig.
    Diese Experimente können nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit verschiedenen Geschossen durchgeführt werden, und wird schließlich der Gedankenflug beobachtet, wird man sich überzeugen können, dass jede Bewegung spiralförmig verläuft. Für das Studium der psychischen Energie ist diese Überlegung nützlich.
    53. Können sich wissenschaftlich begründete Mitteilungen ändern und ins Gegenteil kehren? Die Grundlagen werden gewiss standfest sein, aber bei den Empfängern können Schwankungen auftreten. Diese nicht übereinstimmenden Erscheinungen sollten nicht auf die Grundlagen zurückgeführt werden. Wäre es nicht besser, die Ursache im eigenen Unverständnis zu suchen? Nur ein erweitertes Bewusstsein wird zu einem klaren Verstehen führen, andernfalls kann der klarste Brief missgedeutet werden.
    Jede Art von Unbeständigkeit ist unzulässig.

    54. Vergleicht eine Aufzeichnung von gutem Willen und Dankbarkeit mit den Hieroglyphen von Bosheit und Neid. Erstere wird einen schönen Kreis bilden, während die zweite hässliches Gekritzel erkennen lässt. Trotz starker Anstrengungen bringt Bosheit nur verworrene Striche hervor. Dieses disharmonische Gebilde zeugt von Entwürdigung aller schöpferischen Grundsätze. Es ist unmöglich, mittels Bösem schöpferisch zu sein; es erzeugt vorübergehende Krämpfe und verfällt dann dem Irrsinn und verzehrt sich selbst.
    Schön jedoch ist der Kreis des Edelmutes, er ist wie ein Schild des Lichts! Er kann sich in harmonischer Bewegung erweitern und vertiefen. Bei der Erforschung


der ursächlichen Energie ist es lehrreich, sich davon zu überzeugen, inwieweit der Mensch fähig ist, die positiven und negativen Eigenschaften zu unterscheiden. Die Menschen werden wiederholt auf die Relativität von Gut und Böse aufmerksam gemacht. Es gibt jedoch den grundlegenden Impuls, der nicht in die Irre führt; die Darstellungen von psychischer Energie können nicht nachgeahmt werden; sie enthüllen das Wesen der Dinge.

    55. Die Darstellungen der psychischen Energie lassen sich nicht bezweifeln. Sie kann als ursächliche Erkenntniskraft nicht falsch gedeutet werden, indem eine momentane Stimmung für das Wesentliche gehalten wird. Die Offenbarung des Gedankens über die Bedeutung der psychischen Energie wird gleichsam aus dem Raum gepumpt.
    Der Magnet des Gedankens bringt die wertvollsten Teilchen der psychischen Energie hervor. Man muss sie lieb gewinnen. Man muss ihr dauerndes Vorhandensein erkennen. Solches Denken ist durchaus nicht leicht. Es muss sehr viel Geduld aufgebracht werden, um es unter dem Druck aller ungezügelten Strömungen des Raumes zu bewahren.

    56. Geduld, Geduld, Geduld - möge sie kein leerer Schalt sein, möge sie uns auf allen Wegen beschützen. Wenn alle Kräfte erschöpft zu sein scheinen, so ist dieses Trugbild höchst gefährlich. Die Kräfte sind unerschöpflich, aber die Menschen unterbrechen ihren Strom.
    Auch der Pfad zur Bruderschaft erfordert viel Geduld. Es muss dieselbe Gedankenkraft aufgewendet werden, um sich dem Bewusstsein der drei Welten anzuschließen.

    57. Die wahre Familie ist das Urbild des Gemeinschaftslebens. Sie kann Zusammenarbeit, Hierarchie und sämtliche Bedingungen der Bruderschaft verkörpern.


Solche Familien gibt es jedoch sehr selten, und daher lässt sich nicht immer sagen, die Familie wäre das Symbol der Bruderschaft. Man könnte sagen, die Familie sei ein Symbol der Feindseligkeit; denn die Menschen haben sich so sehr daran gewöhnt, das Heim zu missachten. Lasst uns deshalb besonders im Heim den Lebensfragen die volle Aufmerksamkeit zuwenden - wie jener der Erziehung. Man kann ohne Aufbau des Heimes nicht an den Aufbau des Staates denken
    Welche Vorstellung können Menschen von der Bruderschaft haben, die die Würde des Staates und des Heimes nicht verstehen. Ist das Gefühl der Wurde verloren gegangen, kann kein Erlass es wiederherstellen. Es muss durch Erziehung, Anerkennung des Wertes umfangreichen Wissens und genaue wissenschaftliche Studien eingepflanzt werden. Nur auf diese Weise werden sich die Menschen wieder auf Menschlichkeit besinnen.
    Auf der Stufe der Menschlichkeit wird sich das Verstehen der Bruderschaft entfalten.

    58. Strenge Arbeit wird dazu führen, grobe Auswirkungen auszuschalten und eine schöne Einstellung zur Arbeit und zu dem Begriff Zusammenarbeit einzuführen. Man muss daran erinnern, dass Grobheit allen Naturgesetzen widerspricht. Jedes grobe Verhalten schafft einen verderblichen Wirbel; könnten die Menschen diesen sehen, würden sie sich in ihrem Benehmen behutsamer verhalten. Ein durch Rohheit geschaffenes Karma ist sehr schwer.
    Durch Bewusstseinserweiterung werden die Menschen gegenüber jeder Rohheit besonders feinfühlig, und man kann sicher sein, dass Rohheit gänzlich unzulässig ist.

    59. Viele Zuhörer würden gern früher etwas über die Bruderschaft erfahren; sie mögen aber zuerst


die Neugierde und die störenden Gewohnheiten ablegen. Mit Würde kann man eintreten, weshalb es vorerst notwendig erscheint, die verschiedenen Gefühle zu verstehen. Man sollte keine wertvollen Sachen zum Aufbewahren übergeben, wenn die Befürchtung besteht, sie könnten, anstatt sorgfältig verwahrt, veräußert werden.
    Der Wissbegierige wird auf dem Pfad der Erkenntnis nicht schwach werden.

    60. Wir stärken unsere Zuhörer mit allen für den Pfad zur Bruderschaft notwendigen Eigenschaften. Es genügt nicht, bestimmte Eigenschaften zu besitzen, man muss ihre genauen Zusammenhänge kennen. Die Symphonie der Eigenschaften ist wie die Symphonie der Sphären! Wenn sich eine Eigenschaft schön entfaltet, während andere zurückbleiben, ergibt sich ein verderblicher Missklang. Missklang kann sehr schwächen, verwirren und sogar zerstörend wirken. Das Gleichgewicht der Eigenschaften wird durch starke Bewusstseinsanspannung erreicht. Wie der Hirte seine Herde sorgfältig hüten muss, ebenso muss der Mensch eine ungute Eigenschaft heilen. Der Mensch kennt selbst genau seine unguten Eigenschaften. Das Leben bietet ihm Gelegenheit, jede Eigenschaft zu erproben. Das Alltagsleben bietet Gelegenheit, die Eigenschaften zu gebrauchen. Ein Mensch, der beteuert, er hätte keine Möglichkeit, die besten Eigenschaften anzuwenden, wird seine eigene Stumpfheit kundtun. Ein Mensch, den es freut, seine Eigenschaften anzuwenden, zeugt von Bewusstseinserweiterung. Dann folgt die nächste Stufe der Freude, nämlich die Freude an der Schönheit der Symphonie der Eigenschaften.

    61. Versuche mit psychischer Energie werden zeigen,


wie sehr diese Symphonie den wohltätigen Kreis erweitert. Erfahrene Beobachter werden die Wechselbeziehung der Eigenschaften und der psychischen Energie leicht verstehen, den Unwissenden aber wird diese Gegenüberstellung unbegreiflich sein.
    Wir wollen für die weite Reise möglichst viele Eigenschaften sammeln, und möge jede von höchstem Range sein!

    62. Man darf nicht vergessen, dass jede Entdeckung eine Gegenentdeckung zur Folge hat. Ihr habt gehört, dass Radiowellen auf weite Entfernung unterbrochen wurden; das heißt, dass selbst eine große Entdeckung nicht bedingungslos ist. Es gibt Strahlen, die Gegenstände unsichtbar machen, andere durchdringen feste Körper. Nur der Gedanke und die psychische Energie sind absolut bedingungslos.
    Die Menschheit muss den sichersten Weg wählen. Alle mechanischen Entdeckungen sind nur der Beweis für die vom Menschen benötigte Kraft. Lasst uns jene hüten, die für die Menschheit ihre beste Kraft aufwenden. Und lasst uns jenen Brüdern danken, die unermüdlich das Erkennen der psychischen Energie vermitteln. Dieser Weg verlangt viel Selbstlosigkeit. Die Unwissenden können die Sucher nach unwandelbaren Schätzen nicht ausstehen. Auf dem besten Pfad besteht die Gefahr, beraubt zu werden. Zum Glück sind die Träger der unsichtbaren Schätze unverletzbar.

    63. Es heißt, dass Gutmütigkeit eine regenbogenfarbige Aura hat. Der Regenbogen ist das Symbol der Synthese. Erweist sich Gutmütigkeit nicht als die Synthese der Eigenschaften? In jedem antiken Symbol ist eine unanfechtbare Wahrheit verborgen. Die Menschen haben begriffen, dass Gutmütigkeit nicht einfach


eine gute Tat bedeutet. Sie haben genau erkannt, dass nur der Zusammenklang von Anspannungen bester Eigenschaften die Synthese des Aufstiegs bietet. Sie haben erkannt, dass nur der Beweggrund die Gutmütigkeit bestätigt. Keine äußeren Taten können den Beweggrund bezeugen. Experimente mit der psychischen Energie werden enthüllen, wie sehr die Tat vom Beweggrund gekennzeichnet ist. Keine noch so glänzenden Worte und Taten können die Absicht verbergen. Man kann viele historische Beispiele anführen, in denen infolge unwürdiger Beweggründe sogar nutzbringende Taten nicht gerechtfertigt waren. Andrerseits erstrahlte viel Ungeklärtes, das verdächtig erschien, im Glanz schöner Beweggründe. Diese Beweise aus der Wirklichkeit des Lebens werden von der ursächlichen Energie bestätigt werden.

    64. Es muss verstanden werden, dass die Annäherung an solch einen erhabenen Begriff wie Bruderschaft keine leichte Verpflichtung auferlegt. Die Befreiung von der geringsten Gewohnheit erfordert Willensanspannung. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass eine scheinbar abgelegte Gewohnheit in einem noch stärkeren Grad wieder auftritt; das heißt, dass dieses Laster in den Tiefen des Bewusstseins weiter bestand.
    Man könnte fragen, ob Gewohnheiten in mehreren Inkarnationen erhalten bleiben? Sie können bestehen bleiben und sogar wachsen, wenn es beim Aufenthalt in der Feinstofflichen Welt keinen Aufstieg in höhere Sphären gab. In allem ist der Beweggrund von entscheidender Bedeutung. Daher wird auch beim Übergang in die Feinstoffliche Welt das Motiv der Leiter sein. Nicht die scheinbare, sondern die im Herzen gefühlte gute Absicht wird herrlicher sein


als alle gepriesenen Taten. Nur der Mensch selbst weiß, wie dieses oder jenes Gefühl in ihm entstanden ist. Er kann den Wachstumsprozess in seinem Innern verfolgen. Folglich ist der Mensch selbst sein bester Richter. Möge der Mensch daran denken, dass ihm sogar für das irdische Dasein ein unvoreingenommener Zeuge mitgegeben wurde, nämlich die ursächliche Energie.

    65. Strenge und Grausamkeit sind zwei völlig verschiedene Begriffe. Aber die Menschen können die Harmonie der Strenge nicht von den Krämpfen der Grausamkeit unterscheiden. Strenge ist ein Merkmal der Gerechtigkeit, Grausamkeit hingegen ist Menschenhass. Von Grausamkeit führt kein Pfad zur Bruderschaft. Strenge drückt sich als Kreis aus, Grausamkeit aber steht im Zeichen des Irrsinns. Man sollte Grausamkeit nicht als Krankheit auffassen; sie ist wie schmutzige Reden nur der Ausdruck niedriger Natur.
    Diese beiden finsteren Sprösslinge müssen im Staat durch Gesetz ausgemerzt werden. Die Grundsätze, welche die Unzulässigkeit dieser zwei niedrigsten Laster deutlich machen, müssen schon in den Grundschulen festgelegt werden.

    66. Es kann bewusste und unbewusste Mitarbeiter und Boten geben. Das Betrauen mit Aufträgen ist als ehrenvoll zu betrachten; aber unbewusste Mitarbeiter wissen oft gar nicht, wann ihnen ein Auftrag gegeben wurde. Sie folgen einem unbekannten Antrieb und übermitteln jemandem etwas oder warnen jemanden, ohne selbst zu wissen, wo ihr Auftrag beginnt und wo er endet. Es gibt viele solche Boten, die sich nach ihrem Zustand zwar unterscheiden, aber in keiner Weise zaudern.
    Wenn es notwendig erscheint, nicht durch ein Wort, sondern durch Schweigen Einfluss auszuüben, gibt es besondere, stille Aufträge.


    67. Ein anhaltender stiller Blick wendet manchmal Gefahr ab. Der Gedanke bedarf keiner Worte. Suggestion bedarf keiner Worte. Nur unerfahrene Hypnotiseure suchen durch Schreie und Gesten einzuwirken, aber bei der Gedankenübertragung bedarf es weder des einen noch des anderen. Eher kann rhythmischer Atem von Nutzen sein; denn auch dieser verwandelt sich in den Rhythmus des Herzens.
    Der Gedanke wird sowohl über das Herz gesandt als auch über das Herz empfangen.

    68. Die Menschen, die eine Botschaft erwarten, können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die wenigsten verstehen zu warten, aber die meisten begreifen nicht, was vor sich geht, sondern sie zeigen sogar einen schlimmen Einfluss. Sie verlassen ihre Arbeit. Sie füllen den Raum mit Wehklagen. Sie stören ihre Umgebung. Sie zählen sich, ohne es zu merken, zu den Auserwählten und äußern sich hochmütig über andere. Durch unzulängliches Wissen und noch mehr durch versteinertes Bewusstsein wird viel Schaden angerichtet. Jede solche Person wird zur Brutstätte von Verwirrung und Zweifel. Da sie den Arbeitsrhythmus verliert, schafft sie Verwirrung. Diese Menschen sind für die Wissensvermittlung sehr gefährlich. Sie möchten die allerletzten Botschaften erhalten, um persönlich Dank einzuheimsen; aber von diesen Eindringlingen geht wenig Nutzen aus. Man sollte diese schwachen Menschen unbedingt berücksichtigen - sie sind wie Nester des Verrats. Nichts hält sie von ihren Intrigen ab. Im Namen der guten Botschaften darf es keine Vernichtung geben. Es gibt wenige, die inmitten von Arbeit und Mühsal


in vollem Großmut die Botschaften erwarten können - diese Mitarbeiter werden zu Brüdern.

    69. Nicht alles über die Bruderschaft Niedergeschriebene kann als authentisch gelten. In den Vorstellungen über die Feinstoffliche Welt ist vieles vermischt worden. Viele persönliche Träume sind mit der Wirklichkeit verwoben. Es gibt viele Schilderungen über verschiedene nicht bestehende Rassen und Kontinente. Die Menschen fügen einem für sie anziehenden Begriff viele Einzelheiten hinzu, ohne auf die Ungleichheit von Art und Zeit Bedacht zu nehmen. Ein armseliges Vorstellungsvermögen erniedrigt oft das, was es verherrlichen will.

    70. Richtig ist der Pfad vom Kleinen zum Großen. Jedes Samenkorn bestätigt dies. Aber oft halten die Menschen das Kleine für das Große und meinen, eine kleine Münze könnte die Sonne verdecken.

    71. Der Geisterbeschwörer beschwört die Krankheiten; aber erst seit kurzem verstehen die Menschen, dass solche Beschwörungen einfach Suggestion sind. Man kann beobachten, dass die Geisterbeschwörer unverständliche und sinnlose Worte sprechen, aber wenige denken darüber nach, dass die Wirkungen dieser Sprüche im Rhythmus und hauptsächlich in den ausgesandten Gedanken bestehen.
    Suggestion kann nicht nur Schmerz verhüten, sondern auch der Krankheit eine völlig andere Richtung geben. Letzteres wird selten zugegeben, denn die Menschen glauben bis heute nicht an die Wirkung des Gedankens. Aus der gleichen Quelle des Unglaubens entspringt der Stillstand des Bewusstseins. Die Menschen vergiften sich durch Unglauben. Die Weisheit der Jahrhunderte berichtet von vielen Beispielen großen Vertrauens und vom Vernichten durch Unglauben. Wenn Wir über Zusammenarbeit


und sogar über Bruderschaft sprechen, müssen Wir auf das Vertrauen hinweisen, ohne das kein Rhythmus entstehen, kein Erfolg erreicht und kein Fortschritt erzielt werden kann. Denkt nicht, dass Ich allgemein Bekanntes wiederhole, im Gegenteil, wie in der Stunde der Gefahr erinnere Ich an das Rettungsmittel. Es gibt keinen anderen Weg, die psychische Energie zu wecken. Es gibt keinen anderen Weg, das Herz im Siege erstrahlen zu lassen. Es ist schwierig, nicht zu ermatten, wenn das Herz von Finsternis eingenommen ist.

    72. Man kann zwar beste Ratschläge erhalten, aber sie können wie die Herbstblätter unbeachtet bleiben. Nur die Erkenntnis, die Energie im Leben richtig anzuwenden, kann eine wirksame Führung gewähren. Zur Bruderschaft führen keine leeren Worte.

    73. In der Stunde der Verwirrung ist Schweigen der beste Freund. Aber möge diese Stille nicht zur Stille der Bosheit werden! Möge sich der Rhythmus des Herzens, wenngleich nur für einen Augenblick, beruhigen. Möge in Gelassenheit die psychische Energie wieder wirksam werden; auf diese Weise wird die Arbeit der Zentren gestärkt und erleuchtet, ohne diese zu entzünden.

    74. "Die Stadt wurde gut befestigt, ihre Mauern und Türme sind dicht, bei jedem Tor steht eine Schildwache, kein Feind kann in die Festung eindringen. Seid jedoch vorsichtig, Schildwachen, lasst euch durch die Pfeile des Feindes nicht verwirren. Die Pfeile wurden mit besonderen Aufschriften versehen, um die Wächter abzulenken. Die Aufschriften sollen die Wächter verlocken und ihren Verstand verwirren; damit die Tore ohne Verteidigung bleiben." Auf diese Weise wurde in einem bestimmten Mysterium der Zustand der psychischen Energie in Geistesverwirrung beschriebt
    Ob man es auf poetische Weise, in Symbolen, mit Hieroglyphen, in medizinischen Ausdrücken,


oder in einem strengen Befehl ausspricht, alle Formen weisen übereinstimmend auf die Bedeutung der Grundenergie hin. In den Mysterien wurden gegen schädliche Verwirrung oft warnende Symbole gebraucht. Man kann die psychische Energie sehr verstärken, aber schon die geringste Verwirrung kann dem gefährlichsten Feind die Tore öffnen. In der Stunde der Bestürzung möge man, wenngleich nur für einen Augenblick, Gelassenheit bewahren. Diese Gelassenheit und auch nur ein Atemzug von Prana werden zu einem starken Schild.
    Der Arzt muss aufmerksam auf die alten Symbole hören. Wenn biblische Erzählungen von der Heimsuchung durch Krankheiten und Seuchen sprechen, ist zu verstehen, dass der bedrückte Geist die schrecklichste Verseuchung herbeigezogen hat.

    75. Man muss auch verstehen, dass Gespräche über das Gute rechte Taten voraussetzen. Der rechten Tat entspringt Gutes. Aber wird bei einem noch so glänzenden Gespräch über das Gute eine armselige Tat vollbracht, wird nur Schaden angerichtet.
    Es wird viel über das Gute gesprochen und viel Unheil angerichtet.

    76. Die Menschen meinen, mit einer dem Bettler zugeworfenen Münze einen begangenen Mord sühnen zu können! Solange Entsprechung nicht erkannt wird, kann es kein Gleichgewicht geben. Ebenso wenig wird das Töten des Geistes und des Körpers verstanden. Wo ist die Bekundung der Bruderschaft, wenn der Mord des Geistes möglich ist? Er wird nicht einmal als Verbrechen angesehen!

    77. Mut wird durch richtige Entfaltung der psychischen Energie verstärkt. Richtige Entfaltung aber ist das natürliche Wachstum der Energie. Möge


jeder seinen Vorrat an Mut vermehren; er ist wie das Öffnen eines Fensters.

    78. Das Gefühl der Zufriedenheit ist verderblich; es führt zu Übersättigung und Lähmung der Energie. In der Feinstofflichen Welt kann man das bemitleidenswerte Schicksal solcher Gelähmten gewahren. Sogar das wenige, das sie während des irdischen Lebens gesammelt haben, wird infolge der Energielähmung unterbunden. Die umherirrenden Schatten können nicht vorankommen, weil es ohne Energie keinen Fortschritt gibt. Man könnte fragen, welches Los hoffnungsloser ist, jenes der Gelähmten oder jenes der bösartig Hassenden? Die Antwort ist schwierig. Die Hassenden können leiden und auf diese Weise geläutert werden, aber die Gelähmten verlieren infolge der Untätigkeit der Energie jedwede Möglichkeit des Fortschritts. Ist es nicht besser, um der Möglichkeit des Fortschritts willen viel zu leiden? Die Qualen der läuternden Pein sind besser als hoffnungslose Zersetzung. Hass kann sich in Liebe verwandeln; aber Lähmung ist das Entsetzen der Nacht. Diese hoffnungslose Zerstörung kann nicht zur Bruderschaft führen. Die Lähmung einzelner Gliedmaßen kann durch Willenskraft überwunden werden, aber ist die Grundenergie selbst untätig, wie kann dann ein Befehl ausgeführt werden? Es irren viele lebende Leichname umher!

    79. Es ist nutzvoll zu beobachten, wie Menschen unter Suggestion handeln, gleichzeitig aber die Möglichkeit dieses Einflusses strikt ablehnen. Manchmal behauptet ein Mensch aus Bosheit, sein Verhalten entspräche seiner Absicht, während er unmittelbar unter Suggestion handelt. Der Mensch vermittelt fremde Gedanken und verwendet ihm fremde Ausdrücke


und sucht aus Bosheit, sich diese selbst zuzuschreiben. Wenn man weiß, woher Suggestion kommt, kann man sich über die absichtliche Verstellung seine Meinung bilden.
    Finster und vergänglich ist alles, was durch Bosheit geschaffen wurde.

    80. Kehren die Menschen an einen früheren Ort zurück, erfasst sie für gewöhnlich Wehmut. Sie fühlen, dass etwas unvollendet blieb. Und so ist es. In der Unbegrenztheit muss etwas Vorherbestimmtes gefühlt werden.
    81. Lass uns das Buch "Bruderschaft" in zwei Teile teilen. Der erste Teil, über die Grundlagen der Bruderschaft, geben Wir jetzt; den zweiten Teil, über das Innenleben der Bruderschaft, werden Wir jenen senden, die die Grundlagen annehmen werden.

    82. Zusammengesetzte Träume und Erinnerungen stellen an sich eine ganze Wissenschaft dar. Zuweilen sind sie mit Fabeln verflochten; bei der Zergliederung zeigen sie jedoch eine Reihe einzelner, völlig realer Episoden. Wenn die Menschen daher von etwas Unmöglichem sprechen, sollte man daran denken, dass vielleicht die Zusammenfügung einzelner Teile unnatürlich, aber jedes einzelne Teil durchaus möglich sein kann. Es ist lehrreich, genau zu beobachten, welche Teile der Erinnerung leichter entgleiten; daraus kann auf den Charakter der Person geschlossen werden.
    Die Offenbarung weit zurückliegender Erinnerungen kann komplizierte Muster aus verschiedenen Epochen ergeben. Man wird die verschiedenartigsten Begegnungen wahrnehmen. Auf diese Weise kann man laufend Brüder treffen, aber sogar die erhabensten Begegnungen können von Einzelheiten aus verschiedenen Zeitaltern überschattet sein. Nicht ohne Grund heißt es, dass jeder Mensch


ein kompliziertes Sammelbecken darstellt. Es ist viel Feuer notwendig, um all die dunklen Speicher zu durchleuchten.

    83. Die Menschen sprechen viel über Gedankenformen, aber nicht alle Gedanken können Form annehmen. Es kann gedanklichen Staub geben, der nicht nur seiner Form beraubt wurde, sondern sich mit anderen, ähnlichen Staubwolken vermischt. Dieser Kehricht kann zum Niesen reizen.

    84. Jene, die von Gedankenformen sprechen, befassen sich selten mit der Verfeinerung und Veredelung dieser Gebilde. Indes kann sogar Autosuggestion nützlich sein. Seit langem heißt es, dass Gedanken im Raume geboren werden, was besagt, dass sie geformt werden müssen. Wolken staubigen Kehrichts sind zum Senden ungeeignet.

    85. Ist für den Denker Denken nun Seligkeit oder Pein? Für gewöhnlich stellt man sich einen Denker als einen Gepeinigten vor, aber fragen wir ihn, ob er von dieser Pein frei sein möchte, so wird jeder Denker eine ablehnende Antwort geben. In seinem Bewusstseinsinnern empfindet er große Seligkeit, denn der Denkprozess ist höhere Freude. Für die Menschen gibt es nur zwei wirkliche Freuden: Denken und die Ekstase der Schönheit. Der Pfad zur Feurigen Welt ist durch diese zwei Manifestationen bestätigt worden. Nur über sie kann der Mensch zu den höheren Sphären aufsteigen. Jede höhere Verbindung wird diese zwei Grundwahrheiten beinhalten. Deshalb ist es unsinnig, von der Pein des Denkers oder Schöpfers zu sprechen. Sie leiden nicht, sondern sie freuen sich. Die Menschen jedoch verstehen Freude


auf eine einzige Weise! Für manche Menschen bedeutet es Freude, nichts zu denken oder nichts zu tun.
    Der Pfad zur Bruderschaft besteht im Denken und in der Arbeit.

    86. Gnade ist kein leichter Begriff; nur der Weitsichtige kann sich über ihre Auswirkungen eine Meinung bilden. Wenn der Großmut eingibt "leben lassen", so wird dies keine schwere Aussage sein. Vielleicht könnte gerade in dieser Stunde sich Zerstörendes gezeigt haben, aber der Weitsichtige erkennt, dass das Positive das Negative überragt. Für den Kurzsichtigen ist diese Gnade unpassend, aber für den Weitsichtigen ist sie wie ein ins Ziel treffender Pfeil.

    87. Auf dem Pfad zur Bruderschaft gibt es viele Zeichen. Der Pfad ist lang, und alle Vorkehrungen sind von Nutzen. Wer wagt zu behaupten, diese oder jene Eigenschaft wäre ihm nicht dienlich? Es kann sich ergeben, dass gerade das Missachtete dringend benötigt wird.

    88. Die Last dieser Welt. Zwei Schüler erwogen, welches Symbol für diesen Begriff das wirkungsvollste wäre. Der eine schlug Gold vor, der andere aber hielt weißen Marmor für passender. Beide waren sich schließlich einig, dass eine Last, als Gewicht, am treffendsten durch einen Stein versinnbildlicht wäre. Aber der Lehrer bemerkte: "Das kleinste Samenkorn entspricht dem Begriff der Last der Welt."

    89. Sprecht zu Menschen, die ihre Bestimmung im irdischen Dasein nicht verstehen können, nicht viel von den fernen Welten. Sie werden dadurch das wenige, das sie wissen, verlieren und aus dem Bereich höheren Wissens nichts hinzugewinnen. Beachtet die Aufnahmefähigkeit der Menschen sehr genau. Die Menschen beginnen die Mahlzeit nicht mit dem Nachtisch.


Es ist besonders schädlich, die Menschen mit Unverdaulichem zu speisen. Umso wichtiger ist es daher, in sich Aufmerksamkeit zu entwickeln. Die Zuhörer dürfen nicht gelangweilt werden, denn Langeweile bedeutet Stagnation.

    90. Die Menschen streben mit einem vorgefertigten Schema bereitwillig zu einer Bruderschaft. Warnt man sie aber, dass Streit nicht statthaft sei, verliert ein Großteil von ihnen die Begeisterung.
    Fragt die Menschen, wie sie sich die Bruderschaft vorstellen? Ihr werdet viele unwichtige Bedingungen finden, die ihnen besonders wichtig erscheinen. Ein Fragesteller war so erstaunt, dass er schließlich erklärte: "Ist es möglich, dass die Menschen die Unordnung so sehr schätzen?"
    Wahrlich, sie kennen die unwandelbaren Naturgesetze nicht.

    91. Die Menschen können sich in den schwierigsten Stunden mit den gewöhnlichsten Dingen befassen. Man kann staunen, wie oft man auf Unverständnis für die Ereignisse stößt. Der wiederholte Hinweis auf die Wichtigkeit der Stunde bleibt wirkungslos. Die Erkenntnis geht nicht zu Herzen. Lasst uns keine Vorausschau erwarten, aber eine Vorahnung ist durchaus naturgemäß. Die Menschen verwerfen jedoch diese Vorahnungen, weil ihnen niemand etwas von der ursächlichen Energie gesagt hat. Daher schreiten die Menschen einerseits voran, andrerseits aber, selbst auf einem nicht weniger wertvollen Gebiet, ziehen sie sich zurück.

    92. Eine verhasste Arbeit ist nicht nur für den erfolglosen Arbeiter ein Unglück, sondern sie vergiftet auch die ganze umgebende Atmosphäre. Die Unzufriedenheit des Arbeiters lässt ihn weder Freude finden, noch die Qualität verbessern. Außerdem verstärkt das durch Gereiztheit erzeugte Imperil


trübe Gedanken mit tödlicher Auswirkung auf die Schaffenskraft. Nun könnte die entscheidende Frage auftauchen, was man tun soll, wenn nicht jeder die seiner Berufung entsprechende Arbeit finden kann? Zweifellos können viele Menschen nicht jene Beschäftigung finden, die ihrem Wunsche entspräche. Es gibt ein Mittel, das diesem Dahinsiechen entgegenwirken kann. Wissenschaftliche Errungenschaften zeigen, dass jenseits der Alltäglichkeit ein für alle zugängliches Gebiet existiert - die Erkenntnis der psychischen Energie. Durch Experimente mit ihr kann man sich davon überzeugen, dass Bauern oft einen guten Vorrat an Energie besitzen. Auch viele andere Arbeitsgebiete begünstigen die Erhaltung dieser Kraft. Deshalb kann die empor führende Kraft in den verschiedensten Arbeitsbereichen gefunden werden.

    93. Alles ist möglich, nur Bedrücktheit kann Unmöglichkeit einflüstern. Kein Schritt der Wissenschaft ist begrenzt, sondern jeder bietet neue Möglichkeit. Erweist sich vom irdischen Standpunkt aus etwas als unmöglich, so lässt sich dies unter Anwendung der feinstofflichen Energie durchaus verwirklichen. Das Gesicht eines Menschen verändert sich durch die Lichtquelle. Grelle Beleuchtung kann die Gesichtszuge bis zur Unkenntlichkeit verändern und einen völlig ungewohnten Ausdruck enthüllen. Aber es gibt so viele Strahlen und Ströme verschiedener Einwirkungen, das Vorhandene verwandeln können!
    Ist es nicht ermutigend zu erkennen, dass alles möglich ist?

    94. Es ist traurig, wenn jemand keinen Angriffen ausgesetzt ist. Das heißt, dass sich seine Energie in einem sehr schwachen Zustand befindet und keine Gegenwirkungen auslöst. Nur


Unaufgeklärte betrachten Angriffe als Missgeschick. Fettleibigkeit schwimmt im Fett der Untätigkeit. Für welche Düngung ist dieses Fett von Nutzen? Fettausstrahlungen ziehen unerwünschte Wesenheiten an. Weit nützlicher ist wachsames Streben; es bewahrt einen angemessenen Schutzmantel für die Nerven. Ebenso darf Magerkeit das Gleichgewicht nicht verletzen.

    95. Jede Erscheinung ist vielgestaltig. Es ist besonders irrig zu meinen, eine Erscheinung habe nur eine Quelle und löse nur eine Wirkung aus. Um jede Tat können viele verschiedene Einflusssphären beobachtet werden. Man möge erkennen, dass jeder Wirkungsbereich weit umfassender ist als der irdische Gedankengang feststellen kann. Daher berühren die Menschen mit jeder Tat und mit jedem Gedanken mehrere Bereiche. Man sollte nicht vergessen, dass Gedanken unbestritten auf die Feinstoffliche Welt einwirken. Wenngleich sie nicht immer im klaren Zustand dahingelangen mögen, werden sie auf jeden Fall eine gewisse Energiestörung hervorrufen. So viele Ströme werden im Raume gebrochen, so dass die menschliche Tat nicht bloß als Muskelreflex bezeichnet werden kann. Daher muss man sich an den gesamten Wirkungsbereich gewöhnen.

    96. Ernst wollte ein Künstler den Gedanken darstellen, wusste aber nicht, welches Symbol ihn wohl am wirkungsvollsten erscheinen ließe. Ein Philosoph schlug vor, ihn als Wolkenbildung darzustellen, weil der Gedanke im Raume weilt. Ein anderer Denker meinte, dass der Sternenhimmel besser wäre. Ein dritter meinte, der Blitz wurde eine ernsthafte Darstellung des Gedankens bieten, und ein vierter hatte schließlich den Einfall, die Leinwand leer zu belassen, da


der Gedanke für das menschliche Auge nicht einzulangen und für das Licht dieser Energie jede Form zu roh wäre.

    97. Der Sternenhimmel kann von irdischen Verhältnissen am besten wegführen. Die Unbegrenztheit kann irdische Anhäufungen verdecken. Nur durch das Leuchten der fernen Welten schwindet irdischer Schrecken.

    98. Übereilt nicht eure Schlussfolgerungen. Die Menschen eilen gewöhnlich vorzeitig voran und verwirren auf diese Weise die Fäden der Wirkung

    99. Bruderschaft oder Zusammenarbeit? Zwischen ihnen kann keine scharfe Grenze gezogen werden. Die Menschen hingegen möchten die Begriffe scharf auseinander halten. Aber in beide Begriffe strömt vieles von anderen Begriffen ein. Auf diese Weise wird Zusammenarbeit gleichsam die Vorstufe zur Bruderschaft, deshalb müssen die Zugänge zum Bollwerk des Geistes gehütet werden.

    100. Die Zerrüttung des Heimes und der Familie geschieht nicht in Worten und Taten, sondern in Gedanken. In aller Stille werden die Grundlagen untergraben. Die Menschen selbst schüren die Zersetzung, ohne es zu merken. Es gibt wenige Heime, in denen in vollem Verständnis gemeinsame Arbeit geleistet wird. Aber diese Heime sind eine Stufe zur Bruderschaft.

    101 Ein Stallknecht erklärte seinem Herrn eine besondere Pferderasse züchten zu wollen. Der Herr antwortete: "Ein ausgezeichnetes Vorhaben, zuerst aber bringe den Pferdestall in Ordnung." Ein Schrittsteller wird besonders geschätzt, wenn seine Gedanken nicht nur leicht und flüchtig gelesen werden, sondern von allgemeinem Nutzen sind. Es können viele Beispiele aus verschiedenen Bereichen angeführt werden, um an den Dienst zu erinnern, der grundlegend in Ordnung ist. Dieselbe Ordnung


muss bei der Gedankenbildung an die Bruderschaft befolgt werden.

    102. Wir sollten jede Stunde zählen, in der wir mit vermehrten Anstrengungen in der Erfüllung unserer Aufgabe vorangekommen sind. Dienst besteht nicht darin, das übliche Glück zu fördern, sondern der Menschheit zu dienen. Es mag schwierig sein, einzelne Persönlichkeiten zuzulassen, jedoch das Antlitz der gesamten Menschheit wird annehmbar sein.

    103. Wie vereinbart sich das Vorhandensein des freien Willens mit dem vielen bereits Gesagten? Es gibt einen freien Willen, und niemand wird dies leugnen, jedoch ständig kann man mangelnde Übereinstimmung der Taten und Gedanken mit den Überirdischen Kräften bemerken. Es kommt darauf an, ob der Wille mit den Höheren Kräften in Einklang steht oder ob er chaotisch ist und dem Aufbau entgegenwirkt. Es ist beklagenswert, dass unter den Menschen der chaotische Wille vorherrscht. Durch die normale Erziehung wird dies nicht besser. Willensfreiheit ist ein Vorrecht des Menschen, aber ohne Einklang mit den höheren Kräften wird er zum Missgeschick.

    104. Obgleich wiederholt vom Schaden durch niederen Psychismus gesprochen wurde, können die Unwissenden diesen Zustand nicht vom natürlichen Wachstum der ursächlichen Energie unterscheiden. Stellen wir fest, dass jemand den niederen Psychismus mit der psychischen Energie verwechselt, sollten wir wissen, dass es nutzlos ist, ihn von dieser Unwissenheit abzubringen und den Irrtum zu klären. Man muss fühlen, wo die Quelle ist, die unseren Vorrat an Energie auffüllt. Man muss diesen Schatz achten.

    105. In antiken Abhandlungen kann man auf den Ausdruck "verkrüppelte Seelen" stoßen. Es wird erklärt,


dass man sich die Verkrüppelung selbst zuzieht. Sobald sich der Mensch einbildet, es gäbe für ihn keinen Weg mehr, der ihn weiterführt, fesselt er seine ursächliche Energie. In diesen Fesseln kann es keinen Fortschritt geben. Mit der Aufgabe seines Weges nimmt der Mensch eine schwere Verantwortung auf sich. Das kann nicht mit Verzweiflung gerechtfertigt werden, denn dieses düstere Gespenst wird natürlich durch den eigenen schwachen Willen geboren. Dieses in den Geist eingedrungene Gespenst nagt tatsächlich an der Gesundheit. Das Gespenst hat mit der Wirklichkeit nichts gemein. Verfolgten die Menschen die wahren Gründe ihrer Verzweiflung, sie würden von deren Nichtigkeit sehr überrascht sein. Wäre den Menschen der Begriff Bruderschaft vertrauter, könnten viele dieser grundlosen Verzweiflungen zerstreut werden. Jedoch die Menschen hemmen eher ihren Fortschritt, als über die heilsamen Grundlagen nachzudenken. Die Schreiber der antiken Abhandlungen über "verkrüppelte Seelen" hatten guten Grund, diesen Ausdruck zu verwenden.

    106. Man kann sich bei jedem Handwerk davon überzeugen, wie schwierig die Belehrung ist, wenn ein feindlicher Wille vorhanden ist. Nicht nur ein feindlicher, sondern auch ein untätiger Wille kann verderblich sein. Von einem bösen Willen werden viele sich bietende Möglichkeiten zurückgewiesen. Diese Haltung kann nicht nur bei großen Ereignissen, sondern im ganzen Lebensaufbau wahrgenommen werden.

    107. Ein Verneiner wird immer beteuern, keinen Einfluss auszuüben. Und in diesem Fall


kann die Bruderschaft ungeheuer nützlich sein. Mit dem Ruf der Bruderschaft kann man sich dem menschlichen Wesen auf ungewöhnliche Weise nähern. Bruderschaft kann wie ein Arzt auf den feindlichen Willen einwirken. Jedoch dafür muss der Begriff Bruderschaft einverleibt werden. Nehmen wir dies aber oft wahr?

    108. Kann man einen Menschen nennen, der sich zufrieden gäbe, wenn er anstatt des von ihm erhofften ganzen Kleides nur die Hälfte davon erhielte? Ebenso ist es mit der Zusammenarbeit. Welcher Erfolg kann erreicht werden, wenn anstatt einer vollen brüderlichen Zusammenarbeit die Hälfte des Gebotenen aus Misstrauen und Zweifel besteht? Es ist notwendig, seine Fähigkeiten für Zusammenarbeit, angefangen mit den alltäglichen Aufgaben, auszubilden. Es ist unrichtig zu meinen, die Zusammenarbeit ergäbe sich in großen Taten, wenn sie nicht schon im Alltäglichen bestand. Man sollte ins Bewusstseinsinnere blicken und sich fragen, ob der Geist für Zusammenarbeit bereit ist.
    Ebenso kann der Mensch nicht an die Bruderschaft denken, wenn es ihn nicht beglückt, an einer Gemeinschaftsarbeit teilzuhaben. In der Gemeinschaftsarbeit gibt es viele Aspekte, die verschiedenen Fähigkeiten entsprechen. Ist das Arbeitsfeld denn begrenzt? Bereitet es nicht Freude, wahre Mitarbeiter um sich zu haben? Unsere Freude über jeden Mitarbeiter ist nicht klein. Es ist notwendig, jeden der naht, insgeheim zu ermutigen. Aber um jene Abgefallenen, deren Geist wahre Freude nicht begreifen kann, sollte man nicht jammern.

    109. In der Unbegrenztheit gibt es viele Empfindungen, die mit irdischen Worten nicht ausgedrückt werden können. Manche von ihnen


lassen das Herz erbeben, aber diese Anspannung ist weder erschreckend noch begeisternd. Es ist schwierig, das Gefühl eines Menschen, der sich vor einem Unermesslichen Abgrund befindet, zu beschreiben. Er ist weder erschreckt noch wagemutig. Er sieht die Hilfe nicht und weiß nicht, was in dieser Lage zu tun ist. Doch sein Glück ist es, wenn die Bruderschaft völlig bewusst hinter ihm steht. Man sollte die Bruderschaft nicht als etwas Abstraktes auffassen. Sie ist hier für das Glück der Menschheit.

    110. Obgleich unter irdischen Verhältnissen das unübertreffliche Gefühl der Bruderschaft schwierig ist, so ist Bruderschaft jedem bestrebten Geist durchaus zugänglich. Es ist nicht nötig, sie kompliziert zu sehen, sobald ihr eurem Nächsten nicht etwas wünscht, das ihr selbst nicht möchtet. Auf diese Weise kann jeden Tag, bei jeder Aufgabe, bei jedem Gedanken die Erkenntnis der Bruderschaft gefestigt werden.

    111. Gute Taten sind so verschieden wie die Blumen auf der Wiese. Neben den heilkräftigen kann es prachtvolle, aber giftige geben. Unter den herrlichen Erscheinungen kann man sehr tödliche finden, aber die richtige Wahl kann nur durch Erfahrung getroffen werden. Unaufrichtigkeit enthält ein verderbliches Gift. Man kann beobachten, dass ein auf Falschheit errichteter Aufbau sich in Hässlichkeit verwandelt. Es wird viel über gute Taten gesprochen, aber diese müssen wirklich gut sein. Die Menschen mögen in ihrem Herzensinnern ergründen, wann sie gut waren. Das hässliche Lügengerippe kann keine Maske verbergen. Verurteilen wir nicht, denn jeder hat sich bereits selbst verurteilt.

    112. Ein vom Blitz gespaltener Baum wird niemals wieder zusammenwachsen. Man kann in das vom Blitzschlag


verfinsterte Herzensinnere nicht eindringen. Man kann nicht hoffen, dass ein verbrannter Baum wieder kräftig und schattig wird. Ebenso sollte man sich bei der Hinwendung zur Bruderschaft nicht auf ein Herz verlassen, das das Gute vergessen hat.

    113. Wissenschaftliche Erkenntnis ist schon, solange sie nicht, in einer Sackgasse endet. Für den wahren Sucher nach Wissen gibt es keine ausweglose Lage. Er kann durch Entfaltung neuer Erkenntniswege ständig Wissen erwerben. Dieses unbegrenzte Wissen ist die beste Vorbereitungsstufe zur Bruderschaft. Diese Unbegrenztheit zu erkennen, ist nicht sehr leicht, aber für einen, der den Evolutionsverlauf kennt, wird es der natürliche und einzige Pfad sein. Möge aber bei diesen Voraussetzungen das Herz nicht verhärten. Möge bei jeder Annäherung an das neue Bewusstsein das Entzücken bewahrt werden. Ein verhärtetes Herz wird den Turm nicht ersteigen. Es wird nicht den feinstofflichen Körper kräftigen. Solch ein versteinertes Herz wird in irdischen Grenzen verharren. Es ist sehr wichtig, das Leben des Herzens zu verstehen. Man sollte nicht zulassen, dass es sich in ein Urgestein verwandelt. Die Herzensregungen sollten beachtet werden. Ohne Herz kann die Bruderschaft nicht aufgebaut werden.

    114. Wir wollen auch eine andere für den Pfad schädliche Eigenschaft nicht unerwähnt lassen - die Besitzgier. Habsucht ist nirgendwo angebracht! Diese Eigenschaft bindet an die niederen Sphären. Die Gier eines Geizhalses ist ein schier unüberwindliches Hindernis. Obgleich es nicht leicht ist, dem Besitz zu entsagen, so ist Habsucht der ernsteste Zustand, um in den Abgrund zu stürzen.

    115. In der Annahme, dass die meisten Menschen es verstünden,


Bücher zu lesen, kann man sich sehr tauschen. Diese Fähigkeit muss anerzogen werden. Wenn Menschen ein Buch annehmen, so heißt das nicht, dass sie es richtig zu lesen verstehen. Man kann beobachten, wie relativ sie Gelesenes auslegen und wie sehr ihr Verstehen vom Gedankengang des Schriftstellers abweicht. Ich bestätige, dass Bücher zuwenig erfasst werden, jedoch die ursächliche Energie kann hier eine ausgezeichnete Hilfe sein. Sie verhilft oft dazu, das nötige Buch zu finden und das Gewünschte herauszusuchen. Man muss nur aufmerksam sein, aber auch diese Eigenschaft muss anerzogen werden.

    116. Man kann oft Geschichten über das Entstehen oder die Auflösung der Bruderschaft hören. Es wird auf verschiedene Länder hingewiesen, viele Epochen werden genannt, aber niemand kann glaubwürdig sagen, wann solche Gemeinschaften gegründet wurden. Die Menschen betrachten die spärlichen Überlieferungen über die Bruderschaft als schönes Märchen. Über die Einzelheiten des Aufbaus der irdischen Bruderschaft gibt es viele Streitgespräche und viele Missverständnisse. Sie wird im Allgemeinen sehr oft als nicht vorhanden betrachtet. Man kann bemerken, dass sich die Menschen im Gespräch über den Aufbau der Bruderschaft besonders erregen. Menschen, die nichts Höheres als ihre eigene Vorstellung zulassen, sind besonders argwöhnisch. Sie vergessen, dass die Vorstellung eine Aufspeicherung der Wirklichkeit ist. Daher können sie nicht zulassen, dass es über ihre Lebensvorstellung hinaus etwas gibt.
    Es gibt zu wenige Wanderer, die außergewöhnlichen Erscheinungen Beachtung schenken. Im Gegenteil, durch ihre nichts sagenden Erklärungen werden laufend selbst außergewöhnliche Beweise


nicht wahrgenommen. Die Menschen wollen den Beweis nicht beachten, als wären sie blind, eilen sie von ihm davon um sich in ihre herkömmlichen Illusionen einzusperren. Man könnte fragen, wer der Wahrheit näher steht, jener, der der Berauschung durch die Illusion verfällt oder jener, der bereit ist, kühn und mutig der Wirklichkeit zu begegnen.
    Wir schätzen jene, die sich der Wirklichkeit zuwenden.

    117. Betrachten wir Skeptiker nicht als der Wirklichkeit ergeben. Skeptiker wandeln in einen grauen Schleier gehüllt durchs Leben. Sie meinen, sich gegen Illusion aufzulehnen, bedecken sich aber ständig mit Spinnweben. Menschen, die von klein auf die Wahrheit liebten, müssen erwählt werden.

    118. In Legenden über Armageddon werden Menschen mit verhüllten Gesichtern erwähnt. Findet nicht auch jetzt ähnliches statt? Man kann beobachten, dass sich die ganze Welt allmählich in einen Schleier hüllt und Bruder gegen Bruder aufsteht. Gerade die verhüllten Gesichter kennzeichnen die Zeit.

    119. Es kann beobachtet werden, dass manche Menschen überaus viel Geduld besitzen, während anderen diese Eigenschaft völlig fehlt. Was ist die Ursache dafür? Diese Grundeigenschaft kann keine Sache des Zufalls sein. Wisset, dass derjenige, der Geduld besitzt, diese Eigenschaft in vielen Leben erworben hat. Ein geduldiger Mensch ist ein viel erfahrener Arbeiter. Nur bei großen Arbeiten erkennt der Mensch die Wertlosigkeit der Gereiztheit. Angesichts der Großen Bildnisse erkennt er die völlige Nichtigkeit des Vergänglichen. Die Eigenschaften der Lebenserscheinungen können ohne viele Prüfungen weder bewertet noch unterschieden werden. Man sollte nicht meinen,


Geduld wäre eine unbegründet verliehene Auszeichnung; im Gegenteil, sie ist eine sowohl im irdischen als auch im feinstofflichen Bereich mit besonderen Schwierigkeiten erworbene Eigenschaft. Der geduldige Mensch ist daher reich an Erfahrungen, während der ungeduldige ein Neuling im Leben ist. Lasst uns auf dem Pfad daran denken.

    120. Die Selbsttätigkeit ist eine unerlässliche Eigenschaft. Diese wird ebenfalls nicht leicht erworben. Sie kann in Willkür ausarten oder bis zur Auflösung schwachen. Jeder Lehrer strengt sich an, dem Schüler wirksame selbständige Tätigkeit einzuflößen, aber wie lässt sich das mit der Hierarchie vereinbaren? Es gibt viele Missdeutungen, welche die Auffassung dieses Begriffes erschweren. Über den Widerspruch zwischen selbständiger Tätigkeit und Hierarchie könnten ganze Abhandlungen geschrieben werden. Sehr schlaue Einflüsterer werden zu beweisen suchen, dass auf diese Weise die Unwandelbarkeit der Hierarchie erschüttert wird. Die Einflüsterer werden die Tatsache zu verbergen suchen, dass unabhängige Tätigkeit mit Anpassung verbunden ist oder, wie es heißt, mit allen Bewusstseinsgraden in Einklang stehen muss.

    121. Man sollte scheinbare Widersprüche überwinden können. Einerseits ist es notwendig, Herzensgüte zu entwickeln, andererseits, die Strenge zu begreifen. Für viele ist diese Aufgabe völlig unlösbar; nur das Herz kann einem eingeben, dass diese zwei Eigenschaften sich nicht widersprechen. Nur das Herz kann einem eingeben, wann es notwendig ist, seinem Nächsten zu Hilfe zu eilen. Das Herz wird anzeigen, wann dem Wahnsinn des wütenden Tieres Einhalt zu bieten ist. Man kann das Gesetz, wann dies oder jenes zu vollbringen ist, nicht in einem Wort


zum Ausdruck bringen. Die Gesetze des Herzens sind ungeschrieben, aber in ihm wohnt Gerechtigkeit, denn das Herz ist die Brücke der Welten.
    Wo ist die Waage der Selbstverleugnung? Wo ist der Richter der Heldentat? Wo ist das Maß der Pflicht? Beim Befehl des Herzens blitzt das Schwert des Wissens auf. Für das Herz wird es keinen Widerspruch geben.

    122. Das Eindringen in die Sphären der Feinstofflichen Welt wird dem irdischen Leben nicht widersprechen. Das Leben in der Feinstofflichen Welt ist keine Geisterbeschwörung; man muss sich die richtige Auffassung aneignen. Wenngleich die irdischen Augen noch nichts sehen und die Ohren noch nichts vernehmen, wird das Herz dennoch die Wirklichkeit erkennen. Für den Fortschritt muss die Überirdische Welt anerkannt werden. Dieses erweiterte Bewusstsein wird die Lebenseinstellung des einzelnen ganz umgestalten. Die Zeit ist gekommen, in der das Bewusstsein für weite Wahrnehmungen vorbereitet werden muss. Nur in breitem Verstehen kann der sich vollziehende Prozess erkannt werden.

    123. Ihr seht, dass sich die Welt im Kriegszustand befindet. Ihre Gesichter sind verschieden! An einer Stelle werden sie verhüllt, auf der anderen liegen sie offen dar, aber sie sind gleich bedeutungsvoll! Ebenso erlangt Umwälzung eine eigenartige Bedeutung; sie kann sich auch ohne diese Bezeichnung vollziehen. Vielleicht meinen manche, der Prozess vollziehe sich zu langsam, aber im Grunde genommen ist er sogar beschleunigt.

    124. Der Planet war oft von Kometen gefährlich bedroht Die Menschen aber haben sogar in der gespannten Atmosphäre nichts Ungewöhnliches verspürt. Es gab einzelne Personen, die begriffen haben, wie gespannt die Atmosphäre war, aber die überwältigende Mehrheit hat


nichts bemerkt. Man konnte ein seltsames Experiment ausführen, indem man beobachtet, wie die Menschheit auf bestimmte Ereignisse anspricht Man würde bemerken, dass sogar auffallende Weltereignisse selten ins Bewusstsein eindringen. Der Grund dafür ist, dass die Menschen die Dinge auf ihre Weise sehen wollen und ihrem Bewusstsein die rechte Äußerung verwehren. Solche Menschen sind für Zusammenarbeit ungeeignet.

    125. Von eben so geringem Nutzen sind jene die ihre Arbeit nur halb ausführen. Sie sind leicht enttäuscht und erzielen keine Ergebnisse. Die Arbeit muss auf völliger Hingabe aufgebaut sein. Oft ist es einem nicht beschieden, die Fruchte seiner Arbeit zu sehen, aber man muss wissen, dass jeder Tropfen Arbeit unbestritten bereits eine Errungenschaft ist. Mit diesem Wissen wird man auch in der Feinstofflichen Welt die Arbeit fortsetzen. Ist es nicht das gleiche, wenn die Aufgabe gedanklich erfüllt und in Gedankenformen zum Ausdruck kommt? Die einzige Bedingung ist, dass die Arbeit nützlich ist. Es liegt nicht an uns zu beurteilen, wo Arbeit von größtem Nutzen ist - sie zeichnet ihre eigene Spirale.

    126. Nie zuvor haben wir uns bei solcher Anspannung unterhalten. Nie zuvor war die Erde so sehr von braunem Gas eingehüllt. Nie zuvor war der Planet so sehr mit Hass überflutet. Es ist undenkbar, die Erschütterungen der Völker nicht zu fühlen. Wenn Ich Mich daher um die Gesundheit sorge, denke Ich an die ungewöhnliche Sachlage der ganzen Welt. Es ist beklagenswert, dass die Völker die Weltverhältnisse nicht bedenken. Es wird viel Energie verschwendet. Denkt nicht, dass die besondere Spannung nur vom persönlichen Verhalten herrührt, sie vibriert im Einklang


mit den Weltverhältnissen. Die psychische Energie ist angespannt, sie ist sowohl zum Empfang als auch zur Abwehr bereit. Der Geist fühlt die Gedanken der Feinstofflichen Welt.

    127. Die Sternexplosionen haben für die Erde erst Bedeutung, wenn der Photochemismus zur Auswirkung gelangt. Dieses Beispiel ist auch für menschliche Beziehungen sehr lehrreich. Der Beginn und das Ende gegenseitiger Beziehungen lässt sich nicht verfolgen. Wie die weit voneinander entfernten Himmelskörper im Universum aufeinander einwirken, ebenso können auch menschliche Fluida auf weite Entfernungen wirksam sein. Dieses komplexe Gewebe der Zwischenfunktion kann man sowohl in der grobstofflichen als auch in der Feinstofflichen Welt wahrnehmen. Ich spreche hier nicht von der Gedankenübertragung, sondern über die Fluidaausstrahlung, die als ständiges Ausströmen der Urenergie, in Übereinstimmung mit dem magnetischen Prinzip, angetrieben wird. An diesen Grundsatz sollte bei jeder Zusammenarbeit gedacht werden.

    128. Es ist üblich, Geoffenbartes in Form eines Kreises darzustellen, weil außerhalb diesem etwas Nichtgeoffenbartes vermutet wird. Dieses Zeichen über Nichtgeoffenbartes ist dadurch bedingt, dass die Grenzlinie des Nichtgeoffenbarten sehr gewunden verläuft. Es dringt überall dort ein, wo der Widerstand schwach ist.

    129. Es ist wertlos zu meinen, Chaos wäre irgendwo weit weg; die Menschheit gewährt ihm mit jedem unordentlichen Denken Zutritt. Nur ein standfestes Bewusstsein kann ein Schutz gegen Chaos sein. Manchmal werden die kleinsten äußeren Erscheinungen ganz tief


einwirken. Eine Einwirkung erfolgt nicht allein durch Bosheit, sondern auch infolge des zersetzenden Chaos - dies ist bei Zusammenarbeit eine äußerst gefährliche Eigenschaft.

    130. "Bruderschaft ist auf Erden unmöglich", so erklären jene, die von Ichsucht beherrscht sind? "Bruderschaft ist auf Erden unmöglich", sagen die finsteren Zerstörer. "Bruderschaft ist auf Erden unmöglich", flüstern die Schwächlinge. Auf diese Weise bemühen sich viele Stimmen, die Seinsgrundlagen zu verneinen. Jedoch in verschiedenen Epochen haben viele Bruderschaften bestanden, und nichts konnte ihr Vorhandensein unterbinden. Was die Menschen nicht sehen, existiert für sie nicht. Diese Unwissenheit kann man von alters her bis heute verfolgen. Wenn ein Mensch nicht sehen will, kann nichts ihn dazu zwingen. Es ist an der Zeit zu begreifen, dass nicht nur Sichtbares existiert, sondern dass die Welt auch von unsichtbaren Wirklichkeiten erfüllt ist.

    131. Wodurch können Brüder in Verbindung sein? Im irdischen Körper wird es nur eine vorübergehende Verbindung geben. Auch die Verbindung im feinstofflichen Körper wird schwach sein. Nur die Körper des Lichts können sich gegenseitig festigen. Nur unter dem Strahl der Konzentration gibt es gegenseitiges Verständnis. Lasst uns daher den Begriff Bruderschaft nicht oberflächlich betrachten, weil er dann in irdischen Grenzen bleibt und nutzlos sein wird. Der führende Magnet ist weder im irdischen noch im feinstofflichen Körper verankert, sondern im Geisteskorn, in dem die Vorstellung übersteigenden, verliehenen Licht. Wer das höhere Mysterium der Bruderschaft nicht versteht, täte gut daran, diesen Begriff nicht zu schmälern. Er möge sich erneut in die Feinstoffliche Welt versenken und das Leuchten der Höheren Welt kennen lernen. Vielleicht


wird dieser Wanderer bei seinem neuen Aufstieg einen Lichtfunken mit sich führen.
    Lasst uns daher dem Begriff Bruderschaft mit Behutsamkeit begegnen.

    132. Bei ruhiger Oberfläche gibt es eine klare Widerspiegelung. Jede Erregung entstellt die Klarheit. Ebenso braucht die ursächliche Energie die Ruhe, um die Wahrheit widerzuspiegeln. In diesem Sinn bedeutet Ruhe weder Niedergang noch Schwäche. Der Energiespiegel kann nur durch störende Erregung verzerrt werden.
    Die Menschen sprechen viel von der Ruhe der Weisen. Diese ist jedoch eine gewaltige Anspannung; so gewaltig, dass die Energieoberfläche spiegelglatt wird. Daher darf Ruhe nicht für Untätigkeit gehalten werden.

    133. Verleumdung durch die Finsteren bedeutet Lob. Man kann verfolgen, wie die Djins Tempel fleißig aufgebaut haben. Sie hatten keine Ahnung, dass ihre Arbeit von großem Nutzen war. Über die Arbeit der Djins könnte ein Buch geschrieben werden.

    134. Menschen, in denen das brüderliche Element der Zusammenarbeit verankert ist, können von klein auf beobachtet werden. Sie unterscheiden sich gewöhnlich atark von ihrer Umgebung. Sie verfügen über eine sehr gute Beobachtungsgabe und sind für Eindrücke sehr empfänglich. Sie geben sich nicht mit Mittelmäßigkeit zufrieden und stehen den allgemein üblichen Vergnügungen meist fern. Sie erwecken den Eindruck, als erfüllte sie gleichsam eine innere Aufgabe. Sie nehmen viel wahr und prägen es ihrem Bewusstsein ein. Sie sind gewöhnlich sehr mitfühlend, als ob sie sich des Wertes dieser Eigenschaft erinnerten. Sie empören sich über grobes Benehmen, als ob sie sich der ganzen Gemeinheit dieser Eigenschaft bewusst wären. Sie konzentrieren sich auf ihre Lieblingsthemen.


Sie sind von Neid und Böswilligkeit umgeben, weil sie den Menschen fremd und unverstanden bleiben. Es ist nicht leicht, ein Leben höheren Bewusstseins zu führen, denn inmitten allgemeiner Verneinung von allem, was zum Lichte führt, fühlt man sich unzufrieden.
    Diesen Auserwählten begegnet man nicht oft. Sie werden oft nicht erkannt. Ihr Traumbild ist von weither und dünkt anderen Menschen gleichsam als Wahnsinn. Von alters her kennt man die Bezeichnung "heiliger Wahnsinn". Weisheit wird laufend als Wahnsinn bezeichnet. Ebenso bezeichnen die Menschen ein erhabenes Bewusstsein. Betrachten wir diese Grundsätze nicht als allgemein bekannt, denn sie bleiben wirklich für ganze Zeitalter missachtet.
    Daher prägt sich der Begriff Bruderschaft schwer ins Bewusstsein ein.

    135. Das Zwielicht des Geistes wird von Menschen erzeugt. Von dem Erbe der Feinstofflichen Welt verbleibt nicht mehr als von einem Traum. Sogar der Verstand ist ihm Feind. Der Verstand nimmt Erscheinungen der Höheren Welt nicht auf. Das feurige Leuchten ist ihm besonders lästig.

    136. Die Menschen ihrem Bewusstsein gemäß zu behandeln, ist eine erhabene Eigenschaft. Man sollte nicht vergessen, dass das meiste Elend aus Mangel an Entsprechung entsteht. Sogar sehr gute Dinge dürfen, sobald sie das Fassungsvermögen eines Bewusstseins übersteigen, nicht geboten werden. Es ist nicht ratsam, zu einem unvorbereiteten Menschen über Harmonie oder Schwingungsverbindungen zu sprechen. Wer kann voraussehen, was dieser Mensch sich unter den Begriffen Harmonie und Schwingungsverbindungen vorstellt? Aber


er wird begreifen, wenn von behutsamem Verhalten gegenüber seiner Umgebung gesprochen wird. Dieser einfache Begriff über Besorgnis wird zur festen Grundlage jeder Zusammenarbeit der Bruderschaft. Es ist wünschenswert, dass jede Zusammenarbeit ein fürsorglicher Nährboden sei. Das wird sich in Aufmerksamkeit, Besorgnis, Mitleid und Liebe auswirken. Wie viel Kraft kann allein durch Sorgfalt bewahrt werden! So viele kosmische Einwirkungen des Geistes können durch die einfachste Sorgfalt geregelt werden. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie sehr die Aura des Heimes gestärkt wird, wenn die Besorgnis beachtet wird. In vielen Menschen ist das Verstehen der Hierarchie völlig getrübt, aber auch in diesem Fall wird Besorgnis die Lage verbessern, man braucht sich nur gegenseitig behutsamer verhalten! Dies ist zwar keine große Verpflichtung, aber dennoch ein Grundstein.

    137. Die Menschen sprechen viel von Kultur, aber auch dieser Grundsatz darf nicht erschwert werden. Die Verbesserung des Lebens und die Hebung der Moral müssen einfacher verstanden werden. Jeder, der ein besseres Leben kennt, wird sich allem Schönen gegenüber behutsam verhalten. Man sollte gütiger sein.

    138. Aufmerksamkeit hilft, von vielen äußeren Einwirkungen Notiz zu nehmen, aber auch diese Bestrebtheit wird durch lange Erfahrung entwickelt.

    139. Vergleichen wir die Eigenschaft gedanklicher Heldentaten mit jenen, die durch eine irdische Tat erlangt werden. Der Vergleich der Anzahl von Gedankenentschlüssen wird gegenüber der kleinen Menge vollbrachter Taten verblüffen. Gewiss stellt jeder auf das Gute gerichtete Gedanke


unbestritten einen Wert dar. Es ist jedoch lehrreich zu verfolgen, wie schwer es fällt, Gedanken in die irdische Tat umzusetzen. Man kann wirklich darüber erstaunt sein, warum Gedanken der Tat so fern stehen!
    Sehr starke Gedanken bedürfen keiner Tat, aber außer diesen vereinzelten Denkern gibt es viele gute Gedanken, die dennoch nicht stark genug sind, um sich im Geist auszuwirken, weshalb sie jenen Punkt irdischer Tat nicht erreichen. Dieser halbe Weg ist wie immer träge. Er kann den gesunden Fortschritt des Menschen verhindern.
    Daher lasst uns sehr besorgt Hilfe gewähren, damit der Keim des guten Gedankens in die Tat umgesetzt wird.

    140. Jeder Aufstieg wird durch die Tat symbolisiert, aber es ist nicht leicht zu beurteilen, welche Tat dem Gedanken entspricht. Viele Nebenumstände werden hinderlich sein und dem Versuch zur Tat ihre eigene Färbung geben. Man muss ungeheure Geduld aufbringen und über gute Beobachtungsgabe verfügen, um sich im Dickicht des widersprüchlichen Chaos zurechtzufinden. Man muss seine Arbeit lieben, um darin Erholung und Rechtfertigung zu finden.

    141. Man könnte fragen, ob die Zahl der Ärzte durch Zunahme von Markenarzneien abnehmen wird? Dies wäre eine Katastrophe. Überall werden Ärzte gebraucht, wenn unter einem Arzt ein hochgebildeter Menschenfreund verstanden wird. Wahrlich, die herkömmlich zubereiteten Arzneien können oft Krankheiten hervorrufen, die der Arzt individuell heilen muss. Es bedarf einer sehr feinstofflichen Verbindung von Eingebung und Arzneien.


Wir sprechen nicht von der Chirurgie, denn dieses Gebiet bedarf keiner Erörterung, wenn es seine Grenzen nicht überschreitet. Ein Chirurg, der eine unnötige Operation vollführt, gleicht oft einem Mörder. Deshalb verlangt auch dieses Gebiet wahres Gefühlswissen.
    Aber noch schwieriger gestaltet sich die Lage des Arztes, wenn mehrere Krankheiten gleichzeitig auftreten, und diese Fälle mehren sich. Eine Krankheit kann geheilt, die andere dadurch verschlechtert werden. Viele Gegenden müssen noch bis heute der vernünftigen ärztlichen Hilfe entbehren. Diese Lage vermindert die Lebensfähigkeit. Degeneration ist keine Erdichtung. Überall können die Anzeichen dieses Elends beobachtet werden. Dieser Übelstand trifft nicht nur die gegenwärtige Generation, er verdirbt auch die Menschheit der Zukunft. Man wird aufschreien, dass dieser Rat alt sei. Doch wenn dem so ist, warum wurde er bisher nicht befolgt?
    Bruderschaft kann nur bei guter Gesundheit gedeihen.

    142. Führt Menschen, die schwanken, nicht zu fernen Planeten. Sie werden aus Unwissenheit stolpern. Mögen sie ihr Bewusstsein vorerst durch Lektionen auf Erden festigen. Mögen sie etwas über Zusammenarbeit, Vertrauen und Disziplin lernen. Den Menschen kann zur Lebensverbesserung nützliche Anweisung erteilt werden. Durchkreuzen wir die Aufgaben der Menschen nicht, das könnte sie nur in neue Verwirrung bringen. Nicht die Ausnahmen, sondern die Massen müssen in Betracht gezogen werden. Bieten wir daher zuerst das Unerlässliche. Könnte es ohne Grundlagen eine Bruderschaft geben?

    143. Zerrissenheit erschwert die Seinsgrundlagen. Man muss


die Verbindung zwischen der irdischen und der Feinstofflichen Welt finden. Nicht auf dem Papier, sondern im Herzen muss man genau verstehen, was den Menschen Not tut. Klagen und Pein beweisen die vielen Fehler. Sie werden begangen, indem man nur an eine Gruppe, aber nicht an die gesamte Menschheit denkt. Die Menschen brauchen rettende Ratschläge.

    144. Der Bauer bereitet und verbessert das Feld; er bestellt es zur günstigen Zeit und wartet geduldig auf das Sprießen und die Ernte. Er umzäunt das Feld, damit die Tiere die junge Saat nicht zertreten. Jeder Bauer kennt die Ursachen und Wirkungen. Die Menschen jedoch wollen in den gegenseitigen menschlichen Beziehungen weder Ursachen noch Wirkungen erkennen - sie sorgen sich nicht um die Sprösslinge und woll